Archive

Posts Tagged ‘Fernsehen’

BBC-Serie Sherlock in der ARD (2. Staffel)

Es kommt sehr selten vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten in ihrem Fernsehprogramm Mut zeigen und ausländische Juwelen in Deutschland zur besten Sendezeit zeigen. Doch die ARD traut sich: Die hervorragende zweite Staffel der BBC-Serie Sherlock läuft an drei Feiertagen zur besten Sendezeit, los gehts morgen um 20.15 Uhr. Zeit für einen Blick auf die bisher 6-teilige Serie.

Sherlock Holmes BBC Serie Benedict Cumberbatch Martin Freeman

Als ich damals von einer neuen Serie um den berühmten Sherlock Holmes las, war ich nur wenig begeistert. Sherlock? Der wurde doch schon Millionen 217 Mal verfilmt. (Etwa parallel die eher nur mäßig guten Kino-Adaptionen mit dem schlagkräftigen Robert Downey Jr. als Sherlock). Aber die Idee eines modernen Sherlock in einem modernen London – nun ja, ich war zumindest gespannt, was die BBC daraus machte.

Und das Ergebnis der ersten Staffel, die im August 2010 in der BBC (und im Herbst 2011 im Spätprogramm der ARD) lief, war einfach großartig: 2 phantastische Hauptdarsteller (Benedict Cumberbatch und Martin Freeman), die alten Arthur Conan Doyle-Geschichten modern und zeitgemäß verpackt, gelungene Optik , herausragende Dialoge und dazu ein cleveres Spiel mit unseren Zuschauer-Erwartungen. Kurzum: Ein sehr gute Serie, ein Must-See für Kino- und Serienfans.

Sherlock ist anders, und dieses „Anders“ wird in „Sherlock“ zu einem ganzen Komplex: Die Überforderung der Zuschauer mit Sherlocks brilliantem Kopf wird hier zum Stilmittel. Texte, Zahlen, Bilder rattern vor unseren Augen, wenn Sherlock seine Fälle löst – und Benedict Cumberbatch spielt diese Rolle mit großer Hingabe. Das Tempo von Sherlock ist angesichts einer Serie bahnbrechend, und gerade dieser Thrill macht die Serie so gut. Ab morgen abend (Himmelfahrt, 20.15 Uhr) zeigt die ARD nun die neuen Fälle von Holmes und seinem (kongenialen) Partner Watson (sympatisch: Martin Freeman) – und Überraschung: Die 2. Staffel ist noch besser. Schon Teil 1, der mysteriöse Fall „Der Skandal in Belgravia“ um die kriminelle, aber auch bezaubernde Irene Adler ist atemlos, fesselnd und sucht in der deutschen Krimi-Unterhaltung seinesgleichen. Dieser Film lässt viele andere (deutsche) Serien (man denke nur an die „Tatort“-Reihe) wie billige Amateur-Filme aussehen. Großartigst! Teil 2 und 3 laufen an den Pfingstfeiertagen, dann jeweils um 21.45 Uhr, und vervollständigen diese Staffel. Während Episode 2 „Die Hunde von Baskerville“ zwar immer noch stark ist, aber nicht an den erotisch spannenden ersten Teil heranreicht, ist das Finale in „Der Reichenbachfall“ wieder unglaublich und zeigt mal wieder atemberaubend hohes Niveau.

Man möchte hier für die deutschen Erst-Zuschauer nicht allzuviel Handlung verraten, aber in der zweiten Season gibt es neben aller Geniestreiche auch erstmals menschliche Seiten von Sherlock zu sehen und Watson wird als Partner und auch Freund immer wichtiger. Eine tolle Entwicklung, die der Serie auch in sich gut tut. Die 2. Season von Sherlock ist genial und ist eine echte Empfehlung für das sonst oft so schlechte deutsche TV-Programm. (Auch in der deutschen Version funktionieren die witzigen und herrlichen Dialoge sehr gut, auch das ist ja nicht allzu oft so.)

PS: Nett ist in der modernen Umsetzung natürlich auch der Einfluß von Web und Blogs, so führt John Watson in der Serie einen Blog um die Arbeit mit Sherlock – und fast schon selbstverständlich ist dieser Blog auch im realen Web vorhanden: (Vorsicht! Mögliche SPOILER!) http://www.johnwatsonblog.co.uk/

PS2: Weil BBCs Sherlock so gut und so erfolgreich ist, ist natürlich schon die US-Version in Planung. Hollywood… (Immerhin charmant: Watson wird zur Frau, gespielt von Lucy Liu).

Serienreview: Homeland, season one (Showtime, 2011)

Januar 10, 2012 5 Kommentare

Eine neue Dramaserie vom amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime mischt die aktuelle Season auf: Golden Globe-Nominierungen für Serie und Darsteller, Bestenlisten wohin man schaut und nur lobende Worte seitens der Kritiker. Und auch ich kann mich da nur anschließen: Homeland season one ist großartige Serienunterhaltung auf höchstem Niveau und eine der besten Serien 2011.

Carrie Mathison ist eine taffe, unkonventionelle CIA-Agentin, die ihrem Job alles unterordnet, aber auch psychische Probleme hat, und aufgrund von unsauberen Aktionen nach Langley strafversetzt ist. Sergeant Nicholas Brody ist ein US-Marine, der seit dem Jahre 2003 im Irak als vermisst gilt. 8 Jahre später wird er durch eine Rettungsaktion aus seiner Gefangenschaft befreit und kehrt als Nationalheld zurück in die Staaten. Dort wird er gefeiert und verehrt. Außer von Carrie: Sie ist der festen Überzeugung, dass Brody ein Schläfer ist, ein von Al-Qaida umgepolter Terrorist. Um ihre eigene Überzeugung mit Beweisen zu unterlegen, ist ihr nahezu jedes Mittel Recht – und schreckt dabei auch nicht vor illegalen Überwachungsaktionen zurück. Das Problem: Keiner ihrer Vorgesetzten will ihr trauen, und auch der Serienzuschauer weiß nicht auf welcher Seite er stehen soll. Und genau dies ist großartig.

Das altbekannte Serienspiel „Gut“ und „böse“ wird hier schlichtweg aufgelöst. Es gibt ihn nicht, DEN Bösen, oder DIE Gute. Die Frage nach den „bösen Terroristen“ löst Homeland völlig anders als dies andere US-Produktionen machen. Man erinnere sich nur an 24, wo selbst in deren besten Staffeln Jack Bauer immer der strahlende Held ist, und die „Bösen“ foltert und am Ende alles gut geht. Homeland zeigt vielmehr das, was der Krieg im Irak aus allen Beteiligten gemacht hat: Die Marines, die Angehörigen, die Agenten, die Vorgesetzten, die AL-Qaida-Männer, die US-Politiker. Auch wenn die Serie nicht zu Ende ist: Gewinner gibt es hier keine. Jeder Protagonist hat an seiner Last zu tragen und der Krieg ist immer vor Augen, und das obwohl man ihn nie wirklich sieht.

Hauptdarsteller sind Damian Lewis und Claire Danes, die beide absolut glaubwürdig sind. Vor allem Danes ist zu ihrer Darstellung der Carrie gar nicht genug zu gratulieren: ihre bipolare, gestresste, besessene CIA-Agentin ist unglaublich großartig. (Ich würde ihr jeden Preis für diese Rolle gönnen!). Sie ist paranoid – und der Zuschauer wird durch sie auch paranoid. Oder ist sie es am Ende doch nicht? Man weiß es nicht, und genau dies macht den Reiz der Geschichte aus. In den Nebenrollen machen sich vor allem Mandy Patinkin als Carries direkter Vorgesetzter und die junge Morgan Saylor als Brodys Tochter mit guten Darstellungen verdient.

Die erste Season von Homeland überzeugt mit einer absolut gekonnten Irreführung des Zuschauers, hat grandiose Spannungsbögen und ist sehr dicht erzählt. Bei insgesamt wenig Action ist die Serie ein tolles, packendes Psycho-Drama. Wenig nervige Plotfehler und ein absolut würdiges Finale, in dem dann auch Lewis noch einmal richtig glänzen darf. Man darf sehr gespannt auf die 2. Staffel sein, die schon im Oktober bestellt wurde. Hält Homeland sein aktuelles Niveau könnte eine großartige Polit-Drama-Serie daraus erwachsen. Aktuell ist die erste Season in den USA gelaufen und es dauert erwartungsgemäß lange, bis sie hier ein deutscher Sender zeigt. Allen Serienfans ist Homeland nur ans Herz zu legen, ihr werdet es nicht bereuen.

Hier der Trailer zur ersten Staffel:

Leseempfehlung dazu: Die einzelnen Episodes-Reviews von Vladislav Tinchev auf serienjunkies.de.

