Archiv

Posts Tagged ‘Netzkultur’

Netzkultur-Tipp 3: Aktion Libero

November 17, 2011 1 Kommentar

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte und Blogs im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinnerung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 3 heute mit einer tollen, groß angelegten Aktion der deutschen Sportblogger, der „Aktion Libero“.

Immer noch – trotz vielfacher andersartiger Äußerungen u.a. von Herrn Zwanziger – spielt offene Homophobie im Fußball eine große Rolle. In den letzten Wochen wurde dies wieder besonders deutlich, als Arne Friedrich sich öffentlich vom „schwul sein“ distanzierte. Auch Ende 2011 scheint es keine Chance für homosexuelle Fußballer zu geben, damit „normal“ zu leben. Es bleiben Vorurteile, tiefgreifende Ressentiments und grundlegende Ablehnung. Was kann man überhaupt dagegen tun? Nun, zumindest klare Meinungen präsentieren und dabei eine positive Haltung zeigen. Genau dies versucht nun die begrüßenswerte Aktion Libero. Sie möchte sich gegen das intolerante Klima in Deutschland stellen, dieses sensibilisieren und gibt ein deutliches Statement dazu ab:

„Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.“

Nun, ich schreibe hier nie selten über Sport oder meinen geliebten Fußball, aber so ist dieser kaum aus unserem kulturellen Leben wegzudenken (zumindest meinem!), und so kann ich mich der Aktion meiner sportlich bloggenden Kollegen nur zu 100% anschließen. Auch ohne Sportblogger zu sein: Gegen Homophobie. Und dies sollte man vielleicht auch öfter mal sagen. „Libero“ regt zum Nachdenken an, und zu einem bewußteren Umgang. Für diesen Anstoß bin ich der Aktion Libero selbst dankbar. Seit Mittwoch morgen ist die Aktion – nach wochenlanger Geheimniskrämerei – gestartet und seitdem gibt es schon unglaublich viele teilnehmende Sportblogs (manchen dieser Blogs habe ich erst durch diese Aktion kennengelernt!). Unterstützung erfährt das Projekt durch einige Prominente wie z.B. Thees Uhlmann oder Maria Furtwängler.

Viele der Blogger haben sich auch noch neben dem Statement um individuelle Texte bemüht, darunter finden sich viele interessante Gedanken, schöne Worte und gute Interviews, wie hier bei SPOX (wie wichtig das Thema ist, zeigen auch genau die Kommentare unter jenem Interview). @heinzkamke fragt: „Ist das alles?“ und schreibt: „Ich brauche übrigens auch kein anonymes Interview mit einem schwulen oder auch, dann eher nicht anonym, nicht schwulen Fußballspieler, der die möglichen Folgen eines Outings skizziert, um zu wissen, dass da noch verdammt viel im Argen liegt…“. Dem Münchner @Stadtneurotiker ist „das ja egal“  und @freitagsspiel formuliert schön: „Gemein­sam mit Ande­ren zu leben als jemand, der man nicht ist; unter Ande­ren zu sein und gleich­zei­tig auf ele­men­tare Weise alleine zu blei­ben: Eine grö­ßere Ein­sam­keit kann ich mir kaum vor­stel­len. Das fällt mir ein, wenn ich an schwule Pro­fi­fuß­bal­ler denke.“ Auch @LizasWelt hat wieder spannende Ansichten. Ebenso lesenswert: Der Kommentar von @dogfood zur Aktion und der derzeitigen Situation in der NHL.

Die Zeit scheint reif zu sein. Lasst uns eine offene, tolerante Gesellschaft schaffen. Das Netz kann dies schaffen. Ach ja, für Neuigkeiten folgt @AktionLibero.

Noch ein Veranstaltungstipp, an dem ich leider nicht teilnehmen kann: Aktuell ist im Mainzer Bruchwegstadion die Ausstellung „Tatort Stadion“, in der es um Diskriminierung unter Fußball-Fans geht. Und genau heute (!) abend ist eine Diskussionsrunde zum Thema Homophobie.

Netzkultur-Tipp 2: Café und Kuchen

Oktober 21, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte und Blogs im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinnerung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 2 heute mit „Café und Kuchen“, einem neuen gemeinsamen Blogprojekt zweier Blogger aus Mainz und München.

Photo aus Toms Artisan Bakery, Ireland. (c) Café und Kuchen

Wer guten Kaffee und/oder guten Kuchen mag, steht immer wieder vor der Frage: Wohin? Gerade hier in Mainz sind die Chancen ein wirklich gutes Café zu finden eher mau. Man ist meistens auf den ersten Blick angewiesen, ein einheitliches Bewertungssystem ist schwierig, da die gängigen Portale wie z.B. Qype auch immer von den Unternehmen selbst als Werbeform genutzt werden. Und dabei wäre es doch toll zu wissen, wo der Kaffee besonders gut mundet, wo es die besten frischen Pflaumenkuchen oder fetten Torten gibt – oder wo ganz einfach auch das Ambiente perfekt gestaltet ist (für mich persönlich oft wichtiger als der eigentliche Kaffee 😉 ). Das dachten sich auch die Kaffee-begeisterten Blogger Laurelie aus München und tontraegerhoerer aus Mainz und starteten kurzerhand ihr neues Projekt: Café und Kuchen.

Dieses kleine Blog begeistert mit feinen Photos und Texten zu ausgesuchten Cafés, aktuell von München über Mainz über die deutsche Nordsee nach Irland. Sortiert nach ebenjenen Orten (bisher sind es noch nicht allzu viele, steht ja noch in den Startlöchern) kann man für seinen eigenen Ort (oder Urlaubsort) schauen, welche Cafés gut abschneiden. Café und Kuchen vergibt dabei eine Höchstbewertung von jeweils 5 Kaffeetassen (für den Kaffee), 5 Kuchenstücken (für Torten/Kuchen) und 5 Sterne (für das Ambiente). So kann man schnell auf einen Blick sehen, wie das jeweilige Café abschneidet. Bewertet wird – natürlich – nach persönlichem Geschmack, aber durchaus kritisch. So hat bisher kein Café in allen Kategorien die Höchstzahl von 5 Punkten bekommen. In der Praxis schaut dies dann zB so aus:

Café und Kuchen ist auch deshalb so ausgezeichnet, weil es um eine persönliche Note angereichert ist, und die (bisher) ausgesuchten Cafés nicht abgehoben oder versnobt sind, und die jeweiligen Bewertungen kritisch, aber stimmig sind. Außerdem sind die Photos und Texte stilsicher und machen schon beim Lesen und Schauen große Lust auf die gezeigten Kuchenstücke. Ich bin gespannt, wie weit das Projekt noch ausgebaut wird, und freue mich auf viele weitere Tipps. Meine absolute Empfehlung bekommen die beiden.

Zum ersten Netzkulturtipp „Kleine Helden“ geht es hier entlang.

Netzkultur-Tipp: Kleine Helden

August 29, 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Jeden Tag werde ich mit tausenden Links und Artikeln bombadiert, hauptsächlich sind dies aber die immer gleichen „Leitmedien“ und sowieso schon bekannten Blogs. Daher habe ich mich entschlossen, hier öfter mal kleine Projekte im Internet vorzustellen, welche mehr Besucher verdient haben. Für Euch als Tipp, aber auch für mich als Erinenrung. Denn Netzkultur ist lebendig, besonders in diesen kleinen, unbekannten Formaten. Teil 1 heute mit  „Kleine Helden“, einem kölschen Projekt von Dominik Porschen.

Es ist Samstag abend, ich versacke mit Freunden in der Kölschbar. Es sind schon viele Runden am Tresen gelaufen, als ich gefragt werde: „Kennst du die kleinen Helden?“. Nöö, kannte ich nicht. Und so wird mir das erste Mal von diesem neuen Projekt erzählt – dass es ausgerechnet in der Kölschbar passiert, über welche Folge 2 der Serie handelt und der Gründer und Moderator Dominik Porschen 2 Plätze weiter sitzt: Umso sympatischer, das passt zu Köln.

Was also sind nun „Kleine Helden“? Dieses Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, eine kleine Webvideo-Reihe zu produzieren – mit einfachen Mitteln, authentisch und mit einem (oder zwei) Menschen im Mittelpunkt, die eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen haben. Dabei versteht Porschen das „Helden-sein“ eher subtil: verrückt, unkonventionell oder einzigartig ist wichtiger als ein reales Helden-Dasein. Und genau dies merkt man den bisherigen Folgen auch an: Hier werden keine großen Persönlichkeiten vorgestellt, sondern Leute wie Du und ich, mit Macken und Kanten. Das macht die bisherigen Folgen wirklich interessant und gefällt mir sehr gut. Die eingangs erwähnte Kölschbar, mittlerweile zum Wohnzimmer der Kölner Partymeile geworden, ist der Ort des Geschehens, mittendrin die beiden Jungs, welche nach dem Studium Job mit Tresen tauschten. Hier zum Video.

Am faszinierensten, auch weil ich mich ja schon beruflich wegen mit der Theologie beschäftige, ist für mich aus den bisherigen 4 Serienteilen die Folge mit David Berger. Homophobie, die katholische Kirche und Themen, die eben nicht nur an der Oberfläche kratzen. Sehr schön, sehr ordentlich gemacht, von diesen „Helden“ wünscht man sich dann auch gerne mehr. Hier gehts zum Video.

Schön, dass es ein solches ehrliches, kleines Projekt gibt – dafür gibts von meiner Seite eine absolute Empfehlung. Für den Anfang ist auch Dominik schon recht geübt im Fragen und Moderieren, eine gewisse Ruhe kommt dann sicher mit der Erfahrung 😉 Klickt Euch mal rein, alle bisherigen Videos gibts hier. Wünschenswert: Ein RSS-Feed für alle neuen Beiträge. In diesem Sinne: Weiter so.

Rivva-Nachfolger gefunden: newshype

April 11, 2011 2 Kommentare

Mit dem Ende von rivva starb eine kleine, aber liebgewonnene Aggregatormaschine, die für einen wohl großen Teil der Blogosphäre unersetzlich geworden war. Mit newshype startet nun ein neues Projekt, welches die Lücke von rivva schließen soll.

Diese Postkarte mit dem noch nötigen Beta-Invite hatte ich heute morgen (bzw. eigentlich schon am Freitag!) in meinem Briefkasten. Richtig gelesen, der Invite kam per Post und hat damit schonmal einen Pluspunkt, bevor ich mir die Seite angeschaut habe. Eine persönliche Einladung im Briefkasten macht halt doch etwas mehr her als eine eMail.

Im Gegensatz zu manch anderem wie Martin Weigert hat mich das Ende von Rivva schon getroffen: Für jemanden wie mich, der nicht berufstätig im Netz arbeitet, war Rivva der absolute Anstoß für alle wichtigen Artikel und Beiträge. Nach dem Ende hat sich mein Reader extrem angefüllt, aber ganz ausfüllen konnte dies die Lücke nicht.  Jannis Kucharz von netzfeuilleton und Pëll Dalipi starten nun mit newshype einen Nachfolger, der zumindest auf den ersten Blick schonmal einen guten Eindruck hinterlässt. Was genau macht newshype? Das beschreibt netzfeuilleton so: Newshype will die meist verlinkten und meist diskutierten Artikel der deutschen Blogosphäre sammeln und damit Debatten zwischen Blogs abbilden. Dazu crawlen wir aktuell über 2000 Seiten und zugehörige Tweets.“

Und das schaut heute dann so aus:

Shot vom 11.4.11, 10.30 Uhr

Ähnlich wie in der alten Rivva-Version gibt es verschiedene Kategorien von Politik bis Sport, der Hauptaugenmerk liegt aber klar auf der Startseite, auf der die aktuell wichtigsten Blogbeiträge erscheinen. Entscheidend für das Kriterium „wichtig“ sind dabei die Standardzahlen: die meisten Verlinkungen, die meisten Tweets, die meisten Retweets. Das schaut bisher alles schon ganz gut aus, auch wenn newshype aktuell noch das eine oder andere Problem mit dem Server hat:

Damit startet Newshype mit ähnlichen Schwierigkeiten, wie sie bei rivva an der Tagesordnung waren. Man kann nur hoffen, und Jannis und Pëll die Daumen drücken, dass sich genügend Sponsoren finden für eine ordentliche Refinanzierung. Alle anderen können per Flattr helfen. Ich persönlich freue mich sehr über einen neuen Aggregator für die Blogosphäre und wünsche dem ganzen Projekt viel Erfolg und eine Menge Besucher.

Aktuell befindet sich newshype noch im Beta-Stadium und kann nur mit persönlichem Invite getestet werden. Ich habe noch zwei Einladungen zu vergeben, bei Interesse schreibt einen Kommentar und gebt eure eMail-Adresse mit an. Viel Spaß damit 😉

[Update: Invites sind vergeben – Kommentieren dürft ihr natürlich weiterhin ,) ]

Facebook verändert Startseite

Oktober 26, 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Die sozialen Netzwerke sind uns ja irgendwie so ans Herz gewachsen, dass wir sie derart gewohnt sind, dass jede kleine Veränderung uns verwirrt und verwundert, und schlimmstenfalls schockt. Nun hat Facebook, das von mir meistgenutzte Netzwerk, am Wochenende zum zweiten Mal innerhalb dieses Jahres seine Startseite verändert. Das war zwar irgendwie angekündigt, aber kam dann doch für viele – incl. mir – überraschend. Viele sind überfordert. Die Antigruppe „Change Facebook back to normal“ wächst sekündlich! Was ist passiert?

Statt dem bisherigen „real-time-Feed“, der einfach alle Statusupdates und Photo-/-Video-/Linkaktualisierungen untereinander postete, und rechts „Suggestions“ und „Highlights“ anbot, gibt es nun zwei voneinander getrennte Bereiche. Da hätten wir einmal den „News-Feed“, in der deutschen Version auch einfach „Neuigkeiten“:

FireShot capture #024 - 'Facebook I Home' - www_facebook_com_home_php#_home_php_filter=h

Sowie den anwählbaren „Live-Feed“, in der deutschen Version auch einfach: „Live-Meldungen“:

FireShot capture #023 - 'Facebook I Home' - www_facebook_com_home_php#_home_php_filter=nf

Worin liegt der Unterschied?

Im Newsbereich werden ab nun alle wichtigen Neuigkeiten der Freunde angezeigt. Wichtig? Genau da ist der Haken: Facebook sucht diese „Highlights“ selbst aus anhand ausgesuchter Kriterien. Facebook selbst dazu: „News Feed picks stories that we think you’ll enjoy based on a variety of factors including how many friends have liked and commented on it and how likely you are to interact with that story.

Bedeutet nichts anderes, als dass hier in etwa die Highlights der vergangenen rechten Spalte zu finden sind: Beiträge mit vielen Kommentaren oder Updates mit vielen „Gefällt mir“ von Freunden. Plus verschiedene Updates, die „möglicherweise“ besonders interessant für mich sind.

Ganz anders der Live-Feed: Hier kommen nun – im Gegensatz zum News-Feed chronologisch geordnet – ALLE Aktualisierungen auf einen Haufen. Der alte News-Feed wurde also um ein Vielfaches erweitert: Freundschaften, getaggte Freunde, Beitritt von Fanseiten oder Gruppen, und und und. Facebook selbst dazu:Once you’ve caught up on what you missed, you can click through to „Live Feed“ to see what’s happening right now. As long as you remain logged into Facebook, you’ll continue to see posts and activity from your friends in real-time. You can edit what appears in this view by clicking „Edit Options“ at the bottom of the home page.“

Soweit so gut ist der Grundgedanke super: Bei wenig Zeit hat man einen schnellen guten Überblick über alle wirklich relevanten, wichtigen geposteten Meldungen. Der Live-Feed mit allen Meldungen ist darüber hinaus praktisch für alle, die mal wieder alles interessiert. So sind hier mit einem Schlag 2 Interessensgruppen von Netzwerken angesprochen. Eine ganze Menge Menschen hab dies wohl immer wieder so gefordert. (Vor allem natürlich in den USA.)

Man kann nun auch jeden „Freund“ aus dem News-Feed ausbinden: Einfach mit der Maus in die obere rechte Ecke des Beitrages gehen und dort auf „Hide“ / „Verbergen“ klicken.

Mir persönlich gefällt der Grundgedanke gut: An Online-Tagen kann ich den Live-Feed betrachten, an Tagen, den denen ich viel unterwegs bin und erst Abends die Möglichkeit habe, in Facebook reinzuschauen, ist der Newsfeed perfekt. Aber so ganz gefällt mir die Sache noch nicht: Was „wichtig“ ist, muss ich entscheiden können. Ich möchte selbst auswählen können, welche „Freunde“ ich im Newsfeed habe und welche nicht (Außerhalb der „Hide-Funktion“, s.o.). und toll wäre auch eine chronologische Auswahl im Newsfeed. (Super wäre auch, wenn man einen bestimmen  Beitrag anklicken könnte, um ihn somit zur weiteren Verfolgung der Kommentare in den Newsbereich verschieben könnte. Vielleicht Zukunftsspielerei!) Generell ist es aber ein guter Schritt; soziale Netzwerke entwickeln sich halt weiter wie wir alle auch. Bin gespannt, welche Fortschritte Facebook da noch macht und wie sie die bisherigen Ergebnisse noch optimieren. Der Anfang ist gemacht.

Gesetz zur Internetzensur -Thema „zensursula“

Juni 19, 2009 1 Kommentar

zensursulaGestern also ist es doch passiert. Trotz der in der BRD größten jemals dagewesenen Petition gegen das „Zugangserschwerungsgesetz“ wurde eben dieses im Bundestag – mit namentlicher Abstimmung – beschlossen. Über 134000 Unterzeichner (ich war noch einer der ersten Tausend!) reichten nicht, um den Bundestag bzw. besser die große Koalition zu überzeugen, dass sie mit diesem Gesetz auf dem absolut falschen Weg sind, und den ersten Schritt getan haben in eine Zensur, wie sie sonst nur China hat (oder aktuell auch der Iran!). Phoenix übertrug live im Fernsehen, mit einem Live-Stream im Netz und auch die Bundestagsseite hatte verschiedene Live-Streams, welche aber vollkommen überlastet waren, was auf das ungeheure Interesse im Netz zurückzuführen ist.

Ich glaube vielen (auch gerade in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis) ist nicht bewußt, was dieses Gesetz *wirklich* bewirkt: Der Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist damit quasi aufgehoben. Unter dem Decknamen des Kindesmissbrauches (irreführender Name übrigens: Kinderpornographie!) wird ein Gesetz durchgeboxt, welches der Regierung erlaubt, alles und jedes zu zensieren – ohne das zu begründen. Schon wenige STUNDEN(!) nach der Abstimmung fordert ein CDU-Abgeordneter eine Ausweitung der Netzsperren u.a. auf die sogenannten, von der Regierung gehassten „Killerspiele“. Den meisten wird die Wirkung dieses Gesetzes vermutlich erst klar werden, wenn sie auf ihren geliebten halblegalen Seiten wie kino.to und Ähnlichem (rapidshare und co incl.) ein rotes Stoppschild sehen.

Auch wenn die Gegner des Gesetzes gestern eine schwere Niederlage einstecken mussten (viele im Netz sehen die Demokratie der BRD gefährdet…- und hoffen nun auf eine Verfassungsklage!), die Aktionen rund um dieses Gesetz, die Petition und die vielen, vielen Blogeinträge und tausende Tweets zum Thema geben Hoffnung: Da regt sich doch was! Die Debatte, die im Internet losgelöst wurde, ist kaum mehr aufzuhalten. Auch im Hinblick auf den Wahlkampf und die Bundestagswahl 2009 wird das sicher riesig spannend.  Nahezu unglaublich, wieviel und wieoft gestern abend, und auch heute den ganzen Tag über das Thema aufgeriffen wurde. Gefühlte Millionen Blogs, sekündliche Tweets mit dem hashtag #zensursula. Nicht nur das: Ich habe das Gefühl, dass sich auf einmal wieder mehr Menschen mit der Politik auseinandersetzen. Dieses Gefühl beschreibt auch gut der sehr gute Beitrag von Christoph Thurner: Vielen Dank Ursula von der Leyen (ernst gemeint!) mit seinen vielen ,vielen Kommentaren.

Überhaupt scheint das ganze Internet in Aufruhr zu sein. Es scheint kein anderes Thema mehr zu geben (mal vomweltweiten Thema der Iranwahl abgesehen!).Einige Beispiele:

usw usw. Diese Liste ist beliebig erweiterbar, es gibt wirklich viele gute Kommentare und Einträge, wenn es natürlich wie überall auch hier viele populistische Stimmen gibt. Da kann sich aber jeder selbst mal ein Bild machen und sich selbst informieren.

Im Gegensatz zur umfassenden Berichterstattung und den fast schon erschlagenden tweets zu #zensursula im Netz, regt sich innerhalb der realen Welt (ja, die gibts noch!) sehr wenig. Egal ob in der Universität, im Freundeskreis, Familie oder auf der Strasse: Das Thema kommt so gut wie nie auf den Tisch; wenn ich es anspreche, wird es schnell wieder begraben. Erschreckend!! Daran sieht man auch, wie wenige Menschen sich wirklich mit der aktuellen Politik beschäftigen und wirklich schauen, was die Regierung jeweils gerade versucht. Das zeigte auch eine Umfrage Anfang Juni zum Zensurgesetz. (Da muss man anmerken, dass das Allensbach-Institut CDU-nah ist und allein schon die Fragen wenig Spielraum lassen…)

Interessant und spannend finde ich nun auch die weiteren Entwicklungen. Besonders die Piratenpartei scheint gerade sehr zu profitieren, viele haben heute eine Mitgliedschaft unterschrieben, und als erster MdB erwägt Dr. Tauss eine Mitgliedschaft; eben jener Tauss, der selbst der Kinderpornographie verdächtig ist und gestern in einer aufsehenserregenden Rede ein letztes Mal im Bundestag auftrat. Eben jene Piraten planen nun in vielen deutschen Großstädten Demonstrationen und Proteste: „löschen statt sperren!“ Mal schauen, ob davon was in den Medien ernsthaft berichtet wird.

Hier kann man übrigens einsehen, welcher Abgeordneter FÜR das Gesetz, und noch wichtiger, welche DAGEGEN gestimmt haben. Sollten wir uns genau ansehen und vielleicht auch daraufhin unsere Stimmen im September geben. (Hier kann man vor allem die FDP loben: komplett dagegen, und dazu ein kompetenter Redebeitrag in der gestrigen Live-Debatte, super! – Hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sage 😉 )

Das reicht fürs erste – ich denke wir werden zu diesem Thema noch einiges hören. Hoffen wir alle, dass der Artikel 5 noch nicht gestorben ist.

//

edit: habe bei „Wir sind das Volk“ noch eine Liste mit interessanten Beiträgen zur Debatte gefunden – allein NUR von heute!

edit2: Lustige Sache, ernster Zweck: Protest raus unter das Volk zu bringen: 3D-supply bietet kostenlose „zensursula“-Tshirts an. (Lediglich die Versandkosten muss man selbst übernehmen!)

%d Bloggern gefällt das: