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Welttag des Buches: Lesefreu(n)de

April 23, 2012 4 Kommentare

Dem Lesen wurde schon oftmals der Tod voraus gesagt. In letzter Zeit habe ich ein anderes Gefühl: Es wird wieder vermehrt über tolle, lesenswerte Bücher gesprochen und diskutiert. Kurzum: Lesen ist wunderbar, und dies hat jetzt eine gemeinsame Aktion von Stiftung Lesen, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und deutschen Buchverlagen noch einmal verdeutlicht. Zum Welttag des Buches werden Bücher verschenkt, um die Freude und die Lust am Lesen mit Freunden oder Unbekannten zu teilen.

Die Idee dahinter: Hier konnten sich im Februar 33.333 Menschen registrieren lassen, um ein Bücherpaket zu erhalten und die Bücher zu verschenken. Insgesamt 25 Titel waren wählbar, darunter bekannte Werke bis zu eher unbekannten Titeln, eine bunte Mischung aus deutschen und internationalen Autoren und ein vielfältiges Spektrum an Genres: Zwischen NS-Brief-Roman und aktueller Teenie-Twilight-Serie, zwischen skandinavischem Krimi und britischem Klassiker.

Die Aktion „Lesefreunde“ wollte anregen dazu, wieder mehr Bücher zu verschenken, wieder vermehrt für Lesefreude zu sorgen und das Lesevergnügen zu teilen und den ein oder anderen vielleicht auch daran erinnern, das Lesen wieder für sich zu entdecken – gerade in einer Bildschirm-überfordernden Zeit kann eine Stunde alleine mit einem Buch sehr heilsam sein.

Heute, am Welttag des Buches, endet die Aktion und die Bücher sind nun bei den „Verschenkern“, und können dementsprechend nun verteilt, verschenkt und verbreitet werden.

Weil ich die Aktion „Lesefreunde“ super finde, und das Lesen allgemein sehr schätze, habe ich mich natürlich auch registrieren lassen und möchte die Bücher und das Lesen auch hier fördern. Ich habe mich für die Kurzgeschichten des Ferdinand von Schirach entschieden. Seinen ersten Band Verbrechen fand ich richtig stark, und den zweiten Teil Schuld hatte ich noch nicht gelesen. Seine kurzen Geschichten über faszinierende und unglaubliche Verbrechen, Schuld und Sühne sind leicht zu lesen, in einfacher Sprache verfasst und bieten einen leichten Ansatz mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen. Perfekt für diese Aktion.

Ferdinand von Schirachs "Schuld" in der Aktion-Lesefreunde-Version

Warum genau blogge ich nun darüber? Zum einen darauf aufmerksam zu machen, dass auch im vermeintlich veralteten Buch-Bereich viel passiert, und solche Aktionen gut angenommen werden. Und zum anderen natürlich, weil ich noch einige Bände hier liegen habe. Bisher habe ich Schuld vor allem spontan verschenkt – wer sich aber von mir ein eigenes Exemplar sichern will, kann mir gerne schreiben, mich ansprechen oder natürlich hier kommentieren. Das Lesevergnügen teilen und damit auch Freude verschenken (auch wenn es bei Schirachs Geschichten wohl weniger Freude ist), da mache ich gerne mit.

Viel Spaß beim Lesen! 😉

PS: Richtig empfehlenswert aus der Reihe der Aktion ist übrigens „Adressat unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor, welches ich selbst geschenkt bekommen habe. Faszinierend, textlich großartig und eindrücklich.

Lesetipp März: Jussi Adler-Olsen – Erbarmen

März 29, 2010 2 Kommentare

Nach längerer Zeit habe ich nochmal ein Buch ‚verschlungen‘, und in kurzer Zeit über das Wochenende fertig gelesen: „Erbarmen“ von dem dänischen Schriftsteller Jussi Adler-Olsen. Erstklassige, kurzweilige und spannende Lektüre aus dem Thriller-/Krimibereich, die für jeden Fan dieses Genres bedingungslos zu empfehlen ist.

Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Der erste Fall für Carl Mørck
vom Sonderdezernat Q in Kopenhagen.

So lautet der Klappentext der oben zu sehenden Ausgabe des Buches. Und hier scheint irgendwas falsch gelaufen zu sein, denn nichts davon entspricht dem Inhalt von „Erbarmen“: Kein Alptraum, sondern blutige Realität. Keine Dämonen, sondern tief verletzte Seelen (von Opfer bis Täter bis hin zum Ermittler). Nicht der erste Fall, sondern ein erfahrener Ermittler, welcher ein neues Dezernat erhält.

Ansonsten aber hält das Debüt der Carl Mørck-Reihe, was angepriesen wird: „Ungewöhnlich, grausam, todspannend, nervenzerreibend und glaubwürdig.“

Auf 416 Seiten entfaltet Adler-Olsen einen wirklich spannenden Thriller, der einen nicht mehr loslässt. Während die ersten 70 Seiten noch etwas verhalten sind, steigert sich schließlich das Tempo immer mehr und man kann das Buch kaum noch zur Seite legen. Dabei ist „Erbarmen“ kein Krimi der Sorte „Wer ist denn nun der Mörder“?. Schon relativ früh im Band wird dem Leser klar, wer der Täter ist, aber darum gehts auch gar nicht in erster Linie. Die psychologischen Seiten der Charaktere, insbesondere des kauzigen, hartgesottenen und arroganten Ermittlers Carl Mørck, sind die besonders spannenden Versatzstücke dieses alptraumartigen Plots. Dass Carl Mørck dabei noch einen irren Syrer namens Assad als Mitarbeiter zur Seite bekommt (der ganz sicher auch eine dunkle Vergangenheit hat) passt da perfekt ins Bild.

Zwischen Ermittlung und den zeitversetzten Rückblenden zum Opfer bleibt viel Raum übrig für Medienschelte, aktuellen Rassismus oder psychologische Traumata. Adler-Olsen gelingt es, dies alles zu verpacken ohne vom Weg abzukommen. Kein Kapitel des Buches ist langweilig, die Rückblenden zum Geschehen 5 Jahre vorher sind nicht zu lang und sperrig und die Auflösung und das Ende des Filmes sind insgesamt glaubwürdig und realitätsnah gehalten, obwohl die Geschichte an sich natürlich etwas übertrieben ist. Zudem war der Text überaus einfach zu lesen (vor allem auch ohne langweilige, ausufernde Beschreibungen), und viele Passagen (allen voran die Szenen mit Assad) ließen einen trotz des grausamen Geschehens schmunzeln und lächeln.

Fazit: Mal wieder zeigt sich die unglaublich starke Bandbreite an skandinavischen Krimiautoren: Nach Mankell, Nesser, Marklund, Larsson, und wie sie alle heißen nun also Jussi Adler-Olsen. Ihm gelingt ein fulminantes Buch in bester Unterhaltung-Manier für jeden Thriller-Krimi-Fan (eignet sich ganz sicherlich auch als Verfilmung, we’ll see…). Hier gelingt ein toller Einstieg in eine hoffentlich lange dauernde Serie rund um das neue Sonderdezernat Q. Bleibt nur die Frage, ob Adler-Olsen dieses Level im nächsten Band, der im September in Deutschland erscheint, halten kann. Meine Leseempfehlung!

John Katzenbach – Das Rästel

Dezember 17, 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Ich hab mal wieder einen „Thriller“ gelesen. Nunja, eigentlich kann man es kaum noch als Lesen bezeichnen, denn dieses Buch war wochenlang einfach dabei, und immer mal wieder hab ich ein paar Seiten geschmöckert. Und wenn man mich kennt, hat man da schon die entscheidende Schwäche im Roman von John Katzenbach erkannt.

Taschenbuchausgabe

Und darum gehts:  Gewalt, Angst und Kriminalität bestimmen die nahe Zukunft der Vereinigten Staaten. Während tagsüber der arbeitende Teil der Gesellschaft über die Straßen wandelt, beherrscht nachts das Chaos, Gewalt, die Stadt. Eine Ausflucht, einen Hort der Sicherheit, soll der so genannte 51. Bundesstaat bieten. Dieser neue Bundesstaat der USA ist ein von reichen Investoren gebildetes und streng überwachtes Konstrukt, das den Bewohnern eins garantieren soll: Sicherheit. Ausgerechnet dort gastiert nun ein Serienmörder – und macht das, was es im 51. Staat eigentlich gar nicht geben darf: Töten. Die State Security zieht den Psychologieprofessor Jeffrey Clayton zu Rat, der sich auf das Profiling von Serienkillern spezialisiert hat – und in diesem Thriller hier Hauptfigur, Ermittler und gleichzeitig Opfer ist.

Gleichzeitig erhält Claytons Schwester geheime Rästelzuschriften, und schnell laufen ihre beiden Geschichten zusammen – um schließlich gemeinsam in ihrer eigenen Vergangenheit zu kramen.

So weit so gut, schafft es Katzenbach auch ganz ordentlich Spannung aufzubauen. Die Geschichte liest sich gut und einfach, es gibt wenige „Och nöö, nicht wieder sowas unrealistisches“-Momente. Das große Problem liegt in den über 600 Seiten: Langatmigkeit macht sich immer wieder breit. Es ist nicht so, als wären diese Seiten uninteressant – aber sie sind – gelinde gesagt – überflüssig. Zumindest am Ende hofft man dann auf den wirklich großen Knall, doch der bleibt auch aus. So bleibt ein unter allen Gesichtspunkten nur wenig zu empfehlender Thriller, der sich aber insgesamt noch als ordentliche Bettlektüre wacker schlägt.

PS: Lobenswert – und für hier berichtenswert – finde ich am Roman aber das Setting. Die Story um den 51. Bundesstaat, das Thema Sicherheit und seine Folgen, „Big Brother is watching you“ und die alles entscheidende Frage: „Was bin ich bereit aufzugeben für absolute Sicherheit?“ sind bemerkenswert. Hier merkt man, dass Katzenbach sich gute Gedanken gemacht hat, und auf der Höhe der Zeit ist. Seine Schilderungen sind unter diesem Aspekt dann auch teilweise richtig erschreckend und nachdenklich machend.

Verbrannte Leichen mit Simon Beckett: Kalte Asche

Oktober 6, 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Wenn man wie ich oft mit der Bahn unterwegs ist, und sich an Bahnhöfen schon fast heimisch fühlt, kennt man Simon Beckett! Zumindest den Namen. Denn seine Romane lagen das ganze Jahr über immer als „Bestseller“ in den Bahnhofsbuchhandlungen. Ob das nun „Die Chemie des Todes“, „Obsession“ oder eben „Kalte Asche“ war: Mindestens ein Beckett-Roman war immer  auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Das ist zumindest ein Umstand, der mich als Lesefan neugierig macht. Doch bisher hatte ich nie die Zeit, diese Neugier zu befriedigen. Jetzt bekam ich neulich „Kalte Asche“ in die Hand, und fing an zu lesen. (Leider merkte ich erst zwischendurch, dass dies der 2. Roman mit Dr. David Hunter ist, und ich wohl besser erst „Die Chemie des Todes“ gelesen hätte… Nun denn, so sei es nun).

Taschenbuchausgabe

Taschenbuchausgabe

Das Buch beginnt – wie im Grunde genommen jeder Krimi – mit einer Leiche. Der Unterschied zu anderen Krimis wird jedoch schon auf den ersten Seiten deutlich: Hier geht es nicht nur um die Leiche an sich (und zwangsläufig den Mörder dahinter), sondern auch um den Zustand der Leiche, die anthropologischen Befunde am Tatort und die forensichen Ermittlungen der Hauptfigur David Hunter, ein bekannter forensicher Anthropologe, der neben den beruflichen Problemen auch private hat, und der im Buch nach und nach dem Leser immer vertrauter und sympatischer wird. Das Simon Beckett sich im Metier auskennt, ist klar: die detailgetreuen Beschreibungen der Leichen (jaja, es gibt mehrere!) und ihre Art zu sterben sind faszinierend, wenn auch sogar manchmal zu übertrieben.

Auch sonst bietet dieser Krimi alles, was einen guten Krimi ausmacht: Interessante Charaktere, ein verlassener, ruhiger, einsamer Tatort, schwierige Bedingungen für Ermittler (und Leser), sowie ein gelungener Schreibstil, der immer einfach zu lesen ist (kann man in einem Tag schaffen), aber nie langweilig wird. Im Gegenteil: Vor allem, wenn die Geschichte langsam vorangetrieben wird, entsteht hier ein richtig spannender Showdown. Problem dieser Krimis ist ja nahezu immer, dass die Mörder spätestens nach einem Viertel des Buches dem Leser bekannt sind, das heißt zumindest im Plot vorgekommen sind. Erfahrene Krimileser werden das kennen: oftmals weiß man den Täter lange vor der Auflösung. Auch hier war ich mir recht früh sicher, wurde aber dann zmindest in Ansätzen noch überrascht. Das Ende mit seinen vielen Überraschungen ist sehr gelungen – bis auf die letzte Seite: Da möchte Beckett irgendwie unbedingt noch ein As aus dem Ärmel ziehen. Da ist es etwas zuviel des Guten und trübt auch im Nachhinein etwas das Gesamtbild.

Trotzdem bleibt ein überaus empfehlenswerter Thriller am Ende. Kein Meisterwerk, und auch keine große literarische Tat, aber trotz kleiner Mängel hat mich dieser Beckett-Roman insgesamt überzeugt. Ich werde mir in naher Zukunft auch die anderen Werke rund um David Hunter anschauen.

Das Erbe des Bösen

November 3, 2008 Hinterlasse einen Kommentar

So lautet der aktuelle Thriller vom finnischen Spitzenautor Ilkka Remes. Der Trailer zum Buch!

Der Inhalt:

An die Nazis hat er seine Seele verkauft. An die NASA sein Wissen. Jetzt holt die Vergangenheit ihn ein.Als der finnische Physiker Rolf Narva in hohem Alter überraschend eine Reise nach Berlin antritt und spurlos verschwindet, beginnt für seinen Sohn Erik und dessen Frau Katja ein Alptraum. Vieles deutet darauf hin, dass ein dunkles Geheimnis die Vergangenheit des Vaters umgibt. Einst hatten Rolf und seine Frau, eine Biologin, als Wissenschaftler in den USA Karriere gemacht. Was führt den alten Mann jetzt nach Berlin? Und was hat das Deutschland der Nazizeit mit Rolfs Verschwinden zu tun? Erik – selbst Wissenschaftler – hat eine erfolgreiche Gentechnik-Firma in London gegründet. Doch plötzlich erhält das Thema Genetik für ihn eine ganz neue Dimension. Während Erik und Katja einem entsetzlichen Familiengeheimnis auf die Spur kommen, ahnen sie nichts von der Gefahr, die sie selbst und das Leben ihrer Kinder bedroht …

Ilkka Remes haut hier mal wieder einen sagenhaften Thriller heraus. Nichts anderes ist man von dem Finnen gewöhnt, aber „Das Erbe des Bösen“ ist nochmal den berühmten Tick besser. Vielleicht auch durch mein historisches Interesse hat mich dieses Buch sehr in den Bann gezogen. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs, das Labyrinth des Kalten Krieges und die Welt der Gegenwart mit ihren aktuellen, neuartigen Bedrohungen gemischt mit den Atombombenprogrammen in Deutschland und den USA, Rassenhygiene, Menschenversuchen wiederum in Deutschland und den USA, Luftfahrttechnik und vielem mehr. Diese Fakten, die zum Teil zu großer Beklemmung führen, sind mit einer fiktiven Geschichte zu einem der Thriller des Jahres geworden. Vor allem die gründliche Recherche des Autors und seine präzise Schreibweise machen den Roman zu einem wahren Leselust-Abenteuer und passt damit hervorragend in diese Kategorie.

Remes selbst zu seinen Recherchen:

„Bei der Recherche zum Roman bin ich auf Ereignisse und menschliche Schicksale gestoßen, die meine Phantasie geradezu gewaltsam in Gang gesetzt haben. Am atemberaubensten war jedoch die Erkenntnis, dass die realen Ereignisse die Grenzen der Phantasie längst überschritten haben…“

Remes schreibt auf seiner deutschen Homepage sehr viel über die Entstehung des Buches und gibt viele Hintergrundinformationen zu den Menschenversuchen, der Luftraumtechnik, Hitlers Atombombenprogramm und vielem mehr. Sehr interessant.

Bei den Amazon-Kritiken sind die User ähnlich begeistert wie ich, völlig zu Recht auch.

Mein Lesetipp des Monats!

Mankells „Der Chinese“

September 23, 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Pünktlich zum Olympiajahr 2008 hat Henning Mankell einen neuen Roman mit dem Titel „Der Chinese“ rausgebracht. Ich bin leider erst jetzt dazugekommen, den 600-Seiten-Schmöker zu lesen. Mankell ist schon immer ein hervorragender Erzähler gewesen, und seine „Wallander-Krimis“ fand ich immer weit überdurchschnittlich. „Der Chinese“ allerdings ist einer von Mankells Romanen ohne Hauptfigur Wallander – und mein erster ohne Wallander.

Das Buch, das groß als Thriller angekündigt wurde, fängt stark an. Ein brutaler Massenmord mit 18 Toten in einem abgelegenen Dorf, abstoßende Opferszenen, keinerlei Spuren auf einen oder mehrere Mörder und keine Motive für die Tat. Die Polizei steht vor einem Rätsel, und hält alles für großen „Wahnsinn“.

In der Zwischenzeit versucht Birgitta Roslin, eine schwedische Richterin, selbst Licht in die Angelegenheit zu bringen, da die Pflegeeltern ihrer Mutter unter den Toten sind… Ihre Suche führt sie nach China, wo sie auf die grausamen Machenschaften der politischen Führungselite stößt. Soviel in aller Kürze zum Inhalt des Romans…

Das klingt erstmal spannend – und das ist es teilweise auch. Nur wirkt schon nach kurzem Beginn die Story sehr konstruiert, und dieser Eindruck wird im Laufe der Geschichte immer stärker. Mankell schickt die Leser ins Amerika des 19. Jahrhunderts um dort die Motive für eine Tat in der Gegenwart zu suchen. Doch spätestens nach dieser abenteuerlichen Story dreier junger chinesischer Geschwister ist schon klar, was passieren wird. Ein Kriminalroman sieht anders aus… Ich musste mich manchmal schon zwingen, weiterzulesen. Die Reise des Buches geht über China, immer wieder Schweden, zwischendurch Afrika, und am Ende auch noch London.  Dazu wechselt die Erzählpersperktive sehr oft, was einen durchgängigen Lesefluss manchmal auch schwierig macht. Andererseits leuchtet Mankell alle Orte und Personen wunderbar aus, und letztlich ist es seinem hervorragendem schriftstellerischem Talent zu verdanken, dass das Buch trotz der manchmal willkürlichen, manchmal zufälligen und oft konstruierten Handlung nicht langweilig wird. Denn was Mankell kann, ist offensichtlich: Etwas gut beschreiben, etwas gut formulieren und Gedanken und Geschehnisse gut zu verpacken. Sehr geschickt werden Problematiken der Gesellschaft, gerade in China, in den Plot eingeführt. Da macht das Lesen Spaß, auch wenn es für einen „Thriller“ wirklich lahm war.

Fazit: Ich bin mir nicht so ganz sicher, wie ich dieses Buch bewerte. Als Gesellschaftsroman – gerade auf die aktuelle Situation in China – ist es sicherlich hoch zu bewerten. Als Krimi/Thriller – und dafür steht Mankell nun mal – ist es eher schwach und wenig empfehlenswert. Als Lektüre für kalte Herbsttage ist es trotz allem gut genug: trotz aller Schwächen und der mir viel zu konstruierten Story bleibt Mankell weit über dem Durchschnitt.

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