Archiv

Posts Tagged ‘Florence and the machine’

Florence and the Machine live in Frankfurt

Dezember 17, 2012 3 Kommentare

Erst zwei Alben und schon gefühlt ein Weltstar. Florence Welch ist schon jetzt eine Marke, und sie kann damit mittlerweile auch bei uns größere Hallen füllen. Ein Bericht vom wundervollen Konzert am 2.12.2012 in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Live in Frankfurt, Jahrhunderthalle

Miss Welch ist gerade 26 Jahre alt, doch wenn sie in ihren Kleidern Kostümen auf der Bühne erscheint, wenn sie ihre Stimme durch die Hallen peitscht, wenn sie eine rundum perfekte Show abzieht, denkt man sie wäre eine wesentlich ältere Dame. Erst wenn sie immer wieder hüpft und springt und schreit und animiert, kommt der jugendliche Wahnsinn etwas durch. Dann ist Florence in ihrem Element, dann reißt sie ein ganzes Publikum bis zu den letzten Plätzen mit. Dass Florence and the Machine wahnsinnig gute Shows abliefern, wusste ich schon von Freunden – und natürlich auch von anderen Aufzeichnungen, wie hier beim Glastonbury. Also wurde es Zeit, und glücklicherweise war das Ende der European-Tour fast vor der Haustür*. (*in Konzertsprache: weniger als eine Stunde Anfahrt.)

Den Support übernehmen – wie bei allen Konzerten der Tour – Spector, eine britische Indie-Band, die schon vor ihrem Debüt-Album in die Ehren der Auswahl der BBC-Acts des Jahres kamen. Und gar nicht mal zu Unrecht: Guter Sound, interessante Lead-Stimme (erinnerte uns etwas an Editors-Frontman Tom Smith), und wirklich gefälliger Gitarrenrock. Das ist in der Tat eine nette Vorband, der man gerne zuhört. In ihr Debüt-Album  aus dem August muss ich dringend mal länger reinhören.

Danach herrscht eine ungewöhnlich lange Umbau-Pause, die manch quengeliger Fan gar schon mit Pfiffen quittiert, doch als die ersten Klänge von Only if for a night erklingen, ist dies vergessen. Denn Florence and the Machine sind von der ersten Sekunde voll da. Das Publikum braucht etwas länger, aber spätestens mit dem zweiten Song What the water gaves me sind alle mit dabei. Frau Welch steht am Bühnenrand, und singt, ja manchmal möchte man fast schreien sagen. Aber das ist es nicht: nichts bei ihr klingt gepresst. Ihre Stimme ist selbst bei den unangenehmen Höhen und Längen ausgeglichen. Beeindruckend. Immer wieder rennt sie von einer Seite der Bühne zur anderen, animiert die Gäste bis zu den letzten Sitzplätzen auf der Tribüne, tanzt ausgelassen – nur um im nächsten Augenblick wieder still zu stehen und die ruhigen, magischen Momente des Konzertes beinahe andächtig hervorzuheben, wie beispielsweise in der Piano-Version von Leave my Body.

Das ist vielleicht das Großartige an Florence and the Machine. Die Mischung aus gnadenlos ausuferndem Pop-Song, tanzbaren Stücken und etwas so Stillem wie hier zu hören. Und schon eine Sekunde später ist sie mit ihrem Radio-Hit Shake it Out schon wieder auf Durchdreh-Modus. Zwischendurch fordert sie bei Rabbit Heart (Raise it up) alle auf sich gegenseitig auf die Schultern zu nehmen, bei der ewig langen Zugabe The dog days are over schreit sie in die Menge und springt anschließend mit dem Publikum um die Wette. Das Schöne an all dem: Man merkt der Band, den Sängerinnen und ihr den Spaß auf der Bühne an. Und das überträgt sich schnell auf alle. Das sind die Konzerte, welche einem später in positiver Erinnerung bleiben. You’ve got the Love ist da nur eines von vielen schönen Highlights.
Ziemlich genau 1:45 h war die Band auf der Bühne incl. aller Zugaben, und die hatten es sowohl zeitlich als auch stimmungsvoll in sich. Spectrum war toll, und dog days are over dann die großartige Krönung eines sehr guten Konzertes.

