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The Lumineers – A Take Away Show

Januar 31, 2013 Hinterlasse einen Kommentar

Heute mal wieder Musik- und Videovorstellungen mit einer meiner liebsten Musik-Neuentdeckungen des vergangenen Jahres, der US-amerikanischen Band „The Lumineers“.

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Letztes Jahr im Sommer bekam ich jeden Tag per Skype, Whatsapp oder Facebook einen Song geschickt – aus Island. Und weil Island ja musikszenetechnisch immer etwas weiter ist als wir, durfte ich schon im Sommer den wunderbaren Feelgood-Song Ho Hey genießen, mittlerweile ein großer Hit geworden. Der Song war auf dem im April 2012 erschienenen Debütalbums von The Lumineers, und sollte uns den Rest des Jahres mit seinem Ohrwurm-verdächtigen Chorus („I belong to you, you belong to me“)  begleiten. Mittlerweile habe ich das ganze Album rauf und runter gehört, und kann es nur jedem ans Herz legen. Wunderbare Musik.

Gefühlt brauchen die drei Musiker mittlerweile kaum noch eine Vorstellung. Das Trio aus Denver, bestehend aus Wesley Schultz, Jeremiah Fraites und Neyla Pekarek, macht bodenständigen Folkrock: Ganz viel Akkustik-Gitarre, ein bisschen Cello, viel Fußstampfen und Händeklatschen. Schon in Albumform ganz großartig, und live vermutlich noch besser.
Nein, nicht vermutlich: Ganz sicher, wie man sich in zahlreichen Live-Videos anschauen kann. Allen voran die „Take away-Shows“ der französischen Musikseite La Blogotheque, die tolle Live-Sessions produzieren und dabei ungewöhnliche Konzertorte probieren. Mit den Lumineers waren sie in San Francisco unterwegs, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Take Away-Show in 3 Teilen, mit den Songs „Ho Hey“ & „Big Parade“ in Act1, einem „Untitled“ song in Act2,  und schließlich als Act3 „Stubbon Love“. Enjoy!

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Florence and the Machine live in Frankfurt

Dezember 17, 2012 3 Kommentare

Erst zwei Alben und schon gefühlt ein Weltstar. Florence Welch ist schon jetzt eine Marke, und sie kann damit mittlerweile auch bei uns größere Hallen füllen. Ein Bericht vom wundervollen Konzert am 2.12.2012 in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Live in Frankfurt, Jahrhunderthalle

Miss Welch ist gerade 26 Jahre alt, doch wenn sie in ihren Kleidern Kostümen auf der Bühne erscheint, wenn sie ihre Stimme durch die Hallen peitscht, wenn sie eine rundum perfekte Show abzieht, denkt man sie wäre eine wesentlich ältere Dame. Erst wenn sie immer wieder hüpft und springt und schreit und animiert, kommt der jugendliche Wahnsinn etwas durch. Dann ist Florence in ihrem Element, dann reißt sie ein ganzes Publikum bis zu den letzten Plätzen mit. Dass Florence and the Machine wahnsinnig gute Shows abliefern, wusste ich schon von Freunden – und natürlich auch von anderen Aufzeichnungen, wie hier beim Glastonbury. Also wurde es Zeit, und glücklicherweise war das Ende der European-Tour fast vor der Haustür*. (*in Konzertsprache: weniger als eine Stunde Anfahrt.)

Den Support übernehmen – wie bei allen Konzerten der Tour – Spector, eine britische Indie-Band, die schon vor ihrem Debüt-Album in die Ehren der Auswahl der BBC-Acts des Jahres kamen. Und gar nicht mal zu Unrecht: Guter Sound, interessante Lead-Stimme (erinnerte uns etwas an Editors-Frontman Tom Smith), und wirklich gefälliger Gitarrenrock. Das ist in der Tat eine nette Vorband, der man gerne zuhört. In ihr Debüt-Album  aus dem August muss ich dringend mal länger reinhören.

Danach herrscht eine ungewöhnlich lange Umbau-Pause, die manch quengeliger Fan gar schon mit Pfiffen quittiert, doch als die ersten Klänge von Only if for a night erklingen, ist dies vergessen. Denn Florence and the Machine sind von der ersten Sekunde voll da. Das Publikum braucht etwas länger, aber spätestens mit dem zweiten Song What the water gaves me sind alle mit dabei. Frau Welch steht am Bühnenrand, und singt, ja manchmal möchte man fast schreien sagen. Aber das ist es nicht: nichts bei ihr klingt gepresst. Ihre Stimme ist selbst bei den unangenehmen Höhen und Längen ausgeglichen. Beeindruckend. Immer wieder rennt sie von einer Seite der Bühne zur anderen, animiert die Gäste bis zu den letzten Sitzplätzen auf der Tribüne, tanzt ausgelassen – nur um im nächsten Augenblick wieder still zu stehen und die ruhigen, magischen Momente des Konzertes beinahe andächtig hervorzuheben, wie beispielsweise in der Piano-Version von Leave my Body.

Das ist vielleicht das Großartige an Florence and the Machine. Die Mischung aus gnadenlos ausuferndem Pop-Song, tanzbaren Stücken und etwas so Stillem wie hier zu hören. Und schon eine Sekunde später ist sie mit ihrem Radio-Hit Shake it Out schon wieder auf Durchdreh-Modus. Zwischendurch fordert sie bei Rabbit Heart (Raise it up) alle auf sich gegenseitig auf die Schultern zu nehmen, bei der ewig langen Zugabe The dog days are over schreit sie in die Menge und springt anschließend mit dem Publikum um die Wette. Das Schöne an all dem: Man merkt der Band, den Sängerinnen und ihr den Spaß auf der Bühne an. Und das überträgt sich schnell auf alle. Das sind die Konzerte, welche einem später in positiver Erinnerung bleiben. You’ve got the Love ist da nur eines von vielen schönen Highlights.
Ziemlich genau 1:45 h war die Band auf der Bühne incl. aller Zugaben, und die hatten es sowohl zeitlich als auch stimmungsvoll in sich. Spectrum war toll, und dog days are over dann die großartige Krönung eines sehr guten Konzertes.

Die ganze Setlist des Konzertes:

1. Only If for a Night  2. What the Water Gave Me 3. Drumming Song  4. Cosmic Love  5. Bird Song (Intro) 6. Rabbit Heart (Raise It Up) 7. You’ve Got the Love  (The Source cover) 8. Lover to Lover  9. Heartlines  (acoustic) 10. Leave My Body (piano version) 11. Shake It Out  12. No Light, No Light

Zugabe: 13. Sweet Nothing  14. Spectrum 15. Dog Days Are Over

Gar nichts zu meckern? Eigentlich nichts, aber nun ja: Der Ton in der Jahrhunderthalle war leider alles andere als optimal. Mehr als einmal sehr übersteuert. Da erwarte ich mir als Konzertbesucher einfach etwas mehr Professionalität – kann aber auch Wunschdenken sein.

Ansonsten großes Lob: wunderbarer Abend mit dieser wahnsinnigen Frau auf der Bühne. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Florence and the Machine gesehen habe.

Goodbye Cocoonclub Frankfurt

Dezember 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Nachdem am 13. September die Betreiber des Cocoonclubs in Frankfurt Insolvenz beantragt hatten, war klar: Lange macht es der Club nicht mehr. Und so kam es auch: am 30.11.2012 fiel der letzte Vorhang, zum letzten Mal wurde im weltweit bekannten Club in Frankfurt ausgelassen gefeiert. Goodbye Cocoonclub.

cocoon, Club, Techno, Sven Väth

(c) Andreas Glänzel, 30.11.2012.

Man konnte zum Cocoonclub in Frankfurt stehen wie man wollte: lieben, hassen, tolerieren oder nicht beachten. Am internationalen Renommee und am tollen architektonischen und klanglichen Konzept kam man nicht vorbei, vor allem in den ersten Jahren ab 2004. Mit 700.000€ hatte der Club damals unglaublich viel Geld in eine gute Anlage investiert und dies war und ist der Grund für Tausende von Menschen gewesen, den Club zu besuchen, um dort zu feiern, zu tanzen, zu vergessen.
Mit den Jahren sind viele andere Clubs vorbei gezogen. Besser aufgestellt, sinnvollere Zusammenstellungen, bessere Konzepte und letztlich: bessere Musik. Im Cocoonclub setzte man die vergangen Jahre immer mehr auf Mainstream- ja, sogar Trance-Acts. Dies schadete dem Ruf noch mehr als die vermeintlich lächerliche Debatte um den Stil der Besucher. Aber in der Tat: Frankfurt hat ein enormes „sehen und gesehen werden“-Publikum mit Anzug und Hemd, oftmals wunderte ich mich auf Partys in Frankfurt über dieses Klientel. Aber mögen andere den Untergang und die finanziellen Schwierigkeiten beurteilen, dafür war ich viel zu wenig dort.

Zur Closing-Party habe ich mich aber nach einiger Zeit noch einmal aufgemacht. Das Lineup in meinen Augen gut und ansprechend, einfache VVK-Tickets und dazu ein guter Termin für mich. Also nichts wie hin – aber im Grunde hätte ich mir das gut sparen können. Denn an diesem Abend wurde leider alles, was man dem Cocoon oft vorwarf, fast klischeemäßig übertroffen. Lange chaotische Warteschlangen (während es draußen bei -4Grad mit Tickets noch recht zügig ging, war drinnen bei der Garderobe keine Chance mehr), viel zuviele Menschen auf engstem Raum, Frauen in Cocktailkleid und High-Heels wie bei einem Abschlussball, grölende Männer-Gruppen in JGA-Stimmung, und dazu auch noch – nicht erwartungsgemäß – wenig gute Musik. Besonders Herr Eulberg, auf den ich mich immer freue, und der einer meiner liebsten Produzenten ist, enttäuschte mich sehr. Vielleicht wollte auch der Funke einfach nicht überspringen, aber das war in meinen Augen eine Vollkatastrophe.

Manchmal machte ich die Augen zu, lauschte nur dem wunderbaren Sound des Basses, den Melodien der Tracks und vergaß die Tausenden Feiernden um mich herum: In diesen Augenblicken fühlte ich mich wohl, komplett versunken in der Musik, für die ich die Clubs liebe, für die ich auch den Cocoonclub sehr mochte.

Ganz so schlimm wie es sich nun anhört, war es natürlich auch nicht: Es war ein durchschnittlicher Club-Abend, der leider etwas unorganisiert und chaotisch war, aber es war auch definitiv kein schöner Abschluss eines legendären Clubs.

cocoon , Club, Techno, Clubs am Morgen

(c) Aus der Photoserie „Leere Clubs am Morgen“ von Andre Griesemann und Daniel Schulz, 2009.

Dennoch: Es bleibt eine schöne Erinnerung, einen solchen guten Club miterlebt zu haben. Die Cocoon-Musik, der Gedanke und die Cocoon-Events werden sowieso weiterleben. Und so ist es nur logisch, dass der letzte gespielte Track des Morgens „This is not the end“ von Gui Boratto war. Dann doch irgendwie ein versöhnlicher Abschluss.

Das Abschluss-Set des Residents Sidney Späth:

Marko Fürstenberg – „Gesamtlaufzeit“ (Thinner)

November 27, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Zum überhaupt ersten Mal stelle ich hier ein Album vor, welches nicht im gleichen Jahr oder zumindest aktuellen Zeitrahmen erschienen ist. Marko Fürstenbergs Netlabel-Album „Gesamtlaufzeit“ aus dem Jahre 2003 habe ich aber erst in diesem Herbst entdeckt – und es ist so zeitlos gut, dass es völlig egal ist, wann man es bespricht. Classic Dubtechno.

Vor fast 10 Jahren veröffentlichte Marko Fürstenberg aus Leipzig dieses Album, welches ich heute, im Herbst 2012, höre, als wäre es ein aktuelles Album. Ein bisschen ist es auch so, denn das damalige Thinner-Netaudio-Album wurde neu aufgenommen, und im Zuge der Neuveröffentlichung habe ich auch davon erfahren. Vor allem bei Ronny vom kfmw las ich davon, und konnte mich schließlich auch nicht mehr satthören an diesem Sound, der einen auf eine eigenartige, aber vor allem wunderbare Weise mit auf eine Reise nimmt. Man schließt die Augen und sieht Landschaften vor sich und fängt an zu träumen. Und ich denke mir so: Warum hast du so etwas 2003 noch nicht gekannt? Dass es solchen Dubtechno damals schon gab, schmerzt umso mehr, wenn ich denke, was ich zu dieser Zeit alles in Clubs erlebt und gehört habe. Aber sei es drum: Jetzt ist das Album immer noch zu hören, und – wie schon gesagt – es ist unglaublich zeitlos und passt mit seiner Tiefe und seinem Soul genau in dieses aktuelle Jahr.

Was gibts?
Ein ziemlich grandioses, vielschichtiges Dub-Techno-Werk. Deep, alles fließend, jede Menge Bass und doch so schlicht und ruhig. Toll. Tracks, die man als begeisterter Dub-Hörer jeden Tag hören kann.

Anspieltipps:

Flüssige Reise, und das poppige Clubstück In der Pappelei. „Kopfhörer auf“ pur ist auch der Rosengarten.

Das gesamte Album „Gesamtlaufzeit“ ist noch immer als CC-Lizenz-Download kostenlos verfügbar. Enjoy!

Alt-J (∆) – An awesome wave

November 24, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Irgendwann im Juni hörte ich von Alt-J und ihrem Debütalbum. Da ich aber anderes im Kopf hatte, lernte ich die großartige Platte erst im Herbst kennen. Und das soll nicht untergehen, denn „An awesome wave“ ist eines der Highlights 2012.

Alt-J sind waschechte Briten aus Leeds und lieben Dreiecke. („Triangels are my favourite shape“ singt Sänger Joe Newman in Tessellate). So erschließt sich auch schnell der Bandname, der zurückgeht auf das Tastaturkürzel alter britischer Macs. Mit „An awesome wave“ gibts seit Mai ihr Debütalbum, welches Anfang November schließlich sogar den renommierten (und guten!) Mercury Prize gewann.

Was gibts?

Großartigen Indiepop. Gitarrenmusik. Klassischer Rock, der unaufhaltsam in die elektronische Richtung gezogen wird. Manchmal auch Dubstep. Dann auch wieder Folk. Alt-J verknüpfen auf wundersame Weise viele Musikstile, und bleiben sich dennoch in allen Songs treu. Eine wunderbare Vielfalt, welche sich nicht behindert, sondern perfekt ergänzt. Und dann besingen sie mit Matilda noch einen meiner Lieblingsfilme. Viel mehr geht kaum.

Anspieltipps:

Fitzpleasure, und die aktuelle Single Breezeblocks. Einer meiner Geheimfavoriten ist auch Taro.

Das komplette Album gibts hier als Stream:

Alt-J waren gerade übrigens mit Two Door Cinema Club auf Tour, die nächsten (Haupt-)Konzerte in Deutschland sind Anfang 2012 (in Köln versuche ich selbst dabei zu sein, anyone else?):

21.02.2013 Hamburg, Uebel & Gefaehrlich
22.02,2013 Köln, Gloria
23.02.2013 Berlin, Postbahnof

Enjoy!

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Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte

November 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Die Erfinder des Techno sollen sie sein, ein Mythos mit einem einzigartigen Sound: Fraktus aus Brunsbüttel. Ein Kinofilm geht diesem Phänomen auf den Grund. „Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ läuft seit dem 8.11. in unseren Kinos. Es ist vielleicht der lustigste Film des Jahres.

Rückblick: Im Sommer 2007 tanze ich wie so häufig beim Melt!-Festival. Jan Delay ist gerade fertig, als wir mal wieder bei der Main-Stage vorbeischauen. Wir bekommen noch mit, wie er einen „special guest“ ankündigt, „die Techno-Erfinder“, „den Ursprung der elektronischen Musik“. Das Ganze mittendrin in der Show von Deichkind, die später um 6 Uhr morgens noch Snap auf die Bühne holten und damit viele Lacher ernteten. Doch zurück zu „Fraktus“, die zu großer Lichtshow auf die Bühne ziehen. 3 Männer in schwarzen Anzügen, wilde banale Texte zu Elektrotrash. „Affe sucht Liebe“.  „Are you ready to rock? Ohoheheheo…“. Schon nach wenigen Minuten gibt es Buh-Rufe, es fliegen Becher und andere Gegenstände auf die Bühne. Es kommt zur Eskalation, das Publikum beschimpft Fraktus, Fraktus beschimpfen das Publikum und verlassen mit Stinkefinger Richtung Menschenmasse die Bühne.

Doch all dies war nur gespielt, und wir machten schön mit. Deichkind-Sänger „Das Bo“ hatte kurz vorher erklärt, dass hier für einen Kinofilm gedreht würde, und wir den Akt „so richtig, richtig scheisse“ finden sollen. Nichts leichter als das, alle hatten viel Spaß. Das die Herren Schamoni und Strunk mit an Bord waren, bekam ich noch irgendwie mit, doch mit der Zeit und den Jahren vergaß ich Fraktus…

…bis in diese Tage, wo die drei altgewordenen Männer in Fernsehshows Interviews geben und sich dabei regelrecht zerfleischen. Es geht natürlich um das große Comeback, den aktuellen Kinofilm und die dazu gehörige Tournee.

Das „Studio Braun“ entwirft mit der Geschichte von Fraktus einen herrlich fiktiven Dokumentarfilm, der die (elektronische) Musikszene wunderbar persifliert. Fraktus, das sind Bernd Wand (Jacques Palminger), Dirk „Dickie“ Schubert ( Rocko Schamoni) und Thorsten Bage (Heinz Strunk). Ihr größter Hit: „Affe sucht Liebe“. (Persönlicher Favorit aber: All die armen Menschen!). 25 Jahre nach ihrem letzten Konzert versucht der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) die Band wieder zusammen zu führen, um ein Comeback anzuleiern. So führt der Weg der Dokumentation von Brunsbüttel nach Ibiza und schließlich nach Hamburg.

Palminger, Strunk und besonders Schamoni gehen derart in ihren fiktiven Figuren auf, dass es eine reine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Die Auftritte und Interviews zahlreicher echter Stars der elektronischen Musikszene (von Westbam bis DJ Hell, von Yello bis Daft Punk) sind überaus witzig und verleihen dem Ganzen den nötigen Touch Selbstironie. Die Pointen sind absolut treffend, der Film pendelt zwar gefährlich nah an der Grenze zum Klamauk, ist dabei aber glücklicherweise immer clever, detailversessen und voller bösem Humor. Die zahlreichen Anspielungen auf Musikszene und Techno sind für jeden Fan ein irrer Spaß und so ist „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ ein wohltuend ironischer, herrlich lustiger Film geworden.

Das neu aufgenommene Album „Millenium Edition“ mit den „alten“ Songs könnte nun durchaus Kult-Potential erreichen. Die Titel sind natürlich weder spannend noch besonders gut, aber mit Liebe zum Detail (gemeinsam mit Erobique) dem 80er Sound nachempfunden und durch ihre Trash-Fertigkeit sicherlich der Renner dieses Winters und auf der Tour Anfang 2013. Mich würde es kaum wundern, wenn im nächsten Jahr „Affe sucht Liebe“ oder ähnliches Fraktus-Material der nächste heiße „Shit“ wäre. In diesem Sinne: Oweeeeyoo.

Sea + Air – My Heart’s Sick Chord

November 15, 2012 2 Kommentare

Musik! Endlich wieder Musik! Den Startschuss für das Comeback hier im Blog gibt’s mit einem deutschen Duo aus Stuttgart: Sea and Air sind ein Pärchen, die dem deutschen Songwriterpop viel Leben einhauchen.

My Heart’s Sick Chord

 

Daniel Benjamin und seine Frau Eleni sind SEA + AIR, und sind gerade auf Portugal-Tour. Warum ich das erwähne? Nun, zum einen bin ich neidisch auf dieses unvergleichliche Urlaubsgefühl und das Wetter in Portugal, und außerdem verdeutlicht es, dass die beiden längst den Schritt vom Unbekannten Nischensinger-Duo zum großartigen Debütalbum überstanden haben und nun von der Welt gefeiert werden dürfen. Und das werden sie nicht zu knapp. Kritiker und Medien feiern sie als neue Stars, und die ZEIT überrascht mit einem Vergleich, den man erstmal sacken lassen muss: „Denn Sea + Air (…) offenbaren uns auf ihrer epischen Platte My Heart’s Sick Chord die traumwandlerischste Musik seit der Quintessenz melancholisch empfindsamen Tiefgangs namens OK Computer, Radioheads Durchbruch zur Superband 1997.“

Puh! Das überrascht, – aber nach mehrmaligem Hören der Platte offenbart einem das Album immer mehr von der geheimnisvollen Musik der beiden. Obwohl ich vielleicht zugegebenermaßen nicht an Thom Yorke gedacht hätte, ist Sea + Air doch ein eindrucksvolles Werk gelungen, welches vor allem durch die Kombination der beiden Stimmen und ihrer unterschiedlichen Intensität zum tragen kommt. Während Eleni eher für die Melancholie zuständig ist, darf Daniel die großen Gesten ausleben. Im Zusammenspiel ihrer vielen eingesetzten Instrumente wird daraus ein wunderschönes Kunstwerk.

Ob in der ersten ausgekoppelten Single „Do animals cry?“, welches vielleicht am ehesten Radio-Tauglichkeit hat, oder in den eher ruhigen Stücken der Platte: Immer bleibt die Musik grazil und sehnsüchtig. Es ist diese Art von barocker (durch das oft eingesetzte Cembalo) Kunst, der man sich nicht mehr entziehen kann. Beispiel? Einer meiner Albums-Favoriten:“Take me for a ride“:

Auch wenn ich mit Daniel eventuell noch einmal über ärmellose Shirts, gerollte Schnurrbärte und aufgedruckte Leoparden-Designs diskutieren müsste – seine Musik finde ich toll. Und ob das nun das Beste seit „OK Computer“ ist, weiß ich nicht – aber es ist wunderschöne Musik.

My Heart’s Sick Chord“ ist am 12.10. erschienen und könnt ihr komplett bei Spotify hören.

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