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Platten des Monats. Mai 2011

Juni 8, 2011 2 Kommentare

Vielleicht hats der eine oder andere schon vermisst: Die Vorstellung meiner Lieblingsmusik des vergangenen Monats. In den vergangenen Wochen war viel los, und so musste ich diese besten Platten des Mai etwas nach hinten verschieben. Doch hier sind sie nun, meine völlig subjektiven Musiktipps der letzten Wochen. Und wie es der Zufall wollte, war es ein Monat mit viel Musik, die mich an vergangene Clubzeiten erinnerte. Ihr merkt schon: es war ein sehr elektronischer Monat. Viel Spaß!

Robag Wruhme - Thora Vukk

Gabor Schablitzki aka Robag Wruhme war ein entscheidender Teil der Wighnomy Brothers, die viele Jahre als DJ-Duo begeisterten und auch ab etwa 2002 mit Produktionen für Furore sorgten. Nach der Trennung wurde es etwas ruhiger um Gabor, doch 2011 ist ganz sicher sein Jahr, das kann man so jetzt schon sagen. Mit Wuppdeckmischmampflow (auf KOMPAKT) gelingt ihm Anfang des Jahres eines der besten Mixtapes aller Zeiten, gespickt mit großartigen Klassikern, dazu wunderbar gemixt, oft mit 3-4 Titel gleichzeitig. Ende April folgte nun sein neues Album „Thora Vukk“ auf (Kozes zum Allstar-Label mutierende) Pampa Records. (Aktuell laufen zwei hochklassige Podcasts von ihm auch noch, der gute Nacht-Mix bei XLR8R ist mit seiner ruhigen Art ebenfalls sehr zu empfehlen).

Was gibts?

Robag Wruhme ist – man das kann das kaum anders sagen – mit Thora Vukk ein kleines Juwel gelungen, ein in sich ruhendes, voller Emotionen, tief gehendes Album. Viele Adjektive könnte man noch hinzufügen: zeitlos, traumhaft, wunderschön, soulig, chillig, vergnügt – und sovieles mehr. Und wenn man am Ende dann Gabors Sohn einige Worte sagen darf, hat man das Gefühl, dass hier etwas Großes passiert ist. „Nochmal, nochmal“ möchte man immer wieder rufen, doch irgendwann ist Schluss. „Tschüss Gabor!“

Anspieltipps:

Netterweise ist das ganze Album bei Soundcloud online, besonders hervorzuheben sind neben dem erwähnten „Ende“ hier vor allem Thora Vukk, Bömmsen Böff, und Tulpa Ovi.

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Dominik Eulberg - Diorama

Dass Dominik Eulberg mittlerweile als Natur-Techno-Pionier verschrieen ist, weiß nahezu jeder. Das ist auch gutes Recht, denn wer seine Tracks nach seltenen Tieren oder Naturphänomenen nennt, und auch noch mit einer Bambi-Show begeistert, der muss damit einfach rechnen. Und so bleibt Eulberg auch in seinem neuen Werk „Diorama“ völlig in seinem bekannten Konzept: Er sampelte Naturgeräusche, nahm Tierstimmen auf, gab den neuen Titeln Namen wie „Das Neunauge“ oder „Täuschungsblume“ und beschreibt darin die größten Wunder unser heimischen Gefilde. „Diorama“ ist wieder auf Traum erschienen und ist nach seinen vergangenen 3 Alben wieder richtig stark.

Was gibts?

Eulberg in Perfektion. Die Tracks erreichen besonders nach mehrmaligen Anhören eine Vielfalt, die im Bereich der elektronischen Musik ziemlich einzigartig sein dürfte. Manchmal hört man die beschriebenen Tiere nahezu vor sich, im nächsten Augenblick ist man wieder auf der Tanzfläche und kann nicht aufhören zu tanzen. Genauso wie die Glühwürmchen.

Anspieltipps:

Der Tanz der Glühwürmchen, Echomaus, sowie Islandmuschel 400.

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Gabriel Ananda - selected techno works

Um die Reihe der Techno-DJs vollzumachen, zu deren Musik ich schon vor einigen Jahren feierte, macht Gabriel Ananda aus Köln den Abschluss. Herr Levermann stellt nach 11 Jahren Karriere, die übrigens auf seinem eigenen Label Karmarouge begann, ein kleines Best-of seiner Produktionen vor. Normalerweie würde ich eine solche Compilation nicht hier vorstellen, aber die hier versammelten Tracks haben mich lächeln und in Erinnerungen schwelgen lassen.

Was gibts?

Techno. Nicht mehr und nicht weniger als das beste aus 11 Jahren Ananda-Veröffentlichungen. Mit den ganz großen Hits wie Süßholz oder Doppelwhipper. Man hat sofort Lust auf eine gute Clubnacht.

Anspieltipps: 

Das verspielte Coconut Blues, oder das mir niemals aus dem Ohr gehende Ihre persönliche Glücksmelodie. Und die ganze Compilation bei Soundcloud.

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Death cab for cutie - codes and keys

Und schließlich gabs auch noch nicht-elektronische Alben. 😉 Death Cab for Cutie brachten mit „codes and keys“ ihr 7. Studioalbum heraus. Die amerikanische Indieband steckte bei mir lange in ihrer O.C. California Teenierolle drin, konnte mich aber doch immer wieder überzeugen, natürlich vor allem mit ihrem grandiosen Album „Transatlanticism“ mit dem wunderschönen Titeltrack.  Jetzt mit einem Album, was ihren Ansprüchen durchaus gerecht wird und ein Album geworden ist, was als ganzes überzeugt und nur wenig „skip-Titel“ hat.

Was gibts?

Wunderschönen Indierock, der aber eigentlich gar kein Indierock sein möchte. Schwierig hier Schubladen zu finden. Ein schönes Album, was durchweg Spaß macht, begeistert, berührt und einfach auch gefällig ist. Kein neues Meisterwerk, aber definitiv eine der bisher schönsten Indie-Platten des Jahres.

Anspieltipps:

Den Opener mag ich sehr: Home is a fire. Oder You are a tourist. Passt ja.

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Was war sonst noch?

  • Bon Iver, der amerikanische Songwriter ist mit neuem Album da. Ist bei den nächsten Vorstellungen dabei, ganz sicher. Ein kleiner Vorgeschmack: Calgary.
  • Ein neues Video der wunderbaren Robyn gibts auch noch: Verletzlich, und dann dieser Dance-Popsong, der doch irgendwie so traurig ist: Call your girlfriend.
  • Am 15. Mai spielen The National ihren tollen neuen Song Exily Vilify – gemeinsam mit Owen Palett. Wunderbar.
  • Das neue Musikvideo von Danger Mouse ist ein Google Chrome Experiment – und macht ganz schön viel Spaß 🙂 http://www.ro.me/
  • IlsaGold mixen sich auf der Mayday durch 20 Jahre Musikgeschichte – Techno zum Anfassen. Sehr krasser Mix.
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Und aus traurigem Anlass schieb ich ans Ende ein Stück deutsche Musikkultur, so schlecht es auch aus heutiger Sicht sein mag. RIP Tillmann Uhrmacher, und Danke für tolle Radiosendungen in meiner Kindheit.
 

Robyn live in Offenbach (Capitol)

März 9, 2011 3 Kommentare

Irgendwie sollte das wohl nicht so recht sein, mit uns und Robyn. Das Konzert im September ausgefallen, schließlich verschoben – ausgerechnet auf Rosenmontag, schließlich noch vom Frankfurter Mousonturm ins Offenbacher Capitol verlegt – und dann, als es endlich soweit war, stecken wir im Zugchaos fest. Das kurze Review zum Robyn-Auftritt im Rhein-Main-Gebiet.

Blick aus der letzten Reihe ,)

Es ist früher Abend als sich zwei 13-Jährige in genau DER S-Bahn-Station, die dem Capitol am nächsten liegt, einen sowohl dummen als auch unverzeihlichen Jugendspaß erlauben – und damit den kompletten Rhein-Main-Bahnverkehr zum Erliegen bringen. Dummerweise ist genau zu diesem Zeitpunkt für viele Feierfreudige hackedichte Wahnsinnige Rosenmontagsschluss – und die Bahnhöfe füllen sich, und füllen sich.

Wir mittendrin, und noch lange nichtsahnend vom Unglück in Offenbach. Es ist kurz nach 19 Uhr, alle Züge sind verspätet, aber laut Durchsagen kommen sie „…in 10, 20, 30 Minuten“. „delayed„, wohin man schaute.  Es ist 20:30 Uhr, als wir überlegen, wieder den Heimweg anzutreten: Wir sind durchfroren, angewidert von Jecken & Narren, und wissen, dass die Bahn noch eine Stunde Fahrzeit hat – bei einem Konzertbeginn um 21 Uhr. (Einlass: 20 Uhr.) Gegen 21 Uhr erreicht eine S-Bahn den Bahnhof, binnen Sekunden ist sie voller voller Menschen. Weil es diese nicht schaffen, die Türen zu schließen, hält die Bahn immer wieder an, wir verspäten uns weiter. Erst gegen 22.15 Uhr sind wir in Offenbach, 10 Minuten später im Capitol – einer wirklich tollen Location, wenn auch leider nicht so klein wie der Mousonturm. Hier ist die 31-jährige Robyn nach zwei (!) Support-Acts schon dran mit ihrem ersten Song. Schnell Jacken zur Garderobe und rein ins Getümmel. Rein ins Getümmel heißt hier: In der letzten Reihe stehen, weil alles andere so voll ist, dass wir nicht durchkommen. Doch wir haben Glück: Wir stehen auf einer Erhebung, und können zumindest alles sehr gut sehen.

Dass der Abend schließlich nicht völlig in die Hose geht, ist ganz allein einer Person zu verdanken: Robyn. Sie schafft es, mich schon mit dem ersten Song, den wir richtig mitbekommen, völlig zu begeistern: Ihr großer Hit Dancing on my own – noch explosiver als schon auf Platte. Robyn singt, tanzt wie eine Wilde, ist mitreißend und dabei so lässig. Strahlend, voller Energie, mit unglaublich viel Leidenschaft auf der Bühne. Beats, Beats, Beats! Alles auf 15cm-Highheels. Umwerfend. Mir schiesst schon nach wenigen Songs der Gedanke durch den Kopf, dass man Robyn sicher nie wieder in solch kleinen Locations sehen wird: Sie ist zu gut, zuviel Popstar, zu perfekt. Umso schöner, dass wir sie hier in – einigermaßen – gemütlicher, intimer Atmosphäre noch sehen konnten. Umso trauriger, dass wir erst so richtig gegen Ende warm werden, so paar Warmup-Bands sind schon toll…

Die Stimmung im Capitol ist übrigens gut: Es wird viel mitgesungen, getanzt und begeistert mitgewippt – sowohl bei den neuen Tracks, als auch natürlich beim großen alten Hit „with every heartbeat„. (Hier ein – qualitativ leider schlechtes -Fan-Video von unserem Konzert, voller Energie, vor allem so ab 3:30min.)

Ob das wunderschöne Hang with me oder der Ohrwurmfaktor stars 4ever: Jeder Song passt an seine Stelle, es gibt keinen Leerlauf, keine Hänger. Das Konzert ist phantastisch, Robyn ist „awesome“, wie soviele youtube-User zu Recht meinen. Schade, dass wir den Abend nicht in voller Länge genießen konnten, doch sollte dieser Abstrich nicht auf Kosten von Robyn gehen. Zwei Kritikpunkte gibt es dann doch noch: 1) Liebe Konzertverstanstalter (Intro!), bitte verkauft doch etwas weniger Karten, so dass man sich noch bewegen kann und legt das Konzert entweder aufs Wochenende, oder so früh, dass man mit der Bahn noch nach Hause kommt. 2) Liebe Robyn, beim nächsten Mal aber bitte mindestens 2 Stunden Vollgas! – Tolles Konzert, jederzeit wieder. Dann aber hoffentlich ohne unsere Robyn-Komplikationen.

Die Top-Alben des Jahres 2010

Dezember 22, 2010 7 Kommentare

In den letzten Tagen und Wochen konnte man ja nun wirklich auf nahezu jeder Seite, die sich mit Musik beschäftigt, die Jahresbestenlisten lesen, hören, diskutieren, bestaunen oder bewundern. Da möchte ich natürlich nicht fehlen, und präsentiere hier nun auch schon vor Weihnachten meine Alben des Jahres 2010.

Ich habe mich schwer getan mit dieser Liste. Im Gegensatz zu manch anderer Meinung bin ich mit dem Musik-Jahr 2010 mehr als zufrieden. Insgesamt habe ich fast 500 (!) verschiedene Alben gehört, oder zumindest angehört. (Dank Last.fm kann man sowas auch schön nachschauen, ohne dies irgendwie mitzuzählen…^^). Das ist eine riesige, und kaum zu fassende Anzahl – und dennoch ist dies nur ein Bruchteil der releasten Alben im Jahre, daher kann und will ich auch nur ganz persönlich beurteilen und bewerten. Alles andere würde auch nicht dem Sinn einer völlig subjektiven Liste gerecht werden.

Beim Erstellen der Liste ist mir klar geworden, dass ich, obwohl es viel tolle Musik gab,  weder einen ultimativen Song im Kopf habe, geschweige denn ein Album, welches alles überragt. Es gab und gibt kein Album 2010, was sich erheblich absetzt, und nur so kann man auch meine Top 30 hier verstehen, da viele Platzierungen letztlich willkürlich sind, aber ich hoffe insgesamt ein grobes Bild meines Jahres abzugeben. Bewertet habe ich nach a) persönlichem Geschmack, b) Häufigkeit des Hörens (Last.fm!) und c) dem qualitativen Anspruch an die Musik (insbesondere der Leistung, evtl. etwas völlig Neues zu wagen). Dabei fallen natürlich auch Alben heraus, die grundsätzlich gelungen sind, beispielsweise Jamie Lidells „Compass“, Massive Attacks „Heligoland“ oder auch Tocotronics „Schall und Wahn“, aber letztlich hats für die vorderen Plätze nicht gereicht. (Hoffentlich hab ich nicht allzuviel vergessen 😉 )

Das meistgehörte Album in reiner Titelanzahl bei mir war übrigens The XX mit XX. Das ist aber Ende 2009 herausgekommen und fällt damit natürlich durchs Sieb.

Jetzt aber genug gelabert, viel Spaß mit meiner Jahresabschlussliste!

 

Plätze 30-21:


30. Super Flu – Heimatmelodien

29. Yeasayer – Odd blood

28. Vampire Weekend – Contra

27. Twin Shadow – Forget

26. Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy

25. Goldfrapp – Head First

24. The Divine Comedy – Bang Goes The Knighthood

23. Hundreds – Hundreds

22. Aufgang – Aufgang

21. Two doors cinema club – Tourist History

 

Plätze 20-11:


20. Delphic – Acolyte

Indie trifft Rave. Alles schon gehabt, aber irgendwie doch ganz gut. Live eine Bank! Tipp: Doubt

19. Deerhunter – Halcyon Digest

Ambient Punk sagen sie selbst. Was auch immer das heißen soll. Empfehlenswert! Tipp: Helicopter

18. Mount Kimbie – Crooks & Lovers

Mein liebstes Dub-Album des Jahres. Äußerst gelungen, bis aufs Cover. Tipp: Before i move off.

17. The National – High Violet

Die schönste Bariton-Stimme des Jahres. Geheimtipp, der gar kein Geheimtipp ist. Tipp: Sorrow

16. Mumford & Sons – Sigh No More

Folk at its best. Wunderbarer Sound. Das ganze Album immer wieder von vorne. Tipp: Little lion man

15. Chilly Gonzales – Ivory Tower

Meine große Überraschung: Piano, Piano, Piano. Dazu angenehme Stimme. Tipp: The Grudge

14. Shout Out Louds – Work

Die Indie-Gute-Laune-Rocker für mich schlechthin in diesem Sommer. Tipp: Fall Hard

13. Gisbert zu Knyphausen – Hurra! Hurra! So nicht.

Bestes deutschsprachiges Album 2010, ja, auch vor den Fotos. Tipp: Kräne

12.  Hot Chip – One Life Stand

Gnadenlos gute Liveband, Album nur unmerklich schlechter. Tipp: zB. I feel better.

11. Joanna Newsom – Have One on Me

Eine Frau, eine Harfe, und unglaubliche Musikwelten. Ihre Stimme muss man aber mögen. Tipp: Good Intentions Paving Company

Plätze 10-1:

10. Trentemoeller – Into The Great Wide Yonder

Anders Trentemoeller hatte ein Problem: Wie ein Jahrzehnt-Meisterwerk toppen? Das 2006er Werk „Last Resort“ zählt zu den größten Ereignissen der nuller Jahre. Geht nicht, dachte der Däne zurecht und brachte nun eine völlig andere Art des Pop-Songs auf sein neues Album. Das kann erwartungsgemäß nicht an den Vorgänger heranreichen, besticht aber dennoch durch tolle Tracks, die ein bisschen einsam, ein bisschen traurig sind, aber den Platz in meinen Top 10 definitiv verdient haben.

Anspieltipps:

Tide & …even though you’re with another girl

 

 

 

9. Robyn – Body Talk

Manch einer wird verdutzt schauen, was macht Robyn hier? Nun ja, in der Tat ist dies kein unglaubliches Werk, aber die junge Schwedin ist für mich die Pop-Diva des Jahres. Ke$ha, Lady Gaga und co können hier einpacken, denn so klingt weiblicher Pop 2010. Die Body Talk-Reihe verdient auch aufgrund ihrer drei (!) Alben übers Jahr verteilt dann auch schließlich hier mindestens einen Platz, weil sich auf den 3 EPs doch viele tolle Popsongs verbergen, und zwar sowohl Mainstream-Radio-tauglich, als auch für den Club oder zuhause. Ein Lob nach Stockholm, der Live-Besuch steht noch aus.

Anspieltipp:

Hang with me. (acoustic)

 

 

 

8. Röyksopp – Senior

Im August schrieb ich: „Röyksopp back to the roots: Ohne Gesang, zurück zum melancholischen instrumentalen Wahnsinn. Sehr atmosphärisch, sehr düster, traumhaft schön. Ein bisschen Jean Michael Jarre auf skandinavisch.“ Dies kann ich auch ein halbes Jahr so noch stehen lassen: Es ist dieser intrumentale Wahnsinn, der sich auch erst nach und nach erschließt, aber im Gesamten ein großartiges Album ergibt. Hat mir viele tolle Stunden Beistand geleistet. Es ist düster und doch zum Davonschweben. Größer als der Happy-Vorgänger „Junior“.

Anspieltipps:

The alcoholic & The drug

 

 

 

7. Jónsi – Go

Sigur Ròs-Sänger Jónsi auf Solopfaden. Anfangs fehlte mir das Düstere, was die isländische Band so besonders macht, dieses dunkle. Aber Jónsis fröhliches Album ist dann doch richtig gelungen, es sind Songs, die mitreißend und fesselnd sind. Vor allem live wurde aus diesem Album ein umwerfendes Werk: Zweimal gesehen in 2010, zweimal verzaubert. Besonders als Gesamtkonzeption mit der visuellen Gestaltung eins der positiven Beispiele für Frontmänner solo: Hey, es geht doch! (Übrigens gibts seit Anfang Dezember ein Live-Album der Tour, was genauso empfehlenswert ist!)

Anspieltipps:

Boy Lilikoi & Tornado

 

 

 

6. Four Tet – There Is Love In You

Kieran Hebden alias Four Tet ist einer der umtriebigsten Künstler der elektronischen Szene, irgendwie hat man das Gefühl, dass er fast überall seine Hände im Spiel hat. Mit „There is Love in you“ gelingt ihm ein phantastisches Album, was in nur wenigen Rückblicken fehlt. Es ist Musik für die Couch, aber auch für die Festivals, bei denen er großartige Livesets spielt. Es sind diese Melodien, die einen nicht mehr loslassen. Ganz großes Werk.

Anspieltipps:

Angel Echoes & Plastic People

 

 

 

 

5. Broken Bells – Broken Bells

Über das gemeinsame Projekt von Danger Mouse aka Brian Burton und den The Shins-Sänger James Mercer ist vieles gesagt wordem, und eigentlich ist alles gesagt: Herausgekommen ist ein perfektes Album mit einer ganzen Menge von schönen Liedern. Bin etwas verliebt in dieses Album, und die Top 3 hat es auch nur verpasst, weil es hier nicht wirklich Neues gibt. Burton als musikalisches Genie, dazu die tolle Stimme von Mercer: Passt. Live im Sonnenuntergang gesehen, und dahingeschmolzen. Wunderbar.

Anspieltipps:

Song 1-10. Aber besonders: The High Road

 


 

 

4. Gorillaz – Plastic Beach

Die Gorillaz hatte ich anfang des Jahres ganz sicher nicht auf meinem Schirm, und das Album bietet auch sicher nicht viel Neues, aber bei insgesamt 16 Tracks gabs halt doch so manchen Hit, und irgendwie hat das Album mich nach und nach voll überzeugt. Braucht etwas Zeit, dann kriegt man die Melodien nicht mehr aus dem Kopf. Damon Albarn macht seinem Ruf des Genies wieder mal alle Ehre. Spätestens im Herbst nach der BBC1-Livesession hatte es mich gepackt.

Anspieltipps:

On a melancholy hill & stylo

 

 

 

 

3. Arcade Fire – The Suburbs

„The Suburbs“ besonders toll zu finden war 2010 nicht so schwierig: Das dritte Arcade Fire-Album war sicherlich DAS Konsens-Album des Jahres. Und zu gutem Recht: Das Album und seine 16 Songs sind unglaublich vielfältig, reif, und klingen dabei auch noch so verdammt gut. Man möchte Meisterwerk schreien. Ja, wenn denn die Vorgänger nicht genauso gut (oder besser) wären. Alleine für die Entdeckung von „Funeral“ muss ich „The suburbs“ danken. Auch sonst bleibt ein verdienter Platz auf dem Treppchen: Was für eine wundervolle Band! (Hoffentlich wird sie nicht zum verheizten Stadion-Act!)

Anspieltipps:

Ready for start & Sprawl II (Mountains beyond mountains)

 

 

 

2. Pantha du Prince – Black Noise

Hendrik Weber ging für dieses Album in die Berge und nahm allerlei mögliche Töne auf. Diese hat er dann in aufwendiger Arbeit zu Tracks verbastelt und versampelt und damit das vielleicht experimentellste Techno-Album des Jahres veröffentlicht. Diese Tracks nehmen einen mit auf eine Reise, es ist ein bisschen Kopfkino, wenn diese Platte bei mir läuft. Es sind Sonderlichkeiten und Besonderheiten, die dieses Album absolut hörenswert machen. Und vielleicht weil es kein gewöhnliches Club-Album ist, und mit sovielen Facetten daherkommt, hat es mich im Sturm erobert. Schon früh deutet sich an, dass es weit oben laden würde.

Anspieltipps: Welt am Draht & Stick to my side

 

 

 

1. Caribou – Swim


Ich habe lange gegrübelt ob der tatsächlichen Nummer 1. Fast jedes Album innerhalb der Top 10 lag mal vorne, selbst Joana Newsoms Welten waren für einen Platz 1 wie geschaffen. Aber: Was bleibt wirklich von diesem Jahr? Was bleibt hängen? Und im Endeffekt geht dann bei mir kein Weg vorbei an Daniel Snaiths Projekt Caribou und seinem zweiten Album „Swim“. Im Februar in meinem Player gelandet, im April Album des Monats, neuer Hochschwung nach einem Konzert im Juni, und am Ende des Jahres nochmal ein Konzert in Deutschland plus das Remix-Album mit tollen Remixen von Koze bis Holden, von Junior Boys bis Gold Panda. „Swim“ hat mich über das ganze Jahr begeistert, mal mehr, mal weniger. Aber schon für den Versuch des Experimentes Popsongs durch die Geräuschemaschinerie zu drehen ist Platz 1 verdient. Snaith packt hier in kaum zu greifende Klangwelten völlig unterschiedliche Genres wild zusammen, steht immer ein bisschen zwischen Wahnsinn und Genie. „Odessa“ und „sun“ kannte am Ende des Jahres fast jeder Musikbegeisterte, Tracks wie „Kaili“ ließen ein bisschen die 90er Jahre aufleben, während „Hannibal“ wieder nah dran an House ist, war bei „Lalibela“ fast schon Ambient erreicht (mit den wiederkehrenden Vocals aus „Kaili“, groß!). Spannungsreichtum, facettenreich und live gewaltig. Nachteilig wirkt sich aus, dass manchmal hier schon zuviel gewollt wird, und es teilweise arg in psychodelische Hippie-Musik verfällt, aber selbst das kann ich bei der Menge an Hits verkraften. Ob verdient oder nicht, Herzlichen Glückwunsch an Daniel Snaith für Platz 1 in meiner Jahresbestenliste.

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Bei Vinyl Galore gibts die Top of the Blogs-Aktion mit den top10-gekürten Siegern. Auch eine tolle Liste, ein Blick lohnt sich.

Robyn live at iheartRadio

Oktober 17, 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Vor gut 2 Monaten war ich ziemlich enttäuscht von Robyn: Sie ließ ihre Deutschlandkonzerte canceln – aufgrund von „wichtigen Promoterminen in den USA.“ Fans und Musikbegeisterte waren also weniger wert als irgendwelche Werbeauftritte. Es war mal wieder ein deutliches Zeichen dafür, wie das Musikbusiness tickt. Andererseits: Die Konzerte sollen nachgeholt werden, unsere Karten behalten ihre Gültigkeit – und wer würde es einem aufstrebenden Star wohl verübeln, seine Karriere richtig zu vermarkten? Trotzdem ärgerlich.

Umso toller, dass Robyn nun die Musikwelt mit einigen Live-Videos verzaubert. Zu Gast war sie bei der amerikanischen Radiostation iheartRadio, mit eigenen Songs aus dem aktuellen 3-CD-Album „Body Talk“, älteren Songs und auch Covertracks. Davon gibts nun einige im Netz zu finden.

Lady Gaga? Shakira? Kesha? Justin Bieber? Vergesst sie alle!

Robyn ist für mich die Grand Dame des modernen Pops. Ein Popstar, der auch tatsächlich gut singen kann, und eine der ganz wenigen, die live fast noch besser sind als im Studio. Hörts Euch an!

Robyn – Hang with me (aktuelle Single)

Robyn – Try Sleeping With A Broken Heart“ (Alicia Keys Cover, welches mir fast besser gefällt als das Original.)

Robyn – With every heartbeat

Robyn – Dancing on my own

Empfehlenswert ist auch Robyns Soundcloud-Account, auf dem sie immer wieder neue Songs präsentiert.

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Lieblingsplatten im heißen Juni

Juli 3, 2010 1 Kommentar

Ein wenig zu spät gibt es hier nun wieder die monatliche Reihe mit sehr empfehlenswerter Musik aus dem vergangenen Monat, diesmal für den hitzigen, sonnenreichen Juni 2010. In diesem Monat mit Indierock aus den USA, einem DJ-Kicks-Beitrag aus UK, einem altem Electroherren aus Offenbach, einer stürmischen Indieband aus Schweden, und einer ebenso aus Schweden kommenden kleinen Popdiva. Meine Lieblingsmusik im Juni frisch vorbereitet, bitteschön:

Robyn - Body Talk pt1 (Pop, Juni 2010)

Den Startschuss macht Robyn, eben jene schwedische Popdiva, die mit ihren 31 Jahren schon fast alles erlebt hat: Veröffentlichungen am laufenen Band, Support von Madonna, Backgroundsängerin von Britney Spears, frühzeitig eigenes Label – und obendrein schon immer so etwas wie die Vorreiterin für alle Lady Gagas oder Uffies. Nun kam diesen Monat schon ihr fünftes Album: „Body Talk Pt. 1. Part 1? Richtig gelesen, es ist nur der Auftakt zu einer Trilogie aus 3 Alben, welche alle noch 2010 erscheinen sollen. Uff, man ist gespannt. Zurück zu Part 1: Robyn ist erwachsener geworden: intelligenter (Dance-) Pop, charmante Stimme, eingängige Melodien. Tanzbare Clubhits, die wohl schnell zu Hits werden können wie „None of them“. Abseits davon gefallen mir persönlich vor allem die Balladen am besten.

Anspieltipp: Die wunderschöne, auf schwedisch gesungene Ballade „Jag Vet En Dejlig Rosa„.

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Anthony Rother - Popkiller 2 (Electro, Mai 2010)

Anthony Rother kann man mögen oder nicht. Ein Zwischending ist wohl nur sehr schwer, da Rother sich selbst immer sehr treu bleibt. Als einer der frühesten Electro-Pioniere in Deutschland hat er diese Szene entscheidend mitgeprägt, z.B. mit seinem „Sex with the machines (1997)“ oder einem meiner Alltime Favourites „human made(1997)“. 2004 kam „Popkiller“ heraus:  innovativ, modern, erfolgreich. Klassiker! Mit „Popkiller 2“ versucht Rother nun an diesen Erfolg anzuknüpfen, schon ganz bewußt durch die Namensgebung, aber auch im Stil der Musik: Knarzig von vorne bis hinten. Er schafft es dabei tatsächlich eine interessante Spannung in das Album zu bringen, die Songs sitzen gut, und sind einwandfrei produziert. Eingängig, und natürlich Dancefloor-Garantie. Chapeau, Herr Rother, mit diesem Album haben Sie mich überrascht: Super gelungen!

Anspielltipp: Disco Light. (Auch wenn es ein wenig an „Father“ erinnert 😉 )

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The National - High Violet (Indie-Rock, Mai 2010)

Ärgert es Euch auch so, wenn ihr eine wundervolle Band entdeckt, und feststellt, dass es diese Band schon Ewigkeiten gibt und sie schön an Euch vorbeigezogen ist? So ist es mir mit „The National“ ergangen: Erst mit „High Violet“, ihrem 5. Album, bin ich in den Genuß dieser tollen Musik gekommen. „High Violet“ ist ein super komplexes Album mit der schönsten Stimme, die mir seit längerer Zeit untergekommen ist. Eine Bariton-Stimme zum Verlieben. Dies zeichnet auch natürlich die Songs aus: ruhig bis melancholisch, berührend und in die Tiefe gehend. Das ganze Album ist einfach toll, und ich werde mich schnell mit den Vorgängern beschäftigen müssen.

Anspieltipp: Da nehme ich „Bloodbuzz Ohio„, vor allem auch aufgrund der Verfügbarkeit 😉

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James Holden - DJ Kicks (elektronische Mix-Serie, Juni 2010)

Jaja, ich war schon immer ein kleiner Fan vom Oberfrickler vom Dienst, Border Community-Labelchef James Holden. Immer schon fasziniert von seinen Mixfertigkeiten, fasziniert von seiner musikalischen Auswahl, fasziniert von seinem Gespür für Tracks. 2006 hatte er mit „At the controls“ schon einen wagemutigen, erstklassigen Mix herausgebracht, für die DJ-Kicks-Serie nun also der 2. Streich: James Holden in the Mix. Und meiner Meinung nach direkt wieder ein absoluter Glücksgriff: Keine ausgelutschten Floorfiller, und keine anderen „großen“ Hits. Holden wie immer: Ran ans Unbekannte, rein in die Avantgarte der Frickelelektronik 😉

„Ein Mix für die Zukunft“, schreibt die GROOVE, „vielleicht der neue beste Mix der Welt.“ Nun, darüber lässt sich sicher streiten, aber fest steht: Mal wieder liefert Holden beste Arbeit ab. Grandioser Mix. (Hoffentlich kann man ihn demnächst nochmal irgendwo live bewundern.)

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Shout out louds - Work (Indierock, März 2010)

Shout out louds sind auch eine nicht mehr ganz junge Band aus Stockholm, mit „Work“ präsentieren sie auch schon ihr 3. Album, welches eigentlich schon im März erschienen ist, aber auch ich kann nicht alle Alben anhören, daher also die 3-monatige Verspätung in die Aufnahme der Lieblingsalben 😉

Und laut last.fm ist es sogar mein Topalbum des Monats, kein anderes Album habe ich mehr angehört. Um es kurz zu sagen: „Work“ ist umwerfend. Intelligenter Indie-Rock, stimmungsvoll, unbeschwert und dabei so Gute-Laune-Musik. Schon jetzt eine meiner Platten des Jahres.

Anspieltipps gäbe es viele, herausgepickt wird „Fall hard“ und der Albumopener „1999“ (Hier in einer tollen Live-Version!).

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Viel Spaß beim Hören und Entdecken von guter Musik. Ich freue mich wie immer über Kritik, Anregungen und Vorschläge in den Kommentaren.

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