Tatort-Tipp: Nie wieder frei sein

Dezember 20, 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Das ganze Jahr über habe ich immer öfter das deutsche Fernsehen und den deutschen Film gelobt, und damit auch indirekt das öffentlich-rechtliche Fernsehen gemeint: Neben Arte wurde insbesondere das Programm von ARD und ZDF besser. Mit tollen Serien wie „Im Angesicht des Verbrechens“ oder „Der Adler“, oder mit herausragenden Kammerspielfilmen konnte mich das ÖR in diesem Jahr völlig überzeugen – ganz zu schweigen vom vielfältigen Sportprogramm, was ich nahezu ausschließlich dort verfolge. Auch die Tatort-Reihe erfreut sich jeden Sonntag größter Beliebtheit, wie nur ein kleiner Blick in die sonntäglichen Twittercharts zeigt: tausende User bewerten, kritisieren oder loben die jeweilige Folge. Während bei einem normalen Tatort die Stimmung durchaus gemischt bis zerreißend ist, gab es gestern einen klaren Konsens: „Nie wieder frei sein“, der Tatort mit den Münchnern Kommisaren Batic und Leitmayr, war der beste Tatort seit langem, und einer der besten Filme der Vergangenheit.

„Nie wieder frei sein“ beginnt dort, wo andere Krimis oft enden: im Gerichtssaal. Markus Rapp ist ein Vergewaltiger und Mörder, er sitzt schweigend auf der Anklagebank. Ihm gegenüber eins seiner Opfer, welches überlebt hat. Und das Unvorstellbare passiert: Durch eine Ermittlungspanne und die übermotivierte junge Strafverteidigerin Zimmer wird Rapp freigesprochen. Für Opfer, Angehörige, Staatsanwaltschaft und nicht zuletzt die sympatischen Kommisarre Batic und Leitmayr bricht eine Welt zusammen. Die Konsequenzen dieses Versagens des Rechtsstaates werden uns Zuschauern drastisch vor Augen geführt. Nahezu jeder Beteiligte reagiert gereizt, fassungslos, gestört. Sogar bei uns Zuschauern erschleicht sich die geballte Wut, diese gewaltige Ohnmacht, die sich bei Opfern und Ermittlern einstellt.

Es sind bedrückende, und doch gewaltige Bilder, die in den ersten 45 Minuten auf den Zuschauer einprasseln. Der Film verzichtet über die gesamte Länge auf eine Schuldzuweisung, besonders auch in den Anfangssequenzen, und lässt das Grauen einfach seinen Gang nehmen. Dabei besonders großartig gelungen sind die wechselnden Perspektiven: Klar ersichtlich leidet jede Seite, selbst im Hause Rapp kommt es zu Handgreiflichkeiten und massivem Ärger. Dieser Tatort geht bis zu diesem Zeitpunkt weit über einen TV-Krimi hinaus: Brutal, auf eine psychologische Weise heftig bis atemraubend, packend bis zur letzten Sekunde, und dabei auch noch (!) technisch brilliant photographiert. Es ist ein kleiner, perfekter Thriller. Aus Deutschland, meine Damen und Herren, wohlgemerkt.

Dass aus diesem Drama und Thriller schließlich noch ein echter Krimi wird, hängt auch mit dem wirklich guten Drehbuch und dem verzwickten Plot-Change im Mittelteil zusammen. Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden, denn es gibt „Nie wieder frei sein“ noch eine zeitlang in voller Länge  in der ARD Mediathek. Unbedingt anschauen. Perfekterweise kurz wirken lassen und dann noch drüber reden. Denn am Ende ist niemand mehr ganz frei, egal welche Rolle er hier gespielt hat.

Am Ende dieses Tatorts ist man immer noch ein wenig erschüttert. Was ist gerecht? Ist Recht gerecht? „Nie wieder frei sein“ ist ein flammendes Plädoyer für Gerechtigkeit und gegen Selbstjustiz, aber auch – ganz ungewollt – ein starkes Stück deutscher Film. Bitte mehr davon.

‚Kreutzer kommt’…und das deutsche TV-Verhalten

November 2, 2010 13 Kommentare

„Ich bin Kreutzer. Ich löse den Fall hier.“ Mit diesen Worten stellt sich Kreutzer vor, der neue TV-Kommisar bei ProSieben, überraschenderweise gespielt von „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst. Sein erster Fall hat es in sich, aber Kommissar Kreutzer hat bisher noch jeden Mörder überführt – in 4 Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden… Eine kleine TV-Kritik, an der sich auch wunderbar das deutsche Fernsehverhalten messen lässt.

Selten hat ein Pilotfilm (zu einer möglichen Serie) soviele kontroverse Meinungen produziert. Warum? Weil „Kreutzer kommt“ nicht perfekt war oder gar elendig schwach? Nein, vielmehr, weil es auf einem privaten Sender lief, an einem Feiertag (an dem doch die meisten Deutschen frei hatten), und zudem „Superstar“ Herbst die Hauptrolle hatte. Dies alles führte dazu, dass zumindest um 20.15 viele Deutsche einschalteten. Sie hatten ja auch noch eine Stunde Zeit, bis „Bauer sucht Frau“ lief. Und innerhalb dieser ersten Stunde von „Kreutzer kommt“ gab es bei Twitter einen Sturm an Tweets zu #Kreutzer mit äußerst unterschiedlichem Befinden. Um es kurz zu machen: Der Großteil der Zuschauer war unzufrieden, klagte über die Langatmigkeit, die fehlenden „Stromberg“-Gags und über ewige Dialoge ohne große Spannung. Nur ein Bruchteil bewunderte Herbst für seine schauspielerische Leistung, noch weniger bedankten sich für die tollen Dialoge und die großartige Charakterfigur. „Kreutzer kommt“ hatte schon verloren, bevor es richtig loslegen konnte.

Das ist sinnbildlich für die deutsche TV-Landschaft und das deutsche Fernsehverhalten. Es scheinen lediglich noch drei Formate viele Menschen erfolgreich (im Sinne der Quote) zu erreichen:

1) Irgendjemand wird gesucht/gecastet, und dabei geht es vor allem darum, die Menschen größtmöglich zur Schau zu stellen, so dass es für Otto-Normalo zuhause witzig ist, und er so zufriedener mit seinem eigenen erbärmlichen Leben ist. („Bauer sucht Frau“, „Schwiegertochter gesucht“, „DSDS“, „Supertalent“, etc.).

2) Irgendwelche Spielchen, die aufs Einfachste getrimmt spannend und unterhaltsam sind, vorzugsweise gegen oder mit Prominente(n), damit man was zu tratschen hat, und gerne über 5 Stunden. („Wetten, dass..?“, „Schlag den Raab“, etc.).

3) Volksmusik mit Florian Silbereisen.

Wenn nun ein Sender versucht, eine fürs deutsche Fernsehen ungewöhnliche Serie zu produzieren, geht das meistens nach hinten los. „Kreutzer kommt“ war/ist solch eine ungewöhnliche Serie. Ein Krimi, der schon von vornerein mit dem Intro und dem relativ späten Einstieg von Kreutzer selbst zeigt, dass er anders sein will. Mehr Dialoge, viele mögliche Täter, ein überaus arroganter, kontroverser Kommisar in einer Mischung aus Dr. House und Monk, nur ohne deren Macken. Nicht alles gelingt dem Piloten: Die größte Schwäche von „Kreutzer“ war sicher die zum Teil etwas in die Länge gezogene Spielfilmlänge. Hier wären 60 Minuten statt der 90 wohl sinnvoller gewesen. Über Langatmigkeit konnte man sich darüber hinaus aber auch nur beschweren, wenn man keinen Sinn hat für feine, intelligente Dialoge in Serien. Diese Dialoge waren bissig, und durchtränkt von tiefem Humor, der aber nie affig wurde. Beklagenswert ist meiner Meinung nach das Over-Acting von Herbst. Gewiß, Herbst ist ein genialer Schauspieler, aber hier war mir das eine oder andere „Augenbrauen-Hochziehen“ zuviel des Guten, zuviel von „Stromberg“, wo er ja eigentlich mit allen Mitteln von weg will. Darüber hinaus ist die Figur Kreutzer aber einfach genial: Wie er sich den jeweiligen Verdächtigen gegenüber verhält, wie er verschiedene Personen provokant und trickreich in die Bedrängnis bringt ist schlichtweg phantastisch. Im Gegensatz zu üblichen TV-Krimis (wozu leider auch immer öfter der Tatort zählt) wusste ich hier nach über 80 Minuten immer noch nicht, wer der Mörder ist. Erstaunlich, weil im Fernsehen allzu oft die Hinweise zu offensichtlich sind. Bemerkenswert an Kreutzer war vor allem die leise Art der Unterhaltung: Wenig bis gar keine Action, keine übertriebene Dramatik, keine Rücksicht auf Konventionen und kleine gezielte Gags auf Religion, Homosexualität oder Rassen. Aufgrund dieser leisen Stimmung war mir schon zu Beginn bewußt, dass hier für die Masse keine neue Erfolgsstory entsteht. Dafür ist Kreutzer schlichtweg einfach zu gut.

Als ich gestern abend „Kreutzer kommt“ schaute, befanden sich noch 6 weitere Personen in der Wohnung. Diese waren versammelt vor einem kleinen Fernseher und schauten – natürlich – „Bauer sucht Frau“. Das ist sinnbildlich für die drei oben vorgestellten Formate. Der Durchschnitts-TV-Zuschauer braucht entweder jede Menge Action oder soviel menschliche Urtriebe, dass er sogar bemitleidenswerte Landwirte zum Heulen witzig findet.

Dabei – und das ist die große Tragödie des Fernsehens – gehen die wirklich guten Produktionen unter: Ob das nun das gerade auf der ARD laufende „Im Angesicht des Verbrechens“ ist oder beispielsweise der vor kurzem im ZDF gelaufene „Adler“ oder erst Recht auf 3sat oder Arte laufende Produktionen wie beispielsweise „In Treatment„.

„Kreutzer kommt“ ist nicht so gut wie diese Serien. Dafür hatte der Pilot dann doch zuviele Schwächen. Aber es war ein sehr angenehmer Zeitvertreib, intelligente, spannende Unterhaltung und ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung mit deutschen Serien-Produktionen abseits von „Alarm für Cobra 11“. Man sollte dabei vor allem nicht Herbst in die Rolle des Versicherers Stromberg reinstecken. Mit diesem Gag-Wahnsinn hat Kreutzer nun wirklich gar nichts zu tun. Ich bin hoffnungsvoll und guter Dinge, dass ProSieben aus diesem Piloten eine Serie produziert – und wenn es auch nur ist, um zu zeigen: Hallo, wir können auch anders als Klamauk, Casting und Promi-Show. Danke dafür.

Das Wohnzimmer für Singer & Songwriter: TVNoir

Oktober 19, 2010 1 Kommentar

Musiktalkshows sind in Deutschland so rar wie gute Serienformate. Im normalen TV-Betrieb sind sie so gut wie gar nicht zu finden, und man muss schon das Netz zur Hilfe nehmen, um gute Formate zu finden, welche ehrliche, gute Musik präsentieren. TVNoir ist so ein Beispiel, deshalb hier und heute meine Empfehlung für diese wundervolle Show.

Der tontraegerhoerer hatte neulich schon in starken Postings gezeigt, dass es in Deutschland fehlt an Shows wie Taratata oder Later…with Jools Holland. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen, da es nun wirklich nahezu gar keine erwähnenswerte Musikshow mehr gibt, die auf den Punkt spannende und neue Musik präsentiert – und nicht erst seit MTV bald nur Pay-TV sein wird. (Ein positives Ausnahmebeispiel ist ARTE Tracks, welches ich dank DVB-T aber auch nur online schaue…).

Auf die Gefahr hin, dass es schon jeder kennt, möchte ich aber doch ein Format zeigen, welches es verdient hätte, im großen Programm der TV-Sender zu laufen (wenn nicht auch im Öffentlich-Rechtlichen, so doch zumindest auf einem der Privaten). TVNoir ist eine Talk-Show in Berlin, – natürlich in Berlin! – bei der im monatlichen Rhythmus jeweils zwei Künstler zu Besuch sind, die sich einerseits einem Interview stellen, und im Wesentlichen ihre Musik spielen. Dabei sind die Songs vor allem unplugged, mit einer Gitarre begleitet. Die Gäste kommen meist aus dem deutschsprachigen Songwriterbereich, darunter bekannte Namen wie Wir sind Helden,  Selig, Philip Poisel, aber auch komplett unbekannte wie Boy oder Yasmine Tourist, und viele mehr.

Schon länger verfolge ich die Show, immer wieder gibt es absolute Gänsehautmomente, wundervolle Stimmen und oftmals ergreifende Songs. Songwriter-Musik auf Deutsch. Ein witziges Bewertungssystem mit „Küssen“ ermöglicht es auch noch die besonderen Perlen schnell zu finden. Kaum möglich, aber es gibt keine Kritikpunkte: Sympatische Singer, sympatischer Moderator – der auch noch selbst singt– , und klasse Musik. Los, ihr Intendanten, schaut mal her und traut Euch mal wieder was im Fernsehen, hier habt ihr ein super Format!

Da covert Jan Plewka von Selig einen Ideal-Song, und das geht unter die Haut:

Da covert Dominik von Yasmine Tourist „Paranoid Android“ von Radiohead, und das ist phantastisch:

Alin Coen singt ihr letztes Lied und begeistert damit:

Boy spielen ihren Song „July“.  Einfach schön. Fallenlassen und genießen:

Dies soll hier genügen, es gibt dort soviel zu entdecken, soviel Musik zu genießen. Schauts Euch an und geht auf Entdeckungsreise. Und wenn dies hier nun schon jeder kannte, macht es gar nichts. Tolle Musik kann nicht oft genug erwähnt werden. Viel Spaß beim Hören!

Zum Weiterhören: Youtube.VimeoFacebook.

 

LOST – Die größten und besten Momente

Mai 25, 2010 3 Kommentare

Mit dem gestrigen Finale ging die wohl meistdiskutierte Serie unserer Zeit zu Ende: LOST. Eine lange Zeit hat diese Serie mich beschäftigt, angeregt und – ja – abhängig gemacht. LOST-addicted, that’s it. Und ja, ich bin einer der Zufriedenen mit dem Finale. Dieses war nicht überragend, aber sehr, sehr stark. Was bleibt nach 6 Jahren Woche für Woche Spannung ertragen, rätseln und mitdiskutieren?

Ich habe überlegt ein ausführliches Review der Serie, der Season 6 und des Finales zu schreiben. Aber wozu sollte ich das? Über LOST wurde nun wirklich genügend geschrieben, besonders natürlich gestern und heute nach dem großen Finale. (Und dies mit ganz schön unterschiedlichen Meinungen.)

Außerdem trifft zum einen der tontraegerhoerer hier ziemlich exact meine Meinung, zum anderen empfehle ich nur zu gerne die ausgesprochen klugen Reviews von Christian Junkewitz bei Serienjunkies.de.

Warum an dieser Stelle also nicht überlegen, warum mich LOST so intensiv begeistert hat? Warum an dieser Stelle nicht lieber versuchen eine Liste der besten LOST-Momente festzuhalten? Eine Liste dieser Szenen, die im Kopf bleiben, auch nach 6 Jahren. Szenen, in denen LOST herausragte. Szenen, über die man mit Freunden gesprochen und diskutiert hat. Szenen, die Maßstäbe in der Serienlandschaft setzten. Die Szenen, warum man LOST liebt. Die Szenen, warum es süchtig macht.

Natürlich ist es nicht möglich, bei über 120 Folgen LOST und nach 6 Jahren hier alle guten Momente festzuhalten. Es sind die zehn jeweiligen Szenen, die mir hier und jetzt spontan eingefallen sind. Das soll daher auch keine feste Liste sein, weitere Vorschläge und Ideen sind jederzeit willkommen: Nutzt die Kommentarfunktion! Ich freue mich über Eure Anregungen. 😉

Here we go: Aufgeteilt hab ich in 2 verschiedene Kategorien, weil es natürlich schwer ist verschiedene Szenen miteinander zu vergleichen. Einen Versuch ist es aber wert.

[ – Platzierung  (wobei das eher nebensächlich ist) – Season und Episode – Originaltitel d. Episode – Kommentar – ]

Für alle, die noch nicht alle Seasons gesehen haben: ACHTUNG SPOILER! ACHTUNG SPOILER! ACHTUNG SPOILER!

.

Die schönsten, emotionalsten, traurigsten Momente. Szenen zum Mitfreuen und auch zum Mitweinen.

#1: 4 x 05 „The constant“. Desmond ruft Penny an. Wow. Überhaupt phantastische Episode.

#26 x 14 „The Candidate“. Jin und Sun (und Sayid) sterben. Unglaublich berührend.

#3: 1 x 11 „All the best Cowboys have Daddy Issues“. Jack findet Charlie „hängend“. Großes (Serien-)Kino!

#4: 1 x 04 „Walkabout“. Lockes Einführung. Und seine ersten Schritte auf der Insel. „Don’t tell me what i can’t do!“

#5: 1 x 19 „Deus Ex machina“. Locke wird hereingelegt, und verzweifelt an seinem Schicksal. Und dann das Licht. Cut! Vielleicht eine der besten Szenen überhaupt.

#63 x 10 „Tricia Tanaka is dead“. Hurley und der Dharma-VW-Bus. DIE Feel-Good-Szene der ganzen Serie. I love it!

#73 x 22 „Through the looking glass“. Charlie unter Wasser, und „Not Pennys Boat“. Super inszeniertes und trauriges Charlie-Ende.

#81 x 20 „Do not harm“. Mit Boone stirbt der erste Hauptcharakter. Und Aaron wird geboren. Sehr emotional.

#94 x 09 „The Shape of Things to Come“. Keamy erschiesst Alex. Ben guckt zu. Großartiges Acting, tolle (heftige) Szene!

#10: 2 x 08 „Collision“. Wiedervereinigung. Vor allem für Bernard und Rose freut man sich irgendwie unglaublich mit.

.

Die besten WTF-Momente. Szenen, die einen umhauen und überraschen.

#13 x 23 „Through the looking glass, part 2“. „We have to go back!“ – Vielleicht der beste Serientwist ever!

#22 x 20 „Two for the Road“. Michael schiesst auf Ana Lucia. Und dann auf Libby. Und dann auf sich selbst. Uff!

#3: 2 x 01 „Man of Science, Man of Faith“. Die unglaubliche Season 2-Eröffnung mit Desmond. Hier passt alles incl. dem wunderbaren Song.

#44 x 14 „There’s No Place Like Home, part 3“. Bentham ist Locke. Und der ist tot.Klasse Seasonfinale!

#5: 2 x 18 „Dave“. Libby ist in der selben Psychatrie wie Hurley. Berührende Szene vorher – und dann das!

#64 x 14 „There’s No Place Like Home, Part 3“. Ben lässt die Insel verschwinden. „Where’s the hell’s the island?“ „It’s gone.“ – Unglaublich strange.

#7: 3 x 01 „A Tale of Two Cities“. Eine Frau (Juliett) beim Backen, ein Buchclub im Wohnzimmer – und schließlich die Erkenntnis, dass dies auf der Insel ist.

#86 x 01 „LA X 1“. Alternative Zeitlinie, Lostees im Oceanic-Flug 815. Und plötzlich ist die Insel tief unter der Meeresoberfläche.

#9: 5 x 16 „The Incident“. „Always nice talking to you, JACOB!“ Einführung ins tolle Finale der Season 5. Mit intakter Statue.

#10: 4 x 03. „The Economist“. Sayid erschiesst wie aus dem Nichts einen Mann. (ab Minute 3). Ben-Assasin.

(Leider nicht überall Videolinks gefunden.)

.

Das waren sie, meinen spontanen Lieblingsszenen aus 6 Staffeln Lost. (Natürlich könnte man dies beliebig erweitern, zum Beispiel um die besten Acting-Szenen, wo dann sicherlich Michael Emerson und John Terry häufig mit dabei wären.)

Ich werde LOST vermissen. Ich werde den Cast in dieser Form vermissen. Ich werde die Aufnahmen von Hawai’i vermissen, die mich bei jeder Episode an die Orte im Urlaub erinnert haben. Doch jetzt genug der Sentimentalität, viel Spaß mit dem Schauen der größten LOST-Momente! Ich freue mich über weitere Vorschläge und Diskussionen.

TV-Kritik: Unser Star für Oslo

März 13, 2010 1 Kommentar

Oder auch einfach: „Verdammte Scheisse, Oslo, Baby!“

Gestern wurde er also gefunden: der deutsche Teilnehmer des berühmt-berüchtigten Eurovision Song Contest 2010 in Oslo. Es ist wenig überraschend Lena Meyer-Landrut geworden. Die 18-jährige Schülerin aus Hannover setzte sich im Finale gegen die gleichaltrige Jennifer Braun durch. Es war die insgesamt 8. Live-Show von „Unser Star sucht Oslo“, der erstmaligen Kooperation von Privatsender (in Form von Stefan Raab und ProSieben) und den Öffentlich-Rechtlichen (in Form der ARD). Schon in der ersten Show hatte Lena überzeugt und Jury und Fans auf ihre Seite gezogen, und war seither die erklärte Favoritin der Show (machte sich zB unglaublich bemerkbar in den zeitweiligen #lena-ausufernden Tweets in meiner Timeline bei Twitter parallel zu den Liveshows).

Es war gestern abend gegen 22.30 Uhr, als Lena zum dritten Mal(!) ihren Siegerhit „Satellit“ singen darf muss („Jetzt? Darf ich vorher etwas trinken?“) und die älteren ARD-Programmdirektoren vermutlich den Mund nicht mehr zu bekommen: „Baby Baby Baby“, schreit Lena immer wieder, sichtlich fertig mit den Nerven und ihren Gefühlen. Aber es kommt noch dicker: Während einer kurzen Textpause ruft sie „Verdammte Scheisse, Oslo, Baby!“, lässt sich kurz mal erschüttert auf dem Boden nieder, nur um dann weiter „powerfull“ zu singen und am Ende wieder völlig kaputt ihr „Baby“ in das Publikum zu schmettern.

Und vermutlich ist es genau DAS gewesen, was sie letztlich ins Ziel gerettet hat, und nun nach Oslo für Deutschland fahren lässt: Ihre unverwüstlich direkte, ehrliche und natürliche Art. Dieses unglaubliche Lebensbündel mit Sprüchen wie „Mein ganzer Körper ist voll mit kleinen guten Sachen“. Noch im Halbfinale erzählte sie etwas von „Kackwurst in der Hose“, im Finale waren dann ihre Cola- und Fantalippenstifte das Thema und natürlich war alles „voll fett“, „derbe“ und „hart“.

Sind wir doch mal ehrlich als Lena-Sympatisanten: Die beste Sängerin war und ist sie nicht, im Halbfinale wurde dies ganz besonders deutlich. Vor allem Jennifer und auch Kerstin machten ihr gesanglich einiges vor, und auch im Finale hatte Lena in meinen Augen gesanglich das Nachsehen. Aber sie hatte das gewisse Etwas, dieses „Hallo, hier bin ich“, diesen unbändigen Willen und die Lust am Singen. Ihre Konkurrenten und Konkurrentinnen waren im Gegensatz zu ihr nur blass – oder im Falle von Finalistin Jennifer zuviel Mainstream. Ihre Gesangsdarbietungen waren gerade in den beiden letzten Shows herausragend, vor allem im Halbfinale zeigte sie ihre ganze Klasse. Dass Lena trotzdem gewonnen hat, spricht vor allem für die Show und ihr Publikum. Unabhängig wie „wir“ nun in Oslo abschneiden – blamieren wird sich Lena sicherlich nicht. Dafür sind ihre witzige Art, ihre Performance, ihr Auftreten und ihr Charisma einfach zu toll. Ein vorderer Platz ist drin – auch wenn man in der Lotterie ESC keine Tipps abgeben sollte.

Der große Gewinner der 8 Shows verteilt auf Pro7 und ARD heißt nicht Lena, sondern Stefan Raab. Seine Ansage „Hier ist das erste deutsche Fernsehen…“ sorgte für Lachanfälle und USFO sorgte in den vergangenen Wochen nicht nur für ein völlig neues Interesse an dem europäischen Song Contest, sondern auch für echte Musik-Unterhaltung. Die Kandidaten überaus begabt, keine nervigen Video-Einspielungen und der gesamte Fokus auf die Musik, und nur auf die Musik. Leider ist dies auch der größte Kritikpunkt: Sowohl der Spassfaktor als auch die Kritikfähigkeit der Jurymitglieder liessen manchmal etwas zu wünschen übrig. Gerade von Raab hätte ich mir da doch mal in der Summe schärfere, bissigere Sprüche erwartet. Es gäbe sicherlich noch einiges zu kritisieren, – unter anderem die zu sehr in die Länge gezogenen Entscheidungen, überhaupt die gesamte Länge des Castings, nervöse, schlecht gekleidete Hauptmoderatorin, oder die wenig begeisternden Produktionen im Finale – aber unter dem Strich bleibt eine ungewöhnlich gute Castingshow, die viel Spass gemacht hat, und Millionen hat mitfiebern lassen.

Ich mag Lena, und ich mag auch ihre Art (auch wenn ich in ihren Augen schon uralt bin^^), und von mir aus kann sie auch in Oslo „Verdammte Scheisse“ rufen. Lassen wir uns überraschen, ich blicke dem Eurovision Song Contest auf jeden Fall sehr zuversichtlich entgegen – und damit meine ich nicht mal eine gute Platzierung, sondern dass wir ein junges Mädel haben, welches unser Land witzig, fröhlich und selbstbewußt vertritt. Da ist das Ergebnis doch nahezu zweitrangig.

PS: Lena hat mit ihrem Oslo-Song „Satellite“ heute schon einen All-Time-Rekord in den deutschen Downloadzahlen geknackt.

%d Bloggern gefällt das: