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Serienreview: Homeland, season one (Showtime, 2011)

Januar 10, 2012 5 Kommentare

Eine neue Dramaserie vom amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime mischt die aktuelle Season auf: Golden Globe-Nominierungen für Serie und Darsteller, Bestenlisten wohin man schaut und nur lobende Worte seitens der Kritiker. Und auch ich kann mich da nur anschließen: Homeland season one ist großartige Serienunterhaltung auf höchstem Niveau und eine der besten Serien 2011.

Carrie Mathison ist eine taffe, unkonventionelle CIA-Agentin, die ihrem Job alles unterordnet, aber auch psychische Probleme hat, und aufgrund von unsauberen Aktionen nach Langley strafversetzt ist. Sergeant Nicholas Brody ist ein US-Marine, der seit dem Jahre 2003 im Irak als vermisst gilt. 8 Jahre später wird er durch eine Rettungsaktion aus seiner Gefangenschaft befreit und kehrt als Nationalheld zurück in die Staaten. Dort wird er gefeiert und verehrt. Außer von Carrie: Sie ist der festen Überzeugung, dass Brody ein Schläfer ist, ein von Al-Qaida umgepolter Terrorist. Um ihre eigene Überzeugung mit Beweisen zu unterlegen, ist ihr nahezu jedes Mittel Recht – und schreckt dabei auch nicht vor illegalen Überwachungsaktionen zurück. Das Problem: Keiner ihrer Vorgesetzten will ihr trauen, und auch der Serienzuschauer weiß nicht auf welcher Seite er stehen soll. Und genau dies ist großartig.

Das altbekannte Serienspiel „Gut“ und „böse“ wird hier schlichtweg aufgelöst. Es gibt ihn nicht, DEN Bösen, oder DIE Gute. Die Frage nach den „bösen Terroristen“ löst Homeland völlig anders als dies andere US-Produktionen machen. Man erinnere sich nur an 24, wo selbst in deren besten Staffeln Jack Bauer immer der strahlende Held ist, und die „Bösen“ foltert und am Ende alles gut geht. Homeland zeigt vielmehr das, was der Krieg im Irak aus allen Beteiligten gemacht hat: Die Marines, die Angehörigen, die Agenten, die Vorgesetzten, die AL-Qaida-Männer, die US-Politiker. Auch wenn die Serie nicht zu Ende ist: Gewinner gibt es hier keine. Jeder Protagonist hat an seiner Last zu tragen und der Krieg ist immer vor Augen, und das obwohl man ihn nie wirklich sieht.

Hauptdarsteller sind Damian Lewis und Claire Danes, die beide absolut glaubwürdig sind. Vor allem Danes ist zu ihrer Darstellung der Carrie gar nicht genug zu gratulieren: ihre bipolare, gestresste, besessene CIA-Agentin ist unglaublich großartig. (Ich würde ihr jeden Preis für diese Rolle gönnen!). Sie ist paranoid – und der Zuschauer wird durch sie auch paranoid. Oder ist sie es am Ende doch nicht? Man weiß es nicht, und genau dies macht den Reiz der Geschichte aus. In den Nebenrollen machen sich vor allem Mandy Patinkin als Carries direkter Vorgesetzter und die junge Morgan Saylor als Brodys Tochter mit guten Darstellungen verdient.

Die erste Season von Homeland überzeugt mit einer absolut gekonnten Irreführung des Zuschauers, hat grandiose Spannungsbögen und ist sehr dicht erzählt. Bei insgesamt wenig Action ist die Serie ein tolles, packendes Psycho-Drama. Wenig nervige Plotfehler und ein absolut würdiges Finale, in dem dann auch Lewis noch einmal richtig glänzen darf. Man darf sehr gespannt auf die 2. Staffel sein, die schon im Oktober bestellt wurde. Hält Homeland sein aktuelles Niveau könnte eine großartige Polit-Drama-Serie daraus erwachsen. Aktuell ist die erste Season in den USA gelaufen und es dauert erwartungsgemäß lange, bis sie hier ein deutscher Sender zeigt. Allen Serienfans ist Homeland nur ans Herz zu legen, ihr werdet es nicht bereuen.

Hier der Trailer zur ersten Staffel:

Leseempfehlung dazu: Die einzelnen Episodes-Reviews von Vladislav Tinchev auf serienjunkies.de.

Kinoreview: Der Gott des Gemetzels

Januar 3, 2012 2 Kommentare

Im völligen Kontrast zum Mission-Impossible-Blockbuster noch mein Review und meine Empfehlung für Polanskis Gott des Gemetzels. Ein Film, der in seiner Einfachheit kaum zu schlagen ist, mehr Theater als Film, und dennoch einer der Highlights im Kinojahr 2011 sein dürfte.

Vier der großartigsten Schauspieler unserer Generation, ein zwar zweifelhafter, aber unbestreitbar genialer Regisseur, ein tolles Theaterstück und nur eine Wohnung in New York: Das ist die Grundidee von „Der Gott des Gemetzels“.  Vier Menschen mittleren Alters, zwei Großstadt-Ehepaare, finden zusammen in der Wohnung des einen Ehepaares um dort den Streit ihrer Söhne zu klären. Was anfangs harmlos und gutmütig beginnt, endet in einem Desaster. Die Fassade der vier Protagonisten brökelt schnell, und der unterschwellige Hass breitet sich aus.

Daniel Sander schreibt bei SpOn zutreffend, und daher zitierfähig: „Das Wohnzimmer im Bohème-Intellektuellen-Stil wird bald ein Schlachtfeld sein, bedeckt von Scherben, zerpflückten Tulpen und Nancys Kotze. Das ist die Welt und das Weltbild in „Der Gott des Gemetzels“, und das wäre alles sehr, sehr deprimierend. Wenn es nicht so wahnsinnig lustig wäre.“

Wahnsinnig lustig, das ist es. Lustig, wie sich Menschen gegenseitig an den Kragen gehen können. Lustig, wie selbst zivilisierte Menschen irgendwann die Fassung verlieren, und völlig den Boden unter den Füssen verlieren. Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und die doch am Ende ganz nah beieinander sind, in ihrer Verzweifelung, in ihrem Hass, in ihrer primitiven Einfachheit des Streites, des Saufens und des Vorwerfens.

Penelope ist dabei vielleicht die Schlimmste. Sie ist eine diese „ach so tollen“ Frauen, engagiert, motiviert, moralisch integer und überfreundlich. Jodie Foster spielt sie mit einer solch verachtenswerten Art, dass sogar Fosters Halsschlagadern förmlich explodieren. Ihr Gegensatz ist Alan, der tüchtige, schwer arbeitende Geschäftsmann, immer am telefonieren, immer beschäftigt. Keine Zeit für Familie, Kinder und die Probleme der anderen. Christoph Waltz zeigt auch hier, wie großartig er besondere Charaktere darstellen kann, sein grunzendes Lachen ist so phantastisch und gleichzeitig eklig, dass es einen schüttelt. John C. Reilly (der zu Unrecht viel zu oft unterschätzt wird! Magnolia!) spielt den unterschwellig einfachen, netten Mann von Penelope, der sich aber auch schließlich als Choleriker und Hamstermörder herausstellt. Rein darstellerisch gefällt mir persönlich Kate Winslet am besten: Ihre Nancy, gelangweilt und genervt, ist so großartig scheisse, dass man immer wieder innerlich jubilieren möchte. Sie könnte die vielleichte beste Besoffen- und Kotzperson seit langem im Kino gewesen sein.

Da sind sie also nun, vier erwachsene, völlig normale Menschen, und wenige Stunden in einem Wohnzimmer reichen aus, um die tiefsten menschlichen Abgründe aufzuzeigen. Wie unsere Fassaden bröckeln. Wie unsere Masken fallen, und wir unter der Oberfläche doch alle gleich sind. Das Beste hierbei: Großartige Dialoge, unterschwellige Gags am Fließband („Ich habe Jane Fonda, ihre Freundin, im Fernseher gesehen und hatte direkt Lust darauf, einen Ku-Klux-Klan-Poster an meine Wand zu kleben!“), und ein punktgenaues Ende. Durch die sehr kurze Spielzeit bleibt der Film kurzatmig, verliert nie den Faden und könnte dank seiner vier phantastischen Darsteller sicher noch den ein oder anderen Preis ergattern.

Ambitioniertes Darstellerkino,  zwar konventionell gefilmt und ohne größere Überraschungen, aber dafür mit herausragenden Dialogen, großartigen Darstellern und wunderbaren Szenen. 8,5 von 10 Birnekuchen.

Eine Offenbarung: Six Feet Under (2001-2005)

September 13, 2011 2 Kommentare

Ein Jahr immer wieder Folgen von Six Feet Under, ein Jahr ein Leben mit den Fishers, ein Jahr TV auf Kino-Niveau – über 5 Staffeln und 63 Episoden. Heute der Versuch einer Kritik, aber vielmehr einer Hommage an diese großartige Serie, die eigentlich mehr Epos und Offenbarung ist. 

Noch sitzt das Serienfinale zu sehr in meinem Kopf, noch durchlaufen die Bilder der letzten Folgen zu sehr meinen Kopf, immer noch rauscht Sias Breathe me durch mich. Eigentlich kein guter Zustand, um eine Kritik zu schreiben. Aber das spielt keine Rolle: es soll gar keine Kritik werden. Kritik ist wenig angebracht bei einer Serie, die mich mehr als jede andere Serie bisher mit ihren Charakteren mitlachen, mitweinen, mitfiebern und mitleiden hat lassen.

Im Jahr 2004, als Six Feet Under erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde, war mir all dies noch nicht bewußt. Die Werbekampagne von VOX nervte mich, das Geplapper von „Gestorben wird immer“ war flach und langweilig, ich hielt mich eher an Actionserien wie 24 oder später Lost, und verpasste Six Feet Under.  Welch falsche Entscheidung! Erst im Frühjahr 2010, als ich das Ende von Six Feet Under in einer Filmwissenschaften-Vorlesung über TV-Serien sehe (ja, in der Tat selten dämlich!), wird mir bewußt: Das muss ich sehen. Knapp ein Jahr haben wir nun zu zweit die 5 seasons geschaut, mal mehr, mal weniger – um am Ende die 5. Staffel förmlich zu verschlingen.

Im Mittelpunkt dieser Serie steht Familie Fisher und ihr Bestattungsunternehmen. Ohne zuviel zu spoilern: Vater Nathaniel stirbt in der großartigen Pilotfolge, und im Anschluß müssen die beiden Brüder Nate und David versuchen das Unternehmen alleine zu führen, während Nachzügler-Teenie Claire ihre eigenen pubertären Probleme hat, und ihre depressive Mutter Ruth das Chaos komplett macht. In den folgenden Jahren entwickelt sich rund um die Fishers, ihre Freunde, ihre Partner und Verwandten ein modernes Familienepos mit allen schönen Seiten, aber auch vor allem mit allen Problemen und Schwierigkeiten, und nicht zuletzt Themen, die letztendlich uns alle berühren: Schmerz, Liebe, Anerkennung, und – natürlich – der Tod. Dabei werden manche harten Beziehungs- oder Familienprobleme so heftig dargestellt, dass man manchmal lieber nicht darüber nachdenken möchte. Doch zu keiner Minute verlieren die Hauptpersonen ihre Faszination, ihre Glaubwürdigkeit – nie wird eine Folge langweilig, nie ist eine Situation zu deplatziert. Das ist zwei Dingen geschuldet: einem nahezu perfekten Drehbuch (Autor der Serie ist vor allem Alan Ball, der schon für American Beauty verantwortlich war und aktuell mit True Blood große Erfolge hat), welches unglaublich gute Handlungsstränge erzählt, und obendrauf einem wunderbaren Cast: Bis in die kleinsten Nebenrollen ist die Serie perfekt besetzt, da fällt selbst ein James Cromwell kaum noch überdurchschnittlich auf.

Man muss den Charakteren mit ihren schwierigen Ecken und Kanten Zeit geben, um sie lieben zu lernen. Jede Staffel und die ganze Serie entwickeln sich immer gemächlich weiter. Es gibt hier nicht die „Everybody-Darling-Rolle“, die Personen sind aus dem echten Leben, und so vergisst man manchmal, dass hier nur gespielt wird. Es sind schwierige Menschen: depressiv, krank, gefühlsabhängig – Menschen wie wir.  Dies ist wohl auch der Grund, warum einem Freude und Leid der Protagonisten so nahe gehen, einen so mitfühlen lassen. Sogar in der meines Erachtens nicht so guten dritten Staffel haut einen die Gefühlswelt von Nate und co um. Season 4 ist dann Perfektion, Kinoformat in jeder einzelnen Folge. Season 5 letztendlich, die finale Staffel, ist eine einzige schmerzliche Angelegenheit für jeden „Fan“, der die Fishers und alle anderen liebgewonnen hat, und dabei doch einfach großartig. Da schämt man(n) sich auch nicht seiner Tränen, diese letzten Folgen von Six Feet Under gehen unter die Haut, und ganz am Ende kann man nur „WOW“ sagen, zu einem Ende, welches keinen Raum offen lässt, sich perfekt in die Serienstimmung einfügt und einfach einzigartig traurig und gleichzeitig schön ist. (Für sehr viele das beste Serienende aller Zeiten und ein großes Stück TV-Geschichte: Gänsehaut!)

