Archiv

Posts Tagged ‘Frankfurt’

Florence and the Machine live in Frankfurt

Dezember 17, 2012 3 Kommentare

Erst zwei Alben und schon gefühlt ein Weltstar. Florence Welch ist schon jetzt eine Marke, und sie kann damit mittlerweile auch bei uns größere Hallen füllen. Ein Bericht vom wundervollen Konzert am 2.12.2012 in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Live in Frankfurt, Jahrhunderthalle

Miss Welch ist gerade 26 Jahre alt, doch wenn sie in ihren Kleidern Kostümen auf der Bühne erscheint, wenn sie ihre Stimme durch die Hallen peitscht, wenn sie eine rundum perfekte Show abzieht, denkt man sie wäre eine wesentlich ältere Dame. Erst wenn sie immer wieder hüpft und springt und schreit und animiert, kommt der jugendliche Wahnsinn etwas durch. Dann ist Florence in ihrem Element, dann reißt sie ein ganzes Publikum bis zu den letzten Plätzen mit. Dass Florence and the Machine wahnsinnig gute Shows abliefern, wusste ich schon von Freunden – und natürlich auch von anderen Aufzeichnungen, wie hier beim Glastonbury. Also wurde es Zeit, und glücklicherweise war das Ende der European-Tour fast vor der Haustür*. (*in Konzertsprache: weniger als eine Stunde Anfahrt.)

Den Support übernehmen – wie bei allen Konzerten der Tour – Spector, eine britische Indie-Band, die schon vor ihrem Debüt-Album in die Ehren der Auswahl der BBC-Acts des Jahres kamen. Und gar nicht mal zu Unrecht: Guter Sound, interessante Lead-Stimme (erinnerte uns etwas an Editors-Frontman Tom Smith), und wirklich gefälliger Gitarrenrock. Das ist in der Tat eine nette Vorband, der man gerne zuhört. In ihr Debüt-Album  aus dem August muss ich dringend mal länger reinhören.

Danach herrscht eine ungewöhnlich lange Umbau-Pause, die manch quengeliger Fan gar schon mit Pfiffen quittiert, doch als die ersten Klänge von Only if for a night erklingen, ist dies vergessen. Denn Florence and the Machine sind von der ersten Sekunde voll da. Das Publikum braucht etwas länger, aber spätestens mit dem zweiten Song What the water gaves me sind alle mit dabei. Frau Welch steht am Bühnenrand, und singt, ja manchmal möchte man fast schreien sagen. Aber das ist es nicht: nichts bei ihr klingt gepresst. Ihre Stimme ist selbst bei den unangenehmen Höhen und Längen ausgeglichen. Beeindruckend. Immer wieder rennt sie von einer Seite der Bühne zur anderen, animiert die Gäste bis zu den letzten Sitzplätzen auf der Tribüne, tanzt ausgelassen – nur um im nächsten Augenblick wieder still zu stehen und die ruhigen, magischen Momente des Konzertes beinahe andächtig hervorzuheben, wie beispielsweise in der Piano-Version von Leave my Body.

Das ist vielleicht das Großartige an Florence and the Machine. Die Mischung aus gnadenlos ausuferndem Pop-Song, tanzbaren Stücken und etwas so Stillem wie hier zu hören. Und schon eine Sekunde später ist sie mit ihrem Radio-Hit Shake it Out schon wieder auf Durchdreh-Modus. Zwischendurch fordert sie bei Rabbit Heart (Raise it up) alle auf sich gegenseitig auf die Schultern zu nehmen, bei der ewig langen Zugabe The dog days are over schreit sie in die Menge und springt anschließend mit dem Publikum um die Wette. Das Schöne an all dem: Man merkt der Band, den Sängerinnen und ihr den Spaß auf der Bühne an. Und das überträgt sich schnell auf alle. Das sind die Konzerte, welche einem später in positiver Erinnerung bleiben. You’ve got the Love ist da nur eines von vielen schönen Highlights.
Ziemlich genau 1:45 h war die Band auf der Bühne incl. aller Zugaben, und die hatten es sowohl zeitlich als auch stimmungsvoll in sich. Spectrum war toll, und dog days are over dann die großartige Krönung eines sehr guten Konzertes.

