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Posts Tagged ‘Schule’

SPIN …oder wenn Gott ein DJ wäre

Dezember 30, 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Manchmal ist es verwunderlich: Gerade eben musste mir der Schulleiter der deutschen Schule in El Salvador einen videoclipartigen Kurzfilm zeigen, den ich bis heute nicht wahrgenommen hatte. Und dabei müsste ich ja eher solche Kurzfilme kennen als ein Mann jenseits der 50 😉 Aber wie das so häufig ist: Alles kann man nicht mitbekommen – und deshalb gibt es hier und heute nun die Vorstellung eines Filmes, der schon 5 Jahre alt ist, aber kein bisschen gealtert ist. Ein Film, den man vermutlich noch in 100 Jahren zeigen kann.

DVD-Cover

DVD-Cover

Ein DJ fällt vom Himmel. Mit Hilfe seiner Plattenteller ist er in der Lage, in den Ablauf der Dinge einzugreifen. Ein schwerer Unfall? Kein Problem. Der DJ macht das Geschehen rückgängig und gibt dem Ball, der den Unfall verursacht hat, einen anderen Drive. Doch ganz so einfach ist es nicht: die veränderte Bahn des Balls ruft eine neue Katastrophe hervor. Und so geht es immer wieder, egal, was der DJ mit seinen Platten auch unternimmt: Irgendwas geht schief. Bis der DJ sogar die Menschen verändert, um sie Szenerie perfekt zu „machen“. In über 300 Schnitten, aber ohne Dialoge zeigt „Spin“ von Jamin Winan einen perfekten Kurzfilm, der nur so strotzt vor hoher Komplexität, und das trotz einfacher Thematik.

Gibt es eine Utopie der „perfekten Welt“? Zu welchem Preis gäbe es diese „perfekte Welt“? Das Verhältnis von Gott zu uns Menschen, und unsere Schicksalhaftigkeit ist da nur eines der vielen interpretierfähigen Themen. Und selbst in der perfekten Welt, die für einige Sekunden herscht, geht dann schließlich doch noch etwas kaputt. Aber seht erstmal selbst:

In weniger als 8 Minuten schafft es „Spin“ auf viele drängende, gerade religiöse Fragen einzugehen. Warum greift Gott nicht mehr in unsere Welt ein? Warum verhindert Gott kein Unheil? Gibt es eine perfekte Welt? Und wenn ja, wielange kann sie bestehen?

Der Film beantwortet diese Fragen relativ klar: Die perfekte Welt gibt es nicht, und selbst wenn Gott versuchen würde, alles immer irgendwie hinzubiegen: Gleichzeitig würde sofort irgendetwas anderes passieren. Faszinierend erklärt, schön gezeigt. Die Kausalität von Zufall und/oder Schicksal lässt sich wohl nicht vermeiden, der Traum von einer umfassenden Kontrolle der Wirklichkeit (wie sie Politik und Wissenschaft oftmals wünschen): utopisch.

Auch der DJ erkennt am Ende, dass sein hergestellter Friede wohl nicht dauerhaft ist, und macht sich mehr oder weniger flüchtend auf den Weg. Ironisch zugespitzt, aber das aussagekräftige Ende eines Kurzfilmes, der es schafft ohne ein einziges Wort mehr zu erklären, als es oftmals tausende Wörter könnten. Ein besserer Film für die Thematik um Leid, perfekte Welt, Schicksal oder Zufall – auch und besonders für den Einsatz in der Schule – ist mir bisher noch nicht begegnet. Der Tipp kurz vor dem Jahreswechsel.

 

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Geschichtsunterricht 2.0

August 10, 2010 2 Kommentare

Geschichtslehrer stehen oftmals vor dem Problem, dass ihre Themen und der geschichtliche Stoff für die Schüler zu irrelevant scheinen, weil es für sie zu abstrakt ist. Die Schüler können keinen Gegenwartsbezug herstellen, und verstehen daher selbst einfachste Vorgänge nicht – weil es sie gar nicht erst interessiert. Nimmt man nun einen heutigen Gegenstand, zum Beispiel ein iPhone oder ein MacBook, kann man die Schüler viel besser für die Entwicklungen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begeistern, weil sie verstehen, dass alles zusammen hängt – und sie ohne diese Erfindungen heute völlig anders leben würden. Auch für andere Bereiche und Themen wird man in Zukunft als Lehrer vor allem einen guten Gegenwartsbezug herstellen müssen, um die Schüler zu fesseln.

Für US-amerikanische Schüler gibt es nun den ultimativen Facebook-Gegenwartsbezug. Einprägsamer und witziger kann man den Verlauf des zweiten Weltkrieges wohl kaum darstellen. Ob das die Zukunft des Geschichtsunterrichts ist? Ich bin gespannt.

(Gefunden via Twitter beim Klonblog.)

Alles über Spickzettel?

Februar 3, 2010 2 Kommentare

Das ein Lehrer auf die Idee kommt, in seinem Arbeitsleben alle gefundenen Spickzettel zu sammeln und zu kategorisieren, halte ich grundsätzlich für eine ganz phantastische Idee. Zeigt dies doch auch eine ganz sicherlich spannende Subkultur der Schulzeit, die in den wissenschaftlichen Abhandlungen über Unterricht und Pädagogik so nicht zu Wort kommt, die aber doch jeder (ehemalige) Schüler kennt, und die allermeisten auch selbst aktiv betrieben haben.

Broschierte Ausgabe

Günther F. Hessenauer hat genau dies getan: 5000 Spickzettel aller Arten, aller Fächer und diverse andere Briefchen, Karikaturen und Sprüche hat er in seinem Lehrerleben gesammelt, und diese nun nach seiner Pensionierung zu einem Buch verarbeitet. Das ist für mich als angehenden Lehrer, und natürlich mindestens genauso als erfolgreichen ehemaligen Spicker, sehr interessant: Gestern hab ich das Buch Büchlein durchgelesen, bzw. die zahlreichen Spicker angeschaut. Das ist innerhalb einer Stunde geschehen, und insgesamt gesehen ein schöner Spaß.

Hessenauer stellt hier verschiedene Kategorien von Spickzetteln vor, bewertet sie nach ihrem zeitlichen und technischen Aufwand und beurteilt ihren pädagogischen Wert, und ironisch auch die Herausforderung an den Schüler.

Da bekommen vom einfachen Handspicker bis zum kompliziert hergestellten Flaschen-Etikett-Spicker alle Varianten ihren Platz. Dies ist durchaus witzig zu lesen und zu betrachten, vor allem natürlich, wenn man wie ich mit allen Spickervarianten vertraut ist. Zudem gibt es zuweilen amüsante Anekdoten zu den Spickertypen. Genau hier liegt aber auch der größte Fehler von Hessenauer: Er versucht alle Kategorien mit einer vermeintlich lustigen Story beginnen zu lassen. Dies wirkt deplatziert, ist langweilig und wäre vor allem nicht nötig gewesen. Eine breitere Palette von „Spickern“, mit den augenzwinkernden  Anmerkungen zu Herausforderung und pädagogischem Werten wäre hier der bessere Weg gewesen. So bleibt am Ende neben dem vielen Schmunzeln vor allem die Frage, ob man nun wirklich alles über Spickzettel weiß, und die Antwort lautet klar: nein. Mir fallen spontan einige weitere ein, die Hessenauer nicht mal erwähnt hat, ganz zu schweigen zu Täuschungsversuchen, die letztlich gar nichts mit „Spickern“ zu tun haben.

Trotzdem: Man merkt Hessenauer an, dass er ein Lehrer mit voller Kraft war und seine Schüler auch ernst genommen hat, und sie mit dem Thema „Spicken“ auch konfrontiert hat. Zwei Briefe am Schluss dokumentieren dies in sehr guter Art und Weise. Und dies nehme ich auch für mich aus diesem kleinen Buch für zwischendurch mit: Respektvoll den Schülern gegenüber, das Thema Spicken immer ironisch-augenzwinkernd betrachten, aber auch nie aus den Augen verlieren.

Außerdem finde ich die Idee des Spickzettel-Sammelns hervorrragend. Ich werde anfangen.

…und mal wieder bundesweiter Bildungsstreik

November 5, 2009 1 Kommentar

Es ist Donnerstag morgen gegen 11:40 Uhr in einem mittelgroßen, etwa halb gefüllten Hörsaal der Universität Mainz. Die Vorlesung ist bisher sehr gut, alle hören aufmerksam zu; es ist eine ruhige Vorlesung, wie sooft in meinem kleinen Fach.

Auf einmal stürmen 6 junge Menschen – die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Studenten handelt, weiter noch: Bachelor-Studenten – den Raum. Und stürmen ist hier ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Sie laufen die Treppe Richtung Dozent hinunter, vier von Ihnen widmen sich sofort der Tafel und schreiben unleserliche Infos an eben diese. Die beiden Übrigen begrüßen uns über ein – viel zu lautes – Megaphon, und schreien dann ein Gedicht mehr als es vorzutragen. Ein Gedicht? Richtig gelesen. Irgendwas von Bildungsstreik, wie schlecht doch alles ist, Uniaktionen in Österreich, und Demonstrationen hier in Mainz. Geht links rein und kommt rechts wieder raus. Dann nochmal die Wiederholung ohne Gedicht. Wir alle müssen streiken! Kommt alle zur Demo! Blablabla. Unser Dozent ist sichtlich amüsiert. Die jungen Studenten verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Dozent mit verschmitzem Gesichtsausdruck: „Jaja, früher hab ich sowas auch mal mitgemacht….!“

FireShot capture #030 - 'Bundesweiter Bildungsstreik 2009' - www_bildungsstreik_net

Es ist also – mal wieder – bundesweiter Bildungsstreik. Schon im Sommersemester wurde man in Mainz das Gefühl nicht los, dass ständig gegen Alles demonstriert und protestiert wurde. („Die heutige Jugend demonstiert doch viel zu wenig!“ – Jawohl!) Irgendwie ist das nur noch…gähn…uninspirierend, langweilig. Es ist diese „Gegen Alles ohne Verbesserungsmodelle“ – Haltung, die auch die linke Politik auszeichnet. Einer meiner Kommilitonen bringt es auf den Punkt, was viele dazu denken (wenn natürlich auch überspitzt!): „Sollen die Idioten doch alle zur Demo gehen, dann haben wir hier wenigstens Platz, und es besteht keine Läuse-Gefahr mehr.“

Das ist hart, ohne Frage. Aber das äußerliche Profil der Streikenden und auch derer, die heute bei uns reingestürmt sind, ist halt genau dieses: Rastas, Dreadlocks, knalligbunte Tshirts, usw. Jeder weiß, was ich meine und vor meinem Auge sehe.

Schauen wir uns an, was die Streikenden wirklich fordern. Ich picke einige Punkte der Forderungen heraus und zitiere sie hier:

den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

Schön und gut, klingt erstmal wunderbar und logisch. Doch wie sieht die Realität aus? Die Universität Mainz hat zum gegenwärtigen Zustand schon über 34.000 Eingeschriebene; viel mehr, als sie eigentlich aufnehmen kann. Es ist ja nicht so, als das dagegen nichts getan wird: Überall auf dem Campus sind Baustellen (Siehe dazu STUZ Heft 117, Seite 20), alleine im Jahre 2009 steckte die Universität viele, viele Millionen in Neubauten auf dem Campus. Zulassungsbeschränkungen sind m.E. einfach nötig, weil sonst jeder anfängt zu studieren. (ein Beispiel: Ich hätte immer gerne Filmwissenschaften studiert, der NC dort lag semesterlang bei Eins Komma… – außer Reichweite für mich. Mein Pech, und nicht das Problem der Uni. Ich hätte mich ja auch in der Schule mal mehr anstrengen können.)

die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!

Wie soll das funktionieren? Wer soll das garantieren? Meiner bescheidenen Meinung nach muss es hinter solchen Forderungen auch Verbesserungsvorschläge geben, die zumindest eine Chance haben. Eine finanzielle Unabhängigkeit für Millionen (!) Studenten kann niemand, auch kein Staat der Welt, garantieren. Es gibt die Studentenkredite mit äußerst günstigen Zinssätzen, das ist zweifelslos fair. (Außerdem könnte man ja auch arbeiten gehen, wie es ein Großteil meiner Kommulitonen und ich natürlich auch macht – aber da sind wir wieder beim Klientel der Streikenden: „Ich bin Links, ich mag Deutschland nicht, aber es soll bitteschön dafür sorgen, dass ich genug Geld hab…“)

Besonders mag ich den Gegensatz von diesen beiden Forderungen:

die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

&

die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!

Gebührenfrei studieren, am besten noch Geld erhalten, und dafür alles perfekt haben. Wie wärs denn mit einem eigenen Professor für jeden Studenten? Rosarote Brille und so. Das Geld für all die neuen Stellen, tollen Hörsääle, technischen Ausstattungen fällt dafür einfach vom Himmel. – Allein aus dem derzeitigen Konjunkturpaket II der Bundes- und Landesregierungen fließen zahlreiche Millionen Euro allein in Rheinland-Pfalz in die Studierendenwerke, die bessere IT-Ausstattung der Hochschulen und Sanierung und Neubau von modernen Hörsäälen. Und es reicht immer noch nicht völlig.

Freunde von mir haben an privaten Fachhochschulen studiert für mehrere tausend Euro im Semester – und selbst dort lief nicht immer alles glatt und perfekt ab. Wie soll das erst an einer Universität erreicht werden, wo derzeit alle Studenten „nur“ 200 € pro Semester zahlen – geschweige denn einen Nullbetrag, den der bundesweite Bildungstreik fordert?!

Kurz und knapp: Ich finde die meisten der Forderungen absolut unpassend und übers Ziel hinausgeschossen. Das wiederrum soll nicht den Eindruck vermitteln, dass ich alles an den deutschen Hochschulen gut heiße, ganz im Gegenteil, aber es ist auch lange  nicht alles so schlecht wie es nach außen dargestellt wird. (Das ist übrigens fast parallel mit der deutschen Politik zu sehen!) Gerne kann man über verschiedene Punkte diskutieren (Ich würde zum Beispiel einen praxisnäheren Lehrplan fordern, oder über die wissenschaftlichen Inhalte diskutieren, weil diese oftmals am späteren Beruf vorbeilaufen…), und ich als angehender Lehrer würde mich zu JEDER Zeit aktiv für eine gute und vernünftige Bildungspolitik einsetzen, weil dies die Grundlage für uns alle und unser Land ist, aber dies mit plakativen Parolen und wilden Demonstrationen zu versuchen, ist für mich nicht der richtige Weg. Die Streikenden müssen auch mal die positiven Seiten sehen, die leider viel zu oft vergessen werden: Im Gegensatz zu fast allen anderen westlichen Ländern haben wir keine Studiengebühren oder sie fallen im Verhältnis dazu sehr gering aus. Ich studiere für 200 € im Semester, bin frei in allen meinen Entscheidungen und Veranstaltungswahlen, fahre mit dem Semesterticket kostenlos Bahn und Bus, esse in der Mensa für wenig Geld und trinke Kaffee zu Studi-Preisen. Dafür nehme ich auch gerne mal veraltete Hörsääle oder langsame PCs in Kauf. Mehr erwarten kann ich auch nur, wenn ich dafür zahle (n würde).

Sollen sie mit ihrem „heißen Herbst“ weitermachen. Ich werde auch diesmal nicht mitmachen bei Demos und Streikveranstaltungen. Nun ja, ein zweiter Rudi Dutschke wäre ich wohl eh nie geworden.

Bis zum nächsten Bildungsstreik – im nächsten Semester.

Lehrer: Beruf mit Berufung?!

September 16, 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Ein Zitat:

Gerecht soll er sein, der Lehrer,
und zugleich menschlich und  nachsichtig,
straff soll er führen,
doch taktvoll auf jedes Kind eingehen,
Begabungen wecken, pädagogische Defizite ausgleichen,
Suchtprophylaxe und AIDS – Aufklärung betreiben,
auf jeden  Fall den Lehrplan einhalten,
wobei hochbegabte Schüler gleichermaßen zu
berücksichtigen sind wie Begriffsstutzige.

In einem Wort:

Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe
mit  Spitzensportlern und Behinderten
bei Nebel durch unwegsames Gelände in
nordsüdliche Richtung zu führen und zwar so,
dass alle bei bester  Laune
und möglichst gleichzeitig
an drei verschiedenen Zielorten  ankommen.

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