Kino(p)review: 7 Psychos (Martin McDonagh, 2012)

November 29, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Man merkt es deutlich: Es geht auf Weihnachten zu. Nicht nur in den deutschen Innenstädten, sondern vor allem in unseren Kinos, denn dort kommen wieder vermehrt richtig gute Neustarts. Das neue Werk von Regisseur Martin McDonagh startet am 6.12. und lohnt definitiv einen Kinobesuch. Eine großartige exentrische Gangster-Komödie.

colin farell sam rockwell Wenn der erste Film ein Volltreffer wird, sind die Erwartungen bei den Nachfolgern meistens groß. McDonagh hatte mit dem schwarzhumorigen Film-Drama Brügge sehen…und sterben? einen absoluten Hit gelandet: originell erzählt, wunderbare Darsteller und verschrobene Charaktere und eine perfekte Balance zwischen Tragik und Slapstick. Tolles Kino, mit charmanter Umgebung. In 7 psychos behält McDonagh diese Coolness aus Brügge bei und setzt dem Ganzen noch mehr Witz, noch mehr Einfallsreichtum und noch mehr ausgeflippte Ideen obendrauf. Dank der sympatischen Crew von Filmstarts.de war ich gestern bei der Preview des Filmes und sah einen Film, der durchaus Potential hat, einer dieser „Kultfilme“ zu werden. Einem gewissem „Pulp Fiction“ läuft er recht locker den Rang ab.

Und darum gehts: Marty (Colin Farrell) ist ein glückloser Autor, der sich nichts sehnlicher wünscht, als sein Drehbuch „Seven Psychopaths“ zu beenden. Sein Freund Billy (Sam Rockwell), ein arbeitsloser Schauspieler, der sich mit Hundediebstahl über Wasser hält, will ihm unter allen Umständen dabei helfen. Was Marty jedoch vor allem fehlt, ist Inspiration. Billys Diebeskumpan Hans (Christopher Walken) wiederum ist ein ehemals gewalttätiger Mann, der nun zum Glauben gefunden hat. Das Duo hat unwissentlich einen großen Fehler begangen und stahl vor kurzem den geliebten Hund des psychopathischen Gangsters Charlie (Woody Harrelson). Wenn dieser Wind von der Identität der Täter bekommen sollte, würde er sie töten, ohne mit der Wimper zu zucken. Marty soll bald die notwendige Inspiration erhalten – die Frage ist nur, ob er und seine Freunde das auch überleben…

Hier muss ich erstmal überlegen, wie ich diesem Werk, diesem Film voller absurder Ideen gerecht werden kann. 7 Psychos bietet eine ungewöhnliche, abgedrehte und oftmals abstruse Story, zu der man gar nicht zuviel sagen kann, ohne allzuviel zu spoilern. Fest steht: An Psychopathen mangelt es dem Film genauso wenig wie an Gewaltdarstellungen in jeder Form oder einfach grandiosem Humor. Der Film überschlägt sich fast vor Ideen, Witz und verrückten Einfällen. Und dazu auch noch ein Shih Tzu. Das Großartige daran ist, dass daraus kein Klamauk wird, sondern McDonagh es schafft das richtige Tempo zu finden, und die richtigen ruhigen Momente zwischen den Wahnsinns-Ekstase-Szenen zu balancieren. Logik darf man hier nicht zuviel erwarten: Die übersteigerte Groteske ist hier der Standard und dient dem Selbstzweck. Die Morde geschehen dabei geradezu überspitzt, wie man dies aus Comics kennt. Diese ironische Brechung führt dazu, dass man sich nicht darüber wundert, sondern herzhaft lacht und enorm viel Spaß hat.

Einen großen Anteil am gelungenen Gesamtwerk haben hier sicher auch die Schauspieler, denn Collin Farell ist vielleicht so gut wie nie, Christopher Walken zeigt, warum er mal zu den ganz Großen gehörte, und Sam Rockwell spielt selbst die hervorragenden Nebendarsteller wie Tom Waits und Woody Harrelson locker an die Wand. Eine Wahnsinnsfigur. Und DIE Mütze!

7 Psychos ist ein wahrer Glücksfall von Film. Wer auf bösen Humor, unkonventionelle Storys weit weg vom Mainstream und etwas arg verschrobene Charaktere (nennen wir sie ruhig Psychopathen!) steht, dem ist dieses Highlight wärmstens zu empfehlen. Martin McDonagh gelingt auch mit seinem zweiten Film ein absoluter Hit. Bei der üblichen Filmstarts-Sterne-Bewertung nach der Preview gab ich übrigens 4,5 Sterne (von 5). Und, at least: Mehr noch als sonst eh schon lohnt hier die Originalversion. Warum? Wegen diesem Mann und dieser unfassbaren Stimme, dessen wunderbare Psychopathenstory fast schon beiläufig erzählt, was aus dem Zodiac-Killer wurde.

Marko Fürstenberg – „Gesamtlaufzeit“ (Thinner)

November 27, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Zum überhaupt ersten Mal stelle ich hier ein Album vor, welches nicht im gleichen Jahr oder zumindest aktuellen Zeitrahmen erschienen ist. Marko Fürstenbergs Netlabel-Album „Gesamtlaufzeit“ aus dem Jahre 2003 habe ich aber erst in diesem Herbst entdeckt – und es ist so zeitlos gut, dass es völlig egal ist, wann man es bespricht. Classic Dubtechno.

Vor fast 10 Jahren veröffentlichte Marko Fürstenberg aus Leipzig dieses Album, welches ich heute, im Herbst 2012, höre, als wäre es ein aktuelles Album. Ein bisschen ist es auch so, denn das damalige Thinner-Netaudio-Album wurde neu aufgenommen, und im Zuge der Neuveröffentlichung habe ich auch davon erfahren. Vor allem bei Ronny vom kfmw las ich davon, und konnte mich schließlich auch nicht mehr satthören an diesem Sound, der einen auf eine eigenartige, aber vor allem wunderbare Weise mit auf eine Reise nimmt. Man schließt die Augen und sieht Landschaften vor sich und fängt an zu träumen. Und ich denke mir so: Warum hast du so etwas 2003 noch nicht gekannt? Dass es solchen Dubtechno damals schon gab, schmerzt umso mehr, wenn ich denke, was ich zu dieser Zeit alles in Clubs erlebt und gehört habe. Aber sei es drum: Jetzt ist das Album immer noch zu hören, und – wie schon gesagt – es ist unglaublich zeitlos und passt mit seiner Tiefe und seinem Soul genau in dieses aktuelle Jahr.

Was gibts?
Ein ziemlich grandioses, vielschichtiges Dub-Techno-Werk. Deep, alles fließend, jede Menge Bass und doch so schlicht und ruhig. Toll. Tracks, die man als begeisterter Dub-Hörer jeden Tag hören kann.

Anspieltipps:

Flüssige Reise, und das poppige Clubstück In der Pappelei. „Kopfhörer auf“ pur ist auch der Rosengarten.

Das gesamte Album „Gesamtlaufzeit“ ist noch immer als CC-Lizenz-Download kostenlos verfügbar. Enjoy!

„Cloud Atlas“ im Kino

November 26, 2012 1 Kommentar

David Mitchells Roman „Cloud Atlas“, der sich mit der menschlichen Willenskraft beschäftigt, galt seiner Erzählstruktur wegen lange Zeit als unverfilmbar. Tom Tykwer („Lola rennt“) und die Wachowskis („The Matrix“) haben es dennoch versucht – und dabei tatsächlich großes Kino erschaffen.

 

Ein Mammutprojekt mit gleichzeitig stattfindenden Drehs. Sechs verschiedene Zeiten und Geschichten, sechs verschiedene Genres. All dies in einem Film? Dazu: Der teuerste europäische Film aller Zeiten. Ein bekanntes Schauspielerensemble gespickt mit Stars und obendrein noch drei(!) erfolgreiche Regisseure. Kann so etwas gut gehen? Ist ein solches Projekt, in dem alleine Tom Hanks sechs verschiedene Rollen spielt, möglich?

Es ist gut gegangen, um dies vorweg zu nehmen. Das man nach einem 3-stündigen Blockbuster nicht ernüchtert, sondern erstaunt und fasziniert nach Hause geht, passiert nicht häufig. Wie ist dies „Cloud Atlas“ gelungen? Aus sechs Geschichten setzt sich der Film zusammen, sechs Geschichten, die völlig unterschiedlich sind, und die doch vieles gemeinsam haben: In jeder von ihnen stemmt sich der freie Wille gegen das Schicksal, und obwohl meistens dennoch das Böse siegt, gibt es Hoffnung. Hoffnung auf bessere Zeiten, Freiheit, und ein gemeinsames Miteinander.

Im Jahr 1849 ist der Amerikaner Ewing im Pazifik auf einem Segelschiff unterwegs, der Komponist Robert Frobisher ist 1936 auf der Suche nach sich selbst und einer weltumfassenden Komposition, die Journalistin Luisa Rey ermittelt 1973 in einem Energie-Konzern, 2012 landet ein chaotischer Verleger in einem geschlossenen Altersheim, in der relativ nahen Zukunft 2144 wird eine Duplikantin verhört, die ein Mensch werden wollte und in einer post-apokalyptischen Zeit in 2346 wird ein einfacher Hirte auf Hawai’i zum Helden.

Und natürlich kann man so etwas schon im Ansatz verreißen. Auch ich könnte es tun: Kitschig? Ja, und wie. Sinnlose Dialoge und Plot-Szenen? Na klar. Hanebüchene Klamauk-Ausreißer? Ja, besonders in der 2012-Geschichte. Mainstream und vielleicht doch zu sehr Hollywood? Ganz klar, beispielsweise hätte ich mir bei einer deutschen Produktion mehr deutsche Schauspieler gewünscht. Die Einzel-Storys für sich? Eher langweilig. Am besten noch: 1973.

Aber: „Cloud Atlas“ überzeugt als ein unglaublich beeindruckendes visuelles Gesamtwerk, welches sich nicht auf einzelnen Storylines ausruht, oder gar auf einzelnen Gesichtern. Die opulente Reise durch die Zeitgeschichte nimmt einen mit auf ein ganz großes Abenteuer, ist dabei intelligent und philosophisch (Zerstörung des Menschen, Zivilisation, Gewalt, Machtmißbrauch, freier Wille, etc.), und verbindet mehr als geschickt nicht nur verschiedene Orte und Zeiten, sondern auch Genres, und dies so flüssig, dass man es kaum wahrnimmt, und irgendwann im Kinosaal nur noch die Verbindungen der Geschichten sucht. Herausragend neben all diesen Punkten: die Maske. Was hier geleistet wird, ist schlicht großartig. Wenn Schauspieler über Altersgrenzen und Hautfarben hinweg kaum wiederzuerkennen sind, macht dies einfach sehr viel Spaß. Die Besetzung ist sowieso schon gelungen, allen voran die Nebenrollen wie Jim Broadbent, Jim Sturgess oder Hugo Weaving. Alleine schon Hugh Grant verdient sich hier Extrapunkte durch 6 unterhaltsame unterschiedliche Rollen.

„Cloud Atlas“ könnte durch seine besondere und faszinierende Erzählstruktur einer der Filme des Jahres sein. Trotz aller Schwächen bleiben die positiven Seiten bei mir in Erinnerung und zeigen dabei, dass auch das Mainstream-Kino noch überraschen kann. Anschauen lohnt sich – und die Überraschungen im Abspann, wer welche Rollen gespielt hat, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Alt-J (∆) – An awesome wave

November 24, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Irgendwann im Juni hörte ich von Alt-J und ihrem Debütalbum. Da ich aber anderes im Kopf hatte, lernte ich die großartige Platte erst im Herbst kennen. Und das soll nicht untergehen, denn „An awesome wave“ ist eines der Highlights 2012.

Alt-J sind waschechte Briten aus Leeds und lieben Dreiecke. („Triangels are my favourite shape“ singt Sänger Joe Newman in Tessellate). So erschließt sich auch schnell der Bandname, der zurückgeht auf das Tastaturkürzel alter britischer Macs. Mit „An awesome wave“ gibts seit Mai ihr Debütalbum, welches Anfang November schließlich sogar den renommierten (und guten!) Mercury Prize gewann.

Was gibts?

Großartigen Indiepop. Gitarrenmusik. Klassischer Rock, der unaufhaltsam in die elektronische Richtung gezogen wird. Manchmal auch Dubstep. Dann auch wieder Folk. Alt-J verknüpfen auf wundersame Weise viele Musikstile, und bleiben sich dennoch in allen Songs treu. Eine wunderbare Vielfalt, welche sich nicht behindert, sondern perfekt ergänzt. Und dann besingen sie mit Matilda noch einen meiner Lieblingsfilme. Viel mehr geht kaum.

Anspieltipps:

Fitzpleasure, und die aktuelle Single Breezeblocks. Einer meiner Geheimfavoriten ist auch Taro.

Das komplette Album gibts hier als Stream:

Alt-J waren gerade übrigens mit Two Door Cinema Club auf Tour, die nächsten (Haupt-)Konzerte in Deutschland sind Anfang 2012 (in Köln versuche ich selbst dabei zu sein, anyone else?):

21.02.2013 Hamburg, Uebel & Gefaehrlich
22.02,2013 Köln, Gloria
23.02.2013 Berlin, Postbahnof

Enjoy!

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Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte

November 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Die Erfinder des Techno sollen sie sein, ein Mythos mit einem einzigartigen Sound: Fraktus aus Brunsbüttel. Ein Kinofilm geht diesem Phänomen auf den Grund. „Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ läuft seit dem 8.11. in unseren Kinos. Es ist vielleicht der lustigste Film des Jahres.

Rückblick: Im Sommer 2007 tanze ich wie so häufig beim Melt!-Festival. Jan Delay ist gerade fertig, als wir mal wieder bei der Main-Stage vorbeischauen. Wir bekommen noch mit, wie er einen „special guest“ ankündigt, „die Techno-Erfinder“, „den Ursprung der elektronischen Musik“. Das Ganze mittendrin in der Show von Deichkind, die später um 6 Uhr morgens noch Snap auf die Bühne holten und damit viele Lacher ernteten. Doch zurück zu „Fraktus“, die zu großer Lichtshow auf die Bühne ziehen. 3 Männer in schwarzen Anzügen, wilde banale Texte zu Elektrotrash. „Affe sucht Liebe“.  „Are you ready to rock? Ohoheheheo…“. Schon nach wenigen Minuten gibt es Buh-Rufe, es fliegen Becher und andere Gegenstände auf die Bühne. Es kommt zur Eskalation, das Publikum beschimpft Fraktus, Fraktus beschimpfen das Publikum und verlassen mit Stinkefinger Richtung Menschenmasse die Bühne.

Doch all dies war nur gespielt, und wir machten schön mit. Deichkind-Sänger „Das Bo“ hatte kurz vorher erklärt, dass hier für einen Kinofilm gedreht würde, und wir den Akt „so richtig, richtig scheisse“ finden sollen. Nichts leichter als das, alle hatten viel Spaß. Das die Herren Schamoni und Strunk mit an Bord waren, bekam ich noch irgendwie mit, doch mit der Zeit und den Jahren vergaß ich Fraktus…

…bis in diese Tage, wo die drei altgewordenen Männer in Fernsehshows Interviews geben und sich dabei regelrecht zerfleischen. Es geht natürlich um das große Comeback, den aktuellen Kinofilm und die dazu gehörige Tournee.

Das „Studio Braun“ entwirft mit der Geschichte von Fraktus einen herrlich fiktiven Dokumentarfilm, der die (elektronische) Musikszene wunderbar persifliert. Fraktus, das sind Bernd Wand (Jacques Palminger), Dirk „Dickie“ Schubert ( Rocko Schamoni) und Thorsten Bage (Heinz Strunk). Ihr größter Hit: „Affe sucht Liebe“. (Persönlicher Favorit aber: All die armen Menschen!). 25 Jahre nach ihrem letzten Konzert versucht der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) die Band wieder zusammen zu führen, um ein Comeback anzuleiern. So führt der Weg der Dokumentation von Brunsbüttel nach Ibiza und schließlich nach Hamburg.

Palminger, Strunk und besonders Schamoni gehen derart in ihren fiktiven Figuren auf, dass es eine reine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Die Auftritte und Interviews zahlreicher echter Stars der elektronischen Musikszene (von Westbam bis DJ Hell, von Yello bis Daft Punk) sind überaus witzig und verleihen dem Ganzen den nötigen Touch Selbstironie. Die Pointen sind absolut treffend, der Film pendelt zwar gefährlich nah an der Grenze zum Klamauk, ist dabei aber glücklicherweise immer clever, detailversessen und voller bösem Humor. Die zahlreichen Anspielungen auf Musikszene und Techno sind für jeden Fan ein irrer Spaß und so ist „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ ein wohltuend ironischer, herrlich lustiger Film geworden.

Das neu aufgenommene Album „Millenium Edition“ mit den „alten“ Songs könnte nun durchaus Kult-Potential erreichen. Die Titel sind natürlich weder spannend noch besonders gut, aber mit Liebe zum Detail (gemeinsam mit Erobique) dem 80er Sound nachempfunden und durch ihre Trash-Fertigkeit sicherlich der Renner dieses Winters und auf der Tour Anfang 2013. Mich würde es kaum wundern, wenn im nächsten Jahr „Affe sucht Liebe“ oder ähnliches Fraktus-Material der nächste heiße „Shit“ wäre. In diesem Sinne: Oweeeeyoo.

Sea + Air – My Heart’s Sick Chord

November 15, 2012 2 Kommentare

Musik! Endlich wieder Musik! Den Startschuss für das Comeback hier im Blog gibt’s mit einem deutschen Duo aus Stuttgart: Sea and Air sind ein Pärchen, die dem deutschen Songwriterpop viel Leben einhauchen.

My Heart’s Sick Chord

 

Daniel Benjamin und seine Frau Eleni sind SEA + AIR, und sind gerade auf Portugal-Tour. Warum ich das erwähne? Nun, zum einen bin ich neidisch auf dieses unvergleichliche Urlaubsgefühl und das Wetter in Portugal, und außerdem verdeutlicht es, dass die beiden längst den Schritt vom Unbekannten Nischensinger-Duo zum großartigen Debütalbum überstanden haben und nun von der Welt gefeiert werden dürfen. Und das werden sie nicht zu knapp. Kritiker und Medien feiern sie als neue Stars, und die ZEIT überrascht mit einem Vergleich, den man erstmal sacken lassen muss: „Denn Sea + Air (…) offenbaren uns auf ihrer epischen Platte My Heart’s Sick Chord die traumwandlerischste Musik seit der Quintessenz melancholisch empfindsamen Tiefgangs namens OK Computer, Radioheads Durchbruch zur Superband 1997.“

Puh! Das überrascht, – aber nach mehrmaligem Hören der Platte offenbart einem das Album immer mehr von der geheimnisvollen Musik der beiden. Obwohl ich vielleicht zugegebenermaßen nicht an Thom Yorke gedacht hätte, ist Sea + Air doch ein eindrucksvolles Werk gelungen, welches vor allem durch die Kombination der beiden Stimmen und ihrer unterschiedlichen Intensität zum tragen kommt. Während Eleni eher für die Melancholie zuständig ist, darf Daniel die großen Gesten ausleben. Im Zusammenspiel ihrer vielen eingesetzten Instrumente wird daraus ein wunderschönes Kunstwerk.

Ob in der ersten ausgekoppelten Single „Do animals cry?“, welches vielleicht am ehesten Radio-Tauglichkeit hat, oder in den eher ruhigen Stücken der Platte: Immer bleibt die Musik grazil und sehnsüchtig. Es ist diese Art von barocker (durch das oft eingesetzte Cembalo) Kunst, der man sich nicht mehr entziehen kann. Beispiel? Einer meiner Albums-Favoriten:“Take me for a ride“:

Auch wenn ich mit Daniel eventuell noch einmal über ärmellose Shirts, gerollte Schnurrbärte und aufgedruckte Leoparden-Designs diskutieren müsste – seine Musik finde ich toll. Und ob das nun das Beste seit „OK Computer“ ist, weiß ich nicht – aber es ist wunderschöne Musik.

My Heart’s Sick Chord“ ist am 12.10. erschienen und könnt ihr komplett bei Spotify hören.

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Island 2012 – in Worten und Zahlen

Oktober 24, 2012 3 Kommentare

Der letzte Artikel zu meiner eindrucksvollen Island-Reise. Man merkt schon hier im Blog, wie nachhaltig dieses Land jemanden wie mich begeistert. Lange genug habe ich nun Photos hochgeladen, jetzt sollen noch einige „harte“ Fakten dazukommen, und einige Erinnerungen. Enjoy!

Skaftafell Campingsite IcelandIsland ist ein Land der Rekorde, besonders alle möglichen Natur-Rekorde, vom größten Gletscher, zu großen Wasserfällen. Aber Island ist nicht nur die Insel im Norden mit den Vulkanen, dem Eis und den rauen Küsten. Island ist mehr als ein Besuch des Golden Circle, mehr als der bekannte Geysir, mehr als Eyjafjallajökull.

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Im Flieger gab es zur leichten Unterhaltung einige witzige Facts, die alle so begannen: „The most amazing thing about Iceland is not…“. Lasst es mich vervollständigen.

  • Das wunderbarste an Island ist nicht, dass es grandiose Gletscherseen gibt, sondern dass es jeden Samstag überall im Land die „Nammi“ (Süßigkeiten) für 50% gibt.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht, dass es unglaubliche Naturphänomene wie Geothermalgebiete gibt, sondern dass man spontan abends bei einem Rentnerpaar im Gästezimmer unterkommen kann.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht die beeindruckende Lava-und Bergwelt, sondern die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Isländer, selbst unter schwierigen Bedingungen.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das oft atemberaubende Panorama an der Straße, sondern dass der Premierminister im Telefonbuch steht, und man an seiner Haustür klingeln kann.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht die bekannte Blaue Lagune, sondern die zahlreichen kleinen „Hot tubs“, in denen man alleine abseits des Weges Wasser und Natur genießen kann.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das grandiose Wasserfallschauspiel überall, sondern dass die meisten Isländer an Elfen, Zwerge und Trolle glauben (und dazu Dissertationen abgefasst werden).
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das sauberste Wasser der Welt, sondern dass alle Jungs nach ihrem Vater und alle Mädchen nach ihrer Mutter heißen (und man sofort erkennt, wenn der Vater nicht bekannt ist).
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das Betrachten der traumhaft schönen Polarlichter, sondern dass es keinen einzigen McDonald’s im ganzen Land gibt.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht ein ausbrechender Vulkan, sondern dass man sich bei jedem Wetter wohl fühlt und jedes Stück des Landes einzigartig ist.

Ich könnte ziemlich lange so weitermachen. Ihr versteht schon was ich meine: Die schönsten Seiten des Landes entdeckt man erst beim Reisen und Quatschen, nicht beim Besuchen der Touri-Highlights.

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Unsere Tour in Zahlen und Worten:

Gefahrene Kilometer: ~3800 (davon etwa 3000 beim Rundtrip, 800 vorher im Süden).

Liter Benzin verbraucht: ~265.

Gelaufene Kilometer: leider nicht festgehalten, unzählige.

Unterkünfte: 6x Guesthouse Reykjavík, 4x Sleepingbag accomodation on tour, 1x Hostel, 1x Youth hostel, 3x camping place, 5x sleepingbag accomodation at Vatnsholt. Alle spontan, keine Vorbuchung.

Wetter: -1° bis 10° C. Regen, Sturm, Schnee, Nebel, Wolken, Sonne, Eis, Wind: alles dabei.

Scheiß Tage: 1.

Free-Coffee an den OLIS-Tankstellen: ~10 (jeden tag unterwegs).

Reifenwechsel: 2.

Fast-Food: 2 (1x Subway, 1x Burger mit Pommes in Reykjavík).

Ungewöhnlichstes Essen: Gegrillter Wal, Pferdegulasch.

Bester (isländischer) Schnaps: Brennivín.

Photos geschossen: ~1200.

Tiere: Schafe (…), Hunde, Katzen, Kaninchen, Pferde, Ziegen, ein Rabe, und ein Schwein namens Skinka.

Museen: 4.

Highlights: Endlose Einsamkeit, Hot Tub bei Fludir, Naturromantik pur, Schnorcheln in der Silfra, Gletschertour, Myvatn, Lagune des Nordens, Skaftafell, Jökulsalon, Polarlichter, Reykjavík-Film-Festival.

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Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich wieder in dieses Land reise. Hoffentlich nicht allzu lange, die Westfjorde warten schon 😉

Hier weitere Links zu einigen meiner Photos:

1. Natur und wandern. 

2. Land aus Feuer und Eis.

3. Die Wasserfälle.

4. On the road.

5. Reykjavík.

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