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Posts Tagged ‘Four Tet’

Platten des Monats. März 2011

April 1, 2011 3 Kommentare

Und schon wieder ist ein Monat vorbei, und damit Zeit die beste Musik der vergangenen Wochen vorzustellen. Gab unheimlich viel Neues im März, ich wurde nahezu erschlagen von Musik. Lange nicht alles ist gut genug für diese Rubrik, und damit viel Spaß mit meinen ganz persönlichen, subjektiven Highlights des Monats.

elbow - build a rocket boys!

Schön, wenn man eine Band noch nicht auf dem Zettel hat, und dann durch ein neues Album umso mehr überrascht wird. Elbow liefern mit ihrem 5. Studio-Album „Build a rocket boys!“ ein wunderbares Frühlingswerk ab, voller toller Songs und schönen Arrangements – und nicht zuletzt einer vollen, kräftigen Tenorstimme von Guy Garvey. Das gefällt mir alles ausgesprochen gut, großartige Platte und damit mein Highlight des Monats.

Was gibts?

Insgesamt eher die ruhige Variante von Rock, doch immer wieder gibts auch nettes Gitarrenrumore. Tolles Songwriting, und auch soundtechnisch ist alles 1a.

Anspieltipps: Open arms und Neat Little row.

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The naked and the famous

Indie-Stürmer aus dem fernen Neuseeland. Wie The naked and the famous es geschafft haben mit ihrem ersten Album schon hier Bekanntheit zu gelangen, wissen wohl nur sie selbst. Nicht zu letzt sicher aufgrund des Hypes um ihre Single „young blood“, die ja vermehrt in der Werbung lief. Und tatsächlich, der Hype ist durchaus zu recht da: Die Neuseeländer legen ein erfrischendes, aufregendes Werk hin, und schmeissen neben der Single noch so einige Hochkaräter raus auf die Bühnen dieser Welt.

Was gibts?

Kurzweiligen Indie-Rock, elektronisch abgemischt, zwischenzeitlich fast schon Synthiehymnisch. Ob die Band auch in 2 Monaten noch aufregend ist? Wer weiß das schon. Aktuell machen sie viel Spaß und garantieren Ohrwürmer.

Anspieltipps: Die schon älteren All of this und Punching in a dream, die ersten Nummern des Albums.

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Burial ist zurück. Nach 3 Jahren ohne jegliche Veröffentlichung (Live-Auftritte hatte er ja leider noch nie!) war er innerhalb von wenigen Tagen gleich mehrmals Thema. Erst kam es mit Kieran Hebden alias Four Tet und Thom Yorke zu einer Art Supergroup des Pop mit einer 12″-Veröffentlichung, und kaum später gab es eine neue Burial-EP mit drei neuen Tracks (u.a. Street halo). Vor allem aber EGO / MIRROR ist wieder so eine wundervolle kleine Perle (Was kann auch sonst herauskommen, wenn 3 der genialsten Musiker unserer Tage zusammen arbeiten?). Ein bisschen triphop-lastig fast schon. (Ein Blick in die Zukunft von Radiohead?)
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Bodzin & Romboy - Luna

Lange ist es her, dass ich ein richtiges Techno-Club-Album vorgestellt habe, aber „Luna“ bringt wirklich alles mit, was ich von einem Rave-Abend erwarte. Stephan Bodzin und Marc Romboy sind seit Jahren feste Größen im Clubbusiness, vor allem Bodzin gefiel mir live in kleinen Clubs durch seine ausgeklügelten und witzigen Live-Sets (Rekorder!)  immer wieder sehr gut. Gemeinsam arbeiteten sie erstmals mit der „Luna“-EP 2005 zusammen, um dann 2006 einen gewaltigen Hit zu landen, der damals für viel Gänsehaut sorgte: Phobos.  Nun, über 5 Jahre später erscheint mit „LUNA“ ihr Debüt-Album, was man aber zurecht eher als  Bestandsaufnahme des bisherigen Schaffens sehen kann. Auf 3 CDs gibt es die größten Hits, u.a. in sogenannten Synthapella-Versionen ohne Percussions, und zahlreiche Remixe von Produzenten-Größen wie Joris Voorn, Moritz von Oswald, Chris Liebing, Dominik Eulberg,  Oliver Huntemann, Pan-Pot, Abe Duque, Martin Buttrich, Gui Boratto, Gregor Tresher und und und. Mit insgesamt über 5 (!) Stunden Musik ist hier alles dabei, was Bodzin und Romboy heute ausmacht. Ausgemachte Clubmusik, nicht mehr, aber auch vor allem nicht weniger.
(Wie das Ganze dann live ausschaut, kann man hier schön im Pariser REX sehen.)
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Was gabs sonst noch Gutes?
  • Bibio hat mit „Mind bokeh“ ein neues Album auf Warp rausgebracht: Songwriting etwas verrückt in elektronischen Sphären. Ich bin da noch nicht ganz durchgestiegen, aber es ist durchaus interessant. (Hier als kompletter Album-Stream).
  • Die Editors veröffentlichten eine Collectors Box-Edition, die passenderweise „unedited“ heißt, und randvoll ist mit vielen Songs. Ich hab viel Editors in den letzten Tagen gehört ,)
  • Von The National gibts ein neues Video, das Video ist eher so lala, aber weil ich den Song so sehr mag, darf das Video hier jetzt noch hin:
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Die Top-Alben des Jahres 2010

Dezember 22, 2010 7 Kommentare

In den letzten Tagen und Wochen konnte man ja nun wirklich auf nahezu jeder Seite, die sich mit Musik beschäftigt, die Jahresbestenlisten lesen, hören, diskutieren, bestaunen oder bewundern. Da möchte ich natürlich nicht fehlen, und präsentiere hier nun auch schon vor Weihnachten meine Alben des Jahres 2010.

Ich habe mich schwer getan mit dieser Liste. Im Gegensatz zu manch anderer Meinung bin ich mit dem Musik-Jahr 2010 mehr als zufrieden. Insgesamt habe ich fast 500 (!) verschiedene Alben gehört, oder zumindest angehört. (Dank Last.fm kann man sowas auch schön nachschauen, ohne dies irgendwie mitzuzählen…^^). Das ist eine riesige, und kaum zu fassende Anzahl – und dennoch ist dies nur ein Bruchteil der releasten Alben im Jahre, daher kann und will ich auch nur ganz persönlich beurteilen und bewerten. Alles andere würde auch nicht dem Sinn einer völlig subjektiven Liste gerecht werden.

Beim Erstellen der Liste ist mir klar geworden, dass ich, obwohl es viel tolle Musik gab,  weder einen ultimativen Song im Kopf habe, geschweige denn ein Album, welches alles überragt. Es gab und gibt kein Album 2010, was sich erheblich absetzt, und nur so kann man auch meine Top 30 hier verstehen, da viele Platzierungen letztlich willkürlich sind, aber ich hoffe insgesamt ein grobes Bild meines Jahres abzugeben. Bewertet habe ich nach a) persönlichem Geschmack, b) Häufigkeit des Hörens (Last.fm!) und c) dem qualitativen Anspruch an die Musik (insbesondere der Leistung, evtl. etwas völlig Neues zu wagen). Dabei fallen natürlich auch Alben heraus, die grundsätzlich gelungen sind, beispielsweise Jamie Lidells „Compass“, Massive Attacks „Heligoland“ oder auch Tocotronics „Schall und Wahn“, aber letztlich hats für die vorderen Plätze nicht gereicht. (Hoffentlich hab ich nicht allzuviel vergessen 😉 )

Das meistgehörte Album in reiner Titelanzahl bei mir war übrigens The XX mit XX. Das ist aber Ende 2009 herausgekommen und fällt damit natürlich durchs Sieb.

Jetzt aber genug gelabert, viel Spaß mit meiner Jahresabschlussliste!

 

Plätze 30-21:


30. Super Flu – Heimatmelodien

29. Yeasayer – Odd blood

28. Vampire Weekend – Contra

27. Twin Shadow – Forget

26. Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy

25. Goldfrapp – Head First

24. The Divine Comedy – Bang Goes The Knighthood

23. Hundreds – Hundreds

22. Aufgang – Aufgang

21. Two doors cinema club – Tourist History

 

Plätze 20-11:


20. Delphic – Acolyte

Indie trifft Rave. Alles schon gehabt, aber irgendwie doch ganz gut. Live eine Bank! Tipp: Doubt

19. Deerhunter – Halcyon Digest

Ambient Punk sagen sie selbst. Was auch immer das heißen soll. Empfehlenswert! Tipp: Helicopter

18. Mount Kimbie – Crooks & Lovers

Mein liebstes Dub-Album des Jahres. Äußerst gelungen, bis aufs Cover. Tipp: Before i move off.

17. The National – High Violet

Die schönste Bariton-Stimme des Jahres. Geheimtipp, der gar kein Geheimtipp ist. Tipp: Sorrow

16. Mumford & Sons – Sigh No More

Folk at its best. Wunderbarer Sound. Das ganze Album immer wieder von vorne. Tipp: Little lion man

15. Chilly Gonzales – Ivory Tower

Meine große Überraschung: Piano, Piano, Piano. Dazu angenehme Stimme. Tipp: The Grudge

14. Shout Out Louds – Work

Die Indie-Gute-Laune-Rocker für mich schlechthin in diesem Sommer. Tipp: Fall Hard

13. Gisbert zu Knyphausen – Hurra! Hurra! So nicht.

Bestes deutschsprachiges Album 2010, ja, auch vor den Fotos. Tipp: Kräne

12.  Hot Chip – One Life Stand

Gnadenlos gute Liveband, Album nur unmerklich schlechter. Tipp: zB. I feel better.

11. Joanna Newsom – Have One on Me

Eine Frau, eine Harfe, und unglaubliche Musikwelten. Ihre Stimme muss man aber mögen. Tipp: Good Intentions Paving Company

Plätze 10-1:

10. Trentemoeller – Into The Great Wide Yonder

Anders Trentemoeller hatte ein Problem: Wie ein Jahrzehnt-Meisterwerk toppen? Das 2006er Werk „Last Resort“ zählt zu den größten Ereignissen der nuller Jahre. Geht nicht, dachte der Däne zurecht und brachte nun eine völlig andere Art des Pop-Songs auf sein neues Album. Das kann erwartungsgemäß nicht an den Vorgänger heranreichen, besticht aber dennoch durch tolle Tracks, die ein bisschen einsam, ein bisschen traurig sind, aber den Platz in meinen Top 10 definitiv verdient haben.

Anspieltipps:

Tide & …even though you’re with another girl

 

 

 

9. Robyn – Body Talk

Manch einer wird verdutzt schauen, was macht Robyn hier? Nun ja, in der Tat ist dies kein unglaubliches Werk, aber die junge Schwedin ist für mich die Pop-Diva des Jahres. Ke$ha, Lady Gaga und co können hier einpacken, denn so klingt weiblicher Pop 2010. Die Body Talk-Reihe verdient auch aufgrund ihrer drei (!) Alben übers Jahr verteilt dann auch schließlich hier mindestens einen Platz, weil sich auf den 3 EPs doch viele tolle Popsongs verbergen, und zwar sowohl Mainstream-Radio-tauglich, als auch für den Club oder zuhause. Ein Lob nach Stockholm, der Live-Besuch steht noch aus.

Anspieltipp:

Hang with me. (acoustic)

 

 

 

8. Röyksopp – Senior

Im August schrieb ich: „Röyksopp back to the roots: Ohne Gesang, zurück zum melancholischen instrumentalen Wahnsinn. Sehr atmosphärisch, sehr düster, traumhaft schön. Ein bisschen Jean Michael Jarre auf skandinavisch.“ Dies kann ich auch ein halbes Jahr so noch stehen lassen: Es ist dieser intrumentale Wahnsinn, der sich auch erst nach und nach erschließt, aber im Gesamten ein großartiges Album ergibt. Hat mir viele tolle Stunden Beistand geleistet. Es ist düster und doch zum Davonschweben. Größer als der Happy-Vorgänger „Junior“.

Anspieltipps:

The alcoholic & The drug

 

 

 

7. Jónsi – Go

Sigur Ròs-Sänger Jónsi auf Solopfaden. Anfangs fehlte mir das Düstere, was die isländische Band so besonders macht, dieses dunkle. Aber Jónsis fröhliches Album ist dann doch richtig gelungen, es sind Songs, die mitreißend und fesselnd sind. Vor allem live wurde aus diesem Album ein umwerfendes Werk: Zweimal gesehen in 2010, zweimal verzaubert. Besonders als Gesamtkonzeption mit der visuellen Gestaltung eins der positiven Beispiele für Frontmänner solo: Hey, es geht doch! (Übrigens gibts seit Anfang Dezember ein Live-Album der Tour, was genauso empfehlenswert ist!)

Anspieltipps:

Boy Lilikoi & Tornado

 

 

 

6. Four Tet – There Is Love In You

Kieran Hebden alias Four Tet ist einer der umtriebigsten Künstler der elektronischen Szene, irgendwie hat man das Gefühl, dass er fast überall seine Hände im Spiel hat. Mit „There is Love in you“ gelingt ihm ein phantastisches Album, was in nur wenigen Rückblicken fehlt. Es ist Musik für die Couch, aber auch für die Festivals, bei denen er großartige Livesets spielt. Es sind diese Melodien, die einen nicht mehr loslassen. Ganz großes Werk.

Anspieltipps:

Angel Echoes & Plastic People

 

 

 

 

5. Broken Bells – Broken Bells

Über das gemeinsame Projekt von Danger Mouse aka Brian Burton und den The Shins-Sänger James Mercer ist vieles gesagt wordem, und eigentlich ist alles gesagt: Herausgekommen ist ein perfektes Album mit einer ganzen Menge von schönen Liedern. Bin etwas verliebt in dieses Album, und die Top 3 hat es auch nur verpasst, weil es hier nicht wirklich Neues gibt. Burton als musikalisches Genie, dazu die tolle Stimme von Mercer: Passt. Live im Sonnenuntergang gesehen, und dahingeschmolzen. Wunderbar.

Anspieltipps:

Song 1-10. Aber besonders: The High Road

 


 

 

4. Gorillaz – Plastic Beach

Die Gorillaz hatte ich anfang des Jahres ganz sicher nicht auf meinem Schirm, und das Album bietet auch sicher nicht viel Neues, aber bei insgesamt 16 Tracks gabs halt doch so manchen Hit, und irgendwie hat das Album mich nach und nach voll überzeugt. Braucht etwas Zeit, dann kriegt man die Melodien nicht mehr aus dem Kopf. Damon Albarn macht seinem Ruf des Genies wieder mal alle Ehre. Spätestens im Herbst nach der BBC1-Livesession hatte es mich gepackt.

Anspieltipps:

On a melancholy hill & stylo

 

 

 

 

3. Arcade Fire – The Suburbs

„The Suburbs“ besonders toll zu finden war 2010 nicht so schwierig: Das dritte Arcade Fire-Album war sicherlich DAS Konsens-Album des Jahres. Und zu gutem Recht: Das Album und seine 16 Songs sind unglaublich vielfältig, reif, und klingen dabei auch noch so verdammt gut. Man möchte Meisterwerk schreien. Ja, wenn denn die Vorgänger nicht genauso gut (oder besser) wären. Alleine für die Entdeckung von „Funeral“ muss ich „The suburbs“ danken. Auch sonst bleibt ein verdienter Platz auf dem Treppchen: Was für eine wundervolle Band! (Hoffentlich wird sie nicht zum verheizten Stadion-Act!)

Anspieltipps:

Ready for start & Sprawl II (Mountains beyond mountains)

 

 

 

2. Pantha du Prince – Black Noise

Hendrik Weber ging für dieses Album in die Berge und nahm allerlei mögliche Töne auf. Diese hat er dann in aufwendiger Arbeit zu Tracks verbastelt und versampelt und damit das vielleicht experimentellste Techno-Album des Jahres veröffentlicht. Diese Tracks nehmen einen mit auf eine Reise, es ist ein bisschen Kopfkino, wenn diese Platte bei mir läuft. Es sind Sonderlichkeiten und Besonderheiten, die dieses Album absolut hörenswert machen. Und vielleicht weil es kein gewöhnliches Club-Album ist, und mit sovielen Facetten daherkommt, hat es mich im Sturm erobert. Schon früh deutet sich an, dass es weit oben laden würde.

Anspieltipps: Welt am Draht & Stick to my side

 

 

 

1. Caribou – Swim


Ich habe lange gegrübelt ob der tatsächlichen Nummer 1. Fast jedes Album innerhalb der Top 10 lag mal vorne, selbst Joana Newsoms Welten waren für einen Platz 1 wie geschaffen. Aber: Was bleibt wirklich von diesem Jahr? Was bleibt hängen? Und im Endeffekt geht dann bei mir kein Weg vorbei an Daniel Snaiths Projekt Caribou und seinem zweiten Album „Swim“. Im Februar in meinem Player gelandet, im April Album des Monats, neuer Hochschwung nach einem Konzert im Juni, und am Ende des Jahres nochmal ein Konzert in Deutschland plus das Remix-Album mit tollen Remixen von Koze bis Holden, von Junior Boys bis Gold Panda. „Swim“ hat mich über das ganze Jahr begeistert, mal mehr, mal weniger. Aber schon für den Versuch des Experimentes Popsongs durch die Geräuschemaschinerie zu drehen ist Platz 1 verdient. Snaith packt hier in kaum zu greifende Klangwelten völlig unterschiedliche Genres wild zusammen, steht immer ein bisschen zwischen Wahnsinn und Genie. „Odessa“ und „sun“ kannte am Ende des Jahres fast jeder Musikbegeisterte, Tracks wie „Kaili“ ließen ein bisschen die 90er Jahre aufleben, während „Hannibal“ wieder nah dran an House ist, war bei „Lalibela“ fast schon Ambient erreicht (mit den wiederkehrenden Vocals aus „Kaili“, groß!). Spannungsreichtum, facettenreich und live gewaltig. Nachteilig wirkt sich aus, dass manchmal hier schon zuviel gewollt wird, und es teilweise arg in psychodelische Hippie-Musik verfällt, aber selbst das kann ich bei der Menge an Hits verkraften. Ob verdient oder nicht, Herzlichen Glückwunsch an Daniel Snaith für Platz 1 in meiner Jahresbestenliste.

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Bei Vinyl Galore gibts die Top of the Blogs-Aktion mit den top10-gekürten Siegern. Auch eine tolle Liste, ein Blick lohnt sich.

Platten des Monats: September

September 30, 2010 7 Kommentare

Immer am Ende des Monats: Die kleine Kolumne zu den besten Platten des Monats. Aus allen Bereichen der musikalischen Vielfalt. Nur meine Lieblingsalben aus vielen Angehörten. Natürlich äußerst subjektiv. Immer. Und gnadenlos naiv, weil es natürlich noch viel mehr gute Musik gibt, die ich gar nicht wahrnehme. Völlig wurscht: Hier sind sie, meine Platten des Monats September. Und noch ein bisschen mehr Musik.

Chilly Gonzales - Ivory Tower

Chilly Gonzales ist einer dieser umtriebigen Musiker, denen einfach alles gelingen will. Rappen, Produzieren, Singen, Klavier spielen. Und tausend Dinge mehr. Weltrekordkonzert (27 Stunden live). Duett mit Helge Schneider! Und nun ein neues Album mit dem Blick aus dem Elfenbeinturm, welches er von Boys Noize produzieren lässt. Boys Noize? Genau, eben jener (Kid) Alex Ridha, der mehr für stumpfen Rave und Krawallplatten wie ‚Power‘ bekannt ist. Das Ganze ist übrigens auch der Soundtrack zum Film „I am Europe„, welcher bald in die Kinos kommt.

Was gibts?

Klavier ohne Ende, fröhliche Samples, beatlastige Jazzmomente, Songwriting, Dramaturgie, Ambient, Bassdrums, Rap, Gesangseinlagen,  Glückseligkeit. Dieses Album ist so vielseitig, unglaublich. Am besten selbst hören. Mein Album des Monats!

Anspieltipps:

Der Masse bekannt ist „Never Stop“ – durch die „magische iPad“-Werbung. Mein Lieblingssong aber (bisher) ist „The Grudge“. Ungewöhnlich, aber großartig. Toll übrigens auch der Dirty Doering-Remix von „I am Europe.“

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Hundreds - Hundreds

Via Vinyl Galore habe ich Hundreds entdeckt. Ein Hamburger Geschwisterpaar, welches mit unglaublich sphärischem Pop-Songwriting auf sich aufmerksam macht. Mit „Hundreds“ gabs dieses Jahr ihr Debütalbum. Und das ist so gut, dass ich sie innerhalb weniger Tage ins Herz geschlossen habe. Es ist diese unwirkliche Ruhe, die in ihren Songs liegt, die einen nicht mehr loslässt. „Musik für den Stillstand“, wie Vinyl Galore so schön beschreibt.

Was gibts?

Total minimalistische Musik. Klangwelten am Synthesizer. Irgendwie surreale Musik, die einen sehr in den Bann zieht. Eine wundervolle Stimme, die die Songs gefühlvoll unterlegt. Wunderschön.

Anspieltipps:

„I love the harbour“ und „Lets write the streets“ (hier in der Live-Version).

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Chromeo - business casual

Chromeo - business casual

Ich hatte Chromeo zwar schon länger auf dem Radar, aber irgendwie landeten sie immer ein bisschen in der Frenchhouse-Ecke, vermutlich aufgrund von Spielzeiten auf dem Melt! ,) Tatsache aber ist: Die beiden Jungs aus Montreal und New York haben ein hevorrragendes, sehr funkiges neues Album herausgebracht: „Business Casual“.

Was gibts?

Ein wunderbares Abzappelalbum. Viel elektronisches natürlich, dafür aber auch viel Funk und Soul. Ganz anders, als ich eine Chromeo-Platte erwartet hätte. Ich mags, und kann nicht mal genau sagen warum.

Anspieltipp:

Da empfehle ich doch mal eine recht neue, großartige Live-Version von „Night by night“ bei David Letterman.

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Darüber hinaus gibts noch einige Alben, aus denen mir Einzelstücke sehr gut gefallen, die aber den Platz bei den Besten nicht ganz verdient haben. Dazu gehört zum Beispiel Underworlds „Barking“, welches tanzbar ist und viel gute Laune verstrahlt, aber insgesamt nicht an den tiefergehenden Vorgänger „Oblivion with Bells“ mit dem genialen „beautiful burnout“heranreicht. Genauso wenig warm geworden bin ich bisher mit Superpitchers „Kilimanjaro“, mehr schon mit Johannes Heils „Loving“. Vielleicht kommt das alles noch.

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Die nächste Band am Indie-Himmel? Vielleicht ja eine deutsche Band aus Viersen. Die Vorschusslorbeeren für Beat!Beat!Beat sind hoch. Klingt auf jeden Fall recht frech, hiermit die Empfehlung für alle Indiehörer auf der Suche nach Neuem (Debütalbum erscheint Ende Oktober.): Beat! Beat! Beat! – we are waves (Video vimeo).

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Unbedingt empfehlen möchte ich aber die Remixe von Trentemøllers tollem Song „Even Though You’re With Another Girl“. Kollektiv Turmstrasse und Pantha du Prince in Bestform. In Kombination mit Trentemøller ein Traum. (Leider nicht online zum Anhören gefunden.)

Wenn wir schon bei Remix-Empfehlungen sind, sollte man auch die aktuell veröffentlichen Four Tet-Remixe erwähnen. Vor allem der Caribou-Remix von „angel echoes“ ist grandios.

Außerdem ist der neue Track von Moderat der absolute Kracher, hier live auf der Berliner Volksbühne. „can’t stop listening“ triffts ganz gut.

Am Schluss bleibt noch eins: die Prämierung des besten Album-Covers 2010. Jaja, ich weiß, dass noch einige Monate kommen werden, dieses Cover hier wird aber sicher nicht mehr übertroffen.

Weezer mit ihrem Album "Hurley"

Review: Melt! 2010, Part 1

Juli 20, 2010 2 Kommentare

It’s number 5, Baby! Nun, grundsätzlich waren es 13, aber für uns war es das 5. Melt!-Festival – 5 Jahre in Folge mit Sack und Pack 500km in den Osten um dort erst 2, und nun 4 Tage Musik zu hören, zu genießen und zu feiern. 5 Jahre Melt! – das ist auch Entwicklung und Fortschritt in fast jeder Beziehung. Wo man aber auch immer ansetzt: Melt! ist ein ganz starkes Festival und als großer Lichtblick in der Festivalkultur nicht wegzudenken. Mein Review zum 13. Melt!-Festival 2010 in Ferropolis.

Photo von Stephan Flad (Intro, Melt!) - Alle anderen Photos von mir.

Es ist heiß in Ferropolis. Es ist Donnerstag, und die erste große Anreisewelle schweppt über den Campingplatz des Melt!. Während das Wetter in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger eine Katastrophe war (man erinnere sich an den Abbruch Freitag Nachts 2009), meinte es der Wettergott schon ein wenig zu gut. Keine Wolken und fast zu heiß. Vor allem für Luxuscamper wie uns, die meinen, sie müssten wirklich alles mitschleppen, ist diese Hitze für Schleppen und Aufbau schon hart gewesen. Doch das sollte sich noch auszahlen: Unser Pavillon wurde als Schattenort benutzt, das Trockeneis war als Eiswürfelfach und Kühlschrank nahezu unersetzlich und das Schlauchboot ist bei diesen Temperaturen auch eine willkommene Abwechslung. Camping beim Melt! ist sowieso so eine Sache: Weit entfernt vom Auto, weit entfernt von richtiger Wiese, weit entfernt von sauberen sanitären Anlagen. Aber seien wir auch mal ehrlich: All das gehört auch ein bisschen zu einem Festival dazu. Wenn man also erstmal die weite Anreise, das lange Schleppen und die Stoppeln auf den „Wiesen“ verdaut hat, und das erste kalte Bier auf ist, kann man sich auf ein wundervolles Lineup freuen. (Zum ersten Mal hätte ich die Möglichkeit gehabt auf dem VIP-Campingplatz zu zelten, aber was bringt mir Luxus, wenn ich meine Freunde nicht dabei haben kann/darf?)

Der Donnerstag Abend war immer so etwas wie das fröhliche Auftauen des Campingplatzes, mit verschiedensten Partys überall, und vor allem der Audiolith-Posse als großer, inoffizieller Eröffnungsrave. Diesmal etwas Neues: das Melt! hatte die Audiolith-Jungs einfach alle eingeladen auf dem Gelände ihre Party zu schmeissen – was diese natürlich gerne machten. Mit Egotronic ravten die Menschen also gegen Deutschland, mit Frittenbude, Bratze und Saalschutz gabs ebenso auf die Rave-Mütze: Ein großer Pferdemarkt war geboren. Nicht schlecht, aber meiner Meinung nach auch nicht überragend, aber das sehe ich rein musikalisch so: Andere feierten die Jungs ab wie nichts zuvor. Gute Stimmung garantiert, ein erster Blick aufs Festival – und dazu noch eine Veranstaltung für einen guten Zweck, alles super!

Vor der Mainstage bei Shout Out Louds am frühen Freitag Abend

Während es freitags nahezu unerträglich heiß wurde, war der Badesee – mal wieder – Gold wert. Die dortige Abkühlung war genau das Richtige, und der Startschuss in einen neuen, den ersten richtigen Festivaltag. Los gings auf der Mainstage mit den Shout Out Louds, die am frühen Abend bei noch hochsommerlichen Temperaturen die Main-Stage tanzen ließen. Wunderbare Musik, aber vor allem wunderbares Wetter, perfekt für den ersten Ausflug auf einen der Bagger: Dort oben hatte man nicht nur den Rundumblick aufs Festival, sondern als Extra-Gimmick war eine kleine Bühne aufgebaut, auf der kleine oder größere Künstler unplugged spielten. Das war überraschend und großartig. Bitte mehr davon 😉

Der große Vorteil des Melt!-Festivals ist auch direkt sein größter Nachteil: Die riesige Bandbreite an guten Acts mit Musik von Freitag nachmittag bis Montag morgen- und zwar durchgehend(!). Das klingt erstmal gut, in der Realität scheitert man aber einfach daran, alle tollen Acts zu sehen und zu hören, einfach weil man nicht in der Lage ist, alles zeitlich hinzubekommen (natürlich ganz zu schweigen von der überkommenden Müdigkeit). Das ist schade, weil man so manchen Act verpasst, den man sehr gerne gesehen hätte. Aber ich möchte mich nur wenig darüber beschweren, das ist ein echtes Luxusproblem. (Einige wundervolle Live-Shows verpasst, andere gesehen: Alles geht LEIDER nicht. Hier auch nur Auswahl der gehörten Acts.)

Two Door Cinema Club und Delphic direkt in Folge waren dann unser richtiger Einstieg in der Gemini-Stage. Gut, dass TDCC vom Intro-Zelt verlegt wurde, selbst hier platzte die Stage aus allen Nähten: Stimmung garantiert, bei beiden Acts. Delphic fand ich vielleicht den Tick besser, kann aber auch daran gelegen haben, dass ich dabei mehr im Getümmel war. Ich liebe die Gemini-Stage für ihre Stimmung, quasi als brodelnder Herd unter allen Melt!-Bühnen. Ausufernde Ekstase, das war schon 2006 bei meinem ersten Auftritt von Hot Chip so, das war auch hier nicht anders.

In der Geministage. Party garantiert.

Direkt im Anschluss den Klängen von Jònsi lauschen – in der mittlerweile perfekten, lichterstarken Atmosphäre der Hauptbühne. Wenn die Bagger visuell in Szene gesetzt werden, dann entsteht es erst so richtig: Dieses schöne Melt!-Feeling, die Verbindung von toller Musik und wohl einzigartiger Location. Jònsi war genau wie in Barcelona  auf dem Sònar wunderbar. Für mich ganz klar ein großes Highlight! Danach verpassten wir The XX, weil wir eine Durchschnaufpause brauchten, dankenswerterweise gab es genau da den Auftritt von Four Tet an der Beach-Bühne. Perfekter Chillen geht wohl kaum. Immer noch müde schauten wir uns anschließend die Show von Kele an. Musikalisch vielleicht das schwächste, was ich am Melt gehört habe. Eine Verwurschtelung von Dancefloor-Beats und Bloc-Party-Klassikern. Aber: Man muss Kele zugute halten, dass es eine 1A-Show war. Die Stimmung war bestens.

Zurück zum Strand war aber schnell die Devise, denn dort spielten Modeselektor., die gleich eine ganze Bühne kuratiert hatten, vor allem mit jungen – natürlich – Dubstep-Acts. Modeselektor spielten ein gewohnt gutes Set: ordentlich viel Bass und tanzbarer Dubtechno. Hat mir außerordentlich gut gefallen! Dagegen war die groß angekündigte Show „Feat. Bonaparte“ eher ein schlechter Witz. Auf Teufel komm raus lustig sein und Unsinn treiben kann nicht jeder und sollte auch nicht jeder machen. Liebe Modeselektor: Darauf könnt ihr gern verzichten, macht weiter mit eurer Musik! Letztlich war Modeselektor feat. Bonaparte die große, einzige Enttäuschung des Wochenendes.

Blick auf die Beach-Bühne, von Modeseletor kuratiert. (Freitag Abend im Sonnenuntergang)

Auffallend schon an den ersten beiden Tagen: Die riesige Anzahl an ausländischen Besuchern, allen voran Briten und Niederländern. Gefühlt waren es 60% nicht-deutschsprachige, real waren es 30% aller Besucher aus über 20 Ländern von allen Kontinenten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, als mich die Briten mit ihrer auffallenden Art desöfteren genervt haben, war ich 2010 vor allem begeistert von der friedvollen, respektvollen Stimmung untereinander und den spontanen Gesprächen, z.B. mit einem holländischen Converse-Team beim Steak-Abendessen auf(!) einem der Bagger. Außerdem wäre es ohne die Briten und ihre verrückten Modetrends ja fast schon langweilig: Über wen sonst sollte man lachen, wenn schon kaum jemand negativ auffällt und sogar die Security freundlich ist? 😉

Apropos erfreulich: Die Bus-Shuttles zwischen Camping und Gelände haben das erste Mal in 5 Jahren richtig funktioniert. Kurzes Anstellen, maximal 2-3 Buse abwarten (5-10 Minuten) und weiter gings. Das war nahe dran an der Perfektion, die ist übrigens erreicht, wenn der Bus für alle Camper dort weit unten auf halber Strecke am Ferropolis-Schild halten würde. Toll, dass die Festival-Organisation hier dazugelernt hat.

Abgesehen davon konnte man sich aber auch einfach am Sonnenaufgang über dem See erfreuen und sich auf sein „Bett“ freuen. Auch ich sage nun „Gute Nacht“, weiter mit Teil 2 gehts schon bald!

Hier gehts zum zweiten Teil des Reviews Melt! 2010.

Burial + Four Tet

= himmlisch!

Bekennender Burial-Fan bin ich ja schon länger. Four Tet ist auch sehr cool. Und jetzt haben die beiden Briten gleich mal eine 12″ zusammen rausgehauen. Und das ist so toll, dass es Platz für einen Post hier haben muss. De:Bug fasst das super zusammen, daher erlaube ich mir mal dort zu klauen, denn besser könnte ich es nicht ausdrücken:

Ganz anonym, ganz unprätentiös, ganz killer. Was wie ein Standard-Shuffle aus Köln beginnt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem der lockersten Stücke des Himmels aller Zeiten. Mit leisen Sidekicks in den Vocals von Burials Solo-Arbeiten und einer gemeinsamen Liebe zu Techno, die bei beiden viel zu selten durchblitzt. Ganz unscheinbar, wie ganz selbstverständlich. Die B-Seite dann deutlich komplexer, viel eindeutiger in Burials Welt angsiedelt, viel undurchsichtiger und erst spät in voller Blütenpracht ist der perfekte Gegenpol zu der schüchternden Euphorie der A-Seite: Perfekter kann man eine 12″ nicht komponieren.

Hier die Video-Hörprobe zu „moth“:



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