Archiv

Posts Tagged ‘Festival’

sonnemondsterne – Das Festival 2012

August 21, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Einmal im Jahr wird die beschauliche Bleilochtalsperre in Thüringen zum Megaevent: Bei Deutschlands zweitgrößtem Festival für elektronische Musik, der sonnemondsterne, tanzten zum 16. Mal bereits tausende Menschen zu Liveacts, DJs und Bands. Ich war auch mal wieder da, und hab mir vieles Gutes angesehen. Ein musikalisches Review.

sonnemondsterne Festival Bleilochtalsperre Saalburg

Schon über eine Woche ist es her, dass ich wieder zurück bin, und erst jetzt finde ich die Kraft etwas zu schreiben. Und auch die Zeit. sonnemondsterne ist eigentlich ein kurzes Festival – nur Freitag und Samstag -, aber zählt es doch irgendwie zu den besonders intensiven. Direkt an Deutschlands größter Talsperre (nach Stauseevolumen in m³) liegt für einige Tage im Jahr ein kleines Musikparadies für elektronische Fans – auch wenn es sich dabei nicht ausschließlich um die kleinen Perlen handelt: Bei sonnemondsterne kommen traditionell einige „Big names„, in diesem Jahr zum Beispiel Fat Boy Slim (der wenige Stunden später bei der Olympiaschlussfeier in London auflegt), die Alt-Rocker The Prodigy oder der neue Superstar am progressiven Mainstream-Dubstep-Himmel Skrillex.

Genauso typisch wie solche Facetten beim Festival in Saalburg ist es, dass ich mich eher für die kleineren Acts interessiere, innovative und inspirierende neue und alte DJs und Bands. Einer der „alten“ Acts, die ich dann doch sehen wollte, war Vitalic. Und der Franzose enttäuschte zumindest mich nicht, auch wenn sein „Live“-Set technisch nur äußerst unterdurchschnittlich war. Doch mit seinen Tracks kriegt er mich immer: Spätestens bei „La Rock 01“ war es um mich geschehen. Viele seiner neuen Tracks wie z.B. Second Lives sind sehr elektrolastig, was vor allem meinen Freunden mißfiel. Rund um Vitalic hörte ich ein bisschen Rush und Chris Liebing zu, und fühlte mich wie vor 10 Jahren. Danach ging es endlich ins Muna-Zelt, die an diesem Wochenende dem Label mit dem schönsten Namen huldigten: Freude am Tanzen. Leider verpassten wir hier Monkey Maffia, doch mit Matthias Kaden hatten wir viel Spaß, vor allem weil auch ER unglaublich Spaß hatte. Einfach sympatischer Kerl. Super Musik sowieso. Danach verschnauften wir in der großzügig angelegten Fress-Mitte des Festivals, wo die Preise leider nicht ganz so großzügig sind. Immerhin: Unsere Pommes sind lecker. Und die Angestellten freundlich. (erlebt man ja auch nicht immer!) Frisch gestärkt gehts zum Cocoon-Tent und rein zu Daniel Stefanik. Obwohl Stefanik ein wirklich astreines Set spielt, wir quasi VIP-Plätze in vorderster Reihe haben und der Spaßfaktor groß ist, finden wir schließlich die Momente, die man sucht und für die man auf Festivals fährt. An der Beach-Bühne feiert der Berliner Club Watergate sein 10-Jähriges Bestehen und glücklicherweise – für uns – macht er das mit einer Function One-Anlage und einem exquisiten Lineup rund um die Uhr. Den Anfang für uns macht das Duo Tale of Us, die im letzten Jahr vor allem durch grandiose Remixe auffielen (z.B. für whomadewhos Every minute alone), aber hier auch durchaus als DJs begeistern können. Richtig fein wird es aber danach mit dem Hamburger Diynamic-Mann H.O.S.H., der über 3 Stunden allerfeinsten House spielt, während wir dabei den größten Spaß haben. Er verzaubert uns mit uns Stücken wie „Raining again“ von Betoko oder „What i might do“ von Ben Pearce, und wir haben mal wieder den größten Spaß des Festivals morgens am Strand. Es ist einfach die perfekte Kombination: Sand, Wasser, gute Musik, und ausgelassene Stimmung, und das stundenlang. Mit den ersten Klängen von Loco Dice hauts uns erstmal in unsere Luxus-Kojen auf dem Campingplatz, wir sind schließlich schon über 12 Stunden am tanzen.

Samstag, also abends, und damit ein neuer Festivaltag. Den Einstieg gibts mit meinen persönlichen Lieblingsnerds von der Insel: Hot Chip sind wieder unterwegs. Die Jungs (und Drummerin) rund um Alexis Taylor und Joe Goeddard haben nach diversen Ausflügen wieder zusammengefunden und spielen ein wie immer erfrischend gutes elektronisches Pop-Set. Für mich das erste und einzige Mal des Wochenendes Musik mit echten Instrumenten, doch wie immer ein Highlight, selbst nach etlichen Live-Erlebnissen, weil immer phantastische Stimmung und tolle Songs. Leider etwas kurz. In der Umbaupause zu Marek Hemmann (live) wollten wir ganz kurz raus auf die Toilette, daraus wurde eine halbe Stunde Anstehen, denn Hemmann war als weiterer Lokalpatriot mit seinem Set so etwas wie der geheime Headliner. Und womit? Durchaus mit Recht. In einem stimmungsvollen, lichttechnisch ordentlichen Main Circus war Hemmann bestens aufgelegt, spielte ein klasse Set, natürlich auch mit einigen seiner großen Hits wie Left oder Gemini. Das hätte gerne länger gehen können. Durch diese tollen Auftritte hatte ich zwar Apparat verpasst, aber die Qualität der Beach-Bühne war sowieso durchgehend so großartig, dass man dort auch gut catz’n’dogz lauschen konnte. Aber nach dem üblichen „Fire works“, welches diesmal durchaus schön und faszinierend war, ging es aber weiter zu Âme auf der Stil vor Talent-Bühne. Für Rej und seine weiteren Arbeiten bleibt das Duo wohl immer einer meiner Favoriten. Leider haben wir da nicht mehr viel gehört, perfekterweise machte aber direkt A critical Mass– und Innervisions-Kollege Henrik Schwarz weiter – ebenfalls live. Obwohl ich hier schon langsam platt war, war das großartig: Tanzen zu Schwarz‘ Gefühl von Musik. Die letzte Stunde unseres Festival-Besuches gönnen wir uns bei Format:B. Knackies Techno-Set, ganz im Stil des Restless-Albums, natürlich auch mit einigen älteren Tracks.