Die ganze Setlist des Konzertes:

1. Only If for a Night  2. What the Water Gave Me 3. Drumming Song  4. Cosmic Love  5. Bird Song (Intro) 6. Rabbit Heart (Raise It Up) 7. You’ve Got the Love  (The Source cover) 8. Lover to Lover  9. Heartlines  (acoustic) 10. Leave My Body (piano version) 11. Shake It Out  12. No Light, No Light

Zugabe: 13. Sweet Nothing  14. Spectrum 15. Dog Days Are Over

Gar nichts zu meckern? Eigentlich nichts, aber nun ja: Der Ton in der Jahrhunderthalle war leider alles andere als optimal. Mehr als einmal sehr übersteuert. Da erwarte ich mir als Konzertbesucher einfach etwas mehr Professionalität – kann aber auch Wunschdenken sein.

Ansonsten großes Lob: wunderbarer Abend mit dieser wahnsinnigen Frau auf der Bühne. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Florence and the Machine gesehen habe.

Platten des Monats. April 2012.

Mai 8, 2012 2 Kommentare

Leider etwas verspätet gibt es heute meine Lieblingsplatten des vergangenen Monats, und damit meine ultimativen Musikempfehlungen für den Monat April. Mit dabei etwas Mainstream-Folk aus Island, Blues-Rock aus Alabama und traumhafter Dubstep aus London.

Burial muss ich Lesern dieses Blogs wohl nicht mehr vorstellen – zu oft schon habe ich von dem jungen Londoner William Bevan geschwärmt. Seine neue „Kindred„-EP gehörte eigentlich schon in die Märzvorstellungen, denn erschienen ist sie Ende Februar, doch da hatte ich dies verpeilt. Daher hier: Umso eindrücklicher. Denn das britische Dubstep-„Wunderkind“, wie er seit den Meisterwerken „burial“ & „Untrue“ immer wieder genannt wird, ist mit einer großartigen EP zurück.

Was gibts?
Wo Burial draufsteht, gibt es zu 100% traumhaften Dubstep, voller atmosphärischer Tiefe, die einen als Zuhörer in einen Sog reißt und nicht so schnell frei lässt. Kein anderer schafft solche Spannungen in einem einzigen Track. Liebe!

Anspieltipp: 

Bei 3 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von 30:43 sollte man das schon als Ganzes fassen, aber bitteschön: Ashtray Wasp.

.

Irgendwann hörte ich „Hold on“, und ich verliebte mich sofort: In diese Stimme, die mich fast schlagartig an Janis Joplin, oder vielleicht auch eine Aretha Franklin erinnerte. Dazu diese Blues-Gitarren und dieser feine Rock-Rhythmus, zu dem man fast sofort lostanzen will. Die Alabama Shakes überzeugten mich quasi sofort. Das Debütalbum Boys and girls, was im April nun erschien, ist sehr gelungen.

Was gibts?

Southern Blues-Rock, und dazu eine große Prise Soul. Der vor allem durch die markante Stimme von Sängerin Brittany Howard geprägt wird, und der leicht im Kopf bleibt. Sie ist der Garant für ein gutes Album.

Anspieltipp:

Natürlich der Opener Hold on. Was für ein Song.

.

Mainstream muss nicht immer schlecht sein. Das beweisen aktuell die Isländer von Of Monsters and Men. Ihre Single „Little Talk“ ist sogar in Deutschland weit oben in den Charts und dudelt sogar im Radio. Meistens kein gutes Zeichen, doch Of Monsters and men machen einfach guten Pop, wunderbaren Indie-F0lk. Sicher: Ihr Debütalbum „My Head is an animal“ ist nichts Neues, aber einfach eine gute Platte.  Musik aus Island – immer wieder wunderschön.

