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Kinokritik: Melancholia (Lars von Trier, 2011)

Oktober 20, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Lars von Trier. Schon der Name weckt viele Assoziationen, meist an ungewöhnliche Filme. Oder an Skandale. Oder an das Dogma-Manifest. Von Trier ist sicher einer der streitbarsten Regisseure der Gegenwart. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Ich bin irgendwo in der Mitte, zwischen stiller Bewunderung und maßvollem Abstand. Sein neuer Film „Melancholia“ lässt mich schon wieder unschlüssig zurück. Der schwierige Versuch einer kurzen Kritik.

(c) CONCORDE Filmverleih

Vorweg: Ich hatte dieses Mal weder einen Trailer gesehen, noch etwas mehr zum Inhalt des Filmes gelesen. Angeregt von guten Kritiken und dem guten Plakatmotiv im Kino meiner Wahl wollte ich den Film unbedingt im Kino sehen. Und zumindest der Kinobesuch sollte sich lohnen.

Lars von Trier beschreibt seinen neuen Film gerne als Katastrophenfilm. Und nichts anderes ist Melancholia im Kern. Ein Planet, eben jener „Melancholia“, rast auf die Erde zu und wird diese unvermittelt treffen und auslöschen. Klingt nach Armageddon im Programmkino, Go Bruce Go! Nun ja, ganz so ist es dann schließlich natürlich nicht, denn wir sind ja hier in einem Lars von Trier-Film. Also ist der Weltuntergang gleichzeitig Metapher und Ausdruck von Justines Depressionen. Justine (Kirsten Dunst), das ist der eine Part von zwei Schwestern, die den Film als Protagonisten tragen und jeweils einen Akt erhalten. Die andere ist Claire (von Trier-Darling Charlotte Gainsbourg), welche sich aufopfernd um die depressive Justine kümmert, und schließlich immer mehr selbst an ihren Ängsten zerbricht (während Justine konträr dazu im Laufe des Filmes immer zufriedener wird). Der Untergang der Welt ist zwar unvermittelt der Rahmen der Handlung, im eigentlichen Plot dreht und fällt die Geschichte mit dem Thema Depressionen.

Melancholia ist hier ganz typisch von Trier: sentimental, aufwühlend, und faszinierend erschreckend. Und all das in gekonnten, traumhaften (und traumartigen) Bildern. Allein für die wunderbaren Aufnahmen des ankommenden „Melancholia“ lohnt sich der Kinobesuch. Doch bei allen schönen Motiven und Metaphern (ein Psychologe hätte wohl an den vielen kleinen Details seine helle Freude) ist Melancholia auch etwas langatmig und zerrend. Obwohl der Cast herausragend ist und bis in die Nebenrollen hoch qualitativ ist (Die Hochzeitsgesellschaft ist absurd großartig und schlicht genial dargestellt!), schleppt sich der Film gerade im Mittelteil etwas vor sich hin – es fehlt mir hier an herausgearbeiteter Schärfe für die Krankheit Depression (Warum kann Justine nicht in eine Badewanne steigen, aber kurz später auf ein Pferd steigen und galoppieren?) und an Tiefgang in die einzelnen Charaktere (Was ließ Justine depressiv werden?, Warum ist Claire so verängstigt?etc.). In vielen Momenten ist mir der Film zu schwerfällig, zu selbstverliebt und zu wenig ergreifend.

Trotz dieser Schwächen offenbart Melancholia immer wieder phantastische Szenen, bei denen vor allem Kirsten Dunst als Justine herausragt. Wie ihr Charakter sich immer mehr einer Art Todessehnsucht nähert, umso näher der Weltuntergang bevorsteht – wunderschön im Kontrast zu ihrer Schwester – ist großartig, sowohl im Film als auch schauspielerisch. Und hier muss man dann auch wieder den Hut vor Lars von Trier ziehen: Er schafft es, menschliche Abgründe immer wieder hervorragend darzustellen, ohne dabei in Hollywood-typische Katastrophenfilm-Manier zu verfallen. Allein für die bombastische minutenlange Schlusssequenz mit Richard Wagner-Untermalung (die vom langen verstörenden Intro bis zum Ende immer wieder eingesetzt wird) ist der Film sehenswert, ansonsten gibt es von meiner Seite einige Abzüge. Etwas unschlüssig bin ich hin- und hergerissen, wie dieser Film bei mir abschneidet. Für ein langfristiges Urteil müsste ich Melancholia sicher ein zweites Mal schauen. Empfehlenswert, aber in keinem Falle ein neues Meisterwerk.