Die ganze Setlist des Konzertes:

1. Only If for a Night  2. What the Water Gave Me 3. Drumming Song  4. Cosmic Love  5. Bird Song (Intro) 6. Rabbit Heart (Raise It Up) 7. You’ve Got the Love  (The Source cover) 8. Lover to Lover  9. Heartlines  (acoustic) 10. Leave My Body (piano version) 11. Shake It Out  12. No Light, No Light

Zugabe: 13. Sweet Nothing  14. Spectrum 15. Dog Days Are Over

Gar nichts zu meckern? Eigentlich nichts, aber nun ja: Der Ton in der Jahrhunderthalle war leider alles andere als optimal. Mehr als einmal sehr übersteuert. Da erwarte ich mir als Konzertbesucher einfach etwas mehr Professionalität – kann aber auch Wunschdenken sein.

Ansonsten großes Lob: wunderbarer Abend mit dieser wahnsinnigen Frau auf der Bühne. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Florence and the Machine gesehen habe.

Advertisements

Goodbye Cocoonclub Frankfurt

Dezember 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Nachdem am 13. September die Betreiber des Cocoonclubs in Frankfurt Insolvenz beantragt hatten, war klar: Lange macht es der Club nicht mehr. Und so kam es auch: am 30.11.2012 fiel der letzte Vorhang, zum letzten Mal wurde im weltweit bekannten Club in Frankfurt ausgelassen gefeiert. Goodbye Cocoonclub.

cocoon, Club, Techno, Sven Väth

(c) Andreas Glänzel, 30.11.2012.

Man konnte zum Cocoonclub in Frankfurt stehen wie man wollte: lieben, hassen, tolerieren oder nicht beachten. Am internationalen Renommee und am tollen architektonischen und klanglichen Konzept kam man nicht vorbei, vor allem in den ersten Jahren ab 2004. Mit 700.000€ hatte der Club damals unglaublich viel Geld in eine gute Anlage investiert und dies war und ist der Grund für Tausende von Menschen gewesen, den Club zu besuchen, um dort zu feiern, zu tanzen, zu vergessen.
Mit den Jahren sind viele andere Clubs vorbei gezogen. Besser aufgestellt, sinnvollere Zusammenstellungen, bessere Konzepte und letztlich: bessere Musik. Im Cocoonclub setzte man die vergangen Jahre immer mehr auf Mainstream- ja, sogar Trance-Acts. Dies schadete dem Ruf noch mehr als die vermeintlich lächerliche Debatte um den Stil der Besucher. Aber in der Tat: Frankfurt hat ein enormes „sehen und gesehen werden“-Publikum mit Anzug und Hemd, oftmals wunderte ich mich auf Partys in Frankfurt über dieses Klientel. Aber mögen andere den Untergang und die finanziellen Schwierigkeiten beurteilen, dafür war ich viel zu wenig dort.

Zur Closing-Party habe ich mich aber nach einiger Zeit noch einmal aufgemacht. Das Lineup in meinen Augen gut und ansprechend, einfache VVK-Tickets und dazu ein guter Termin für mich. Also nichts wie hin – aber im Grunde hätte ich mir das gut sparen können. Denn an diesem Abend wurde leider alles, was man dem Cocoon oft vorwarf, fast klischeemäßig übertroffen. Lange chaotische Warteschlangen (während es draußen bei -4Grad mit Tickets noch recht zügig ging, war drinnen bei der Garderobe keine Chance mehr), viel zuviele Menschen auf engstem Raum, Frauen in Cocktailkleid und High-Heels wie bei einem Abschlussball, grölende Männer-Gruppen in JGA-Stimmung, und dazu auch noch – nicht erwartungsgemäß – wenig gute Musik. Besonders Herr Eulberg, auf den ich mich immer freue, und der einer meiner liebsten Produzenten ist, enttäuschte mich sehr. Vielleicht wollte auch der Funke einfach nicht überspringen, aber das war in meinen Augen eine Vollkatastrophe.

