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Argo, Fuck yourself!

Februar 4, 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Auf den fast letzten Drücker noch einen der Geheimfavoriten der Oscars im gemütlichen Kölner ‚Rex am Ring‘ gesehen: Argo. Ben Afflecks zweite Regiearbeit erweist sich als gutes, unterhaltsames Stück Kino.

Es ist November 1979, als im Laufe der Islamischen Revolution in Teheran iranische Studenten die US-amerikanische Botschaft stürmen und dort über 444 (!) Tage 52 US-Diplomaten als Geiseln nehmen. 6 der ursprünglich 58 Diplomaten können bei der Stürmung fliehen und kommen nach mehreren Tagen auf der Flucht in der kanadischen Botschaft unter. Diese 6 sollen nun von der CIA befreit werden, aber ihr fällt für diese kniffelige Situation keine Lösung ein und so engagiert sie Tony Mendez, einen Rettungsspezialisten. Mendez kommt auf die Idee, die Truppe mit einem fiktiven Science-Fiction-Film namens „Argo“ aus Teheran zu befreien. Um die Glaubwürdigkeit des Filmes zu erhöhen, wird ein Produktionsbüro gegründet, und es gibt Presselesungen und Werbung wird geschaltet. Klingt nach einem schlechten Film? Nun ja, wie im Filmtitel oben schon reißerisch steht: Der Film war zwar ein Fake, die Geschichte ist es aber nicht – und ging als Canadian Caper in die Geschichte ein. (Erst 1997 gibt die CIA ihre Beteiligung an dem Projekt bekannt.)

Ben Affleck hat aus dieser sowohl kuriosen, als auch ganz sicher spannenden Geschichte einen Thriller gedreht, der sowohl spannende Politthrillerelemente wie auch wunderbare Situationskomik bei der Durchführung von „Argo“ enthält. Historisch hält sich der Film für eine Hollywood-Produktion schon recht nahe an die Personen und Fakten, doch werden auch wichtige Teile der damaligen Geschichte nicht erwähnt oder aus der typischen amerikanischen Sichtweise interpretiert (es bleibt leider ein etwas satirisches Heldenepos, für politische Konsequenzen bietet der Film keinen Raum). Aber sicher wollte Affleck hier auch keine History-Doku drehen – und ein angenehm überraschender Kinofilm ist ihm gelungen. Da wäre zum einen die sowieso schon faszinierende Rettung, die der Film hier gekonnt und spannend interpretiert und darstellt. Dazu gesellen sich bis in die kleinste Nebenrollen hervorragende Schauspieler (in winziger Rolle zum Beispiel Philip Baker Hall), und ein aufgedrehtes Alt-Star-Duo mit Arkin und Goodman als unglaublich lustige Hollywood-Veteranen. („Argo, Fuck yourself!“) Affleck bleibt in der Hauptrolle relativ blass, trägt den Film kaum mehr als seine Sidekicks. Das ist aber ausnahmsweise gut so, ich mag die Zurückhaltung der Rolle hier sehr gerne (Trotzdem: Als Regisseur gefällt mir Affleck einfach besser!).

Technisch macht Argo alles richtig: Klasse Bilder, schönes Setting, glaubhafter 80er-Jahre-Modus allerorten. Der Showdown am Teheraner Flughafen, zu dem es natürlich kommen muss, ist sicher dann wieder mehr hollywood’sche Fiktion, aber dennoch gut gemachte Fiktion: spannend, dramatisch, stilsicher und letztlich auch unterhaltend. Und das ist es ja letztlich, warum wir Filme schauen. Ben Affleck hat mit Argo schon viele Preise einheimsen können, ob der Oscar für den besten Film dazu kommt, bleibt abzuwarten. Für mich persönlich kein Meisterwerk, aber sehr gute Unterhaltung: 8 von 10 Außerirdische.

PS: Warum auch 2012 noch einfachste technische Fehler im Kino passieren, bleibt mir ein Rätsel. Als der Jumbo der Swiss-Air abhebt (!) überholen (!!) ihn noch Autos (!!!) der iranischen Sicherheitskräfte. Eine solche Maschine erreicht beim Start etwa 300km/h.

