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Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau – touristische Sehenswürdigkeit oder wichtige Bildung?

November 20, 2013 1 Kommentar

Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden im größten deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. 1100000. Eine unvorstellbare Zahl, die für mich auch nach so vielen Jahren Beschäftigung mit Geschichte abstrakt blieb. Beim Besuch des Vernichtungslagers im heutigen Polen bekommt der Schrecken des Holocausts ein Gesicht. Doch Auschwitz ist auch zu einer Touristenattraktion geworden. Ist das schlecht oder wichtig für uns? Einige Gedanken und Photos von mir zu Gedenkstätten und ihrer Wichtigkeit.

Auschwitz-Birkenau Gedenkstätte

Immer wieder stellt sich die Frage, wie viel Bildung und Unterricht wir im Bereich Holocaust noch benötigen. Schüler maulen schon einmal gerne: „Schon wieder Drittes Reich?“ oder „Das haben wir jetzt schon so oft gemacht“. Auch deshalb wurden in vielen Kernlehrplänen deutscher Bundesländer im Fach Geschichte die Thematik „Nationalsozialismus“ etwas verringert. Aber ist dies zeitgemäß?

Gerade in diesem Jahr erleben wir besonders hartnäckig den Aufschwung von rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa: In nahezu allen westlichen Ländern Europas sind rechte Parteien integraler Bestandteil der Politik, in Frankreich und den Niederlanden stellen sie die jeweils stärksten Parteien. (Besonders diese wollen nun auch verstärkt Europa „spalten“.) Auch in Deutschland schafft eine rechtspopulistische Partei fast den Einzug in das Parlament. Ich möchte hier gar nicht den (sicherlich tief liegenden) Ursachen dieser Bewegungen nachspüren (das haben andere sowieso schon besser gemacht), sondern fragen (auch mich selbst), wie wir als Menschen, Lehrer, Eltern oder Freunde mit Gedenkstätten wie in Auschwitz erinnern können – erinnern, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt und wir uns der Tragik und dem Horror der Shoah immer bewusst sind.

Auschwitz -Arbeit macht frei

„Your aim is to educate young people from every background about the Holocaust and the important lessons to learned for today.“ (HET).

„Discrimination isn’t dead. These people were humans and it could happen again. It wasn’t that long ago.“ (Sammye Whitbread, Student)

It makes it much more real. When you see hair and possesions you realise they are real people who died.“ (Beth Mannig, Student)

Diese Zitate las ich neulich in der Huffington Post („Auschwitz-Birkenau And Holocaust Horrors Taught To Students To Ensure Future Generations Never Forget„), und ich fand sie sehr aufschlussreich: Sie drücken auch meine Gedanken zu diesem schweren, unbegreiflichen Thema aus und zeigen, dass auch Schüler und Studenten die Wichtigkeit der Holocaust-Bildung verstehen können – wenn sie denn ein Konzentrationslager und die dortigen Taten mit eigenen Augen sehen und verstehen.

Auschwitz Stacheldraht

Mein Besuch in der heutigen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau startet merkwürdig: Es ist ein bisschen wie in einem großen Freizeitpark und unterscheidet sich kaum von anderen großen europäischen Sehenswürdigkeiten. Zahlreiche Reisebusse, herumirrende Touristen, Souvenirshops und Kiosks mit Süßigkeiten, Gedrängel an den Kassen und vor dem Eingang. Ich fühle mich unwohl, und wäre gerne alleine. Auschwitz heute ist (leider) auch eine riesengroße touristische Sehenswürdigkeit mit tausenden Besuchern pro Tag. Es ist mir eigentlich schon beim Start der Führung alles etwas zuviel: zuviele Menschen, zuviel Gewusel, vor allem zu wenig Ruhe und Einkehr angesichts dessen, was uns Besucher erwartet.

Doch das Bild ändert sich rasch. Mit dem Durchschreiten des „Arbeit macht Frei“-Bogens und dem richtigen Beginn der Führung ist es blitzartig ruhig. Teilweise gespenstisch ruhig. In den Katakomben, Einrichtungen und ganz besonders den Gaskammern schieben sich hunderte, tausende Menschen durch die Gänge und es ist dennoch unglaublich still. Stille, die einen bedrückt und teilweise tief bewegt und in Gedanken zurücklässt. In den Räumen des Museums, in denen die Haare, Schuhe oder Kleidung der Opfer aufgestapelt sind, ist die Trauer und die Beklommenheit von uns Besuchern fast mit Händen greifbar. Es fasziniert mich: Viele Schülergruppen sind an diesem Tag mit mir dort, über Stunden (allein die Führung dauerte 3,5 Stunden) wird kaum bis gar nicht gesprochen.

Auschwitz Todesgraben

Man spürt förmlich, wie hier Geschichte lebendig wird. Der Stacheldraht, die Einrichtungen, die Gebäude, die Bilder: Alles ist da. Es ist wirklich passiert, hier an dieser Stelle. Hier wurden Menschen ermordet – nur aufgrund ihrer Rasse, ihrer Religion, ihrer politischen Zugehörigkeit oder ihrer sexuellen Orientierung. Nur aufgrund von Hass und politischem Wahn.

Trotz all diesem bleibt es unwirklich, fast unglaublich. Dieser Gedankengang – und ich bin mir sicher, dass dies so ähnlich jedem durch den Kopf geht – ist so wichtig, denn hier findet ein Lernprozess statt. Mir zeigt es, wie wichtig solche Gedenkstätten auch und gerade heute für meine und jüngere Generationen sind. Hier wird aus der Touristenattraktion plötzlich eine Bildungseinrichtung und eine authentische Begegnungsstätte mit dem Holocaust.

Auschwitz- HALT!

So können Gedenkstätten wie das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (hoffentlich) dazu beitragen, den Hass und die täglichen Diskriminierungen auf der Welt zu reduzieren. Zustimmen kann ich in diesem Zusammenhang einem Beitrag für die „The Jerusalem Post„. Shimon Ohayon spricht sich dafür aus, Holocaust-Unterricht als Gegenpart zum aufkommenden Rechtspopulismus in Europa zu nutzen: „Europeans must remember this dark chapter of history because there are events taking place every day which are eerily reminiscent of the National Socialists’ amassing of political power leading up to the Holocaust. Europeans must be taught the past so they can stand in the way of these groups in ways that their ancestors did not, before it is too late.“

Das Lernen aus der (NS-)Geschichte hat erst begonnen und NS-Ideologien sind leider noch immer in unserer Gesellschaft tief verankert (siehe dazu auch den wieder gesellschaftsfähigen Antisemitismus). Und genau daher muss es unsere Aufgabe sein, besonders jungen Menschen dieses dunkle Kapitel der Menschheit mit all seinen Facetten zu vermitteln. Damit wir und sie niemals vergessen. In dieser Hinsicht ist besonders auch Auschwitz-Birkenau ein unglaublich wichtiger Bildungsort und eben nicht „nur“ Sehenswürdigkeit.

Auschwitz Schonungsblock

Auch aus diesem Grund erachte ich es als wichtig, heute und in Zukunft immer wieder mit kleinen Denkanstössen zu arbeiten, neue Bildungswege in diesem Bereich zu erarbeiten und kleine Projekte wie beispielsweise die Stolpersteine oder @9nov38 zu unterstützen und zu beachten.

Auch das Museum selbst ist auf einigen Social Media-Kanälen (z.B. Facebook und Twitter) unterwegs und trägt auf diese Weise dazu bei, das in einer immer schnelllebigeren Welt die Erinnerungen an den Holocaust erhalten bleiben. Ich kann den Besuch der polnischen Gedenkstätte jedem nur ans Herz legen. Es ist gleichzeitig traurig und lehrreich, es ist bedrückend, aber fördert genau dadurch unser Bewusstsein für Geschichte und trägt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Mitmenschen bei.

Auschwitz wall of death

Träume leben: Island

September 19, 2012 1 Kommentar

Hier war in den letzten Wochen nicht viel zu lesen – und dabei hätte es eigentlich viel zu berichten gegeben, vor allem musikalisch haben sich viele Empfehlungen angestaut, die Bundesliga läuft wieder, und nebenher ist die aktuelle Serien-Season auch wieder besonders heiß. Doch manchmal ist es leider so, dass einen die richtige Arbeit zu sehr beschäftigt. Vielleicht hole ich einige Dinge nach, andere werden einfach wegfallen.

