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Archive for the ‘Kino & TV’ Category

Argo, Fuck yourself!

Februar 4, 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Auf den fast letzten Drücker noch einen der Geheimfavoriten der Oscars im gemütlichen Kölner ‚Rex am Ring‘ gesehen: Argo. Ben Afflecks zweite Regiearbeit erweist sich als gutes, unterhaltsames Stück Kino.

Es ist November 1979, als im Laufe der Islamischen Revolution in Teheran iranische Studenten die US-amerikanische Botschaft stürmen und dort über 444 (!) Tage 52 US-Diplomaten als Geiseln nehmen. 6 der ursprünglich 58 Diplomaten können bei der Stürmung fliehen und kommen nach mehreren Tagen auf der Flucht in der kanadischen Botschaft unter. Diese 6 sollen nun von der CIA befreit werden, aber ihr fällt für diese kniffelige Situation keine Lösung ein und so engagiert sie Tony Mendez, einen Rettungsspezialisten. Mendez kommt auf die Idee, die Truppe mit einem fiktiven Science-Fiction-Film namens „Argo“ aus Teheran zu befreien. Um die Glaubwürdigkeit des Filmes zu erhöhen, wird ein Produktionsbüro gegründet, und es gibt Presselesungen und Werbung wird geschaltet. Klingt nach einem schlechten Film? Nun ja, wie im Filmtitel oben schon reißerisch steht: Der Film war zwar ein Fake, die Geschichte ist es aber nicht – und ging als Canadian Caper in die Geschichte ein. (Erst 1997 gibt die CIA ihre Beteiligung an dem Projekt bekannt.)

Ben Affleck hat aus dieser sowohl kuriosen, als auch ganz sicher spannenden Geschichte einen Thriller gedreht, der sowohl spannende Politthrillerelemente wie auch wunderbare Situationskomik bei der Durchführung von „Argo“ enthält. Historisch hält sich der Film für eine Hollywood-Produktion schon recht nahe an die Personen und Fakten, doch werden auch wichtige Teile der damaligen Geschichte nicht erwähnt oder aus der typischen amerikanischen Sichtweise interpretiert (es bleibt leider ein etwas satirisches Heldenepos, für politische Konsequenzen bietet der Film keinen Raum). Aber sicher wollte Affleck hier auch keine History-Doku drehen – und ein angenehm überraschender Kinofilm ist ihm gelungen. Da wäre zum einen die sowieso schon faszinierende Rettung, die der Film hier gekonnt und spannend interpretiert und darstellt. Dazu gesellen sich bis in die kleinste Nebenrollen hervorragende Schauspieler (in winziger Rolle zum Beispiel Philip Baker Hall), und ein aufgedrehtes Alt-Star-Duo mit Arkin und Goodman als unglaublich lustige Hollywood-Veteranen. („Argo, Fuck yourself!“) Affleck bleibt in der Hauptrolle relativ blass, trägt den Film kaum mehr als seine Sidekicks. Das ist aber ausnahmsweise gut so, ich mag die Zurückhaltung der Rolle hier sehr gerne (Trotzdem: Als Regisseur gefällt mir Affleck einfach besser!).

Technisch macht Argo alles richtig: Klasse Bilder, schönes Setting, glaubhafter 80er-Jahre-Modus allerorten. Der Showdown am Teheraner Flughafen, zu dem es natürlich kommen muss, ist sicher dann wieder mehr hollywood’sche Fiktion, aber dennoch gut gemachte Fiktion: spannend, dramatisch, stilsicher und letztlich auch unterhaltend. Und das ist es ja letztlich, warum wir Filme schauen. Ben Affleck hat mit Argo schon viele Preise einheimsen können, ob der Oscar für den besten Film dazu kommt, bleibt abzuwarten. Für mich persönlich kein Meisterwerk, aber sehr gute Unterhaltung: 8 von 10 Außerirdische.

PS: Warum auch 2012 noch einfachste technische Fehler im Kino passieren, bleibt mir ein Rätsel. Als der Jumbo der Swiss-Air abhebt (!) überholen (!!) ihn noch Autos (!!!) der iranischen Sicherheitskräfte. Eine solche Maschine erreicht beim Start etwa 300km/h.

Und der Trailer hinterher:

Mythologie, Religion und die große Depression: Carnivàle (HBO, 2003-2005)

Januar 30, 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Der amerikanische Sender HBO ist ja mittlerweile auch hierzulande bekannt für seinen hohen Qualitätsstandard und beliebt für Fernsehproduktionen wie The Wire, The Sopranos, Six Feet Under, Game of Thrones, True Blood oder auch aktuell Girls. Ein weiteres großes Stück Fernsehkunst hat es dagegen trotz vieler Fans und guter Kritiken nie nach Deutschland ins Free-TV geschafft und wurde viel zu früh abgesetzt: die vielschichtige und großartige Serie Carnivàle.

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Auf Carnivàle bin ich vor einigen Jahren gestoßen: in einer Filmwissenschafts-Vorlesung über „US-amerikanische Serien seit Twin Peaks“ zeigte die Dozentin einen Ausschnitt und bewunderte die Charaktere und die Komplexheit der Handlung und verglich die Serie mit David Lynchs Meisterwerk Twin Peaks. Und in der Tat kommt bei den ersten Episoden unmittelbar der Gedanke an Laura Palmer, Agent Cooper und co. Nicht nur, dass mit Michael J. Anderson einer aufgrund seiner genetischen Krankheit eindrücklichsten Schauspieler sowohl in Lynchs Werk als auch in Carnivále mitspielt (schon dessen Prolog im Piloten der Serie ist großartig!), sondern auch der Rest des Casts ist ähnlich wie in Twin Peaks geprägt von seltsamen Gestalten und ungewöhnlichen Menschen, und die Mystik nimmt auch in der HBO-Serie einen breiten Raum ein.

Carnivàle, Namensgeber ist ein umherziehender Jahrmarkt, spielt mitten in der „Great Depression“ der 1930iger Jahre, tief im mittleren Westen der USA und dieses deprimierte Leben wird in jeder Sequenz deutlich: Armut, Schweiss und Schmutz, Arbeitlosigkeit, Kriminalität – und auf der anderen Seite auch tiefste Religiösität, Aberglauben und eine von mystischen Symbolen aufgeladene Welt. Die übergreifende Geschichte der Serie dreht sich um den Kampf zwischen Gut und Böse, oder anders gesagt: Den Kampf zwischen der Gestalt des Lichts und der Kreatur des Dunklen. Im Mittelpunkt davon stehen der junge Ben Hawkins und der Priester Justin Crowe (ähnlich wie später bei der Drama-Serie LOST wird auch hier mit den Namen der Protagonisten gespielt!), welche sich nicht nur hinsichtlich ihrer Mission diametral entgegen stehen: Hier der adrette, makellose und immer höfliche Bruder Justin, dort der immer verschwitzte, etwas heruntergekommene Ben; hier der Publikumsliebling und Radiostar, dort der zurückgezogene, einsame Junge. Die Serie spielt vor allem in ihrer ersten Season ganz bewusst mit diesen Gegensätzen, denn zu diesem Zeitpunkt steht nicht offenkundig fest, welcher der beiden für „das Gute“ und welcher von ihnen für „das Schlechte“ steht. (Hier zum Trailer.)

Diese Grundidee der Serie (Gut gegen Böse) erscheint wenig originell und zumindest auf tieferer Ebene langweilig. Doch Carnivàle (unter der Idee von Drehbuchautor Daniel Knauf) schafft eine solch überzeugende Konstruktion des Plots und der einzelnen Charaktere, dass man jedes neue Mosaik begierig aufnimmt. Vor allem die zahlreichen Personen der Geschichten sind dabei authentisch und vielschichtig. Darüber hinaus bekommt jede Figur viel Zeit für ihre Entwicklung. Allein schon Bens (gespielt von Nick Stahl) Entfaltung vom schüchternen, verzagten Jungen zum heilenden Mann mit einem Auftrag ist großes Kino. Die „Kräfte“ der Protagonisten nehmen dabei selbstredend einen großen Spielraum innerhalb der Serie ein: Hawkins kann durch seine übernatürliche Fähigkeiten Menschen heilen, sogar vom Tod wiederauferstehen lassen, während Crowe sie dazu bringen kann, seinem Willen zu folgen. Was beide noch eint: sie haben immer wieder dunkle Visionen und Alpträume. Dies alles wird einer unglaublich komplexen Mythologie zugrunde gelegt: Aufgeladen mit spirituellen Symbolen, Freimaurer-Legenden, Tarotwahrsagung und natürlich der christlichen Theologie ist die Handlung von Carnivàle intensiv und oftmals verwirrend.

Dies könnte sicher auch dazu beigetragen haben, dass die Quoten besonders in der Season 2 für HBO zu schlecht waren, und die Serie abgesetzt wurde. Dies ist vor allem bedauerlich, weil Knauf sein Projekt auf 6 Staffeln angelegt hatte und das Ende der 2. Staffel – nun ja – kein wirkliches Ende ist. Ohne zuviel zu spoilern: Der Cliffhanger der allerletzten Folge lässt den Zuschauer etwas sprachlos zurück. Und somit kann der Carnivàle nie seine ganze epische Breite erzählen, die ihm angedacht war. Ich hätte der „Freakshow“ rund um Mr. Samson liebend gerne noch weitere Seasons zugeschaut. Denn hier findet sich schon alles, was wir auch an aktuellen Serien lieben: eine mitreißende, komplexe Story, dazu ein perfektes Setting mit phantastischen Bildern, Charakterdarsteller und eine langsame Erzählart mit viel Entfaltungsmöglichkeit für die Geschichte.
Wer sich sich mal wieder auf etwas Älteres einlassen möchte, und dabei auch nicht vor Intensivem zurückschreckt und andere Fernsehkunst wie die eingangs erwähnte Serie Twin Peaks mag, wird hier mit einer großartigen, bildgewaltigen Serie belohnt. Fernsehen, wie es immer sein sollte. Leider ist bis heute keine deutsche DVD erschienen, es gibt bisher nur den UK-Import.

Kino(p)review: 7 Psychos (Martin McDonagh, 2012)

November 29, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Man merkt es deutlich: Es geht auf Weihnachten zu. Nicht nur in den deutschen Innenstädten, sondern vor allem in unseren Kinos, denn dort kommen wieder vermehrt richtig gute Neustarts. Das neue Werk von Regisseur Martin McDonagh startet am 6.12. und lohnt definitiv einen Kinobesuch. Eine großartige exentrische Gangster-Komödie.

colin farell sam rockwell Wenn der erste Film ein Volltreffer wird, sind die Erwartungen bei den Nachfolgern meistens groß. McDonagh hatte mit dem schwarzhumorigen Film-Drama Brügge sehen…und sterben? einen absoluten Hit gelandet: originell erzählt, wunderbare Darsteller und verschrobene Charaktere und eine perfekte Balance zwischen Tragik und Slapstick. Tolles Kino, mit charmanter Umgebung. In 7 psychos behält McDonagh diese Coolness aus Brügge bei und setzt dem Ganzen noch mehr Witz, noch mehr Einfallsreichtum und noch mehr ausgeflippte Ideen obendrauf. Dank der sympatischen Crew von Filmstarts.de war ich gestern bei der Preview des Filmes und sah einen Film, der durchaus Potential hat, einer dieser „Kultfilme“ zu werden. Einem gewissem „Pulp Fiction“ läuft er recht locker den Rang ab.

Und darum gehts: Marty (Colin Farrell) ist ein glückloser Autor, der sich nichts sehnlicher wünscht, als sein Drehbuch „Seven Psychopaths“ zu beenden. Sein Freund Billy (Sam Rockwell), ein arbeitsloser Schauspieler, der sich mit Hundediebstahl über Wasser hält, will ihm unter allen Umständen dabei helfen. Was Marty jedoch vor allem fehlt, ist Inspiration. Billys Diebeskumpan Hans (Christopher Walken) wiederum ist ein ehemals gewalttätiger Mann, der nun zum Glauben gefunden hat. Das Duo hat unwissentlich einen großen Fehler begangen und stahl vor kurzem den geliebten Hund des psychopathischen Gangsters Charlie (Woody Harrelson). Wenn dieser Wind von der Identität der Täter bekommen sollte, würde er sie töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Marty soll bald die notwendige Inspiration erhalten – die Frage ist nur, ob er und seine Freunde das auch überleben…

Hier muss ich erstmal überlegen, wie ich diesem Werk, diesem Film voller absurder Ideen gerecht werden kann. 7 Psychos bietet eine ungewöhnliche, abgedrehte und oftmals abstruse Story, zu der man gar nicht zuviel sagen kann, ohne allzuviel zu spoilern. Fest steht: An Psychopathen mangelt es dem Film genauso wenig wie an Gewaltdarstellungen in jeder Form oder einfach grandiosem Humor. Der Film überschlägt sich fast vor Ideen, Witz und verrückten Einfällen. Und dazu auch noch ein Shih Tzu. Das Großartige daran ist, dass daraus kein Klamauk wird, sondern McDonagh es schafft das richtige Tempo zu finden, und die richtigen ruhigen Momente zwischen den Wahnsinns-Ekstase-Szenen zu balancieren. Logik darf man hier nicht zuviel erwarten: Die übersteigerte Groteske ist hier der Standard und dient dem Selbstzweck. Die Morde geschehen dabei geradezu überspitzt, wie man dies aus Comics kennt. Diese ironische Brechung führt dazu, dass man sich nicht darüber wundert, sondern herzhaft lacht und enorm viel Spaß hat.

Einen großen Anteil am gelungenen Gesamtwerk haben hier sicher auch die Schauspieler, denn Collin Farell ist vielleicht so gut wie nie, Christopher Walken zeigt, warum er mal zu den ganz Großen gehörte, und Sam Rockwell spielt selbst die hervorragenden Nebendarsteller wie Tom Waits und Woody Harrelson locker an die Wand. Eine Wahnsinnsfigur. Und DIE Mütze!

7 Psychos ist ein wahrer Glücksfall von Film. Wer auf bösen Humor, unkonventionelle Storys weit weg vom Mainstream und etwas arg verschrobene Charaktere (nennen wir sie ruhig Psychopathen!) steht, dem ist dieses Highlight wärmstens zu empfehlen. Martin McDonagh gelingt auch mit seinem zweiten Film ein absoluter Hit. Bei der üblichen Filmstarts-Sterne-Bewertung nach der Preview gab ich übrigens 4,5 Sterne (von 5). Und, at least: Mehr noch als sonst eh schon lohnt hier die Originalversion. Warum? Wegen diesem Mann und dieser unfassbaren Stimme, dessen wunderbare Psychopathenstory fast schon beiläufig erzählt, was aus dem Zodiac-Killer wurde.

Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte

November 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Die Erfinder des Techno sollen sie sein, ein Mythos mit einem einzigartigen Sound: Fraktus aus Brunsbüttel. Ein Kinofilm geht diesem Phänomen auf den Grund. „Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ läuft seit dem 8.11. in unseren Kinos. Es ist vielleicht der lustigste Film des Jahres.

Rückblick: Im Sommer 2007 tanze ich wie so häufig beim Melt!-Festival. Jan Delay ist gerade fertig, als wir mal wieder bei der Main-Stage vorbeischauen. Wir bekommen noch mit, wie er einen „special guest“ ankündigt, „die Techno-Erfinder“, „den Ursprung der elektronischen Musik“. Das Ganze mittendrin in der Show von Deichkind, die später um 6 Uhr morgens noch Snap auf die Bühne holten und damit viele Lacher ernteten. Doch zurück zu „Fraktus“, die zu großer Lichtshow auf die Bühne ziehen. 3 Männer in schwarzen Anzügen, wilde banale Texte zu Elektrotrash. „Affe sucht Liebe“.  „Are you ready to rock? Ohoheheheo…“. Schon nach wenigen Minuten gibt es Buh-Rufe, es fliegen Becher und andere Gegenstände auf die Bühne. Es kommt zur Eskalation, das Publikum beschimpft Fraktus, Fraktus beschimpfen das Publikum und verlassen mit Stinkefinger Richtung Menschenmasse die Bühne.

Doch all dies war nur gespielt, und wir machten schön mit. Deichkind-Sänger „Das Bo“ hatte kurz vorher erklärt, dass hier für einen Kinofilm gedreht würde, und wir den Akt „so richtig, richtig scheisse“ finden sollen. Nichts leichter als das, alle hatten viel Spaß. Das die Herren Schamoni und Strunk mit an Bord waren, bekam ich noch irgendwie mit, doch mit der Zeit und den Jahren vergaß ich Fraktus…

…bis in diese Tage, wo die drei altgewordenen Männer in Fernsehshows Interviews geben und sich dabei regelrecht zerfleischen. Es geht natürlich um das große Comeback, den aktuellen Kinofilm und die dazu gehörige Tournee.

Das „Studio Braun“ entwirft mit der Geschichte von Fraktus einen herrlich fiktiven Dokumentarfilm, der die (elektronische) Musikszene wunderbar persifliert. Fraktus, das sind Bernd Wand (Jacques Palminger), Dirk „Dickie“ Schubert ( Rocko Schamoni) und Thorsten Bage (Heinz Strunk). Ihr größter Hit: „Affe sucht Liebe“. (Persönlicher Favorit aber: All die armen Menschen!). 25 Jahre nach ihrem letzten Konzert versucht der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) die Band wieder zusammen zu führen, um ein Comeback anzuleiern. So führt der Weg der Dokumentation von Brunsbüttel nach Ibiza und schließlich nach Hamburg.

Palminger, Strunk und besonders Schamoni gehen derart in ihren fiktiven Figuren auf, dass es eine reine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Die Auftritte und Interviews zahlreicher echter Stars der elektronischen Musikszene (von Westbam bis DJ Hell, von Yello bis Daft Punk) sind überaus witzig und verleihen dem Ganzen den nötigen Touch Selbstironie. Die Pointen sind absolut treffend, der Film pendelt zwar gefährlich nah an der Grenze zum Klamauk, ist dabei aber glücklicherweise immer clever, detailversessen und voller bösem Humor. Die zahlreichen Anspielungen auf Musikszene und Techno sind für jeden Fan ein irrer Spaß und so ist „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ ein wohltuend ironischer, herrlich lustiger Film geworden.

Das neu aufgenommene Album „Millenium Edition“ mit den „alten“ Songs könnte nun durchaus Kult-Potential erreichen. Die Titel sind natürlich weder spannend noch besonders gut, aber mit Liebe zum Detail (gemeinsam mit Erobique) dem 80er Sound nachempfunden und durch ihre Trash-Fertigkeit sicherlich der Renner dieses Winters und auf der Tour Anfang 2013. Mich würde es kaum wundern, wenn im nächsten Jahr „Affe sucht Liebe“ oder ähnliches Fraktus-Material der nächste heiße „Shit“ wäre. In diesem Sinne: Oweeeeyoo.

Kino: Brave (Merida – Legende der Highlands)

Seit Ewigkeiten mal wieder in einer Sneak gewesen. Im Gegensatz zum Rest des gut gefüllten Kinos hatte ich weder Erwartungen noch irgendeine Ahnung, welcher Streifen kommen könnte. Zu meiner Überraschung lief der neueste Pixar-Disney-Film „Brave“, mit dem deutschen Titel „Merida – Legende der Highlands“. Großartige Animationen, schottische Highlands und ein toller Lockenkopf: Merida im Filmcheck.

Pixar hat im vergangenen Jahrzehnt einen solch hohen Standard im Animations-Kino erreicht, dass es schwer ist, sich selbst zu toppen. Filme wie „Toy Story„, „Wall-E„, „Ratatouille„, „Die Unglaublichen“ oder „Findet Nemo“ sind fast jedem bekannt und haben weltweit für Begeisterung gesorgt, bei Kindern sowieso, aber auch bei Erwachsenen, weil die Filme oft eine Geschichte hinter dem Kinderfilm erzählen, und außerdem durch den pixar-typischen bissigen Humor überzeugten. Gerade der letzte eigenständige Film „Up“ von 2009 war einer dieser Filme, die man vermutlich als Erwachsener mehr liebt als als Kind.

Mit Merida erscheint nun nächste Woche der 13. Pixar-Film in Spielfilmlänge, und er hat als erster Pixar-Film eine weibliche Hauptrolle.  Die Handlung spielt im 10. Jahrhundert, einer Zeit mit Rittern, Burgen, und Heldentum, und angesiedelt ist die Geschichte von Merida und ihrer Family in den grandiosen schottischen Highlands. Merida ist die, nennen wir sie im besten Sinne ungestüm, Tochter von König Fergus und Königin Elinor, und möchte weder Prinzessin sein noch sich von ihren Eltern verheiraten lassen. Statt höfischer Etikette steht ihr der Sinn nach Bogenschießen und wilden Ausritten. Als sie sich mit ihren Eltern aufgrund ihrer vorhergesehenen Clan-Vermählung streitet und dabei insbesondere mit ihrer Mutter in Konflikt kommt, löst sie mit ihrer Reaktion Chaos und Trubel im Königreich aus. Und es liegt an Merida alles wieder zu einem guten Ende zu führen: Dabei muss sie selbst ihr eigenes Band wieder knüpfen und den Zusammenhalt der Familie wiederherstellen.

Familie, das ist das überordnende Thema von „Brave“: Zusammenhalt, familiäre Werte, und Traditionen. Doch bevor die eigentliche Geschichte losgeht, entführt uns Pixar in die vielleicht schönsten Animationsmomente seiner Geschichte. Beinahe 30 Minuten lässt sich „Brave“ Zeit um Land und Charaktere vorzustellen – ohne große Worte, fast nur mit Bildkraft und Kinomagie. Wie hier Merida und ihre Welt, die schottischen Highlands, vorgestellt werden, ist einfach nur wunderschön: Man kriegt nicht genug von den perfekt animierten Welten. Hier sieht man deutlich: Pixar ist derzeit in Punkto Technik und Bildgewalt nicht zu schlagen.

Doch leider fehlt „Merida – Legende der Highlands“ etwas, was andere Pixar-Streifen oft herausragend macht: Aggressiver, bissiger Humor und tiefgehende Geschichten. Der Plot ist nicht schlecht, und irgendwie auch ganz süß – doch hier finden wir dann vermehrt Disney: Eine Kindergeschichte, anknüpfend an Märchengeschichten der Marke Grimm mit Magie, Hexen, Verwandlungen und Happy End. Keine Frage: Disney/Pixar gehen bei der Storyline auf Nummer sicher und bieten im Grunde genommen feinste Kino-Märchen-Unterhaltung, die durch tolles Timing und schöne Einfälle glänzt, aber in der mir letztlich alles viel zu vorhersehbar ist und die mich nicht so berührt, wie es beispielsweise „Wall-E“ oder „Up“ gemacht haben. Wenn wir schon beim Negativen sind: Der Soundtrack ist leider nur so halbgar, viel zu oft viel zu kitschig, etwas zuviel der schottischen Braveheart-Dudelsack-Stimmung.

Andererseits besticht „Brave“ genau wie andere Pixar-Werke durch diese großartigen Charaktere, die schon durch ihre grotesken Zeichnungen alles verraten. Dabei sind hier vor allem natürlich Merida selbst und ihre Brüder zu erwähnen, aber im besten Sinne auch ihr Vater und die anderen Clan-Anführer. Technisch ist der Film hier einfach perfekt. Schon alleine Meridas rote Locken sind es eigentlich wert ständig anzuschauen. Bezaubernd!

Pixar dürfte mit „Brave“ (der anfangs des Abspanns übrigens dem verstorbenen Steve Jobs gewidmet wird) sicherlich wieder den besten Animationsfilm des Jahres geschaffen haben – gelungene Charaktere (heimlicher Star ist sicher Meridas Vater Fergus), eine grandiose Optik und einfallsreiche Gags dürften dies garantieren. Andererseits kommt er nicht ganz an einige frühere Meisterwerke heran.

Wer sollte sich „Merida“ ansehen? Sowieso alle Animations- und Pixarfans, hier überdies aber auch vor allem Disney-Lieblinge, die auch bei Kitsch gerne hinschauen. Letztlich ein perfekter Familien-Unterhaltungsfilm, mit teils überragenden visuellen Momenten, nicht mehr – aber auch nicht weniger. Hier entlang gehts zum deutschen Trailer.

(Bildcopyright: Pixar Animation Studios.)

Staffelreview: Game of Thrones, season 2

Juni 5, 2012 3 Kommentare

Nach dem großen Erfolg im deutschen Fernsehen bei RTL 2 dürfte die hochgelobte Fantasyserie „Game of Thrones“ auch hier fast jedem Serien-Fan ein Begriff sein. Gestern verabschiedete sich auf dem US-Kabelsender HBO mit dem Season-Finale „Valar Morghulis“ die zweite Staffel der Saga um Westeros. Ein abschließendes Season-Review.

„Let’s go kill them all. Fuck the King!“

Als im vergangenen Jahr „Game of Thrones„, die serielle Verfilmung der Fantasy-Bücher von George R.R. Martin, startete, war die Begeisterung aller Orten groß. Auch ich war schnell befangen, süchtig nach mehr und schrieb zur ersten Staffel: „Eine sehr komplexe Geschichte mit wunderbaren aktuellen Bezügen, ein tolles Ensemble, ein gutes Setting und ein phantastischer Spannungsbogen.“

Die zweite Staffel setzt am Cliffhanger der ersten Season an, und arbeitet sich innerhalb ihrer 10 Episoden langsam auf ihr schon vorher klares Ziel hin: „war is coming“, die Schlacht um ‚King’s Landing‘, die Stadt mit dem Eisernen Thron, auf den sie alle wollen. Es herrscht Bürgerkrieg in Westeros, und alle Hauptfiguren der Serie (des zweiten Bandes der Bücher) haben zwar ihre erklärten Ziele, aber müssen sich mit ihren jeweils eigenen Problemen herumschlagen. Dabei werden zu den schon in Staffel 1 zahlreichen Charakteren immer wieder neue Figuren an das Publikum herangeführt. Das ist oft schwierig für den (Noch-)Nicht-Buchleser wie mich, da den Überblick zu behalten. Namen, Burgen, Reiche, Familien und Titel: Wer in der 2. Season von Game of Thrones alles mitbekommen will, muss aufmerksam sein.

Und so toll und detailreich viele Figuren dargestellt sind – mit der Menge an Personen ist es schwierig eine enge (Serien-)Bindung an eine Figur zu schaffen. Genau hier liegt das zentrale Problem dieser Staffel: Zuviele Handlungsstränge, zuviele Charaktere und zuviele Informationen aufgeteilt auf zu wenige Episoden. Am deutlichsten macht das vielleicht das abschließende Finale „Valar Morghulis“: Hin und her springt die 65-minütige Handlung, es gibt einige fast schon blitzartige Sequenzen, nur selten bekommt eine Figur/ein Handlungsort etwas Zeit für Entfaltung. Es ist kein schlechtes Finale, sicher nicht, aber es fehlt die klare Linie, es fehlt die innere Spannung zu seinen persönlichen Lieblingscharakteren. Immerhin kommen die einzelnen Stränge etwas aus ihrer Stasis heraus und die letzten Minuten lassen einen dann doch wieder gebannt zurück.

Es ist daher fast folgerichtig, dass die beste Episode dieses Mal die war, die sich lediglich um einen einzelnen Schauplatz drehte: „Blackwater“, die 9. Folge und irgendwie ein kleines Finale einer Season. Diese Folge war von Buchautor Martin selbst geschrieben worden, und hier zeigte sich in beeindruckender Manier, zu was „Game of Thrones“ fähig ist, wenn alles passt. Dann nämlich, wenn Detailreichtum und unglaublich gute Charaktere auf einen starken, stringenten Plot treffen, ist diese Serie kaum zu toppen. Leider schafft es die Serie in dieser Staffel nur einmal so sehr zu begeistern.

Doch natürlich ist dies von mir Jammern auf höchstem Niveau. Es sind diese Kleinigkeiten, die mir am Ende einer Staffel negativ auffallen. Es fehlt mir persönlich etwas an der Fokussierung und Dichte, welche die 1. Staffel so atemberaubend gemacht haben. Nichtsdestotrotz: Wunderbare Dialoge, hervorragende Schauspieler (Herausragend: Peter Dinklage als Tyrion Lannister, siehe Bild oben), tolle Settings und eine faszinierende Geschichte. „Game of Thrones“ bleibt auch in seinem 2. Serienjahr sehr gut und absolut bemerkenswert, erfüllt die meisten Erwartungen, und lässt mich mit Spannung auf den nächsten Teil warten. Da die weiteren Bücher noch mehr Details und Dichte erhalten, werden die nächsten Bücher in jeweils 2 Staffeln verfilmt. Das bedeutet zweierlei. Erstens: Wir haben wohl noch viele gute Game of Thrones-Staffeln vor uns. Aber auch: Wir werden noch Jahre warten müssen, bis wir am Ende der Saga sind. Hoffentlich erleben das meine Lieblingscharaktere.

Wann „Game of Thrones“ ins deutsche Free-TV kommt, ist noch nicht bekannt. Aber im Sommer gibt es ja schon die nächste großartige Serie zu schauen. Jetzt heißt es: Warten auf den King, den Heisenberg.

(Tipp: Empfehlenswerte, ausführliche (lange!) Reviews zu jeder Episode lesen sich am besten bei den Mainzer Kollegen von Negativ.)

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Hail to the Heisenberg

Juni 5, 2012 3 Kommentare

Yes! Es gibt ein neues Season-Poster zur fünften und finalen Staffel von Breaking Bad. Und damit beginnt nun das Warten und die Vorfreude auf das vielleicht größte (zu Ende gehende) Serienhighlight 2012. Freuen wir uns also zusammen auf den 15. Juli 2012. Hail to Walter! 😉

(via  5FF, Nerdcore und viele mehr.)

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