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Posts Tagged ‘Lieblingsplatten’

Platten des Monats. Mai 2012.

Alles neu macht der Mai? Dieses Jahr nicht wirklich: Zwar jede Menge Neuveröffentlichungen, auch und gerade im Album-Format, aber irgendwie war da für mich nur wenig dabei. Vielleicht war ich auch zuviel unterwegs, um manches mitzubekommen. Hier sind sie, meine naiven und subjektiven Lieblingsplatten im Mai, quer durch die Musik-Schubladen. Enjoy!

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Damian Lazarus ist einer dieser jungen Labelbetreiber denen scheinbar alles gelingt: Eigene tolle Platten, tolle Sets und Auftritte, gute Compilationsmixe – und vor allem immer wieder Neuentdeckungen, welche auf seinem Label Crosstown Rebels veröffentlichen, darunter alleine letztes Jahr solche wie Art Department, Maceo Plex oder Deniz Kurtel. Und jetzt darf der gebürtige Iraner Amirali ran und sein Debütalbum „In Time“ präsentieren.

Was gibts?

Amirali ist ein wunderschönes, beeindruckendes House-Album geglückt: Zwischen klassischem House gibts jede Menge Soul, fast schon Ambient und wehleidiges Singen über allen Beats, alles zu einem geheimnisvollen Brei vermischt. Im Positiven Sinne: Großartig!

Anspieltipp: My way. (Achtung Dauerschleifengefahr.)

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Während die Crosstown Rebels und Amirali ihrem Tanzboden düstere, deepe Klänge vorgeben, ist es bei Totally Enormous Extinct Dinosaurs (alias Orlando Higginbottom) eher das fröhliche Moment, der Bigbeat, der Dance-Pop. Higginbottom setzt dabei – auch auf seinen Konzerten – auf eine Mischung aus Wahnsinn, Elektronischer Musik-Geschichte und überdimensionalen Kostümen.

Was gibts?

Pumpende Beats (manchmal erinnert es an Fat Boy Slim), eher unüblicher Gesang, den er auch live einsetzt und über all dem eine Grundfröhlichkeit, die „Trouble“ zu einem entspannten Album machen.

Anspieltipp: Na klar, wer es noch nicht kennt: Garden.

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Sigur Rós braucht man ja nicht vorzustellen, doch ließ ein neues Album länger auf sich warten, ziemlich genau 4 Jahre. Jonsi auf Solopfaden, dazu Live-Veröffentlichungen – erst jetzt das neue Album „Valtari„. Man muss es direkt zugeben: den Isländern gelingt diesmal nicht der große Wurf, aber ist doch jede Sigur Ròs Platte immer noch soviel besser als das Meiste andere…

Was gibts?

Nach ihrem 2008er Album gehts wieder etwas mehr zurück in die gewohnten sphärischen Songs, teilweise geht es zurück in die Anfangstage der Band, weit weg vom Post-Rock-Status. Oft lässt sich auch ordentlich Pomp festmachen, manchmal wird es langweilig. Und dennoch: Sigur Ròs sind Balsam für jede Seele, man muss sich nur darauf einlassen (können).

 Anspieltipp: Das beste Stück der Platte: Varúð. (Leider bisher nur einem kürzeren Radio Edit online).

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Was war sonst?

  • Zulu Winter, im Winter noch schwer angesagter UK-Hype, liefern ein nur durchschnittliches Album ab. Songs eigentlich super, nur ähnelt sich das alles viel zu sehr. Gut: We should be swimming.
  • Das neue Beach House-Album „Bloom“ ist wieder sehr großartig. Vielleicht pack ich es beim nächsten Mal noch ausführlich hier rein. Anspieltipp: Myth.
  • Meine deutschen Lieblingspunker, die Toten Hosen, sind mit ihrem neuen Album mal wieder sofort an die Spitze der deutschen Charts. „Tage wie diese“ dudelt sich jetzt schon tot, und der Rest des Albums ist auch viel zu glatt gebügelt. Bester Song noch: Draußen vor der Tür. (Ironischerweise ist das Bonus-Album das Bessere: Hier covern Campino und co sich durch die Musikgeschichte – zwischen Kraftwerk und die Ärzte sind die Hosen hier sehr selbstkritisch und witzig. Super.)
  • Hot Chip sind nach diversen Solo-Ausflügen (ganz witzig: Joe Goddard mit 2 Bears, zb Bear Hug ) wieder da. Und schon die erste Single ist super, wenn auch die hotchipsche Mutation zur Pop-Band nun abgeschlossen ist. Aber wenn Pop so gut ist wie hier, dann gerne und immer. Das Video des Monats:

Platten des Monats. April 2012.

Mai 8, 2012 2 Kommentare

Leider etwas verspätet gibt es heute meine Lieblingsplatten des vergangenen Monats, und damit meine ultimativen Musikempfehlungen für den Monat April. Mit dabei etwas Mainstream-Folk aus Island, Blues-Rock aus Alabama und traumhafter Dubstep aus London.

Burial muss ich Lesern dieses Blogs wohl nicht mehr vorstellen – zu oft schon habe ich von dem jungen Londoner William Bevan geschwärmt. Seine neue „Kindred„-EP gehörte eigentlich schon in die Märzvorstellungen, denn erschienen ist sie Ende Februar, doch da hatte ich dies verpeilt. Daher hier: Umso eindrücklicher. Denn das britische Dubstep-„Wunderkind“, wie er seit den Meisterwerken „burial“ & „Untrue“ immer wieder genannt wird, ist mit einer großartigen EP zurück.

Was gibts?
Wo Burial draufsteht, gibt es zu 100% traumhaften Dubstep, voller atmosphärischer Tiefe, die einen als Zuhörer in einen Sog reißt und nicht so schnell frei lässt. Kein anderer schafft solche Spannungen in einem einzigen Track. Liebe!

Anspieltipp: 

Bei 3 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von 30:43 sollte man das schon als Ganzes fassen, aber bitteschön: Ashtray Wasp.

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Irgendwann hörte ich „Hold on“, und ich verliebte mich sofort: In diese Stimme, die mich fast schlagartig an Janis Joplin, oder vielleicht auch eine Aretha Franklin erinnerte. Dazu diese Blues-Gitarren und dieser feine Rock-Rhythmus, zu dem man fast sofort lostanzen will. Die Alabama Shakes überzeugten mich quasi sofort. Das Debütalbum Boys and girls, was im April nun erschien, ist sehr gelungen.

Was gibts?

Southern Blues-Rock, und dazu eine große Prise Soul. Der vor allem durch die markante Stimme von Sängerin Brittany Howard geprägt wird, und der leicht im Kopf bleibt. Sie ist der Garant für ein gutes Album.

Anspieltipp:

Natürlich der Opener Hold on. Was für ein Song.

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Mainstream muss nicht immer schlecht sein. Das beweisen aktuell die Isländer von Of Monsters and Men. Ihre Single „Little Talk“ ist sogar in Deutschland weit oben in den Charts und dudelt sogar im Radio. Meistens kein gutes Zeichen, doch Of Monsters and men machen einfach guten Pop, wunderbaren Indie-F0lk. Sicher: Ihr Debütalbum „My Head is an animal“ ist nichts Neues, aber einfach eine gute Platte.  Musik aus Island – immer wieder wunderschön.

Was gibts?

Folk-Rock, der an die Mumford and Sons, aber durch die beiden (männlich und weiblich) Gesangparts vor allem an Arcade Fire erinnert. Im Stile dieser Bands liefern die Isländer hier ein eingängiges Indie-Album, zu dem sich bestens mitsingen und tanzen lässt. Lalalalalalala.

Anspieltipps: Neben der oben genannten Single vor allem From Finner, Six weeks und das ruhige Love Love Love.

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Was gabs sonst noch gutes? 

  • Das Coachella-Festival begeistert mit Auftritten von At the Drive in, Radiohead oder Modeselektor feat. Thom Yorke. Alle Auftritte waren im Netz zu sehen, sind aber leider alle wieder raus.
  • Jack Whites erstes Singlealbum „Blunderbuss“ ist eine wirklich nette Retrorock-Geschichte. Kann man durchaus empfehlen, zB „Love is Blindness“.
  • Florence and the Machine war bei „MTV Unplugged“, und überzeugt dabei vor allem mit ihrer Interpretation von Johnny Cashs „Jackson“, das sie zusammen mit Josh Homme vorträgt. Das ganze Album ist nun erhältlich und wie gewohnt bei Frau Welch sehr stark.

Lieblingsplatten im Herbst. Teil II: Zwischen Berlin und Chicago

Dezember 5, 2011 3 Kommentare

Es hat sich etwas angestaut: Die Lieblingsplatten der letzten Wochen sind seit August nicht mehr erschienen, deshalb gibt es hier ein Special aus zwei Paketen mit meinen liebsten Alben des Herbstes (September-November). In diesem zweiten Teil nun den großen Rest mit Musik zwischen Brasilien und Island, zwischen Berlin und Chicago. Viel Spaß nun mit meinen Tipps, wie immer äußerst subjektiv und ohne Gewähr.

Zum Teil I „Frauenpower“ im Herbst hier entlang.

Wilco - The Whole Love

Etwas überraschend ist mein Lieblingsalbum des Herbstes 2011 eines, was ich so nicht habe kommen sehen. Die US-Band Wilco hat mich mit ihrem neuen – zehnten (!) – Album etwas umgehauen.  In meinen bescheidenen Augen nichts weniger als ein neuer Meilenstein. Eine wunderbare LP für die kalte Jahreszeit, die mich vor allem unterwegs viel begleitet hat.

Was gibts?

Unglaublich intensive, und trotzdem (oder deswegen?) großartige Indiemusik. Es ist nicht mehr viel vom alten Country geblieben.

Anspieltipps:

Muss man eigentlich alles nennen, alle 12 Songs spielen in der ersten Liga. Doch für sich gestellt: Der moderne Opener Art of Almost, Dwaned On me und die 12-minütige wunderbare Endlosschleife One Sunday Morning (Song for Jane Smiley’s Boyfriend).

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Modeselektor - Monkeytown

Auf „Monkeytown“ hatte ich mich schon Ewigkeiten gefreut, und die Vorfreude sollte nicht allzuviel getrübt werden. Modeselektor bleiben sich treu und kreuzen alle Stile, die Ihnen vor die Geräte fallen, schleppen hochkarätige GastsängerInnen an die Mikros und schaffen wieder einmal ihr ganz eigenes Affen-Universum. (Dabei gefallen mir die Rap-lastigen Stücke natürgemäß am wenigsten.)

Was gibts?

Man ist geneigt zu sagen: eine wahnsinnige Ansammlung von Bässen, gemixt mit Techno, Dub, Pop und HipHop. Mdslktr treiben wie eh und je die Verschmelzung aller Genres voran. Innovation auf elektronisch.

Anspieltipps:

Sicherlich die Kollaborationen mit Radioheads Thom Yorke: Das gute Shipwreck und das grandiose This, aber natürlich auch das Moderat-Stück war cry mit dieser tollen Live-Steigerung.

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Apparat - The devil's walk

Von dem einen Teil von Moderat zum Anderen: Auch Apparat hat ein neues Album produziert, dieses lag schon in meiner imaginären „Nicht so dolle“-Schublade. Doch nach dem unglaublichen (!) BreakingBad-Finale ging es mir nicht mehr aus dem Kopf und langsam wuchs da etwas heran. Sascha Ring ist nun nicht mehr solo, sondern mit 4-köpfiger Band unterwegs, und das merkt man dem Album sehr an: Instrumentaler und vielschichtiger.

Was gibts?

Keine Frickel-Beats mehr, es geht hier schnurgeradeaus Richtung romantischer, atmosphärischer Song. Apparat dringt hier in elektronisches Songwriting vor, die Vorbilder Radiohead, Four Tet und Sigur Ròs sind herauszuhören. Manchmal zu kitschig.

Anspieltipps:

Walter White vor Augen beim düsteren, verzweiftelten Goodbye und ebenso nice: Black water.

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Gui Boratto - III

Der Brasilianer Gui Boratto ist ein gefragter DJ und Produzent. Mir war er bisher aber eher in den fröhlichen elektronischen Runden aufgefallen. Mit seinem dritten Album „III“ bringt er ein zielstrebiges, aktuelles und tolles Techno-Album raus. Denn mal wieder gefällt mir das Düstere hier besser als Fröhliches Rumgeeiere.

Was gibts?

Der klare Charakter des Albums ist Techno, aber Boratto spielt hier ganz offensichtlich auch mit wehleidigem Pop, was ich hier aber positiv meine. Insgesamt: Großartig!

Anspieltipps:

Favorit: Flying practice, Floorkiller: The Drill, Relaxing: Soledad.

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Extrawelt - In Aufruhr

Das Hamburger Duo Extrawelt ist berühmt-berüchtigt für energievolle Live-Shows und seine Klangwelten. Bei mir sind die beiden schon seit Soopertrack und 8000 (!) unter den Favoriten. Auf ein neues Album freue ich mich immer, und das Neue kann man getrost empfehlen.

Was gibts?

Minimal-Techno mit der ganz eigenen Spur „Extrawelt“. Ein Sound, der irgendwie einmalig ist und immer erkennbar bleibt: Ob in den ruhigen Stücken oder bei der Abfahrt.

Anspieltipps:

I like: Die Welt ist nicht genug, Swallow the leader und Blendwerk II.

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Sigur Rós - Inni

Und dann war noch Sigur Rós, diese eigenartig-bezaubernde Band aus Island, die zwar keine neue LP rausbrachten, dafür aber ihr überhaupt erstes Live-Album. „inni“ ist ein Mitschnitt des letzten Konzertes ihrer Welttournee 2008. Und was soll man sagen? Noch düsterer als manches Album, aber 100% großartig und unglaublich intensiv. Fehlen leider noch auf meiner Liste „Schon live gesehen“.

Was gibts?

Den absolut typischen Sigur Ròs-Sound – dieses Mal ohne Streicher-Begleitung. Mit allen Facetten.

Anspieltipps: 

Ný batterí oder etwas fröhlicher mit Hoppípolla.

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Das wars trotz zahlreicher weiterer Alben für meine Lieblingsplatten im Herbst. Wenn es Euch gefallen hat: Empfehlt es, Liked es und kommentiert und kritisiert gerne 😉 Bald geht es schon weiter mit den Jahresbestenlisten überall. Stay tuned.

Lieblingsplatten im Herbst. Teil I: Frauenpower

Dezember 2, 2011 3 Kommentare

Es hat sich etwas angestaut: Die Lieblingsplatten der letzten Wochen sind seit August nicht mehr erschienen, deshalb gibt es hier (und in den nächsten Tagen) ein Special aus zwei Paketen mit meinen liebsten Alben des Herbstes (September-November). Am Anfang sollen dieses Mal die Frauen stehen, die mit beeindruckender Präsenz meinen Herbst mitprägten. Viel Spaß nun mit meinen Tipps, wie immer äußerst subjektiv und ohne Gewähr.

Abseits der ganz großen Superstars Rihanna, Lady Gaga oder auch Frauen wie Björk (deren neues Album vernachlässigbar ist) und dem neuen Hype-Sternchen Lana del Rey (zugegeben: bezaubernd! Die Lippen!) gibt es mittlerweile soviele tolle Künstlerinnen, dass man kaum hinterherkommt, alles zu hören. Hier nun 5 Alben, die mich begeistert haben, jedes irgendwie auf seine eigene Art und Weise – und die dabei alle so großartig sind, dass ich ein wenig hadere kaum etwas kritisieren zu können 😉 (Danke auch nochmal an André, der mir nochmal die nötige Motivation gab.)

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Florence and the Machine - Ceremonials

…proudly present the next Superstar. Wenn sie es nicht schon ist. Ich glaube, dass Florence and the Machine das Zeug für die ganz großen Bühnen dieser Welt hat. Ich muss zugeben: Bei dieser Frau kann ich schlecht objektiv sein, zu sehr liebe ich ihre Stimme. Ihr neues Album ist nicht der ganz große Wurf wie sein Vorgänger „lungs“, aber nichsdestotrotz ein ziemlich perfektes Pop-Album. Sicher, ein wenig zu pompös, manchmal etwas zu dick, aber ich kann mich dem großen Pathos nicht entziehen.

Was gibts?

Wenig Überraschungen, dafür großartig sehnsüchtige Melodien, tolle Klänge und darüber Miss Welchs herausragende Stimme.

Anspieltipps:

Ich mag sehr gerne What water gaves me und Never let me go. Aber auch Lover to Lover ist toll. Sehr empfehlenswert auch ihre Live-Coverversion von Drakes Take Care.

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Laura Marling - a creature i dont know

Und wie unterschiedlich Songwriting am Ende klingen kann, hören wir dann im Gegensatz zu Florence bei Laura Marling. Hier sind es nicht die großen, sondern die kleinen Gesten. Wenn die erst 21-Jährige Britin mit den weißen Haaren mit ihrer Gitarre singt, bleibt ein bisschen die Welt stehen. Marling versteht es mit wunderbaren Kompositionen ganz eigenartige verzaubernde Songs zu schreiben. Nach ihrem 2010er Werk „I speak because i can“ schon wieder ein tolles Album. Und dabei klingt sie, als würde sie seit 30 Jahren Folk-Musik machen…

Was gibts?

Songwriting pur, große Portion Folk und ein bisschen Pop, wunderschön und ausdrucksstark gesungen.

Anspieltipps:

Sophia und The Muse. Beschwingt dann auch mal mit All my Rage (hier live).

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Dillon - this silence kills

Für mich aus dem Nichts kam dann plötzlich Dillon daher. Auf Ellen Alliens Bpitch Control erschien in den letzten Wochen das Debütalbum der 23-Jährigen  Dominique Dillon de Byington, wie sie mit vollen Namen heißt. Nach vielen unveröffentlichten Songs im Netz und vielen Konzerten nun also ein Album mit insgesamt 12 sehr ruhigen, harmonischen Liedern. Manchmal ruhig, manchmal sehr verspielt, dann wieder aufbrausend: Ich habe mich schnell verliebt in dieses Werk.

Was gibts?

Völlig ruhige Pop-Tracks, elektronisch, sonderbar arrangiert und reduziert, und immer das gewisse Etwas, welches einen immer wieder vollkommen überrascht. Erinnert manchmal an Lykke Li.

Anspieltipps:

Da kommt dann sowas bei raus wie das völlig strange Tiptapping. Wunderschön ist Thirteen Thirtyfive.

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Dear Reader - Idealistic animals

Nochmal Berlin, nochmal deutsches Label (City Slang): Cherilyn MacNeil, Frontfrau von Dear Reader, ist nun mit dem selbigen Namen solo unterwegs. Doch obwohl ihre Songs ähnlich ruhig wie die Dillons sind, ist ihre Musik ganz anders. MacNeil schafft hier ein Album zum Träumen und Zuhören, auch weil sich glückliche und traurig-betrübte Lieder abwechseln. Ihr „man“ ist dabei ist das „Idealistic animal“ und alle anderen Songs sind nach Tieren benannt. In dieser Tierwelt erschafft Dear Reader ein geradezu ergreifend schönes Album, was nachhallt und wohl länger bleibt.

Was gibts?

Zeitlos schöne Musik, die sich erst beim mehrmaligen Hören richtig erschließt. Arthouse-Pop auf tollem Niveau. Noch besser als die „normalen“ Songs: Die Acoustic-Versionen auf der Doppel-CD.

Anspieltipps:

Monkey (Go home now) (acoustic version), und Elephant (hearter). Aktuell ist sie bei TVNoir gewesen, und hat dort schöne Songs wie Whale gesungen und war dabei äußerst sympatisch.

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Feist - metals

Leslie Feist ist in dieser Runde nicht nur die Älteste, sondern vermutlich auch die weltweit Bekannteste. Spätestens seit ihrem famosen 1234 kannte sie (fast) jeder. „Metals“ ist nun – nach langer Kreativpause – ihre dritte LP. Über sie ist nahezu alles gesagt, alle haben über sie geschrieben, und ich schließe mich da einfach verspätet an und sage: Toll gemacht, Frau Feist.

Was gibts?

Hochwertige Singer/Songwriter-Ware mit jede Menge atmosphärischem Klang unterlegt. Mal geheimnisvoll, mal düster, mal fröhlich. Immer schnell im Ohr, und da bleibts auch. Woah woah.

Anspieltipps:

Der Opener The Bad in each other und der Ohrwurm How come you never go there.

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Teil 2 dann schon bald, auch definitiv wieder mit viel mehr Männern, versprochen 😉

Platten des Monats. Juli / August 2011.

August 31, 2011 2 Kommentare

Heute geht es weiter mit den regelmäßigen „Platten des Monats“. Ausnahmsweise mit einem 2-Monate-Special: Ich war viel unterwegs und gerade im Juli gabs nicht soviel Neues. Freut Euch nun auf viele neue tolle Alben, meine ganz persönlichen Lieblingsplatten der letzten Wochen. Und Achtung: elektronisch-dubstep-lastig. Unter anderem aus London, New York, Berlin und Island.

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Aka Aka & Thalstroem - Variete

Die beiden Berliner Aka Aka, welche man seit längerem in der Clubszene wahrnahm, haben mich mit ihrem ersten Album „Variete“ so positiv überrascht, dass es hier landet. Zusammen mit dem Trompeter und Instrumentalisten Thalstroem nahmen sie jetzt eine absolut vielfältige LP auf: Abwechslunsgreiche Clubhits, die ganz klar auf den Dancefloor schielen, stehen neben spährischen und ruhigen Titeln. Zwischendurch gibts auch mal ordentlich Blödsinn, und wie nebenbei gibt es als Einstieg ein Portishead-Cover mit der österreichischen Sängerin Betty Lenard.

Was gibts?

Ein elektronisches Sommeralbum. Raus auf die Wiese, Raus auf die Openairs. Hier sind viele schöne Stimmungen eingefangen in nicht langweilig werdenden Tracks. Facettenreicher Mainstream-Techno aus Berlin. Geht auch mal.

Anspieltipps:

Man will Beth Gibbons nicht zu nahe treten, aber das „The Rip“-Cover ist wunderschön, und kommt dem Original sehr nahe. Springtide ist ganz sicher der „kleine“ Hit der Scheibe, French Toast der vielleicht ungewöhnlichste, und Afterglow vielleicht mein geheimer Favorit. (Mehr Streams, Sets und Snippets hier.)

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Zomby - Dedication

Dubstep aus London? Bitteschön. Der britische Produzent Zomby schlägt in etwa die Kerbe, die man heutzutage so gerne unter Dubstep zusammenfasst. Ob dies nun schon Postdupstep, oder wieder was anderes ist, sollen andere beurteilen: Zomby selbst scheinen solche Begrifflichkeiten auch nicht zu stören. „Dedication“ erinnert mich jedenfalls sofort an burialsche Stimmungen, an dieses Gefühl „Hey, mit dieser Musik überall und nirgendwo“.

Was gibts?

Schlichtweg ein phantastisches Bass-Album. Mit Songs voller Ruhe und Entspanntheit, Tracks, die unter die Haut gehen. Wie auch immer man das in der Dub-Diskussion nun nennt: Es ist großartig.

Anspieltipps:

Der großartige Natalia’s song. Oder Mozaik. Oder… ach, es ist wie bei Burial: Das ganze Album ist toll, hörts Euch doch hier in voller Länge an.

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Balam Acab - wander / wonder

Machen wir weiter mit diesen undefinierbaren Alben, die mit einem Gemisch aus Geräuschen, Geräten oder exotischen Klängen faszinieren. Der 19(!)-jährige New Yorker Balam Acab alias Alec Koone veröffentlich unter Tri Angle nun sein Debütalbum „Wander / Wonder“. Die Presse bezeichnet solche Musik gerne als „Witch House“, vermutlich ähnlich wie beim Post-Dubstep einfach an Ermangelung echter Begriffe.

Was gibts?

Auf dem Cover eine Höhle, in fast jedem Track das Wasser, welches in dieser Höhle tropft. Es tropft, es rasselt, es schnauft, es knistert, es grummelt… kurzum: Eine endlose Aneinanderreihung von Geräuschen, die mehr auf Atmospähre und Klang setzen, als auf Beats und Bässe. Ein ehrlich erstaunliches Werk, welches man in den ruhigen Momenten des Lebens genießen sollte. Mit einem Glas gutem Rotwein zum Beispiel.

Anspieltipps:

Die LP funktioniert eher als Gesamtwerk, möchte man etwas herausreißen, dann vielleicht Oh why?, oder Apart. Drüben bei NPR gibts das ganze Album als Stream.

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sbtrkt - sbtrkt

Auf die Gefahr hin, dass es zuviel wird: Noch ein Album aus dem mittlerweile kaum zu überblickenden Feld des Dupsteps. sbtrkt (sprich „subtrakt“) mit seinem gleichnamigen Debütalbum. Der junge Londoner Aaron Jerome ist der Mann hinter der Maske, der Mann hinter dem so vielfältigen Projekt subtrakt, der schon unter anderem außergewöhnliche Remixe für Radiohead oder Goldie anfertigte. Nun kommt eine LP, bei der er auch hier eher im Hintergrund steht und die Gesangparts wechselnden Gastsängern überlässt. (Lediglich 3 Tracks ohne Gesang.)

Was gibts? 

Extrem viel Funk, Jazz und R’n’B, und trotzdem ein rundherum elektronisches Dub-Album. Sehr vielfältig, sehr intensiv, sehr einnehmend. Funktioniert am besten laut. (Interessant ist, dass jeder Track für sich toll ist, aber nicht wirklich im Ohr bleibt. Vlt. ein Luxusproblem dieses Albums.)

Anspieltipps:

Wildfire mit der schwedischen Band Little Dragon, Hold on mit Sampha (mit dem er auch tourt), und Go Bang, mein gesangsloser Favorit. Hier der komplette Albumstream.

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GusGus - Arabian horse

Und nun was wirklich völlig anderes: Die Isländer GusGus sind schon ein lustiger Haufen an Menschen. Diese Band hatte über die Jahre ihrer Geschichte soviele Besetzungen, dass man diese gar nicht aufzählen kann, und die letzten Jahre waren eher so etwas wie der Tiefpunkt der Band. Doch mit „Arabian horse“ (auf Kompakt!) ziehen sie sich mit alten Gesichtern am Schopf daraus, werden deutlich clublastiger, und schaffen den einen oder anderen richtig guten Song. Und weil ich die einfach sehr sympatisch finde, und sie aus Island sind, hier zu Recht mit an Bord.

Was gibts?

Ein bisschen ‚back to the roots‘ könnte man sagen. Ein Dance-Pop-Album, welches manchmal retro wirkt, aber in anderen Momenten extrem modern und clubbig. Kompakt nennt es „Icelandic Hi-Tech Soul“. Synthesizer olè. Live machte das Album richtig Spaß, auch wenn mir persönlich die Instrumentalparts besser gefallen als die Gesangsteile.

Anspieltipps:

Der aktuelle Hit Over. Und das herrlich verschrobene Synthesizerstück Within you.

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The Rapture - In the grace of love

Und nochmal zurück nach New York. Auf James Murphys Label DFA liefern The Rapture ihr neues Werk „In the grace of your love“ ab, welches es auf den letzten Drücker in meine Lieblingsplatten des Monats geschafft hat, aber völlig zu Recht. The Rapture gelingt hier ein zeitloses Werk, schon perfekt angedeutet durch das Cover, ein zeitloses Bild eines Surfers, die Arme ausgebreitet und sorgenfrei.

Was gibts?

Mir fehlen die Worte, die Begriffe um diese LP richtig einzuordnen. Disko-House? Vielleicht am ehesten. The Rapture, die früher eher mit dem Disko-Punk in Verbindung gebracht wurden, schielen hier auf den House-Dancefloor, haben immer wieder Nu-Wave oder (Post-)Punk-Elemente im Spiel. Dabei darf fast jedes Instrument ran: Vor allem Piano, Saxofon – und Akkordeon.

Anspieltipps:

Der Überhit ist das unglaubliche intensive Pianostück How deep is your love?, welches bei der ND14 für Ausnahmezustand sorgte. Der irre Akkordeontrack Come back to me, und der Titeltrack In the grace of love.

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Was war sonst an Spannendem, oder Innovativem in der Musikwelt?

  • Die  neueste Ausgabe der Kompakt-Reihe Total ist perfekt. Mit wunderbaren Tracks wie Waiting for, oder Playground Coma. (Hätte mal einen eigenen Artikel verdient, we’ll see.)
  • John Tejadas Album „Parabolas“ ist sehr gelungen, insgesamt aber etwas zu eintönig für ein Lieblingsalbum. Der Opener „Farther and fainter“ ist jedoch wirklich klasse.
  • Mein Favorit des Jahres ist Robag Wruhme, denn neben einem unglaublich tollen Album haut er immer wieder gute, ungewöhnliche Mixe raus. Zum Beispiel diesen.
  • Und nochmal Gabor: Sein Edit von „Hier kommt die Sonne“ geht mir wochenlang nicht aus dem Kopf, ist mein Gute-Laune-Track der letzten Wochen. Nochmal Danke, Nachtdigital!
  • Das Friendly Fire-Album „Pala“ ist schon länger erschienen, war bei mir etwas untergegangen. Durch einen Bericht von flowmotion wieder für sehr gut befunden, und im September werden sie live begutachtet. Empfehlenswert: Das Live-Album vom iTunes-Festival.
  • Der ungewöhnlichste Track-Titel dieser Tage geht eindeutig an DJ Phono, und dann ist auch das dazugehörige Album noch ziemlich gut: knarhcslhük mi ttinhcsfua hcon ebah hci.
  • Radioheads Remixreihe zu King of Limbs ist nun abgeschlossen: 5 kleine EPs gab es, alles in allem gute Remixe und eine nette Bereicherung. Das Remix-Album erscheint im Oktober.
Und zum Schluss, wie immer ein Video. Für alle die es noch nicht kennen: Das Hype-Video der letzten Wochen, von den wie immer verrückten Ok Go, dieses mal in Muppet-Mission:
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Fast ein Jahr nach „Black City“ hat Slowdance von Matthew Dear ein Video. Wunderschön, genau wie der Song. Und das passt dann auch wirklich sehr gut zu dieser sehr elektronischen Ausgabe der besten Platten des Monats. Machts gut, und viel Spaß beim Entdecken guter Musik!

Platten des Monats. April 2011.

April 30, 2011 1 Kommentar

Da ist er schon wieder vorbei, der April. Immerhin hat er uns mit wundervollem Wetter, sonnigen Urlaubstagen und viel guter Musik verwöhnt. Das kann gerne so bleiben. Hier und heute gibts meine neu erschienenen Lieblingsplatten der letzten Wochen, schön subjektiv und dem Wetter gerecht werdend etwas elektronischer diesmal. Viel Spaß!

Jamie Woon - Mirrorwriting

Auf den Londoner Jamie Woon wurde ich erstmals im Rahmen der BBC Sound of 2011 aufmerksam. Und wie fast immer: Darauf ist Verlass. Jamie Woon ist nach James Blake der Nächste, der die Dubstep-Ecke mit Songwriting zu einem elektronischen neuen Soul verbindet, eindringlich und intensiv. Produziert wurde sein Debütalbum „Mirrorwriting“ von niemand geringerem als Burial, der ja auch vor Jahren schon mal einen Woon-Track in typischer Manier geremixt hat.

Was gibts?

Woons recht hohe Stimme schiebt sich über dunkle, düstere Beats. Heraus kommt ein geheimnisvoller Mix aus Soul,  Dubstep und Songwriting. Zeitgenössische Popmusik, wie sie kaum besser sein könnte. Ganz ganz groß!

Anspieltipps:

Street, Lady Luck und Night Air. (Hier Night Air in der großartigen Accoustic-Version bei der BBC). Das komplette Album gibts bei Simfy als Gratis-Stream.

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Fleet Foxes - Helplessness Blues

Von der SZ werden sie gar als „beste Band Amerikas“ bezeichnet, von allen Medien gibt es Lob und Zustimmung: Fleet Foxes aus Seattle haben ihr zweites Album „Helplessness Blues“ herausgebracht. Bei solchen Vorschusslorbeeren muss man etwas aufpassen, hier ist aber alles in Ordnung. Großartig triffts ganz gut! Ein bisschen Simon and Garfunkel, ein bisschen Sixties-Flair, ein bisschen Folk, und ganz viel Bart, so darf man sich diese jungen Männer gerne vorstellen.

Was gibts?

Jede Menge Gitarren zu tiefem, ehrlichen Folk. Wunderschöne Melodien, die einfach sind und dennoch hängenbleiben. Es ist ein bisschen Musik zum Träumen, der man anmerkt, dass die 5 Musiker auch gerne träumen. Back to the Sixties, Simon and Garfunkel reloaded – und doch aktueller denn je. „Sunshine over me no matter what i do„.

Anspieltipps:

Der 8-minütige, aus 4 Parts bestehende Übersong The Shrine / An Argument, aber auch Lorelai. Auch hier gibts das komplette Album bei Simfy.

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Agoria - Impermanence

Während in den letzten Jahren in Frankreich die Szene ziemlich um Künstler wie Justice, SebastiAn oder allgemein Ed Banger drehte, gab es immer abseits davon tolle Acts, die einen gewissen Mehrwert boten. Natürlich alte Haudegen wie Laurent Garnier, junge Aufstrebende wie Chloe, oder halt Sebastien Devaud aka Agoria. Agoria weiß schon seit einigen Jahren zu überzeugen, man denke nur an die hervorragenden Singles Europa oder Les Violons Ivres, oder seine tollen Mixe, zB die aktuelle Fabric 57. Nun sein erstes Album auf dem eigenen Label Infiné. Mit an Bord: Techno, Experimentelles, GastsängerInnen, und viel Popappeal.

Was gibts?

10 Tracks, die alle kaum unterschiedlicher sein könnten. Wirkt auf den ersten Blick etwas beliebig, ist aber für sich genommen phantstisch. Agoria schafft hier ein großartiges Pop-Dance-Album. Carl Craig darf in „Speechless“ Sexphantasien singen, und mit der Sängerin Kid A hat Agoria noch eine wundervolle Frauenstimme mit an Bord.

Anspieltipps:

Grand Torino mit tollem Break, das exzellente Panta Rei, und Heart beating mit Kid A.

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Was war sonst noch Gutes im April?

  • Die österreichischen Berliner von Ja, Panik veröffentlichten ein deutsches Album mit dem kryptischen Titel DMD KIU LIDT (schon aufgelöst, jaja: „Die Manifestation der Traurigkeit in unserem Leben ist der Kapitalismus„), und viele sehen hier das wichtigste deutschsprachige Werk der letzten 15 Jahre. Ich bin da noch nicht ganz so weit, schätze aber die Songs jetzt auch schon. Reicht nicht für ein Album des Monats, weil zu kurzfristig, reicht aber um hier mal darauf hinzuweisen. Anspieltipps: zum Beispiel Trouble oder Nevermind.
  • Radiohead legen nach ihrem letzten Album nochmal ein wenig nach und spendieren zwei zusätzliche Songs. Und ja, Supercollider gefällt mir erwartungsgemäß sehr gut.
  • In den USA ging wie jedes Jahr das großartige Coachella-Festival über die Bühne, die jedesmal mit sensationellem Lineup überzeugen. Weil das aber leider etwas weit weg ist, können wir uns immerhin über die Livemitschnitte vieler toller Bands erfreuen, u.a. The National, Mumford and Sons, Elbow, Interpol, Bright Eyes, Two door cinema club und viele viele mehr. Schön aufgelistet mit den Links gibts das Alles drüben bei nicorola.
  • Mein liebstes Musikvideo des Monats kommt von der entzückenden Lykke Li, obwohl man durchaus sagen könnte, dass der heimliche Star des Videos klar Stellan Skarsgård ist. Toll umgesetzt, vor allem auch filmisch:
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Nachtragend gibts noch ein Album aus dem Januar zu empfehlen, welches ich erst im April bekommen habe: Isolées neues Werk „well spent youth“, welches bei Pampa records erschienen istDem muss man etwas Zeit geben, aber dann lohnt es sich. Anspieltipp:
Mit dieser ganzen wundervollen Musik wünsche ich Euch einen musikalischen Mai, und einen sonnigen Feiertag morgen (zum Beispiel beim OpenAir der Bouq.-Familienbande in Mainz).

Die Lieblingsplatten im April

Mai 2, 2010 2 Kommentare

Am Ende des Monats (diesmal leider etwas verspätet) wieder meine Lieblingsplatten der vergangenen Wochen, wie immer eine bunte Mischung zwischen Pop, Rock und elektronischer Musik. Heute mit einem Londoner, einem New Yorker, einem deutschen Duo aus Berlin, Indie-Rockern aus Kanada, einem Quintett aus Oxford und schließlich noch einem Wiesbadener.

Caribou - Swim

Habt ihr das auch manchmal? Ihr habt ein neues Album, es verschwindet erstmal aus dem Sinn und einige Zeit später erweist es sich als tolles Ding. So ists mir hier mit Daniel Victor Snaiths (alias Caribou) Album „Swim“ ergangen: Der neue Kritikerliebling (Spex, Intro und co (sogar die Groove!) schrieben Lobeyhymnen) legt hier aber auch wirklich eine klasse LP vor. Eingängig, tanzbar, Musik für die Sonnentage. Der Sound immer ein bisschen dreckig, doch immer absolut entspannt. Klanglich ist hier so ziemlich alles Vorstellbare gesampelt, da wundert man sich doch immer wieder, welch Klänge da aus den Boxen ertönen.

Insgesamt tolles Album, irgendwo zwischen Pop und Clubmusik.

Anspieltipp ist direkt der Opener: Odessa!

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LCD Soundsystem - This is happening

James Murphy aus New York war schon mit diversen Produktionen bekannt, bevor er mit seinem elektronischen Projekt LCD Soundsystem die Welt begeisterte. Mit „This is happening“ legt er das dritte (und letzte!) LCD-Album vor – und geht damit im Sommer auf Tour! Das Album ist wie auch der Vorgänger „Silver Surfer“ gelungen, nein vielmehr gefällt es mir sogar besser. Die Tracks sind für sich alleine super, wirken aber auch komplettes Album gut. Aufsehen errregte schon vor einigen Wochen das Video zu „Drunk Girls„, der vermutlich ersten Single. Murphy macht hier elektronische Musik in einer sehr poppigen Art: Dance, ein bisschen Punk, viel Pop und viel Crazyness. Ich finds großartig!

Anspieltipp: You wanted a Hit.

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Booka Shade - More!

Brauch man Booka Shade noch vorstellen? Dieses deutsche Duo, welches mittlerweile bei Auftritten überall in der ganzen Welt für Ausnahmezustand sorgt (z.B. hier!). Kaum. Auf ihrem nun vierten Longplayer „More!“ machen sie eigentlich nur damit weiter, was sie am besten können: Perfekte durchproduzierte, auf Hit gebürstete Housetracks der ganz eigenen Marke Booka Shade. Da hätten wir z.B. „Teenage Spaceman“: Das macht Spaß, das geht immer und ist vor allem Live auf OpenAirs/Festivals im Sommer sicher wieder ein Dauerbrenner. Das darf man Booka Shade auch nicht zum Vorwurf machen, dieses Album ist wirklich wieder sehr gut geworden.

Ein weiterer Anspieltipp wäre auch „Regenerate„. Sehr schön!

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Broken Social Scene - Forgiveness Rock Records

Puh! Broken Social Scene, ein elfköpfiges(!) Ensemble aus Toronto, hauen hier mit ihrem neuen Longplayer „Forgiveness Rock Records“ eines dieser Alben raus, die man erstmal 4-5 mal hören muss, bis einem so nach und nach erst der ganze (positive) Wahnsinn aufgeht. Indie Rock? Vielleicht! Aber auch Songwriting in seiner aktuellen Perfektion. Variabel von eingängig seichten Song wie „All to all“ bis zum tanzbar, rockigen „Meet me at the basement“ (hier live, schauts Euch an!).  Das alles ist richtig gut, mutig und modern und verdient jegliche Beachtung! Anhören!

Anspieltipp wäre das ganze Album, aber dieser Liveauftritt bei David Letterman mit „Forced to Love“ ist super!

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Foals - Total Life Forever

Hier hab ich länger überlegt, ob ich dieses Album hier mit reinnehme, es hätte auch andere Möglichkeiten gegeben. Aber irgendwie mag ich das zweite Album „Total Life Forever“ von den Foals. Es ist ruhiger geworden, ganz klar. Irgendwie langsam, um dann am Ende richtig toll zu werden: „Spanish Sahara“ ist so ein Song, ruhig, fast melancholös und dann nahezu minutenlanges Crescendo bis zum Ende. „Total Life Forever“ ist eine LP, welches man auch in vielerlei Hinsicht kritisieren könnte: manchmal zu langatmig, dann wieder zuviele Anleihen bei anderen Bands. Aber mal alles vergessen: Gutes Ding, das schwierige zweite Album geschafft.

Anspieltipp: „This Orient“ oder mein persönlicher Fav-Track „After Glow“, leider hier nur als Sample bisher.

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Gisbert zu Knyphausen . Hurra! Hurra! So nicht.

Zum Schluss dann noch etwas völlig anderes: Eine Empfehlung für alle Fans von deutscher Musik, von deutschen Singer/Songwriter-Musik. Den Mann mit dem lustigsten Namen der Musiklandschaft hat ein neues Album herausgebracht: Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen. Mit seinem ersten Album machte er sich 2008 viele Freunde, ich habe ihn erst durch TV-Noir entdeckt und seine neue LP „Hurra! Hurra! So nicht.“ gefällt auf Anhieb. Ein Mann, eine Gitarre, vielschichtige deutsche Texte und eine starke, wiedererkennbare Stimme: Mehr braucht es nicht für diese elf Songs. Es ist Musik zum Zuhören, zum darüber Nachdenken. Es ist doch auch schön, dass wir auch in Deutschland richtig gute Songwriter haben.

Anspieltipp: Der großartige Song „Kräne„, der so unglaublich wahr ist: „Ich denke und denke wie immer viel zu viel. Immer ist da irgendetwas,  das mich einlullt & mich lähmt“.

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Das war für den Monat April mit meinen Lieblingsplatten. Ich freue mich schon auf den Mai, der ja bekanntlich alles neu macht. Und zumindest ist da mit dem neuen Trentemøller-Album schon ganz sicher für ein tolles Album gesorgt.

Ach ja, den ersten Track von den neuen Trentemøller-Stücken gibts ja auch schon – und ist wunderschön, wie nicht anders zu erwarten: Sycamore Feeling (Trentemøller Remix)

Einen anderen Remix möchte ich Euch auch noch mit auf den Weg geben: Dixon hat die wunderbare Lykke Li geremixt: Dance Dance Dance kann man da nur sagen.

Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

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