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Staffelreview: Game of Thrones, season 2

Juni 5, 2012 3 Kommentare

Nach dem großen Erfolg im deutschen Fernsehen bei RTL 2 dürfte die hochgelobte Fantasyserie „Game of Thrones“ auch hier fast jedem Serien-Fan ein Begriff sein. Gestern verabschiedete sich auf dem US-Kabelsender HBO mit dem Season-Finale „Valar Morghulis“ die zweite Staffel der Saga um Westeros. Ein abschließendes Season-Review.

„Let’s go kill them all. Fuck the King!“

Als im vergangenen Jahr „Game of Thrones„, die serielle Verfilmung der Fantasy-Bücher von George R.R. Martin, startete, war die Begeisterung aller Orten groß. Auch ich war schnell befangen, süchtig nach mehr und schrieb zur ersten Staffel: „Eine sehr komplexe Geschichte mit wunderbaren aktuellen Bezügen, ein tolles Ensemble, ein gutes Setting und ein phantastischer Spannungsbogen.“

Die zweite Staffel setzt am Cliffhanger der ersten Season an, und arbeitet sich innerhalb ihrer 10 Episoden langsam auf ihr schon vorher klares Ziel hin: „war is coming“, die Schlacht um ‚King’s Landing‘, die Stadt mit dem Eisernen Thron, auf den sie alle wollen. Es herrscht Bürgerkrieg in Westeros, und alle Hauptfiguren der Serie (des zweiten Bandes der Bücher) haben zwar ihre erklärten Ziele, aber müssen sich mit ihren jeweils eigenen Problemen herumschlagen. Dabei werden zu den schon in Staffel 1 zahlreichen Charakteren immer wieder neue Figuren an das Publikum herangeführt. Das ist oft schwierig für den (Noch-)Nicht-Buchleser wie mich, da den Überblick zu behalten. Namen, Burgen, Reiche, Familien und Titel: Wer in der 2. Season von Game of Thrones alles mitbekommen will, muss aufmerksam sein.

Und so toll und detailreich viele Figuren dargestellt sind – mit der Menge an Personen ist es schwierig eine enge (Serien-)Bindung an eine Figur zu schaffen. Genau hier liegt das zentrale Problem dieser Staffel: Zuviele Handlungsstränge, zuviele Charaktere und zuviele Informationen aufgeteilt auf zu wenige Episoden. Am deutlichsten macht das vielleicht das abschließende Finale „Valar Morghulis“: Hin und her springt die 65-minütige Handlung, es gibt einige fast schon blitzartige Sequenzen, nur selten bekommt eine Figur/ein Handlungsort etwas Zeit für Entfaltung. Es ist kein schlechtes Finale, sicher nicht, aber es fehlt die klare Linie, es fehlt die innere Spannung zu seinen persönlichen Lieblingscharakteren. Immerhin kommen die einzelnen Stränge etwas aus ihrer Stasis heraus und die letzten Minuten lassen einen dann doch wieder gebannt zurück.

Es ist daher fast folgerichtig, dass die beste Episode dieses Mal die war, die sich lediglich um einen einzelnen Schauplatz drehte: „Blackwater“, die 9. Folge und irgendwie ein kleines Finale einer Season. Diese Folge war von Buchautor Martin selbst geschrieben worden, und hier zeigte sich in beeindruckender Manier, zu was „Game of Thrones“ fähig ist, wenn alles passt. Dann nämlich, wenn Detailreichtum und unglaublich gute Charaktere auf einen starken, stringenten Plot treffen, ist diese Serie kaum zu toppen. Leider schafft es die Serie in dieser Staffel nur einmal so sehr zu begeistern.

Doch natürlich ist dies von mir Jammern auf höchstem Niveau. Es sind diese Kleinigkeiten, die mir am Ende einer Staffel negativ auffallen. Es fehlt mir persönlich etwas an der Fokussierung und Dichte, welche die 1. Staffel so atemberaubend gemacht haben. Nichtsdestotrotz: Wunderbare Dialoge, hervorragende Schauspieler (Herausragend: Peter Dinklage als Tyrion Lannister, siehe Bild oben), tolle Settings und eine faszinierende Geschichte. „Game of Thrones“ bleibt auch in seinem 2. Serienjahr sehr gut und absolut bemerkenswert, erfüllt die meisten Erwartungen, und lässt mich mit Spannung auf den nächsten Teil warten. Da die weiteren Bücher noch mehr Details und Dichte erhalten, werden die nächsten Bücher in jeweils 2 Staffeln verfilmt. Das bedeutet zweierlei. Erstens: Wir haben wohl noch viele gute Game of Thrones-Staffeln vor uns. Aber auch: Wir werden noch Jahre warten müssen, bis wir am Ende der Saga sind. Hoffentlich erleben das meine Lieblingscharaktere.

Wann „Game of Thrones“ ins deutsche Free-TV kommt, ist noch nicht bekannt. Aber im Sommer gibt es ja schon die nächste großartige Serie zu schauen. Jetzt heißt es: Warten auf den King, den Heisenberg.

(Tipp: Empfehlenswerte, ausführliche (lange!) Reviews zu jeder Episode lesen sich am besten bei den Mainzer Kollegen von Negativ.)

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Kinoreview: Eine dunkle Begierde (David Cronenberg, 2011)

Noch ein kleines Kinoreview hinterher. Diesmal mit David Cronenbergs „A dangerous method“, der die Psychoanalyse und deren wichtigsten Protagonisten Freud und Jung thematisiert. Trotz guter Ausstattung und guten Darstellern enttäuscht der Film letztlich etwas – vielleicht auch aufgrund zu hoher Erwartungen meinerseits.

Keira Knightley spielt Sabina Spielrein in "Eine dunkle Begierde".

David Cronenbergs Frühwerk, in denen er sich Horrorfilmen und der menschlichen Psyche widmete, ist mir kaum geläufig, aber mit „Spider“ (2002), „A History of Violence“ (2005) und vor allem „Eastern Promises“ (2007) hat er einige meiner absoluten Favoriten des vergangenen Jahrzehnts erschaffen – und damit meine persönliche Erwartungshaltung an seine Filme sehr hoch geschraubt. Dieses mal – gespickt mit hochklassigen Darstellern – vielleicht etwas zu hoch.

In Eine dunkle Begierde widmet er sich nun den Anfängen der sogenannten Psychoanalyse (Hach! Psychologie- & Pädagogik-Studenten träumen jetzt von ihren Einführungsseminaren…) und im besonderen ihrem biographischen und historischen Kontext. Dabei kommt es zu einer interessanten Dreiecksgeschichte zwischen Dr. Sigmund Freud (Viggo Mortensen), Dr. Carl Jung (Michael Fassbender) und deren Patientin Sabina Spielrein (Keira Knightley), an der Jung die Psychoanalyse erstmals anwendet. Aufgemischt wird das Dreick durch einen weiteren Patienten: Dr. Otto Groß (Vincent Cassel).

Cronenberg sind bei dieser Darstellung zwei Positionen sehr wichtig: Authenzität (schlägt sich sowohl in einer opulenten Ausstattung in nahezu allen Szenen und einer gründlichen Genauigkeit von Gesten, Mimik und Sprachform nieder) und Dialoge (Großteil des Filmes in Dialogform, Freud und Jung dürfen viel diskutieren). Dies gelingt ihm ganz vorzüglich, und verdient jede Anerkennung. Die Gespräche zwischen Mortensen als Freund und Fassbender als Jung sind durchaus gelungen, und gerade die Therapiegespräche zwischen Jung und Spielrein sind faszinierend, auch weil Knightley dabei sehr gekonnt an die Grenzen der Darstellung gelangt. Leider bleiben Mortensen und Fassbender darstellerisch eher blass, auch weil sich ihr Streit um die Anwendung der Psychoanalyse (Freud sieht sie nur als Erkenntnis, Jung dagegen will sie in der Praxis einsetzen um zu heilen) etwas  zu sehr in die Länge zieht bzw. nicht genug in die Tiefe geht. Die eigentliche Protagonistin des Films ist sowieso die unglückliche, psychisch erkrankte Spielrein. Knightley schafft es, sie meiner Meinung glaubhaft darzustellen und spielt mal wieder äußerst eindrucksvoll: Anfangs mit Mut zur Hässlichkeit (fast schmerzhaft für den Zuschauer), später die Wandlung zur Analytikerin.

Man merkt gerade an dieser Person, dass Cronenberg Figuren sehr wichtig sind, und deshalb ist „Eine dunkle Begierde“ in erster Linie auch eine klassische Biographie. Angereichert mit sehr geschliffenen Dialogen, einer Story, die uns in tiefe Begierden unserer Psyche führt und letztlich ganz gut zeigt, welche gesellschaftlichen Entwicklungen die Entdeckungen Freuds und Jungs möglich machten. Es bleibt aber leider dabei: Richtig möchte der Funke nicht auf mich als Zuschauer überspringen, zu lange sind manche Gespräche, zu sprunghaft dann doch die einzelnen Entwicklungsstufen der Hauptfiguren. Cronenbergs „A dangerous method“ ist gutes Darstellerkino mit vielen interessanten Szenen, enttäuscht aber letztlich etwas an meinen Erwartungen und muss sich irgendwie unter „ganz gut“ einordnen lassen.

Fazit: Makellose Bilder, interessante Geschichte und gute Dialoge – aber weder ein neues Meisterwerk noch ein Film, bei man das Kino gebannt verlässt. 6 von 10 Zigarren.

Kinoreview: Mission: Impossible – Phantom Protokoll

Kurz vor dem Jahreswechsel war ich schließlich zum ersten Mal in 2011 in einem echten Blockbuster, in einem der großen Ketten-Kinos und mitten unter Popcorn-essenden Mainstreamschauern – und das Resultat war dennoch super. Der vierte Teil der „Mission: Impossible“-Reihe „Phantom Protokoll“ ist ziemlich grandios (und sponsored by BMW).

Die Mission: Impossible-Reihe hat mehrere Probleme: 1) Die Achtziger-Jahre Serie ist charmant, witzig und einfallsreich. Dies muss erst einmal getoppt werden. 2) Teil 2 der Filmreihe ist unterirdisch schlecht, Teil 3 nur halbswegs gelungen. 3) Tom Cruise.

Cruise ist einer dieser Schauspieler, die man eigentlich nie mag. Vielleicht ein bisschen der Til Schweiger Hollywoods. Dieser etwas arrogante Blick, immer gleich schauend, dazu seine Scientology-Zugehörigkeit und obendrein seine Filmauswahl: Viel unsympatischer geht kaum. Cruise war und ist immer nur dann richtig gut, wenn er extreme Rollen spielt (Jerry Maguire, Magnolia) oder sich schon fast selbst karrikiert (Tropic Thunder). Doch im 4. Teil der Filmreihe um den IMF-Agenten Ethan Hunt wirkt Cruise nahezu sympatisch und glaubwürdig. Woran das liegt? Am guten Drehbuch: Denn „Phantom Protokoll“ ist witzig, selbstironisch und gar nicht mal so doof.

Regisseur Brad Bird (Die Unglaublichen) schafft es, diesen vierten Teil der Reihe nun endlich wieder in eine Richtung zu lenken, die Spaß macht, trotzdem vor gelungener Action strotzt und zudem optisch herausragend ist. Der Reihe nach: Während Teil 3 kaum humorloser sein könnte, ist der neue Streifen schon alleine durch die Anwesenheit von Simon Pegg witzig. Seine Art zu spielen ist ja schon per se großartig, die herrlichen Dialoge zwischen ihm und Cruise sind Slapstick pur: Die Szene mit dem Einbruch in den Kreml ist unglaublich lustig. Obwohl die Action natürlich das Herz dieses Filmes ist und sein muss, der klasse Humor auf über 2 Stunden ist die Seele des Streifens. Die Action ist teils atemberaubend, wenn Cruise aka Hunt zum Beispiel am höchsten Gebäude der Welt herumklettert, und immer perfekt choreographiert. Technisch ist der Film sowieso auf aktuellem Höchstniveau, Kamera und Ton überzeugen auch. Dazu kommt ein völlig neues Gespür für Dramaturgie und Timing, wie man es in der M:I-Reihe sicher noch nie gesehen hat (Zu nennen wäre hier vor allem die Übergabe der Diamanten in Dubai). Und deshalb hat der Film alles, was einen guten Blockbuster ausmacht: Spannung, Action, Tempo, Witz, den Hauch Altmodisches, eine große Portion Selbstironie und eine unglaubliche Technik.

Einen Makel gibt es dann allerdings doch – und letztlich ist dies sehr schade, weil es ohne diesen zu einem großartigen Film gereicht hätte. Michael Nyquist bleibt als Bösewicht und Widersacher viel zu blass. Das liegt nicht mal an ihm, sondern an der verpassten Chance, die „Bösen“ vielfältig und gründlich auszuleuchten. Da gibts zu wenig Tiefe, zu wenig wirklich „Böses“. Typische blasse Bond-Schurke aus den Sechzigern.

Davon abgesehen bleibt ein guter Blockbuster, in dem ein bisschen zu oft die Marke BMW vorfährt. Das Duo Bird und Cruise schaffen es, die M:I-Reihe wiederzubeleben und erschaffen so den sicher besten Action-Film des Jahres. Der nächste Bond-Film wird es schwer haben, dies alles zu toppen. Man darf gespannt sein. M:I 4 ist ein perfekter Popcorn-Spaß-Film, für den auch mal wieder das Mainstream-Kino lohnt. (Mal unabhängig von 45 (!) Minuten Werbung vor dem Film.) 8 von 10 Diamanten.

Deutscher Film (4): Waffenstillstand (2009)

Juli 11, 2011 1 Kommentar

Seit meinem letzten Post zu der Reihe „Deutscher Film“ ist viel Zeit vergangen, und dabei habe ich meine Intention nicht vergessen: Kleine Filme aus Deutschland vorzustellen, die es wert sind, angesehen zu werden – und vielleicht oder oftmals viel zu sehr untergehen im Einheitsbrei der Blockbuster. Heute geht es endlich weiter, mit dem kleinen Kriegsfilm und Spielfilmdebüt „Waffenstillstand“ des deutschen Regisseurs Lancelot von Naso.

Szene aus "Waffenstillstand"

Kriegsfilme aus Deutschland sind rar, und wenn, dann behandeln sie fast ausschließlich den zweiten Weltkrieg – meist kitschig oder übertrieben, und nur selten eindrucksvoll. Der Irakkrieg der nuller Jahre war auch sonst bisher wenig im Blickpunkt der Filmindustrie, dies änderte sich mit dem Erfolg des wirklich guten The Hurt Locker von Kathryn Bigelow. In dessen internationaler Erfolgsspur kommt Waffenstillstand zustande, das Kino-Debüt des Kurzfilmregisseurs Lancelot von Naso (Übrigens lustiger Name, scheint aber tatsächlich kein Künstlername zu sein…).

Während es in 99% aller Kriegsfilme um Männer, Helden, Mut und Ehre geht, wird zwar auch in „Waffenstillstand“ geschossen, und Tote und Verletzte gibts auch hier zuhauf, aber es findet keine ideologische Verklärung statt. Die authentische Darstellung der Situation im Irak und der Protagonisten gelingt hervorragend und heraus kommt ein beeindruckender Film über eine an den wahren Begebenheiten der Stadt Falludscha angelehnte Geschichte:

Irak im Jahre 2004. Offiziell ist der Krieg vorüber, doch im Norden des Landes gibt es erbitterte Kämpfe zwischen Amerikanern und Rebellen. Vor allem die Stadt Falludscha erwischt es hart. Während eines unsicheren 24-Stunden-Waffenstillstandes versuchen Kim, eine Hilfsorganisationsmitarbeitern, und Arzt Alain Medikamente und medizinische Grundversorgung in die Stadt zu bringen. Der junge Journalist Oliver und der erfahrene Kameramann Rolf schließen sich an, um als erste Journalisten Bilder aus der umkämpften Stadt zu zeigen. Zusammen mit ihrem irakischen Fahrer entwickelt sich so etwas wie eine Zweckgemeinschaft, die sich durch offenes Kriegsgebiet, durch amerikanische Grenzkontrollen und mit Aufständigen herumschlagen muss.

Die Fahrt, die als medizinisches (und journalistisches) Projekt beginnt, entwickelt sich nach und nach immer mehr zum Horrortrip, und obwohl der Film kaum etwas anderes zeigt als die 5 Protagonisten und ihre kleine Geschichte, nimmt die Spannung unaufhörlich zu, und gipfelt schließlich in der mitreißenden Flucht aus Falludscha. Fasziniert zu beobachten ist, wie völlig unterschiedliche Individualisten auf einmal zusammen stehen müssen, um ihr eigenes Leben zu retten – obwohl sie andere retten wollten. Dabei machen die Schauspieler eine gute Figur, auch und gerade Hannes Jaenicke als ängstlicher, erfahrener Mann spielt absolut überzeugend. Die ganze Stimmung des Filmes ist ruhig und doch intensiv, langsam und doch actionreich. Von Naso gelingt ein emotionales Werk, das einige Zeit braucht, bis es seine Wirkung entfaltet. Manch einer mag dem Film zuviele Belanglosigkeiten oder wenig Tiefe vorwerfen, ich dagegen sehe das genau anders: gerade weil hier etwas konkretisiert wird, kommt der Film mit seinem Beitrag zu diesem wichtigen Thema gut an. Er will nicht den Krieg erklären oder gar die Politik außen rum, er steht einzig und allein mit den Figuren genau mittendrin, und verdeutlicht – manchmal zu hart – wieviele unschuldige Menschen in einen solchen politischen Krieg ganz zwangsläufig reingezogen werden.

Obwohl „Waffenstillstand“ über weite Strecken etwas vorhersehbar ist, und kleine dramaturgische Schwächen besitzt, ist hier ein wirklich sehenswerter Anti-Kriegs-Film entstanden, der ausnahmsweise mal definitiv keinen Constantin-produzierter Weltkriegs-Schmarn zeigt. Daher: Absolute Empfehlung von mir. (In der mittlerweile verbreiteten 10er Punkteskala würde der Film bei mir etwas um 7,5 liegen.)

ARTE hat den Film letzte Woche gezeigt, und hat ihn dankenswerterweise noch bis Ende dieser Woche in der Mediathek.

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In dieser Reihe habe ich bisher empfohlen:

Deutscher Film (3): Das Gehörlosen-Melodram „Jenseits der Stille“.

Deutscher Film (2): Die bayrische Komödie „Wer früher stirbt ist länger tot“.

Deutscher Film (1): Das Schwarz-Weiß-Drama „Die Unberührbare“.

Serienreview: The Event [NBC, 2010-2011]

Im letzten Herbst startete die NBC eine neue Mystery-Serie, welche mit Action- und Verschwörungselementen an den Erfolg abgelaufener Serien wie „Lost“ oder „24“ anschließen sollte. Durch rückläufige Quoten gab es einen langen Winterbreak, so dass die erste Staffel erst diese Woche zu Ende ging. Weitere Staffeln wird es auch nicht geben, ein Review zu 22 Episoden ‚The Event‘.

Nachdem erst neulich entschieden wurde, aufgrund zu schlechter Quoten die Serie einzustellen, war klar, dass The Event keine neue Erfolgsgeschichte wie Lost geben würde. Dabei war das ursprünglich so nicht abzusehen: Der Pilot der Serie war nicht so schlecht, die Charaktere schienen interessant und der Plot verlief zwar nicht außergewöhnlich, aber zumindest spannend. Worum gehts überhaupt?

Sean Walker (Jason Ritter) ist ein stinknormaler junger Mensch (abgesehen von seinen genialen Hacker-Fähigkeiten), der mit seiner Freundin Leila auf einer Kreuzfahrt ist. Als Leila schließlich entführt wird, und niemand Sean glauben mag, überschlagen sich die Ereignisse und Sean gerät in einen unaufhaltsambaren Strudel aus Verschwörungen und politischen Intrigen. Und das Mysteriöse? Nun ja, man könnte das spurlose Verschwinden eines Flugzeuges im Piloten zum Beispiel erwähnen. All dies ist in Form von Flashbacks erzählt, und wird mit durchaus glaubwürdigen Darstellern besetzt. Insgesamt war diese erste Folge etwas zu hektisch und schnell, machte aber Lust auf mehr, ließ auf ein neues „Lost“ zumindest hoffen. Am Ende lief es aber eher auf ein neues „Flash Forward“ hinaus, aber der Reihe nach.

Im Laufe der nächsten Episoden werden zunehmend viele Handlungsstränge nebeneinander gesetzt: Das ist gerade anfangs gut, weil der Zuschauer etwas gefordert wird, die einzelnen Stränge für sich größtenteils interessant sind und man überlegt, wie dies alles zusammen passt. Für den Zuschauer agieren Sean und Leila mit ihrer hilflosen Art, immer weiter in den Ärger hineinzuschlittern, als tragende Charaktere. Für die Serie wichtiger sind aber Personen wie Präsident Martinez, Vize-Präsident Jarvis oder Sophia, die tonangebende Chefin der „Anderen“. Diese Anderen sind eine unbekannte Spezies, deren Heimatplanet stirbt. Eine Supernova wird 2,5 Milliarden umbringen, wenn es Sophia nicht schafft sie auf die Erde zu transportieren. Das dies bei der US-Regierung nicht gerade auf Zustimmung stößt, kann man sich denken. Ein harter Konflikt zwischen allen Beteiligten entsteht, in dem im Mittelpunkt die Frage nach dem Lebensraum steht.

Das alles klingt nicht wirklich neu – und das ist es auch nicht. Aliens hatte vermutlich jede 2. Mystery-Serie, Flashbacks hatten wir in der Serienlandschaft in den letzten Jahren mehr als genug, und mitverwickelte Politiker in eine Verschwörung sind spätestens seit „24“ an der Tagesordnung. Irgendwie schafft es „The Event“ – ähnlich wie anfangs auch Flash Forward – eine unterhaltsame Spannung aufzubauen. Fast hätte ich dennoch aufgegeben, als es zunehmend Logiklöcher gab, vor allem in den Folgen vor der längeren Pause. Doch zugegeben: Auch andere große Serien haben immer wieder Logikfehler – in einem Serienuniversum kann nicht alles stimmen, sonst fehlt es an jeglicher Spannung, hier lässt besonders 24 grüßen. Also schaute ich weiter. Man will schließlich auch wissen, was denn nun das vielzitierte „Event“ ist, wenn schon die Serie ihren Namen dort herzieht.

Leider ist genau dies die große Schwachstelle der Serie: Zuviele Handlungen, und leider auch der Plot rund um das eigentliche Event, werden nur angerissen, oder angefangen und später völlig vergessen. Da gibt es einige Episoden, die sich um einen alten, reichen Kauz namens Dempsey drehen, der kleine Kinder entführt und an ihnen medizinische Tests durchführt. Das wird in aller Breite erzählt, und ist letztlich auch gar nicht schlecht, weil der alte Mann von Hal Holbrook gespielt wird und einfach großartig ist. Und was passiert? Irgendwann erschiesst sich Dempsey und diese Handlung wird nie mehr angerissen, geschweige denn erklärt. Das ist schade, denn immer wieder, gerade in den letzten 6-8 Folgen der 22 Episoden, blitzt großes Potential auf: Es gibt sie immer wieder, die guten Momente, die starken Dialoge, die besonderen Twists – und im nächsten Augenblick passiert wieder etwas, wo man den Drehbuchautor gerne mal fragen würde, was er da geraucht hat.

Letztlich verschenkt NBC eine Serie mit viel Potential, was leider nicht ausgenützt wird. Trotzdem, und das möchte ich betonen, bleibt trotz aller  – erwartbarer und unfassbaren – Schwächen eine sehr unterhaltsame Serie, die man sich als Serienfan gut anschauen kann – zumindest, wenn man über die Plotfehler und das zu schnell herbeigeschusterte Ende hinwegsehen kann. Was bleibt an wirklich Positivem hängen? „The Event“ hatte einige ganz hervorragende Settings, einige wirklich gute Momente, spannende Episoden und einige doch bemerkenswerte Darsteller. Im Kopf bleiben werden wohl vor allem Zeljko Ivanek, der als CIA-Direktor eine tolle Figur macht, und die unglaublich attraktive Taylor Cole, die mich zwar anfangs nervte, sich aber irgendwann zu einer meiner Lieblingscharaktere mauserte.

Am Ende bleibt noch die Frage, was wäre wenn und hätte und überhaupt, wenn man der Serie 3-4 Staffeln Zeit gegeben hätte sich zu entwickeln. Wir werden es nie erfahren, und damit ist es mir nach „Flash Forward“ nun schon zum zweiten Mal passiert, eine Serie anzufangen, die während der Ausstrahlung dann gekippt wird. Schade drum. In Deutschland hat sich übrigens die RTL_Group die Rechte gesichert, wird wohl irgendwann mal im Nachtprogramm laufen. Ich werde mich wohl mehr den je erstmal mehr Serien widmen, sie schon über einen längeren Zeitraum Erfolg hatten.

Robyn live in Offenbach (Capitol)

März 9, 2011 3 Kommentare

Irgendwie sollte das wohl nicht so recht sein, mit uns und Robyn. Das Konzert im September ausgefallen, schließlich verschoben – ausgerechnet auf Rosenmontag, schließlich noch vom Frankfurter Mousonturm ins Offenbacher Capitol verlegt – und dann, als es endlich soweit war, stecken wir im Zugchaos fest. Das kurze Review zum Robyn-Auftritt im Rhein-Main-Gebiet.

Blick aus der letzten Reihe ,)

Es ist früher Abend als sich zwei 13-Jährige in genau DER S-Bahn-Station, die dem Capitol am nächsten liegt, einen sowohl dummen als auch unverzeihlichen Jugendspaß erlauben – und damit den kompletten Rhein-Main-Bahnverkehr zum Erliegen bringen. Dummerweise ist genau zu diesem Zeitpunkt für viele Feierfreudige hackedichte Wahnsinnige Rosenmontagsschluss – und die Bahnhöfe füllen sich, und füllen sich.

Wir mittendrin, und noch lange nichtsahnend vom Unglück in Offenbach. Es ist kurz nach 19 Uhr, alle Züge sind verspätet, aber laut Durchsagen kommen sie „…in 10, 20, 30 Minuten“. „delayed„, wohin man schaute.  Es ist 20:30 Uhr, als wir überlegen, wieder den Heimweg anzutreten: Wir sind durchfroren, angewidert von Jecken & Narren, und wissen, dass die Bahn noch eine Stunde Fahrzeit hat – bei einem Konzertbeginn um 21 Uhr. (Einlass: 20 Uhr.) Gegen 21 Uhr erreicht eine S-Bahn den Bahnhof, binnen Sekunden ist sie voller voller Menschen. Weil es diese nicht schaffen, die Türen zu schließen, hält die Bahn immer wieder an, wir verspäten uns weiter. Erst gegen 22.15 Uhr sind wir in Offenbach, 10 Minuten später im Capitol – einer wirklich tollen Location, wenn auch leider nicht so klein wie der Mousonturm. Hier ist die 31-jährige Robyn nach zwei (!) Support-Acts schon dran mit ihrem ersten Song. Schnell Jacken zur Garderobe und rein ins Getümmel. Rein ins Getümmel heißt hier: In der letzten Reihe stehen, weil alles andere so voll ist, dass wir nicht durchkommen. Doch wir haben Glück: Wir stehen auf einer Erhebung, und können zumindest alles sehr gut sehen.

Dass der Abend schließlich nicht völlig in die Hose geht, ist ganz allein einer Person zu verdanken: Robyn. Sie schafft es, mich schon mit dem ersten Song, den wir richtig mitbekommen, völlig zu begeistern: Ihr großer Hit Dancing on my own – noch explosiver als schon auf Platte. Robyn singt, tanzt wie eine Wilde, ist mitreißend und dabei so lässig. Strahlend, voller Energie, mit unglaublich viel Leidenschaft auf der Bühne. Beats, Beats, Beats! Alles auf 15cm-Highheels. Umwerfend. Mir schiesst schon nach wenigen Songs der Gedanke durch den Kopf, dass man Robyn sicher nie wieder in solch kleinen Locations sehen wird: Sie ist zu gut, zuviel Popstar, zu perfekt. Umso schöner, dass wir sie hier in – einigermaßen – gemütlicher, intimer Atmosphäre noch sehen konnten. Umso trauriger, dass wir erst so richtig gegen Ende warm werden, so paar Warmup-Bands sind schon toll…

Die Stimmung im Capitol ist übrigens gut: Es wird viel mitgesungen, getanzt und begeistert mitgewippt – sowohl bei den neuen Tracks, als auch natürlich beim großen alten Hit „with every heartbeat„. (Hier ein – qualitativ leider schlechtes -Fan-Video von unserem Konzert, voller Energie, vor allem so ab 3:30min.)

Ob das wunderschöne Hang with me oder der Ohrwurmfaktor stars 4ever: Jeder Song passt an seine Stelle, es gibt keinen Leerlauf, keine Hänger. Das Konzert ist phantastisch, Robyn ist „awesome“, wie soviele youtube-User zu Recht meinen. Schade, dass wir den Abend nicht in voller Länge genießen konnten, doch sollte dieser Abstrich nicht auf Kosten von Robyn gehen. Zwei Kritikpunkte gibt es dann doch noch: 1) Liebe Konzertverstanstalter (Intro!), bitte verkauft doch etwas weniger Karten, so dass man sich noch bewegen kann und legt das Konzert entweder aufs Wochenende, oder so früh, dass man mit der Bahn noch nach Hause kommt. 2) Liebe Robyn, beim nächsten Mal aber bitte mindestens 2 Stunden Vollgas! – Tolles Konzert, jederzeit wieder. Dann aber hoffentlich ohne unsere Robyn-Komplikationen.

Kinoreview: The King’s speech (Tom Hooper, 2010)

Februar 26, 2011 1 Kommentar

Was noch schreiben zu einem Film, der überall rezensiert wurde, der überall besprochen wurde, und der jetzt schon denkwürdig viele Preise eingeheimst hat und mit 12 (!) Nominierungen für die morgige Oscar-Nacht als Favorit gilt? Zumindest eine weitere Lobhudelei auch meinerseits sollte es für Tom Hoopers zweiten Film „The King’s speech“ dann doch geben, denn ich bin äußerst beeindruckt.

 

Historische Stoffe im Kino werden zumeist als epische Abenteuer oder große Action-Pathos-Streifen verpackt. Dass es auch anders geht, beweist mal wieder das britische Kino. Nach „Elisabeth“ und „The Queen“ gibt es wieder ein hervorragendes (Charakter-)Drama aus dem Kreise der britischen Königsfamilie. Es geht um die historisch wahre Anekdote rund um King George VI, der als Prinz Albert „Bertie“ Herzog von York seit seiner Kindheit stottert und alles versucht um diese „Krankheit“ in den Griff zu bekommen. Schließlich landet er mit Hilfe seiner Ehefrau (heute bekannt als „Queen Mum“) beim unkonventionellen Sprachtherapeuten Lionel Logue, der es tatsächlich schafft Albert zu helfen.

Dies ist eigentlich nicht gerade der Stoff für große Kinomomente, denkt man sich. Doch falsch gedacht: „The King’s speech“ ist über die gesamte Länge phantastisch. Dabei geht es nur am Rande um die historischen Rahmenbedingungen oder die königlichen Aufgaben zu Beginn eines Weltkrieges. Der Film dreht sich um seine Hauptfigur, deren Stotterproblem und die massive Angst damit öffentlich aufzutreten. Eine solche Rolle fällt oder steht in einem Film mit der Glaubwürdigkeit des Schauspielers. Und was Colin Firth hier leistet, ist absolut beeindruckend: Nicht nur, dass er perfekt stottert und diese Probleme hervorragend zeigt – er schafft es auch die Unsicherheit Alberts, die komischen Momente und die peinlichen Augenblicke des Stotterns glaubwürdig auszudrücken. Innerhalb von einem Wimpernschlag verändern sich Mimik und Gestik, aus ruhig wird wütend: Firth ist hier einfach großartig und zeigt die wohl beste Leistung seiner Karriere. Ganz nebenbei darf er eine der wohl schönsten Fluch-Schimpfwort-Tiraden der jüngsten Kinogeschichte von sich sich geben. In jeder Sekunde denkt man, er würde tatsächlich stottern.

Helena Bonham Carter spielt Elisabeth, die fürsorgliche Ehefrau, mit einem tollen Charme und einer ganz prägenden britischen Art. Wundervoll. Völlig zu Recht nominiert als „Beste Nebendarstellerin“. Dass sie hier dennoch etwas untergeht als Hauptdarsteller ist Geoffrey Rush zu verdanken. Er verkörpert Lionel Logue so derart hinreißend, witzig und skurill, dass jeder Auftritt eine reine Freude ist. Dabei hat Rush im Grunde genommen neben Firth die zweite Hauptrolle, er ist in fast jeder Szene präsent (Daher ist seine Nominierung als Nebendarsteller ein schlechter Witz!). Die Sprachübungen-Szenen zwischen Firth und Rush sind trotz ihrer Tragik so derart lustig, dass man den beiden stundenlang zuschauen könnte. So schafft es „The King’s speech“ Historie und Unterhaltung unter einen Hut zu bringen, und nur sehr selten gibt es etwas langgezogene Momente, wo dem Film etwas Tempo gut getan hätte. Als Charakterstudie ist der Film umwerfend, und alle drei Hauptdarsteller hätten hier den Oscar verdient, bei Colin Firth bin ich mir seit gestern auch sehr sicher, dass er ihn gewinnt.

Obwohl der Film plottechnisch kaum Überraschungen beinhaltet, dafür ist der Weg von „Bertie“ einfach zu offensichtlich, wird „King’s Speech“ nie langweilig. Und wenn König George am Ende des Streifens seine erste Kriegsrede hält, ist es schlußendlich auch ergreifend. Grandioses historisches Schauspielkino, witzig und geistreich. Ich bin begeistert! (Und freue mich, wenn es morgen heißen sollte: „…and the oscar goes to… Colin Firth, Geoffrey Rush and for best picture king’s speech“.)

PS: Leider läuft der Film hier in Mainz nur in der deutschen Fassung, eine OmU-Version wäre hier sicherlich toll. Andererseits ist die deutsche Synchronisation außerordentlich gut gelungen, Chapeau! Die Originalfassung hole ich noch nach… Hier noch der tolle Original-Trailer in HD:

 

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