Auch in den nächsten Wochen wird hier eher wenig passieren, da ich mich mal wieder auf eine kleine Reise begebe, meine Träume lebe und meinen Schreibtisch, Bücher und PC gegen Natur, Abenteuer und Zelt tausche. Es geht endlich nach Island, dem „letzten großen Abenteuer in Europa“, wie die Outdoor-Marke schreibt, deren Werbeslogan ich hier dreist in die Headline kopiert habe. Seit vielen Jahren möchte ich dort reisen, und nun ist es endlich soweit. Ich werde versuchen ab und zu mal Photos zu updaten, je nach Netzverfügbarkeit und Lust und Laune.

Meine grobe Ausrüstung sieht man hier, wie ich später beim Packen gemerkt habe einfach viel zuviel an Packmaß und Gewicht. Irgendwann denke ich über Ultralight-Trekking nach.

Island, Iceland, Outdoor, Camping

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Einige Linktipps zu Island:

Immer wieder wunderbare Photos aus und von Island gibts bei Kai Müller, der außerdem noch mit an Bord ist bei diesem tollen Blog über Islands Musikszene.

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Klara Harden war letztes Jahr ganz alleine on Iceland unterwegs, sehr faszinierend:

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Diese zwei Jungs waren 3 Wochen auf großer Island-Rundreise unterwegs und haben alle Erlebnisse in einem lesenswerten Blog dokumentiert, dazu viele tolle Photos.

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Zum Abschluss ein schönes, witziges Video über Island und seine Menschen. (mit Musik von Emiliana Torrini, bei deren Papa wir mal essen gehen ,))

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Sommer in Mainz

Während meine ganze Family grad irgendwo in der Welt herumspringt, bin ich meistens am Schreibtisch. Normalerweile ist das ja eher andersrum. Das schöne aber ist ja, dass ich in einem Ort wohne, der oft schöner ist als viele Urlaubsorte auf der Welt. Also, Teil der aktuellen Schreibtischarbeitsüberlebensstrategie(*Begriff geklaut bei Laurelie) ist: Versuchen sooft wie möglich raus, in die Stadt, in die Weinberge, in die Natur. Und ab und zu diese Momente festhalten und die Kamera betätigen.

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Red Bull Flugtag in Mainz – Absturz im Zollhafen

Mai 29, 2012 1 Kommentar

Pfingstmontag 2012, Sonne, Hitze und ein Menschenstrom vor meinem Fenster wie sonst höchstens an Rosenmontag. Was war passiert? Die Marketing-Spezialisten von Red Bull hatten ihren nächsten Flugtag im Mainzer Zollhafen anvisiert. Viel Werbung, das aktuelle Traumwetter und die gute Location in der Neustadt sorgten für einen riesigen Besucherandrang. 

Dass es voll werden würde, war bereits vorher klar. Doch wieviele Menschen wirklich zu dem Flug-Wahnsinn von Red Bull wollen, stelle ich erst morgens beim Aufstehen mit einiger Verwunderung fest: Auf der Straße bewegen sich tausende Menschen in einem nicht versiegenden Strom zwischen Bahnhof und Rhein. Es ist heiß, die Sonne knallt schon frühmorgens, es riecht überall nach Feierstimmung und Vorfreude. Der Flugtag im kleinen, beschaulichen Mainz? Schon eine kleine Sensation – war die große Red Bull Show rund um selbstgebastelte Flugobjekte doch bisher lediglich in deutschen Millionenstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln statt.

Der Mainzer Zollhafen, der seit längerem eine Baustelle ist und in ein Wohn-und Lebeviertel umgebaut wird, war seit Tagen nicht wiederzuerkennen und zu einer einzigen großen Eventfläche verändert. Doch auch die weiten Flächen und Tribünen auf der Rheinallee-Seite waren nicht genug: Das Gelände war an diesem Tag leider 3 Nummern zu klein. Schon gegen 10 Uhr morgens warten Tausende auf den Einlass, bereits gegen kurz nach 11 wird das Gelände zum ersten Mal abgeriegelt. Drinnen beginnt der Kampf um Plätze, Tribüneneintritt und Getränke. Es herrscht ein wenig Rosenmontag-Stimmung, zusätzlich unterstützt durch das Moderatoren-Duo Klaus Hafner (Mainz05-Stadiosprecher) und Tobias Mann (Mainzer Karnevalist) mit ihren Helau-Rufen und „Laola“-Versuchen. Etwa eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start ist auf dem Gelände der sprichwörtliche Siedepunkt erreicht: Menschenmassen, Hitze und eine Menge Chaos.

Während sich nun, einen Tag später, Red Bull mit einem Tag der Superlative brüstet (150.000 Zuschauer, neuer Weltrekord und einer Stimmung wie beim Karneval), gibt eine Großzahl der Besucher schlechtes Feedback ab: zu voll, zu heiß, keine Plätze, zu wenige Getränke, schlechte Organisation, Chaos.  – Und ich frage ich mich ganz lapidar: Was denken sich Menschen bei solcher Kritik? Ja, ganz klar, auch wir waren anfangs not amused über die Tribünen-Situation, auch uns war heiß, auch wir mussten anstehen. Aber: Das Event war kostenfrei, man durfte sogar Getränke (selbst Bier!) und Essen mit hinein nehmen, und entgegen jeder Kritik waren Security und Ordner zwar bestimmt, aber freundlich und professionell. Nicht zuletzt: An den Gittern außen gab es kostenlos Trinkwasser im Becher, an einem solchen heißen Tag eine tolle Geste der Veranstalter.

Letztlich zählt für mich: Bei solchen Events muss man 1) früh aufschlagen 2) sich selbst um Verpflegung kümmern und 3) etwas vorausschauend denken (Dazu gehört zB auch keine Hunde oder Babys mitzunehmen). Alles andere macht nie Sinn, das zeigt doch die Erfahrung. Folglich sind all dies Probleme des Besuchers, nicht der des Veranstalters. Ein bisschen Denken schadet nie!

Den Veranstalter Red Bull kann man für andere Dinge rügen, soviel ist auch sicher: Langatmigkeit zwischen den Sprüngen und der Choreo, eine grenz-debile Co-Moderatorin („Doppel-D(esi)“), ein übermotivierter, letztlich überforderter Moderator Tobias Mann, eine vor allem anfangs schlechte Akkustik und nur eine einzige Videoleinwand. Doch trotz dieser Probleme kann ich da auch darüber lachen: Manchmal ärgerlich, aber das sind Premieren-Fehler in einer kleinen Stadt, wie sie einfach immer vorkommen. (Der Besucherandrang konnte in dieser Dimension in Mainz kaum erwartet werden.)

Bei aller Kritik muss man hier auch festhalten, dass dies alles eine einzige große Werbe-Veranstaltung ist und wir trotz allem einen schönen Vormittag/Mittag am Zollhafen hatten, es uns in der Sonne gut gehen ließen und viel Spaß mit den Choreos und den verunglückten Abstürzen in den Rheinhafen hatten. Viele toll aussehende Fluggeräte stürzten zwar viel zu schnell ab, aber eigentlich geht es doch genau darum: Spaß haben, der Sieg hier an diesem Tag ist nebensächlich. So verpassten wir auch leider den neuen Weltrekord, aufgestellt vom Wiesbadener Team „Rückkehr der Teichfighter“, weil wir noch weiter mussten, aber das ist doch alles halb so wild. Für einen Pfingstmontag nach einem langen, anstrengenden Wochenende war das genau das Richtige.

Fazit: Red Bull versteht es wie keine andere Marke der Welt, Werbung mit Freude, Spaß und Action zu verbinden. Auch in Mainz ist ihnen ein erinnerungswürdiges, riesiges Event geglückt, deren Premiere noch von einigen Fehlern und zu wenig Platz für zuviele Besucher begleitet wurde, aber gerne in den nächsten Jahren wieder stattfinden sollte. Eine Bereicherung für Mainz und den Hafen.

Nur ein Spaziergang – Von Schottland nach Neuseeland

März 4, 2012 4 Kommentare

Zu Fuß von Edinburgh in Schottland nach Dunedin in Neuseeland über 3 Kontinente, durch 15 Länder und etwa 20.000 Kilometer klingt nach einer wahnsinnigen Idee. James Thomas aus Irland hatte diese Idee und ist nun seit knapp 2 Monaten unterwegs. „Just going for a stroll“ – übersetzt etwa „Mal eben einen Spaziergang machen“ nennt er sein extremes Abenteuer, welches ihn jeden Tag etwa 40-50km vorwärts bringt. Aktuell ist er in Mainz bei mir zu Besuch. 

Wie großartig das Internet und seine kommunikativen Fähigkeiten sind, zeigt sich immer wieder. Zum Beispiel so: Am Dienstag las ich bei der Rhein-Zeitung einen kleinen Artikel über James, und war begeistert und fasziniert von seiner Reise. Kurzerhand schrieb ich ihm eine Mail, falls er in Mainz vorbei käme, solle er sich melden. Seinen weiteren Weg konnte ich dann noch bequem per Twitter verfolgen. Gestern dann eine kurze Konversation per Mail, ein kurzer Anruf – und gegen 19 Uhr steht James bei mir vor der Haustür. Sympatischer, bärtiger Ire, blaues UNICEF-Shirt, Macbook, iPhone und Canon 7D in der Tasche und einen großen Buggy (tatsächlich ein Kinderwagen!) voller Gepäck.

Anfang Januar ist er in Edinburgh losgelaufen, sein bisheriger Weg führte ihn durch UK, die Niederlande und schließlich Deutschland, unter anderem mit Halt in Düsseldorf, Bonn, Koblenz, oder im kleinen Lorch. Später kommen noch Länder wie Iran, Indien, Indonesien oder Australien dazu. Seine Reise klingt verrückt: Zu Fuß ans andere Ende der Welt? Unglaublich! Im langen Gespräch am Abend zeigt sich schnell: Auch für James ist das eine große Herausforderung, jeden Tag neu loszulaufen, sich jeden Tag neu zu motivieren. Überhaupt die Motivation: Nicht das physische sei das Problem, sondern lediglich das mentale, sich immer wieder zu sagen: Weiter gehts.

Natürlich ist der Trip für James auch eine persönliche Erfahrung, körperliche Herausforderung und nicht zuletzt auch etwas Urlaub und Reise, aber ihm ist etwas anderes eine Herzensangelegenheit: UNICEF. Deshalb trägt er Shirts dieser Organisation, deshalb macht er das Projekt auch so öffentlich. Nicht er selbst möchte unterstützt werden, sondern die wichtige Arbeit von UNICEF. Dafür gibts eine eigene Spende-Website und viele Menschen haben dort wichtige Euros gespendet. Klasse Idee, dazu möchte ich mit diesem Blogposting zusätzlich beitragen.

Wir verquatschen uns bei Bier und schottischem Single Malt und ziehen noch recht spät los zu einer kleinen Mainzer Kneipentour. Gesprächsthemen finden sich dann doch schnell: Reisen, Studium, Whisky, Film und Photographie und natürlich immer wieder meine Fragen zu seinem Trip. (Mit einer Mischung aus Faszination, Respekt, Ungläubigkeit und Neid). Letztendlich trinken wir etwas viel und James entscheidet, die Weiterreise zu verschieben und einen weiteren Tag bei mir im schönen Mainz zu bleiben 😉

James nutzt alle paar Tage die Möglichkeit, Photos in seinen Flickr-Stream hochzuladen, seine Reisedaten zu aktualisieren und seinen Blog zu füllen. Hier könnt ihr zum Beispiel verfolgen, wo er sich gerade aufhält, bzw. wie die (ungefähre) Route weitergeht. Ich werde das mit Sicherheit immer wieder nachschauen, und wenn ihr Lust habt, James kennenzulernen, schreibt ihm: Super Kerl, dessen Geschichte allein schon interessant ist.

Alles Weitere zu ihm gibts auf seiner Website http://www.justgoingforastroll.com/.

Last, i need (!) this hammock 🙂

So übernachtet James, wenn er keinen sonstigen Schlafplatz oder Hostel findet. Übrigens: Am Ende seiner Tour in Neuseeland in etwa 2 Jahren wird er mit einem Segelschiff über Mittelamerika zurück nach Schottland schippern. Toller Abschluss einer verrückten, jahrelangen Reise.

„Der Jude an sich ist unsympatisch“

Februar 7, 2012 2 Kommentare

Am Sonntag Abend saß die junge, sympatische politische Geschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, bei Günther Jauch. Thema: Antisemitismus. Frau Weisband, bei Twitter äußerst erfolgreich als @afelia, war natürlich nicht nur eingeladen, weil sie gerade jeder einlädt, sondern auch weil sie gläubige Jüdin ist. Vieles in dieser Sendung war wieder einmal belanglos, da konnten auch die wirklich klug geführten Gespräche wenig dran ändern. Aber immerhin konnte man sich auf einen Konsens einigen: Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft nichts verloren – und darüber hinaus sollte man sich Verallgemeinerungen wie „Die Juden“, „die Christen“ etc. sparen. Jeder für sich ist Mensch, und keine Volksgruppe – oder Religionsgruppe ist über einen Kamm scherbar.

Doch dann stellte Kevin Barth, ein junger Piratenpolitiker aus Heidenheim, alle Worte von @afelia auf den Kopf.

Screenshot @Kevbarth-Account

Der „Jude an sich unsympatisch“. Man muss dies zweimal lesen, kurz auf sich wirken lassen. Barth macht hier ja gleich zwei Fehler. Er führt von einer israelischen Politik (die unter anderem auch durch europäische und us-amerikanische Politik unterstützt wird) auf das Volk und bezieht jedes Individuum mit ein. Dies ist noch halb verzeihbar, weil man dies in einer vielleicht erhitzten Debatte gerne macht: übertreiben und Vorurteile loslassen. Der zweite Fehler ist der größere, gefährlichere. Von israelischen Bürgern auf Juden allgemein zu schließen. Denn hier schließt sich der Kreis zu wirklich antisemitischen Meinungen des vergangenen Jahrhunderts. Es wird kein Unterschied gezogen zwischen der Volksgruppe der Juden und der Religion, dem Judentum. Barth meint hier ganz deutlich die „Israelis“, spricht aber den „Juden an sich“ an, so als gebe es über die ganze Welt verteilt nur einen Schlag Menschen jüdischen Glaubens.

Wir müssen uns das immer wieder vor Augen halten, auch und besonders in solchen Diskussionen: „Die Juden“ gibt es genauso wenig wie „Die Christen“. Es gibt deutsche Juden, amerikanische Juden, russische Juden. Und genauso gibt es auch in Israel Christen und Muslime. Letztlich könnte man jemanden wie Barth, der sich heute schon entschuldigte,  nun an den Pranger stellen, oder ihn beschimpfen – doch vielmehr müssen wir auch selbst daraus lernen: Wie können wir historisches Bewußtsein richtig vermitteln? Wie können wir Religionen und Geschichte pädagogisch weitergeben, so dass für alle, gerade auch junge Menschen ein klares Bild entsteht? Es wäre wünschenswert, wenn solche Falschaussagen zu neuen Diskussionen führen.

@Afelia sagte bei Jauch, dass sie sich wünscht, dass man das Thema Antisemitismus in Deutschland nicht mehr so oft in den Vordergrund stellen sollte. Hier möchte ich ihr widersprechen: An solchen Tweets, die sicher keine Einzelaussage sind, erkennen wir nur zu deutlich, dass wir noch viel Arbeit im Bereich des Antisemitismus vor uns haben.

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Dazu:

Julia Schramm erklärt dem Kevin auch einige Dinge. Und Primavera wartet auf eine öffentliche Stellungnahme der Piratenpartei.

Frohes Neues!

Januar 3, 2012 1 Kommentar

Schon wieder ist ein Jahr vorbei – und ich habe (noch) nicht eingestimmt in Jahresrückblicke, großartige Listen und persönliche Favoriten des Jahres. Mein letzter Eintrag hier im Blog ist fast einen Monat her. All dies hat natürlich auch seine Gründe, in den letzten Wochen steckte ich in zuviel Arbeit, war ständig unterwegs, und schrieb selbst an einer langen Arbeit. Kurzum: es blieb leider keine Zeit zum Bloggen. Ich werde versuchen in den nächsten Tagen mal einiges nachzuholen, doch einiges wird auf der Strecke bleiben.

2012 wird auch ein arbeitsreiches Jahr für mich werden – inwieweit ich hier regelmäßig schreiben und lange quatschen kann, wird sich noch zeigen. Ab und zu wird es in jedem Fall Berichte, Reviews und Vorstellungen geben, dafür macht mir das ja selbst auch zuviel Spaß. Ich danke in jedem Falle allen Besuchern des letzten Jahres, und hoffe, dass ihr dabei bleibt 😉 Ich wünsche Euch allen ein erfolgreiches, gutes Jahr 2012. Möget Ihr mit guter Musik, sehenswerten Serien und Filmen, begeisternden Reisen , tollen Erlebnissen und einem wunderbaren Freundeskreis gesegnet sein 😉

Als Einstieg in das Jahr gibts dann direkt mal ein kleines, feines Video, verbunden mit der Vorfreude auf das sicher großartige Konzert im Juli.

(via Nico.)

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