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Florence and the Machine live in Frankfurt

Dezember 17, 2012 3 Kommentare

Erst zwei Alben und schon gefühlt ein Weltstar. Florence Welch ist schon jetzt eine Marke, und sie kann damit mittlerweile auch bei uns größere Hallen füllen. Ein Bericht vom wundervollen Konzert am 2.12.2012 in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Live in Frankfurt, Jahrhunderthalle

Miss Welch ist gerade 26 Jahre alt, doch wenn sie in ihren Kleidern Kostümen auf der Bühne erscheint, wenn sie ihre Stimme durch die Hallen peitscht, wenn sie eine rundum perfekte Show abzieht, denkt man sie wäre eine wesentlich ältere Dame. Erst wenn sie immer wieder hüpft und springt und schreit und animiert, kommt der jugendliche Wahnsinn etwas durch. Dann ist Florence in ihrem Element, dann reißt sie ein ganzes Publikum bis zu den letzten Plätzen mit. Dass Florence and the Machine wahnsinnig gute Shows abliefern, wusste ich schon von Freunden – und natürlich auch von anderen Aufzeichnungen, wie hier beim Glastonbury. Also wurde es Zeit, und glücklicherweise war das Ende der European-Tour fast vor der Haustür*. (*in Konzertsprache: weniger als eine Stunde Anfahrt.)

Den Support übernehmen – wie bei allen Konzerten der Tour – Spector, eine britische Indie-Band, die schon vor ihrem Debüt-Album in die Ehren der Auswahl der BBC-Acts des Jahres kamen. Und gar nicht mal zu Unrecht: Guter Sound, interessante Lead-Stimme (erinnerte uns etwas an Editors-Frontman Tom Smith), und wirklich gefälliger Gitarrenrock. Das ist in der Tat eine nette Vorband, der man gerne zuhört. In ihr Debüt-Album  aus dem August muss ich dringend mal länger reinhören.

Danach herrscht eine ungewöhnlich lange Umbau-Pause, die manch quengeliger Fan gar schon mit Pfiffen quittiert, doch als die ersten Klänge von Only if for a night erklingen, ist dies vergessen. Denn Florence and the Machine sind von der ersten Sekunde voll da. Das Publikum braucht etwas länger, aber spätestens mit dem zweiten Song What the water gaves me sind alle mit dabei. Frau Welch steht am Bühnenrand, und singt, ja manchmal möchte man fast schreien sagen. Aber das ist es nicht: nichts bei ihr klingt gepresst. Ihre Stimme ist selbst bei den unangenehmen Höhen und Längen ausgeglichen. Beeindruckend. Immer wieder rennt sie von einer Seite der Bühne zur anderen, animiert die Gäste bis zu den letzten Sitzplätzen auf der Tribüne, tanzt ausgelassen – nur um im nächsten Augenblick wieder still zu stehen und die ruhigen, magischen Momente des Konzertes beinahe andächtig hervorzuheben, wie beispielsweise in der Piano-Version von Leave my Body.

Das ist vielleicht das Großartige an Florence and the Machine. Die Mischung aus gnadenlos ausuferndem Pop-Song, tanzbaren Stücken und etwas so Stillem wie hier zu hören. Und schon eine Sekunde später ist sie mit ihrem Radio-Hit Shake it Out schon wieder auf Durchdreh-Modus. Zwischendurch fordert sie bei Rabbit Heart (Raise it up) alle auf sich gegenseitig auf die Schultern zu nehmen, bei der ewig langen Zugabe The dog days are over schreit sie in die Menge und springt anschließend mit dem Publikum um die Wette. Das Schöne an all dem: Man merkt der Band, den Sängerinnen und ihr den Spaß auf der Bühne an. Und das überträgt sich schnell auf alle. Das sind die Konzerte, welche einem später in positiver Erinnerung bleiben. You’ve got the Love ist da nur eines von vielen schönen Highlights.
Ziemlich genau 1:45 h war die Band auf der Bühne incl. aller Zugaben, und die hatten es sowohl zeitlich als auch stimmungsvoll in sich. Spectrum war toll, und dog days are over dann die großartige Krönung eines sehr guten Konzertes.

