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Januar 18, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Wer hier ab und zu reinschaut, wird es bemerkt haben: Das (!) Blog stagniert. Aktuell zu wenig Zeit und zuviel anderes im Kopf um hier ernsthafte Texte zu schreiben. Ich gelobe in der kommenden Woche Besserung. 😉 Für die Zwischenzeit gibts einige – wenige – Eindrücke aus unserer Hauptstadt. Berlin, wie es ist: dreckig, urban, attraktiv, schön, spannend, häßlich, kulturell, musikalisch. Anders als jede andere Stadt in Deutschland.

Alle Photos aufgenommen mit einer kleinen Kompakten (Powershot Xs 200 is), Zeitraum: 13.-17.1-2011.

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Unkle Boonmee erinnert sich an sein früheres Leben

November 14, 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Wer bei der Überschrift schon ein wenig gestutzt hat, wird es wohl bei diesem Namen noch mehr tun: Apichatpong Weerasethakul. So heißt der thailändische Regisseur, der für „Unkle Boonmee Who can Recall his past life“ die diesjährige goldene Palme in Cannes geworden hat. Das macht zumindest neugierig, und so wurde es für mich gestern abend der erste Kinofilm auf thailändisch. Der hoffnungslose Versuch einer Kritik.

 

Trash oder doch vielmehr Kunst?

Aus westlicher Sicht erscheint es schwierig einen Film zu sehen, der geprägt ist von Geistern, Spiritualität und der Frage nach dem Leben nach dem Tod, der Reinkarnation, welche auch heute noch größtenteils in Thailand geglaubt wird. Genau darauf muss man sich aber einlassen, sonst hat man schon nach wenigen Minuten in „Unkle Boonmee“ keine Chance. Es benötigt schon einen großen Grad an Aufgeschlossenheit, um dem Film eine gute Note zu geben: Wir waren immerhin acht Personen im Kinosaal. Dass es dann schließlich noch mystischer, ja, schwieriger wurde, als ich schon erwägt hatte, steht im krassen Gegensatz zur Behauptung, dies sei Weerasethakuls eingängigster Film. (Ich schätze, die anderen Streifen muss ich dann nicht unbedingt sehen.)

Unkle Boonmee leidet an Nierenversagen. Zum Abschluss eines langen Lebens ruft er seine Schwägerin und seinen Neffen zu sich auf ein einsames Landgut. Als das Trio am Abend auf der Veranda zusammensitzt, gesellt sich plötzlich Boonmees vor 19 Jahren verstorbene Frau Huay zu ihnen. Und nur wenig später taucht dann auch noch Boonmees vor langer Zeit verschwundener Sohn Boonsong auf. Dieser hat inzwischen die Form eines Geisteraffen (siehe Bild oben) angenommen, einer mysteriösen Spezies, die Boonsong damals erforschen wollte. Nachdem er sich über die Ursachen seiner Krankheit versucht klarzuwerden, macht sich Boonmee gemeinsam mit seinen Liebsten auf den Weg zurück zu seinem Ursprung – einer Höhle, die nicht allzu weit von seinem Haus entfernt liegt…

Während dies anfangs noch chronologisch aufgebaut ist (bis auf eine mutige Kuh während des Intros), verschlittert sich der Film immer mehr in surreale, fast trance-artige Szenen, die zum Teil zwar magisch sind in ihrer Eigenart, aber jedoch in ihrem größeren Kontext schwierig einzuordenen sind. Schnell ist klar, dass das zentrale Thema der Tod, bzw. seine verschiedenen Formen nach dem Tod sind, und Unkle Boonmee erinnert sich an seine früheren Reinkarnationen, zumindest, wenn ich die eingeschobenen Szenen richtig interpretiert habe. Welche Figur der komplett unabhängigen Momente schließlich Boonmee war, bleibt dem Zuschauer überlassen, es gibt weder Antworten noch Deutungen. Die wohl irrwitzigste, und im Kopf bleibende Reinkarnations-Szene ist bestimmt von einer Prinzessin, welche in jungen Jahren wunderschön war, und nun in einem See ihr Spiegelbild anschaut. Schließlich wird sie von einem Wels (!) mit Komplimenten überschüttet, so dass sie sich ins Wasser begibt, sich ihres Schmuck und ihrer Kleidung entledigt – und unter krampfhaftem Zucken von dem Wels (!) oral befriedigen lässt. – Ob Boonmee nun der Wels war? Man wüsste es gerne. An diesen Punkten im Film überlegt man schon, was der Regisseur hier aussagen möchte: Geht es Ihm um die Transzendenz aller Wesen? Um die Seelenwanderung zwischen allen Teilen der Natur, zu wir Menschen schlussendlich auch gehören?

Es gibt einige wirklich anrührende Momente, Fragestellungen, die im Kopf bleiben. Was passiert nach dem Tod? Was waren wir vorher? (War Boonmee etwa auch die Kuh zu Beginn? Fragen über Fragen.) Das ist – mit einem Tag Gedanken dazu – wirklich interessant, und filmtechnisch sowieso faszinierend dargestellt. Aber während der 113 Minuten des Streifens fehlen mir persönlich etwas die großen Zusammenhänge, die Deutungen. Es bleibt ein verwirrender, schwieriger, anstrengender, auf eine gewisse Weise äußerst faszinierender Film zurück. Auch ein nachdenklich machender. Aber ebenso kommt einem auch spontan der Gedanke, ob man sich diese 2 Stunden „Trash hätte sparen können“? Man muss es wohl als Filmkunst ansehen, als Kunstform einer religiösen und philosophischen Darstellung, weniger als Unterhaltung, weniger als Film an sich, denn es gibt hier keinen Fluss, kein Anfang und kein Ende. Wirklichkeit und Vergänglichkeit werden einzigartig vermischt. Speerspitze der Filmkunst? Vielleicht. Aber auch eine äußerst anstrengende Art Film. Am Schluss bleibt – zumindest bei mir – ein kribbelndes Gefühl zurück: Auf der einen Seite eine Kunstform gesehen zu haben, die mich auf eine paradoxe Weise fasziniert hat, auf der anderen Seite mein Unverständnis, meine Fragen, mein verwirrter Kopf, in dem Welse, Menschenaffen und Glitzerbeerdigungen herumgeisterten. Schlußendlich muss ich hier wohl gestehen, dass ich diesen Film überhaupt nicht einordnen kann, folgerichtig gibts hier auch keine besondere Wertung. Solche Themen, solche Kunstformen kann man wohl nur völlig subjektiv beurteilen.

Hier ist der Trailer für Euch:

Berlin, die Kulturmetropole

September 10, 2010 3 Kommentare

Ein ausländischer Musiker kommt nach Deutschland. Wo wird er mindestens spielen? In Berlin. Eine skandinavische Band ist auf Europatournee. Wo hat sie ihren einzigen Deutschland-Auftritt? In Berlin. Gute Techno-Clubs sind rar. Wo gibts gleich ein Dutzend davon? In Berlin. Wo findet man als Politik- und Geschichtsinteressierter Mensch Museen und Ausstellungen zuhauf? In Berlin. Wo werden tolle Musicals wie die Blue Man Group aufgeführt? In Berlin. Wo gibt es eine eigene Insel für tolle Museen, welche UNESCO-Weltkulturerbe sind? In Berlin. Die Liste  hier könnte man lange weiterführen. Theater, Museen, Opern, Musicals, Konzerte, Ausstellungen, Premieren, Festivals, Clubs, Galerien: Berlin hat wirklich alles im kulturellen Sinne. Kein Weg geht an Berlin als Kulturmetropole vorbei.

Geht es Euch nicht manchmal genauso? Ihr würdet gerne eine Band live sehen, und diese ist – mal wieder – in Detschland nur in Berlin zu begutachten. Mir passiert es ständig: Ich erfahre von irgendetwas Großartigem – sei es Museum, Ausstellung, Clubnacht oder Konzert – und lasse kurz später den Kopf hängen, weil es nur in Berlin stattfindet. Bevor man das falsch versteht: Das ist ja auch in erster Linie großartig, dass es alle diese Kultur-Programme/ Konzerte überhaupt gibt! Nur als Student ist es oftmals schade, wenn sie als Mainzer unerreichbar weit weg erscheinen. Mal eben schnell für einen Abend nach Berlin ist den Social-Media-und SEO-Gurus vorbehalten, die dafür auch noch bezahlt werden.

Auch Mainz ist wundervoll, in einer völlig eigenen Art viel schöner, lebendiger und vor allem hundertmal charmanter als Berlin. Ich lebe gern in dieser Stadt, ich liebe diese Stadt. Aber kulturell gesehen kommt wohl in Deutschland niemand an Berlin vorbei (Vermutlich müsste man das eher auf Europa ausweiten – Die Bandbreite an kulturellen Möglichkeiten erscheinen mir nur wenige Metropolen zu toppen, evtl. London oder Paris). Das ist einerseits als Hauptstadt und der mit Abstand größten deutschen Stadt nur allzu richtig, auf der anderen Seiten schade für andere Regionen. So können kleine Städte wie Mainz ja allein schon aus finanziellen und fördertechnischen Gründen mit diesem Angebot nicht mal ansatzweise konkurrieren. Und in Berlin kommt es zu einem Overkill an kulturellen Möglichkeiten.

Ich war in der vergangenen Woche ein paar Tage in Berlin und Umgebung (Umgebung heißt: Hotel in Potsdam) und konnte mir mal wieder persönlich das große Angebot anschauen. Anhand der puren Masse an Informationen bräuchte man aber vermutlich 2 Wochen, um annähernd auch nur die wichtigsten und größten Museen und Ausstellungen zu besuchen. Und dann bräuchte man noch einmal 2 Wochen um angesagte Clubs, Konzerte oder Lesungen mitzunehmen. Ganz abgesehen von nahezu wöchentlichen Messen oder bedeutenden Konferenzen. Kurz und gut: Ich beneide Berlin und seine Einwohner um die vielfältigen Möglichkeiten. Aber: Schöner ist es trotzdem hier. 😉

Was habe ich mitgenommen aus diesen Stunden Berlin? Vor allem jede Menge Geschichtliches und Politisches. Liegt aber vor wohl im persönlichen Interessenfeld. Man könnte genauso gut 4 Tage durchfeiern (was sich ja auch wirklich aktuell zu einem interessanten Trend entwickelt).

Empfehlen möchte ich vor allem 2 Ausstellungen:

Zum Einen das noch recht frische Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors.“ Hier wird anhand von vielen Photos, Graphiken und Texten die Gewalt von SS, Gestapo und Polizei zwischen ’33 und ’45 im Allgemeinen verdeutlicht. Außerdem geht diese Ausstellung etwas gezielter auf verschiedene Opfergruppen der NS-Zeit ein. Wer sich mit diesem Thema insgesamt noch nicht viel beschäftigt hat, dürfte hier auf vieles Interessante stoßen, für Geschichtsbegeisterte sollte es sowieso mal Pflicht sein – auch um sein Wissen etwas aufzubessern.

Zum Anderen das wohl viel bekanntere Holocaust-Denkmal in der Nähe des Brandenburger Tores. Das berühmte Stelenfeld ist heiß diskutiert worden: Ich finde es gut! Aber empfehlen möchte ich vor allem das Informationszentrum UNTER dem Denkmal. Dort findet sich eine sehr intensive, teilweise arg berührende, persönliche Dokumentation des Holocausts. Vor allem ausgearbeitet an einigen wenigen Familien führt ein didaktisch gut gemachter Audioguide durch die 5 Räume. Bewegend. Still und unscheinbar – und doch für mich das prägende Berlinerlebnis dieses Mal.

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Werde wiederkommen. Hab in den Tagen noch zu wenige Museen aufgesucht (Das Filmuseum Berlin ist übrigens nicht so prägend, kann man gut weglassen) und nicht einen Club aufgesucht. Hah, da staunt ihr! Wird dann im Januar nachgeholt…

Edit: Eigentlich müsste ich doch nach Berlin ziehen, weil quasi ständig IRGENDETWAS ist, was mich reizt. Heute wäre es zum Beispiel das Berlin Festival mit seinem ziemlich perfekten Lineup gewesen. Oder Anfang November die BerlinMusicDays mit einzigartigem Charakter. Oder oder oder. Naja, vielleicht auch ganz gut so: Mit dem Blick aufs Studentenkonto 😉

Music on Demand: Simfy und steereo

August 9, 2010 7 Kommentare

Während Blogs wie netzwertig seit Jahren auf Music-on-Demand-Dienste hinweisen, ihre Vorzüge preisen und den internationalen Markt beobachten, ist das Thema Demand-Musik bisher ziemlich an mir vorübergezogen. Während weltweit spotify einen großen Siegeszug antritt, sind es in Deutschland aktuell andere Seiten, die es geschafft haben sich im Lizenzen-Dschungel von GEMA und Majorlabels durchzuangeln und nun mit vielen Songs online dastehen: simfy und steereo. Ein Test, ein Vergleich und ein Urteil.

Alle Musikseiten im Netz waren für mich bisher nur zweitrangig: Ich wollte und konnte (!) auf meine eigene Musik zurückgreifen, eine eigene Musiksammlung hielt und halte ich für besser als ein Streamingdienst. Warum? Zum Einen waren mir die Dienste musiktechnisch zu schlecht: Mainstream ja, meine Musik nein. Zum Anderen war mir das über die Jahre einfach zu stressig: Nur über schnelles Netz, unterwegs schon gar nicht und es gab keine Möglichkeit seine Musik innerhalb der Dienste zu sortieren, einzulisten oder zu favorisieren. Ganz zu schweigen von den rechtlichen Problemen der Dienste und ihr oftmals verkündetetes Ende des Demand-Dienstes (z.B. ja auch das überraschende Ende dieser Möglichkeit bei Last.fm). In diesem Jahr ist das etwas anders: Die rechtliche Situation hat sich verbessert, durch mobiles Internet und entsprechende Apps gibts die Musik auch unterwegs, und technische Erneuerungen lassen die Dienste in ganz neuen Dimensionen erscheinen.

Music on Demand bedeutet Musik-Hören auf (oder mit) einem Internetdienst, zum Teil durch Gebühren finanziert, zum Großteil aber kostenlos. Dies bedeutet, dass den Nutzern solcher Dienste ein großes (sic!) Spektrum an Songs kostenlos zur Verfügung steht. Durch Deals mit den großen Plattenfirmen wie Sony oder Warner können die Dienste völlig legal Musik streamen, oder sie sogar offline zur Verfügung stellen. Zusätzlich gibt es Premiumbereiche, welche mit einer Art Musikflatrate daherkommen: Noch mehr Musik, noch mehr Möglichkeiten – aber gegen ein monatliches Entgelt. Diese Form der Praxis gibt es ja auch seit einigen Jahren schon bei  Anbietern wie Napster zu finden, eine komplettes Gratisangebot gab es bisher nur im Ausland, z.B. beim mittlerweile bekannten Spotify oder auch bei groovesharkSeit dem letzten Jahr stehen in Deutschland demgegenüber 2 noch recht junge Unternehmen, welche sich aber anschicken, in diesem Bereich eine große Punktlandung hinzulegen. Mein erster Test mit simfy und steereo. (Leider nur für die Webplayer und ohne mobiles Testen,da ich aktuell ohne Smartphone bin!)

Startseite simfy, 9.8.2010

Der erste Eindruck von simfy ist sehr gut: Überzeugendes, klares Design. simfy wirbt mit aktuell mehr als 6 Millionen Songs, aktuell kommen jeden Tag Neue dazu (heute bisher: 19.675 *Stand Quelle simfy). Großen Wert wird auf den Premiumbereich gelegt: Für 9,99 € im Monat gibts mehr, immer und überall. Doch davon lasse ich erstmal die Finger, ich möchte schließlich den Gratisbereich testen.

Ein erstes Stöbern bringt sehr überraschende Ergebnisse – zugegeben. Bei der Suche nach diversen Bands und Künstlern wie z.B. Radiohead gibt es insgesamt sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Diese Alben und Titel dort lassen sich dann ganz einfach nach Belieben abspielen, in Playlists einsortieren, und favorisieren. (Außerdem gibts zu jedem Künstler „ähnliche Musik“, wie man das von last.fm schon kennt, und die gewohnten Tags und Genrebezeichnungen). Das klappt alles sehr easy und ist in seinem Aufbau sehr schlüssig. Zudem gibts die Möglichkeit seinen Account mit last.fm zu koppeln, so dass die Titel dort gescrobbelt werden können. Schon nach 10 Minuten bin ich recht beeindruckt: Sogar Jónsis neuestes Album hat simfy drin, wunderbar. Ein erster Wermutstropfen bei dem schönen, neuen Robyn-Album – dieses bleibt Premiumkunden vorbehalten. Ein Radio gibt es nach Künstlern sortiert, z.B. ein „Muse-Radio“, mit Muse und ähnlichen Künstlern – genau wie bei Last.fm.

Der erste Blick bei steereo:

Startseite steereo, 9.8.2010

Auch hier ist das Layout gelungen, wenn auch nicht ganz so überzeugend wie bei simfy. Steereo arbeitet ebenso mit allen großen Majors zusammen, hat daher auch ein Millionenangebot an Songs, die genaue Anzahl finde ich leider nicht. Ein Premiumbereich ist natürlich auch an Bord – leider aktuell nicht verfügbar (hier sind aber auch etwa 10 € / Monat wahrscheinlich). Im Gegensatz zu simfy bietet steereo parallel zum Web-Player eine Desktop-App auch für Nicht-Premiumkunden – quasi als eigenen Musikplayer, der sofort mit Musik bestückt ist. (Ganz ähnlich, wie das wohl bei Spotify zu finden ist.)

steereo empfinde ich beim ersten Test als wesentlich komplizierter: Die Suche ist nicht so perfekt wie bei simfy,  oftmals  werden mir null Ergebnisse angezeigt, obwohl der Dienst eindeutig die Künstler dabei hat. Dann jedoch bietet steereo ähnlich gute Ergebnisse: Auch hier finden sich zahlreiche Alben und Titel von – wieder einmal – Radiohead. Auch hier kann man Favoriten erstellen, Playlists anlegen und die einzelnen Titel auch direkt mit z.B. Facebook verknüpfen. Anders als bei simfy kann man hier ein Album nicht sofort abspielen, sondern muss es zur Playlist hinzufügen, in der man dann aber nach Belieben aussortieren kann. Eine Kopplung mit last.fm soll es geben – ich finde sie aber nicht. Leider bezeichnend für den eher unübersichtlichen Seitenaufbau. Das Radio bei steereo bietet einzelne Genre-Radios, z.B. „Electronic“, „Independent“ oder „Rock“, spielt dabei zufällige Titel mit den dazugehörigen Tags.

Beide Dienste haben (bisher!) ihre Schwerpunkte ganz klar auf Mainstream-Musik, zwischen Radiodudelei und Top100 der Charts. Das ist nicht allzu verwerflich, man muss schließlich auch erstmal Kunden bekommen – und es für die Masse interessant machen. Ein bezeichnender Blick in die Topkünstler, bzw. die vorgeschlagenen Acts in der Stöberecke von simfy:

Künstler bei simfy

Das wiederum bedeutet natürlich für mich als Musikfan abseits des Mainstreams, das es etwas schwieriger wird: Beide Dienste bekommen große Schwierigkeiten, wenn man es mit kleinen Namen oder noch unbekannten Bands versucht. Vor allem in der von mir geliebten elektronischen Szene wird es schwierig, da fehlen natürlich viele Releases, gerade neueren Datums:

Insgesamt muss ich aber sagen: Für mich gibts es überraschend viel Musik, wesentlich mehr als ich gedacht hätte (zum Beispiel gibt es von MUSE bei beiden Diensten alles (zumindest an offiziellen Titeln fehlt mir nichts – bei simfy leider vieles für Premiumvariante!). Vor allem, wenn man bedenkt, dass simfy und steereo beide eigentlich erst am Anfang stehen. Viele Künstler sind schon eingetragen, jeden Tag kommt Musik dazu (Sogar Extrawelts „Schmedding/8000“ ist dabei ,) ). Und natürlich ist eine Suche nach „Mount Kimbie“ z.B. fast unfair, da diese gerade erst letzten Monat ihr erstes Album released haben. Insgesamt lässt sich vor allem das Angebot von simfy als super bezeichnen, sogar noch eher unbekannte tolle Bands wie „Two door cinema club“ oder „Miike snow“ sind mit an Bord, auch wenn dies natürlich noch ausbaufähig ist. Der Web-Player übrigens gefällt mir bei simfy besser, sowohl optisch als auch von seiner Struktur, insgesamt ein klares „sehr gut“:

Webplayer simfy

Ein erstes kleines Fazit nach 2 Tagen Testen:

Nach 2 Tagen Herumspielen und Testen mit steereo und simfy bin vor allem ich selbst überrascht: Music on Demand kann funktionieren. Es gibt jede Menge Auswahl, viele Funktionen für z.B. eigene Playlists (im Grunde ganz ähnlich wie in iTunes etwa!) und das Ganze auch für unterwegs (selbst offline!) – was ich leider bisher noch nicht testen konnte.  Im Test zwischen den beiden deutschen Unternehmen simfy und steereo gab es auf beiden Seiten viel Gutes, und auch einiges Negatives. Grundsätzlich gibt es einen klaren Gewinner meiner Gunst: simfy! Deren Seite besticht durch funktionierendes Suchen, einfaches System und insgesamt sehr gut durchdachte Funktionen, sowie ein schönes Layout. Dazu kommt ein schöner Player mit den wichtigsten Funktionen und etwas elementares: Alles ist übersichtlich, klar strukturiert und für jeden User einfach zu bedienen. Das sieht bei steereo völlig anders aus: Eher unübersichtlich von der Struktur her, die Suche hakt etwas, der Premiumbereich nicht zur Verfügung stehend. Für steereo spricht vor allem eins: Weniger Premium, mehr gratis. So gibts es zb die Desktopapp und die mobile App für Smartphones bei simfy nur als Premiumkunde, bei steereo ist sie mit dabei. Als Nutzer, dessen digitale Musiksammlung mit vielen hunderten Alben abgebrannt ist, sind beide Dienste aber von großem Nutzen. 😉 (Ich könnte mir sogar ein Premiumpaket von simfy vorstellen: Wirklich überzeugend, und auch von unterwegs auf soviel Musik zuzugreifen ist enorm.)

Man wird in der Zukunft vor allem mit Spannung darauf schauen müssen, wie simfy und steereo auf den Markt reagieren, wie sie mit einem geplanten Einstand von Spotify im deutschen Markt zurecht kommen und wie nutzerfreundlich sie in Zukunft sind: 1) Wie teuer ist die Flatrate? (simfy wird z.B. bald einen Studenten-/Schüler-Preis für den Premiumbereich bekommen.) 2) Welche Besonderheiten gibt es? (mobile Apps, Musikauswahl, Genius-DJ wie bei iTunes, etc.)  3) Gibt es viel Musik abseits des Mainstreams? (Vielleicht mitentscheidend: Auswahl an Musik!)

Ich jedenfalls habe viele Vorteile der Demand-Dienste kennengelernt, obwohl ich mich solange dagegen gesträubt habe. Ich werde auch weiterhin eine eigene Sammlung anlegen, aber vieles spricht dafür, dies in Zukunft nicht mehr in diesem großen Umfang zu machen, die Festplatten nicht unnötig zu belasten und lieber online eine digitale Sammlung aufzubauen – abrufbar von jedem PC der Welt, mobil abhörbar und vor allem komplett legal und nicht zerstörbar durch einen Datencrash 😉

PS: Wer dann noch Songs, Tracks, Remixe und Cover weit abseits des Mainstreams sucht, wird sicherlich bei der guten Hypemachine fündig. Viel Spaß dabei!

Die WM ist tot, es lebe die WM!

Juli 12, 2010 6 Kommentare

Das war sie also, die erste FIFA-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. 4 Wochen, 64 Spiele und Fussball bis zum Abwinken. Fussball wohin man schaute – und das nicht etwa in Südafrika, sondern in Deutschland. Egal ob Supermarkt oder Stammtisch, die WM war omnipräsent. Nach dem großen Finale mit dem insgesamt wohl verdienten Weltmeister Spanien ein großes Fazit von mir zu dieser außergewöhnlichen Veranstaltung.

König Fussball und sein Phänomen als Strassenfeger. (Aufgenommen in Barcelona, Vorrunde.)

König Fussball und sein Phänomen als Strassenfeger. (Barcelona, Vorrunde.)

Ich werde wohl nur begrenzt auf einzelne Spiele eingehen, dafür fehlt Zeit und Platz. Außerdem haben dies andere Blogs ganz vortrefflich getan, dazu später mehr.

Die Fussball-WM ist das größte Sportereignis der Welt, und das merkt man allen Enden: Ob im Radio, im Fernsehen, in der Zeitung, in den Onlinemedien, den sozialen Netzwerken oder auf der Straße, nirgendwo war man vor der WM sicher. Das mögen manche hassen, für mich als Fussball-Fan ist es in erster Linie erstmal reizvoll. Darüber hinaus kann es aber auch für die größten Fans zur Belastungsprobe kommen, wenn auf einmal jeder der Meinung ist „Fussball ist toll“. Das birgt Schwierigkeiten, macht aber letztlich eine WM auch aus. Dazu weiter unten mehr. Desweiteren soll es um die Darstellung der Medien, gerade der übertragenden TV-Sender mit ihren Moderatoren-Pärchen, gehen. Und schließlich natürlich auch darum, was mir ganz persönlich gut gefallen hat – und was eher weniger.

Die deutschen Fans, die Bundestrainer und das Public Viewing

Aus irgendeinem Grund schaut während einer Weltmeisterschaft jeder hin. Nein, nicht bei einer Weltmeisterschaft, sondern bei der Fusball-WM. Wenn Eishockey oder Handball gespielt wird, ist das eine Randnotiz, Fussball dagegen füllt die Auflagen und dient als Aufmacher. Dabei steht das Event im Vordergrund. In Deutschland haben vor allem das „Sommermärchen 2006“ und die beginnenden Public Viewings ihr Übrigens dazu getan, das Produkt WM mit seinem Eventcharakter dem Fussball vorzuziehen. Dabei wird vor allem das Public Viewing zum Inbegriff der deutschen Feierkultur: Trikot, Bier und Schlachtgesänge – und obendrauf der Autokorso. Apropos Autokorso: Was bitte soll ein Autokorso nach einem Auftaktsieg gegen Australien(!) ? Und ganz im Ernst, liebe autofahrende Fans: Erklärt mir Sinn und Zweck dieses Chaos-Feierns. Nach einem Sieg im Finale? Geschenkt – dann wäre ich vielleicht selbst dabei, aber bitte lasst solche Kindereien doch nach Vorrundenspielen. (Lustigerweise sitzen beim Autokorso vor allem die Menschen am Steuer, die sich sonst 365 Tage im Jahr über zu hohe Spritpreise und ein unmögliches Deutschland aufregen….). Überhaupt der deutsche Fan: Vor der WM ist alles schlecht, weil Löw so ein „schlechter Trainer“ ist, nach dem Australien-Sieg ist man sofort Weltmeister, nach dem „superschlechten Serbienspiel“ ist wieder alles schlecht, nach dem glorreichen Sieg über Argentinien ist man „auf Jahre unschlagbar“, und nach der Halbfinalniederlage lag wieder alles am Trainer und am Ende der WM sieht man sich als „wirklicher Sieger“, da das Finale ja so ein „Grottenkick“ war. Das ist absurd bis lustig, traurig bis wissenschaftlich interessant. Natürlich ist auch jeder Deutsche (fast jeder, meinen Papa gibts ja auch noch 😉 ) während der 4 Wochen Bundestrainer, und jedes Forum zwischen Kicker, Spox, transfermarkt und SpOn wird zugespammt, was das Zeug hält. Das ist alles so irre, das selbst „Journalisten“ irgendwann auf diesen Zug aufspringen, und meinen sie würden ja grundsätzlich alles besser wissen. Man könnte noch eine Menge Böses über Event-Fans schreiben, aber ich bin dessen müßig, die Diskussion um Event- und/oder „richtige“ Fans ist leider unmöglich – und auch unnötig. Denn es ist ja auch wundervoll (!), dass sich soviele Menschen für diesen Sport interessieren und mitfiebern, das macht die WM ja letztlich auch so großartig. Aber warum jemand, der Fussball im Allgemeinen nicht mag, über Fussball-Abende nur lächelt und weinende Fans als Weicheier betitelt, auf einmal alle 4 Jahre zum übergroßen Fan mit 25 verschiedenen Utensilien in schwarz-rot-gold wird, bleibt mir für alle Ewigkeiten ein Rästel.

Public Viewing in Mainz, Vorrundenspiel.

Ich hab bei dieser WM nach zuviel Aufregung, übergeschüttetem Bier und geballter Inkompetenz beim ersten Spiel der deutschen Elf („Wer ist denn dieser Ozil da auf dem Feld?“, „Dieser Friedrich, hat der vorher schonmal für Deutschland gespielt?“…) die deutschen Spiele immer im kleinen Kreise mit ausgewählten Fussballfreunden geschaut. Essen und kühles Bier dazu, Diskussionen und gemeinsame Analysen. Es fühlte sich gut an. Das war WM-Feeling zum Anfassen, auch bei anderen Partien außerhalb der deutschen Nationalmannschaft. (Ja, diese Spiele gab es nämlich auch.)

Die Übertragung bei ARD, ZDF und RTL

Wir haben hier ja das große Glück (?) – dank GEZ *hrhr – alle Spiele live schauen zu können (natürlich außer die parallel stattfindenden Partien). 64 Spiele á 90 Minuten plus Nachspielzeiten, Verlängerungen, Elfmeterschiessen und natürlich tausende Minuten an Vorberichten, Dokumentationen und Interviews. Der geballte Fussball-Wahnsinn im Fernsehen. Und auch ich muss sagen: Mein TV lief soviel wie sonst in einem ganzen Jahr. Insgesamt kann man wohlwollend auf die TV-Sender und ihre Arbeit zurückblicken, da waren schon viele gute Stunden Fernsehen dabei. Leider gibts bei viel Licht auch viel Schatten, und so waren es vor allem Moderatoren, Kommentatoren und Reporter, die mir mit ihrer Schusseligkeit, ihrer Inkompentenz oder ihrer Aufdringlichkeit ziemlich auf den Sack gingen überhaupt nicht gefielen. Reporter gehören für Fragen wie „Wie fühlen Sie sich?“ oder erst Recht für „Wie groß ist die Enttäuschung?“ eigentlich gefeuert. Was soll ein Spieler dazu auch sagen? Vielleicht könnte er ja die Arme ausstrecken und anzeigen wie groß. „So groß!“ (Dazu auch mehr beim Trainer Baade). Oder ein Kommentator, der ständig Spieler verwechselt, Schlüsselszenen falsch interpretiert und schließlich auch schonmal komplette Spiele so kommentiert, dass ich denke, ich würde ein anderes Spiel sehen. Favorit für den Posten „dämlichster WM-Kommentator“ ist: Béla Rethy. Unglaublich! Apropos ZDF: Diese verlieren auch meine kleine Tabelle der Moderatoren-Pärchen:

Reinhold und Mehmet

1. Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl: Beckmann ist zwar mehr oder weniger nervig und will immer alles selbst sagen, dafür hat er mit Scholl den kritischsten und gleichzeitig  vor allem sympatischsten „Experten“. Mehmet machte seine Sache wieder richtig gut, daher hier der verdiente 1. Platz.

2. Gerhard Delling und Günther Netzer: Durften noch einmal gemeinsam ran nach 13 Jahren Streiten, Mobben und Dissen. Ist im Grunde genommen so köstlich, dass man über jede Menge Belangloses und Langweiliges hinwegsieht.

3. Günther Jauch und Jürgen Klopp: Ich hätte mir hier mehr erwartet; letztlich zuviel Geplänkel, zuviel Klopp, zuviel Technikeinsatz, abstruse Tipps und einfach irgendwie zuviel von Allem. Schade. Nur Platz 3, weil ein Team nur letzter werden konnte.

4. Kathrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn: Nicht der Reichsparteitag ist hier ausschlaggebend, sondern die unglaubliche Inkompetenz der KMH. Dazu ihre fast schon sexistischen schmachtenden Blicke auf den „Ein Oliver Kahn hätte den gehalten“ – Titan, und zudem mir viel zu wenig Kritik von Seiten der alten Nummer 1. Ganz, ganz schwach leider. – trotz „der Überhand“. 😉

Letztlich hat die ARD wohl alles richtig gemacht, dort konnte man grundsätzlich am besten Fussball schauen, auch wenn mein Lieblingskommentator Oliver Schmitt für das ZDF arbeitet.

Die Online-Berichterstattung zur WM. Blogs, Twitter und co

2010 in Südafrika wird für mich auch als die WM in Erinnerung bleiben, bei der ich zum ersten Mal – fast – ausschließlich Onlinemedien zu den Spielen verfolgte. Und damit meine ich keinesfalls klassische große Medien wie SPIEGEL oder BILD, sondern zahlreiche kleine Blogs, einige kleinere Fussballseiten, natürlich Twitter und nicht zuletzt auch Facebook.  (Allein SPOX unterhielt mit seinen Tweets noch das langweiligste Spiel, die ZEIT widmete der WM gleich eine ganze Seite mit sogenannten WM-Tweets, welche fast alle lesenswert waren.)

Vor allem aber machte es Spaß in kleine oder größere Blogs reinzuschauen, sie über den Reader zu verfolgen und ihne Taktiken und Analysen zu lesen. Die dortigen Analysen waren meist besser, aber vor allem persönlicher als KICKER und co. Meine Lieblingsblogs zur WM 2010 in Südafrika:

1. Der Fussballist: Roland Eitel war als PR-Berater von Löw 5 Wochen mit in Südafrika. Kein anderer Blog war näher dran an der deutschen Nationalmannschaft, keine anderen Texte persönlicher, emotionaler und interessanter. DER Blog zur WM, Danke dafür.

2. Das Werder-Fussball-Blog: „Wir brauchen niemanden, der uns den Fußball bunt macht. Was auf dem Platz passiert, ist interessant genug.“ (Hans Meyer) – Und darum gehts in diesem Blog, sowohl bei Werder als auch nun während der WM. Ganz hervorragende Taktikanalysen!

3. Mission 11. Juli:  Rhetrorisch feine Teste von einem Iraner. Tolle Perspektive von Amir Kassei.

4. Meine Saison: Analyse der Deutschland-Spiele und noch viel mehr. Empfehlenswert!

Platz 5 teilen sich die Kontextschmiede und ihre hervorragenden Taktikanalysen sowie die Spielminutenstatistiken bei Kunkello.

Meine ganz persönliche WM. Fan-Freuden, Fan-Fehler, Fan-Highlights aus hulza-Sicht

Auch ein hulza kann irren 😉 Nein, im Ernst, ich lag mit mindestens 2 Personalien vor dieser WM total daneben und müsste mich eigentlich entschuldigen.

1. Miroslav Klose. Ich hatte ihn immer für einen überragenden Stoßstürmer gehalten, selbst noch als er bei den Bayern auf der Bank saß. Aber mit den letzten Spielen der Saison und der Vorbereitung der deutschen Elf incl. Kloses hängender Schultern hatte ich alle Hoffnung aufgegeben: Klose war für mich nur noch dritte Wahl. Das er nun wieder alles zeigte, was ihn so stark macht (Zweikampfverhalten, Schnelligkeit, Aggresivität, Laufwege, Spritzigkeit, Übersicht), habe ich nicht erwartet, und freut mich daher umso mehr. Chapeau Herr Klose, das war weltmeisterlich!

2. Joachim Löw. Ein großer Löw-Kritiker war ich nie, ich achtete ihn immer als großen Taktiker, aber mit der seltsamen Kadernominierung kam ich irgendwie nicht zurecht. Frings zuhause lassen, obwohl Ballack und Träsch und Rolfes ausfielen? Wo war da das viel besagte „Leistungsprinzip“? Warum musste ein Hummels zuhause bleiben, während ein Müller mit durfte? Und erst Friedrich? Wieso, warum? Es gab viele Fragen an den Bundestrainer – und auch ich war einer der Millionen heimlichen Trainer, die es sowieso besser wissen. Löw hat es allen gezeigt. Löw hat richtig gehandelt – und nie mehr werde ich bei Kaderberufungen irgendwelche kritischen Töne von mir geben. Löw hat als Trainer alles richtig gemacht. Dafür bekommt er von mir meinen größten Respekt.

Wie die deutsche Mannschaft Fussball spielte, ja interpretierte, war eindrucksvoll und hat die ganze Welt begeistert – das hat nun vermutlich sogar der größte Fussballmuffel mitbekommen. Weitere Kommentare erübrigen sich im Grunde genommen, aber vier Spieler möchte ich dennoch kurz herausheben:

Bastian Schweinsteiger. Herz und Seele, und der eigentliche Kapitän. Der Leader (obwohl ihn andere erst 2014 sehen). Es war eine einzige Freude „Schweini“ zuzuschauen: Einsatzbereitschaft bis zum Äußersten, Kampfeswille – und nur sehr wenige Fehler. (Ein großer leider im Spiel um Platz 3, vielleicht kostete ihn das ein Podiumsplatz bei der Vergabe des goldenen Balls.)

Mesut Özil. Für mich eher enttäuschend als genial. Das möchte ich kurz erklären: Natürlich spielte Özil zum Teil überragend, das ist auch weltweit gesehen große Klasse. Aber: Das kenne ich auch so schon aus Bremen. Was mir noch fehlt: Der Einsatz, der unbedingte Wille, den ich bei Schweinsteiger z.B. so liebe, und natürlich der Instinkt vor dem Tor (Letztlich 6 Großchancen vergeben.) Daher war seine Nominierung für die Top 10 der WM für mich eher überraschend, dennoch stimmt natürlich alles, was über ihn gesagt wird: Geniales Passverhalten, großartige Annahmen und Laufwege. Er kann ein Großer werden. Man wird es sehen.

Arne Friedrich. Überragend. Der UNTERschätzteste Spieler der deutschen Mannschaft. Großartiges Zweikampfverhalten. Spielte das Turnier seines Lebens.

Lukas Podolski. Der ÜBERschätzteste Spieler der deutschen Mannschaft. Sogar der Langzeitverletzte Jansen war im Spiel um Platz 3 besser als Podolski in allen anderen Spielen. Selten laufbereit, wenig Übersicht und mangelnde Torausbeute. Fast so schlecht wie in Köln.

Ghanaer beim Vorrundensieg (Mainz, 1. Spiel von Ghana)

Das Schönste bei einer WM-Endrunde sind letztlich aber vor allem Emotionen. Ob das nun jubelnde Ghanaer wie hier am Mainzer Rheinstrand sind, tausende Deutschlandfans unter schwarz-rot-goldenen Flaggen, traurige Südafrikaner nach ihrem Ausscheiden, verrückte Niederländer in orange, die Tränen oder  auch die großen Augen der Balljungen beim Einlaufen ins Stadion. Wunderbar! All das ist Fussball, all das zeichnet die WM aus. Ich liebe es ein Vorrundenspiel zwischen vermeintlichen uninteressanten zweitklassigen Mannschaften irgendwo öffentlich zu schauen, alleine der Reaktionen der Menschen aus diesen Ländern wegen. Beeindruckend, welche Kraft der Fussball hat. Das ist schön, und im Grunde genommen ist es das, was die WM ausmacht.

Und Emotionen gab es viele, in dieser Hinsicht war es meiner Meinung nach eine perfekte WM. Tolle deutsche Spiele, aber auch interessante, andere Begegnungen mit ganz verschiedenen Highlights. Meine persönlichen:

  • 121. Minute Uruquay vs. Ghana und die Hand Gottes des Stürmers (!) Suarez. Gyan verschiesst. Elfmeterschiessen, und Ghana scheidet aus. Was eine Dramatik.
  • Achtelfinale Deutschland vs. England, Lampard schiesst – Wembley reloaded. Mit diesem tollen Photo.  Dramatische Minuten, Deutschland gewinnt am Ende verdient 4:1.
  • Paraquay vs. Spanien, das Viertelfinale. Drei Elfmeter, ein Treffer, kein Tor. Die vielleicht kurioseste Minute dieser Weltmeisterschaft.
  • Argentinien vs. Mexiko. Im Achtelfinale schiesst Tèvez das 1:0 für die Gauchos – anschließend sehen die Mexikaner auf der Videoleinwand, dass es klares Abseits war. Machte die schlecten Schiedsrichterleistungen mehr als deutlich und löste neue Debatte um Videobeweise aus.
  • Die „gekauften“ chinesischen Fans der Nordkoreanischen Mannschaft. Legendär.
  • Thomas Müller mit seiner bestern Szene: „Darf ich jemanden grüßen?“ – Die Omas und der Opa werden sich gefreut haben. Ganz stark!

Und vermutlich noch viele weitere Szenen. Die WM hat viel Spaß gehabt, aber jetzt darf sie auch gerne ruhen. Ich freue mich umso mehr schon wieder auf die Bundesliga, mit echten Fans auch gegen die grauen Mäuse mitfiebern, und alles in sich aufsaugen. Und wenn dann wieder Championsleague ist, wird auch wieder weltklasse Fussball gespielt 😉

Wir sehen uns in 4 Jahren in Brasilien. Die WM ist tot! Es lebe die WM!

PS: Spanien ist verdienter Weltmeister 2010.

PS2: Die besten, eindruckvollsten Bilder zum Worldcup gibts – wie fast immer – bei Big Picture: Teil 1 und Teil 2. Unbedingt schauen!

Reise in die ewige Stadt – bellisima Roma!

Dezember 9, 2009 2 Kommentare

Ein Geschichts- und Theologiestudent, der noch nicht in Rom war, ist wie ein Autofreak, der noch nie am Nürburgring war. Rom ist Geschichte und Kultur pur, nahezu zum Anfassen. Da liegt es nahe, dass meine – vermutlich – letzte Reise in diesem Jahr in die Hauptstadt Italiens ging: 4 Tage im über 2500 Jahre alten Rom. Bellisima Roma!

das Kolosseum im Sonnenuntergang

Es sollte der kulturellste Trip des Jahres werden. Eine Mischung aus römischer Antike, den Sehenswürdigkeiten der römisch-katholischen Kirche und dem pulverisierenden Leben einer Weltmetropole mit ihrer ganz eigenen Art des Chaos. Plus einer Menge gutes italienisches Essen von Pasta bis Bruschetta, von Pizza bis Tiramisu; immer zusammen mit einer ordentlichen Flasche „vino rosso“. (Der berühmte italienische Lebenstil mit Cappucino morgens und Wein abends, und zwischendurch vielleicht noch ein Eis und einen Espresso ist jedenfalls schon mal ziemlich mein Ding 😉 )

Der Vatikan mit seinen zahlreichen Schätzen, Sehenswürdigkeiten und den größten Museen der Welt, den Musei Vaticano, ist alleine schon eine Reise wert. Schon allein die Gemälde im Vatikanischen Museum und die sixtinische Kapelle sind unglaubliche Kulturgüter. Leider wird einem die Freude daran etwas durch die Menschenmassen genommen: Den Massentourismus habe ich noch nie auf der Welt so kennengelernt wie in Rom. Wenn einem das genauere Betrachten einer Stanze von Raffael genommen wird, weil man einfach wie bei einem Konzert weitergedrückt wird, hat das leider nicht mehr viel von einem Museumsbesuch. Genau so grausam wie Weihnachtsmärkte. (Übrigens 14 € Eintritt + 7 € Audioguide. Auch das dürfte Rekord sein für ein berühmtes Museum!) Ähnlich entweiht wird natürlich auch der Petersdom: In der berühmtesten Kirche der Welt machen tausende Menschen gleichzeitig was sie wollen: Eis essen, gestellte Touribilder, sich ausruhen, etc. Ziemlich unglaublich. (Interessant übrigens wie in der Kirche mit Baugeräten gearbeitet wird.) Genauso unglaublich war für mich persönlich aber dennoch die Kirche an sich. Erdrückend von der Größe (3mal so groß wie der Kölner Dom) und geflasht von der Schönheit. An diesen Dauerflash von Kunst und Schätzen muss man sich in Rom aber schnell gewöhnen: An jeder Straßenecke, an jeder „Piazza“ gibt es unvorstellbare Sehenswürdigkeiten. Wirklich toll war dann der 360°-Blick von der Kuppel des Domes auf Stadt und Petersplatz, wo gerade der Weihnachtsbaum aufgestellt wurde:

Petersplatz von Kuppel des Petersdoms aus, bei leider schlechtem Wetter

Nicht mehr Vatikanstadt, aber dennoch dazugehörig, weil von Päpsten zur Befestigungsanlange ausgebaut, ist die Engelsburg und dazugehörige Engelsbrücke, die besterhaltene antike Brücke über den römischen Tiber. Auf der Plattform der Burg hat man einen schönen Blick auf Stadt und Umgebung, innerhalb der Gemäuer gibt es verschiedene Ausstellungen. Besuch lohnt sich!

Statue auf der Engelsbrücke.

Engelsburg +-Brücke

Dass Rom auf 7 Hügeln erbaut wurde, lernt man schon in der 7. Klasse. Das es aber wirklich so ist, lernt man erst, wenn man diese zu Fuss erkundet. Das hat positive und negative Seiten: Wundervolle Ausblicke und tolle Panoramasichten auf der einen, schmerzende Füsse und Muskelkater auf der anderen Seite. Städtetrip olé. Schlimmer wars bisher echt nur in San Fran 😉 Die Blicke auf „bellisima Roma“ entschädigen dann aber doch für Vieles.

Kirchen über Kirchen

Ich könnte viele, viele weitere Bilder einfügen, aber dafür reicht der Platz nicht. Außerdem wirds dann ja sowieso uninteressant 😉 Letztlich können Bilder die Schönheit und das Chaos dieser Stadt nur unzureichend zeigen. Überhaupt gibt es viele Sehenswürdigkeiten, in denen photographieren verboten ist, beispielsweise die sixtinische Kapelle oder die makabre und skurille, aber sehenswerte Kapuzinergruft, in der aus 4000 Mönchsgebeinen Kruften gebaut wurden.

Richtig schön, und wohl auch einzigartig, ist die eigentliche Altstadt rund um die „Via del Corso„. Hier spielt sich das eigentliche römische Leben ab. Cafés, Restaurants und vor allem teure Boutiquen aller erdenklichen teuren Modedesigner von Gucci bis Dior, von Prada bis Versace. Von teuer bis schweineteuer. Zehntausende Menschen schieben sich hier voreinander her, von Attraktion zu Attraktion, von Geschäft von Geschäft. Dazwischen hupende Taxis, laut rufende Italiener, schöne Italienerinnen: Im Grunde genommen ein einziges Chaos, faszinierend! Besonders vor der spanischen Treppe nimmt das Ganze groteske Züge an. Habe Sonntag (!) Abend mal versucht ein Bild zu machen, aber bei Dunkelheit und den Massen ohne Stativ bei der Hand war es etwas schwierig – aber es reicht um sich ein Bild von der Szenerie zu machen – wohlgemerkt: Da war kein Markt und auch kein besonderer Tag:

Abends vor der spanischen Treppe

Einen Besuch wert ist außerdem der „Monte Testaccio„. Hier hat sich rund um den „Scherbenhügel“ in den letzten Jahren ein buntes Szeneviertel entwickelt: Bars, Pubs, Clubs verschiedenester Musikstile, Live-Musik Areas – und natürlich auch hier jede Menge Menschen. Interessant zu sehen, wie die jungen Römer feiern. Wir haben unter anderem einer Band aus Messina in Sizilien zugehört: Toti Poeta. Richtig gute Musik! Leider ist es dort auch nicht gerade günstig- um es positiv auszudrücken: Ein 0,33l Bier kostet überall 5 €. Das ist natürlich auf Dauer nicht unbedingt auf Studentenniveau.

„Rome is great“, twitterte ich schon am Samstag. Und das ist es wirklich: großartig. Voller „WOW“-Effekte, fast schon Overkill an sehenswerter Kultur, und in wenigen Tagen sicher auch  unmöglich komplett zu entdecken. Ich werde da sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dafür gibt es noch zuviel zu sehen und zuviel römische Lebensart  zu genießen. Längere Zeit wollte ich widerum aber auch nicht dort wohnen: Dafür ist mir der ganze Alltag viel zu stressig, von den öffentlichen Verkehrsmitteln mal ganz zu schweigen 😉 Arrivederci Roma!

PS: Ins italienische Eis habe ich mal – mal wieder – verliebt. Besonders gut, und daher unbedingt zu empfehlen: Giolitti.

Ein riesen Danke geht natürlich last, but not least an @Clubby.

Autschn! Ein Abend über die Liebe – mit René Marik

Mai 17, 2009 4 Kommentare

Ein Eisberg, der mit Berliner Schnauze den Titanic-Crash kommentiert? Ein Maulwurf mit  schwerem Sprachfehler auf der Suche nach der Liebe? Ein Frosch als Darth Vader? Liebesspiel von Lappen? Skurille Liebesgedichte von Elsbeth Bellartz? Ein arbeitsloser Berliner auf Loveparade-Forschung? Und das an einem Abend? In Hachenburg?

Marik+Maulwurf

Marik+Maulwurf

Das geht nur bei René Marik, dem neuen Shootingstar der Comedyszene. Seit Monaten sind die Videos rund um Maulwurf, Frosch und Kalle die Renner bei youtube und co.

Ich war etwas skeptisch, ob mir das live einen ganzen Abend auch gefallen würde. Aber ich war schnell überzeugt: es war superlustig.

Mariks Interpretation von Puppenspiel ist so gnadenlos witzig, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Egal ob es der Maulwurf mit seinen großen und kleinen Liebesproblemen ist, oder der Frosch in diversen Verkleidungen oder Eisberg Kalle: Absolut genial und zum schiessen lustig 🙂 Die Krönung der Absurdität war dann das „Liebespiel zwischen Lappen“ – göttlich! Auch der Auftritt als Berliner Assi Kalle nach der Pause war gelungen, das Video hätte kaum lustiger sein können: Situationskomik at its best! Und wenn am Ende der Show Maulwurf auf der A9 ein Loch graben will, ist er endgültig zur Kultfigur geworden – und ich kann mich trotz der Tragik kaum halten vor Lachen 😉

Zwischendurch sorgten auch die skurillen, unfassbar schlechten Gedichte von Elsbeth Bellartz für viele Lacher, welche Marik zwischen seinen Puppenstücken vortrug, ebenso wie einige musikalische Stücke zum Thema Liebe. Diese gesanglichen Einlagen waren zwar nicht schlecht – aber auch genauso langweilig. Lässt er diese Parts der Show noch aus und verfeinert seine Puppenrollen noch bzw. erweitert das Repertoire, dann wird Marik ein ganz Großer in dieser Szene!

René Marik live ist ein absoluter Hochgenuss und sehr zu empfehlen. Leider gings viel zu schnell rum… In diesem Sinne: Autschn!

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