Mehr ging nicht bei mir, auch wenn ich viele andere Acts gerne gehört hätte. Ärgerlicherweise zum Beispiel: Heartthrob, Adam Port, Extrawelt oder den Mainzer Butch. Aber: Das kennen wir ja schon, alles geht leider nie.

Was gab es neben der Musik? Sehr viele nette, chaotische, lustige Menschen. Nirgendwo Stress. Viel gute Laune, viele lächelnde Menschen. Wenig Anstehen, bessere sanitäre Situation als vor einigen Jahren, gute Logistik, sehr ordentliche iphone/Android-App. Alles in allem: Wie immer ein wunderbares Festival, wenn man etwas abseits der ganz großen Acts tanzt und sich mit allem ein bisschen Zeit lässt und sich immer auch etwas treiben lässt – von guter Musik, aber auch von witzigen Momenten. Ich habe zwar auch einige Photos gemacht, aber es gibt ganz wunderbare Shots, zum Beispiel hier und hier. Klickt Euch rein in das bunte Vergnügen.

Danke für 4 wunderbare Tage.

Advertisements

Review: Awake Festival 2011 im Frankfurter Stadionbad

September 19, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Die zweite Auflage des Awake – Summer Breaks fand gestern nicht mehr in der Mainzer Maaraue statt, sondern im Frankfurter Stadionbad. Das Lineup des elektronischen Openairs war dieses Jahr noch ein Stück breiter und internationaler aufgestellt, und damit auch ein würdiger Abschluss der Sommersaison – auch wenn das Wetter nicht so mitspielte wie ein Jahr zuvor.

Einlass Awake 2011

Die Event-Premiere im letzten Jahr war für die Besucher wie mich erstaunlich gut über die Bühne gegangen: gute Stimmung, tolle Organisation, sehr faire Preise, eine tolle Location und wundervolles Sommerwetter. Daran musste sich das zweite Awake messen lassen. Und das Frankfurter Stadionbad war in jedem Falle eine gute Wahl: Ein sehr großes Gelände, weit außerhalb gelegen und wunderschön eingebettet in Wald und alte Zwanziger-Jahre-Bauten.  Leider gings beim Einlass etwas holprig zu. Hier gab es schon fast „Love Family Park-ähnliche“ Zustände, viel zu wenige Security für zuviele Menschen bedeuteten über eine Stunde anstehen, und das Verpassen  von einigen Acts.

Drinnen war es überschaubar: Gelände war angesichts der Besucher fast zu groß. Dies hatte wiederum den Vorteil, dass man nie für Toilette anstehen musste, die Getränke gab es ohne Wartezeit und auch Essen ging zügig und ohne allzulanges Warten. (Auch wenn das Bon-Pfand-System doch manchmal sehr nervt.) Hat alles wunderbar gepasst, die Organisation verdiente sich wie im vergangenen Jahr Bestnoten. Leider stiegen auch die Preise: Getränke und co liegen nun auf dem völlig üblichen (teuren) Event-Niveau (Bier = 4€, Wodka-RedBull 0,2l = 7€.)

Bühnenaufteilung und Sound hat mir persönlich sehr gut gefallen. Die beiden Floors waren weit genug voneinander entfernt, kein Soundgematsche, kein Bassbrei, anständige Höhen und Tiefen, so zumindest mein Eindruck.

Nun aber endlich mal zum wichtigsten: der Musik. Und hier konnte das Awake 2011 richtig punkten. Das Lineup war schon auf dem Papier ziemlich toll, und wurde sogar noch besser beim Hören und Tanzen. Vor allem auf Floor 2 reihte sich ein guter Act an den anderen, hier gab es eigentlich kaum schwächere Sets. Michael Mayer hat mir wie eh und je gefallen, Steffi mit ihrem druckvollem Sound hätte ich gerne noch länger gehört, und Dirty Doering spielt ein wundervolles Set. Als er am Ende sein i would spielt, ist das schon früh eines der Highlights des ganzen Tages. (Verpasst habe ich hier leider Art Department.)

Andy Butler & Wolfram

Auf der Hauptbühne war die Stimmung eher verhalten, hier war das typische Festival-Besucher-Verhalten zu sehen: Gekommen um Kalkbrenner, Rother und co zu sehen, wissen viele nicht, was sie mit anderer, für sie unbekannter Musik anfangen können. Und dabei gab es auch hier tolle Sets zu hören. Jamie XX mit seinem relativ unverwechselbaren Sound zum Beispiel, oder später Butch, der als kurzfristiger Ersatz für Heidi die Menge locker im Griff hatte, und vor allem auch mit seinen eigenen Hits zu gefallen wusste. Meine persönliche Überraschung waren aber Andy Butler (von Hercules and Love Affair) feat. Wolfram (aka Diskokaine): Großartig! Klasse oldschool Musik, witzige Typen, und am Ende des Sets ein ansatzloses, stimmungsvolles Mr. Vain (Erinnerung an jemanden, habs leider nicht verstanden). Fritz Kalkbrenner zieht erwartungsgemäß alle Leute vor die Bühne, löst schön mit den ersten Tönen Begeisterungsstürme aus, – und enttäuscht uns dafür umso mehr. Ähnlich wie der große Bruder ist das zuviel „CD reinschieben“. Schade, nicht mal Live-Gesang – und das obwohl er doch eine wunderbare Stimme hat.

Alles in allem sehr viel tolle Musik, sehr viele gute Tracks und Sets: Man kann dem Awake-Festival zu diesem Lineup nur gratulieren: Es zeugt insgesamt von Klasse und einem guten Gespür für aktuelle Trends. Das „Big Names“ wie Kalkbrenner, Rother oder auch Lexy sein müssen, damit genügend Besucher kommen ist schade, aber aus meiner Sicht verkraftbar. So könnte ich mir durchaus vorstellen, wiederzukommen, vor allem bei einem unschlagbaren Preis für 22€ pro early-bird-Ticket!

Summer-BREAK

Leider spielte das Wetter nicht mal ansatzweise so mit wie letztes Jahr. Glücklicherweise bleib es größtenteils trocken, aber es war ständig unangenehm kalt und windig. Das Sommer-Openair-Feeling blieb daher leider sehr fern. Mit meiner kurzen Hose wollte ich wohl etwas zuviel den nicht vorhandenen Sommer verlängern. 😉

Und trotzdem: Schöner Abschluss der Openair-Saison, für die ich mir im nächsten Jahr mehr Sonne und Wärme wünsche. Und für das Awake 2012 im Speziellen: schnellerer Einlass, Bestätigung des guten Lineups mit neuen, frischen Acts, und noch ein wenig mehr Deko statt Werbe-Ständen 😉

Kinderspielplatz nachtdigital in Olganitz

August 9, 2011 1 Kommentar

Es ist Sommer, das heißt konkret vor allem: es ist Festivalsaison. Seit Jahren war es mein Wunsch, mal das kleine nachtdigital-Festival im Bungalowdorf Olganitz zu besuchen und dort ein Wochenende mit elektronischer Musik genießen. Bei der 1/4 ND 2011 hats dann geklappt. Mein kleiner Bericht mit einigen wenigen Photos.

Manchmal ist es einfach schön, nochmal Kind zu sein. Einfach herumtollen, sich einige Zeit keine Gedanken zu machen und das Leben gerade so zu genießen, wie es gerade ist. Das dachten sich wohl auch die Veranstalter der 14. nachtdigital, und so wurde kurzerhand das sowieso schon schöne Bungalowdorf in Olganitz zum Kinderspielplatz umgebaut. Zum Spielplatz für Erwachsene, zum Spielplatz für elektronische Musik. Mit Kaspertheater, Kuscheltieren, Elefantenrutsche, Wasserschaukel, allerlei Krimskrams und jeder Menge Deko und Sand. Die Einladung zu drei Tagen voller Spaß, guter Musik und endlosen Tanzstunden.

Los gings freitags morgens um halb 6, später mit dem Reisebus weiter bis weit in den Osten. Zurück waren wir exact 3 Tage später, montag morgens um halb 6. Dazwischen lag eine kunterbunte Zeit voll mit tollen Acts, und – wider Erwarten – bestem Festival-Wetter.

Das nachtdigital ist mit seinen 3000 Besuchern (alle Tickets waren innerhalb einer Stunde ausverkauft) so klein und gemütlich, dass genau dies schon zu einem wunderbaren Aspekt des ganzen Wochenendes führte. Immer genügend Platz zum feiern und tanzen (zur Not im Wasser), und überall nette Menschen und gute Stimmung. Zahlreiche Chillmöglichkeiten sorgten dann genau für die richtigen Entspannungsstunden.

Überhaupt die Deko und generelle Umsetzung des Festivals war in meinen Augen sehr gelungen: Neben den ganzen Kinderspielplatz-Aktionen gab es tolle Lichtmotive, es gab frischen Kaffee aus einem VW-Bus-Kaffee-Mobil, und die Toiletten hießen liebevoll „Dixiland“. Kann man alles als Schnickschnack abtun, trägt aber zum positiven Eindruck eines Festivals ungemein bei.

Schnell aber zum wichtigsten Aspekt eines Festivals: der Musik. Und die war gelungen, sei es nachmittags auf der kleinen Seebühne, auf der second-Tent-Stage oder der Hauptbühne. Keinen Act fand ich richtig scheisse (das heißt schonmal was 😉 ), Smith n Hack hatten etwas technische Probleme, Agoria war etwas zu ravig, und der von mir heiß erwartete Auftritt von Gold Panda musste ganz ausfallen: Kurzfristige Absage aufgrund von Krankheit. Die anderen Acts (die ich hörte) konnten dagegen überzeugen: Schon Freitags waren die Dial-Acts im Zelt bei bester Laune, Samstags gefiel mir persönlich Fairmont mit seinem Border Community-Sound ganz gut, Space Dimension Controller hörte ich mir beim Duschen an (diese sind nämlich 20m entfernt von der Mainstage). Prosumer und Dixon (bzw. Amê) hatten in den Morgenstunden zwischen 7 und 11 die Menge vollkommen im Griff und gehörten sicher zu den Highlights. Mein ganz persönlicher Sieger heißt aber Robag Wruhme: In einem wunderbaren 4-Stunden-Set (Oder waren es gar 5?) hat der Jenaer mich so begeistert, dass ich noch heute tanzen könnte. Ähnlich gut, auch von der Grundstimmung der Musik, war dann am frühen Samstag Vormittag bei Traumwetter die Seebühne. Super! Mein Track des Festivals ist übrigens auch ein Wruhme-Edit, und er geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Hier kommt die Sonne!

Alles in allem eine wirklich rundherum gelungene Festival-Premiere, bei der ich mir nur etwas mehr Abwechslung bei den Liveacts versprochen habe, und wünschen würde. Übrigens: analog war dann zumindest das Essen, und das schmeckte richtig gut – zu fairen Preisen. (Auch hier könnte sich so manches Festival eine Scheibe Brot abschneiden.)

Erst am Sonntag morgen bei den letzten Klängen der Hauptbühne um 11 Uhr und später auf der kleineren Seebühne regnete es. (Für das angekündigte Wetter eigentlich ein schlechter Witz.) Das tat der Stimmung aber wirklich keinen Abbruch, und sorgte nochmal für stundenlanges Tanzen. (Video ist nicht von mir):

Fazit: Wundervolles Festival mit viel Liebe zur Musik und zum Detail. Entspannte Menschen, sehr faire Preise (Bier aufm Campingplatz gekühlt: 1€ für 0,5l), viel tolle Musik, und eine schöne Location, natürlich besonders bei solchem Wetter.

(Alle Photos natürlich wie immer von mir, nachts während der Hauptacts hab nicht so Photolaune gehabt 😉 )

Mit Schirm, Charme und Kölsch: Das c/o pop Festival 2011

Nach vielen Jahren hat es geklappt: Ein Besuch auf der c/o pop in Köln – zumindest in Ansätzen. Neben privaten Feiern und Freunden gab es aber immerhin 5 Tage lang eine riesengroße Bandbreite an Musik zu entdecken. Ein Bericht über spannende, charmante Tage mit wenig Schlaf, Regen, und jede Menge Kölsch.

„Your troubles will be faded by the luck you will soon have.“ So warb das Festival um die Zuschauergunst. Und tatsächlich: Bei einem Programm wie der c/o pop werden Probleme nebensächlich, die Leichtigkeit des Seins gewinnt an Oberhand und man vergisst alles neben der Musik. Fünf Tage, 15 Locations und rund 46 Shows, das sind die HardFacts des achten c/o pop Festivals. Zwischen Newcomer und Topact versammelt sich eine illustre Schar zwischen Klassik und Techno, zwischen Jazz und Electronic, zwischen R’n’B und Indierock. Eben alles, was den Pop aktuell gut macht. Da das passende Programm auszuwählen, war gar nicht so einfach.

Der Einstieg mittwochs abends war schnell klar: es ging zu den äußerst verrückten, aber mindestens genauso sympatischen Dänen von whomadewho, die im Gloria-Theater aufspielten. Während ihr Support-Act Kiss Kiss Kiss etwas in schlechter Tonabmischung unterging und von ihrem eigenen Bassgebrei erstickt wurde, waren whomadewho schnell bei der Sache: Irgendwo zwischen Rock und Electronic, alles zwischen Tanzbarkeit und Poppigkeit. Die Dänen bewiesen, dass sie eine  exzellente Liveband sind, die sich äußerst witzig und begeisternd präsentierte.

Eine klassische Rockformation aus Drummer, Bassist und Gitarrist, die aber immer wieder in elektronische Sphären vorstößt und dabei keinen still stehen lässt. Super Einstand. Und übrigens: Nach langer Zeit mal wieder ein Konzert ohne LED-Wand gesehen, und irgendwie war das richtig sympatisch. (Anspieltipp.)

Kulturdeck Aachener

Kulturdeck Aachener

Aufgrund der unglücklichen Pollerwiesen-Verschiebung auf Sonntag ging es Donnerstags an den Aachener Weiher, zum Open-Air Kulturdeck, wo es das ganze Wochenende Musik von diversen Künstlern gab, organisiert von der alten Partyreihe „Playground Love“. Dort konnte man bei leider gemischtem Wetter auf dem Rasen liegen, den Klängen von DJs wie Jennifer Cardini lauschen, sich bei kühlem Kölsch austauschen und ausruhen. Ziemlich schön wars da. Der Abend war eigentlich gefüllt mit Top-Konzerten, doch bei uns war mal Pause angesagt. Den Auftritt von Owen Pallett (mit Apparat als Support!) in der Kölner Philharmonie verpasste ich – eines von vielen Konzerten, die bei der Qual der Wahl herunterfallen. (Darunter auch The Brandt Brauer Frick Ensemble oder Sizarr auf dem Dach des Museum Ludwig.)

Marius Sahdeeq

Freitag hatte ich endlich mal wieder die Möglichkeit das Spielraum-Kollektiv zu treffen und Hallo zu sagen: im „Scheuen Reh“, der Festival-Zentrale, gab es verschiedene Label-Showcases unter anderem von Spielraum selbst, Ki oder Niveous records. Während wir anfangs noch alleine da waren, füllte es sich überraschend bei Fabrizio Cammarata, einem Newcomer-Songwriter, der ehrliche, schöne Musik machte, aber im Kontext des Scheuen Rehs etwas deplaziert wirkte. Der Rest war natürlich überwiegend deep, detroit und danceable (Anspieltipp von Marquese!) und so störte lediglich der Faktor, dass das Wetter wieder nicht wirklich mitspielte, und auch aufgrund des Ordnungsamtes das geplante Openair hier zum Indoor-Event wurde. Nicht weiter schlimm, war das für uns ja nur der Startschuss in eine lange Nacht – am anderen Ufer bei Kompakt.