Die ganze Setlist des Konzertes:

1. Only If for a Night  2. What the Water Gave Me 3. Drumming Song  4. Cosmic Love  5. Bird Song (Intro) 6. Rabbit Heart (Raise It Up) 7. You’ve Got the Love  (The Source cover) 8. Lover to Lover  9. Heartlines  (acoustic) 10. Leave My Body (piano version) 11. Shake It Out  12. No Light, No Light

Zugabe: 13. Sweet Nothing  14. Spectrum 15. Dog Days Are Over

Gar nichts zu meckern? Eigentlich nichts, aber nun ja: Der Ton in der Jahrhunderthalle war leider alles andere als optimal. Mehr als einmal sehr übersteuert. Da erwarte ich mir als Konzertbesucher einfach etwas mehr Professionalität – kann aber auch Wunschdenken sein.

Ansonsten großes Lob: wunderbarer Abend mit dieser wahnsinnigen Frau auf der Bühne. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Florence and the Machine gesehen habe.

The Rapture live in Frankfurt (Zoom, 9.5.12)

Die New Yorker DFA-Rasselbande The Rapture veröffentlichten im vergangenen August vielleicht das House-Album des Jahres. Verspielte Tracks, Gute-Laune-Disco-Musik, viele eingesetzte Instrumente und über allem der wunderbare Gesang von Frontmann Luke Jenner. Überfällig sie endlich mal live zu sehen, und die Gelegenheit bot sich diese Woche im Frankfurter Club Zoom (ehemals Sinkkasten).

Jedes Festival hat diesen Moment, den Du nicht vergisst. Diesen Moment, der sich musikalisch einbrennt. Auf dem Nachtdigital 2011 war das sicher, als gegen 11 Uhr morgens Dixon diesen Song spielte, diesen Song, der uns alle verzauberte, und der noch vor seiner eigentlichen Veröffentlichtung 3 Wochen später zum Hit wurde: How deep is your Love? – Keine (gute) Party, bei der wir im vergangenen Zeitraum nicht zu diesem Song tanzten.

Das aktuelle Album „In the grace of your Love“ ist um diesen großartigen Hit aufgebaut – dieses verspielte House-Element gemischt mit dieser puren Disco-Pop-Attitüde. Doch braucht sich keiner der anderen Tracks davor zu verstecken. The Rapture sind mit ihrem dritten Studioalbum auf der Höhe der Zeit und liefern den perfekten Sound für ausgelassene Stunden.

Und genau das machen sie im Frankfurter Club Zoom (kurzfristige Verlegung aus dem eigentlich geplanten Cocoon) auch deutlich: Als Einstieg „In the Grace of your love„, der Titeltrack mit seinem langen „Ohoohoho“-Mitsing-Part. Danach gehts Schlag auf Schlag: „Never die again“ und „Pieces of the world we love„. Pausen gab es kaum, die Spielfreude der vier Jungs auf der Bühne war groß und so ging es auch ohne große Plaudereien immer direkt weiter. So wie ich es mag.
In der Mitte des Konzertes ein früher Höhepunkt: Die „Fast-schon-Klassiker“ Whoo! Alright – Yeah… Uh Huh und House jealous Lovers direkt hintereinander. Großartig, und die „Cowbell“ immer mit dabei. Schön auch: Das Konzert war gut besucht, doch genau so, dass man ausreichend Platz hatte zum Tanzen, Bier trinken und feiern. Besonders verrückt finde ich ja auch „Come back to me“ mit seinem unwiderstehlichen Akkordeon-Part: Toll!

Leider war nach ziemlich exakt 40 Minuten und 12 Songs schon Zeit für die erste Bühnenpause und dann für die Zugaben: „Children„, „Miss you“ (mit seinem schönen Mitsingpart ohoo, how i miss you….) und selbstverständlich „How deep is your love?“ in der ausgedehnten, ewig langen Live-Version. Das war schon ziemlich großartig, und es hätte noch lange so weitergehen können. So bleibt nach einem schönen Abend der einzige Kritikpunkt, dass es mit einer Spielzeit von etwa einer Stunde viel zu kurz war. Trotzdem bekommt das Konzert in der Gesamtwertung eine prima Note, und für alle die Empfehlung die New Yorker mal live zu sehen! Gerne wieder.