Manchmal machte ich die Augen zu, lauschte nur dem wunderbaren Sound des Basses, den Melodien der Tracks und vergaß die Tausenden Feiernden um mich herum: In diesen Augenblicken fühlte ich mich wohl, komplett versunken in der Musik, für die ich die Clubs liebe, für die ich auch den Cocoonclub sehr mochte.

Ganz so schlimm wie es sich nun anhört, war es natürlich auch nicht: Es war ein durchschnittlicher Club-Abend, der leider etwas unorganisiert und chaotisch war, aber es war auch definitiv kein schöner Abschluss eines legendären Clubs.

cocoon , Club, Techno, Clubs am Morgen

(c) Aus der Photoserie „Leere Clubs am Morgen“ von Andre Griesemann und Daniel Schulz, 2009.

Dennoch: Es bleibt eine schöne Erinnerung, einen solchen guten Club miterlebt zu haben. Die Cocoon-Musik, der Gedanke und die Cocoon-Events werden sowieso weiterleben. Und so ist es nur logisch, dass der letzte gespielte Track des Morgens „This is not the end“ von Gui Boratto war. Dann doch irgendwie ein versöhnlicher Abschluss.

Das Abschluss-Set des Residents Sidney Späth:

The Rapture live in Frankfurt (Zoom, 9.5.12)

Die New Yorker DFA-Rasselbande The Rapture veröffentlichten im vergangenen August vielleicht das House-Album des Jahres. Verspielte Tracks, Gute-Laune-Disco-Musik, viele eingesetzte Instrumente und über allem der wunderbare Gesang von Frontmann Luke Jenner. Überfällig sie endlich mal live zu sehen, und die Gelegenheit bot sich diese Woche im Frankfurter Club Zoom (ehemals Sinkkasten).

Jedes Festival hat diesen Moment, den Du nicht vergisst. Diesen Moment, der sich musikalisch einbrennt. Auf dem Nachtdigital 2011 war das sicher, als gegen 11 Uhr morgens Dixon diesen Song spielte, diesen Song, der uns alle verzauberte, und der noch vor seiner eigentlichen Veröffentlichtung 3 Wochen später zum Hit wurde: How deep is your Love? – Keine (gute) Party, bei der wir im vergangenen Zeitraum nicht zu diesem Song tanzten.

Das aktuelle Album „In the grace of your Love“ ist um diesen großartigen Hit aufgebaut – dieses verspielte House-Element gemischt mit dieser puren Disco-Pop-Attitüde. Doch braucht sich keiner der anderen Tracks davor zu verstecken. The Rapture sind mit ihrem dritten Studioalbum auf der Höhe der Zeit und liefern den perfekten Sound für ausgelassene Stunden.

Und genau das machen sie im Frankfurter Club Zoom (kurzfristige Verlegung aus dem eigentlich geplanten Cocoon) auch deutlich: Als Einstieg „In the Grace of your love„, der Titeltrack mit seinem langen „Ohoohoho“-Mitsing-Part. Danach gehts Schlag auf Schlag: „Never die again“ und „Pieces of the world we love„. Pausen gab es kaum, die Spielfreude der vier Jungs auf der Bühne war groß und so ging es auch ohne große Plaudereien immer direkt weiter. So wie ich es mag.
In der Mitte des Konzertes ein früher Höhepunkt: Die „Fast-schon-Klassiker“ Whoo! Alright – Yeah… Uh Huh und House jealous Lovers direkt hintereinander. Großartig, und die „Cowbell“ immer mit dabei. Schön auch: Das Konzert war gut besucht, doch genau so, dass man ausreichend Platz hatte zum Tanzen, Bier trinken und feiern. Besonders verrückt finde ich ja auch „Come back to me“ mit seinem unwiderstehlichen Akkordeon-Part: Toll!

Leider war nach ziemlich exakt 40 Minuten und 12 Songs schon Zeit für die erste Bühnenpause und dann für die Zugaben: „Children„, „Miss you“ (mit seinem schönen Mitsingpart ohoo, how i miss you….) und selbstverständlich „How deep is your love?“ in der ausgedehnten, ewig langen Live-Version. Das war schon ziemlich großartig, und es hätte noch lange so weitergehen können. So bleibt nach einem schönen Abend der einzige Kritikpunkt, dass es mit einer Spielzeit von etwa einer Stunde viel zu kurz war. Trotzdem bekommt das Konzert in der Gesamtwertung eine prima Note, und für alle die Empfehlung die New Yorker mal live zu sehen! Gerne wieder.

 // Bildnachweis: Da ich selbst keine gemacht habe, bin ich bei der Suche nach guten Photos des Konzertes bei Christoph Seubert gelandet, der so freundlich war, mich hier eines seiner schönen Photos veröffentlichen zu lassen. Dort gibt es noch mehr tolle Photos, auch von Konzerten von anderen großartigen Künstlern wie whomadewho, TEED oder Feist. Klickt Euch rein.

Kategorien:Live, Musik Schlagwörter: , , , , , ,

Review: Awake Festival 2011 im Frankfurter Stadionbad

September 19, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Die zweite Auflage des Awake – Summer Breaks fand gestern nicht mehr in der Mainzer Maaraue statt, sondern im Frankfurter Stadionbad. Das Lineup des elektronischen Openairs war dieses Jahr noch ein Stück breiter und internationaler aufgestellt, und damit auch ein würdiger Abschluss der Sommersaison – auch wenn das Wetter nicht so mitspielte wie ein Jahr zuvor.

Einlass Awake 2011

Die Event-Premiere im letzten Jahr war für die Besucher wie mich erstaunlich gut über die Bühne gegangen: gute Stimmung, tolle Organisation, sehr faire Preise, eine tolle Location und wundervolles Sommerwetter. Daran musste sich das zweite Awake messen lassen. Und das Frankfurter Stadionbad war in jedem Falle eine gute Wahl: Ein sehr großes Gelände, weit außerhalb gelegen und wunderschön eingebettet in Wald und alte Zwanziger-Jahre-Bauten.  Leider gings beim Einlass etwas holprig zu. Hier gab es schon fast „Love Family Park-ähnliche“ Zustände, viel zu wenige Security für zuviele Menschen bedeuteten über eine Stunde anstehen, und das Verpassen  von einigen Acts.

Drinnen war es überschaubar: Gelände war angesichts der Besucher fast zu groß. Dies hatte wiederum den Vorteil, dass man nie für Toilette anstehen musste, die Getränke gab es ohne Wartezeit und auch Essen ging zügig und ohne allzulanges Warten. (Auch wenn das Bon-Pfand-System doch manchmal sehr nervt.) Hat alles wunderbar gepasst, die Organisation verdiente sich wie im vergangenen Jahr Bestnoten. Leider stiegen auch die Preise: Getränke und co liegen nun auf dem völlig üblichen (teuren) Event-Niveau (Bier = 4€, Wodka-RedBull 0,2l = 7€.)

Bühnenaufteilung und Sound hat mir persönlich sehr gut gefallen. Die beiden Floors waren weit genug voneinander entfernt, kein Soundgematsche, kein Bassbrei, anständige Höhen und Tiefen, so zumindest mein Eindruck.

Nun aber endlich mal zum wichtigsten: der Musik. Und hier konnte das Awake 2011 richtig punkten. Das Lineup war schon auf dem Papier ziemlich toll, und wurde sogar noch besser beim Hören und Tanzen. Vor allem auf Floor 2 reihte sich ein guter Act an den anderen, hier gab es eigentlich kaum schwächere Sets. Michael Mayer hat mir wie eh und je gefallen, Steffi mit ihrem druckvollem Sound hätte ich gerne noch länger gehört, und Dirty Doering spielt ein wundervolles Set. Als er am Ende sein i would spielt, ist das schon früh eines der Highlights des ganzen Tages. (Verpasst habe ich hier leider Art Department.)

Andy Butler & Wolfram

Auf der Hauptbühne war die Stimmung eher verhalten, hier war das typische Festival-Besucher-Verhalten zu sehen: Gekommen um Kalkbrenner, Rother und co zu sehen, wissen viele nicht, was sie mit anderer, für sie unbekannter Musik anfangen können. Und dabei gab es auch hier tolle Sets zu hören. Jamie XX mit seinem relativ unverwechselbaren Sound zum Beispiel, oder später Butch, der als kurzfristiger Ersatz für Heidi die Menge locker im Griff hatte, und vor allem auch mit seinen eigenen Hits zu gefallen wusste. Meine persönliche Überraschung waren aber Andy Butler (von Hercules and Love Affair) feat. Wolfram (aka Diskokaine): Großartig! Klasse oldschool Musik, witzige Typen, und am Ende des Sets ein ansatzloses, stimmungsvolles Mr. Vain (Erinnerung an jemanden, habs leider nicht verstanden). Fritz Kalkbrenner zieht erwartungsgemäß alle Leute vor die Bühne, löst schön mit den ersten Tönen Begeisterungsstürme aus, – und enttäuscht uns dafür umso mehr. Ähnlich wie der große Bruder ist das zuviel „CD reinschieben“. Schade, nicht mal Live-Gesang – und das obwohl er doch eine wunderbare Stimme hat.

Alles in allem sehr viel tolle Musik, sehr viele gute Tracks und Sets: Man kann dem Awake-Festival zu diesem Lineup nur gratulieren: Es zeugt insgesamt von Klasse und einem guten Gespür für aktuelle Trends. Das „Big Names“ wie Kalkbrenner, Rother oder auch Lexy sein müssen, damit genügend Besucher kommen ist schade, aber aus meiner Sicht verkraftbar. So könnte ich mir durchaus vorstellen, wiederzukommen, vor allem bei einem unschlagbaren Preis für 22€ pro early-bird-Ticket!

Summer-BREAK

Leider spielte das Wetter nicht mal ansatzweise so mit wie letztes Jahr. Glücklicherweise bleib es größtenteils trocken, aber es war ständig unangenehm kalt und windig. Das Sommer-Openair-Feeling blieb daher leider sehr fern. Mit meiner kurzen Hose wollte ich wohl etwas zuviel den nicht vorhandenen Sommer verlängern. 😉

Und trotzdem: Schöner Abschluss der Openair-Saison, für die ich mir im nächsten Jahr mehr Sonne und Wärme wünsche. Und für das Awake 2012 im Speziellen: schnellerer Einlass, Bestätigung des guten Lineups mit neuen, frischen Acts, und noch ein wenig mehr Deko statt Werbe-Ständen 😉

Die blaue Börse – Luminale 2010

Seit gestern – bis Donnerstag – ist wieder „Light and building-Festival“ in Frankfurt und mal wieder gibts parallel dazu das Lichterfest „Luminale„. Vor einigen Jahren wurden in Mainz dabei unter anderem der Hafen, die Theodor-Heuss-Brücke, der Hauptbahnhof oder die Christuskirche toll in Szene gesetzt: Ich war begeistert und viele andere auch. 2010 ist es wie vor 2 Jahren hauptsächlich in Frankfurt (am Main) angesetzt (einige wenige Projekte über das Rhein-Main-Gebiet verteilt). Ich nutzte den Eröffnungsabend um mal bewaffnet mit der Kamera nach Frankfurt zu fahren, vor allem um mit meiner Begleitung die Börse aufzusuchen, welche (nur) an diesem Abend in Blau erstahlte – unterlegt von weiteren Visuals und Ambientmusik.

Kurzer Exkurs: In einer Zeit, in der nicht jeder eine Kamera hatte, hätte ein solches Fest für die Sinne, ein solches visuelles Spektakel mir vermutlich noch mehr Spass gemacht. So wie in den Neunzigern, als ich Filme entwickeln ließ und gespannt auf das Ergebnis wartete. Doch diese Zeiten gibt es nicht mehr. Während damals unter 100 Besuchern maximal 10 photographiert hatten, sind dies heute 90 von 100 (Die 10 verbleibenden sind Begleiter mind. einer Kamera-Person.). Heute steht man dort dann vor hunderten professionellen Photographen – oder Menschen, die so tun, als wären sie professionell, weil sie sich eine teure Spiegelreflex mit riesigen licht- und brennweitenstarken Objektiven leisten können. „Luminale“ ist natürlich ein Festival für die Photographen, natürlich ein riesen Anreiz Stativ und Kamera mitzuschleppen – doch geht der Spaßfaktor für jemanden wie mich mit der günstigen Studentenkompaktkamera  (Canon Powershot SX 200 IS) gegen null. Die Photos der „Profis“ werden ja besser, warum noch um die besten Plätze schlagen. Warum auch noch blöde Blicke „genießen“, wenn man in einem Meer aus armlangen Objektiven bei einer Kompakten im manuellen Modus am hantieren ist?  Dann werde ich mir die Photos der Profis einfach im Netz schauen – und meine Cam weiter zu Reisezwecken nutzen. Daher gibts von diesem Abend auch kaum Photos… Ende Exkurs.

Immerhin: Statt mich in einer ellenlangen Schlange mit Sicherheitskontrollen anzustellen um auf die verglaste (!) Besucherterasse der Frankfurter Börse zu kommen, durfte ich ohne Kontrolle „aufs Parkett“, auf den heiligen Boden der Börse in dem Raum, den jeder aus Nachrichten und Wrtschaftsmagazinen kennt. Noch interessanter war dann vor allem der Blick in die alten Räume der Börse mit PCs aus den 80zigern und Drehscheibentelefonen  mit netter Privatführung – Danke! 😉 Von dort oben (wo sonst die TV-Stationen wie CNBC und co ihre Moderatoren haben) konnte ich mir dann vor allem in Ruhe alles anschauen  während die „Profis“ hinter Glas von der Besucherterasse photographierten. YEAH 🙂 Und so sah das Ganze aus:

Blick von CNBC ,)

Nochmal von oben

Unten auf dem Parkett schaute ich mir dann noch mal genauer alles an, ließ mir einiges erklären und stellte fest, dass ich bei Börsenthemen ja nun mal wirklich keinen blassen Schimmer habe.

Leitindex

Nachdem wir zu Wein und Essen eingeladen wurden, haben wir den Rest des Abends mit einem eher ziellosen Bummeln durch die Innenstadt verbracht und uns mehr unterhalten als auf die „Luminale-Projekte“ geachtet. Immerhin haben wir uns noch diverse angestrahlte Häuser, Visuals oder Illustrationen anschauen können. Letztlich war aber wenig Spektakuläres dabei: Ob da nun LED-Dioden in der Luft hingen, Denkmäler grün angestrahlt wurden oder der Commerzbanktower in gelb erstrahlte, dies hatte man alles irgendwie schon mal gesehen und haute wohl so richtig niemanden vom Hocker. Trotzdem bleibt die Luminale eine tolle Veranstaltung, ich überlege sogar nochmal hinzufahren, um mir einzelne Projekte außerhalb der Innenstadt anzuschauen – zB Donnerstag Abend die Show zum Festival im Cocoon Club. Wer noch nie eine Luminale gesehen hat, sollte sich die nächste Tage nicht entgehen lassen!

Ach ja, und an der alten Oper habe ich tatsächlich auch nochmal die Kamera ausgepackt und 2-3 Photos geschossen:

Alte Oper FFM

Hot Chip – Live @ Mousonturm(Frankfurt)

Nach Melt! 2006, 2007, 2008 und I love Techno 2008 nun auch mal ein „richtiges Konzert“ bei den Jungs von Hot Chip, dem heißesten Ensemble aus Great Britain. Wir waren eingeladen, um im Frankfurter Mousonturm ordentlich mitzurocken auf die unvergleichbare Mischung aus elektronischen Samples und Basslines, Gitarren, Drums und einer großen Portion „Crazyness“.

(Vorweg zu meinen Photos und Videos: Die Luft war unglaublich heiß, stickig und verqualmt. Die Qualität der Bilder hat darunter deutlich gelitten, außerdem war an ein ruhiges Photographieren sowieso nicht zu denken!)

Meine Premiere im Mousonturm, und ziemlich schnell die Erkenntnis: Hier war ich nicht das letzte Mal. Sehr schöne Location, angenehm klein(!), gut erreichbar und dazu alles sehr professionell und schnell (z.B. Garderobe, Toiletten, Einlass). Als Support war zu meiner Freude niemand geringeres als Kinky Justice (a.k.a. Justus Köhncke) anwesend: Das mag für viele der Hot Chip-Zuschauer etwas langweilig gewesen sein, ich dagegen fands richtig dufte. Auch wenn dieser elektronische Einstieg in ein solches Konzert mit einem einzigen Mann auf der Bühne („Hallo, ich bin Justus Köhncke!“) schon verwunderlich war. Die Musik traf dann aber genau meinen Nerv, auch wenn hier vielleicht etwas fetzigeres sinnvoller gewesen wäre für das anwesende Publikum (richtig toll wäre dieses Set am Ende eines langen Abends, am Morgen eines Festivals im Sonnenaufgang…). Richtig gut, der Herr Köhncke aus Köln:

Justus Köhncke

Justus Köhncke

Kurz danach auch schon der Aufschrei des zu meiner Verwunderung insgesamt sehr durchmischten Publikums: Hot Chip betreten die Bühne. Und die machen keinen langen Prozess, starten direkt mit einigen Hits wie One pure thought und haben die Leute von der ersten Sekunde an auf ihrer Seite. Kein langer Stimmungsaufbau, kein großes Drumherum, kein ablenkendes Feuerwerk an Spezialeffekten und Lichtshow: einfach nur Hot Chip. 4 (!) Keyboards, ein Schlagzeug, dazu wechselnd Gitarren oder Rasseln, und obendrüber der Gesang von mind. 3 verschiedenen durchgeknallten Londonern: das sind Hot Chip!

Hot Chip waren und sind schon immer eine absolute Live-Band gewesen: Während ihre Platten oft etwas künstlich und unfertig klingen, schaffen sie live genau das Gegenteil auf den Punkt zu bringen. Euphorie pur, mitreißend, bezaubernd! Und erst live sind die 5 Jungs so gut, wie viele Kritiker ihre Alben schon finden. Besonders Frontmann/Sänger/Gitarrist/Keyboarder Alexis Taylor ist dabei immer wieder so sehr Nerd, dass es schon wieder lustig ist. Und so schaffen es die Briten in knapp 1,5 Stunden mit Songs wie „One life stand„, „I feel better“ oder „Ready for the floor“ ein musikalisches Feuerwerk abzubrennen, bei dem die Temperatur im Mousonturm  unerbittlich in die Höhe kletterte.

Ihr starker elektronischer Einfluss kam vor allem in der Gestaltung des Konzertes zum Vorschein: Ihr Set war mehr ein DJ-Set als ein Konzert, so vermischten sich immer wieder Tracks, und fast immer ging es nahtlos in den nächsten Song über. Das ist natürlich auch für die Stimmung im Publikum ein Garant für völliges Durchdrehen und Ekstase – richtig so 😉

Gut zu sehen in einem meiner Videos hier mit dem Song „Over and Over“:

Verschwitzt und glücklich gings heimwärts. Einfach immer wieder gerne (Freu mich auf den Auftritt in Barcelona während des Sonar-Festivals!). Auch die ungewohnt überschaubare Location hat mir sehr zugesagt; ich sollte mehr kleine Konzerte besuchen!

Last, but not least: Vielen Dank an Wizard Promotions 😉

%d Bloggern gefällt das: