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sonnemondsterne – Das Festival 2012

August 21, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Einmal im Jahr wird die beschauliche Bleilochtalsperre in Thüringen zum Megaevent: Bei Deutschlands zweitgrößtem Festival für elektronische Musik, der sonnemondsterne, tanzten zum 16. Mal bereits tausende Menschen zu Liveacts, DJs und Bands. Ich war auch mal wieder da, und hab mir vieles Gutes angesehen. Ein musikalisches Review.

sonnemondsterne Festival Bleilochtalsperre Saalburg

Schon über eine Woche ist es her, dass ich wieder zurück bin, und erst jetzt finde ich die Kraft etwas zu schreiben. Und auch die Zeit. sonnemondsterne ist eigentlich ein kurzes Festival – nur Freitag und Samstag -, aber zählt es doch irgendwie zu den besonders intensiven. Direkt an Deutschlands größter Talsperre (nach Stauseevolumen in m³) liegt für einige Tage im Jahr ein kleines Musikparadies für elektronische Fans – auch wenn es sich dabei nicht ausschließlich um die kleinen Perlen handelt: Bei sonnemondsterne kommen traditionell einige „Big names„, in diesem Jahr zum Beispiel Fat Boy Slim (der wenige Stunden später bei der Olympiaschlussfeier in London auflegt), die Alt-Rocker The Prodigy oder der neue Superstar am progressiven Mainstream-Dubstep-Himmel Skrillex.

Genauso typisch wie solche Facetten beim Festival in Saalburg ist es, dass ich mich eher für die kleineren Acts interessiere, innovative und inspirierende neue und alte DJs und Bands. Einer der „alten“ Acts, die ich dann doch sehen wollte, war Vitalic. Und der Franzose enttäuschte zumindest mich nicht, auch wenn sein „Live“-Set technisch nur äußerst unterdurchschnittlich war. Doch mit seinen Tracks kriegt er mich immer: Spätestens bei „La Rock 01“ war es um mich geschehen. Viele seiner neuen Tracks wie z.B. Second Lives sind sehr elektrolastig, was vor allem meinen Freunden mißfiel. Rund um Vitalic hörte ich ein bisschen Rush und Chris Liebing zu, und fühlte mich wie vor 10 Jahren. Danach ging es endlich ins Muna-Zelt, die an diesem Wochenende dem Label mit dem schönsten Namen huldigten: Freude am Tanzen. Leider verpassten wir hier Monkey Maffia, doch mit Matthias Kaden hatten wir viel Spaß, vor allem weil auch ER unglaublich Spaß hatte. Einfach sympatischer Kerl. Super Musik sowieso. Danach verschnauften wir in der großzügig angelegten Fress-Mitte des Festivals, wo die Preise leider nicht ganz so großzügig sind. Immerhin: Unsere Pommes sind lecker. Und die Angestellten freundlich. (erlebt man ja auch nicht immer!) Frisch gestärkt gehts zum Cocoon-Tent und rein zu Daniel Stefanik. Obwohl Stefanik ein wirklich astreines Set spielt, wir quasi VIP-Plätze in vorderster Reihe haben und der Spaßfaktor groß ist, finden wir schließlich die Momente, die man sucht und für die man auf Festivals fährt. An der Beach-Bühne feiert der Berliner Club Watergate sein 10-Jähriges Bestehen und glücklicherweise – für uns – macht er das mit einer Function One-Anlage und einem exquisiten Lineup rund um die Uhr. Den Anfang für uns macht das Duo Tale of Us, die im letzten Jahr vor allem durch grandiose Remixe auffielen (z.B. für whomadewhos Every minute alone), aber hier auch durchaus als DJs begeistern können. Richtig fein wird es aber danach mit dem Hamburger Diynamic-Mann H.O.S.H., der über 3 Stunden allerfeinsten House spielt, während wir dabei den größten Spaß haben. Er verzaubert uns mit uns Stücken wie „Raining again“ von Betoko oder „What i might do“ von Ben Pearce, und wir haben mal wieder den größten Spaß des Festivals morgens am Strand. Es ist einfach die perfekte Kombination: Sand, Wasser, gute Musik, und ausgelassene Stimmung, und das stundenlang. Mit den ersten Klängen von Loco Dice hauts uns erstmal in unsere Luxus-Kojen auf dem Campingplatz, wir sind schließlich schon über 12 Stunden am tanzen.

Samstag, also abends, und damit ein neuer Festivaltag. Den Einstieg gibts mit meinen persönlichen Lieblingsnerds von der Insel: Hot Chip sind wieder unterwegs. Die Jungs (und Drummerin) rund um Alexis Taylor und Joe Goeddard haben nach diversen Ausflügen wieder zusammengefunden und spielen ein wie immer erfrischend gutes elektronisches Pop-Set. Für mich das erste und einzige Mal des Wochenendes Musik mit echten Instrumenten, doch wie immer ein Highlight, selbst nach etlichen Live-Erlebnissen, weil immer phantastische Stimmung und tolle Songs. Leider etwas kurz. In der Umbaupause zu Marek Hemmann (live) wollten wir ganz kurz raus auf die Toilette, daraus wurde eine halbe Stunde Anstehen, denn Hemmann war als weiterer Lokalpatriot mit seinem Set so etwas wie der geheime Headliner. Und womit? Durchaus mit Recht. In einem stimmungsvollen, lichttechnisch ordentlichen Main Circus war Hemmann bestens aufgelegt, spielte ein klasse Set, natürlich auch mit einigen seiner großen Hits wie Left oder Gemini. Das hätte gerne länger gehen können. Durch diese tollen Auftritte hatte ich zwar Apparat verpasst, aber die Qualität der Beach-Bühne war sowieso durchgehend so großartig, dass man dort auch gut catz’n’dogz lauschen konnte. Aber nach dem üblichen „Fire works“, welches diesmal durchaus schön und faszinierend war, ging es aber weiter zu Âme auf der Stil vor Talent-Bühne. Für Rej und seine weiteren Arbeiten bleibt das Duo wohl immer einer meiner Favoriten. Leider haben wir da nicht mehr viel gehört, perfekterweise machte aber direkt A critical Mass– und Innervisions-Kollege Henrik Schwarz weiter – ebenfalls live. Obwohl ich hier schon langsam platt war, war das großartig: Tanzen zu Schwarz‘ Gefühl von Musik. Die letzte Stunde unseres Festival-Besuches gönnen wir uns bei Format:B. Knackies Techno-Set, ganz im Stil des Restless-Albums, natürlich auch mit einigen älteren Tracks.