 // Bildnachweis: Da ich selbst keine gemacht habe, bin ich bei der Suche nach guten Photos des Konzertes bei Christoph Seubert gelandet, der so freundlich war, mich hier eines seiner schönen Photos veröffentlichen zu lassen. Dort gibt es noch mehr tolle Photos, auch von Konzerten von anderen großartigen Künstlern wie whomadewho, TEED oder Feist. Klickt Euch rein.

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Trentemøller live in Den Grå Hal, Christiania

November 29, 2011 1 Kommentar

Anders Trentemøller, der umtriebige Däne aus Kopenhagen, hat ein extremes Jahr 2011 hinter sich. Zusammen mit seiner Band eine intensive Welttournee mit über 100 Stationen in vielen Ländern, dazu ein neues Remix-Album, eine Compilation-Veröffentlichung, und zahlreiche zusätzliche DJ-Sets. Bevor er jetzt für eine lange Zeit ins Studio geht für die Aufnahmen des neuen Albums gab es zwei Abschlusskonzerte in seiner Heimat. Wir konnten Tickets ergattern und erlebten ein Konzert der Extraklasse.

Trentemøller live at Den Den Grå Hal, Christiania (25.+26.11.2011)

Trentemøller live at Den Den Grå Hal, Christiania (25.+26.11.2011)

Mitten im faszinierenden Kopenhagener Freistaat Christiana liegt unweit der Green light zone, einer Art Marktsstraße für Cannabis und Marihuana, eine äußerlich unscheinbare Halle: Den Grå Hal. In dieser tollen, alten Holzdecken-Halle spielt Trentemøller seine letzten beiden Shows dieses Jahr. Es ist eine Art Heimspiel in seinem Heimatland und die Halle ist längst ausverkauft. Und weil es auch für ihn und die große Band ein Abschied ist, gibt es befreundete Vorbands, und im Anschluss finden sich auf der Bühne nochmal fast alle für ein gemeinsames DJ-Set ein. Aber der Reihe nach.

Mit den beiden Vorbands Giana Factory (aus Dänemark) und Death Crush (aus Norwegen) mit jeweils erstaunlich hohem Frauenanteil (incl. pogender Frontfrau im Publikum) konnte man sich die Zeit vor dem Konzert sehr gut abfinden, das Bier schmeckte (für Kopenhagen-Verhältnisse erstaunlich günstig, nur etwa 5€ pro Becher^^) und die Halle war schnell gut gefüllt. Als schließlich Trentemøller begann, war es gemütlich angefüllt mit vielen sympatischen Besuchern und guter Stimmung. Und Trentemøller zeigte von Beginn das, was man von ihm erwartet: eine kompromißlose, leidenschaftliche Show voller Energie, voller Power und mit wunderbarer, vielfältiger Musik – begleitet von sehr guten Sängerinnen und Instrumentalisten. Die Stimmung erreichte schon mit den ersten Stücken (Mash and the Fury und Shades of Marble) sehr schnell Betriebstemperatur.

Mich begeistert bei den Live-Shows von Trentemøller vor allem immer die Intensität des Ganzen. Völlig egal welcher Song: Aus der jeweiligen Live-Nummer werden epische Tracks, die Live-Band setzt sowohl die rockigen als auch die elektronischen Elemente der Alben gekonnt um, und Trentemøller selbst spielt und hüpft sich jedes Mal auf neue selbst in Extase. Nur um dann im nächsten Augenblick in den ruhigen Momenten des Konzertes eine Gänsehaut-Stimmung zu erzeugen, wie hier bei dem allseits bekannten Miss you (Videos nicht von mir, da hatte ich selbst gar keine Zeit für.) Wie man am Ende gut beobachten kann: Während des leider viel zu kurzen 90-minütigen Konzertes gibt es keine Pause: Es geht sofort in den nächsten Song über, und es gibt auch keine einzige Ansage.