Bei aller Traurigkeit, Schwere und dem immer wiederkehrenden Motiv des Todes: Six Feet Under feiert das Leben, zwar auf seine Weise, aber dafür eindrücklich. Eindeutige Plädoyers für mehr Menschlichkeit, für Randgruppen jeder Art (allen voran Homosexuelle), für Träumen und Fühlen, für Leben und leben lassen. Mit sehr viel schwarzem Humor gelingt dabei ein beeindruckender Blick auf unser Tun und Irren in dieser Welt und auch darauf, wie unmittelbar und mitleidlos ein plötzlicher Tod immer ist.

Six Feet Under ist kein billiger Gag über Sterben und Bestattungsunternehmer, wie ich mal dachte. Sondern vielmehr eine witzige, traurige, einfallsreiche, bemerkenswerte, schwierige und grandiose Offenbarung über 63 Episoden. Eine Serie, die von nun an immer einen Platz in meinem Kopf hat, und sich wie von selbst einen Platz in den Lieblingsserien gesichert hat. Anschauen!

Kinoreview: The King’s speech (Tom Hooper, 2010)

Februar 26, 2011 1 Kommentar

Was noch schreiben zu einem Film, der überall rezensiert wurde, der überall besprochen wurde, und der jetzt schon denkwürdig viele Preise eingeheimst hat und mit 12 (!) Nominierungen für die morgige Oscar-Nacht als Favorit gilt? Zumindest eine weitere Lobhudelei auch meinerseits sollte es für Tom Hoopers zweiten Film „The King’s speech“ dann doch geben, denn ich bin äußerst beeindruckt.

 

Historische Stoffe im Kino werden zumeist als epische Abenteuer oder große Action-Pathos-Streifen verpackt. Dass es auch anders geht, beweist mal wieder das britische Kino. Nach „Elisabeth“ und „The Queen“ gibt es wieder ein hervorragendes (Charakter-)Drama aus dem Kreise der britischen Königsfamilie. Es geht um die historisch wahre Anekdote rund um King George VI, der als Prinz Albert „Bertie“ Herzog von York seit seiner Kindheit stottert und alles versucht um diese „Krankheit“ in den Griff zu bekommen. Schließlich landet er mit Hilfe seiner Ehefrau (heute bekannt als „Queen Mum“) beim unkonventionellen Sprachtherapeuten Lionel Logue, der es tatsächlich schafft Albert zu helfen.

Dies ist eigentlich nicht gerade der Stoff für große Kinomomente, denkt man sich. Doch falsch gedacht: „The King’s speech“ ist über die gesamte Länge phantastisch. Dabei geht es nur am Rande um die historischen Rahmenbedingungen oder die königlichen Aufgaben zu Beginn eines Weltkrieges. Der Film dreht sich um seine Hauptfigur, deren Stotterproblem und die massive Angst damit öffentlich aufzutreten. Eine solche Rolle fällt oder steht in einem Film mit der Glaubwürdigkeit des Schauspielers. Und was Colin Firth hier leistet, ist absolut beeindruckend: Nicht nur, dass er perfekt stottert und diese Probleme hervorragend zeigt – er schafft es auch die Unsicherheit Alberts, die komischen Momente und die peinlichen Augenblicke des Stotterns glaubwürdig auszudrücken. Innerhalb von einem Wimpernschlag verändern sich Mimik und Gestik, aus ruhig wird wütend: Firth ist hier einfach großartig und zeigt die wohl beste Leistung seiner Karriere. Ganz nebenbei darf er eine der wohl schönsten Fluch-Schimpfwort-Tiraden der jüngsten Kinogeschichte von sich sich geben. In jeder Sekunde denkt man, er würde tatsächlich stottern.

Helena Bonham Carter spielt Elisabeth, die fürsorgliche Ehefrau, mit einem tollen Charme und einer ganz prägenden britischen Art. Wundervoll. Völlig zu Recht nominiert als „Beste Nebendarstellerin“. Dass sie hier dennoch etwas untergeht als Hauptdarsteller ist Geoffrey Rush zu verdanken. Er verkörpert Lionel Logue so derart hinreißend, witzig und skurill, dass jeder Auftritt eine reine Freude ist. Dabei hat Rush im Grunde genommen neben Firth die zweite Hauptrolle, er ist in fast jeder Szene präsent (Daher ist seine Nominierung als Nebendarsteller ein schlechter Witz!). Die Sprachübungen-Szenen zwischen Firth und Rush sind trotz ihrer Tragik so derart lustig, dass man den beiden stundenlang zuschauen könnte. So schafft es „The King’s speech“ Historie und Unterhaltung unter einen Hut zu bringen, und nur sehr selten gibt es etwas langgezogene Momente, wo dem Film etwas Tempo gut getan hätte. Als Charakterstudie ist der Film umwerfend, und alle drei Hauptdarsteller hätten hier den Oscar verdient, bei Colin Firth bin ich mir seit gestern auch sehr sicher, dass er ihn gewinnt.

Obwohl der Film plottechnisch kaum Überraschungen beinhaltet, dafür ist der Weg von „Bertie“ einfach zu offensichtlich, wird „King’s Speech“ nie langweilig. Und wenn König George am Ende des Streifens seine erste Kriegsrede hält, ist es schlußendlich auch ergreifend. Grandioses historisches Schauspielkino, witzig und geistreich. Ich bin begeistert! (Und freue mich, wenn es morgen heißen sollte: „…and the oscar goes to… Colin Firth, Geoffrey Rush and for best picture king’s speech“.)

PS: Leider läuft der Film hier in Mainz nur in der deutschen Fassung, eine OmU-Version wäre hier sicherlich toll. Andererseits ist die deutsche Synchronisation außerordentlich gut gelungen, Chapeau! Die Originalfassung hole ich noch nach… Hier noch der tolle Original-Trailer in HD:

 

Bernhard Schlinks ‚Der Vorleser‘

Der Vorleser“ von Bernhard Schlink gehört ja zu den großen Weltbestsellern überhaupt. Insgesamt in über 40 Sprachen übersetzt, und selbst in den Vereinigten Staaten ein riesen Erfolg.  Damit allein schon Pflichtlektüre. Ich selbst hatte mir immer wieder vorgenommen, das Buch zu lesen – in der Schulzeit war dies total an mir vorübergegangen – und jetzt mit dem Kinostart der Buchverfilmung dachte ich auch mal wieder öfter daran.

Und so hatte der gestrige nervige Arztbesuch dann doch sein Gutes: In den knapp 2 Stunden Wartezimmeraufenthalt hatte ich eins der bekanntesten Bücher der Welt durchgelesen – und war doch einigermaßen überrascht. Irgendwie war in meinem Kopf immer nur die Geschichte des Jungen mit der älteren Frau gewesen. Ich verband „Der Vorleser“ nur mit dem Vorlesen, und der Liebe eines 15-Jährigen zu einer 36-Jährigen. Das es um viel mehr als das geht, und um ein viel größeres Thema, merkte ich erst beim Lesen – und je mehr ich las, umso interessierter wurde ich, und auch umso befangener.

Die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten – moralisch sicherlich nicht gutzuheißen – ist nur die Rahmenhandlung: Es dreht sich um die Judenvernichtung während des 2. Weltkrieges und vor allem darum, wie man mit der Schuld der Täter umgeht. Auch der Generationenkonflikt der Nachkriegszeit wird thematisiert und natürlich ist der Analphabetismus ein großes Thema. Schlink schafft es irgendwie auf ganz spielerische Art, mit einer sehr einfachen Sprache, diese Themen ineinander zu verschachteln, die Rahmenhandlung niemals aus den Augen zu verlieren und dabei doch gekonnt seine Meinung zu Schuld und Unschuld der KZ-Wärterinnen zu präsentieren. Mir gefielen dabei vor allem auch die zahlreichen überraschenden Wendungen als Kapitelstart und – rein historisch gesehen – auch seine Entmystifizierung der Kollektivschuld! An seiner Hauptfigur wird besonders deutlich, welche unterschiedlichen Vorausetzungen jeden „Nazi“ zum Mörder werden ließ…

„Der Vorleser“ ist Schullektüre  – ich wünschte, ich hätte dieses Buch in der Schule statt „Emilia Galotti“ und co lesen dürfen. Ich werde mir sicherlich demnächst den Film anschauen, und testen, wie die Verfilmung eines solchen – doch eher unkonventionellen und harten – Stoffes gelungen ist. Für alle, die das Buch nocht nicht kennen: Ich kann es seit gestern nur mit gutem Gewissen weiterempfehlen!

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