(PS: Kiefer Sutherland in einem ernsthaften Drama zu sehen, ist immer noch…nun ja… fast störend. Immer wieder spuckte der Gedanke „Denen kann ja gar nichts passieren, gleich legt John seine Tarnung ab, und Jack Bauer rettet mit beeindruckender Manier die Erde vor ihrem unvermeidlichen Untergang“ in meinem Kopf herum. Denn was ist schon „Melancholia“ für Jack Bauer.)

Serienreview: The Event [NBC, 2010-2011]

Im letzten Herbst startete die NBC eine neue Mystery-Serie, welche mit Action- und Verschwörungselementen an den Erfolg abgelaufener Serien wie „Lost“ oder „24“ anschließen sollte. Durch rückläufige Quoten gab es einen langen Winterbreak, so dass die erste Staffel erst diese Woche zu Ende ging. Weitere Staffeln wird es auch nicht geben, ein Review zu 22 Episoden ‚The Event‘.

Nachdem erst neulich entschieden wurde, aufgrund zu schlechter Quoten die Serie einzustellen, war klar, dass The Event keine neue Erfolgsgeschichte wie Lost geben würde. Dabei war das ursprünglich so nicht abzusehen: Der Pilot der Serie war nicht so schlecht, die Charaktere schienen interessant und der Plot verlief zwar nicht außergewöhnlich, aber zumindest spannend. Worum gehts überhaupt?

Sean Walker (Jason Ritter) ist ein stinknormaler junger Mensch (abgesehen von seinen genialen Hacker-Fähigkeiten), der mit seiner Freundin Leila auf einer Kreuzfahrt ist. Als Leila schließlich entführt wird, und niemand Sean glauben mag, überschlagen sich die Ereignisse und Sean gerät in einen unaufhaltsambaren Strudel aus Verschwörungen und politischen Intrigen. Und das Mysteriöse? Nun ja, man könnte das spurlose Verschwinden eines Flugzeuges im Piloten zum Beispiel erwähnen. All dies ist in Form von Flashbacks erzählt, und wird mit durchaus glaubwürdigen Darstellern besetzt. Insgesamt war diese erste Folge etwas zu hektisch und schnell, machte aber Lust auf mehr, ließ auf ein neues „Lost“ zumindest hoffen. Am Ende lief es aber eher auf ein neues „Flash Forward“ hinaus, aber der Reihe nach.

Im Laufe der nächsten Episoden werden zunehmend viele Handlungsstränge nebeneinander gesetzt: Das ist gerade anfangs gut, weil der Zuschauer etwas gefordert wird, die einzelnen Stränge für sich größtenteils interessant sind und man überlegt, wie dies alles zusammen passt. Für den Zuschauer agieren Sean und Leila mit ihrer hilflosen Art, immer weiter in den Ärger hineinzuschlittern, als tragende Charaktere. Für die Serie wichtiger sind aber Personen wie Präsident Martinez, Vize-Präsident Jarvis oder Sophia, die tonangebende Chefin der „Anderen“. Diese Anderen sind eine unbekannte Spezies, deren Heimatplanet stirbt. Eine Supernova wird 2,5 Milliarden umbringen, wenn es Sophia nicht schafft sie auf die Erde zu transportieren. Das dies bei der US-Regierung nicht gerade auf Zustimmung stößt, kann man sich denken. Ein harter Konflikt zwischen allen Beteiligten entsteht, in dem im Mittelpunkt die Frage nach dem Lebensraum steht.

Das alles klingt nicht wirklich neu – und das ist es auch nicht. Aliens hatte vermutlich jede 2. Mystery-Serie, Flashbacks hatten wir in der Serienlandschaft in den letzten Jahren mehr als genug, und mitverwickelte Politiker in eine Verschwörung sind spätestens seit „24“ an der Tagesordnung. Irgendwie schafft es „The Event“ – ähnlich wie anfangs auch Flash Forward – eine unterhaltsame Spannung aufzubauen. Fast hätte ich dennoch aufgegeben, als es zunehmend Logiklöcher gab, vor allem in den Folgen vor der längeren Pause. Doch zugegeben: Auch andere große Serien haben immer wieder Logikfehler – in einem Serienuniversum kann nicht alles stimmen, sonst fehlt es an jeglicher Spannung, hier lässt besonders 24 grüßen. Also schaute ich weiter. Man will schließlich auch wissen, was denn nun das vielzitierte „Event“ ist, wenn schon die Serie ihren Namen dort herzieht.

Leider ist genau dies die große Schwachstelle der Serie: Zuviele Handlungen, und leider auch der Plot rund um das eigentliche Event, werden nur angerissen, oder angefangen und später völlig vergessen. Da gibt es einige Episoden, die sich um einen alten, reichen Kauz namens Dempsey drehen, der kleine Kinder entführt und an ihnen medizinische Tests durchführt. Das wird in aller Breite erzählt, und ist letztlich auch gar nicht schlecht, weil der alte Mann von Hal Holbrook gespielt wird und einfach großartig ist. Und was passiert? Irgendwann erschiesst sich Dempsey und diese Handlung wird nie mehr angerissen, geschweige denn erklärt. Das ist schade, denn immer wieder, gerade in den letzten 6-8 Folgen der 22 Episoden, blitzt großes Potential auf: Es gibt sie immer wieder, die guten Momente, die starken Dialoge, die besonderen Twists – und im nächsten Augenblick passiert wieder etwas, wo man den Drehbuchautor gerne mal fragen würde, was er da geraucht hat.

Letztlich verschenkt NBC eine Serie mit viel Potential, was leider nicht ausgenützt wird. Trotzdem, und das möchte ich betonen, bleibt trotz aller  – erwartbarer und unfassbaren – Schwächen eine sehr unterhaltsame Serie, die man sich als Serienfan gut anschauen kann – zumindest, wenn man über die Plotfehler und das zu schnell herbeigeschusterte Ende hinwegsehen kann. Was bleibt an wirklich Positivem hängen? „The Event“ hatte einige ganz hervorragende Settings, einige wirklich gute Momente, spannende Episoden und einige doch bemerkenswerte Darsteller. Im Kopf bleiben werden wohl vor allem Zeljko Ivanek, der als CIA-Direktor eine tolle Figur macht, und die unglaublich attraktive Taylor Cole, die mich zwar anfangs nervte, sich aber irgendwann zu einer meiner Lieblingscharaktere mauserte.

Am Ende bleibt noch die Frage, was wäre wenn und hätte und überhaupt, wenn man der Serie 3-4 Staffeln Zeit gegeben hätte sich zu entwickeln. Wir werden es nie erfahren, und damit ist es mir nach „Flash Forward“ nun schon zum zweiten Mal passiert, eine Serie anzufangen, die während der Ausstrahlung dann gekippt wird. Schade drum. In Deutschland hat sich übrigens die RTL_Group die Rechte gesichert, wird wohl irgendwann mal im Nachtprogramm laufen. Ich werde mich wohl mehr den je erstmal mehr Serien widmen, sie schon über einen längeren Zeitraum Erfolg hatten.

Bad Lieutenant – Die One-man-show des Nicolas Cage

Januar 21, 2011 2 Kommentare

Vor knapp einem Jahr im Februar 2010 kam der neue Streifen von Werner Herzog ins deutsche Kino: „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“. Eine Anlehnung an Abel Ferarras korrupten Cop Harvey Keitel aus dem Jahre 1992. Herzog gelingt dabei ein ganz phantastischer Film – auch weil einer überragend aufspielt, der immer gerne unterschätzt wird: Nicolas Cage. Er ist Dreh-und Angelpunkt des Filmes, eine einzige One-man-show.

Werner Herzog ist ganz sicher einer der bedeutensten Regisseure Deutschlands, wenn nicht weltweit. Sein Autorenkino ist prägend gewesen, seine Zusammenarbeiten mit Klaus Kinski sind legendär. Er schaffte es immer wieder Kinski zu Großtaten hinzureißen, und vermutlich würde Herzog auch heute noch Kinski als Hauptrolle besetzen. Doch der ist seit nunmehr 20 Jahren tot, und da sucht sich Herzog ausgerechnet für einen Cop-Thriller einen der großen Stars aus: Nic Cage. Die Filmfreunde, die ich kenne, zucken bei solchen Namen zusammen. Cage steht für Hollywood-Blockbuster, Cage steht für einfache Unterhaltung, man könnte da auch Tom Cruise oder oder oder erwähnen. Doch meiner Meinung nach wird Nicolas Cage chronisch unterschätzt. Das Cage ein unglaublich talentierter Schauspieler ist, hat nun auch Herzog erkannt, und lässt ihn mit „Bad Lieutenant“ einen späten Karrieregipfel erklimmen.

Cage spielt den Polizisten Terence McDonagh, der nach einer Befreiungsaktion in New Orleans zwar den Lieutenant-Titel erhält, aber auch seit dem mit quälenden Rückenschmerzen zu kämpfen hat. Um den Schmerzen zu entgehen, stürzt er sich in die Welt der Drogen, und so kommt ein Stein ins Rollen: „One bad thing…to another“ (siehe Trailer oben). Auf der Suche nach neuem Stoff ist McDonagh alles recht, jüngere Cops werden mit reingezogen, Jugendliche auf offener Straße bloßgestellt (was mit einem Quickie auf der Motorhaube endet), und die Kunden seiner Prostituierten-Freundin Frankie (hinreißend: Eva Mendes) werden ausgebeutelt. Cage ist hier in seinem Element: Er darf fluchen, er darf an die Grenzen gehen, er darf sich ins Delirium koksen, er darf Leguane und tanzende Seelen sehen. Kurz und gut: Es ist DIE Paraderolle für Nic Cage und er erfüllt sie grandios. Er spielt den korrupten Cop, der immer tiefer in den dreckigen Moloch von New Orleans gezogen wird mit einer solchen Intensität, mit einer solchen hypnotischen Anziehungskraft, das es regelrecht begeistert dabei zuzuschauen – und dies, ohne dass die Filmfigur auch nur eine Sekunde sympatisch ist. Das ist genial.

Werner Herzog schafft es fast nebenbei, den Film trotz allem nicht zu sehr auf Cage festzufahren, spielt mit Metaphern (Leguane), und lässt die gesamte Geschichte trotz all ihrer Tragik immer mit einem Augenzwinkern zurück. Nie hat man das Gefühl, dass hier jemand mit der großen Moralkeule umherläuft. Das ist großartig, und macht den Film absolut sehenswert.

Manch einer wird Nicolas Cage in solchen Rollen Overacting vorwerfen, aber eigentlich ist es mehr als das: Es ist purer Genuß. Er hätte für seine Leistung hier alle Preise verdient gehabt – aber es gab nicht mal Nominierungen. Warum? Cage ist in einer Schublade drin, die so leicht nicht mehr auf geht: Zuviele Blockbuster an der Seite von Jerry Bruckheimer, darunter sehr gute Actionfilme wie Face Off, aber auch letztlich unfassbar schlechte Filme wie „Vermächtnis der Tempelritter“. Zuviel Schund wie in den letzten Jahren mit „Ghost Rider“, zuviel Blödsinn a la „Kick Ass“, und nun schon wieder ein „Bruckheimer-Film: Duell der Magier. Cage steht als Inbegriff für irgendwie merkwürdige Blockbuster in den „nuller Jahren“, und für groß angelegte Actionstreifen in den Neunzigern (z.B. „Con Air“, „8mm“, „Gone in 60 seconds“). Wer Nicolas Cage aber auf diese Rollen reduziert, tut ihm Unrecht: Diese Figuren waren zwar alle solide gespielt, aber richtig aufgedreht hat Cage immer erst in ernsteren Rollen, in kleineren Filmen. Überragend in Leaving Las Vegas, beeindruckend und großartig in Spike Jonzes Meisterwerk Adaption, facettenreich und zynisch zB in Lord of war, dem Waffenhändlerdrama. Nicht zuletzt natürlich als herrlich ängstlicher, witziger Stanley Go(o)dspeed – welch großer Name – in einem meiner liebsten 90er-Jahre-Streifen: „The Rock“ (mit Abstand der beste Bay-Film!)

In „Bad Lieutenant“ darf Cage vieler dieser Rollen verbinden, und am ganz am Ende auch wieder nur ein kleiner Mensch sein, der vollgekokst Fischen zuschaut. Weil Herzog hier wunderbar ruhig, ambivalent und frei seine Hauptfigur darstellt, und Nic Cage sie auch noch so imponierend spielt, ist hier ganz großes Kino entstanden. Danke dafür. Und Cage kann sich bei Herzog für einen späte, unerwartete Top-Leistung bedanken. Absoluter DVD-Tipp!

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Eine wunderbare Videomontage von Cages „Ausflipp“-Momenten hänge ich noch hintendran: Nic Cage losing his shit:

‚Kreutzer kommt’…und das deutsche TV-Verhalten

November 2, 2010 13 Kommentare

„Ich bin Kreutzer. Ich löse den Fall hier.“ Mit diesen Worten stellt sich Kreutzer vor, der neue TV-Kommisar bei ProSieben, überraschenderweise gespielt von „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst. Sein erster Fall hat es in sich, aber Kommissar Kreutzer hat bisher noch jeden Mörder überführt – in 4 Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden… Eine kleine TV-Kritik, an der sich auch wunderbar das deutsche Fernsehverhalten messen lässt.

Selten hat ein Pilotfilm (zu einer möglichen Serie) soviele kontroverse Meinungen produziert. Warum? Weil „Kreutzer kommt“ nicht perfekt war oder gar elendig schwach? Nein, vielmehr, weil es auf einem privaten Sender lief, an einem Feiertag (an dem doch die meisten Deutschen frei hatten), und zudem „Superstar“ Herbst die Hauptrolle hatte. Dies alles führte dazu, dass zumindest um 20.15 viele Deutsche einschalteten. Sie hatten ja auch noch eine Stunde Zeit, bis „Bauer sucht Frau“ lief. Und innerhalb dieser ersten Stunde von „Kreutzer kommt“ gab es bei Twitter einen Sturm an Tweets zu #Kreutzer mit äußerst unterschiedlichem Befinden. Um es kurz zu machen: Der Großteil der Zuschauer war unzufrieden, klagte über die Langatmigkeit, die fehlenden „Stromberg“-Gags und über ewige Dialoge ohne große Spannung. Nur ein Bruchteil bewunderte Herbst für seine schauspielerische Leistung, noch weniger bedankten sich für die tollen Dialoge und die großartige Charakterfigur. „Kreutzer kommt“ hatte schon verloren, bevor es richtig loslegen konnte.

Das ist sinnbildlich für die deutsche TV-Landschaft und das deutsche Fernsehverhalten. Es scheinen lediglich noch drei Formate viele Menschen erfolgreich (im Sinne der Quote) zu erreichen:

1) Irgendjemand wird gesucht/gecastet, und dabei geht es vor allem darum, die Menschen größtmöglich zur Schau zu stellen, so dass es für Otto-Normalo zuhause witzig ist, und er so zufriedener mit seinem eigenen erbärmlichen Leben ist. („Bauer sucht Frau“, „Schwiegertochter gesucht“, „DSDS“, „Supertalent“, etc.).

2) Irgendwelche Spielchen, die aufs Einfachste getrimmt spannend und unterhaltsam sind, vorzugsweise gegen oder mit Prominente(n), damit man was zu tratschen hat, und gerne über 5 Stunden. („Wetten, dass..?“, „Schlag den Raab“, etc.).

3) Volksmusik mit Florian Silbereisen.

Wenn nun ein Sender versucht, eine fürs deutsche Fernsehen ungewöhnliche Serie zu produzieren, geht das meistens nach hinten los. „Kreutzer kommt“ war/ist solch eine ungewöhnliche Serie. Ein Krimi, der schon von vornerein mit dem Intro und dem relativ späten Einstieg von Kreutzer selbst zeigt, dass er anders sein will. Mehr Dialoge, viele mögliche Täter, ein überaus arroganter, kontroverser Kommisar in einer Mischung aus Dr. House und Monk, nur ohne deren Macken. Nicht alles gelingt dem Piloten: Die größte Schwäche von „Kreutzer“ war sicher die zum Teil etwas in die Länge gezogene Spielfilmlänge. Hier wären 60 Minuten statt der 90 wohl sinnvoller gewesen. Über Langatmigkeit konnte man sich darüber hinaus aber auch nur beschweren, wenn man keinen Sinn hat für feine, intelligente Dialoge in Serien. Diese Dialoge waren bissig, und durchtränkt von tiefem Humor, der aber nie affig wurde. Beklagenswert ist meiner Meinung nach das Over-Acting von Herbst. Gewiß, Herbst ist ein genialer Schauspieler, aber hier war mir das eine oder andere „Augenbrauen-Hochziehen“ zuviel des Guten, zuviel von „Stromberg“, wo er ja eigentlich mit allen Mitteln von weg will. Darüber hinaus ist die Figur Kreutzer aber einfach genial: Wie er sich den jeweiligen Verdächtigen gegenüber verhält, wie er verschiedene Personen provokant und trickreich in die Bedrängnis bringt ist schlichtweg phantastisch. Im Gegensatz zu üblichen TV-Krimis (wozu leider auch immer öfter der Tatort zählt) wusste ich hier nach über 80 Minuten immer noch nicht, wer der Mörder ist. Erstaunlich, weil im Fernsehen allzu oft die Hinweise zu offensichtlich sind. Bemerkenswert an Kreutzer war vor allem die leise Art der Unterhaltung: Wenig bis gar keine Action, keine übertriebene Dramatik, keine Rücksicht auf Konventionen und kleine gezielte Gags auf Religion, Homosexualität oder Rassen. Aufgrund dieser leisen Stimmung war mir schon zu Beginn bewußt, dass hier für die Masse keine neue Erfolgsstory entsteht. Dafür ist Kreutzer schlichtweg einfach zu gut.

Als ich gestern abend „Kreutzer kommt“ schaute, befanden sich noch 6 weitere Personen in der Wohnung. Diese waren versammelt vor einem kleinen Fernseher und schauten – natürlich – „Bauer sucht Frau“. Das ist sinnbildlich für die drei oben vorgestellten Formate. Der Durchschnitts-TV-Zuschauer braucht entweder jede Menge Action oder soviel menschliche Urtriebe, dass er sogar bemitleidenswerte Landwirte zum Heulen witzig findet.

Dabei – und das ist die große Tragödie des Fernsehens – gehen die wirklich guten Produktionen unter: Ob das nun das gerade auf der ARD laufende „Im Angesicht des Verbrechens“ ist oder beispielsweise der vor kurzem im ZDF gelaufene „Adler“ oder erst Recht auf 3sat oder Arte laufende Produktionen wie beispielsweise „In Treatment„.

„Kreutzer kommt“ ist nicht so gut wie diese Serien. Dafür hatte der Pilot dann doch zuviele Schwächen. Aber es war ein sehr angenehmer Zeitvertreib, intelligente, spannende Unterhaltung und ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung mit deutschen Serien-Produktionen abseits von „Alarm für Cobra 11“. Man sollte dabei vor allem nicht Herbst in die Rolle des Versicherers Stromberg reinstecken. Mit diesem Gag-Wahnsinn hat Kreutzer nun wirklich gar nichts zu tun. Ich bin hoffnungsvoll und guter Dinge, dass ProSieben aus diesem Piloten eine Serie produziert – und wenn es auch nur ist, um zu zeigen: Hallo, wir können auch anders als Klamauk, Casting und Promi-Show. Danke dafür.

Naschen mit Mr.TrailMix

Februar 2, 2010 5 Kommentare

Heute ausnahmsweise mal mit einer Studentenfutter TrailMix-Kritik:

Sieht lecker aus, oder?

Ist es auch. Es handelt sich hier um die „Seelentröster“-Packung (verschärft) von Mr.TrailMix. Mr.TrailMix ist ein neues Start-Up-Unternehmen aus Bremen, welches ab sofort „Nüsse, Früchtchen und kleine Sünden“ deutschlandweit verschickt und dabei die bekannten Trailmixe aus den USA als Vorbild nimmt: Ähnlich dem Studentenfutter, nur wesentlich variabler und vor allem gesünder, denn großteils biologisch. Ein weiterer Vorteil ist die Selbstständigkeit des Bestellens im Blog: Die Zutaten können per „Drag and drop“ in eine Tüte gezogen werden. Schöne Shoplösung!

Und ich durfte im Vorfeld des Onlineshops an einer Testaktion teilnehmen, mit der Bitte doch später darüber zu bloggen. Fair enough, würde der Ami sagen. Gezielte Werbung auf der einen Seite, aber auch mögliche offene Kritik – und für mich vor allem eine Packung gratis. Alle Seiten gewinnen 😉 (Normalerweile stehe ich solchen Testangeboten eher ablehnend gegenüber, aber hier stimmt vor allem der Webauftritt: sympatisch, lesenswerter Blog und alles sehr charmant. Kurzum: das Projekt von Tobias Singer hatte eine Chance verdient und da lasse ich mich doch nicht lumpen.)

Und nun sitze ich also knabbernd und futternd vor dem Laptop und genieße die TrailMix-Packung. Soviel sei auch schon verraten: Wirklich sehr gut!

Passenderweise gabs auch noch ein verschließbares Etui für unterwegs dazu, tolle Idee:

Nehm ich mir doch mal die einzelnen Zutaten meiner verschärften Testpackung vor:

Wasabi-Erdnüsse: Wow! Hot! Wirklich sehr schön, diese grünen Nüsse. Genau mein Geschmack. Immer wieder.

Erdnüsse gesalzen: Erdnüsse halt. Kein Unterschied feststellbar zu herkömmlichen Erdnüssen. Gewohnt lecker.

Hot-Chili-Cracker: zweite scharfe Zutat, und genauso lecker: knusprig, chipsig, mit interessantem Abgang. Sehr gut.

Grüne Pistazien: Meiner Meinung nach etwas fad. Gehen in dieser Mischung etwas unter.

Mango: Die schwächste Zutat. Die Früchtchen sind nicht mein Ding, zu zäh, zu wenig Mangogeschmack.

Bunte Schokolinsen: Gut, aber letztlich kein Unterschied zu M&Ms, etc. Diese würde ich wohl bei einer Einzelzusammenstellung weglassen. Andererseits gemischt mit den scharfen Zutaten interessante Geschmackskombination.

Cranberries: Noch ein Früchtchen. Schmeckt etwas nach Rosine, also etwas langweilig.

Schoko-Erdnüsse: Sehr lecker. Diese Sünden könnte ich ohne Unterbrechung in mich reinschieben.

Fazit: Nüsse und kleine Sünden sind genau mein Ding, auf die Früchtchen kann ich gerne verzichten. Es überwiegt der positive Geschmack, und die nicht enden wollende 400gr-Packung. (Diese sollte es vielleicht in Zukunft noch in anderen Größen geben!) Insgesamt sehr, sehr lecker und ein absolutes „Sucht-Faktor“-Potential. Ähnlich wie Chips und co kann man nicht aufhören… 😉

Daher meine Empfehlung: Schaut doch mal rein bei Mr.TrailMix und guckt, ob für Euch was dabei ist. Eine 400gr-Packung liegt bei etwa 7-9 €, zuviel für das wirkliche Studentenleben, aber vielleicht genau richtig für einen besonderen Abend oder eine Geschenkidee.

Kinokritik „Hangover“

Juli 26, 2009 2 Kommentare

Ich war endlich mal wieder im Kino. Und überraschenderweise nach gefühlten Ewigkeiten nochmal in einer Komödie. Und noch mehr überraschend: Ich habe ohne Ende gelacht, das tat richtig gut… Meine aktuelle Empfehlung für einen superwitzigen Kinoabend unter Jungs ist: HANGOVER. Hier meine Kritik:

Hangover.... Wo kommt der Tiger her?

Hangover.... Wo kommt der Tiger her?

Doug steht kurz vor dem größten Tag seines Lebens. In 48 Stunden will er heiraten. Doch eine pompöse Hochzeit verlangt ja zwingend auch nach einer krachenden Junggesellenparty. Also plant Doug mit seinen besten Kumpeln Phil und Stu ein rauschendes Besäufnis in Las Vegas. Der Vierte im Bunde ist Dougs zukünftiger Schwager Alan. Bereits die Anfahrt im antiken Liebhaber-Mercedes von Alans Vater Sid  leitet die triumphale Sauftour standesgemäß ein. Nachdem die luxuriöse Residenz im Penthouse eines erstklassigen Hotels bezogen ist, kann es endlich losgehen. Alan packt die Pulle Jägermeister aus, es wird sich zugeprostet und… Schnitt! Der Morgen danach: Das Hotelzimmer ist ein Trümmerhaufen. Phil, Stu und Alan haben den Kater ihres Lebens. Im Badezimmer faucht ein Tiger und Bräutigam Doug ist einen Tag vor der Hochzeit spurlos verschwunden. Das Schlimmste ist jedoch, dass sich das Trio an absolut nichts mehr erinnern kann. Um Doug aufzuspüren, gehen die drei den Spuren der Verwüstung nach, die sie in der Nacht zuvor hinterlassen haben.

So startet „(The) Hangover“. Klingt nach einer üblen mainstreamigen Klischeekomödie, wie sie Hollywood alle paar Wochen rausbringt. Aber schon der Einstieg in den Film offenbart, dass hier anderes zu erwarten ist. Der Film beginnt fast ganz am Ende, springt dann 2 Tage zurück, macht wieder einen sensationellen Schnitt und lässt die Zuschauer dann schließlich an dem irren Gedächtnisverlust der Protagonisten teilhaben, in dem man genau wie die Jungs in Vegas erst nach und nach erfährt, was alles in der Nacht zuvor geschehen ist. Das ist an sich schon ein toller Schachzug, und dazu gesellen sich im Laufe der 100 Filmminuten aberwitzige Storytwists, die es für eine Komödie klassicher Art schon sehr in sich haben.

Dazu erreicht „Hangover“ eine Gagdichte, die wohl ausnahmslos ist. Fast (gegen Ende gibts auch schon mal ruhigere Szenen, damit die Story zu Ende  geführt werden kann…) ohne Durchhänger ist die Geschichte zum Brüllen komisch und glänzt mit absurden Ideen und Einfällen. Mir gefallen selten „Lustige“ Filme. Und nur ganz selten Hollywoodkomödien. Hier aber passt alles: Regisseur Todt Philipps (Road Trip, Starsky&Hutch, Old School) schafft einen Film, in dem alles passt – von der Eröffnungssequenz mit der Frontalansicht von Phil bis hin zum sensationellen Photo-Abspann, bei dem ich Tränen in den Augen vor Lachen hatte.

TheHangover_scene_08

Wer sich einfach nochmal so richtig amüsieren will, und dabei vor derben Gags, nackter Haut und surrealen Geschichten nicht zurückschreckt, ist hier genau richtig. Viel Spaß beim Lachen!

(Bewußt stelle ich hier keinen Trailer online, da werden zuviele lustige Szenen schon gezeigt. Nicht anschauen und einfach einen schönen Abend mit Kumpels im Kino verbringen!)

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