Bei Songs wie …even tough you’re with another girl oder sycamore feeling können sich die hervorragenden Gastsängerinnen hervortun. Hier zeigt sich außerdem, dass auch diese ruhigen Songs live eine enorme Wucht erzeugen können. Ein – wenn nicht DER – Höhepunkt ist dann schließlich moan. Schon auf dem ersten Album einer meiner Lieblingssongs, entwickelt sich dieses Lied zu einem 10-Minuten langen Monster, mit 2-minütigem Mundharmonika-Intro. Absoluter Wahnsinn, und absolut großartig. Ein riesen Lob an die tolle Band, exzellente Umsetzung. [Video keine gute Quali, aber es reicht für einen Einblick.]

Viel zu schnell ist das Ende des Konzertes erreicht: leider war das so gut, dass man die Zeit dabei völlig vergisst. Bei der erwartungsgemäßen Zugabe darf der Silver Surfer nochmal abgehen und eine wilde Party feiern. Spätestens danach bin ich sowieso am Ende meiner Kräfte. Immerhin reicht es noch für ein 2 Stunden DJ-Set im Anschluss, nette Unterhaltungen mit anderen Gästen, wilden Tanzeinlagen und Abfeiern von spontanen Drum-Sessions von Trentemøller selbst. Ein wirklich großartiger Abend geht etwa gegen 3 Uhr in der Früh in Christiana zu Ende – bei viel zu scharfem Kebap. Ich zitiere ungern Facebook-Kommentare, aber dieser Comment trifft das Konzert ziemlich gut:

„Trentemøller“ completed his World Tour in Copenhagen tonight and what a show – maybe my best concert on danish ground this year! He took us on a „Tour de Tribute to techno/industrial pioneers“ and boy I love that style – from Kraftwerk (Robots like), Bowie (Weeping Wall like), Gary Numan and Nine inch nails (I’ll post Cars tomorrow), Joy Division (Love will tear us apart like), New Order (Blue monday), David Lynch (Mullholland drivish), Massive attack (the slow passages) to Skrillex (he did Skrillex special sounds on the extra number). Cool cat, fantastic. Goodnight 🙂

Einige weitere Kopenhagen-Impressionen hier.

Konzert: Friendly Fires in Köln

September 27, 2011 1 Kommentar

Nachdem ich überschwängliche Konzertreviews gelesen und gehört hatte, und mir die Live-EP des diesjährigen iTunes-Festivals sehr gut gefiel, sind wir spontan zum Friendly Fires-Konzert ins Kölner Luxor gefahren. Und die drei Briten zeigten im vollbesetzten, verschwitzten Luxor, warum ihre Live-Events einen solch guten Ruf haben: Tanzbarer, leichtfüßiger Disco-Pop, der beschwingt und gute Laune versprüht. 

Friendly Fires im Luxor: Ed Macfarlane in Aktion

Im Vorprogramm gibt es die Deutsch-Briten I heart sharks zu hören, die mit ihrer Musik doch sehr an Friendly Fires selbst erinnern. Andere Bands, die mir spontan als Vergleichspunkt in den Kopf kommen sind zum Beispiel Does it offend you, yeah? , Delphic oder Two door cinema club. Schräger Electropop, der in „Neue Geschichten“ gipfelt. Klingt zum Beispiel so. Sehr nett, und sehr unterhaltsam. Einer der besseren Voracts vor Konzerten. (Selbst schreiben sie in ihrem Tumblr übrigens über den Abend so:  The tour with Kills had only just begun when we got the call from our management – “How would you like to play support for Friendly Fires?”. I think we may even been in our now second home, Luxor, at that point. Our manager is now deaf due to our reaction. Cologne was great, as we have now come to expect every time we’re there. Friendly Fires played the house down with an amazing gig. A match made in heaven, we’d say.)

Nach der Umbaupause und einigen Gin-Tonic später gings auch schon richtig los: Die Friendly Fires betraten die Bühne und wurden stürmisch (viel mehr als erwartet) begrüßt. Auf der Bühne werden die drei Musiker von Bläsern unterstützt, und so konnte die junge Band direkt mit Lovesick und vor allem Jump in the Pool einen exzellenten Start hinlegen. Auffallend schon nach Sekunden: Mit welcher Spielfreude, mit welcher Intensität und mit welcher Energie die Jungs auf der Bühne stehen. Obwohl Sänger Ed Macfarlane hier – wohl zurecht – die meiste Aufmerksamkeit bekommt, machen auch Jack Savidge und Edd Gibson einen super Job und bringen von der ersten Minute eine tolle Stimmung in den kleinen Konzertraum.