Mehr ging nicht bei mir, auch wenn ich viele andere Acts gerne gehört hätte. Ärgerlicherweise zum Beispiel: Heartthrob, Adam Port, Extrawelt oder den Mainzer Butch. Aber: Das kennen wir ja schon, alles geht leider nie.

Was gab es neben der Musik? Sehr viele nette, chaotische, lustige Menschen. Nirgendwo Stress. Viel gute Laune, viele lächelnde Menschen. Wenig Anstehen, bessere sanitäre Situation als vor einigen Jahren, gute Logistik, sehr ordentliche iphone/Android-App. Alles in allem: Wie immer ein wunderbares Festival, wenn man etwas abseits der ganz großen Acts tanzt und sich mit allem ein bisschen Zeit lässt und sich immer auch etwas treiben lässt – von guter Musik, aber auch von witzigen Momenten. Ich habe zwar auch einige Photos gemacht, aber es gibt ganz wunderbare Shots, zum Beispiel hier und hier. Klickt Euch rein in das bunte Vergnügen.

Danke für 4 wunderbare Tage.

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Red Bull Flugtag in Mainz – Absturz im Zollhafen

Mai 29, 2012 1 Kommentar

Pfingstmontag 2012, Sonne, Hitze und ein Menschenstrom vor meinem Fenster wie sonst höchstens an Rosenmontag. Was war passiert? Die Marketing-Spezialisten von Red Bull hatten ihren nächsten Flugtag im Mainzer Zollhafen anvisiert. Viel Werbung, das aktuelle Traumwetter und die gute Location in der Neustadt sorgten für einen riesigen Besucherandrang. 

Dass es voll werden würde, war bereits vorher klar. Doch wieviele Menschen wirklich zu dem Flug-Wahnsinn von Red Bull wollen, stelle ich erst morgens beim Aufstehen mit einiger Verwunderung fest: Auf der Straße bewegen sich tausende Menschen in einem nicht versiegenden Strom zwischen Bahnhof und Rhein. Es ist heiß, die Sonne knallt schon frühmorgens, es riecht überall nach Feierstimmung und Vorfreude. Der Flugtag im kleinen, beschaulichen Mainz? Schon eine kleine Sensation – war die große Red Bull Show rund um selbstgebastelte Flugobjekte doch bisher lediglich in deutschen Millionenstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln statt.

Der Mainzer Zollhafen, der seit längerem eine Baustelle ist und in ein Wohn-und Lebeviertel umgebaut wird, war seit Tagen nicht wiederzuerkennen und zu einer einzigen großen Eventfläche verändert. Doch auch die weiten Flächen und Tribünen auf der Rheinallee-Seite waren nicht genug: Das Gelände war an diesem Tag leider 3 Nummern zu klein. Schon gegen 10 Uhr morgens warten Tausende auf den Einlass, bereits gegen kurz nach 11 wird das Gelände zum ersten Mal abgeriegelt. Drinnen beginnt der Kampf um Plätze, Tribüneneintritt und Getränke. Es herrscht ein wenig Rosenmontag-Stimmung, zusätzlich unterstützt durch das Moderatoren-Duo Klaus Hafner (Mainz05-Stadiosprecher) und Tobias Mann (Mainzer Karnevalist) mit ihren Helau-Rufen und „Laola“-Versuchen. Etwa eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start ist auf dem Gelände der sprichwörtliche Siedepunkt erreicht: Menschenmassen, Hitze und eine Menge Chaos.

Während sich nun, einen Tag später, Red Bull mit einem Tag der Superlative brüstet (150.000 Zuschauer, neuer Weltrekord und einer Stimmung wie beim Karneval), gibt eine Großzahl der Besucher schlechtes Feedback ab: zu voll, zu heiß, keine Plätze, zu wenige Getränke, schlechte Organisation, Chaos.  – Und ich frage ich mich ganz lapidar: Was denken sich Menschen bei solcher Kritik? Ja, ganz klar, auch wir waren anfangs not amused über die Tribünen-Situation, auch uns war heiß, auch wir mussten anstehen. Aber: Das Event war kostenfrei, man durfte sogar Getränke (selbst Bier!) und Essen mit hinein nehmen, und entgegen jeder Kritik waren Security und Ordner zwar bestimmt, aber freundlich und professionell. Nicht zuletzt: An den Gittern außen gab es kostenlos Trinkwasser im Becher, an einem solchen heißen Tag eine tolle Geste der Veranstalter.

Letztlich zählt für mich: Bei solchen Events muss man 1) früh aufschlagen 2) sich selbst um Verpflegung kümmern und 3) etwas vorausschauend denken (Dazu gehört zB auch keine Hunde oder Babys mitzunehmen). Alles andere macht nie Sinn, das zeigt doch die Erfahrung. Folglich sind all dies Probleme des Besuchers, nicht der des Veranstalters. Ein bisschen Denken schadet nie!

Den Veranstalter Red Bull kann man für andere Dinge rügen, soviel ist auch sicher: Langatmigkeit zwischen den Sprüngen und der Choreo, eine grenz-debile Co-Moderatorin („Doppel-D(esi)“), ein übermotivierter, letztlich überforderter Moderator Tobias Mann, eine vor allem anfangs schlechte Akkustik und nur eine einzige Videoleinwand. Doch trotz dieser Probleme kann ich da auch darüber lachen: Manchmal ärgerlich, aber das sind Premieren-Fehler in einer kleinen Stadt, wie sie einfach immer vorkommen. (Der Besucherandrang konnte in dieser Dimension in Mainz kaum erwartet werden.)

Bei aller Kritik muss man hier auch festhalten, dass dies alles eine einzige große Werbe-Veranstaltung ist und wir trotz allem einen schönen Vormittag/Mittag am Zollhafen hatten, es uns in der Sonne gut gehen ließen und viel Spaß mit den Choreos und den verunglückten Abstürzen in den Rheinhafen hatten. Viele toll aussehende Fluggeräte stürzten zwar viel zu schnell ab, aber eigentlich geht es doch genau darum: Spaß haben, der Sieg hier an diesem Tag ist nebensächlich. So verpassten wir auch leider den neuen Weltrekord, aufgestellt vom Wiesbadener Team „Rückkehr der Teichfighter“, weil wir noch weiter mussten, aber das ist doch alles halb so wild. Für einen Pfingstmontag nach einem langen, anstrengenden Wochenende war das genau das Richtige.

Fazit: Red Bull versteht es wie keine andere Marke der Welt, Werbung mit Freude, Spaß und Action zu verbinden. Auch in Mainz ist ihnen ein erinnerungswürdiges, riesiges Event geglückt, deren Premiere noch von einigen Fehlern und zu wenig Platz für zuviele Besucher begleitet wurde, aber gerne in den nächsten Jahren wieder stattfinden sollte. Eine Bereicherung für Mainz und den Hafen.

Trentemøller live in Den Grå Hal, Christiania

November 29, 2011 1 Kommentar

Anders Trentemøller, der umtriebige Däne aus Kopenhagen, hat ein extremes Jahr 2011 hinter sich. Zusammen mit seiner Band eine intensive Welttournee mit über 100 Stationen in vielen Ländern, dazu ein neues Remix-Album, eine Compilation-Veröffentlichung, und zahlreiche zusätzliche DJ-Sets. Bevor er jetzt für eine lange Zeit ins Studio geht für die Aufnahmen des neuen Albums gab es zwei Abschlusskonzerte in seiner Heimat. Wir konnten Tickets ergattern und erlebten ein Konzert der Extraklasse.

Trentemøller live at Den Den Grå Hal, Christiania (25.+26.11.2011)

Trentemøller live at Den Den Grå Hal, Christiania (25.+26.11.2011)

Mitten im faszinierenden Kopenhagener Freistaat Christiana liegt unweit der Green light zone, einer Art Marktsstraße für Cannabis und Marihuana, eine äußerlich unscheinbare Halle: Den Grå Hal. In dieser tollen, alten Holzdecken-Halle spielt Trentemøller seine letzten beiden Shows dieses Jahr. Es ist eine Art Heimspiel in seinem Heimatland und die Halle ist längst ausverkauft. Und weil es auch für ihn und die große Band ein Abschied ist, gibt es befreundete Vorbands, und im Anschluss finden sich auf der Bühne nochmal fast alle für ein gemeinsames DJ-Set ein. Aber der Reihe nach.

Mit den beiden Vorbands Giana Factory (aus Dänemark) und Death Crush (aus Norwegen) mit jeweils erstaunlich hohem Frauenanteil (incl. pogender Frontfrau im Publikum) konnte man sich die Zeit vor dem Konzert sehr gut abfinden, das Bier schmeckte (für Kopenhagen-Verhältnisse erstaunlich günstig, nur etwa 5€ pro Becher^^) und die Halle war schnell gut gefüllt. Als schließlich Trentemøller begann, war es gemütlich angefüllt mit vielen sympatischen Besuchern und guter Stimmung. Und Trentemøller zeigte von Beginn das, was man von ihm erwartet: eine kompromißlose, leidenschaftliche Show voller Energie, voller Power und mit wunderbarer, vielfältiger Musik – begleitet von sehr guten Sängerinnen und Instrumentalisten. Die Stimmung erreichte schon mit den ersten Stücken (Mash and the Fury und Shades of Marble) sehr schnell Betriebstemperatur.

Mich begeistert bei den Live-Shows von Trentemøller vor allem immer die Intensität des Ganzen. Völlig egal welcher Song: Aus der jeweiligen Live-Nummer werden epische Tracks, die Live-Band setzt sowohl die rockigen als auch die elektronischen Elemente der Alben gekonnt um, und Trentemøller selbst spielt und hüpft sich jedes Mal auf neue selbst in Extase. Nur um dann im nächsten Augenblick in den ruhigen Momenten des Konzertes eine Gänsehaut-Stimmung zu erzeugen, wie hier bei dem allseits bekannten Miss you (Videos nicht von mir, da hatte ich selbst gar keine Zeit für.) Wie man am Ende gut beobachten kann: Während des leider viel zu kurzen 90-minütigen Konzertes gibt es keine Pause: Es geht sofort in den nächsten Song über, und es gibt auch keine einzige Ansage.

Bei Songs wie …even tough you’re with another girl oder sycamore feeling können sich die hervorragenden Gastsängerinnen hervortun. Hier zeigt sich außerdem, dass auch diese ruhigen Songs live eine enorme Wucht erzeugen können. Ein – wenn nicht DER – Höhepunkt ist dann schließlich moan. Schon auf dem ersten Album einer meiner Lieblingssongs, entwickelt sich dieses Lied zu einem 10-Minuten langen Monster, mit 2-minütigem Mundharmonika-Intro. Absoluter Wahnsinn, und absolut großartig. Ein riesen Lob an die tolle Band, exzellente Umsetzung. [Video keine gute Quali, aber es reicht für einen Einblick.]

Viel zu schnell ist das Ende des Konzertes erreicht: leider war das so gut, dass man die Zeit dabei völlig vergisst. Bei der erwartungsgemäßen Zugabe darf der Silver Surfer nochmal abgehen und eine wilde Party feiern. Spätestens danach bin ich sowieso am Ende meiner Kräfte. Immerhin reicht es noch für ein 2 Stunden DJ-Set im Anschluss, nette Unterhaltungen mit anderen Gästen, wilden Tanzeinlagen und Abfeiern von spontanen Drum-Sessions von Trentemøller selbst. Ein wirklich großartiger Abend geht etwa gegen 3 Uhr in der Früh in Christiana zu Ende – bei viel zu scharfem Kebap. Ich zitiere ungern Facebook-Kommentare, aber dieser Comment trifft das Konzert ziemlich gut:

„Trentemøller“ completed his World Tour in Copenhagen tonight and what a show – maybe my best concert on danish ground this year! He took us on a „Tour de Tribute to techno/industrial pioneers“ and boy I love that style – from Kraftwerk (Robots like), Bowie (Weeping Wall like), Gary Numan and Nine inch nails (I’ll post Cars tomorrow), Joy Division (Love will tear us apart like), New Order (Blue monday), David Lynch (Mullholland drivish), Massive attack (the slow passages) to Skrillex (he did Skrillex special sounds on the extra number). Cool cat, fantastic. Goodnight 🙂

Einige weitere Kopenhagen-Impressionen hier.

Review: Awake Festival 2011 im Frankfurter Stadionbad

September 19, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Die zweite Auflage des Awake – Summer Breaks fand gestern nicht mehr in der Mainzer Maaraue statt, sondern im Frankfurter Stadionbad. Das Lineup des elektronischen Openairs war dieses Jahr noch ein Stück breiter und internationaler aufgestellt, und damit auch ein würdiger Abschluss der Sommersaison – auch wenn das Wetter nicht so mitspielte wie ein Jahr zuvor.

Einlass Awake 2011

Die Event-Premiere im letzten Jahr war für die Besucher wie mich erstaunlich gut über die Bühne gegangen: gute Stimmung, tolle Organisation, sehr faire Preise, eine tolle Location und wundervolles Sommerwetter. Daran musste sich das zweite Awake messen lassen. Und das Frankfurter Stadionbad war in jedem Falle eine gute Wahl: Ein sehr großes Gelände, weit außerhalb gelegen und wunderschön eingebettet in Wald und alte Zwanziger-Jahre-Bauten.  Leider gings beim Einlass etwas holprig zu. Hier gab es schon fast „Love Family Park-ähnliche“ Zustände, viel zu wenige Security für zuviele Menschen bedeuteten über eine Stunde anstehen, und das Verpassen  von einigen Acts.

Drinnen war es überschaubar: Gelände war angesichts der Besucher fast zu groß. Dies hatte wiederum den Vorteil, dass man nie für Toilette anstehen musste, die Getränke gab es ohne Wartezeit und auch Essen ging zügig und ohne allzulanges Warten. (Auch wenn das Bon-Pfand-System doch manchmal sehr nervt.) Hat alles wunderbar gepasst, die Organisation verdiente sich wie im vergangenen Jahr Bestnoten. Leider stiegen auch die Preise: Getränke und co liegen nun auf dem völlig üblichen (teuren) Event-Niveau (Bier = 4€, Wodka-RedBull 0,2l = 7€.)

Bühnenaufteilung und Sound hat mir persönlich sehr gut gefallen. Die beiden Floors waren weit genug voneinander entfernt, kein Soundgematsche, kein Bassbrei, anständige Höhen und Tiefen, so zumindest mein Eindruck.

Nun aber endlich mal zum wichtigsten: der Musik. Und hier konnte das Awake 2011 richtig punkten. Das Lineup war schon auf dem Papier ziemlich toll, und wurde sogar noch besser beim Hören und Tanzen. Vor allem auf Floor 2 reihte sich ein guter Act an den anderen, hier gab es eigentlich kaum schwächere Sets. Michael Mayer hat mir wie eh und je gefallen, Steffi mit ihrem druckvollem Sound hätte ich gerne noch länger gehört, und Dirty Doering spielt ein wundervolles Set. Als er am Ende sein i would spielt, ist das schon früh eines der Highlights des ganzen Tages. (Verpasst habe ich hier leider Art Department.)

Andy Butler & Wolfram

Auf der Hauptbühne war die Stimmung eher verhalten, hier war das typische Festival-Besucher-Verhalten zu sehen: Gekommen um Kalkbrenner, Rother und co zu sehen, wissen viele nicht, was sie mit anderer, für sie unbekannter Musik anfangen können. Und dabei gab es auch hier tolle Sets zu hören. Jamie XX mit seinem relativ unverwechselbaren Sound zum Beispiel, oder später Butch, der als kurzfristiger Ersatz für Heidi die Menge locker im Griff hatte, und vor allem auch mit seinen eigenen Hits zu gefallen wusste. Meine persönliche Überraschung waren aber Andy Butler (von Hercules and Love Affair) feat. Wolfram (aka Diskokaine): Großartig! Klasse oldschool Musik, witzige Typen, und am Ende des Sets ein ansatzloses, stimmungsvolles Mr. Vain (Erinnerung an jemanden, habs leider nicht verstanden). Fritz Kalkbrenner zieht erwartungsgemäß alle Leute vor die Bühne, löst schön mit den ersten Tönen Begeisterungsstürme aus, – und enttäuscht uns dafür umso mehr. Ähnlich wie der große Bruder ist das zuviel „CD reinschieben“. Schade, nicht mal Live-Gesang – und das obwohl er doch eine wunderbare Stimme hat.

Alles in allem sehr viel tolle Musik, sehr viele gute Tracks und Sets: Man kann dem Awake-Festival zu diesem Lineup nur gratulieren: Es zeugt insgesamt von Klasse und einem guten Gespür für aktuelle Trends. Das „Big Names“ wie Kalkbrenner, Rother oder auch Lexy sein müssen, damit genügend Besucher kommen ist schade, aber aus meiner Sicht verkraftbar. So könnte ich mir durchaus vorstellen, wiederzukommen, vor allem bei einem unschlagbaren Preis für 22€ pro early-bird-Ticket!

Summer-BREAK

Leider spielte das Wetter nicht mal ansatzweise so mit wie letztes Jahr. Glücklicherweise bleib es größtenteils trocken, aber es war ständig unangenehm kalt und windig. Das Sommer-Openair-Feeling blieb daher leider sehr fern. Mit meiner kurzen Hose wollte ich wohl etwas zuviel den nicht vorhandenen Sommer verlängern. 😉

Und trotzdem: Schöner Abschluss der Openair-Saison, für die ich mir im nächsten Jahr mehr Sonne und Wärme wünsche. Und für das Awake 2012 im Speziellen: schnellerer Einlass, Bestätigung des guten Lineups mit neuen, frischen Acts, und noch ein wenig mehr Deko statt Werbe-Ständen 😉

Kinderspielplatz nachtdigital in Olganitz

August 9, 2011 1 Kommentar

Es ist Sommer, das heißt konkret vor allem: es ist Festivalsaison. Seit Jahren war es mein Wunsch, mal das kleine nachtdigital-Festival im Bungalowdorf Olganitz zu besuchen und dort ein Wochenende mit elektronischer Musik genießen. Bei der 1/4 ND 2011 hats dann geklappt. Mein kleiner Bericht mit einigen wenigen Photos.

Manchmal ist es einfach schön, nochmal Kind zu sein. Einfach herumtollen, sich einige Zeit keine Gedanken zu machen und das Leben gerade so zu genießen, wie es gerade ist. Das dachten sich wohl auch die Veranstalter der 14. nachtdigital, und so wurde kurzerhand das sowieso schon schöne Bungalowdorf in Olganitz zum Kinderspielplatz umgebaut. Zum Spielplatz für Erwachsene, zum Spielplatz für elektronische Musik. Mit Kaspertheater, Kuscheltieren, Elefantenrutsche, Wasserschaukel, allerlei Krimskrams und jeder Menge Deko und Sand. Die Einladung zu drei Tagen voller Spaß, guter Musik und endlosen Tanzstunden.

Los gings freitags morgens um halb 6, später mit dem Reisebus weiter bis weit in den Osten. Zurück waren wir exact 3 Tage später, montag morgens um halb 6. Dazwischen lag eine kunterbunte Zeit voll mit tollen Acts, und – wider Erwarten – bestem Festival-Wetter.

Das nachtdigital ist mit seinen 3000 Besuchern (alle Tickets waren innerhalb einer Stunde ausverkauft) so klein und gemütlich, dass genau dies schon zu einem wunderbaren Aspekt des ganzen Wochenendes führte. Immer genügend Platz zum feiern und tanzen (zur Not im Wasser), und überall nette Menschen und gute Stimmung. Zahlreiche Chillmöglichkeiten sorgten dann genau für die richtigen Entspannungsstunden.

Überhaupt die Deko und generelle Umsetzung des Festivals war in meinen Augen sehr gelungen: Neben den ganzen Kinderspielplatz-Aktionen gab es tolle Lichtmotive, es gab frischen Kaffee aus einem VW-Bus-Kaffee-Mobil, und die Toiletten hießen liebevoll „Dixiland“. Kann man alles als Schnickschnack abtun, trägt aber zum positiven Eindruck eines Festivals ungemein bei.

Schnell aber zum wichtigsten Aspekt eines Festivals: der Musik. Und die war gelungen, sei es nachmittags auf der kleinen Seebühne, auf der second-Tent-Stage oder der Hauptbühne. Keinen Act fand ich richtig scheisse (das heißt schonmal was 😉 ), Smith n Hack hatten etwas technische Probleme, Agoria war etwas zu ravig, und der von mir heiß erwartete Auftritt von Gold Panda musste ganz ausfallen: Kurzfristige Absage aufgrund von Krankheit. Die anderen Acts (die ich hörte) konnten dagegen überzeugen: Schon Freitags waren die Dial-Acts im Zelt bei bester Laune, Samstags gefiel mir persönlich Fairmont mit seinem Border Community-Sound ganz gut, Space Dimension Controller hörte ich mir beim Duschen an (diese sind nämlich 20m entfernt von der Mainstage). Prosumer und Dixon (bzw. Amê) hatten in den Morgenstunden zwischen 7 und 11 die Menge vollkommen im Griff und gehörten sicher zu den Highlights. Mein ganz persönlicher Sieger heißt aber Robag Wruhme: In einem wunderbaren 4-Stunden-Set (Oder waren es gar 5?) hat der Jenaer mich so begeistert, dass ich noch heute tanzen könnte. Ähnlich gut, auch von der Grundstimmung der Musik, war dann am frühen Samstag Vormittag bei Traumwetter die Seebühne. Super! Mein Track des Festivals ist übrigens auch ein Wruhme-Edit, und er geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Hier kommt die Sonne!

Alles in allem eine wirklich rundherum gelungene Festival-Premiere, bei der ich mir nur etwas mehr Abwechslung bei den Liveacts versprochen habe, und wünschen würde. Übrigens: analog war dann zumindest das Essen, und das schmeckte richtig gut – zu fairen Preisen. (Auch hier könnte sich so manches Festival eine Scheibe Brot abschneiden.)

Erst am Sonntag morgen bei den letzten Klängen der Hauptbühne um 11 Uhr und später auf der kleineren Seebühne regnete es. (Für das angekündigte Wetter eigentlich ein schlechter Witz.) Das tat der Stimmung aber wirklich keinen Abbruch, und sorgte nochmal für stundenlanges Tanzen. (Video ist nicht von mir):

Fazit: Wundervolles Festival mit viel Liebe zur Musik und zum Detail. Entspannte Menschen, sehr faire Preise (Bier aufm Campingplatz gekühlt: 1€ für 0,5l), viel tolle Musik, und eine schöne Location, natürlich besonders bei solchem Wetter.

(Alle Photos natürlich wie immer von mir, nachts während der Hauptacts hab nicht so Photolaune gehabt 😉 )

Mit Schirm, Charme und Kölsch: Das c/o pop Festival 2011

Nach vielen Jahren hat es geklappt: Ein Besuch auf der c/o pop in Köln – zumindest in Ansätzen. Neben privaten Feiern und Freunden gab es aber immerhin 5 Tage lang eine riesengroße Bandbreite an Musik zu entdecken. Ein Bericht über spannende, charmante Tage mit wenig Schlaf, Regen, und jede Menge Kölsch.

„Your troubles will be faded by the luck you will soon have.“ So warb das Festival um die Zuschauergunst. Und tatsächlich: Bei einem Programm wie der c/o pop werden Probleme nebensächlich, die Leichtigkeit des Seins gewinnt an Oberhand und man vergisst alles neben der Musik. Fünf Tage, 15 Locations und rund 46 Shows, das sind die HardFacts des achten c/o pop Festivals. Zwischen Newcomer und Topact versammelt sich eine illustre Schar zwischen Klassik und Techno, zwischen Jazz und Electronic, zwischen R’n’B und Indierock. Eben alles, was den Pop aktuell gut macht. Da das passende Programm auszuwählen, war gar nicht so einfach.

Der Einstieg mittwochs abends war schnell klar: es ging zu den äußerst verrückten, aber mindestens genauso sympatischen Dänen von whomadewho, die im Gloria-Theater aufspielten. Während ihr Support-Act Kiss Kiss Kiss etwas in schlechter Tonabmischung unterging und von ihrem eigenen Bassgebrei erstickt wurde, waren whomadewho schnell bei der Sache: Irgendwo zwischen Rock und Electronic, alles zwischen Tanzbarkeit und Poppigkeit. Die Dänen bewiesen, dass sie eine  exzellente Liveband sind, die sich äußerst witzig und begeisternd präsentierte.

Eine klassische Rockformation aus Drummer, Bassist und Gitarrist, die aber immer wieder in elektronische Sphären vorstößt und dabei keinen still stehen lässt. Super Einstand. Und übrigens: Nach langer Zeit mal wieder ein Konzert ohne LED-Wand gesehen, und irgendwie war das richtig sympatisch. (Anspieltipp.)

Kulturdeck Aachener

Kulturdeck Aachener

Aufgrund der unglücklichen Pollerwiesen-Verschiebung auf Sonntag ging es Donnerstags an den Aachener Weiher, zum Open-Air Kulturdeck, wo es das ganze Wochenende Musik von diversen Künstlern gab, organisiert von der alten Partyreihe „Playground Love“. Dort konnte man bei leider gemischtem Wetter auf dem Rasen liegen, den Klängen von DJs wie Jennifer Cardini lauschen, sich bei kühlem Kölsch austauschen und ausruhen. Ziemlich schön wars da. Der Abend war eigentlich gefüllt mit Top-Konzerten, doch bei uns war mal Pause angesagt. Den Auftritt von Owen Pallett (mit Apparat als Support!) in der Kölner Philharmonie verpasste ich – eines von vielen Konzerten, die bei der Qual der Wahl herunterfallen. (Darunter auch The Brandt Brauer Frick Ensemble oder Sizarr auf dem Dach des Museum Ludwig.)

Marius Sahdeeq

Freitag hatte ich endlich mal wieder die Möglichkeit das Spielraum-Kollektiv zu treffen und Hallo zu sagen: im „Scheuen Reh“, der Festival-Zentrale, gab es verschiedene Label-Showcases unter anderem von Spielraum selbst, Ki oder Niveous records. Während wir anfangs noch alleine da waren, füllte es sich überraschend bei Fabrizio Cammarata, einem Newcomer-Songwriter, der ehrliche, schöne Musik machte, aber im Kontext des Scheuen Rehs etwas deplaziert wirkte. Der Rest war natürlich überwiegend deep, detroit und danceable (Anspieltipp von Marquese!) und so störte lediglich der Faktor, dass das Wetter wieder nicht wirklich mitspielte, und auch aufgrund des Ordnungsamtes das geplante Openair hier zum Indoor-Event wurde. Nicht weiter schlimm, war das für uns ja nur der Startschuss in eine lange Nacht – am anderen Ufer bei Kompakt.

Dort wartete ein ganzes Dutzend toller Acts, von den isländischen Electropoppern GusGus bis zum dänischen Liveact Kölsch (ja, die heißen wirklich so!), von Veteranen wie Robag Wruhme bis hin zu Kompakt-Co Michael Mayer. Und es sollte eine großartige Nacht werden, trotz zwischenzeitlicher Müdigkeitserscheinungen. Wruhme spielte ein Listening-Set, quasi ein „Thora Vukk“-Spezial als Warmup. Auf der riesigen Bootshaus-Tanzfläche waren neben mir vlt. noch 5 andere am tanzen. Anschließend wurde es lauter, gewaltiger und poppiger: GusGus sorgten für eine doch ziemlich gute Show, auch wenn mir der Gesang nicht immer gefallen hat. Die Instrumental-Teile waren aber extraklasse, und zeigen, dass die Isländer sich immer mehr Richtung Club entwickeln. Sicherlich Geschmackssache wie so Vieles auf der c/o pop, die nun mal vordergründig nach neuen Wegen in der Musik sucht und viel Neues wagt, daher in meinen Augen äußerst gelungen. (Anspieltipp GusGus -live). Im Anschluss konnte man beruhigt tanzen und feiern gehen, bei Acts wie Sascha Funke und Superpitcher blieb kein Bein stehen. Eine Überraschung waren dann aber in der Tat KÖLSCH aka Ink and Needle live, die einen tollen Liveact auf die Bühne legten. Das überragende Highlight der Nacht – und auch des gesamten Festivals – spielte sich aber ab 6 Uhr morgens draußen ab: Kompakt-Aushängeschild Michael Mayer ließ uns Openair tanzen und irgendwann müde und platt aber glücklich ins Taxi steigen. Großartige Tracks, tolle Atmosphäre und draußen: mehr geht eigentlich nicht. (In diesem Zusammenhang: Mayers Compilation Immer 3 von 2010 ist für die Ewigkeit. Kauftipp!)

Samstag war ich auf einer privaten Feier eingeladen, das Festival musste also stoppen. Weiter gings erst Sonntag mit den Pollerwiesen im Jugendpark – und das schon vorneweg: Ich hätte es mir sparen können. Das Deck am Aachener hätte es hier auch getan.

Natürlich geplättet von den bisherigen Tagen waren wir irgendwann zu Pig & Dan im Geschehen und ließen uns von der erstmals am Wochenende scheinenden Sonne verwöhnen. Pig & Dan waren gewohnt gut, doch „Ersatzmann“ Tobi Neumann im Anschluss bot ein tolles Set mit ordentlich viel Bass und war damit der Star des Tages. Zumindest bei mir, denn es war klar, warum soviele Menschen den Jugendpark besuchten: Paul „Icke wieder“ Kalkbrenner kam angeflogen, und der Superstar-Wahnsinn um den einst so sympatischen Berliner kennt auch in Köln keine Grenzen. Als ich mich eine halbe Stunde vor Kalkbrenners Auftritt auf den Heimweg machte, kamen immer noch Leute an, die einfach mal nur PK sehen wollen, und dabei vergessen, dass die anderen Acts viel besser sind. Man kann lange darüber streiten und diskutieren, ob solche Acts nötig sind. Ich kann gerne und bewußt auf solche Massenware verzichten, und letztlich war Kalkbrenner der einzige Act, der nicht so richtig ins ausgewogene, teils experimentelle Lineup dieser Tage passen wollte – auch wenn er da wenig für kann. (Und so kommen dann Leute zu den Pollerwiesen, die auf ein Plakat mit „Richie Hawtin“ schauen und in die Runde fragen, wer das denn seie. Stellt Euch hier bitte einen verzweifelten hulza vor).

Fazit: Danke c/o Pop! Es war wunderbar, spannend und anstrengend. Ich hätte gerne noch viel viel mehr gesehen, und mehr gehört und erlebt, aber irgendwann ist auch mein Akku leer. Doch ich komme gerne wieder. 🙂

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Bildnachweise: 1. Offizielles c/o pop-Festival Logo: http://www.c-o-pop.de/ – Alle anderen Photos von mir. Unter der by-CC-Lizenz frei verfügbar.

 

Review: Melt! 2010, Part 1

Juli 20, 2010 2 Kommentare

It’s number 5, Baby! Nun, grundsätzlich waren es 13, aber für uns war es das 5. Melt!-Festival – 5 Jahre in Folge mit Sack und Pack 500km in den Osten um dort erst 2, und nun 4 Tage Musik zu hören, zu genießen und zu feiern. 5 Jahre Melt! – das ist auch Entwicklung und Fortschritt in fast jeder Beziehung. Wo man aber auch immer ansetzt: Melt! ist ein ganz starkes Festival und als großer Lichtblick in der Festivalkultur nicht wegzudenken. Mein Review zum 13. Melt!-Festival 2010 in Ferropolis.

Photo von Stephan Flad (Intro, Melt!) - Alle anderen Photos von mir.

Es ist heiß in Ferropolis. Es ist Donnerstag, und die erste große Anreisewelle schweppt über den Campingplatz des Melt!. Während das Wetter in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger eine Katastrophe war (man erinnere sich an den Abbruch Freitag Nachts 2009), meinte es der Wettergott schon ein wenig zu gut. Keine Wolken und fast zu heiß. Vor allem für Luxuscamper wie uns, die meinen, sie müssten wirklich alles mitschleppen, ist diese Hitze für Schleppen und Aufbau schon hart gewesen. Doch das sollte sich noch auszahlen: Unser Pavillon wurde als Schattenort benutzt, das Trockeneis war als Eiswürfelfach und Kühlschrank nahezu unersetzlich und das Schlauchboot ist bei diesen Temperaturen auch eine willkommene Abwechslung. Camping beim Melt! ist sowieso so eine Sache: Weit entfernt vom Auto, weit entfernt von richtiger Wiese, weit entfernt von sauberen sanitären Anlagen. Aber seien wir auch mal ehrlich: All das gehört auch ein bisschen zu einem Festival dazu. Wenn man also erstmal die weite Anreise, das lange Schleppen und die Stoppeln auf den „Wiesen“ verdaut hat, und das erste kalte Bier auf ist, kann man sich auf ein wundervolles Lineup freuen. (Zum ersten Mal hätte ich die Möglichkeit gehabt auf dem VIP-Campingplatz zu zelten, aber was bringt mir Luxus, wenn ich meine Freunde nicht dabei haben kann/darf?)

Der Donnerstag Abend war immer so etwas wie das fröhliche Auftauen des Campingplatzes, mit verschiedensten Partys überall, und vor allem der Audiolith-Posse als großer, inoffizieller Eröffnungsrave. Diesmal etwas Neues: das Melt! hatte die Audiolith-Jungs einfach alle eingeladen auf dem Gelände ihre Party zu schmeissen – was diese natürlich gerne machten. Mit Egotronic ravten die Menschen also gegen Deutschland, mit Frittenbude, Bratze und Saalschutz gabs ebenso auf die Rave-Mütze: Ein großer Pferdemarkt war geboren. Nicht schlecht, aber meiner Meinung nach auch nicht überragend, aber das sehe ich rein musikalisch so: Andere feierten die Jungs ab wie nichts zuvor. Gute Stimmung garantiert, ein erster Blick aufs Festival – und dazu noch eine Veranstaltung für einen guten Zweck, alles super!

Vor der Mainstage bei Shout Out Louds am frühen Freitag Abend

Während es freitags nahezu unerträglich heiß wurde, war der Badesee – mal wieder – Gold wert. Die dortige Abkühlung war genau das Richtige, und der Startschuss in einen neuen, den ersten richtigen Festivaltag. Los gings auf der Mainstage mit den Shout Out Louds, die am frühen Abend bei noch hochsommerlichen Temperaturen die Main-Stage tanzen ließen. Wunderbare Musik, aber vor allem wunderbares Wetter, perfekt für den ersten Ausflug auf einen der Bagger: Dort oben hatte man nicht nur den Rundumblick aufs Festival, sondern als Extra-Gimmick war eine kleine Bühne aufgebaut, auf der kleine oder größere Künstler unplugged spielten. Das war überraschend und großartig. Bitte mehr davon 😉

Der große Vorteil des Melt!-Festivals ist auch direkt sein größter Nachteil: Die riesige Bandbreite an guten Acts mit Musik von Freitag nachmittag bis Montag morgen- und zwar durchgehend(!). Das klingt erstmal gut, in der Realität scheitert man aber einfach daran, alle tollen Acts zu sehen und zu hören, einfach weil man nicht in der Lage ist, alles zeitlich hinzubekommen (natürlich ganz zu schweigen von der überkommenden Müdigkeit). Das ist schade, weil man so manchen Act verpasst, den man sehr gerne gesehen hätte. Aber ich möchte mich nur wenig darüber beschweren, das ist ein echtes Luxusproblem. (Einige wundervolle Live-Shows verpasst, andere gesehen: Alles geht LEIDER nicht. Hier auch nur Auswahl der gehörten Acts.)

Two Door Cinema Club und Delphic direkt in Folge waren dann unser richtiger Einstieg in der Gemini-Stage. Gut, dass TDCC vom Intro-Zelt verlegt wurde, selbst hier platzte die Stage aus allen Nähten: Stimmung garantiert, bei beiden Acts. Delphic fand ich vielleicht den Tick besser, kann aber auch daran gelegen haben, dass ich dabei mehr im Getümmel war. Ich liebe die Gemini-Stage für ihre Stimmung, quasi als brodelnder Herd unter allen Melt!-Bühnen. Ausufernde Ekstase, das war schon 2006 bei meinem ersten Auftritt von Hot Chip so, das war auch hier nicht anders.

In der Geministage. Party garantiert.

Direkt im Anschluss den Klängen von Jònsi lauschen – in der mittlerweile perfekten, lichterstarken Atmosphäre der Hauptbühne. Wenn die Bagger visuell in Szene gesetzt werden, dann entsteht es erst so richtig: Dieses schöne Melt!-Feeling, die Verbindung von toller Musik und wohl einzigartiger Location. Jònsi war genau wie in Barcelona  auf dem Sònar wunderbar. Für mich ganz klar ein großes Highlight! Danach verpassten wir The XX, weil wir eine Durchschnaufpause brauchten, dankenswerterweise gab es genau da den Auftritt von Four Tet an der Beach-Bühne. Perfekter Chillen geht wohl kaum. Immer noch müde schauten wir uns anschließend die Show von Kele an. Musikalisch vielleicht das schwächste, was ich am Melt gehört habe. Eine Verwurschtelung von Dancefloor-Beats und Bloc-Party-Klassikern. Aber: Man muss Kele zugute halten, dass es eine 1A-Show war. Die Stimmung war bestens.

Zurück zum Strand war aber schnell die Devise, denn dort spielten Modeselektor., die gleich eine ganze Bühne kuratiert hatten, vor allem mit jungen – natürlich – Dubstep-Acts. Modeselektor spielten ein gewohnt gutes Set: ordentlich viel Bass und tanzbarer Dubtechno. Hat mir außerordentlich gut gefallen! Dagegen war die groß angekündigte Show „Feat. Bonaparte“ eher ein schlechter Witz. Auf Teufel komm raus lustig sein und Unsinn treiben kann nicht jeder und sollte auch nicht jeder machen. Liebe Modeselektor: Darauf könnt ihr gern verzichten, macht weiter mit eurer Musik! Letztlich war Modeselektor feat. Bonaparte die große, einzige Enttäuschung des Wochenendes.

Blick auf die Beach-Bühne, von Modeseletor kuratiert. (Freitag Abend im Sonnenuntergang)

Auffallend schon an den ersten beiden Tagen: Die riesige Anzahl an ausländischen Besuchern, allen voran Briten und Niederländern. Gefühlt waren es 60% nicht-deutschsprachige, real waren es 30% aller Besucher aus über 20 Ländern von allen Kontinenten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, als mich die Briten mit ihrer auffallenden Art desöfteren genervt haben, war ich 2010 vor allem begeistert von der friedvollen, respektvollen Stimmung untereinander und den spontanen Gesprächen, z.B. mit einem holländischen Converse-Team beim Steak-Abendessen auf(!) einem der Bagger. Außerdem wäre es ohne die Briten und ihre verrückten Modetrends ja fast schon langweilig: Über wen sonst sollte man lachen, wenn schon kaum jemand negativ auffällt und sogar die Security freundlich ist? 😉

Apropos erfreulich: Die Bus-Shuttles zwischen Camping und Gelände haben das erste Mal in 5 Jahren richtig funktioniert. Kurzes Anstellen, maximal 2-3 Buse abwarten (5-10 Minuten) und weiter gings. Das war nahe dran an der Perfektion, die ist übrigens erreicht, wenn der Bus für alle Camper dort weit unten auf halber Strecke am Ferropolis-Schild halten würde. Toll, dass die Festival-Organisation hier dazugelernt hat.

Abgesehen davon konnte man sich aber auch einfach am Sonnenaufgang über dem See erfreuen und sich auf sein „Bett“ freuen. Auch ich sage nun „Gute Nacht“, weiter mit Teil 2 gehts schon bald!

Hier gehts zum zweiten Teil des Reviews Melt! 2010.

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