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TV-Comedy-Granate Max Giermann

September 15, 2009 3 Kommentare

Eigentlich hätte ich in diesen Tagen etwas zum medialen Wahlkampf bloggen können oder vielleicht auch müssen, insbesondere natürlich über das gehypte TV-Duell bei ARD, ZDF, RTL und SAT1. Da habe ich das Fernsehen schon mal an, weil mich das Duell – natürlich – interessiert, und heraus kam nur langweiliges, stumpfsinniges Geplauder: überraschenderweise vor allem von den vier Moderatoren. Mal wieder war ich vom Fernsehen allgemein und vor allem auch von den Hauptdarstellern enttäuscht. Darüber zu bloggen ist mittlerweile aber auch gar nicht mehr nötig, denn Blogger wie Medien diskutierten und schrieben sich zum Thema die Finger wund: Carta analysiert die Szenerie hervorragend und auch der tontraegerhoerer bildet sich ein Urteil. In Zeiten von dumpfsinnigen Castingsshows, und in welchen die besten Spielfilme nur noch zu unmöglichen Zeiten laufen, und sich dort noch Gameshows geschlagen geben müssen, ist das deutsche Fernsehen sicherlich am Boden angekommen.

Doch es gibt sie ja, die positiven Ausnahmeerscheinungen. Und die muss man entsprechend würdigen. Ganz selten, aber manchmal entdeckt das Fernsehen Perlen. Menschen, die es schaffen zu unterhalten. Menschen, die es schaffen Fernsehen zum wieder möglichen Medium zu machen. Interessanterweise sind diese Menschen vor allem im Bereich der TV-Kritik zu finden. „Switch Reloaded“ macht dies seit Jahren hervorragend: Mit brillianten Darstellern wie @kesslermichael und tollen Drehbüchern wird hier Comedykunst auf allerhöchstem Niveau geboten. Viele „Switch“-Szenen wie Obersalzberg sind schon moderne Klassiker der Fernsehgeschichte. Unter all den guten, teilweise phantastischen Switch-Darstellern ist Max Giermann der Beste. Er betreibt seine Parodien in einer einzigartigen Weise: Mit nur winzigen Bewegungen ist jedem Zuschauer klar, wer hier sein Fett abbekommt. Giermanns Rollen sind so nah am Original, dass es fast unheimlich ist. Absurd genial, und genial absurd. Höchste Schauspielkunst, und dabei immer nah am Punkt der Zeit: Die Schwächen des deutschen Fernsehen entlarven wo es nur geht.

Jetzt darf Giermann auch mal ganz alleine ran: Unter dem etwas merkwürdigen Namen „Granaten wie wir“ darf er  nun immer Dienstag Abends eine Stunde lang ganz alleine in seine Paraderollen schlüpfen: Von Lafer bis Raab,von Pflaume bis D!, hier sind alle dabei, und jeweils eine Parodie-Rolle ist gleichzeitig Moderator der Folge. Neben Giermann wirken bei jeder Folge noch prominente Gäste mit.  (Und genau diese Gäste sind zumindest in der heutigen ersten Folge die Schwachstelle, bestes Beispiel: Detlev D! Soost versucht absolut verkrampft lustig zu sein;auch die Backstreet Boys brauche ich in einer solchen Serie nicht! Nur Serdar Somuncu ist  witzig und aktuell.) Giermann selbst ist der Verwandlungskünstler wie eh und je – auch wenn nicht alle Sketche witzig und pointiert sind (unter anderem wenig lustig: Stefan Raab als Jesus) – und parodiert die bekannten TV-Gesichter mit seiner berühmten, ganz eigenen Art: Mit wenig zur Perfektion. Insgesamt bleibt die Show etwas hinter den Erwartungen zurück, aber dem geb ich noch eine Chance.

Ich wünschte es gäbe mehr Max Giermanns. Viele „Comedians“ könnten sich hier mal eine große Scheibe abschneiden.

giermann

Autschn! Ein Abend über die Liebe – mit René Marik

Mai 17, 2009 4 Kommentare

Ein Eisberg, der mit Berliner Schnauze den Titanic-Crash kommentiert? Ein Maulwurf mit  schwerem Sprachfehler auf der Suche nach der Liebe? Ein Frosch als Darth Vader? Liebesspiel von Lappen? Skurille Liebesgedichte von Elsbeth Bellartz? Ein arbeitsloser Berliner auf Loveparade-Forschung? Und das an einem Abend? In Hachenburg?

Marik+Maulwurf

Marik+Maulwurf

Das geht nur bei René Marik, dem neuen Shootingstar der Comedyszene. Seit Monaten sind die Videos rund um Maulwurf, Frosch und Kalle die Renner bei youtube und co.

Ich war etwas skeptisch, ob mir das live einen ganzen Abend auch gefallen würde. Aber ich war schnell überzeugt: es war superlustig.

Mariks Interpretation von Puppenspiel ist so gnadenlos witzig, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Egal ob es der Maulwurf mit seinen großen und kleinen Liebesproblemen ist, oder der Frosch in diversen Verkleidungen oder Eisberg Kalle: Absolut genial und zum schiessen lustig 🙂 Die Krönung der Absurdität war dann das „Liebespiel zwischen Lappen“ – göttlich! Auch der Auftritt als Berliner Assi Kalle nach der Pause war gelungen, das Video hätte kaum lustiger sein können: Situationskomik at its best! Und wenn am Ende der Show Maulwurf auf der A9 ein Loch graben will, ist er endgültig zur Kultfigur geworden – und ich kann mich trotz der Tragik kaum halten vor Lachen 😉

Zwischendurch sorgten auch die skurillen, unfassbar schlechten Gedichte von Elsbeth Bellartz für viele Lacher, welche Marik zwischen seinen Puppenstücken vortrug, ebenso wie einige musikalische Stücke zum Thema Liebe. Diese gesanglichen Einlagen waren zwar nicht schlecht – aber auch genauso langweilig. Lässt er diese Parts der Show noch aus und verfeinert seine Puppenrollen noch bzw. erweitert das Repertoire, dann wird Marik ein ganz Großer in dieser Szene!

René Marik live ist ein absoluter Hochgenuss und sehr zu empfehlen. Leider gings viel zu schnell rum… In diesem Sinne: Autschn!

Du willst es doch auch!

Ich habe noch einen Nachtrag zum vergangenen Wochenende zu liefern: Es war mal wieder Kulturzeit in Hachenburg angesagt. Diesmal mit dem mehrfach preisgekrönten Kabarettisten Florian Schröder und seinem neuen Programm: „Du willst es doch auch!“ in der Hachenburger Stadthalle.

Ich muss gestehen, dass ich Schröder im Vorfeld des Abends nicht wahrgenommen habe. Ein Blick ins Netz kurz vorher veriet mir viele Lobeshymnen: Durch alle Medien wird Schröder durchweg begeistert rezensiert und als  „neuer Stern am Kabaretthimmel“ bezeichnet. Und sie sollten Recht behalten: Schröder, gerade mal 4 Jahre älter als ich, hat ein absolut hochwertiges Polit-Kabarettprogramm mit treffsicheren Pointen und hochwertigem politischen Inhalt geschaffen und unterhielt uns knappe 3 (!) Stunden bestens.

Dabei sind vor allem die perfekten Parodien auf Politiker und Prominente ein Hochgenuß. Ob Schäuble und sein Terrorregime, Angela „Perle aus dem Uckermark“ Merkel und der Klimawandel, von und zu Guttenberg und seine Reisen nach Chicago, Oettinger und sein Lispeln oder seine Fernsehkollegen von „Ottis Schlachthof“ und viele andere: Zum Brüllen komisch und einfach genial!  Jeder Ton trifft und die Texte sind hochintelligent und immer am aktuellen Brennpunkt! Da können sich Matze Knop, Pocher und co gerne mal ne Scheibe abschneiden… Schröder lieferte hier wirklich eine beeindruckende Leistung und zeigte auch hervorragendes Improvisationstalent, als ihm eine junge Westerwälder Dame auf der Bühne kurzfristig fast den Rang ablief („Lulululukas Podolski“) 😉

Teilweise waren die scharfzüngligen politischen Bemerkungen scharf an der Grenze zum guten Geschmack, aber irgendwie gehört das ja auch zum Kabarett dazu – auch wenn einige im Publikum dies nicht immer verstehen 😉 (das Kabarettpublikum ist ja auch eher die „tiefergelegte Oberschicht“…). Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, und hab mich teilweise vor Lachen kaum halten können… Empfehlenswert! Ich liebe Kabarett einfach! Hier der Ausschnitt mit „Ottis Schlachthof“ mit den Comedy-Gästen Dieter Nuhr, Jochen Busse, Mathias Richling ,Wilfried Schmicklerund natürlich Ottfried Fischer himself, viel Spaß 😉

Ich freue mich schon auf die nächsten kulturellen Abende mit dem Klangstein Ensemble und natürlich dem Shootingstar schlechthin: René Marik 😉

Wirtschaftskabarett mit Hans Gerzlich

Oktober 26, 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Intelligenter Humor ist in Deutschland ja eher rar. Mario Barth füllt ganze Stadien und im Fernsehen dürfen Hella von Sinnen und co ihr Unwesen treiben. Wie schön, dass es immer wieder hervorragende Künstler gibt, die aus dieser Masse hervorstechen: zum Beispiel Hans Gerzlich. Kennt keiner? Ging mir genauso. Umso mehr überraschte mich sein Auftritt gestern abend im Rahmen der Hachenburger Kulturzeit. Wirtschaftskabarett und Bürocomedy heißt es da ganz offiziell. Und wirklich: Gerzlich, studierter Wirtschaftswissenschafter, schafft es weit über 2 Stunden einen ganzen Saal mit Geschichten rund ums Wirtschafts-, Büro- und Arbeitsleben zu unterhalten. Köstlich. Die Lacher kommen da nicht Barth-ähnlich mit 5-minütiger Ansage, nein – vielmehr sind es kurze, prägnante, auf den Punkt formulierte Pointen, mit viel Witz, einem riesen Gespür für die wirtschaftlichen und geselllschaftlichen Probleme und dazu noch ein bisschen herrliche Blödelei („Ossie-Witze sind 18 Jahre nach der Wende ja wirklich Tabu. Das macht man auch einfach nicht mehr. Das Gehört sich einfach nicht. – Wie macht man denn eine Banane zum Kompass? Man legt sie auf eine Mauer, und da wo abgebissen wird, ist Osten…“). Dazu gabs interessante Stastiken (Whiskas, Chappi und co gehören zum selben Konzern wie ‚Mars‘), Informationen rund um Aufsichtsräte und Vorstandsvorsitzende („Herr Ackermann verdient doch nur 36.000 € am Tag. Was soll man heutzutage noch mit 72.000 Mark anfangen?“), betriebsinternen Kaffeeklatsch und die göttlichen Beschreibungen seiner Sekreträrin und seines Buchhalters („Bodenhaltung, Käfighaltung, Buchhaltung“ – „Haben Sie eigentlich n Schwarz-weiß-Spiegel zuhause?!“) oder auch geschichtliche Streifzüge zu Hitler oder Churchill („Herr Churchill, Sie sind ja betrunken!“ „Ja, ich weiß… aber SIE sind hässlich… Und morgen…“). Hans Gerzlich hatte das komplette Programm die Lacher auf seiner Seite – und dies völlig ohne Effekthascherei oder großes Rumhampeln – und empfiehlt sich für höheres. Wer Kabarett von der Sorte Nuhr oder Pispers mag, ist bei diesem Herren hier genau richtig! Super!

Die bekannte Band Zärtlichkeiten mit Freunden

September 14, 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Nun ja, der Titel dieses Blogeintrages ist wohl eher irritierend, denn tatsächlich ist wohl nur wenigen Menschen die „Band“ Zärtlichkeiten mit Freunden wirklich bekannt, doch hindert dies die beiden Spassvögel aus Riesa nicht, sich als diese bekannte Band darzustellen! Auf ihrer Page charakterisieren sich dann auch folglich so:

Die bekannte Band „Zärtlichkeiten mit Freunden“ ist gut bis sehr gut. Als Zuzweitunterhalter haben Ines Fleiwa und Cordula Zwischenfisch neben mäßiger Musik und geklauten Gags nicht viel zu bieten. Sie haben neunzehn Kleinkunst- und Comedypreise auf dem Schrank stehen. Zum Beispiel den PRIX PANTHEON oder das PASSAUER SCHARFRICHTERBEIL oder den STUTTGARTER BESEN oder den CABINET-PREIS oder den KABARETT KAKTUS oder den SWISS COMEDY AWARD oder den WIENER KLEINKUNSTNAGEL. Im Juni 2007 wurde die bekannte Band „Zärtlichkeiten mit Freunden“ in der ARD vom Publikum zum Sieger gewählt. Darüber freuen sie sich dementsprechend. Das alles ist sehr herrlich und zieht bei Frauen.

Die beiden Grobmusiker der bekannten Band „Zärtlichkeiten mit Freunden“ gastierten bereits auf vielen Silberhochzeiten, Sportfesten und CB-Funkertreffen. Sie sind alte Hasen in der Unterhaltungsbranche. Die zwei Stunden Programm sind kurz. „Zärtlichkeiten mit Freunden“, um den Namen noch einmal zu nennen, spielen Hits. Aber das ist ihnen nicht genug, sie machen auch Witze.

Hinter „Ines Fleiwa und Cordula Zwischenfisch“ stecken Stefan Schramm (*1979) und Christoph Walther (*1978). In den letzten Jahren haben die beiden viele Preise eingeheimst, darunter unter anderem auch der Cabinet-Kleinkunstpreis, einem der wichtigsten Preise der (ostdeutschen) Comedy-Kabarett-Szene.

Obwohl ich erst kürzlich auf dieses außergewöhnliche Duo gestoßen bin, sind sie im Internet kein unbeschriebenes Blatt mehr und schafften es auch schon unter anderem in die Feuilletons von Zeit Online oder Spiegel-Online. Auch bei youtube finden sich viele Szenen aus ihrem Programm von allen möglichen Orten in Deutschland, wie zum Beispiel der kultige Rückenschlagzeuger, hier zu Gast bei Stefan Raabs TV Total:

Aktuell haben sie ein kleines Hörspiel aufgenommen, welches aus 4 Teilen besteht. In insgesamt knapp 12 Minuten lang verarbeiten sie in einer kleinen Geschichte rund um Justin und Dieter diverse Namen aus der Musiklandschaft. Das ist so hörenswert und lustig, dass ich es Euch kaum vorenthalten kann: In diesem Sinne, „Hauch mich ma an, Dieter!“. Viel Spaß 😉

Teil 1: An der Luft

Teil 2: Beim Arzt

Teil 3: Im Hotel

Teil 4: In der Bredouille

[ersatzweise auch bei Myspace anzuhören 😉 ]

PS: Beim Hören doch einfach mal einen Bleistift und einen Zettel zur Hand nehmen, notieren, wieviele Namen euch auffallen… und dann hier die entsprechende Zahl kommentiere! Auf gehts!

Ich habe übrigens 127 versch. Band-und Künstlernamen heraushören können – und das nur gerade nebenher; ich vermute, dass noch viel mehr drinstecken… Ich bin gespannt! 😉

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