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Goodbye Cocoonclub Frankfurt

Dezember 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Nachdem am 13. September die Betreiber des Cocoonclubs in Frankfurt Insolvenz beantragt hatten, war klar: Lange macht es der Club nicht mehr. Und so kam es auch: am 30.11.2012 fiel der letzte Vorhang, zum letzten Mal wurde im weltweit bekannten Club in Frankfurt ausgelassen gefeiert. Goodbye Cocoonclub.

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(c) Andreas Glänzel, 30.11.2012.

Man konnte zum Cocoonclub in Frankfurt stehen wie man wollte: lieben, hassen, tolerieren oder nicht beachten. Am internationalen Renommee und am tollen architektonischen und klanglichen Konzept kam man nicht vorbei, vor allem in den ersten Jahren ab 2004. Mit 700.000€ hatte der Club damals unglaublich viel Geld in eine gute Anlage investiert und dies war und ist der Grund für Tausende von Menschen gewesen, den Club zu besuchen, um dort zu feiern, zu tanzen, zu vergessen.
Mit den Jahren sind viele andere Clubs vorbei gezogen. Besser aufgestellt, sinnvollere Zusammenstellungen, bessere Konzepte und letztlich: bessere Musik. Im Cocoonclub setzte man die vergangen Jahre immer mehr auf Mainstream- ja, sogar Trance-Acts. Dies schadete dem Ruf noch mehr als die vermeintlich lächerliche Debatte um den Stil der Besucher. Aber in der Tat: Frankfurt hat ein enormes „sehen und gesehen werden“-Publikum mit Anzug und Hemd, oftmals wunderte ich mich auf Partys in Frankfurt über dieses Klientel. Aber mögen andere den Untergang und die finanziellen Schwierigkeiten beurteilen, dafür war ich viel zu wenig dort.

Zur Closing-Party habe ich mich aber nach einiger Zeit noch einmal aufgemacht. Das Lineup in meinen Augen gut und ansprechend, einfache VVK-Tickets und dazu ein guter Termin für mich. Also nichts wie hin – aber im Grunde hätte ich mir das gut sparen können. Denn an diesem Abend wurde leider alles, was man dem Cocoon oft vorwarf, fast klischeemäßig übertroffen. Lange chaotische Warteschlangen (während es draußen bei -4Grad mit Tickets noch recht zügig ging, war drinnen bei der Garderobe keine Chance mehr), viel zuviele Menschen auf engstem Raum, Frauen in Cocktailkleid und High-Heels wie bei einem Abschlussball, grölende Männer-Gruppen in JGA-Stimmung, und dazu auch noch – nicht erwartungsgemäß – wenig gute Musik. Besonders Herr Eulberg, auf den ich mich immer freue, und der einer meiner liebsten Produzenten ist, enttäuschte mich sehr. Vielleicht wollte auch der Funke einfach nicht überspringen, aber das war in meinen Augen eine Vollkatastrophe.

Manchmal machte ich die Augen zu, lauschte nur dem wunderbaren Sound des Basses, den Melodien der Tracks und vergaß die Tausenden Feiernden um mich herum: In diesen Augenblicken fühlte ich mich wohl, komplett versunken in der Musik, für die ich die Clubs liebe, für die ich auch den Cocoonclub sehr mochte.

Ganz so schlimm wie es sich nun anhört, war es natürlich auch nicht: Es war ein durchschnittlicher Club-Abend, der leider etwas unorganisiert und chaotisch war, aber es war auch definitiv kein schöner Abschluss eines legendären Clubs.

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(c) Aus der Photoserie „Leere Clubs am Morgen“ von Andre Griesemann und Daniel Schulz, 2009.

Dennoch: Es bleibt eine schöne Erinnerung, einen solchen guten Club miterlebt zu haben. Die Cocoon-Musik, der Gedanke und die Cocoon-Events werden sowieso weiterleben. Und so ist es nur logisch, dass der letzte gespielte Track des Morgens „This is not the end“ von Gui Boratto war. Dann doch irgendwie ein versöhnlicher Abschluss.

Das Abschluss-Set des Residents Sidney Späth:

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