Und der Trailer hinterher:

Kinoreview: Drive (Nicolas W. Refn, 2011)

Januar 18, 2012 3 Kommentare

Ganz selten ist es geworden, dieses Gefühl aus dem Kino zu kommen und überrascht zu sein. Positiv überrascht über einen großartigen Streifen, den man trotz aller Vorschußlorbeeren irgendwie unterschätzt hat. „Drive“ vom dänischen Regisseur Nicolas Winding Refn hat das Zeug zum Kultfilm.

Es ist Montag, Premierentag im Mainzer Programmkino Capitol. Das Kino ist voll. Und noch schöner: Drive läuft in der Originalversion.

Man hätte aus dem Plot von „Drive“ ziemlich einfach einen schnellen, harten Action-Thriller drehen können. Sicher wäre da auch mehr Geld drin gewesen, doch glücklicherweise entscheidet sich Nicolas Winding Refn dafür, diesen Film anders zu filmen. Ganz anders.

Ryan Gosling spielt den „Driver“, der im Film tatsächlich keinen Namen hat (selbst in den Credits nur als „Driver“ aufgeführt), einen Stuntman in Hollywood, der so gut ist, dass er nachts gerne als Fluchtfahrer angeheuert wird. Eine dieser Fuchtszenen ist die Opening-Sequenz: Gesprochen wird nichts, es läuft nur der Polizeifunk. Schon hier können wir zwei Dinge erahnen: Der „Driver“ ist gut und die Atmosphäre der Kamera-Aufnahmen perfekt. Dann die Credits (in konsequent hässlicher Pink-Farbe) und Einsetzen des Soundtracks. Mit „Nightcall“ von Kavinsky fahren wir mit Ryan Gosling durch L.A. – und lernen ihn etwas besser kennen: einen Mann ohne Bindung, ohne menschliche Bedürfnisse, ohne Freunde oder Familie. Doch als er seine Nachbarin Irene (die wunderbare Carey Mulligan) und ihren Sohn kennenlernt, ändert sich sein Leben radikal. Irgendwann steht er ziemlich mit dem Rücken zur Wand – und es zählen nicht mehr nur die Fahreigenschaften.

Große Action-Szenen und wilde Verfolgungsjagden? Ja, gibt es. Sind sogar großartig, aber der Film ruht sich von Anfang da nie drauf aus, im Gegenteil: Sie sind nur das Mittel zum Zweck, im Vordergrund stehen unglaublich verlangsamte Momente, unterlegt von einem umwerfenden Soundtrack und einem Ryan Gosling, der gefühlt nach 15 Minuten die ersten Worte spricht und diesen „Driver“ mit einer bewundernswerten Körperbeherrschung spielt, und dabei sein Gesicht oft mehr sagen lässt, als es Worte je könnten.

Ganz kurz dachte ich zwischenzeitlich, dass es mir etwas zu lahm und zu langweilig wird. Doch erst hinterher versteht man: Dieser langsame Aufbau ist enorm wichtig, damit sich die geballte Explosion des Filmes so intensiv anfühlt. Und dieses Gefühl ist nahezu perfekt. Da gibt es diese Szenen, in denen ich am liebsten aus meinem Kinosessel gesprungen wäre und lauthals jubiliert hätte. Soviel Kino war lange nicht mehr und hat mich in dieser Hinsicht ziemlich vom Hocker gerissen.

Dieser Song hier sagt schon so viel über „Drive“ aus: „There’s somehting inside you… It’s hard to explain…“

Schon lange haben mich die Bilder eines Filmes nicht mehr so geflasht: Die Atmosphäre, die Kameraeinstellungen- und Fahrten, die Farben, diese Eindringlichkeit. Alles unterlegt von einem wohldosierten, phantastischen Soundtrack. (Auch der Score von Cliff Martinez ist sehr gelungen.)

Ihr merkt: Ich bin schwer begeistert. „Drive“ ist ein Filmerlebnis, wie ich es persönlich lange nicht hatte, und könnte sich dank seiner eindrucksvollen Optik langfristig als einer meiner Lieblingsfilme etablieren. Hier steht ein Satz, den ich einfach mal dreist zitiere und als Fazit im Raum stehen lasse:

I can’t remember — honestly — the last time I was so utterly engaged with a thriller, so wowed by an action film, so seduced by a brand-new universe.

In Deutschland startet der Film offiziell am 26. Januar – Unbedingt anschauen (Perfekterweise in der OmU gucken, alleine für Gosling und Bryan Cranston (!) lohnt sich das.).

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