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Island 2012 – in Worten und Zahlen

Oktober 24, 2012 3 Kommentare

Der letzte Artikel zu meiner eindrucksvollen Island-Reise. Man merkt schon hier im Blog, wie nachhaltig dieses Land jemanden wie mich begeistert. Lange genug habe ich nun Photos hochgeladen, jetzt sollen noch einige „harte“ Fakten dazukommen, und einige Erinnerungen. Enjoy!

Skaftafell Campingsite IcelandIsland ist ein Land der Rekorde, besonders alle möglichen Natur-Rekorde, vom größten Gletscher, zu großen Wasserfällen. Aber Island ist nicht nur die Insel im Norden mit den Vulkanen, dem Eis und den rauen Küsten. Island ist mehr als ein Besuch des Golden Circle, mehr als der bekannte Geysir, mehr als Eyjafjallajökull.

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Im Flieger gab es zur leichten Unterhaltung einige witzige Facts, die alle so begannen: „The most amazing thing about Iceland is not…“. Lasst es mich vervollständigen.

  • Das wunderbarste an Island ist nicht, dass es grandiose Gletscherseen gibt, sondern dass es jeden Samstag überall im Land die „Nammi“ (Süßigkeiten) für 50% gibt.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht, dass es unglaubliche Naturphänomene wie Geothermalgebiete gibt, sondern dass man spontan abends bei einem Rentnerpaar im Gästezimmer unterkommen kann.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht die beeindruckende Lava-und Bergwelt, sondern die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Isländer, selbst unter schwierigen Bedingungen.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das oft atemberaubende Panorama an der Straße, sondern dass der Premierminister im Telefonbuch steht, und man an seiner Haustür klingeln kann.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht die bekannte Blaue Lagune, sondern die zahlreichen kleinen „Hot tubs“, in denen man alleine abseits des Weges Wasser und Natur genießen kann.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das grandiose Wasserfallschauspiel überall, sondern dass die meisten Isländer an Elfen, Zwerge und Trolle glauben (und dazu Dissertationen abgefasst werden).
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das sauberste Wasser der Welt, sondern dass alle Jungs nach ihrem Vater und alle Mädchen nach ihrer Mutter heißen (und man sofort erkennt, wenn der Vater nicht bekannt ist).
  • Das wunderbarste an Island ist nicht das Betrachten der traumhaft schönen Polarlichter, sondern dass es keinen einzigen McDonald’s im ganzen Land gibt.
  • Das wunderbarste an Island ist nicht ein ausbrechender Vulkan, sondern dass man sich bei jedem Wetter wohl fühlt und jedes Stück des Landes einzigartig ist.

Ich könnte ziemlich lange so weitermachen. Ihr versteht schon was ich meine: Die schönsten Seiten des Landes entdeckt man erst beim Reisen und Quatschen, nicht beim Besuchen der Touri-Highlights.

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Unsere Tour in Zahlen und Worten:

Gefahrene Kilometer: ~3800 (davon etwa 3000 beim Rundtrip, 800 vorher im Süden).

Liter Benzin verbraucht: ~265.

Gelaufene Kilometer: leider nicht festgehalten, unzählige.

Unterkünfte: 6x Guesthouse Reykjavík, 4x Sleepingbag accomodation on tour, 1x Hostel, 1x Youth hostel, 3x camping place, 5x sleepingbag accomodation at Vatnsholt. Alle spontan, keine Vorbuchung.

Wetter: -1° bis 10° C. Regen, Sturm, Schnee, Nebel, Wolken, Sonne, Eis, Wind: alles dabei.

Scheiß Tage: 1.

Free-Coffee an den OLIS-Tankstellen: ~10 (jeden tag unterwegs).

Reifenwechsel: 2.

Fast-Food: 2 (1x Subway, 1x Burger mit Pommes in Reykjavík).

Ungewöhnlichstes Essen: Gegrillter Wal, Pferdegulasch.

Bester (isländischer) Schnaps: Brennivín.

Photos geschossen: ~1200.

Tiere: Schafe (…), Hunde, Katzen, Kaninchen, Pferde, Ziegen, ein Rabe, und ein Schwein namens Skinka.

Museen: 4.

Highlights: Endlose Einsamkeit, Hot Tub bei Fludir, Naturromantik pur, Schnorcheln in der Silfra, Gletschertour, Myvatn, Lagune des Nordens, Skaftafell, Jökulsalon, Polarlichter, Reykjavík-Film-Festival.

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Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich wieder in dieses Land reise. Hoffentlich nicht allzu lange, die Westfjorde warten schon 😉

Hier weitere Links zu einigen meiner Photos:

1. Natur und wandern. 

2. Land aus Feuer und Eis.

3. Die Wasserfälle.

4. On the road.

5. Reykjavík.

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Reykjavík, die charmante Mini-Hauptstadt

Oktober 22, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Die nördlichste Hauptstadt der Welt ist zugleich einer der kleineren: Mit etwa 120.000 Einwohnern ist Rekjavík nur etwas größer als Koblenz beispielsweise. Andererseits hat die Region Reykjavík um die 200.000 Bewohner, welches knapp 2/3 aller Isländer sind. Die Stadt an der „Rauchbucht“ präsentiert sich bunt, charmant, weltoffen und sehr international.

island

Plant man eine reine Städtereise nach Reykjavík, könnte man möglicherweise enttäuscht werden: Für eine europäische Hauptstadt gibt es eher wenig zu erkunden, oder zu besichtigen, die Museen sind überschaubar, und die kulturellen Highlights wohl auch leicht zu überblicken. Dennoch überzeugt Reykjavík fast jeden Besucher. Warum?

Island

Die Stadt ist bunt, angefangen mit den Häusern und Dächern. Lebendig, mit vielen Galerien, Cafés und Boutiquen. Offen und freundlich, in jedem Restaurant zu merken (zum Beispiel im kultigen Saegreiffin oder dem italienischen Restaurant Italia).  Witzig, beispielsweise im Penis-Museum. Etwas verrückt nach Süßigkeiten und Eis in allen Varianten.

Dazu ein freundliches, sauberes Stadtbild, umrahmt von Wasser. Auf der Halbinsel Seltjarnes, auf der wir wohnen, ist dies besonders schön: Von drei Seiten Meer und Spazierwege und Strände.

Island

Selbst architektonisch gefällt die Stadt zuweilen, beispielsweise bei der noch sehr neuen, beeindruckenden – aber nicht kritikfreien- Konzerthalle „Harpa“ direkt am Hafen. Oder mit der schönen, stillen Kirche Hallgrímskirkja. Besonders abends kann die Stadt dann glänzen, denn dann erwacht die kleine Stadt noch mehr: Viele Bars, Kneipen und Clubs locken die Menschen in die kulturell angesagten Viertel rund um die wichtigste Einkaufsstraße Laugavegur. Hier merkt man auch, warum Island soviele bedeutende Musiker hat: Musik ist wichtig, sehr häufig gibt es abends Live-Musik, fast immer mindestens ein DJ ein einer Bar.

Island Harpa

So ist Reykjavík trotz seiner geringen Größe eine wunderbare Stadt, und ein Besuch hier lohnt sich sehr. Man sollte aber etwas vom Leben der Isländer mitnehmen, um diese Stadt in aller Breite schätzen zu lernen. (Und die industriellen Vorstädte schnell vergessen ,) ). Dann ist Reykjavík genauso wie der Rest von Island: simply beautiful.

Island – Natur- und Wanderparadies

Oktober 17, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Berge, Vulkane, Gletscher, Wasserfälle, Wiesen, Lavawüsten, schroffe Felsen, Fjorde: Island ist eines der großen Naturwunder dieser Erde, und was gibt es schöneres als diese Natur zu Fuß zu erkunden? Somit ist Islands Natur auch – und besonders – zum Wandern wunderschön. Gerade die Hügellandschaften mit ihren wunderschönen Ausblicken lohnen die Mühen.

Iceland

Auch wir haben uns anstecken lassen, und haben viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt, sei es auf kleine Berge im Norden (wie hier oben am Myvatn mit Blick auf „Pseudokrater“), bei abendlichen Spaziergängen oder tagsüber durch bizarre Felsenformationen oder Vulkankrater. Gerade im Hochland würde ich liebend gerne mal eine längere Trekking-Tour machen (dann aber im Sommer!).

Iceland

Iceland

Im Nachhinein wäre ich gerne länger im Nationalpark Skaftafell im Süden geblieben, um dort noch mehr ausgiebig zu wandern: Wunderschöne Panoramen mit dem Blick auf Islands höchsten Berg (2110m), tolle Herbstfarben, und sehr gute Wege. Hinterher ist man immer schlauer, vielleicht ja beim nächsten Island-Besuch ,)

Blick von Vatnsholt, unserem Guesthouse für 5 Tage, auf Islands berühmtesten Vulkan: Hekla. Von hier aus haben wir den Süden des Landes erkundigt. Kann ich nur wärmstens empfehlen: Tolle Lage, super Staff und hervorragendes Essen.

Leider haben wir einen wichtigen Teil des Landes komplett ausgelassen: Die Westfjorde. Dafür haben uns ihre Schwestern im Osten beeindruckt, und wir hatten im winzigen Hafenort Djúpivogur einen wunderschönen Aufenthalt.

Eine richtig tolle Aussicht genießt man auch auf dem gar nicht hohen Vindbelgur, an der Ostseite des Myvatn. Hier gilt wie fast überall: Wandern macht Spaß, fast überall gibt es ausgeschilderte Strecken. Natur pur, und in diesen Momenten fühlt man, warum soviele Menschen immer wieder nach Island reisen.

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Island – Land aus Feuer und Eis

Oktober 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Island ist das Land der Kontraste: saftige Wiesen auf der einen Seite – und dann wieder öde, schwarze Lavawüsten. Schroffe Fjordküsten wechseln sich mit Strandküsten ab. Am eindrücklichsten ist aber der Kontrast, der dem Land seinen Namen gab, die Mischung aus Feuer und Eis.

Iceland

Island ist zu 100 % vulkanischen Ursprungs; seine ältesten Teile (Ost- und Westfjorde) haben sich vor ca 20 Millionen Jahren aus dem Meer erhoben, und noch heute wächst das Land durch unaufhaltsamen „Nachschub“ aus dem Erdinneren. Wunderbar zu erleben in der berühmten Kontinentalspalte. Durchschnittlich alle fünf Jahre kommt es zu einer Vulkan-Eruption, zuletzt 2010 beim europaweit bekannt gewordenen Eyjafjallajökull. Als Folge mancher Vulkanausbrüche führt geschmolzenes Gletschereis zu einer gigantischen Überflutung des südlichen Küstenlands. So entstehen die Gegensätze aus Feuer im Erdinneren mit heißen Quellen, Geysiren und Lava wohin man schaut und dem ewigdauernden Eis auf der anderen Seite, nicht zuletzt den schon im Herbst vereisten Gipfeln.

Island

Iceland

Diese Bilder oben stammen aus meinem Lieblings-Geothermalgebiet Námaskarð in der Nähe des Myvatn: blubbernde Schlammlöcher, rauchende Felder, heiße Wasserquellen und ein entsetzlicher Schwefelgestank. Dieser entsteht durch die  Solfatare, hier oben zu sehen, bis zu 250° C. heißen postvulkanischen Gasausstössen.

Geothermalgebiet

Iceland

Natürlich wird diese ungeheure Energie, die im Boden Islands schlummert genutzt, teils fast schon verschwenderisch. Über 60% aller Energieleistung des Landes stammt aus Geothermaler Energie, und so ist es kein Wunder, dass man oft an den schönsten Orten kleine Kraftwerke sieht, die die Hitze der Umgebung und das Wasser ins Stromnetz speisen. (Obwohl der kleine See hier im Vordergrund so schön ist, ist schwimmen nicht möglich – Temperaturen von über 80°.)

Durch die beständigen aktiven Vulkane im Land gibt es zahlreiche Gletscher, die noch eine Einzigartigkeit besitzen: Sie gehen teils bis ans Meer heran, was unwirkliche Szenerien ergibt. Im nächsten Photo sieht man die Ausläufer des Sölheimajökull, der von der Asche des Eyjafjallajökull-Ausbruchs 2010 dreckig und schwarz wirkt.

Iceland

Am Jökulsalon, einer Gletscherlagune im Süden am Fuß des gewaltigen Vatnajökull-Panoramas (mit einer Oberfläche von 8.100 km² Europas größter Gletscher), sind die Wunder der Natur atemberaubend: Eis glitzert in verschiedenen Farben, treibt auf dem kristallblauen Wasser, dazwischen schwimmen kleine Robben.

Gletschersee Iceland

Iceland

Diese Kontraste machen das Land so faszinierend, gerade auch dann, wenn es manchmal sehr karg und rau ist. Diese Mischung sorgt oft für spektakuläre und unvergessliche Momente. Einen aktiven Vulkanausbruch hatten wir zwar erhofft, aber uns musste das Eyjafjallajökull-Visitor-Center genügen.

Island und seine Wasserfälle

Oktober 15, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Wie wohl kaum ein anderes Land wird Island durch seine zahlreichen Wasserfälle geprägt. Nahezu überall läuft das Wasser aus Bergspalten heraus, mal in winzigen Bächen, mal in tosenden Wassermassen. Dabei ist jeder „Foss“, so auf isländisch, einzigartig und faszinierend. Einige meiner Favoriten.

Island Wasserfall

Der Dettifoss im Norden Islands ist der mächtigste Wasserfall Europas (im Schnitt 193m³ Wasser pro Sekunde), er stürzt etwa 45m tief in den „Grand Canyon“ Islands, und war selbst bei Regen, Wind und Schnee unglaublich beeindruckend. Das Tosen des Wassers ist so laut, dass man sich kaum unterhalten kann. Im Durchschnitt werden hier durch das Wasser unfassbare 85 Megawatt (!) umgesetzt.

Island Wasserfall

Ebenfalls im hohen Norden liegt der Godafoss, sicher einer der schönsten Fälle des Landes durch seine akkurate Teilung und das herrliche, vollkommen blaue Wasser. Toll ist dort auch, dass man schön spazieren kann, und auch – wie fast überall – auf den Felsen direkt entlang klettern kann.

Island Godafoss

Godafoss Iceland

Auf der berühmten Touri-Ausflugstour „Golden Circle“ liegt der Gullfoss, der goldene Wasserfall: Ein wunderbarer, großer zweiteiliger Fall, den die allermeisten der Islandbesucher aufgrund seiner Lage besuchen.

Gullfoss Iceland

Besonders beeindruckend und auch sehr nass ist es da, wo man hinter einen Wasserfall kommt, so wie beispielsweise hier beim Seljalandsfoss im Süden. Dieser soll besonders bei gutem Wetter tolle Farben hervorbringen, dieses Glück war uns leider nicht gegönnt.

Iceland

Mein persönlicher Lieblingswasserfall bzw. Fälle  sind Hraunfossar und Barnafoss im Westen nahe Reykholt. Hier gab es zwar nicht solche beeindruckende Wassermassen, aber wunderschöne (Herbst-) Farben, klares blaues Wasser und unberührte Natur. Herrlich.

Iceland

Island – on the road

Oktober 15, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

3 Wochen Island-Abenteuer sind zuviel, um sie in einem einzigen Post wiederzugeben, daher gibts nun einige Artikel: Den Start macht der „Unterwegs-auf den Straßen-Part“, ein großer Teil einer jeder richtigen Island-Reise. Wir waren insgesamt etwa 3800 km mit dem Auto unterwegs, und jeder einzelne war es wert. Denn hier gilt noch mehr als sonst: Der Weg ist das Ziel. On the road in Iceland.

Iceland

Der Nachteil einer Reise in der Off-Season Herbst ist sicher, dass einer der interessantesten Gebiete Islands, das Hochland, gesperrt ist. Mit dem ersten Schnee (dieses Jahr Anfang September) werden die (meisten) dortigen Routen für Autos gesperrt, und sind erst wieder im Frühling/Sommer offen. Die meisten anderen Straßen der Insel sind aber auch im Herbst/Winter gut befahrbar. Da die Isländer nach der Weltwirtschaftskrise 2009 sehr stark in den Ausbau des Straßennetzes investiert haben (Konjunkturpakete > Arbeitsplätze) sind in den letzten 3 Jahren sehr viele Bereiche geteert worden; die berühmte Ringroad (ca. 1400 km), welche die Insel einmal umrundet, ist mittlerweile bis auf einen kurzen Pass komplett sauber geteert.

Iceland

iceland

Viele schöne Ecken erreicht man aber auch heute immer noch nur auf Schotterpisten, die in unterschiedlichem Zustand sind: Von der gut befahrbaren „Hauptstraße“ bis zu nahezu unfahrbaren Gassen. Mit unserem gekauften alten Toyota OHNE 4×4 waren manche Strecken hart. Oft dachte ich, das schafft die kleine Kiste nun nicht mehr. Jede größere Steinschlag wurde mit einem kurzen Bangen bedacht. Lässt man sich allerdings auch etwas auf diese Strecken ein, entdeckt man natürlich auch viele wunderbare Ecken des Landes, die abseits der üblichen Touristenrouten liegen. Und hier liegt dann trotz des Hochland-Verlustes ein großer Vorteil eines Herbstbesuches: Man ist nun fast vollständig allein unterwegs.

Iceland

Iceland

Nur sehr selten ging es tatsächlich für uns nicht weiter, wie hier oben zu sehen am beeindruckend großen Kárahnjúkar-Staudamm. Schafe auf der Straße dagegen haben wir irgendwann aufgehört zu zählen: Sicher Hunderte. Gesehene Schafe beim Fahren: ∞. Wettertechnisch hatten wir auf den Straßen wohl relativ viel Glück, zwei Wochen vorher steckten viele Urlauber und Einheimische im Norden fest aufgrund zuviel Schneefalls. Da hatten wir auch einiges von, aber alles in normalen Maße, so dass nie größere Probleme auftauchten.

Iceland

iCELAND

In Island herrscht ein generelles Tempolimit von 90 km/h – und zum ersten Mal fand ich dies nicht bedrückend, im Gegenteil: Ich erwischte mich oft dabei, wie ich mit 50, 60 km/h durch die Landschaft schlich, weil ich rings um mich herum alles aufnahm, diese unglaublichen Landschaften, diese tollen Panoramen, dieses einzigartige Land. Mehr als jemals zuvor genoss ich selbst verregnete Tage im Auto.

Unterwegs in diesem Land heißt sich frei fühlen, die Einsamkeit und die Ruhe der Landschaften zu genießen und beeindruckende Naturwunder links und rechts von jeder Straße zu entdecken.

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RIFF – Reykjavík International Film Festival

Oktober 10, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Die letzten Tage in Island verbrachten wir in der „Metropole“ Reykjavík, der winzigen Hauptstadt dieses wunderbaren Landes. Durch Bekannte und Connections hatten wir hier das Glück weniger ausschließlich Touristen zu sein, sondern vielmehr in dieser Stadt zu leben. Dazu gehörte auch der Besuch des internationalen Filmfestivals, kurz RIFF, einem charmanten Kino-Festival mit herausragendem Programm.

Das RIFF ist ein seit 2004 jährlich stattfindendes Film-Festival, dessen Schwerpunkt dabei vor allem auf jungen, aufstrebenden Filmmachern und dem neuen , modernen Kino liegt. Qualität und Originalität sind wichtiger als Erfolge. In diesem Jahr liefen über 100 Spielfilme und Dokumentationen, darunter auch einige deutsche Filme, beispielsweise „Barbara“ von Christian Petzold, „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid, oder „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking.

Das Programm des RIFF 2012 war buntgemischt, mit Filmen aus über 40 Ländern (dabei laufen alle Filme im Original mit engl. UT bzw. bei englischsprachigen Filmen mit isländischem UT), und so fällt die Auswahl auf einige Filme umso schwerer. Wir selbst waren ja nur am letzten Wochenende des Festivals vor Ort, viele Filme waren schon nicht mehr im Programm, doch gibt es zu fast jeder zeit noch Highlights zu entdecken. Uns fällt direkt auf, wie international das Festival ist: Nicht nur die Filme, sondern auch die Gäste sind multikulturell, nicht zuletzt treffen wir auch andere Deutsche hier. Vielleicht ist dies auch ein Grund für den Charme unserer Kino-Besuche, denn alle waren sie in einer netten Umgebung, man fühlte sich direkt wohl hier (wie eigentlich immer in Island).

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Unser erster Film behandelt ein schwieriges Thema: In „Stillleben“ (2011) vom jungen Wiener Regisseur Sebastian Meise bezahlt ein Vater Prostituierte dafür, seine Tochter nachzuspielen. Das brisante Thema der Pädophilie wird in diesem fiktiven Spielfilm zu einem großartigen Kammerstück mit tollen Darstellern.

 

Stillleben ist ein toller Titel, der diesen Streifen perfekt trifft: Das stille Leben der Familie, besonders nachdem herauskommt, dass der Vater (neben einer Alkoholkrankheit) Vorzüge für seine nun erwachsene Tochter hat. Die Stille der Schuldzuweisung, die Sprachlosigkeit der Familienmitlieder, das Verdrängen und Verschweigen der Probleme. Überhaupt wird in diesem Film kaum geredet, die Bildersprache drückt alles aus, womit auch der letzte Aspekt des Titels treffend ist: Der Ausdruck der „Stillleben“ in der Kunst für das Vergängliche, den Tod oder die Sehnsucht passt sehr gut. Wie Meise und seine Darsteller hier in einem doch kurzen Film die Eindrücklichkeit des Themas rüberbringen, ist bemerkenswert. 77 sehr bedrückende, aber auch großartige Minuten Kino. (plus Soap & Skin als Darstellerin und ihr toller Voyage Voyage-Song, das verdient Extrapunkte.)

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In „Persepolis“ (2007) verarbeitet Regisseurin Marjana „Marji“ Satrapi ihre eigene besondere Lebensgeschichte mit Kindheit in Teheran während der Islamischen Revolution. In knackigem schwarz-weiß gehaltenen, künstlerisch ambitionierten Animationsstil erzählt der Film ihren Lebensweg und dabei fast wie nebenbei zeichnet er ein Bild der Situation im Iran.

Persepolis zeigt dabei einerseits eindrücklich die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft, andererseits aber auch gerade das Absurde solcher Situationen besonders im Privatleben. So hat der Film durchaus seine komischen, witzigen Momente, auch wenn er über seine gesamte Spielzeit natürlich bedrückend bzw. aufwühlend ist. Durch die Animationen können Emotionen und Gefühle besser dargestellt werden, und so bekommt man gute Einblicke in die Psyche der Protagonistin und versteht ihre Sorgen, ihren Kummer und ihre Zuneigungen. So ist „Persepolis“ schließlich ein guter, intelligenter biographischer Film, der bewegt und nicht zuletzt auch gute Unterhaltung.

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Unser dritter und auch letzter Film während des Festivals war der merkwürdigste, lustigste und traurigste zugleich: die niederländische Dokumentation „Meet the Fokkens“ von Gabrielle Provaas und Rob Schröder zeigt das Leben von Martine & Louise Fokkens, einem Zwillingspaar aus Amsterdam, die seit über 50 (!) Jahren Prostituierte im Amsterdamer Rotlicht-Viertel sind.

Selten haben wir bei einer Doku soviel gelacht: Die Fokkens haben eine solche urkomische Art, dass das ganze Kino oft am Boden lag vor Lachen: Hilarious. Andererseits zeigt der Film die offensichtlichen Fehler ihres Lebens und den traurigen Weg zu einem Leben mit der Prostitution. So ist „Meet the Fokkens“ in der Nachbetrachtung schwierig: einerseits unglaublich lustig, doch letztlich auch nur eine neue traurige Huren-Geschichte. Die Dokumentation bleibt aber sicher absolut sehenswert, alleine schon wegen dem charmant-sympatischen Zwillingspaar. Applaus im Kino nach dem Abspann – gibt’s ja auch nicht all zuoft.

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Sicherlich hätten wir gerne noch viele weitere Filme gesehen, doch Reisen und Urlaub sollte ja nicht zu kurz kommen, daher mussten wir uns mit diesen dreien, allesamt empfehlenswerten, Filmen begnügen. Das Festival bleibt uns dabei sicherlich in guter Erinnerung: großartiges Programm, einfache Organisation, charmante Umgebung und natürlich tolle Filme.P

Mehr zu unseren Erlebnissen in Island bald, dann auch eigene Photos von der Tour und aus Reykjavík selbst.

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