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Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau – touristische Sehenswürdigkeit oder wichtige Bildung?

November 20, 2013 1 Kommentar

Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden im größten deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. 1100000. Eine unvorstellbare Zahl, die für mich auch nach so vielen Jahren Beschäftigung mit Geschichte abstrakt blieb. Beim Besuch des Vernichtungslagers im heutigen Polen bekommt der Schrecken des Holocausts ein Gesicht. Doch Auschwitz ist auch zu einer Touristenattraktion geworden. Ist das schlecht oder wichtig für uns? Einige Gedanken und Photos von mir zu Gedenkstätten und ihrer Wichtigkeit.

Auschwitz-Birkenau Gedenkstätte

Immer wieder stellt sich die Frage, wie viel Bildung und Unterricht wir im Bereich Holocaust noch benötigen. Schüler maulen schon einmal gerne: „Schon wieder Drittes Reich?“ oder „Das haben wir jetzt schon so oft gemacht“. Auch deshalb wurden in vielen Kernlehrplänen deutscher Bundesländer im Fach Geschichte die Thematik „Nationalsozialismus“ etwas verringert. Aber ist dies zeitgemäß?

Gerade in diesem Jahr erleben wir besonders hartnäckig den Aufschwung von rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa: In nahezu allen westlichen Ländern Europas sind rechte Parteien integraler Bestandteil der Politik, in Frankreich und den Niederlanden stellen sie die jeweils stärksten Parteien. (Besonders diese wollen nun auch verstärkt Europa „spalten“.) Auch in Deutschland schafft eine rechtspopulistische Partei fast den Einzug in das Parlament. Ich möchte hier gar nicht den (sicherlich tief liegenden) Ursachen dieser Bewegungen nachspüren (das haben andere sowieso schon besser gemacht), sondern fragen (auch mich selbst), wie wir als Menschen, Lehrer, Eltern oder Freunde mit Gedenkstätten wie in Auschwitz erinnern können – erinnern, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt und wir uns der Tragik und dem Horror der Shoah immer bewusst sind.

Auschwitz -Arbeit macht frei

„Your aim is to educate young people from every background about the Holocaust and the important lessons to learned for today.“ (HET).

„Discrimination isn’t dead. These people were humans and it could happen again. It wasn’t that long ago.“ (Sammye Whitbread, Student)

It makes it much more real. When you see hair and possesions you realise they are real people who died.“ (Beth Mannig, Student)

Diese Zitate las ich neulich in der Huffington Post („Auschwitz-Birkenau And Holocaust Horrors Taught To Students To Ensure Future Generations Never Forget„), und ich fand sie sehr aufschlussreich: Sie drücken auch meine Gedanken zu diesem schweren, unbegreiflichen Thema aus und zeigen, dass auch Schüler und Studenten die Wichtigkeit der Holocaust-Bildung verstehen können – wenn sie denn ein Konzentrationslager und die dortigen Taten mit eigenen Augen sehen und verstehen.

Auschwitz Stacheldraht

Mein Besuch in der heutigen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau startet merkwürdig: Es ist ein bisschen wie in einem großen Freizeitpark und unterscheidet sich kaum von anderen großen europäischen Sehenswürdigkeiten. Zahlreiche Reisebusse, herumirrende Touristen, Souvenirshops und Kiosks mit Süßigkeiten, Gedrängel an den Kassen und vor dem Eingang. Ich fühle mich unwohl, und wäre gerne alleine. Auschwitz heute ist (leider) auch eine riesengroße touristische Sehenswürdigkeit mit tausenden Besuchern pro Tag. Es ist mir eigentlich schon beim Start der Führung alles etwas zuviel: zuviele Menschen, zuviel Gewusel, vor allem zu wenig Ruhe und Einkehr angesichts dessen, was uns Besucher erwartet.

Doch das Bild ändert sich rasch. Mit dem Durchschreiten des „Arbeit macht Frei“-Bogens und dem richtigen Beginn der Führung ist es blitzartig ruhig. Teilweise gespenstisch ruhig. In den Katakomben, Einrichtungen und ganz besonders den Gaskammern schieben sich hunderte, tausende Menschen durch die Gänge und es ist dennoch unglaublich still. Stille, die einen bedrückt und teilweise tief bewegt und in Gedanken zurücklässt. In den Räumen des Museums, in denen die Haare, Schuhe oder Kleidung der Opfer aufgestapelt sind, ist die Trauer und die Beklommenheit von uns Besuchern fast mit Händen greifbar. Es fasziniert mich: Viele Schülergruppen sind an diesem Tag mit mir dort, über Stunden (allein die Führung dauerte 3,5 Stunden) wird kaum bis gar nicht gesprochen.

Auschwitz Todesgraben

Man spürt förmlich, wie hier Geschichte lebendig wird. Der Stacheldraht, die Einrichtungen, die Gebäude, die Bilder: Alles ist da. Es ist wirklich passiert, hier an dieser Stelle. Hier wurden Menschen ermordet – nur aufgrund ihrer Rasse, ihrer Religion, ihrer politischen Zugehörigkeit oder ihrer sexuellen Orientierung. Nur aufgrund von Hass und politischem Wahn.

Trotz all diesem bleibt es unwirklich, fast unglaublich. Dieser Gedankengang – und ich bin mir sicher, dass dies so ähnlich jedem durch den Kopf geht – ist so wichtig, denn hier findet ein Lernprozess statt. Mir zeigt es, wie wichtig solche Gedenkstätten auch und gerade heute für meine und jüngere Generationen sind. Hier wird aus der Touristenattraktion plötzlich eine Bildungseinrichtung und eine authentische Begegnungsstätte mit dem Holocaust.

Auschwitz- HALT!

So können Gedenkstätten wie das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (hoffentlich) dazu beitragen, den Hass und die täglichen Diskriminierungen auf der Welt zu reduzieren. Zustimmen kann ich in diesem Zusammenhang einem Beitrag für die „The Jerusalem Post„. Shimon Ohayon spricht sich dafür aus, Holocaust-Unterricht als Gegenpart zum aufkommenden Rechtspopulismus in Europa zu nutzen: „Europeans must remember this dark chapter of history because there are events taking place every day which are eerily reminiscent of the National Socialists’ amassing of political power leading up to the Holocaust. Europeans must be taught the past so they can stand in the way of these groups in ways that their ancestors did not, before it is too late.“

Das Lernen aus der (NS-)Geschichte hat erst begonnen und NS-Ideologien sind leider noch immer in unserer Gesellschaft tief verankert (siehe dazu auch den wieder gesellschaftsfähigen Antisemitismus). Und genau daher muss es unsere Aufgabe sein, besonders jungen Menschen dieses dunkle Kapitel der Menschheit mit all seinen Facetten zu vermitteln. Damit wir und sie niemals vergessen. In dieser Hinsicht ist besonders auch Auschwitz-Birkenau ein unglaublich wichtiger Bildungsort und eben nicht „nur“ Sehenswürdigkeit.

Auschwitz Schonungsblock

Auch aus diesem Grund erachte ich es als wichtig, heute und in Zukunft immer wieder mit kleinen Denkanstössen zu arbeiten, neue Bildungswege in diesem Bereich zu erarbeiten und kleine Projekte wie beispielsweise die Stolpersteine oder @9nov38 zu unterstützen und zu beachten.

Auch das Museum selbst ist auf einigen Social Media-Kanälen (z.B. Facebook und Twitter) unterwegs und trägt auf diese Weise dazu bei, das in einer immer schnelllebigeren Welt die Erinnerungen an den Holocaust erhalten bleiben. Ich kann den Besuch der polnischen Gedenkstätte jedem nur ans Herz legen. Es ist gleichzeitig traurig und lehrreich, es ist bedrückend, aber fördert genau dadurch unser Bewusstsein für Geschichte und trägt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Mitmenschen bei.

Auschwitz wall of death

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…und mal wieder bundesweiter Bildungsstreik

November 5, 2009 1 Kommentar

Es ist Donnerstag morgen gegen 11:40 Uhr in einem mittelgroßen, etwa halb gefüllten Hörsaal der Universität Mainz. Die Vorlesung ist bisher sehr gut, alle hören aufmerksam zu; es ist eine ruhige Vorlesung, wie sooft in meinem kleinen Fach.

Auf einmal stürmen 6 junge Menschen – die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Studenten handelt, weiter noch: Bachelor-Studenten – den Raum. Und stürmen ist hier ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Sie laufen die Treppe Richtung Dozent hinunter, vier von Ihnen widmen sich sofort der Tafel und schreiben unleserliche Infos an eben diese. Die beiden Übrigen begrüßen uns über ein – viel zu lautes – Megaphon, und schreien dann ein Gedicht mehr als es vorzutragen. Ein Gedicht? Richtig gelesen. Irgendwas von Bildungsstreik, wie schlecht doch alles ist, Uniaktionen in Österreich, und Demonstrationen hier in Mainz. Geht links rein und kommt rechts wieder raus. Dann nochmal die Wiederholung ohne Gedicht. Wir alle müssen streiken! Kommt alle zur Demo! Blablabla. Unser Dozent ist sichtlich amüsiert. Die jungen Studenten verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Dozent mit verschmitzem Gesichtsausdruck: „Jaja, früher hab ich sowas auch mal mitgemacht….!“

FireShot capture #030 - 'Bundesweiter Bildungsstreik 2009' - www_bildungsstreik_net

Es ist also – mal wieder – bundesweiter Bildungsstreik. Schon im Sommersemester wurde man in Mainz das Gefühl nicht los, dass ständig gegen Alles demonstriert und protestiert wurde. („Die heutige Jugend demonstiert doch viel zu wenig!“ – Jawohl!) Irgendwie ist das nur noch…gähn…uninspirierend, langweilig. Es ist diese „Gegen Alles ohne Verbesserungsmodelle“ – Haltung, die auch die linke Politik auszeichnet. Einer meiner Kommilitonen bringt es auf den Punkt, was viele dazu denken (wenn natürlich auch überspitzt!): „Sollen die Idioten doch alle zur Demo gehen, dann haben wir hier wenigstens Platz, und es besteht keine Läuse-Gefahr mehr.“

Das ist hart, ohne Frage. Aber das äußerliche Profil der Streikenden und auch derer, die heute bei uns reingestürmt sind, ist halt genau dieses: Rastas, Dreadlocks, knalligbunte Tshirts, usw. Jeder weiß, was ich meine und vor meinem Auge sehe.

Schauen wir uns an, was die Streikenden wirklich fordern. Ich picke einige Punkte der Forderungen heraus und zitiere sie hier:

den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

Schön und gut, klingt erstmal wunderbar und logisch. Doch wie sieht die Realität aus? Die Universität Mainz hat zum gegenwärtigen Zustand schon über 34.000 Eingeschriebene; viel mehr, als sie eigentlich aufnehmen kann. Es ist ja nicht so, als das dagegen nichts getan wird: Überall auf dem Campus sind Baustellen (Siehe dazu STUZ Heft 117, Seite 20), alleine im Jahre 2009 steckte die Universität viele, viele Millionen in Neubauten auf dem Campus. Zulassungsbeschränkungen sind m.E. einfach nötig, weil sonst jeder anfängt zu studieren. (ein Beispiel: Ich hätte immer gerne Filmwissenschaften studiert, der NC dort lag semesterlang bei Eins Komma… – außer Reichweite für mich. Mein Pech, und nicht das Problem der Uni. Ich hätte mich ja auch in der Schule mal mehr anstrengen können.)

die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!

Wie soll das funktionieren? Wer soll das garantieren? Meiner bescheidenen Meinung nach muss es hinter solchen Forderungen auch Verbesserungsvorschläge geben, die zumindest eine Chance haben. Eine finanzielle Unabhängigkeit für Millionen (!) Studenten kann niemand, auch kein Staat der Welt, garantieren. Es gibt die Studentenkredite mit äußerst günstigen Zinssätzen, das ist zweifelslos fair. (Außerdem könnte man ja auch arbeiten gehen, wie es ein Großteil meiner Kommulitonen und ich natürlich auch macht – aber da sind wir wieder beim Klientel der Streikenden: „Ich bin Links, ich mag Deutschland nicht, aber es soll bitteschön dafür sorgen, dass ich genug Geld hab…“)

Besonders mag ich den Gegensatz von diesen beiden Forderungen:

die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

&

die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!

Gebührenfrei studieren, am besten noch Geld erhalten, und dafür alles perfekt haben. Wie wärs denn mit einem eigenen Professor für jeden Studenten? Rosarote Brille und so. Das Geld für all die neuen Stellen, tollen Hörsääle, technischen Ausstattungen fällt dafür einfach vom Himmel. – Allein aus dem derzeitigen Konjunkturpaket II der Bundes- und Landesregierungen fließen zahlreiche Millionen Euro allein in Rheinland-Pfalz in die Studierendenwerke, die bessere IT-Ausstattung der Hochschulen und Sanierung und Neubau von modernen Hörsäälen. Und es reicht immer noch nicht völlig.

Freunde von mir haben an privaten Fachhochschulen studiert für mehrere tausend Euro im Semester – und selbst dort lief nicht immer alles glatt und perfekt ab. Wie soll das erst an einer Universität erreicht werden, wo derzeit alle Studenten „nur“ 200 € pro Semester zahlen – geschweige denn einen Nullbetrag, den der bundesweite Bildungstreik fordert?!

Kurz und knapp: Ich finde die meisten der Forderungen absolut unpassend und übers Ziel hinausgeschossen. Das wiederrum soll nicht den Eindruck vermitteln, dass ich alles an den deutschen Hochschulen gut heiße, ganz im Gegenteil, aber es ist auch lange  nicht alles so schlecht wie es nach außen dargestellt wird. (Das ist übrigens fast parallel mit der deutschen Politik zu sehen!) Gerne kann man über verschiedene Punkte diskutieren (Ich würde zum Beispiel einen praxisnäheren Lehrplan fordern, oder über die wissenschaftlichen Inhalte diskutieren, weil diese oftmals am späteren Beruf vorbeilaufen…), und ich als angehender Lehrer würde mich zu JEDER Zeit aktiv für eine gute und vernünftige Bildungspolitik einsetzen, weil dies die Grundlage für uns alle und unser Land ist, aber dies mit plakativen Parolen und wilden Demonstrationen zu versuchen, ist für mich nicht der richtige Weg. Die Streikenden müssen auch mal die positiven Seiten sehen, die leider viel zu oft vergessen werden: Im Gegensatz zu fast allen anderen westlichen Ländern haben wir keine Studiengebühren oder sie fallen im Verhältnis dazu sehr gering aus. Ich studiere für 200 € im Semester, bin frei in allen meinen Entscheidungen und Veranstaltungswahlen, fahre mit dem Semesterticket kostenlos Bahn und Bus, esse in der Mensa für wenig Geld und trinke Kaffee zu Studi-Preisen. Dafür nehme ich auch gerne mal veraltete Hörsääle oder langsame PCs in Kauf. Mehr erwarten kann ich auch nur, wenn ich dafür zahle (n würde).

Sollen sie mit ihrem „heißen Herbst“ weitermachen. Ich werde auch diesmal nicht mitmachen bei Demos und Streikveranstaltungen. Nun ja, ein zweiter Rudi Dutschke wäre ich wohl eh nie geworden.

Bis zum nächsten Bildungsstreik – im nächsten Semester.

Bundestagswahl 2009 – Die Qual der Wahl

September 6, 2009 6 Kommentare

In genau drei Wochen wählt unser Land eine neue Regierung. Unter Umständen einen neuen Kanzler. Einen neuen Weg. Zumindest aber ist in drei Wochen wieder eine Menge los in den Wahlstudios der TV-Sender und spätestens ab 16 Uhr in Twitter 18 Uhr darf heiß diskutiert werden: Wer hat gewonnen? Welche Koalitionen kann/wird es geben? Wer ist der große Verlierer?

Doch vorher haben die Bürger die Qual der Wahl (oder zumindest ich – die meisten Menschen in meiner Umgebung haben sich früh festgelegt oder interessieren sich gar nicht und gehen nicht wählen!): Schwarz? Rot? Grün? Gelb? Links? Rechts? Oder doch die Violetten? Oder vielleicht eher die bibeltreuen Christen? Als Bloggerer müssten es ja die aufstrebenden Piraten sein, nicht wahr? – Das Parteienspektrum ist groß und die Unterschiedlichkeit manchmal noch größer. Ich habe noch nie vor einer Wahl soviel hin-und herüberlegt, war noch nie so unentschlossen. Die Qual der Wahl. Woran liegt das?

Es gibt keine Partei in Deutschland, der ich zu 100% mein absolutes JA geben könnte, keine Partei hat ein Wahlprogramm, welches ich unterschreiben könnte, ohne kräftig zu schlucken. Also hilft nur das Ausschlussverfahren, und wenn man pessimistisch denkt, bleibt da am Ende nur „Pest gegen Cholera“. Ich möchte aber versuchen eher optimistisch zu schauen, und gucke einfach mal, was mir zu den (wichtigsten) Parteien einfällt. Fangen wir mit den beiden extremen Parteien an, dann die möglichen Entscheidungsparteien FDP und Grüne, dann die „Volksparteien“ – und schließlich am Ende werfe ich auch einen Blick auf Jack Sparrow und seine Crew.

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602px-NPD.svg (und alle anderen rechtsradikalen Parteien: DVU, Republikaner, etc.)

Wer die Demokratie in Deutschland abschaffen will, die D-Mark wieder einführen will, ausländerfeindliches Gedankengut in unser Land streut, und letztlich noch an den Grundregeln des „Dritten Reiches“ festhält (incl. aller Symbolik: Hakenkreuze, SS-Abzeichen, etc.), hat einfach gar nichts verstanden. In einem Film wäre das ein schlechter Witz. Und eigentlich muss man gar nicht erwähnen, dass diese Partei eher die Stimme „Abwählen“ verdient hätte als irgendwas anderes, aber leider gibts immer noch genug Menschen, die sich mit den rechtsradikalen Meinungen angesprochen fühlen. Gemeinsam gegen Rechts! (> http://www.npd-verbot-jetzt.de/)

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250px-Die_Linke_logo.svg

Das Extrem auf der anderen Seite. Zwar nicht rechts und nicht ausländerfeindlich, dafür sozialistisch, populistisch und vor allem unrealistisch. Mit Gregor Gysi haben sie einen der führenden Männer der SED und einen früheren Stasi-Mann als Fraktionsvorsitzenden. Das allein wäre Grund genug, diese Partei zu meiden wie das „Sommermädchen“ auf Pro7. Aber die neuesten Landtagswahlen zeigen: die Popularität der Linken im Land steigt. Wie kommt das? Gysi und sein Co Lafontaine schaffen es als – zugegebenermaßen herausragende – Redner immer wieder Menschen zu fesseln und für – absolut unrealistische – politische Ziele zu begeistern: „Reichtum für alle“, „Geld für alle“, „garantierte Ausbildungsplätze“ und so weiter und so weiter. Warum nicht gleich eine Million Euro aufs Konto jedes Staatsbürgers? Fänd ich auch klasse… Die Ziele sind groß – die Wege dorthin begrenzt unmöglich. Wer Links wählt, wählt den Weg in den Abgrund, wie es vor kurzem ein Freund formulierte. Der Sozialismus hat nie funktioniert und wird auch nicht funktionieren. Und erst recht nicht mit Menschen wie Gysi. Ich verachte Extreme, und die Linke ist da nicht besser als die NPD auf der gegenüberliegenden Seite des politischen Spektrums.

Beide Parteien streben einen Weg an, der nicht im Sinne eines vernünftig denkenden Menschen sein kann. Ich halte sie daher beide für kategorisch unwählbar – daher brauch man bei diesen Parteien auch gar nicht auf weitere Themen einzugehen.

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Nun zu den ernsthaften demokratischen Parteien:

602px-Logo_Bündnis_90_Die_Grünen_grün.svgIch bin ein großer Fan von neuen Energien, insbesondere Solartechniken und Photovoltaiksystemen. Wir haben unser ganzes Haus mittlerweile ganz im Sinne der Grünen ausgerüstet – und der Punkt Umweltschutz, Natur und neue Energien ist heutzutage so wichtig (imho!), dass die Grünen heute aktueller sind denn je. Unterstützenswert! Doch es gibt auch viele Punkte, die mich an den Grünen stören: Zum Beispiel Bildungs- und Schulpolitik: Als Gegner der Realschul+- Reformen, kann ich die Politik der Grünen da nicht gutheißen. Thema Türkei und EU-Beitritt: Die Grünen machen sich ganz stark für einen Beitritt, und ich gehöre eher der gegenteiligen Meinung an. Auch der absolute Widerstand gegen Atomkraft ist für mich noch nicht tragbar: ich möchte nicht von heute auf morgen statt 19cent /kwH auf einmal 1€ zahlen müssen. Wir sollten die Atomkraft weiterhin als Brücke nutzen, bis wir es geschafft haben, andere Energien so zu nutzen, dass wir damit wirklich unser Land versorgen können. Dagegen ist die Meinung der Grünen zum Thema Datenschutz und Überwachungswahn natürlich zu begrüßen.

+ Umweltschutz & Klima

+ Datenschutz / Überwachung / Netzkultur

– Wirtschaft & Arbeitspolitik

– Außenpolitik

– Bildung

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567px-FDP_logo.svgDie FDP war früher für mich so etwas wie die „geht-gar-nicht“-Partei. Vertreten durch Männer wie Möllemann, Themen, die für mich damals Ende der 90iger und Anfang des neuen Jahrtausends als Schüler viel zu sehr an die Oberschicht gewandt waren – und schließlich noch Westerwelle an der Spitze. Da sprach eine Menge dagegen. Aber in den letzten Jahren hat sich kaum eine andere der großen Parteien so stark gewandelt – genauso wie Westerwelle weniger Akne im Gesicht hatte, wuchs auch seine Fähigkeit, Politik zu machen. Im Jahr 2009 sah ich mehrere Interviews und Gesprächsrunden mit Westerwelle – und der Sieger hieß immer: Westerwelle! Rhetorisch seinen Konkurrenten/den Moderatoren weit überlegen, blieb er immer entwaffnet charmant, und – sicherlich das größte Lob – er versteckt sich nicht mehr: Seine Meinungen zu den politischen Themen sind kantig, aber intelligent. Und parallel dazu gewinnen sie in meinem Wahl-o-Mat-Test. In wichtigen Themen wie Bildung, Außenpolitik, Arbeitsplätze, soziale Strukturen, Bürokratieabbau, oder Innenpolitik stehe ich auf einer Stufe mit der FDP. Das ist auch für mich überraschend. Zudem stimmte die FDP als einzige Partei komplett gegen das „Zensurgesetz“ von Zensursula. Schon damals ließ mich das erheblich aufhorchen. Was spricht gegen die FDP? Das neue Steuersystem der FDP klingt unglaubwürdig, und würde wohl auch so nicht funktionieren. Auch spricht sich die FDP für Studiengebühren ab dem ersten Semester aus: Hier gilt: Ein Erststudium sollte frei sein!

– Bildungsbereiche (Studium)

– Steuersystem

+ Innenpolitik (Datenschutz, Zensurgesetz, Nein zur Onlineüberwachung)

+ Atomenergie als Übergangstechnologie

+ Außenpolitik (Türkei, Europa, etc.)

+- Wirtschaft und Arbeitsplätze ( gute Ansätze, aber auch viele Kürzungen…)

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592px-SPD_logo.svgIch habe mal die SPD gewählt. Unter Schröder. Als dieser im besten TV-Duell ever seinen Konkurrenten Edmund „Logopäde“ Stoiber an die Wand fuhr. Ich hielt die SPD für sinnvoller als ihre Konkurrenten, für einsichtiger, und nicht zuletzt sympatischer. Ich war jung. Heute, 7 Jahre später, ist vieles anders. SPD-Politiker blamieren sich, wo sie nur können. Der Kanzlerkandidat sieht vielleicht besser aus als die der CDU, ist aber mindestens dreimal so langweilig. Fragen weicht er oft aus – oder er gibt zu, dass er keine Antworten darauf hat. In den allermeisten Sendungen zur Wahl in den letzten Wochen sind es die SPD-Größen, die keine Antworten mehr haben. (Außen vor: Peer Steinbrück: schlägt sich immer wieder wacker…) Sozialdemokratisch wollen sie sein. Arbeitsplätze schaffen. Bildung sichern. Und dann? Da ist meist Schluss. Negatives gibts noch obendrein: Beim Zensurgesetz stimmten sie ebenso dafür, genauso wie bei den Onlinedurchsuchungen. Es fällt mir schwer, aber zur SPD fällt mir aktuell kaum positives ein. Ach doch, der beste Online-Wahlspot gehört der SPD, Glückwunsch dazu!

+ Soziales Handeln, Verantwortung

+ Arbeitsmarkt

– Innen – & Außenpolitik

– Umwelt- bzw. Energiepolitik

– Wirtschaft / Finanzen

– Politiker

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800px-CDU_flagge_logo_alternativ.svgUnd nun also die CDU/CSU noch. Mit Kanzlerin Merkel an der Spitze, die ihren Job sehr wahrscheilich auch noch nach dem 27. September haben wird. Mit welcher Koalition ist zumindest noch fraglich, immerhin. Ich bin im Großen und Ganzen – entgegen der Mehrheit der jungen Menschen in meinem Alter – mit der Politik der Union zufrieden. Außenpolitisch vertreten sie meine Meinung: Sei es Europa, Afghanistan, Türkei, die USA oder die Welt. Wirtschaftspolitisch haben sie gerade unter Guttenberg in den letzten Monaten bewiesen, wie es geht und im Gegensatz zur SPD die Zügel in die Hand genommen. Frau Merkel an der Spitze und auch viele andere Unionspolitiker sind – gerade im Fernsehen – glaubhaft und ehrlich. Bildungspolitisch ist nicht alles richtig, es sind aber zumindest gute Ansätze da. Auch das Steuersystem und die Bemühnungen um Arbeitsplätze halte ich für richtig. Was hält mich ab, sofort die CDU zu wählen? Vor allem 2 Punkte: Innenpolitik (Schäuble, von der Leyen!) mit all seinen wichtigen Themen, insbesondere für mich als Netzjunkie und Blogger, wie Datenschutz, Onlinedurchsuchungen, Zensurgesetz (!), Recht auf Freiheit im Netz, etc. – sowie die eher mäßige Umweltpolitik, insbesondere das Festhalten in der Atomenergie anstatt auf neue Möglichkeiten zu setzen. (Edit: Ein Leser schrieb mir, dass die CDU genau wie die FDP die Atompolitik als Übergangstechnologie sieht, bis andere Resourcen richtig eingesetzt werden können! Danke für den Hinweis – war mir bisher wirklich nicht bekannt!)

— Innenpolitik (vor allem Minister Schäuble und von der Leyen: Zensur, Datenschutz, etc)

-+ Umwelt / Energiepolitik

+ Außenpolitik

+ Wirtschaft

+ Ethik / Moral in politischen Fragen

+ in Ansätzen Bildungspolitik

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701px-Logo_Piratenpartei_Deutschland_3D_svgAls letztes gibts noch die Partei, die mich in den letzten Wochen am meisten beschäftigt hat; im Netz einen wahren Sturm ausgelöst hat, und an der man – zumindest als Blogger & Twitteruser – nicht mehr vorbeikommt: die Piraten. Während meine Großeltern und ihre Generation bis zum Wahlzettel vermutlich nicht mal wissen, dass es diese Partei GIBT, hab ich aktuell das Gefühl, es gibt keine andere mehr: tausende Blogs, Tweets sekündlich, Videos, und und und. Das Netz rotiert. Die 5%-Hürde wird angepeilt, und ist das große Ziel. Die Piraten vertreten Themen, die mir als Netzuser äußerst wichtig sind: Informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz, Bildung, Datenspeicherung. Ich war/bin kurz davor, dieser neuen Partei, dieser selbsternannten Piratencrew meine Stimme zu geben. Doch es gibt sie doch, die negativen Punkte: Die Partei ist so einseitig, dass es fast schon schmerzt. (Und hört mir auf mit den Grünen-Vergleichen aus den 80igern- ich hab sie ja selbst immer gemacht…). Auf die Frage eines Freundes an die Piratenpartei, wofür die Piraten sich außenpolitisch einsetzen würden, kam als Antwort: „damit beschäftigt sich die Partei nicht wirklich“. Nun denn, ich möchte mit meiner Stimme eine Partei wählen, der ich es – theoretisch zumindest – zutraue mein Land zu regieren. Ich muss dieser Partei zutrauen, dass sie bei genügend Stimmen (und dies hoffe ich ja als Wähler der Partei) einen guten Kanzler stellt und alle politischen Punkte im Land erfasst. Und sich genauso für einen Sprachtest bei Kindern oder für ein ausgebautes Schulsystem einsetzt wie sie aktuell vehement gegen Zensur und co vorgehen. Sich genauso für wirtschaftspolitische Themen interessiert wie für die Blogosphäre. Und all dies ist aktuell nicht der Fall. Die Blogger und Piratenparteimitglieder versuchen das als nötiges Übel darzustellen, um einen besseren Weg einzuschlagen: Ich schätze ich kann dies noch nicht befürworten. Dazu kommen natürlich noch die Diskussionen um MdB Tauss (die Johnny von Spreeblick gut zusammengestellt hat) und auch der – selbst ironisch gemeint – lächerliche Piratenname, bei dem ich unwillkürlich erstmal an etwas „Negatives“ denke oder schlichtweg an die piratbay, welcher letztlich auch bei älteren Menschen jegliche Ernsthaftigkeit abspricht. Nichtsdestotrotz finde ich es gut, dass es die Piratenpartei überhaupt gibt: Auf die Themen MUSS hingewiesen werden, und vielleicht ist schon die Existenz der Piraten Grund genug für die etablierten Parteien, diesen Themen nochmal aufgeschlossener entgegen zu gehen.

+++ Innenpolitik (u.a. Daten, Netzkultur, etc.)

– Außenpolitik

– Wirtschaft/ Arbeitsmarkt

– Finanzen

– usw.

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Viel scheint mir dies hier nicht gebracht zu haben: So ganz toll finde ich keine Partei. Darf ich mir was wünschen? Dann hätte ich gerne die grundsolide (wirtschafts- und außenpolitische) Politik der CDU/CSU mit einer Kanzlerin Merkel, die liberalen Auffassungen und guten Vorstellungen der FDP, die Umweltpolitik der Grünen und die Netzpolitik der Piratenpartei in einer Partei. Vielleicht sollte ich eine solche Partei einfach mal gründen 😉

Die Betrachtung der Parteien ist natürlich rein subjektiv von meiner Seite. Es sind lediglich meine Gedanken. Ich kann nur nochmal vehement dazu aufrufen, wählen zu gehen! Wählen ist eine Pflicht – und Nicht-Wählen unterstützt letztendlich nur kleine Parteien (wie z.B. die rechtsextremen NPD, deren Stammwähler zur Urne gehen, und deren Prozentsatz sich mit jedem Nicht-wähler erhöht!)

Ich werde die nächsten drei Wochen noch sehr gespannt die weiteren Schritte der Partein verfolgen, natürlich auch das große TV-Duell am 14. September schauen, und mich hoffentlich am 27. September für die richtige Wahl entscheiden.

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