Dort wartete ein ganzes Dutzend toller Acts, von den isländischen Electropoppern GusGus bis zum dänischen Liveact Kölsch (ja, die heißen wirklich so!), von Veteranen wie Robag Wruhme bis hin zu Kompakt-Co Michael Mayer. Und es sollte eine großartige Nacht werden, trotz zwischenzeitlicher Müdigkeitserscheinungen. Wruhme spielte ein Listening-Set, quasi ein „Thora Vukk“-Spezial als Warmup. Auf der riesigen Bootshaus-Tanzfläche waren neben mir vlt. noch 5 andere am tanzen. Anschließend wurde es lauter, gewaltiger und poppiger: GusGus sorgten für eine doch ziemlich gute Show, auch wenn mir der Gesang nicht immer gefallen hat. Die Instrumental-Teile waren aber extraklasse, und zeigen, dass die Isländer sich immer mehr Richtung Club entwickeln. Sicherlich Geschmackssache wie so Vieles auf der c/o pop, die nun mal vordergründig nach neuen Wegen in der Musik sucht und viel Neues wagt, daher in meinen Augen äußerst gelungen. (Anspieltipp GusGus -live). Im Anschluss konnte man beruhigt tanzen und feiern gehen, bei Acts wie Sascha Funke und Superpitcher blieb kein Bein stehen. Eine Überraschung waren dann aber in der Tat KÖLSCH aka Ink and Needle live, die einen tollen Liveact auf die Bühne legten. Das überragende Highlight der Nacht – und auch des gesamten Festivals – spielte sich aber ab 6 Uhr morgens draußen ab: Kompakt-Aushängeschild Michael Mayer ließ uns Openair tanzen und irgendwann müde und platt aber glücklich ins Taxi steigen. Großartige Tracks, tolle Atmosphäre und draußen: mehr geht eigentlich nicht. (In diesem Zusammenhang: Mayers Compilation Immer 3 von 2010 ist für die Ewigkeit. Kauftipp!)

Samstag war ich auf einer privaten Feier eingeladen, das Festival musste also stoppen. Weiter gings erst Sonntag mit den Pollerwiesen im Jugendpark – und das schon vorneweg: Ich hätte es mir sparen können. Das Deck am Aachener hätte es hier auch getan.

Natürlich geplättet von den bisherigen Tagen waren wir irgendwann zu Pig & Dan im Geschehen und ließen uns von der erstmals am Wochenende scheinenden Sonne verwöhnen. Pig & Dan waren gewohnt gut, doch „Ersatzmann“ Tobi Neumann im Anschluss bot ein tolles Set mit ordentlich viel Bass und war damit der Star des Tages. Zumindest bei mir, denn es war klar, warum soviele Menschen den Jugendpark besuchten: Paul „Icke wieder“ Kalkbrenner kam angeflogen, und der Superstar-Wahnsinn um den einst so sympatischen Berliner kennt auch in Köln keine Grenzen. Als ich mich eine halbe Stunde vor Kalkbrenners Auftritt auf den Heimweg machte, kamen immer noch Leute an, die einfach mal nur PK sehen wollen, und dabei vergessen, dass die anderen Acts viel besser sind. Man kann lange darüber streiten und diskutieren, ob solche Acts nötig sind. Ich kann gerne und bewußt auf solche Massenware verzichten, und letztlich war Kalkbrenner der einzige Act, der nicht so richtig ins ausgewogene, teils experimentelle Lineup dieser Tage passen wollte – auch wenn er da wenig für kann. (Und so kommen dann Leute zu den Pollerwiesen, die auf ein Plakat mit „Richie Hawtin“ schauen und in die Runde fragen, wer das denn seie. Stellt Euch hier bitte einen verzweifelten hulza vor).

Fazit: Danke c/o Pop! Es war wunderbar, spannend und anstrengend. Ich hätte gerne noch viel viel mehr gesehen, und mehr gehört und erlebt, aber irgendwann ist auch mein Akku leer. Doch ich komme gerne wieder. 🙂

//

Bildnachweise: 1. Offizielles c/o pop-Festival Logo: http://www.c-o-pop.de/ – Alle anderen Photos von mir. Unter der by-CC-Lizenz frei verfügbar.

 

Bouq.garden 2011

Im letzten Jahr hatte sich das Mainzer Label bouq. entschlossen, kleine aber äußerst feine Openairs in Mainz zu organisieren. Die Resonanz war gewaltig, alle Termine waren gelungen und es waren herrliche Sommer-Sonntage unter freiem Himmel, mit jeder Menge Musik, netten Menschen und viel Spaß. Nun geht das bunte Treiben weiter. 

bouq.garden (Motiv der 2010-Flyer)

Die Umsonst-und-draußen-Atmosphäre kam sowohl bei mir, als auch bei vielen anderen Fans von elektronischer Musik gut an, die bouq.garden des letzten Jahres waren einfach toll: im beschaulichen Alten Portland, bei Musik von sympatischen DJs und einfach netter, gemütlicher Sommer-Atmosphäre. (Da machte sogar an einem Sonntag der Regen nichts, weil die Overdrive-Crew um Andy Düx das mit einem sensationellen Techno-Special locker wett machte.)

bouq.campus

Gestern die langersehnte erste Auflage in 2011, in leicht veränderter Umgebung: Statt dem alten Portland war es der altehrwürdige Campus der Uni Mainz, mitten vor der alten Mensa. Naturgemäß erreicht so ein Event an der Uni direkt erheblich mehr Menschen, und so wurden aus den einigen Hundert bouq-garden-Besuchern weit über Tausend (gefühlt einige Tausend, über 2000 waren bei Facebook angemeldet).

Bei bestem Wetter sorgten die Bouq.-Macher Amir und Sebastian Lutz sowie Freunde des Labels wie Marco Wahl oder We are Gosh für entspannte Sonntags-Openair-Stimmung. Zwischen Tanzen und Chillen, zwischen Bier und Bratwurst gelang ein perfekter Start in die Openair-Saison. (Leider habe ich keine Bilder oder Videos, die gibts aber sicherlich, werde das hier updaten.)

Und weil der Grundgedanke dahinter so genial ist, und die ganze Crew von bouq. hier so gute Arbeit leistet, gilt es diese ganz in ihrem eigenen familiären Sinne zu unterstützen. Das fällt auch gar nicht schwer, denn bisher war jede Garden-Auflage ein kleiner Knaller. Ich freue mich daher schon sehr auf die angekündigten nächsten Termine des bouq.garden:

First bouq.garden 2011:

15. Mai 2011. Verlegt auf den 22. Mai 2011. Location: das Alte Portland (Event auf Facebook).

29. Mai 2011. Location: ebenso das alte Portland.

Weitere Dates werden demnächst auf bouq.de bekanntgegeben, unter anderem sind wohl auch bouq.garden außerhalb von Mainz geplant. Freuen wir uns auf schöne, sonnige Sonntage bei elektronischer Musik von den Label-Jungs sowie ausgewählten special guests.

// Mein bouq.garden Opening 2010-Bericht.

Awake Festival – Summer Break 2010

September 20, 2010 5 Kommentare

Unglaublich, aber wahr: Mainz hat sein eigenes elektronisches Openair-Festival. Jahrelang haben viele hier darauf gewartet, im Jahr 2010 wurde man dann erst schon von den großartigen bouq.garden verwöhnt, und zum Abschluss der Openair-Saison gabs also den Startschuss für das direkt überregional angelegte Awake-Festival. Konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, daher hier einige Gedanken und Impressionen von mir (Trailer).

Elektronische Openair-Events gibts ja doch einige: Gerade in und um Frankfurt gibts mit dem weltbekannten Love Family Park, Green and Blue, Merkwürdiges Verhalten etc. einige gute Gründe, den Sonntag durchzutanzen. In Mainz sah das anders aus: Von hier aus musste man zumindest den Weg nach Frankfurt antreten. Das sah die Awake-Agentur wohl ganz ähnlich, und zauberte das Awake-Festival aus dem Eventhut. Und dieses sollte gleich in der Oberklasse ankommen: Bei einem Eintrittsgeld von über 30 € (38 € AK) und bekannten Acts wie Paul Kalkbrenner, Anthony Rother, Henrik Schwarz oder Oliver Koletzki (komplette Lineup hier) muss sich das Awake auch jeden Vergleich mit den großen Konkurrenten gefallen lassen.

Den Termin Ende September darf man wohl getrost als gewagt bezeichnen. Sowohl stimmungs- als finanztechnisch ein Risiko, welches für Besucher als auch Veranstalter glücklicherweise wortwörtlich nicht ins Wasser fiel: Den ganze Sonntag perfektes Openair-Wetter, Sonne und nahezu sommerliches Wetter (unglaublich aber wahr: ich habe etwas Sonnenbrand). So waren auch die ersten Stunden geprägt von chilligem Sonnen, und dem ruhigen Sommer-Sound von Acts wie Oliver Koletzki feat. Fran, Robag Wruhme oder Guillaume & the Coutu Dumonts. Das ganze in der wunderschönen Maaraue, welche sicher – gerade bei diesem Wetter – mit der Naturidylle und dem Blick auf die Mainzer Altstadt über den Rhein einen perfekten Rahmen für solche Events bietet.

.

Soundtechnisch waren die ersten Stunden gefüllt mit House, viel Gesang (natürlich gerade mit Fran, die aber besser nur ihre eigenen Stücke singen sollte. Die Stimmen von Mietze oder Axel Bosse sind doch zu charakteristisch. Dies aber nur am Rande!) und ganz viel Soul ( vor allem Wruhme baute viele Samples ein, u.a. Michael Jackson). Kritik zu dieser Zeit: Sound etwas zu leise, zu wenig druckvoll! Das wurde aber später behoben.

Organisatorisch gibts nur ganz wenig zu meckern: Das lief besonders für eine Eventpremiere erstaunlich gut. Ob Einlass, Toiletten, Getränke oder Essen: Man musste zwar anstehen, dafür war alles gut geregelt. Toiletten waren sauber, Essen war lecker, und Bier war schnell und kalt. Dazu ordentlicher Sound, der nur in den frühen Mittagsstunden gerne druckvoller hätte sein können. Alles so wie es sein sollte – aber leider viel zu selten ist. Vielleicht war man über die Menge an Besuchern bei diesem Traumwetter etwas überrascht, so wären zusätzliche Essensstände und Toiletten sicher von Nutzen gewesen, aber haken wir dies mal unter Startschwierigkeiten ab. Insgesamt gesehen gibts für die komplette Organisation eine glatte 1.

Musikalisch wars mir persönlich etwas zu dünn. Ich war aber sowieso entsetzlich müde, so war das „auf-der-Decke-liegen bei elektronischer Musik und viel Sonne“ gerade richtig. Âme auf dem 2. Floor (im Zelt!) spielten dann ziemlich genau meinen Sound, überhaupt war der kleinere Second-Floor eigentlich der Bessere. Zu Gunsten der Sonne und der Gemütlichkeit bliebs aber häufig bei der Mainstage. (Also eigentlich alles wie beim Love Family Park ^^)

Electrolegende Anthony Rother war schließlich der Erste, der die Mainstage richtig auf Touren brachte. („Ey Leuddde, ihr macht mich ja jetzt schon richtig glücklich„. Offenbach halt.)