Was gibts?

Folk-Rock, der an die Mumford and Sons, aber durch die beiden (männlich und weiblich) Gesangparts vor allem an Arcade Fire erinnert. Im Stile dieser Bands liefern die Isländer hier ein eingängiges Indie-Album, zu dem sich bestens mitsingen und tanzen lässt. Lalalalalalala.

Anspieltipps: Neben der oben genannten Single vor allem From Finner, Six weeks und das ruhige Love Love Love.

.

Was gabs sonst noch gutes? 

  • Das Coachella-Festival begeistert mit Auftritten von At the Drive in, Radiohead oder Modeselektor feat. Thom Yorke. Alle Auftritte waren im Netz zu sehen, sind aber leider alle wieder raus.
  • Jack Whites erstes Singlealbum „Blunderbuss“ ist eine wirklich nette Retrorock-Geschichte. Kann man durchaus empfehlen, zB „Love is Blindness“.
  • Florence and the Machine war bei „MTV Unplugged“, und überzeugt dabei vor allem mit ihrer Interpretation von Johnny Cashs „Jackson“, das sie zusammen mit Josh Homme vorträgt. Das ganze Album ist nun erhältlich und wie gewohnt bei Frau Welch sehr stark.

Lieblingsplatten im Herbst. Teil I: Frauenpower

Dezember 2, 2011 3 Kommentare

Es hat sich etwas angestaut: Die Lieblingsplatten der letzten Wochen sind seit August nicht mehr erschienen, deshalb gibt es hier (und in den nächsten Tagen) ein Special aus zwei Paketen mit meinen liebsten Alben des Herbstes (September-November). Am Anfang sollen dieses Mal die Frauen stehen, die mit beeindruckender Präsenz meinen Herbst mitprägten. Viel Spaß nun mit meinen Tipps, wie immer äußerst subjektiv und ohne Gewähr.

Abseits der ganz großen Superstars Rihanna, Lady Gaga oder auch Frauen wie Björk (deren neues Album vernachlässigbar ist) und dem neuen Hype-Sternchen Lana del Rey (zugegeben: bezaubernd! Die Lippen!) gibt es mittlerweile soviele tolle Künstlerinnen, dass man kaum hinterherkommt, alles zu hören. Hier nun 5 Alben, die mich begeistert haben, jedes irgendwie auf seine eigene Art und Weise – und die dabei alle so großartig sind, dass ich ein wenig hadere kaum etwas kritisieren zu können 😉 (Danke auch nochmal an André, der mir nochmal die nötige Motivation gab.)

.

Florence and the Machine - Ceremonials

…proudly present the next Superstar. Wenn sie es nicht schon ist. Ich glaube, dass Florence and the Machine das Zeug für die ganz großen Bühnen dieser Welt hat. Ich muss zugeben: Bei dieser Frau kann ich schlecht objektiv sein, zu sehr liebe ich ihre Stimme. Ihr neues Album ist nicht der ganz große Wurf wie sein Vorgänger „lungs“, aber nichsdestotrotz ein ziemlich perfektes Pop-Album. Sicher, ein wenig zu pompös, manchmal etwas zu dick, aber ich kann mich dem großen Pathos nicht entziehen.

Was gibts?

Wenig Überraschungen, dafür großartig sehnsüchtige Melodien, tolle Klänge und darüber Miss Welchs herausragende Stimme.

Anspieltipps:

Ich mag sehr gerne What water gaves me und Never let me go. Aber auch Lover to Lover ist toll. Sehr empfehlenswert auch ihre Live-Coverversion von Drakes Take Care.

.

Laura Marling - a creature i dont know

Und wie unterschiedlich Songwriting am Ende klingen kann, hören wir dann im Gegensatz zu Florence bei Laura Marling. Hier sind es nicht die großen, sondern die kleinen Gesten. Wenn die erst 21-Jährige Britin mit den weißen Haaren mit ihrer Gitarre singt, bleibt ein bisschen die Welt stehen. Marling versteht es mit wunderbaren Kompositionen ganz eigenartige verzaubernde Songs zu schreiben. Nach ihrem 2010er Werk „I speak because i can“ schon wieder ein tolles Album. Und dabei klingt sie, als würde sie seit 30 Jahren Folk-Musik machen…

Was gibts?

Songwriting pur, große Portion Folk und ein bisschen Pop, wunderschön und ausdrucksstark gesungen.

Anspieltipps:

Sophia und The Muse. Beschwingt dann auch mal mit All my Rage (hier live).

.

Dillon - this silence kills

Für mich aus dem Nichts kam dann plötzlich Dillon daher. Auf Ellen Alliens Bpitch Control erschien in den letzten Wochen das Debütalbum der 23-Jährigen  Dominique Dillon de Byington, wie sie mit vollen Namen heißt. Nach vielen unveröffentlichten Songs im Netz und vielen Konzerten nun also ein Album mit insgesamt 12 sehr ruhigen, harmonischen Liedern. Manchmal ruhig, manchmal sehr verspielt, dann wieder aufbrausend: Ich habe mich schnell verliebt in dieses Werk.

Was gibts?

Völlig ruhige Pop-Tracks, elektronisch, sonderbar arrangiert und reduziert, und immer das gewisse Etwas, welches einen immer wieder vollkommen überrascht. Erinnert manchmal an Lykke Li.

Anspieltipps:

Da kommt dann sowas bei raus wie das völlig strange Tiptapping. Wunderschön ist Thirteen Thirtyfive.

.

Dear Reader - Idealistic animals

Nochmal Berlin, nochmal deutsches Label (City Slang): Cherilyn MacNeil, Frontfrau von Dear Reader, ist nun mit dem selbigen Namen solo unterwegs. Doch obwohl ihre Songs ähnlich ruhig wie die Dillons sind, ist ihre Musik ganz anders. MacNeil schafft hier ein Album zum Träumen und Zuhören, auch weil sich glückliche und traurig-betrübte Lieder abwechseln. Ihr „man“ ist dabei ist das „Idealistic animal“ und alle anderen Songs sind nach Tieren benannt. In dieser Tierwelt erschafft Dear Reader ein geradezu ergreifend schönes Album, was nachhallt und wohl länger bleibt.

Was gibts?

Zeitlos schöne Musik, die sich erst beim mehrmaligen Hören richtig erschließt. Arthouse-Pop auf tollem Niveau. Noch besser als die „normalen“ Songs: Die Acoustic-Versionen auf der Doppel-CD.

Anspieltipps:

Monkey (Go home now) (acoustic version), und Elephant (hearter). Aktuell ist sie bei TVNoir gewesen, und hat dort schöne Songs wie Whale gesungen und war dabei äußerst sympatisch.

.

Feist - metals

Leslie Feist ist in dieser Runde nicht nur die Älteste, sondern vermutlich auch die weltweit Bekannteste. Spätestens seit ihrem famosen 1234 kannte sie (fast) jeder. „Metals“ ist nun – nach langer Kreativpause – ihre dritte LP. Über sie ist nahezu alles gesagt, alle haben über sie geschrieben, und ich schließe mich da einfach verspätet an und sage: Toll gemacht, Frau Feist.

Was gibts?

Hochwertige Singer/Songwriter-Ware mit jede Menge atmosphärischem Klang unterlegt. Mal geheimnisvoll, mal düster, mal fröhlich. Immer schnell im Ohr, und da bleibts auch. Woah woah.

Anspieltipps:

Der Opener The Bad in each other und der Ohrwurm How come you never go there.

.

Teil 2 dann schon bald, auch definitiv wieder mit viel mehr Männern, versprochen 😉

%d Bloggern gefällt das: