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Berlin, die Kulturmetropole

September 10, 2010 3 Kommentare

Ein ausländischer Musiker kommt nach Deutschland. Wo wird er mindestens spielen? In Berlin. Eine skandinavische Band ist auf Europatournee. Wo hat sie ihren einzigen Deutschland-Auftritt? In Berlin. Gute Techno-Clubs sind rar. Wo gibts gleich ein Dutzend davon? In Berlin. Wo findet man als Politik- und Geschichtsinteressierter Mensch Museen und Ausstellungen zuhauf? In Berlin. Wo werden tolle Musicals wie die Blue Man Group aufgeführt? In Berlin. Wo gibt es eine eigene Insel für tolle Museen, welche UNESCO-Weltkulturerbe sind? In Berlin. Die Liste  hier könnte man lange weiterführen. Theater, Museen, Opern, Musicals, Konzerte, Ausstellungen, Premieren, Festivals, Clubs, Galerien: Berlin hat wirklich alles im kulturellen Sinne. Kein Weg geht an Berlin als Kulturmetropole vorbei.

Geht es Euch nicht manchmal genauso? Ihr würdet gerne eine Band live sehen, und diese ist – mal wieder – in Detschland nur in Berlin zu begutachten. Mir passiert es ständig: Ich erfahre von irgendetwas Großartigem – sei es Museum, Ausstellung, Clubnacht oder Konzert – und lasse kurz später den Kopf hängen, weil es nur in Berlin stattfindet. Bevor man das falsch versteht: Das ist ja auch in erster Linie großartig, dass es alle diese Kultur-Programme/ Konzerte überhaupt gibt! Nur als Student ist es oftmals schade, wenn sie als Mainzer unerreichbar weit weg erscheinen. Mal eben schnell für einen Abend nach Berlin ist den Social-Media-und SEO-Gurus vorbehalten, die dafür auch noch bezahlt werden.

Auch Mainz ist wundervoll, in einer völlig eigenen Art viel schöner, lebendiger und vor allem hundertmal charmanter als Berlin. Ich lebe gern in dieser Stadt, ich liebe diese Stadt. Aber kulturell gesehen kommt wohl in Deutschland niemand an Berlin vorbei (Vermutlich müsste man das eher auf Europa ausweiten – Die Bandbreite an kulturellen Möglichkeiten erscheinen mir nur wenige Metropolen zu toppen, evtl. London oder Paris). Das ist einerseits als Hauptstadt und der mit Abstand größten deutschen Stadt nur allzu richtig, auf der anderen Seiten schade für andere Regionen. So können kleine Städte wie Mainz ja allein schon aus finanziellen und fördertechnischen Gründen mit diesem Angebot nicht mal ansatzweise konkurrieren. Und in Berlin kommt es zu einem Overkill an kulturellen Möglichkeiten.

Ich war in der vergangenen Woche ein paar Tage in Berlin und Umgebung (Umgebung heißt: Hotel in Potsdam) und konnte mir mal wieder persönlich das große Angebot anschauen. Anhand der puren Masse an Informationen bräuchte man aber vermutlich 2 Wochen, um annähernd auch nur die wichtigsten und größten Museen und Ausstellungen zu besuchen. Und dann bräuchte man noch einmal 2 Wochen um angesagte Clubs, Konzerte oder Lesungen mitzunehmen. Ganz abgesehen von nahezu wöchentlichen Messen oder bedeutenden Konferenzen. Kurz und gut: Ich beneide Berlin und seine Einwohner um die vielfältigen Möglichkeiten. Aber: Schöner ist es trotzdem hier. 😉

Was habe ich mitgenommen aus diesen Stunden Berlin? Vor allem jede Menge Geschichtliches und Politisches. Liegt aber vor wohl im persönlichen Interessenfeld. Man könnte genauso gut 4 Tage durchfeiern (was sich ja auch wirklich aktuell zu einem interessanten Trend entwickelt).

Empfehlen möchte ich vor allem 2 Ausstellungen:

Zum Einen das noch recht frische Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors.“ Hier wird anhand von vielen Photos, Graphiken und Texten die Gewalt von SS, Gestapo und Polizei zwischen ’33 und ’45 im Allgemeinen verdeutlicht. Außerdem geht diese Ausstellung etwas gezielter auf verschiedene Opfergruppen der NS-Zeit ein. Wer sich mit diesem Thema insgesamt noch nicht viel beschäftigt hat, dürfte hier auf vieles Interessante stoßen, für Geschichtsbegeisterte sollte es sowieso mal Pflicht sein – auch um sein Wissen etwas aufzubessern.

Zum Anderen das wohl viel bekanntere Holocaust-Denkmal in der Nähe des Brandenburger Tores. Das berühmte Stelenfeld ist heiß diskutiert worden: Ich finde es gut! Aber empfehlen möchte ich vor allem das Informationszentrum UNTER dem Denkmal. Dort findet sich eine sehr intensive, teilweise arg berührende, persönliche Dokumentation des Holocausts. Vor allem ausgearbeitet an einigen wenigen Familien führt ein didaktisch gut gemachter Audioguide durch die 5 Räume. Bewegend. Still und unscheinbar – und doch für mich das prägende Berlinerlebnis dieses Mal.

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Werde wiederkommen. Hab in den Tagen noch zu wenige Museen aufgesucht (Das Filmuseum Berlin ist übrigens nicht so prägend, kann man gut weglassen) und nicht einen Club aufgesucht. Hah, da staunt ihr! Wird dann im Januar nachgeholt…

Edit: Eigentlich müsste ich doch nach Berlin ziehen, weil quasi ständig IRGENDETWAS ist, was mich reizt. Heute wäre es zum Beispiel das Berlin Festival mit seinem ziemlich perfekten Lineup gewesen. Oder Anfang November die BerlinMusicDays mit einzigartigem Charakter. Oder oder oder. Naja, vielleicht auch ganz gut so: Mit dem Blick aufs Studentenkonto 😉

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Neue Synagoge in Mainz: Licht der Diaspora

August 27, 2010 6 Kommentare

Kaum 300m entfernt von meiner Wohnung entstand innerhalb des letzten Jahres ein denkwürdiges Gebäude und steht nun kurz vor seiner Einweihung. Für manche ist es Kunst, für manche moderne Architektur, für einige ist es das häßlichste Haus weit und breit, einige finden es unpassend, andere loben die Vielseitigkeit, für die jüdische Gemeinde ist es vor allem der Versuch ein Stück Geschichte und Kultur wiederzubeleben. Wie man aber auch immer zur neuen Synagoge in Mainz, „Licht der Diaspora“, steht, man kommt in diesen Tagen nicht dran vorbei. Grund genug mal mit der Kamera einen Blick auf die neue Mainzer Synagoge zu werfen.

Frontansicht von der Hindenburgstrasse / Synagogenplatz

Rückblende: Unter dem Rabbiner Gerschom Ben Judah ist Mainz im Hochmittelalter eine der führenden jüdischen Gemeinden in ganz Europa. Ben Judahs Lehren (u.a. seine fortschrittlichen Talmud-Lehren) sind wegweisend für das komplette Judentum (So hat es mir zumindest mein Theologieprofessor für Judentum gelehrt, für genauere Entwicklungen müsste ich wohl mal wieder einen Blick in die Bücher werfen…). Ben Judah erhält für seine Leistungen den Beinamen „Licht der Diaspora“.  Ausgehend von dieser Entwicklung war Mainz immer ein Zentrum des jüdischen Glaubens gewesen, musste aber auch über Jahrhunderte (eigentlich sogar ein ganzes Jahrtausend!) Verfolgungen und Leid ertragen. Einer der unrühmlichen Höhepunkte ist die Reichspogromnacht am 9. November 1938. Überall im Land zerstören die Nazis Synagogen, daran kommt auch Mainz nicht vorbei: Die große Mainzer Synagoge wird vollständig vernichtet und verbrannt. Erst 1988 entdeckt man Überreste des Brandes bei Bauarbeiten, welche seitdem in der Hindenburgstrasse als Mahnmal an die Reichspogrome und den Holocaust stehen.

Heute: Schon seit vielen Jahren versuchte die jüdische Gemeinde in Mainz eine neue, größere Synagoge zu bauen. Wie so oft scheiterte es an der Finanzierung. Es dauerte schließlich 15 Jahre von der Idee bis zum Baubeginn im Februar 2009. Angelehnt an „Licht der Diaspora“ entsteht eine Synagoge, welche alte und moderne Elemente miteinander verbindet, und dabei vor allem auf die hebräische Sprache und jüdische Lehren Bezug nimmt (Weitere Informationen zu baulichen Teilen findet man vor allem auf den Seiten der jüdischen Gemeinde!).

Die Pfeiler des Mahnmals bleiben intakt, direkt in Front des Einganges

Architekt Manuel Herz baute ein ungewöhnliches architektonisches Projekt: Angelehnt ist die Synagoge an das Wort „Qadushah“, das hebräische Wort für Segen oder auch Erhöhung, dessen fünf Buchstaben dem Gebäude seine außergewöhnliche Form geben und es in fünf Bereiche strukturieren. Hier kann man dies gut aus der Gartenansicht sehen:

Modellphoto via manuelherz.com (Architekt)

Modellphoto via manuelherz.com (Architekt

Neben der Form ist sicherlich vor allem die Außenwand der Synagoge aufsehenserrregend: Sie besteht aus einer glasierten Keramikoberfläche, welche sich in diversen Mustern immer zu den verschiedenartigen Fenstern hinrichtet. Dadurch entsteht eine sehr spannende Dreidimensionalität, und je nach Lichteinfall der Sonne wirkt die Fassade immer wieder anders. Manchmal wirkt das sperrig, manchmal aber auch sehr einladend, aber immer kunstvoll:

Keramikfassade / via manuelherz.com (Architekt)

Eingangsseite der Synagoge mit Blick auf Tür und hebräische Schriftzeichen

Das „Licht der Diaspora“-Gebäude wird viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, da bin ich sicher. Im Gegensatz zu vielen örtlichen – eher bewußt versteckten – jüdischen Gemeinden zielt dieser Bau ganz klar darauf wahrgenommen zu werden. Man wird über diese Synagoge sprechen, man wird darüber diskutieren, manche werden es verurteilen: Sicher ist aber, dass die jüdische Gemeinde Mainz ein neues Zuhause hat, welches weithin sichtbar ihre Religion verdeutlicht. Damit wird diese jüdische Synagoge auch – und gerade hier – in Deutschland ein mutiges Symbol für die weltweite Diasporades Judentums. Ich persönlich finde diesen Bau große Klasse, auch und gerade weil er mit seiner Architektur so wenig in die Mainzer Neustadt passt. Für viele Mainzer Juden wird diese Synagoge ein großes Ereignis sein – und auch ich bin ein bisschen stolz, dass ich in einer Stadt leben darf, die so stark mit ihrer eigenen Geschichte verbunden ist, und nun eine Synagoge besitzt, welche vielleicht weltweit einzigartigen Charakter hat.

Welchen Stellenwert dieser Bau auch gesellschaftlich genießt, kann man auch an der Gästeliste der Eröffnungsfeier am 3. September ablesen: Von Bundespräsident Christian Wulff über Ministerpräsident Kurt Beck bis hin zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland werden viele Gäste erwartet, vor allem auch viele ehemalige Mainzer Juden, welche mittlerweile in die ganze Welt verstreut sind. Außerdem überträgt der SWR die Feier live. (Ich selbst kann leider nicht teilnehmen, da ich in Berlin bin. Hätte gerne auch einige Innenraumaufnahmen gemacht, aber das ist aktuell noch gesperrt.)

Geschichtsunterricht 2.0

August 10, 2010 2 Kommentare

Geschichtslehrer stehen oftmals vor dem Problem, dass ihre Themen und der geschichtliche Stoff für die Schüler zu irrelevant scheinen, weil es für sie zu abstrakt ist. Die Schüler können keinen Gegenwartsbezug herstellen, und verstehen daher selbst einfachste Vorgänge nicht – weil es sie gar nicht erst interessiert. Nimmt man nun einen heutigen Gegenstand, zum Beispiel ein iPhone oder ein MacBook, kann man die Schüler viel besser für die Entwicklungen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begeistern, weil sie verstehen, dass alles zusammen hängt – und sie ohne diese Erfindungen heute völlig anders leben würden. Auch für andere Bereiche und Themen wird man in Zukunft als Lehrer vor allem einen guten Gegenwartsbezug herstellen müssen, um die Schüler zu fesseln.

Für US-amerikanische Schüler gibt es nun den ultimativen Facebook-Gegenwartsbezug. Einprägsamer und witziger kann man den Verlauf des zweiten Weltkrieges wohl kaum darstellen. Ob das die Zukunft des Geschichtsunterrichts ist? Ich bin gespannt.

(Gefunden via Twitter beim Klonblog.)

Kino: Illuminati (angels & demons)

Bücher zu verfilmen ist so eine Sache. Als Fan des Buches ist man immer hin- und hergerissen. Einerseits freut man sich auf die Verfilmung und die Bilder, andererseits kann kein Film einem Buch gerecht werden. Manche Regisseure machen es besser [zum Beispiel Marc Foster mit „Drachenläufer“ oder Peter Jackson mit „Herr der Ringe“ (und selbst dort gibts teilweise erhebliche Unterschiede zur Vorlage)], manche machen es schlechter, manche Verfilmungen verkommen zum Blödsinn (zb. „Eragon“).

Dan Browns Bücher, speziell „Sakrileg“ und „Illuminati“ hielt ich schon beim Lesen 2003 bzw. 2004 (!) für nicht verfilmungsmöglich. Zuviele Informationen, zuviele Orte, zuviele verschiedene Personen, zuviele Geschehnisse, zuviele Fakten über Kirche, Geheimbünde, Wissenschaft, Antimaterie, Geschichte und die Stadt Rom. Ich liebte die Bücher für ihre Ideenvielfalt, für ihren Reichtum an Infos und Spannung auf über 700 Seiten. Und nicht zuletzt waren die Figuren und Orte klasse: Rom wurde faszinierend, man bekam beim Lesen Lust sofort nach Rom zu fliegen. All dies versucht Ron Howard nun im neuen Film „Illuminati“ in einem 138minütigen Blockbuster unterzubringen. Bei der „Sakrileg“-Verfilumg ging das schon mehr oder weniger schief, viel schlimmer konnte es also nicht kommen:

illuminati_poster_03

offizielles Filmposter

Und wenn man Tom Hanks schon 100 – hundert! – Millionen Dollar bezahlt, damit er wieder Robert Langdon spielt, muss ja eigentlich was Großes bei rauskommen, oder?

Nun ja, „Illuminati“ – der Film ist sicherlich nicht schlecht geworden. Ein Blockbuster erster Güte: viel Action, ein Topstar, eine interessante Geschichte, eine relativ verblüffende Wende am Ende, dazu Impressionen einer wunderbaren Stadt. Doch damit geht es schon los: Durch die Drehverbote im Vatikan und größtenteils auch Rom durch die katholische Kirche musste das Team um Howard alles digital nachbauen – und das sieht man leider auch immer mal wieder. Gerade in den Kirchen Roms wirds bemerkbar, dass man dies nicht vor Ort drehen konnte. Schade.

Und auch Tom Hanks kann nicht wirklich glänzen: Ihm selbst mache ich da aber keinen Vorwurf; es ist vielmehr der Film an sich, der so durch die Geschichte hetzt, dass es seinen Protagonisten gar nicht möglich ist als Charakterfigur herauszustechen: Darunter leidet der Film enorm: Während im Buch Robert Langdon immer wieder knifflige Rätsel zu lösen hat, und man als Leser irgendwann nahezu richtig mit ihm mitfiebert, ist im Kino dafür kein Platz. Die Figuren hetzten von Geschehen und Geschehen – von Mord zu Mord: im Film liegen da nur Minuten dazwischen, die Spannung erhöht das sicherlich, aber die Informationen um die Schnitzeljagd und die fantastischen Geschichtsstunden aus der Vorlage bleiben dabei leider auf der Strecke! (Genauso übrigens wie diverse Figuren und komplette Handlungen: aber gut, das kann man nicht anders lösen in einem Blockbuster, der keine 5 Stunden gehen darf…^^)

Richtig gut dagegen das Ende: die einzige richtige große Schwäche des Buches wird einfach weggelassen, und trotzdem wird die Geschichte und die Verschwörung einigermaßen logisch aufgelöst und dies auch in guter Darstellung. Außerdem muss man 2 gute Nebendarsteller lobend hervorheben: Evan McGregor als „Camerlengo“ und Armin Müller-Stahl als „Kardinal Strauß“ spielen hervorragend!

Ich glaube, es war ganz gut, dass ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten des Buches erinnern konnte: so hatte ich bei einem ordentlichen Action-Blockbuster wenigstens einen schönen Abend. Wer sich aber wirklich von der Geschichte fesseln lassen möchte, muss zum Buch greifen! Für alle Nicht-Leser unter uns sicherlich aber ein netter bis guter Film für den ruhigen Abend zu zweit oder mit Freunden. Gemessen am Budget wäre hier aber sicherlich mehr drin gewesen…. daher auch nur: 5,5 von 10 Engeln.

PS: Gerade der Konflikt zwischen Wissenschaft und Kirche (incl. der Illuminati) war mir leider viel zu kurz geraten:  Unter anderem sind die ganzen Schriftspielereien im Buch nur Nebensache – und dabei war dies gerade so faszinierend:

egal wie man es dreht...

egal wie man es dreht...

Kino: „Operation Walküre“

„Das Stauffenberg-Attentat“ von Regisseur Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“)

(Kleiner Nachtrag zum polnischen Kinobesuch.)

Filmplakat

offizielles Filmplakat

Für mich als halber Historiker ja prinzipiell ein Muss, aber durch den ganzen Medienhype rund um den Film, Tom Cruise und Scientology verging mir jede Lust auf „Walküre“ und irgendwann war er in meinem Kopf schon eingeordnet als „DVD-Film irgendwann“…

In Breslau aber sind wir recht spontan ins Kino, und schauten schließlich doch „Walküre“ – etwas müde – im englischen Original (mit polnischen Untertiteln). Man kann bei diesem Film die schlechte Meinungsmache der Medien und das Einbeziehen von Scientology fast gar nicht ausblenden – aber ich habe es versucht: Heraus kam eine große Kinoüberraschung, denn erwartet hatte ich zwei Aspekte: 1. Verherrlichung des Stars Tom Cruise und 2. einen actionlastigen Eventfilm mit dem Hang zum Popcorn.

Beides geschieht zu keiner Zeit der 120-Minuten Filmzeit. Gerade die Action ist absolut zweitrangig und dient nur als Mittel zum Zweck. Im Gegenteil: Es wird äußerst viel geredet, viele Charaktere tauchen auf und werden vorgestellt. An dieser Stelle auch ein Lob für den vorbildlichen Cast. Lassen wir Cruise als recht eindimensionalen Helden mal außer vor, ist die Besetzung einfach perfekt. Von Bill Nighy als General Ollbricht über Thomas Kretschmann als Major Remer zu Tom Wilkinson als General Fromm sind die Nebenrollen erstklassig.

Mich haben auch vor allem die Requisiten, Gebäude und Uniformen begeistert: Hier wurde toll recherchiert und super gearbeitet!

Der Film birgt natürlich viele Gefahren: In 2 Stunden ist es nicht möglich – erst recht nicht geschichtsunerfahrenen Menschen – eine Geschichte dieses Ausmaßes mit all ihren komplexen Feinheiten zu erzählen. Darunter leidet hier vor allem Hauptdarsteller Cruise aka Stauffenberg: Über seine eigentlichen Beweggründe zum Beispiel erfährt der Kinobesucher fast nichts. (Dass Stauffenberg bis mindestes 1944 ein aktiver Nazi war, bleibt ziemlich im Verborgenen – passt halt nichts ins Gesamtkonzept des Helden…) Dass gerade die deutsche Widerstandsfigur Stauffenberg von Hollywood verfilmt wurde, war mir persönlich anfangs zutiefst suspekt! Nach dem Film sage ich aber nun: Das war genau die richtige Wahl! Denn, dass es eine deutsche Widerstandsbewegung überhaupt gab, war vielen nicht bekannt – und dies dürfte nach dem doch recht eindrücklichen Ende fast jedem im Kopf bleiben. Dafür allein ist dem Film schon zu danken…

Fazit: „Walküre“ ist meine bisherige positive Kinoüberraschung 2009: Ohne Erwartungen einen erstklassigen Film gesehen, der einige wenige Schwachpunkte hat, aber im Groben und Ganzen funktioniert und zu faszinieren weiß. Ich gebe 8 von 10 Augenklappen!

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