Marfarlane verlässt immer wieder die Bühne, singt, tanzt und schwitzt mitten unter den verdutzen und begeisterten Zuschauern (siehe das verwackelte Photo oben) und bringt uns mächtig in Fahrt. Dabei ist vor allem sein abgefahrener Tanzstil immer wieder Blickfang. Die Musik torkelt zu diesem Zeitpunkt schon lange Richtung Siedepunkt, hat einige Höhepunkte (Skeleton Boy, Paris, u.a.), und erreicht zu jedem Track eine unglaublich energievolle Mischung, bei der man kaum stillstehen kann. (Leider übersteuert der Sound manchmal etwas, aber das scheint eher ein Luxor-Problem als eins der Band zu sein.)

Erstaunlich: Die Friendly Fires sind live besser auf ihren zwei Alben. Ihre Songs kommen erst so richtig durch die Dynamik des Live-Spieles in Fahrt, und reißen aber dann schließlich ernorm mit. Meine ganz persönlichen Highlights sind neben dem bereits erwähnten Jump in the Pool die beiden Zugaben: Das phantastische Hawaiian Air, und das Drum-Solo-Abfahrtstück Kiss of live. Ein tolles Konzert einer Band, die ich sicher wieder besuchen werde. (Um ganz groß zu werden müssen sie allerdings neben ihren großartigen Shows noch etwas mehr Breite in ihre Stücke / Alben bekommen, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Die komplette Setlist zum nachlesen, (und hier zum Hören):

Setlist Friendly Fires Luxor, Köln.

Und wer vor einem Luxor-Besuch noch Hunger hat, sollte mal bei Caminetto vorbeischauen. Leckerer Italiener in der Kölner Südstadt zu fairen Preisen.

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James Blake live (im Kölner Luxor)

Wenn mich ein Künstler im letzten Jahr und die letzten Monate besonders fasziniert hat, dann ist das ganz klar James Blake. Der junge Londoner beeindruckte mit einer Vielzahl von tollen, reduzierten Tracks und so konnte ich beim ersten Deutschland-Konzert von ihm natürlich nicht nein sagen. Ein Besuch im Kölner Luxor, und ein „Augen-Zu-Konzert“: James Blake live.

Warum ich keine eigenen Photos hochlade? Weil ich kein einziges gemacht habe – und das obwohl die Kamera dabei war. Es war eines dieser ganz kleinen intimen Konzerte, wo man keine Zeit mit manuellen Einstellungen und günstigen Motiven verschwenden möchte. Aber der Reihe nach.

Das Kölner Luxor ist ein kleiner Club in der Nähe des Barbarossaplatzes, und gerade weil er so klein ist, perfekt für feine Konzerte geeignet. Schnell einen Gin-Tonic geordert, und ab auf die winzige Fläche vor der Bühne. Dort sollten auch recht zügig Cloud Boat anfangen, ein Zwei-Mann-Projekt aus London, die natürlich ebenso auf den Dubstep-Floor zielten. Ich kannte die beiden nicht, und war spätestens bei der 2. Hälfte des kurzen Sets sehr positiv überrascht. Stark verzerrte Gesangsparts streuten sich über viele Bässe und ausbrechende Beats. Sehr ruhig, fast schon leise, und doch immer wieder erzitternd vor Bass. Das war super, schöner Support. Und so klingt das. Umbaupause, ein weiterer Gin-Tonic, ein Besuch auf der Toilette, und wieder rein ins mittlerweile doch sehr enge Getümmel.

Und dann gehts los. James Blake betritt die Bühne, einen Raunen geht durch die Runde, zwei weitere Musiker sind mit dabei und los gehts. Genau wie auf dem Album mit Unluck. Es folgt ein Querschnitt des Albums inclusive Klavierwerke der gleichnamigen EP. Es ist so ruhig im Luxor, dass man jeden Ton einzeln aufsaugen kann. An der Atmosphäre hätte man zu diesem Zeitpunkt noch arbeiten können. Dennoch schafft es Blake mit seiner unnachahmlichen Musik zu begeistern. Er spielt nur wenige Songs, doch diese werden teils neu interpretiert, teils mit langen Instrumental-Parts bereichert. Hier merkt man auch die musikalische Stärke Blakes: Am Klavier entstehen wundervolle Stücke, die er immer wieder in die Songs einfließen lässt. Zusätzlich arbeitet er viel mit Hall und aufgenommenen Wiederholungen: Besonders lustig, als jemand aus dem Publikum einen langen Schrei ausstößt, und der später immer wieder im nachklingenden Hall zu hören ist. Da muss Blake sogar selbst lachen, unglaublich sympatisch.

Richtig gut wird es auch hier in der zweiten Sethälfte mit den „Hits“. Erst „Klavierwerke“, dann das Feist-Cover Limit to your love und schließlich mein Lieblingssong Wilhelms scream. Wunderschön, und einzigartig, und jetzt stimmt auch die Temperatur des Publikums. Einzig der etwas schwache Ton stört manchmal, wenn es zuviel rasselt. Gerade gegen Ende bei richtig tollem druckvollem Bass ist die Anlage etwas schwach auf der Brust. Aber nicht weiter schlimm, die Musik ließ viel Zeit zum Träumen. Wohl noch nie auf einem Konzert soviel die Augen zu gehabt und mich ausschließlich auf den Sound konzentriert. Am Ende kommt Blake noch einmal alleine auf die Bühne, und spielt ein wunderschönes Piano-Stück, und lässt uns damit zufrieden nach Hause. Blake selbst mischt sich übrigens danach unter das Publikum, lässt Photos machen und quatscht gut gelaunt mit den „Fans“. Noch einmal: äußerst sympatisch. (Hoffentlich steigt dem 21-Jährigen der Hype nicht über den Kopf, bisher scheint das nicht der Fall zu sein!).

Wie klingt das Ganze dann? Zum Beispiel so, hier live bei den BBC-Sessions. (Bei der BBC gibts hier beim Sound of 2011 noch viel mehr zu Blake).

Vermisst habe ich übrigens nur CMJK. Love it.

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Robyn live in Offenbach (Capitol)

März 9, 2011 3 Kommentare

Irgendwie sollte das wohl nicht so recht sein, mit uns und Robyn. Das Konzert im September ausgefallen, schließlich verschoben – ausgerechnet auf Rosenmontag, schließlich noch vom Frankfurter Mousonturm ins Offenbacher Capitol verlegt – und dann, als es endlich soweit war, stecken wir im Zugchaos fest. Das kurze Review zum Robyn-Auftritt im Rhein-Main-Gebiet.

Blick aus der letzten Reihe ,)

Es ist früher Abend als sich zwei 13-Jährige in genau DER S-Bahn-Station, die dem Capitol am nächsten liegt, einen sowohl dummen als auch unverzeihlichen Jugendspaß erlauben – und damit den kompletten Rhein-Main-Bahnverkehr zum Erliegen bringen. Dummerweise ist genau zu diesem Zeitpunkt für viele Feierfreudige hackedichte Wahnsinnige Rosenmontagsschluss – und die Bahnhöfe füllen sich, und füllen sich.

Wir mittendrin, und noch lange nichtsahnend vom Unglück in Offenbach. Es ist kurz nach 19 Uhr, alle Züge sind verspätet, aber laut Durchsagen kommen sie „…in 10, 20, 30 Minuten“. „delayed„, wohin man schaute.  Es ist 20:30 Uhr, als wir überlegen, wieder den Heimweg anzutreten: Wir sind durchfroren, angewidert von Jecken & Narren, und wissen, dass die Bahn noch eine Stunde Fahrzeit hat – bei einem Konzertbeginn um 21 Uhr. (Einlass: 20 Uhr.) Gegen 21 Uhr erreicht eine S-Bahn den Bahnhof, binnen Sekunden ist sie voller voller Menschen. Weil es diese nicht schaffen, die Türen zu schließen, hält die Bahn immer wieder an, wir verspäten uns weiter. Erst gegen 22.15 Uhr sind wir in Offenbach, 10 Minuten später im Capitol – einer wirklich tollen Location, wenn auch leider nicht so klein wie der Mousonturm. Hier ist die 31-jährige Robyn nach zwei (!) Support-Acts schon dran mit ihrem ersten Song. Schnell Jacken zur Garderobe und rein ins Getümmel. Rein ins Getümmel heißt hier: In der letzten Reihe stehen, weil alles andere so voll ist, dass wir nicht durchkommen. Doch wir haben Glück: Wir stehen auf einer Erhebung, und können zumindest alles sehr gut sehen.

Dass der Abend schließlich nicht völlig in die Hose geht, ist ganz allein einer Person zu verdanken: Robyn. Sie schafft es, mich schon mit dem ersten Song, den wir richtig mitbekommen, völlig zu begeistern: Ihr großer Hit Dancing on my own – noch explosiver als schon auf Platte. Robyn singt, tanzt wie eine Wilde, ist mitreißend und dabei so lässig. Strahlend, voller Energie, mit unglaublich viel Leidenschaft auf der Bühne. Beats, Beats, Beats! Alles auf 15cm-Highheels. Umwerfend. Mir schiesst schon nach wenigen Songs der Gedanke durch den Kopf, dass man Robyn sicher nie wieder in solch kleinen Locations sehen wird: Sie ist zu gut, zuviel Popstar, zu perfekt. Umso schöner, dass wir sie hier in – einigermaßen – gemütlicher, intimer Atmosphäre noch sehen konnten. Umso trauriger, dass wir erst so richtig gegen Ende warm werden, so paar Warmup-Bands sind schon toll…

Die Stimmung im Capitol ist übrigens gut: Es wird viel mitgesungen, getanzt und begeistert mitgewippt – sowohl bei den neuen Tracks, als auch natürlich beim großen alten Hit „with every heartbeat„. (Hier ein – qualitativ leider schlechtes -Fan-Video von unserem Konzert, voller Energie, vor allem so ab 3:30min.)

Ob das wunderschöne Hang with me oder der Ohrwurmfaktor stars 4ever: Jeder Song passt an seine Stelle, es gibt keinen Leerlauf, keine Hänger. Das Konzert ist phantastisch, Robyn ist „awesome“, wie soviele youtube-User zu Recht meinen. Schade, dass wir den Abend nicht in voller Länge genießen konnten, doch sollte dieser Abstrich nicht auf Kosten von Robyn gehen. Zwei Kritikpunkte gibt es dann doch noch: 1) Liebe Konzertverstanstalter (Intro!), bitte verkauft doch etwas weniger Karten, so dass man sich noch bewegen kann und legt das Konzert entweder aufs Wochenende, oder so früh, dass man mit der Bahn noch nach Hause kommt. 2) Liebe Robyn, beim nächsten Mal aber bitte mindestens 2 Stunden Vollgas! – Tolles Konzert, jederzeit wieder. Dann aber hoffentlich ohne unsere Robyn-Komplikationen.

Unter dem Truthahn-Radar: Scooter live

Dezember 7, 2010 1 Kommentar

Scooter sind die erfolgreichste „deutsche“ Band, lässt man Plattenverkäufe und Charterfolge sprechen. Auch in meiner Jugend ging an „Move your ass“ (1995) oder „Hyper Hyper“ (1994) kein Weg vorbei. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mir die Jungs um Hans Peter „Baxxter“ Geerdes mal live anschauen würde. Gestern abend in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen war dann doch äußerst spontan. Ein Review auf einen durchaus spassigen Abend.

Schon der Tourtitel sagt einiges darüber aus, wie ernst sich Scooter selbst nehmen: „Under The Radar Over The Top – Stuff The Turkey X-mas Tour 2010„. Und nur, wenn man sich selbst und seine sonst verwöhnten Musikgeschmacksnerven nicht zu ernst nimmt, kann ein Konzert mit Scooter gelingen. Dass ich etwa 3 Stunden vor Einlass gefragt wurde, ob ich mit möchte zum „bestimmt lustigen Scooter-Konzert“, war überraschend, aber natürlich sagte ich sofort zu. Warum auch nicht?

Die „Vorband“ sollten Scooter aber vielleicht nochmal überdenken, über die houserockerz schreibt sichtpunkt passend: „Präsentiert wurde ein  Mix aus Charthits, Vocalhouse und Fußballhits – eine äußerst interessante Mischung.“ Eine äußerst schlechte Mischung, die nur zu ertragen war, weil es so schlecht war, dass es fast schon wieder lustig war. Geschenkt, schnell noch ein paar Bier getrunken. Ein lauter Knall, Scooter stehen auf der Bühne und legen los. Für die nächsten 90 Minuten wird es einen Takt geben, einen Rhythmus, nur unterbrochen für die trancigen Frauenstimmen-Anteile. 90 Minuten Vollgas mit einem Publikum, was sich zusammensetzt aus den verschiedensten Schichten, von 16 bis 70 Jahren. Schon interessant, wer alles bereit ist 45 € für ein bisschen Keyboard-Sound und Party zu bezahlen 😉 Passend zur Hochzeit von Scooter gibts natürlich Bauarbeiter-Outfit, Trillerpfeife und jede Menge Warnwesten.

H.P. "fucking" Baxxter in Aktion.

 

Mit dem 2. T-Shirt...

Hans Peter sieht mit seinen 44 Jahren geliftet blendend gut aus, macht ohne Probleme mit nur einer kürzeren Pause die Frontsau, brüllt sein „Always Hardcore“ in die Menge, lässt sich auf „Faster, Harder“-Kommando mit SCOOTER-Sprechgesang feiern und stellt sich selbst als „H.P. FUCKING Baxxter“ vor. Das alles in glitzernden T-Shirts, die an Hässlichkeit kaum zu überbieten sind. Nun ja, es ist wohl dieser kleine Kosmos, in dem all dies funktioniert: Tausende Besucher, die für einen Abend nochmal einen Neunziger-Rave nachholen, nicht über die unterirdische Musik oder geschweige denn die monotonen Bassläufe nachdenken. Und lässt man solche Gedankenspiele beiseite, funktioniert das wirklich. Eingelullt von einer unfassbaren (!) Lautstärke und einer ordentlichen Portion Lightshow mit viel Pyroeinsatz macht das spätestens bei „I’m raving“ richtig Spass. Und wenn man erstmal angesteckt ist von tausenden Händen, die ständig in die Luft fliegen, herumspastenden Tänzern und der allgemeinen guten Laune, ist man eh schon mittendrin angekommen.

Und so sah das zum Beispiel bei „Nessaja“ aus. Ein hilfloser Versuch ein Video zu machen, die Lautstärke frisst alles weg, die kleine Cam übersteuert leider extrem:

Scooter ist nichts für schwache Nerven, Langweiler oder Gegner von Körperberührungen. Man sollte schon etwas Spass an der Sache haben, doch ganz so wild wie zum Beispiel bei den Hamburger Deichkindern wirds dann schließlich auch nicht. Und so machen die 90 Minuten mit Scooter eine Menge Spaß bei ohrenbetäubendem Lärm. Neben ein paar neueren Songs des aktuellen Albums beschränken sich die drei Jungs fast ausschließlich auf „Klassiker“, von „One“ bis „How much is the fish“ ist quer durch die Diskographie fast alles dabei. Es gipfelt schließlich in einer langen „Maria„-Version, bevor es als Zugabe ein Medley aus „Endless Summer„, „Hyper Hyper“ und „Move your Ass“ gibt. Und Schluss.

Ein zweites Video zum erwähnten „Maria, natürlich wieder absolut übersteuert. Wie soll das kleine Mikro auch diesen Krach aushalten? 😉

Fazit: Geschmacklich unbelastet ein riesengroßer Spaß. Unter dem Radar des Geschmackes, aber doch over the top, und dass alles kurz vor Weihnachten: Truthahn-großartig. War in jedem Falle eine Bereicherung meiner kleinen Konzertliste 😉 Das nächste Mal aber dann mit einer Warnweste in orange. Danke für den lustigen Abend!

 

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