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Archive for the ‘Netzkultur’ Category

Moonwalk.

Januar 29, 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Wer hier ab und zu reinschaut, wird es gemerkt haben. Hier war es lange dunkel, und nicht einmal Vollmond gab es ab und zu. Das hat auch seine Gründe. Man kann leider nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Parallel zu einer Examensarbeit, dem ganz normalen Wahnsinn und vielen, vielen Texten auch noch bloggen? Nein, für mich irgendwann zuviel.

In den nächsten Wochen kommt hoffentlich wieder mehr hier rein, vor allem musik- und serientechnisch hat sich viel getan. Zum Start in das Jahr 2013 ein tolles Video von Mikey Schäfer, der eben jenen Vollmond perfekt getroffen hat, mit einer Kamera aus mehr als einem Kilometer Abstand, und damit seine Aufnahmen zu einer wunderbaren Mondtäuschung werden lässt.  (Wie so oft gilt: am besten in HD und Fullscreen genießen.)

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Schluss, aus, vorbei! Die Euro 2012 in Polen und der Ukraine.

Juli 3, 2012 1 Kommentar

Eigentlich wollte ich die ganze EM 2012 mit einigen Blogbeiträgen begleiten und den im Juni arg leeren Blog füllen, aber es fehlte an Zeit – und auch an Motivation, weil diese Europameisterschaft irgendwie etwas an mir vorbeigezogen ist. Eine Rückschau.

Balotelli Lahm

Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen – es ist eine alte Wahrheit, die ich im Juni zu spüren bekam: Hochzeitsfeiern, Unistress, Umzug, sehr viel unterwegs und natürlich: Fußball-EM. Hinten runter kam der Blog zu kurz, daher möchte ich zumindest nachträglich etwas zur Euro schreiben.

Fast alle Spiele dieser Europameisterschaft habe ich gesehen. Die Parallel-Spiele des letzten Gruppenspieltages natürlich nicht und aus einigen wenigen Gruppenspiele nur einzelne Szenen, zum Beispiel Niederlande – Dänemark während einer der besagten Hochzeiten. Und doch hat mich diese EM wenig berührt. Es war mir alles zuviel, es wurde mir alles zu beliebig, ich reagiere irritiert, wenn auf einmal sonstige „Fußballhasser“ mit Trikots und Fahnen rumlaufen. Ob es an meiner Einstellung als Fan liegt? Mein zu taktisch fokussiertes Interesse eines Spieles, und meine mangelnde Toleranz-Schwelle für dämliche Gesänge oder eine pöbelnde Event-Menge? Auch aus diesen Gründen war ich kein einziges Mal beim sogenannten Public Viewing. Ich kann daher völlig verstehen, und nicke mit dem Kopf, wenn Jens Peters hier schreibt: „Der Fußball wirkt für mich in diesen Tagen beliebig. (…)  Zu viele Meinungen kommen zusammen. Richtige. Falsche. Ich will nicht filtern. Es entstehen neue Dinge. Public Viewing. Fußball-Comedy. Plastik-Sammelkarten im Supermarkt. Bühnen im Meer. Undsoweiterundsofort. Was ich eigentlich nur sagen will. Ich kann das alles kaum ertragen.“

Die Spiele dieses Turnieres fand ich im Gegensatz zu vielen Bekannten oder Medien gar nicht schlecht: Da gab es tolle Duelle auf höchstem taktischem Niveau (zum Beispiel Italiens 3-5-2 im ersten Spiel gegen Spanien oder die Portugiesen mit riesigem Pressing im Halbfinale) und beeindruckende Einzelleistungen (Ibrahmimovic, Ronaldo, Balotelli,…). Es gab zwar wenig Überraschungen, wenige Momente, die sich einbrennen und wenige herausragende Spiele. Trotzdem – und obwohl ich meistens zuhause war – hatte ich viel Spaß beim Schauen der Spiele und dem Analysieren der Mannschaften. Zum ersten Mal allerdings in der nun 23-jährigen Geschichte meines Fan-Daseins bestimmten für mich die Medien, die Netzwelt und vor allem auch die übertragenden TV-Sender die EM mehr als die Mannschaften. Das ist einerseits faszinierend, andererseits traurig.

Die klassischen Medien machten dabei grundsätzlich fast alles falsch, was man falsch machen kann. Nervige Fragen in Interviews oder Pressekonferenzen, schlechte Kommentare, fehlendes Wissen in taktischen Belangen und oftmals eine derart unglaubliche Häufung von Fehlern, dass man nicht richtig wusste, ob es Satire ist oder nicht. Die Krone des Irrsinns waren die Kommentatoren (wo ich mich nicht entscheiden kann, ob der Preis für den gröbsten Unfug an Steffen Simon oder an Bela Rethy geht) der Öffentlich-Rechtlichen und das ZDF mit ihrem Usedom-Strand-Geplänkel, verziert mit ihrer grenzdebil grinsenden KMH. Das hatte etwas von öffentlichem Theater und Realsatire. (Schön, dass meine Twitter-Timeline solche Situationen süffisant kommentiert und so weitaus unterhaltsamer ist, als die millionenteuren Fernsehstudios.)

Merkwürdig ist dies vor allem deshalb, weil es seit gefühlten Ewigkeiten im Netz großartige Fußball-begleitende Texte gibt, und es eine Wonne ist, diese Blogs zu lesen, mit all ihren treffenden Beobachtungen, phantastischen Analysen und nachdenkenswerten Kommentaren. Der Aufsteiger der letzten Saison im Taktik-Bereich gab sich auch während der Euro keine Blöße und lieferte erstaunlich vielseitige Taktik-Analysen, Spielberichte oder gar Retro-Betrachtungen. Danke an die Spielverlagerung, ich hab durch Euch den Glauben an fußball-orientierten Journalismus wiedergewonnen. Auch abseits der Taktik-Tafel gab es im Netz soviele gute Meinungen, dass ich mit dem Lesen kaum hinterher gekommen bin, aber hervorgehoben soll zum einen @freval sein, der wunderbar pointiert diese EM kommentierte und mir dabei oftmals aus der Seele sprach, ohne dass ich dies jemals so formulieren könnte: „Cassano, der gerüchtehalber bereits von einer Stubenfliege im Schach besiegt worden ist, vernaschte Traumtänzer Hummels, um dann mit einer Runde “Kennen Sie Balotelli” zu seinem Wingman überzuleiten.“ Und zum anderen Heinz Kamke, der in liebenswerten Rückblenden die EM aus der Sicht seines kleinen Sohnes erzählt. „Am nächsten Morgen erzählte er mir dann noch eine Story vom Pferd. Der drittplatzierte einer europäischen Fußballspieler-Auszeichnung aus dem vorangegangenen Jahrtausend (“Ballon d’Or 1999″), Andrij Schewtschenko, habe die Ukraine im Juni 2012 zum Sieg über Schweden (jenes Land also, aus dem das bekannte “Was für ein Land, in dem Zlatan noch Zlatan heißt” stammt) geführt, noch dazu mit zwei Kopfballtoren. Klar.“

Auch viele andere Fußballblogger haben mit ihrer objektiven, kritischen Berichterstattung dazu beigetragen, dass die klassischen Medien für mich nicht mehr einen Hingucker wert sind. (An Kritik an den deutschen Fans sei vor allem der Beitrag von LizasWelt empfohlen, „Hurra, Patriotismus!„). Von der Berichterstattung Hetze der BILD ganz zu schweigen, doch davon soll hier nicht lange die Rede sein, darüber haben sich zum Beispiel Lukas Heinser („Da arbeitet eine ganze Redaktion an Schlagzeilen, die all dem entgegenstehen, was sie selbst wenige Tage zuvor erarbeitet hat. Ein menschliches Gehirn müsste eigentlich implodieren, wenn sich sein Besitzer derart selbst widerspricht.“) oder auch Stefan Niggemeier („Ich schätze, es ist auch Ausdruck eines Selbsthasses, der durch die nicht mehr auflösbare Vieldeutigkeit des Begriffes »wir« dramatisch verschärft wird. Wenn »Bild« in diesen Zeiten »wir« schreibt, kann das »Bild«, »die Deutschen« oder »die deutsche Nationalmannschaft« meinen.„) schon hervorragende Gedanken gemacht. – Alle Schlagzeilen dazu im Bildblog.

Lassen wir den hämischen Blick auf die Medien und kommen noch einmal zum wichtigsten, zur schönsten Nebensache der Welt. Fußballerisch mag es langweilig gewesen sein, wie 11Freunde gewohnt lässig polarisiert, aber mich haben schon einige Dinge begeistert:

Die Pässe und Bewegungen von Iniesta erinnerten mich oftmals an die legendäre japanische Comic-Serie „Kickers“. Christiano Ronaldo mag mit Spott und Häme überschüttet werden, es gibt aber kaum etwas daran zu rütteln mit welcher Klasse er spielte, vor allem gegen Dänemark und Tschechien. Der alte Mann Shevchenko konnte noch einmal zeigen, was ihn früher so unwiderstehlich machte. Die Entschlossenheit von den alten Italienern Buffon und Pirlo, die beide überragend spielten. Die Abgeklärtheit und Fehlerlosigkeit von Badstuber. Der neue Chef im deutschen Spiel, Sami Khedira. Das Laufwunder Gebre Selassie auf der rechten Abwehrseite (wenn er nur 3/4 davon zu Werder rettet…). Sein Gegenpart auf links, mit großartigen Vorstößen hinter Ronaldo, Fabio Coentrao. Auch die ukrainischen und polnischen Fans in den Stadien, welche für eine tolle Atmosphäre sogar am TV sorgten.  Natürlich die irischen Fans, die für mich persönlich den einzigen Gänsehaut-Moment dieser EM schafften, als sie  ihr „fields of athenry“ singen, und Tom Bartels (!) 5 Minuten andächtig seinen Mund hält (Vielleicht DER Moment, den man noch Jahre im Kopf haben wird.) Das Bild der EM, und deshalb ist es oben eingebettet, ist natürlich Balotellis Jubelpose, die bereits stunden später zum Mem geworden war. (Dieses Bild zeigt auch so schön die Verzweifelung von Philipp Lahm, und damit ist es – leider – auch das Bild des verdienten Ausscheidens der deutschen Mannschaft.)

Meine Mannschaft der EM 2012 sieht folgendermaßen aus (in Klammern die Ersatzbank):

Buffon (Neuer) – Gebre Selassie, Pepe, Badstuber, Coentrao (Papadoupolos, Alba, Hummels, Ramos) – Pirlo, Khedira (Veloso, Busquets) – Ronaldo, Iniesta, Modric (Silva, Nani, Reus) – Bendtner (Mandzukic, Dzagoev).

Spanien ist – erneut – verdienter Sieger. Alles andere ist populistischer Blödsinn. Ich freue mich zumindest jetzt schon wieder auf die Bundesliga – ruhiger, nicht so beliebig, nicht solche Massen, und mit definitiv mehr Überraschungen. Auf gehts, ihr Blogger da draußen. Danke Euch für tolle Unterhaltung während der letzten 3 Wochen.

„Der Jude an sich ist unsympatisch“

Februar 7, 2012 2 Kommentare

Am Sonntag Abend saß die junge, sympatische politische Geschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, bei Günther Jauch. Thema: Antisemitismus. Frau Weisband, bei Twitter äußerst erfolgreich als @afelia, war natürlich nicht nur eingeladen, weil sie gerade jeder einlädt, sondern auch weil sie gläubige Jüdin ist. Vieles in dieser Sendung war wieder einmal belanglos, da konnten auch die wirklich klug geführten Gespräche wenig dran ändern. Aber immerhin konnte man sich auf einen Konsens einigen: Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft nichts verloren – und darüber hinaus sollte man sich Verallgemeinerungen wie „Die Juden“, „die Christen“ etc. sparen. Jeder für sich ist Mensch, und keine Volksgruppe – oder Religionsgruppe ist über einen Kamm scherbar.

Doch dann stellte Kevin Barth, ein junger Piratenpolitiker aus Heidenheim, alle Worte von @afelia auf den Kopf.

Screenshot @Kevbarth-Account

Der „Jude an sich unsympatisch“. Man muss dies zweimal lesen, kurz auf sich wirken lassen. Barth macht hier ja gleich zwei Fehler. Er führt von einer israelischen Politik (die unter anderem auch durch europäische und us-amerikanische Politik unterstützt wird) auf das Volk und bezieht jedes Individuum mit ein. Dies ist noch halb verzeihbar, weil man dies in einer vielleicht erhitzten Debatte gerne macht: übertreiben und Vorurteile loslassen. Der zweite Fehler ist der größere, gefährlichere. Von israelischen Bürgern auf Juden allgemein zu schließen. Denn hier schließt sich der Kreis zu wirklich antisemitischen Meinungen des vergangenen Jahrhunderts. Es wird kein Unterschied gezogen zwischen der Volksgruppe der Juden und der Religion, dem Judentum. Barth meint hier ganz deutlich die „Israelis“, spricht aber den „Juden an sich“ an, so als gebe es über die ganze Welt verteilt nur einen Schlag Menschen jüdischen Glaubens.

Wir müssen uns das immer wieder vor Augen halten, auch und besonders in solchen Diskussionen: „Die Juden“ gibt es genauso wenig wie „Die Christen“. Es gibt deutsche Juden, amerikanische Juden, russische Juden. Und genauso gibt es auch in Israel Christen und Muslime. Letztlich könnte man jemanden wie Barth, der sich heute schon entschuldigte,  nun an den Pranger stellen, oder ihn beschimpfen – doch vielmehr müssen wir auch selbst daraus lernen: Wie können wir historisches Bewußtsein richtig vermitteln? Wie können wir Religionen und Geschichte pädagogisch weitergeben, so dass für alle, gerade auch junge Menschen ein klares Bild entsteht? Es wäre wünschenswert, wenn solche Falschaussagen zu neuen Diskussionen führen.

@Afelia sagte bei Jauch, dass sie sich wünscht, dass man das Thema Antisemitismus in Deutschland nicht mehr so oft in den Vordergrund stellen sollte. Hier möchte ich ihr widersprechen: An solchen Tweets, die sicher keine Einzelaussage sind, erkennen wir nur zu deutlich, dass wir noch viel Arbeit im Bereich des Antisemitismus vor uns haben.

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Dazu:

Julia Schramm erklärt dem Kevin auch einige Dinge. Und Primavera wartet auf eine öffentliche Stellungnahme der Piratenpartei.

Chevrolet und die Superbowl-Werbung

Februar 6, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Gestern abend (Ortszeit) war es soweit: Der 46. Superbowl ging über die Bühne. Und wie immer bei diesem Event rückt die eigentliche Sportart etwas in den Hintergrund. Die Giants gewannen zwar 21:17 gegen die Patriots, aber hinterher wird wie sooft mehr über die besten Commercials des Abends gesprochen.

super-bowl-xlvi

Die Werbeeinblendungen kosteten dieses Jahr 3,5 Millionen Dollar für 30 Sekunden. Und für dieses Event lassen sich die großen Player der Welt gerne die ganz besonderen Werbungen einfallen. Quasi jede große Marke der Welt ist an diesem Tag mit neuen Spots zu sehen, oft humorvoll, mit kritischen Spitzen auf die Konkurrenz und oft mit außergewöhnlichen Ideen. Dieses Jahr überzeugen unter anderem die Spots von VW, AUDI oder auch Pepsi. (Mein heimlicher Favorit ist Weego, der Rettungshund von Bud Light.)

Für mich der große Werbe-Gewinner ist aber Chevrolet. Die US-amerikanische Autofirma zeigte zwei Spots und bewies dabei viel Humor und tolle Ideen. Zuerst denkt ein Schul-Absolvent, er würde einen Chevrolet Camaro geschenkt bekommen.

Anschließend setzen sie noch einen drauf, und zeigen, wer dem Weltuntergang 2012 (nach dem Maya-Kalender) trotzt:

Abgerundet wird dies alles aber erst durch das neue OK GO-Musikvideo. Die Band aus Chicago ist ja schon ewig für skurille, ausgelassene und wahnwitzige Videos bekannt, zum Beispiel hier, hier oder hier. Jetzt haben sie gemeinsam mit Chevrolet in der Wüste vor L.A. ein neues Video gestaltet zu ihrer neuen Single, welches – nun ja – doch in die Kategorie „außergewöhnlich“ fällt. Präsentation: Natürlich am Superbowl-Tag. Perfekte Werbung für beide Seiten. Es ist schon erstaunlich, dass eine Band wie OK GO mit eher durchschnittlicher Musik es immer wieder schafft einen solchen Aufmerksamkeitsschub zu generieren. Aber zugegeben: Das ist schon ziemlich grandios.

(Schön auch, dass im deutschen Fernsehen SAT1 die Zuschauer mit grauenvoller Werbung, eigener Sender-Platzierung und viel sonstigem Müll in den Pausen versorgte. Aber macht ja nichts, man kann sich ja am nächsten Tag immer noch mit einer guten Quote selbst loben.)

Netzkultur-Tipp 4: Fitzelkönig von catenaccio

Januar 9, 2012 1 Kommentar

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte und Blogs im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinnerung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 4 heute mit einer wahren Fitzel-Aktion von Jens Peters aka catenaccio.

Schon wieder Fußball? Schon wieder Fußball. Ich wollte dies hier schon viel länger vorstellen, bin aber leider nicht dazu gekommen. Aber weil @catenaccio heute Geburtstag hat, passt das prima. In diesem Sinne auch noch: Alles Gute 😉 Manchmal bin sogar ich überrascht, was sich manche Menschen Tolles ausdenken oder verwirklichen, und gerade im Bereich Fußball scheint der Enthusiasmus gigantisch zu sein.

Welche ist die Szene des Spieltages? Was ist heute passiert? Welche entscheidende Aktion rund um die Bundesliga wird nicht vergessen werden? All diese Fragen stellen sich vermutlich viele Fans jedes Spieltags-Wochenende. Jens Peters hat dazu ein Projekt namens Fitzelkönig angefangen zu verwirklichen, welches Szenen aus dem Bundesligaalltag einfängt, und in Farbe auf einem schwarz-weißen Hintergrund hervorhebt. Dabei kommen ganz skurille kleine Videos heraus, die toll und aufwändig eine neue Kunstform (so finde ich!) präsentieren. Zum Beispiel das schon zu sehende 20-sekündige Fitzel-Video zu Gomez‘ Fehlschuss vor dem Tor oder Huntelaars Hakentor.

Noch beeindruckender als das Resultat ist aber eigentlich der Aufwand, den Peters betreibt. „Szene auswählen. Schneiden. Bilder löschen damit der Stopmotion-Effekt entsteht. Zweifach ausdrucken. Fitzeln. Also ausreißen – daher kommt auch der Name. Dann zusammenkleben. Dann jedes Blatt fotografieren. Bearbeiten. Zuschneiden. Je nach Fitzelkönig mit Photoshop noch nachbearbeiten. Dann ab ins Schnittprogramm. Zusammenfügen. Einblendungen rein. Sound drauf. Exportieren. Fertig.

So schaut das entsprechende MakingOf aus:

Weil solcher Aufwand, solche Mühen und solche Kreativität belohnt gehört, ist das mein aktueller Netzkultur-Tipp. (Darüber hinaus ist selbstverständlich der ganze Blog catenaccio sehr lesenswert!). Hoffentlich gibts da über die Rückrunde noch mehr tolle, faszinierende Videos.

Netzkultur-Tipp 3: Aktion Libero

November 17, 2011 1 Kommentar

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte und Blogs im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinnerung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 3 heute mit einer tollen, groß angelegten Aktion der deutschen Sportblogger, der „Aktion Libero“.

Immer noch – trotz vielfacher andersartiger Äußerungen u.a. von Herrn Zwanziger – spielt offene Homophobie im Fußball eine große Rolle. In den letzten Wochen wurde dies wieder besonders deutlich, als Arne Friedrich sich öffentlich vom „schwul sein“ distanzierte. Auch Ende 2011 scheint es keine Chance für homosexuelle Fußballer zu geben, damit „normal“ zu leben. Es bleiben Vorurteile, tiefgreifende Ressentiments und grundlegende Ablehnung. Was kann man überhaupt dagegen tun? Nun, zumindest klare Meinungen präsentieren und dabei eine positive Haltung zeigen. Genau dies versucht nun die begrüßenswerte Aktion Libero. Sie möchte sich gegen das intolerante Klima in Deutschland stellen, dieses sensibilisieren und gibt ein deutliches Statement dazu ab:

„Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.“

Nun, ich schreibe hier nie selten über Sport oder meinen geliebten Fußball, aber so ist dieser kaum aus unserem kulturellen Leben wegzudenken (zumindest meinem!), und so kann ich mich der Aktion meiner sportlich bloggenden Kollegen nur zu 100% anschließen. Auch ohne Sportblogger zu sein: Gegen Homophobie. Und dies sollte man vielleicht auch öfter mal sagen. „Libero“ regt zum Nachdenken an, und zu einem bewußteren Umgang. Für diesen Anstoß bin ich der Aktion Libero selbst dankbar. Seit Mittwoch morgen ist die Aktion – nach wochenlanger Geheimniskrämerei – gestartet und seitdem gibt es schon unglaublich viele teilnehmende Sportblogs (manchen dieser Blogs habe ich erst durch diese Aktion kennengelernt!). Unterstützung erfährt das Projekt durch einige Prominente wie z.B. Thees Uhlmann oder Maria Furtwängler.

Viele der Blogger haben sich auch noch neben dem Statement um individuelle Texte bemüht, darunter finden sich viele interessante Gedanken, schöne Worte und gute Interviews, wie hier bei SPOX (wie wichtig das Thema ist, zeigen auch genau die Kommentare unter jenem Interview). @heinzkamke fragt: „Ist das alles?“ und schreibt: „Ich brauche übrigens auch kein anonymes Interview mit einem schwulen oder auch, dann eher nicht anonym, nicht schwulen Fußballspieler, der die möglichen Folgen eines Outings skizziert, um zu wissen, dass da noch verdammt viel im Argen liegt…“. Dem Münchner @Stadtneurotiker ist „das ja egal“  und @freitagsspiel formuliert schön: „Gemein­sam mit Ande­ren zu leben als jemand, der man nicht ist; unter Ande­ren zu sein und gleich­zei­tig auf ele­men­tare Weise alleine zu blei­ben: Eine grö­ßere Ein­sam­keit kann ich mir kaum vor­stel­len. Das fällt mir ein, wenn ich an schwule Pro­fi­fuß­bal­ler denke.“ Auch @LizasWelt hat wieder spannende Ansichten. Ebenso lesenswert: Der Kommentar von @dogfood zur Aktion und der derzeitigen Situation in der NHL.

Die Zeit scheint reif zu sein. Lasst uns eine offene, tolerante Gesellschaft schaffen. Das Netz kann dies schaffen. Ach ja, für Neuigkeiten folgt @AktionLibero.

Noch ein Veranstaltungstipp, an dem ich leider nicht teilnehmen kann: Aktuell ist im Mainzer Bruchwegstadion die Ausstellung „Tatort Stadion“, in der es um Diskriminierung unter Fußball-Fans geht. Und genau heute (!) abend ist eine Diskussionsrunde zum Thema Homophobie.

Netzkultur-Tipp 2: Café und Kuchen

Oktober 21, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte und Blogs im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinnerung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 2 heute mit „Café und Kuchen“, einem neuen gemeinsamen Blogprojekt zweier Blogger aus Mainz und München.

Photo aus Toms Artisan Bakery, Ireland. (c) Café und Kuchen

Wer guten Kaffee und/oder guten Kuchen mag, steht immer wieder vor der Frage: Wohin? Gerade hier in Mainz sind die Chancen ein wirklich gutes Café zu finden eher mau. Man ist meistens auf den ersten Blick angewiesen, ein einheitliches Bewertungssystem ist schwierig, da die gängigen Portale wie z.B. Qype auch immer von den Unternehmen selbst als Werbeform genutzt werden. Und dabei wäre es doch toll zu wissen, wo der Kaffee besonders gut mundet, wo es die besten frischen Pflaumenkuchen oder fetten Torten gibt – oder wo ganz einfach auch das Ambiente perfekt gestaltet ist (für mich persönlich oft wichtiger als der eigentliche Kaffee 😉 ). Das dachten sich auch die Kaffee-begeisterten Blogger Laurelie aus München und tontraegerhoerer aus Mainz und starteten kurzerhand ihr neues Projekt: Café und Kuchen.

Dieses kleine Blog begeistert mit feinen Photos und Texten zu ausgesuchten Cafés, aktuell von München über Mainz über die deutsche Nordsee nach Irland. Sortiert nach ebenjenen Orten (bisher sind es noch nicht allzu viele, steht ja noch in den Startlöchern) kann man für seinen eigenen Ort (oder Urlaubsort) schauen, welche Cafés gut abschneiden. Café und Kuchen vergibt dabei eine Höchstbewertung von jeweils 5 Kaffeetassen (für den Kaffee), 5 Kuchenstücken (für Torten/Kuchen) und 5 Sterne (für das Ambiente). So kann man schnell auf einen Blick sehen, wie das jeweilige Café abschneidet. Bewertet wird – natürlich – nach persönlichem Geschmack, aber durchaus kritisch. So hat bisher kein Café in allen Kategorien die Höchstzahl von 5 Punkten bekommen. In der Praxis schaut dies dann zB so aus:

Café und Kuchen ist auch deshalb so ausgezeichnet, weil es um eine persönliche Note angereichert ist, und die (bisher) ausgesuchten Cafés nicht abgehoben oder versnobt sind, und die jeweiligen Bewertungen kritisch, aber stimmig sind. Außerdem sind die Photos und Texte stilsicher und machen schon beim Lesen und Schauen große Lust auf die gezeigten Kuchenstücke. Ich bin gespannt, wie weit das Projekt noch ausgebaut wird, und freue mich auf viele weitere Tipps. Meine absolute Empfehlung bekommen die beiden.

Zum ersten Netzkulturtipp „Kleine Helden“ geht es hier entlang.

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