Im Vergleich z.B. zum Love Family Park fallen mir sofort zwei Dinge ein. Zum einen die fehlende Deko. Das ist nicht unbedingt ein Muss, aber ist doch immer wieder ein Hingucker. Events werden mit Deko im wahrsten Sinne des Wortes bunter, kreativer und gemütlicher. Das Awake-Festival hat da aber immerhin den Vorteil der wunderschönen Location, die sicher nahezu alle anderen OpenAirs topp. Zum Anderen die Musik. Während man bei Sven Väth, Richie Hawtin und co nahezu immer einen aktuellen Überblick auf Releases und Hits bekommt, spielten die Awake-Liveacts vor allem – natürlich – ihre eigenen Sachen. Das ist natürlich schön und gut, aber gerade bei Rother, Lexy oder auch Kalkbrenner war da doch dieses extrem abgenutzte Gefühl im Bauch (gerade Kalkbrenner: Alles schön und gut, alles tolle Tracks, aber derbe abgenutzt, ohne Mixing, ohne Herzblut.). Da hätte ich mir (auf der Mainstage) doch gerne mal einen starken DJ aus den Reihen des 2. Floors gewünscht (wie zB Ewan Pearson oder Henrik Schwarz), der dort mal richtig zum Tanzen einlädt.

Insgesamt gesehen muss ich aber konstatieren, dass es ein wundervoller Sonntag war. 10 Stunden elektronische Musik bei Traumwetter: Wie ein Urlaubstag in der Mainzer Maaraue. Erstes Awake gelungen, bitte mehr davon. Mein Wunsch für weitere Awake: Gerne etwas früher im Jahr, und mit weniger „großen“ Namen und dafür günstiger. Oft ist weniger mehr! Dann könnte sich das Awake als tolle Alternative im Rhein-Main-Gebiet durchsetzen. (Ohne Kalkbrenner hätte man immer noch ein tolles Event gehabt, und dafür Bier, Eintritt, Bratwurst und Pizza für die Hälfte. Aber ja, richtig, vermutlich auch nur die Hälfte der Besucher. Das ist der Fluch der Veranstalter, der Fluch des Hypes.)

Edit: Hier gibts noch 2 recht gute Videos zu den letzten 20 Minuten bei „Paule“ am späten Abend: Teil 1 und Teil 2. Viel Spaß!

Edit 2: Es gibt leider – wie eben in der Presse erfahren – ein Todesopfer. Mutmaßliche Ursache: Drogenkonsum. Das ist sehr traurig, und mindestens genauso dämlich, weil es oft auf die Veranstalter zurück fällt. Hoffentlich hat dies – und die Beschwerden von ewiggestrigen Miesepetern –  keine Auswirkungen auf ein erneutes Festival in der Maaraue.

Review: Melt! 2010, Part 2

Juli 22, 2010 3 Kommentare

It’s number 5, Baby! Nun, grundsätzlich waren es 13, aber für uns war es das 5. Melt!-Festival – 5 Jahre in Folge mit Sack und Pack 500km in den Osten um dort erst 2, und nun 4 Tage Musik zu hören, zu genießen und zu feiern. 5 Jahre Melt! – das ist auch Entwicklung und Fortschritt in fast jeder Beziehung. Wo man aber auch immer ansetzt: Melt! ist ein ganz starkes Festival und als großer Lichtblick in der Festivalkultur nicht wegzudenken. Mein Review zum 13. Melt!-Festival 2010 in Ferropolis, der zweite Teil.

Bagger im Sonnenaufgang, samstags.

Es ist Samstag morgen, es regnet in Ferropolis. Wir liegen in unseren Zelten und genießen diesen Schauer, denn die Hitze der Vortage machte schlafen nahezu unmöglich. Die Hitze ist schnell genug wieder zurück.  Bootfahren auf dem See, Grillen und die letzten Reste des Trockeneises machen den Tag sehr angenehm.

Irgendwann wieder zum Festival. Es ist schon später, auch wir merken: der 3. Tag ist oft der härteste. Doch die munteren Schweden von Miike Snow lassen uns mit ihrem eingehenden elektronischen Pop schnell wieder wachwerden. Tolle mitreißende Show, so gefällt mir ein Festivaleinstieg. Danach gehts weiter zu dem Mann mit dem beneidenswerten Namen: Matthias Tanzmann. Und da ist nomen=omen. Wunderbarer Techno, wie man ihn vom Leipziger gewöhnt ist. Das geht immer, und endlich sind wir auch mal länger an unserer eigentlichen Lieblingsbühne: die Big Wheel Stage. Direkt danach einer meiner Favoriten: Joris Voorn. Könnte ich stundenlang hören, da gibts nichts auszusetzen. Wir zogen aber noch während seines Sets weiter, um einen Blick auf die New Yorker Rasselbande von Hercules and Love Affair zu werfen. Das hat sich mindestens für „Blind“ gelohnt. Zwischenzeitlich musste man auch einfach mal stehen bleiben oder sich setzen, um die Location auf sich wirken zu lassen. Die Bagger waren wieder einmal perfekt in Szene gesetzt, zusätzliche Strahler und Laser sorgten für Gänsehautmomente. (Kein Wunder, dass whomadewho ihre offizielle Melt!-Hymne nach den Baggern benannt haben…). Großes Lob an die ganze Technik da vor Ort, das war weltklasse. Ein nettes Gimmick war auch die LED-Wand mit Tweets zum Hashtag #meltfestival. 😉

.

Aufgrund eines Slot Changes verpasse ich so leider den hochgelobten – und kritisierten – Auftritt von Videoausnahmekünstler Chris Cunningham. Immerhin gibts danach DJ Shadow zu sehen, der mit einem extrem funkigen Sample-Set und ausgefeilten Visuals zu meinen persönlichen positiven Überraschungen zählt. Highlight der Nacht dann trotz aller guten vorherigen Auftritte: Moderat (Bild rechts)! Modeselektor zum Zweiten, dazu an Gitarre, Mikrofon und technischen Hilfsgeräten: Apparat. Und schließlich obendrauf gute Gastsänger. Bass, Bass, Bass, Sonnenaufgang und gute Stimmung: Großartige Atmosphäre. Ein bisschen klingelt der Bass immer noch in meinen Ohren. (Leider kann das kein Video widerspiegeln 😉 )

.

Organisatorisch hat sich das Melt! seit 2006 bis heute erstaunlich gut weiterentwickelt. Im ersten Teil sprach ich schon die Busse an, man könnte etliches dazufügen: Informationspolitik (iPhone Application mit Pushservice, Running Order groß auf dem Festivalgelände, etc.), Geländeaufteilung (geht wohl kaum besser: ideal!), Technik (Sowohl Ton als auch visuel: 1A. Abzug gibts für Big Wheel: Da gabs 2009 den klareren, besseren Klang und die schönere Bühne!), oder Campingbereich (Mehr Klos, Dixies wurden regelmässig geleert) und vor allem der Bereich Umwelt und Sauberkeit. ENDLICH (!) gabs ein Müllpfand. Ich hatte 4 Jahre lang fast Tränen in den Augen beim Verlassen des Campingplatzes in diesem Naturschutzbereich(!) und habe mich für Mit-Besucher geschämt. Das war dieses Jahr um Längen besser, auch wenn dafür langes Anstehen beim Müll der Preis war. Doch das kann man gar nicht genug herausheben: Bitte weiter so mit „Melt! goes green!“. Dazu wären übrigens auch mehr Mülleimer von entscheidender Bedeutung! Und wenn dann noch Duschen und Klo im Preis inbegriffen sind, kann wohl kaum einer noch meckern. (Und die ewig Meckernden darf man sowieso nicht ernst nehmen: Die würden auch bei einem perfekten Festival – welches es nie geben wird – etwas zum Aussetzen haben. Traurig!)

Müllberge ohne Ende. Dafür endlich sauberer...

So sähe es nämlich ohne Müllpfand -fast- überall aus...

.

Der chilligste Teil des langen, intensiven Melt!-Wochenendes hat man irgendwann sonntags nachmittags erreicht. Vor allem, wenn die Sonne bei wolkenlosem Himmel erbarmungslos brennt. Man weiß, der Großteil liegt hinter einem, es wartet nur noch der relativ entspannte Sonntag. Und das ist einerseits gut so, andererseits ist (incl. Sleeplessfloor) auch Sonntags wieder rund um die Uhr Musik angesagt, und mit dem einen oder anderen Highlight garniert. Eines davon verpasse ich leider aufgrund der – in meinen Augen unmöglichen – frühen Startzeit: Kings of Covenience. Schade! (Dazu empfehle ich die Highlightsvideos von 3min., inbesondere dazu das von Sonntag.) Aber Get Well Soon sorgte dann auch bei uns für einen schönen Sonntagseinstand. Noch besser allerdings: Broken Bells. Ich liebe diese Band einfach, ihre tolle Musik war zu diesem frühen Zeitpunkt das i-Tüpfelchen auf das Wetter und unsere Stimmung.

Broken Bells, sonntags, Main Stage

Anschließend hatten wir eine Menge Spaß bei Riton, bevor uns Alison Goldfrapp in ihren Bann zog. Unglaublich, was die mit ihren 44 Jahren noch eine Show abzieht. Das Großartige am Sonntag ist vor allem, dass alles weniger stressig ist: Viele Besucher sind schon abgereist, das Gelände ist dadurch freier, weiträumiger und – ja, auch – chilliger. So war es wunderbar am Sonntag Abend die Musik der Hauptbühne, die Abendsonne und das Melt!-Feeling zu genießen. Das sind die Augenblicke, die mich so reizen auf Festivals zu fahren.

Das Highlight am Sonntag dann wohl Massive Attack. Vor 2 Jahren war ich von ihnen mal eher enttäuscht gewesen, diese Erinnerung war aber schnell vergessen: Wummernder Bass, herrliche Klänge, dazu eine sehr fordernde, politische LED-Show mit viel nachdenkenswertem Text, und obendrauf natürlich noch ein paar Klassiker wie „Teardrop“, oder „Unfinished Sympathy“, alles mit tollen GastsängerInnen. Wunderbar, ein würdiger Festival-Headliner.

Leider, leider verblieb es uns verwährt beim offiziellen Melt!-Schlusspunkt whomadewho zu lauschen. Warum auch immer – aber diese spielten im Intro!-Zelt. Reinkommen nicht mehr möglich (Gut, dass man sich das komplette Set nun hier anhören kann.). Da herscht sicherlich Verbesserungsbedarf, insbesondere wenn alle anderen Bühnen dicht sind.

Fazit:

Mal wieder ein unbeschreiblich tolles Melt!-Festival. Es gibt immer wieder etwas zu kritisieren, aber muss man wirklich jede Kleinigkeit bemängeln? Muss man nicht, man kann und sollte sich an großartigen, wunderbaren Acts und perfekter Atmossphäre erfreuen. Dazu gabs Wetter wie aus dem Bilderbuch, überall freundliche Menschen und eine insgesamt positiv überraschende Organisation. Ich bedanke mich für 5 unglaublich tolle Jahre Melt! in Ferropolis! Ein Wiedersehen wird es zumindest 2011 nicht geben, auch ich möchte mal meinen Horizont erweitern 😉

Hier gehts zum ersten Teil des Reviews: Melt! 2010.

Danke Melt!

%d Bloggern gefällt das: