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Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau – touristische Sehenswürdigkeit oder wichtige Bildung?

November 20, 2013 1 Kommentar

Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden im größten deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. 1100000. Eine unvorstellbare Zahl, die für mich auch nach so vielen Jahren Beschäftigung mit Geschichte abstrakt blieb. Beim Besuch des Vernichtungslagers im heutigen Polen bekommt der Schrecken des Holocausts ein Gesicht. Doch Auschwitz ist auch zu einer Touristenattraktion geworden. Ist das schlecht oder wichtig für uns? Einige Gedanken und Photos von mir zu Gedenkstätten und ihrer Wichtigkeit.

Auschwitz-Birkenau Gedenkstätte

Immer wieder stellt sich die Frage, wie viel Bildung und Unterricht wir im Bereich Holocaust noch benötigen. Schüler maulen schon einmal gerne: „Schon wieder Drittes Reich?“ oder „Das haben wir jetzt schon so oft gemacht“. Auch deshalb wurden in vielen Kernlehrplänen deutscher Bundesländer im Fach Geschichte die Thematik „Nationalsozialismus“ etwas verringert. Aber ist dies zeitgemäß?

Gerade in diesem Jahr erleben wir besonders hartnäckig den Aufschwung von rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa: In nahezu allen westlichen Ländern Europas sind rechte Parteien integraler Bestandteil der Politik, in Frankreich und den Niederlanden stellen sie die jeweils stärksten Parteien. (Besonders diese wollen nun auch verstärkt Europa „spalten“.) Auch in Deutschland schafft eine rechtspopulistische Partei fast den Einzug in das Parlament. Ich möchte hier gar nicht den (sicherlich tief liegenden) Ursachen dieser Bewegungen nachspüren (das haben andere sowieso schon besser gemacht), sondern fragen (auch mich selbst), wie wir als Menschen, Lehrer, Eltern oder Freunde mit Gedenkstätten wie in Auschwitz erinnern können – erinnern, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt und wir uns der Tragik und dem Horror der Shoah immer bewusst sind.

Auschwitz -Arbeit macht frei

„Your aim is to educate young people from every background about the Holocaust and the important lessons to learned for today.“ (HET).

„Discrimination isn’t dead. These people were humans and it could happen again. It wasn’t that long ago.“ (Sammye Whitbread, Student)

It makes it much more real. When you see hair and possesions you realise they are real people who died.“ (Beth Mannig, Student)

Diese Zitate las ich neulich in der Huffington Post („Auschwitz-Birkenau And Holocaust Horrors Taught To Students To Ensure Future Generations Never Forget„), und ich fand sie sehr aufschlussreich: Sie drücken auch meine Gedanken zu diesem schweren, unbegreiflichen Thema aus und zeigen, dass auch Schüler und Studenten die Wichtigkeit der Holocaust-Bildung verstehen können – wenn sie denn ein Konzentrationslager und die dortigen Taten mit eigenen Augen sehen und verstehen.

Auschwitz Stacheldraht

Mein Besuch in der heutigen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau startet merkwürdig: Es ist ein bisschen wie in einem großen Freizeitpark und unterscheidet sich kaum von anderen großen europäischen Sehenswürdigkeiten. Zahlreiche Reisebusse, herumirrende Touristen, Souvenirshops und Kiosks mit Süßigkeiten, Gedrängel an den Kassen und vor dem Eingang. Ich fühle mich unwohl, und wäre gerne alleine. Auschwitz heute ist (leider) auch eine riesengroße touristische Sehenswürdigkeit mit tausenden Besuchern pro Tag. Es ist mir eigentlich schon beim Start der Führung alles etwas zuviel: zuviele Menschen, zuviel Gewusel, vor allem zu wenig Ruhe und Einkehr angesichts dessen, was uns Besucher erwartet.

Doch das Bild ändert sich rasch. Mit dem Durchschreiten des „Arbeit macht Frei“-Bogens und dem richtigen Beginn der Führung ist es blitzartig ruhig. Teilweise gespenstisch ruhig. In den Katakomben, Einrichtungen und ganz besonders den Gaskammern schieben sich hunderte, tausende Menschen durch die Gänge und es ist dennoch unglaublich still. Stille, die einen bedrückt und teilweise tief bewegt und in Gedanken zurücklässt. In den Räumen des Museums, in denen die Haare, Schuhe oder Kleidung der Opfer aufgestapelt sind, ist die Trauer und die Beklommenheit von uns Besuchern fast mit Händen greifbar. Es fasziniert mich: Viele Schülergruppen sind an diesem Tag mit mir dort, über Stunden (allein die Führung dauerte 3,5 Stunden) wird kaum bis gar nicht gesprochen.

Auschwitz Todesgraben

Man spürt förmlich, wie hier Geschichte lebendig wird. Der Stacheldraht, die Einrichtungen, die Gebäude, die Bilder: Alles ist da. Es ist wirklich passiert, hier an dieser Stelle. Hier wurden Menschen ermordet – nur aufgrund ihrer Rasse, ihrer Religion, ihrer politischen Zugehörigkeit oder ihrer sexuellen Orientierung. Nur aufgrund von Hass und politischem Wahn.

Trotz all diesem bleibt es unwirklich, fast unglaublich. Dieser Gedankengang – und ich bin mir sicher, dass dies so ähnlich jedem durch den Kopf geht – ist so wichtig, denn hier findet ein Lernprozess statt. Mir zeigt es, wie wichtig solche Gedenkstätten auch und gerade heute für meine und jüngere Generationen sind. Hier wird aus der Touristenattraktion plötzlich eine Bildungseinrichtung und eine authentische Begegnungsstätte mit dem Holocaust.

Auschwitz- HALT!

So können Gedenkstätten wie das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (hoffentlich) dazu beitragen, den Hass und die täglichen Diskriminierungen auf der Welt zu reduzieren. Zustimmen kann ich in diesem Zusammenhang einem Beitrag für die „The Jerusalem Post„. Shimon Ohayon spricht sich dafür aus, Holocaust-Unterricht als Gegenpart zum aufkommenden Rechtspopulismus in Europa zu nutzen: „Europeans must remember this dark chapter of history because there are events taking place every day which are eerily reminiscent of the National Socialists’ amassing of political power leading up to the Holocaust. Europeans must be taught the past so they can stand in the way of these groups in ways that their ancestors did not, before it is too late.“

Das Lernen aus der (NS-)Geschichte hat erst begonnen und NS-Ideologien sind leider noch immer in unserer Gesellschaft tief verankert (siehe dazu auch den wieder gesellschaftsfähigen Antisemitismus). Und genau daher muss es unsere Aufgabe sein, besonders jungen Menschen dieses dunkle Kapitel der Menschheit mit all seinen Facetten zu vermitteln. Damit wir und sie niemals vergessen. In dieser Hinsicht ist besonders auch Auschwitz-Birkenau ein unglaublich wichtiger Bildungsort und eben nicht „nur“ Sehenswürdigkeit.

Auschwitz Schonungsblock

Auch aus diesem Grund erachte ich es als wichtig, heute und in Zukunft immer wieder mit kleinen Denkanstössen zu arbeiten, neue Bildungswege in diesem Bereich zu erarbeiten und kleine Projekte wie beispielsweise die Stolpersteine oder @9nov38 zu unterstützen und zu beachten.

Auch das Museum selbst ist auf einigen Social Media-Kanälen (z.B. Facebook und Twitter) unterwegs und trägt auf diese Weise dazu bei, das in einer immer schnelllebigeren Welt die Erinnerungen an den Holocaust erhalten bleiben. Ich kann den Besuch der polnischen Gedenkstätte jedem nur ans Herz legen. Es ist gleichzeitig traurig und lehrreich, es ist bedrückend, aber fördert genau dadurch unser Bewusstsein für Geschichte und trägt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Mitmenschen bei.

Auschwitz wall of death

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Moonwalk.

Januar 29, 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Wer hier ab und zu reinschaut, wird es gemerkt haben. Hier war es lange dunkel, und nicht einmal Vollmond gab es ab und zu. Das hat auch seine Gründe. Man kann leider nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Parallel zu einer Examensarbeit, dem ganz normalen Wahnsinn und vielen, vielen Texten auch noch bloggen? Nein, für mich irgendwann zuviel.

In den nächsten Wochen kommt hoffentlich wieder mehr hier rein, vor allem musik- und serientechnisch hat sich viel getan. Zum Start in das Jahr 2013 ein tolles Video von Mikey Schäfer, der eben jenen Vollmond perfekt getroffen hat, mit einer Kamera aus mehr als einem Kilometer Abstand, und damit seine Aufnahmen zu einer wunderbaren Mondtäuschung werden lässt.  (Wie so oft gilt: am besten in HD und Fullscreen genießen.)

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„Cloud Atlas“ im Kino

November 26, 2012 1 Kommentar

David Mitchells Roman „Cloud Atlas“, der sich mit der menschlichen Willenskraft beschäftigt, galt seiner Erzählstruktur wegen lange Zeit als unverfilmbar. Tom Tykwer („Lola rennt“) und die Wachowskis („The Matrix“) haben es dennoch versucht – und dabei tatsächlich großes Kino erschaffen.

 

Ein Mammutprojekt mit gleichzeitig stattfindenden Drehs. Sechs verschiedene Zeiten und Geschichten, sechs verschiedene Genres. All dies in einem Film? Dazu: Der teuerste europäische Film aller Zeiten. Ein bekanntes Schauspielerensemble gespickt mit Stars und obendrein noch drei(!) erfolgreiche Regisseure. Kann so etwas gut gehen? Ist ein solches Projekt, in dem alleine Tom Hanks sechs verschiedene Rollen spielt, möglich?

Es ist gut gegangen, um dies vorweg zu nehmen. Das man nach einem 3-stündigen Blockbuster nicht ernüchtert, sondern erstaunt und fasziniert nach Hause geht, passiert nicht häufig. Wie ist dies „Cloud Atlas“ gelungen? Aus sechs Geschichten setzt sich der Film zusammen, sechs Geschichten, die völlig unterschiedlich sind, und die doch vieles gemeinsam haben: In jeder von ihnen stemmt sich der freie Wille gegen das Schicksal, und obwohl meistens dennoch das Böse siegt, gibt es Hoffnung. Hoffnung auf bessere Zeiten, Freiheit, und ein gemeinsames Miteinander.

Im Jahr 1849 ist der Amerikaner Ewing im Pazifik auf einem Segelschiff unterwegs, der Komponist Robert Frobisher ist 1936 auf der Suche nach sich selbst und einer weltumfassenden Komposition, die Journalistin Luisa Rey ermittelt 1973 in einem Energie-Konzern, 2012 landet ein chaotischer Verleger in einem geschlossenen Altersheim, in der relativ nahen Zukunft 2144 wird eine Duplikantin verhört, die ein Mensch werden wollte und in einer post-apokalyptischen Zeit in 2346 wird ein einfacher Hirte auf Hawai’i zum Helden.

Und natürlich kann man so etwas schon im Ansatz verreißen. Auch ich könnte es tun: Kitschig? Ja, und wie. Sinnlose Dialoge und Plot-Szenen? Na klar. Hanebüchene Klamauk-Ausreißer? Ja, besonders in der 2012-Geschichte. Mainstream und vielleicht doch zu sehr Hollywood? Ganz klar, beispielsweise hätte ich mir bei einer deutschen Produktion mehr deutsche Schauspieler gewünscht. Die Einzel-Storys für sich? Eher langweilig. Am besten noch: 1973.

Aber: „Cloud Atlas“ überzeugt als ein unglaublich beeindruckendes visuelles Gesamtwerk, welches sich nicht auf einzelnen Storylines ausruht, oder gar auf einzelnen Gesichtern. Die opulente Reise durch die Zeitgeschichte nimmt einen mit auf ein ganz großes Abenteuer, ist dabei intelligent und philosophisch (Zerstörung des Menschen, Zivilisation, Gewalt, Machtmißbrauch, freier Wille, etc.), und verbindet mehr als geschickt nicht nur verschiedene Orte und Zeiten, sondern auch Genres, und dies so flüssig, dass man es kaum wahrnimmt, und irgendwann im Kinosaal nur noch die Verbindungen der Geschichten sucht. Herausragend neben all diesen Punkten: die Maske. Was hier geleistet wird, ist schlicht großartig. Wenn Schauspieler über Altersgrenzen und Hautfarben hinweg kaum wiederzuerkennen sind, macht dies einfach sehr viel Spaß. Die Besetzung ist sowieso schon gelungen, allen voran die Nebenrollen wie Jim Broadbent, Jim Sturgess oder Hugo Weaving. Alleine schon Hugh Grant verdient sich hier Extrapunkte durch 6 unterhaltsame unterschiedliche Rollen.

„Cloud Atlas“ könnte durch seine besondere und faszinierende Erzählstruktur einer der Filme des Jahres sein. Trotz aller Schwächen bleiben die positiven Seiten bei mir in Erinnerung und zeigen dabei, dass auch das Mainstream-Kino noch überraschen kann. Anschauen lohnt sich – und die Überraschungen im Abspann, wer welche Rollen gespielt hat, sollte man sich nicht entgehen lassen.

RIFF – Reykjavík International Film Festival

Oktober 10, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Die letzten Tage in Island verbrachten wir in der „Metropole“ Reykjavík, der winzigen Hauptstadt dieses wunderbaren Landes. Durch Bekannte und Connections hatten wir hier das Glück weniger ausschließlich Touristen zu sein, sondern vielmehr in dieser Stadt zu leben. Dazu gehörte auch der Besuch des internationalen Filmfestivals, kurz RIFF, einem charmanten Kino-Festival mit herausragendem Programm.

Das RIFF ist ein seit 2004 jährlich stattfindendes Film-Festival, dessen Schwerpunkt dabei vor allem auf jungen, aufstrebenden Filmmachern und dem neuen , modernen Kino liegt. Qualität und Originalität sind wichtiger als Erfolge. In diesem Jahr liefen über 100 Spielfilme und Dokumentationen, darunter auch einige deutsche Filme, beispielsweise „Barbara“ von Christian Petzold, „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid, oder „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking.

Das Programm des RIFF 2012 war buntgemischt, mit Filmen aus über 40 Ländern (dabei laufen alle Filme im Original mit engl. UT bzw. bei englischsprachigen Filmen mit isländischem UT), und so fällt die Auswahl auf einige Filme umso schwerer. Wir selbst waren ja nur am letzten Wochenende des Festivals vor Ort, viele Filme waren schon nicht mehr im Programm, doch gibt es zu fast jeder zeit noch Highlights zu entdecken. Uns fällt direkt auf, wie international das Festival ist: Nicht nur die Filme, sondern auch die Gäste sind multikulturell, nicht zuletzt treffen wir auch andere Deutsche hier. Vielleicht ist dies auch ein Grund für den Charme unserer Kino-Besuche, denn alle waren sie in einer netten Umgebung, man fühlte sich direkt wohl hier (wie eigentlich immer in Island).

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Unser erster Film behandelt ein schwieriges Thema: In „Stillleben“ (2011) vom jungen Wiener Regisseur Sebastian Meise bezahlt ein Vater Prostituierte dafür, seine Tochter nachzuspielen. Das brisante Thema der Pädophilie wird in diesem fiktiven Spielfilm zu einem großartigen Kammerstück mit tollen Darstellern.

 

Stillleben ist ein toller Titel, der diesen Streifen perfekt trifft: Das stille Leben der Familie, besonders nachdem herauskommt, dass der Vater (neben einer Alkoholkrankheit) Vorzüge für seine nun erwachsene Tochter hat. Die Stille der Schuldzuweisung, die Sprachlosigkeit der Familienmitlieder, das Verdrängen und Verschweigen der Probleme. Überhaupt wird in diesem Film kaum geredet, die Bildersprache drückt alles aus, womit auch der letzte Aspekt des Titels treffend ist: Der Ausdruck der „Stillleben“ in der Kunst für das Vergängliche, den Tod oder die Sehnsucht passt sehr gut. Wie Meise und seine Darsteller hier in einem doch kurzen Film die Eindrücklichkeit des Themas rüberbringen, ist bemerkenswert. 77 sehr bedrückende, aber auch großartige Minuten Kino. (plus Soap & Skin als Darstellerin und ihr toller Voyage Voyage-Song, das verdient Extrapunkte.)

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In „Persepolis“ (2007) verarbeitet Regisseurin Marjana „Marji“ Satrapi ihre eigene besondere Lebensgeschichte mit Kindheit in Teheran während der Islamischen Revolution. In knackigem schwarz-weiß gehaltenen, künstlerisch ambitionierten Animationsstil erzählt der Film ihren Lebensweg und dabei fast wie nebenbei zeichnet er ein Bild der Situation im Iran.

Persepolis zeigt dabei einerseits eindrücklich die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft, andererseits aber auch gerade das Absurde solcher Situationen besonders im Privatleben. So hat der Film durchaus seine komischen, witzigen Momente, auch wenn er über seine gesamte Spielzeit natürlich bedrückend bzw. aufwühlend ist. Durch die Animationen können Emotionen und Gefühle besser dargestellt werden, und so bekommt man gute Einblicke in die Psyche der Protagonistin und versteht ihre Sorgen, ihren Kummer und ihre Zuneigungen. So ist „Persepolis“ schließlich ein guter, intelligenter biographischer Film, der bewegt und nicht zuletzt auch gute Unterhaltung.

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Unser dritter und auch letzter Film während des Festivals war der merkwürdigste, lustigste und traurigste zugleich: die niederländische Dokumentation „Meet the Fokkens“ von Gabrielle Provaas und Rob Schröder zeigt das Leben von Martine & Louise Fokkens, einem Zwillingspaar aus Amsterdam, die seit über 50 (!) Jahren Prostituierte im Amsterdamer Rotlicht-Viertel sind.

Selten haben wir bei einer Doku soviel gelacht: Die Fokkens haben eine solche urkomische Art, dass das ganze Kino oft am Boden lag vor Lachen: Hilarious. Andererseits zeigt der Film die offensichtlichen Fehler ihres Lebens und den traurigen Weg zu einem Leben mit der Prostitution. So ist „Meet the Fokkens“ in der Nachbetrachtung schwierig: einerseits unglaublich lustig, doch letztlich auch nur eine neue traurige Huren-Geschichte. Die Dokumentation bleibt aber sicher absolut sehenswert, alleine schon wegen dem charmant-sympatischen Zwillingspaar. Applaus im Kino nach dem Abspann – gibt’s ja auch nicht all zuoft.

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Sicherlich hätten wir gerne noch viele weitere Filme gesehen, doch Reisen und Urlaub sollte ja nicht zu kurz kommen, daher mussten wir uns mit diesen dreien, allesamt empfehlenswerten, Filmen begnügen. Das Festival bleibt uns dabei sicherlich in guter Erinnerung: großartiges Programm, einfache Organisation, charmante Umgebung und natürlich tolle Filme.P

Mehr zu unseren Erlebnissen in Island bald, dann auch eigene Photos von der Tour und aus Reykjavík selbst.

sonnemondsterne – Das Festival 2012

August 21, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Einmal im Jahr wird die beschauliche Bleilochtalsperre in Thüringen zum Megaevent: Bei Deutschlands zweitgrößtem Festival für elektronische Musik, der sonnemondsterne, tanzten zum 16. Mal bereits tausende Menschen zu Liveacts, DJs und Bands. Ich war auch mal wieder da, und hab mir vieles Gutes angesehen. Ein musikalisches Review.

sonnemondsterne Festival Bleilochtalsperre Saalburg

Schon über eine Woche ist es her, dass ich wieder zurück bin, und erst jetzt finde ich die Kraft etwas zu schreiben. Und auch die Zeit. sonnemondsterne ist eigentlich ein kurzes Festival – nur Freitag und Samstag -, aber zählt es doch irgendwie zu den besonders intensiven. Direkt an Deutschlands größter Talsperre (nach Stauseevolumen in m³) liegt für einige Tage im Jahr ein kleines Musikparadies für elektronische Fans – auch wenn es sich dabei nicht ausschließlich um die kleinen Perlen handelt: Bei sonnemondsterne kommen traditionell einige „Big names„, in diesem Jahr zum Beispiel Fat Boy Slim (der wenige Stunden später bei der Olympiaschlussfeier in London auflegt), die Alt-Rocker The Prodigy oder der neue Superstar am progressiven Mainstream-Dubstep-Himmel Skrillex.

Genauso typisch wie solche Facetten beim Festival in Saalburg ist es, dass ich mich eher für die kleineren Acts interessiere, innovative und inspirierende neue und alte DJs und Bands. Einer der „alten“ Acts, die ich dann doch sehen wollte, war Vitalic. Und der Franzose enttäuschte zumindest mich nicht, auch wenn sein „Live“-Set technisch nur äußerst unterdurchschnittlich war. Doch mit seinen Tracks kriegt er mich immer: Spätestens bei „La Rock 01“ war es um mich geschehen. Viele seiner neuen Tracks wie z.B. Second Lives sind sehr elektrolastig, was vor allem meinen Freunden mißfiel. Rund um Vitalic hörte ich ein bisschen Rush und Chris Liebing zu, und fühlte mich wie vor 10 Jahren. Danach ging es endlich ins Muna-Zelt, die an diesem Wochenende dem Label mit dem schönsten Namen huldigten: Freude am Tanzen. Leider verpassten wir hier Monkey Maffia, doch mit Matthias Kaden hatten wir viel Spaß, vor allem weil auch ER unglaublich Spaß hatte. Einfach sympatischer Kerl. Super Musik sowieso. Danach verschnauften wir in der großzügig angelegten Fress-Mitte des Festivals, wo die Preise leider nicht ganz so großzügig sind. Immerhin: Unsere Pommes sind lecker. Und die Angestellten freundlich. (erlebt man ja auch nicht immer!) Frisch gestärkt gehts zum Cocoon-Tent und rein zu Daniel Stefanik. Obwohl Stefanik ein wirklich astreines Set spielt, wir quasi VIP-Plätze in vorderster Reihe haben und der Spaßfaktor groß ist, finden wir schließlich die Momente, die man sucht und für die man auf Festivals fährt. An der Beach-Bühne feiert der Berliner Club Watergate sein 10-Jähriges Bestehen und glücklicherweise – für uns – macht er das mit einer Function One-Anlage und einem exquisiten Lineup rund um die Uhr. Den Anfang für uns macht das Duo Tale of Us, die im letzten Jahr vor allem durch grandiose Remixe auffielen (z.B. für whomadewhos Every minute alone), aber hier auch durchaus als DJs begeistern können. Richtig fein wird es aber danach mit dem Hamburger Diynamic-Mann H.O.S.H., der über 3 Stunden allerfeinsten House spielt, während wir dabei den größten Spaß haben. Er verzaubert uns mit uns Stücken wie „Raining again“ von Betoko oder „What i might do“ von Ben Pearce, und wir haben mal wieder den größten Spaß des Festivals morgens am Strand. Es ist einfach die perfekte Kombination: Sand, Wasser, gute Musik, und ausgelassene Stimmung, und das stundenlang. Mit den ersten Klängen von Loco Dice hauts uns erstmal in unsere Luxus-Kojen auf dem Campingplatz, wir sind schließlich schon über 12 Stunden am tanzen.

Samstag, also abends, und damit ein neuer Festivaltag. Den Einstieg gibts mit meinen persönlichen Lieblingsnerds von der Insel: Hot Chip sind wieder unterwegs. Die Jungs (und Drummerin) rund um Alexis Taylor und Joe Goeddard haben nach diversen Ausflügen wieder zusammengefunden und spielen ein wie immer erfrischend gutes elektronisches Pop-Set. Für mich das erste und einzige Mal des Wochenendes Musik mit echten Instrumenten, doch wie immer ein Highlight, selbst nach etlichen Live-Erlebnissen, weil immer phantastische Stimmung und tolle Songs. Leider etwas kurz. In der Umbaupause zu Marek Hemmann (live) wollten wir ganz kurz raus auf die Toilette, daraus wurde eine halbe Stunde Anstehen, denn Hemmann war als weiterer Lokalpatriot mit seinem Set so etwas wie der geheime Headliner. Und womit? Durchaus mit Recht. In einem stimmungsvollen, lichttechnisch ordentlichen Main Circus war Hemmann bestens aufgelegt, spielte ein klasse Set, natürlich auch mit einigen seiner großen Hits wie Left oder Gemini. Das hätte gerne länger gehen können. Durch diese tollen Auftritte hatte ich zwar Apparat verpasst, aber die Qualität der Beach-Bühne war sowieso durchgehend so großartig, dass man dort auch gut catz’n’dogz lauschen konnte. Aber nach dem üblichen „Fire works“, welches diesmal durchaus schön und faszinierend war, ging es aber weiter zu Âme auf der Stil vor Talent-Bühne. Für Rej und seine weiteren Arbeiten bleibt das Duo wohl immer einer meiner Favoriten. Leider haben wir da nicht mehr viel gehört, perfekterweise machte aber direkt A critical Mass– und Innervisions-Kollege Henrik Schwarz weiter – ebenfalls live. Obwohl ich hier schon langsam platt war, war das großartig: Tanzen zu Schwarz‘ Gefühl von Musik. Die letzte Stunde unseres Festival-Besuches gönnen wir uns bei Format:B. Knackies Techno-Set, ganz im Stil des Restless-Albums, natürlich auch mit einigen älteren Tracks.

Mehr ging nicht bei mir, auch wenn ich viele andere Acts gerne gehört hätte. Ärgerlicherweise zum Beispiel: Heartthrob, Adam Port, Extrawelt oder den Mainzer Butch. Aber: Das kennen wir ja schon, alles geht leider nie.

Was gab es neben der Musik? Sehr viele nette, chaotische, lustige Menschen. Nirgendwo Stress. Viel gute Laune, viele lächelnde Menschen. Wenig Anstehen, bessere sanitäre Situation als vor einigen Jahren, gute Logistik, sehr ordentliche iphone/Android-App. Alles in allem: Wie immer ein wunderbares Festival, wenn man etwas abseits der ganz großen Acts tanzt und sich mit allem ein bisschen Zeit lässt und sich immer auch etwas treiben lässt – von guter Musik, aber auch von witzigen Momenten. Ich habe zwar auch einige Photos gemacht, aber es gibt ganz wunderbare Shots, zum Beispiel hier und hier. Klickt Euch rein in das bunte Vergnügen.

Danke für 4 wunderbare Tage.

Welttag des Buches: Lesefreu(n)de

April 23, 2012 4 Kommentare

Dem Lesen wurde schon oftmals der Tod voraus gesagt. In letzter Zeit habe ich ein anderes Gefühl: Es wird wieder vermehrt über tolle, lesenswerte Bücher gesprochen und diskutiert. Kurzum: Lesen ist wunderbar, und dies hat jetzt eine gemeinsame Aktion von Stiftung Lesen, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und deutschen Buchverlagen noch einmal verdeutlicht. Zum Welttag des Buches werden Bücher verschenkt, um die Freude und die Lust am Lesen mit Freunden oder Unbekannten zu teilen.

Die Idee dahinter: Hier konnten sich im Februar 33.333 Menschen registrieren lassen, um ein Bücherpaket zu erhalten und die Bücher zu verschenken. Insgesamt 25 Titel waren wählbar, darunter bekannte Werke bis zu eher unbekannten Titeln, eine bunte Mischung aus deutschen und internationalen Autoren und ein vielfältiges Spektrum an Genres: Zwischen NS-Brief-Roman und aktueller Teenie-Twilight-Serie, zwischen skandinavischem Krimi und britischem Klassiker.

Die Aktion „Lesefreunde“ wollte anregen dazu, wieder mehr Bücher zu verschenken, wieder vermehrt für Lesefreude zu sorgen und das Lesevergnügen zu teilen und den ein oder anderen vielleicht auch daran erinnern, das Lesen wieder für sich zu entdecken – gerade in einer Bildschirm-überfordernden Zeit kann eine Stunde alleine mit einem Buch sehr heilsam sein.

Heute, am Welttag des Buches, endet die Aktion und die Bücher sind nun bei den „Verschenkern“, und können dementsprechend nun verteilt, verschenkt und verbreitet werden.

Weil ich die Aktion „Lesefreunde“ super finde, und das Lesen allgemein sehr schätze, habe ich mich natürlich auch registrieren lassen und möchte die Bücher und das Lesen auch hier fördern. Ich habe mich für die Kurzgeschichten des Ferdinand von Schirach entschieden. Seinen ersten Band Verbrechen fand ich richtig stark, und den zweiten Teil Schuld hatte ich noch nicht gelesen. Seine kurzen Geschichten über faszinierende und unglaubliche Verbrechen, Schuld und Sühne sind leicht zu lesen, in einfacher Sprache verfasst und bieten einen leichten Ansatz mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen. Perfekt für diese Aktion.

Ferdinand von Schirachs "Schuld" in der Aktion-Lesefreunde-Version

Warum genau blogge ich nun darüber? Zum einen darauf aufmerksam zu machen, dass auch im vermeintlich veralteten Buch-Bereich viel passiert, und solche Aktionen gut angenommen werden. Und zum anderen natürlich, weil ich noch einige Bände hier liegen habe. Bisher habe ich Schuld vor allem spontan verschenkt – wer sich aber von mir ein eigenes Exemplar sichern will, kann mir gerne schreiben, mich ansprechen oder natürlich hier kommentieren. Das Lesevergnügen teilen und damit auch Freude verschenken (auch wenn es bei Schirachs Geschichten wohl weniger Freude ist), da mache ich gerne mit.

Viel Spaß beim Lesen! 😉

PS: Richtig empfehlenswert aus der Reihe der Aktion ist übrigens „Adressat unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor, welches ich selbst geschenkt bekommen habe. Faszinierend, textlich großartig und eindrücklich.

Museumskampf: Mercedes-Benz vs. Porsche

In der schwäbischen Hauptstadt Stuttgart gibt es neben dem nationalen Dauerbrennpunkt „s21“ natürlich auch immer noch mehr zu sehen als Demonstranten, Baustellen und Baumfäller. Allen voran ist Stuttgart vielleicht die Autostadt Deutschlands schlechthin, und deshalb ließ ich es mir am vergangenen Wochenende nicht nehmen, gleich beide großen Auto-Museen der Stadt zu besuchen. Ein kurzer Vergleich und einige photographische Eindrücke.

Wenn in einer Stadt zwei solche Automobil-Konzerne um die Gunst von Museumsbesuchern werben, dann wird es spannend: Welches ist das bessere Museum? Welches bietet mehr? Für wen lohnt sich Porsche? Und natürlich: Sind die Museen gelungen?

Während es das Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt bereits seit 2006 gibt, wurde das Porsche-Museum in Zuffenhausen erst 2009 eröffnet. Mit Baukosten von 150 (Mercedes)  bzw. 100 (Porsche) Millionen € sind beide Museen sicherlich in der Oberliga anzusiedeln und bieten schon draußen spektakuläre archiktektonische Ansichten.  Hier geht der erste Punkt an Porsche, deren Design gewaltig und beeindruckend ist. Doch im Inneren unterscheiden sich die Konzepte der beiden Konzerne sehr. Beiden gleich ist die spektakuläre Art des Gebäudes auch von innen, der Audioguide am Knopf und der Preis (8€ normal, 4€ ermäßigt).

Stuttgart Mercedes Museum

Schon früh machen sich die Unterschiede bemerkbar: die Daimler-Benz-AG legt den größten Schwerpunkt auf Historie, die Firma Porsche auf den ehemaligen und aktiven Rennsport: Mercedes betont vor allem die Geschichte des Automobils und deren Entwicklung, Porsche wird als perfekte Rennsportmarke präsentiert.

Stuttgart Porsche Museum

Natürlich geht auch Porsche intensiv auf seine Geschichte und viele tolle Oldtimer ein, doch ist es Mercedes, die hier historisch-didaktisch sehr gut Zeitgeschichte zeigen: Mit einer nach unten fortlaufenden Chronik wird jeweilige Weltgeschichte präsentiert, jeder Audioguide hat einen Punkt „Zeitgeschichte“ und die ersten Autos stehen auch hier: Punkt für Mercedes-Benz.

Stuttgart Mercedes Museum

Das Benz-Museum punktet neben der tollen Geschichtsentwicklung vor allem mit der Vielfalt der gezeigten Fahrzeuge: Hier stehen Busse, Polizeiwagen, Rennsportfahrzeuge, Prominente-Taxis, Unimogs, Oldtimer, aktuelle Fahrzeugreihen und viele mehr. Klar: Daimler lieferte schon sehr früh Fahrzeuge jeder Art, vor allem Nutzfahrzeuge waren und sind ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens.

Stuttgart Porsche Museum

Porsche beeindruckt an dieser Stelle mit Authenzität und Nähe zu ihren Bauten. Vor allem der klassische 911er bekommt viel Platz innerhalb der Ausstelllung, was mir durchaus gut gefällt: Ist doch vor allem der 1973er 911er so etwas wie mein Lieblingsporsche. Über den Audioguide bekommt man sowohl technische Infos als auch Rennsportergebnisse des jeweiligen Wagens.

Stuttgart Mercedes Museum

In beiden Museen wird es nostalgisch: den Oldtimern wird viel mehr Platz zugesichert als aktuellen Baureihen – und das ist auch wunderbar so. Hier kann natürlich vor allem Mercedes-Benz mit seinen großartigen 20er-Jahre-Wagen glänzen, aber auch Porsche bietet vor allem mit den Rennsportklassikern wunderbare Oldtimer.

Stuttgart Porsche Museum

Das Porsche-Museum ist schön dran an den Wagen: Das Konzept passt hier sehr gut, die Faszination Auto (und Motorsport) wird hier lebendiger als im Benz-Museum. Mercedes beweist dafür didaktisches Geschick: Mit einem extra Audio-Guide-Punkt für Kinder bekommen die Kleinen die wichtigsten und zugänglichen Infos gut verpackt.

Im Mercedes-Benz-Museum ist es irgendwann fast zuviel des Guten: Infos über Infos, Videos, Bilder, Audio. Irgendwann ist leider Schluss mit der Aufnahmefähigkeit. Bei Porsche ist dies etwas reduzierter, hier stehen die Autos eher im Fokus. Während man sich bei Mercedes auch mit schlechten Zeiten, Mißerfolgen und der Rolle in der NS-Zeit beschäftigt, vermisst man dies alles etwas bei Porsche: Etwas zuviel Glanz.

Letztlich beeindrucken beide Museen sehr, und sind tolle Denkmäler für unser mobiles Zeitalter. Beide Museen sind empfehlenswert, auch der Eintrittspreis ist nicht zu hoch. Für Besucher ohne größere Autointeressen, sowie für Familien und Schulklassen bietet das Mercedes-Benz-Museum mehr Vielfalt: unterschiedliche Modelle, 4 variable Audio-Guides, sehr viel Geschichte, tolle Didaktik, mehr Platz und mehr Fahrzeuge. Für große Auto-Fans und insbesondere Motorsport-Interessierte lohnt sich der Weg nach Zuffenhausen vielleicht mehr: Hier lässt sich Rennsport gut anfassen. Oder man macht es wie ich: Man besucht gleich beide. 😉

PS: Der letzte deutsche Kaiser fuhr übrigens Mercedes, und erhielt sogar seinen eigenen „Stern“:

Stuttgart Mercedes Museum

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