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Staffelreview: Game of Thrones, season 2

Juni 5, 2012 3 Kommentare

Nach dem großen Erfolg im deutschen Fernsehen bei RTL 2 dürfte die hochgelobte Fantasyserie „Game of Thrones“ auch hier fast jedem Serien-Fan ein Begriff sein. Gestern verabschiedete sich auf dem US-Kabelsender HBO mit dem Season-Finale „Valar Morghulis“ die zweite Staffel der Saga um Westeros. Ein abschließendes Season-Review.

„Let’s go kill them all. Fuck the King!“

Als im vergangenen Jahr „Game of Thrones„, die serielle Verfilmung der Fantasy-Bücher von George R.R. Martin, startete, war die Begeisterung aller Orten groß. Auch ich war schnell befangen, süchtig nach mehr und schrieb zur ersten Staffel: „Eine sehr komplexe Geschichte mit wunderbaren aktuellen Bezügen, ein tolles Ensemble, ein gutes Setting und ein phantastischer Spannungsbogen.“

Die zweite Staffel setzt am Cliffhanger der ersten Season an, und arbeitet sich innerhalb ihrer 10 Episoden langsam auf ihr schon vorher klares Ziel hin: „war is coming“, die Schlacht um ‚King’s Landing‘, die Stadt mit dem Eisernen Thron, auf den sie alle wollen. Es herrscht Bürgerkrieg in Westeros, und alle Hauptfiguren der Serie (des zweiten Bandes der Bücher) haben zwar ihre erklärten Ziele, aber müssen sich mit ihren jeweils eigenen Problemen herumschlagen. Dabei werden zu den schon in Staffel 1 zahlreichen Charakteren immer wieder neue Figuren an das Publikum herangeführt. Das ist oft schwierig für den (Noch-)Nicht-Buchleser wie mich, da den Überblick zu behalten. Namen, Burgen, Reiche, Familien und Titel: Wer in der 2. Season von Game of Thrones alles mitbekommen will, muss aufmerksam sein.

Und so toll und detailreich viele Figuren dargestellt sind – mit der Menge an Personen ist es schwierig eine enge (Serien-)Bindung an eine Figur zu schaffen. Genau hier liegt das zentrale Problem dieser Staffel: Zuviele Handlungsstränge, zuviele Charaktere und zuviele Informationen aufgeteilt auf zu wenige Episoden. Am deutlichsten macht das vielleicht das abschließende Finale „Valar Morghulis“: Hin und her springt die 65-minütige Handlung, es gibt einige fast schon blitzartige Sequenzen, nur selten bekommt eine Figur/ein Handlungsort etwas Zeit für Entfaltung. Es ist kein schlechtes Finale, sicher nicht, aber es fehlt die klare Linie, es fehlt die innere Spannung zu seinen persönlichen Lieblingscharakteren. Immerhin kommen die einzelnen Stränge etwas aus ihrer Stasis heraus und die letzten Minuten lassen einen dann doch wieder gebannt zurück.

Es ist daher fast folgerichtig, dass die beste Episode dieses Mal die war, die sich lediglich um einen einzelnen Schauplatz drehte: „Blackwater“, die 9. Folge und irgendwie ein kleines Finale einer Season. Diese Folge war von Buchautor Martin selbst geschrieben worden, und hier zeigte sich in beeindruckender Manier, zu was „Game of Thrones“ fähig ist, wenn alles passt. Dann nämlich, wenn Detailreichtum und unglaublich gute Charaktere auf einen starken, stringenten Plot treffen, ist diese Serie kaum zu toppen. Leider schafft es die Serie in dieser Staffel nur einmal so sehr zu begeistern.

Doch natürlich ist dies von mir Jammern auf höchstem Niveau. Es sind diese Kleinigkeiten, die mir am Ende einer Staffel negativ auffallen. Es fehlt mir persönlich etwas an der Fokussierung und Dichte, welche die 1. Staffel so atemberaubend gemacht haben. Nichtsdestotrotz: Wunderbare Dialoge, hervorragende Schauspieler (Herausragend: Peter Dinklage als Tyrion Lannister, siehe Bild oben), tolle Settings und eine faszinierende Geschichte. „Game of Thrones“ bleibt auch in seinem 2. Serienjahr sehr gut und absolut bemerkenswert, erfüllt die meisten Erwartungen, und lässt mich mit Spannung auf den nächsten Teil warten. Da die weiteren Bücher noch mehr Details und Dichte erhalten, werden die nächsten Bücher in jeweils 2 Staffeln verfilmt. Das bedeutet zweierlei. Erstens: Wir haben wohl noch viele gute Game of Thrones-Staffeln vor uns. Aber auch: Wir werden noch Jahre warten müssen, bis wir am Ende der Saga sind. Hoffentlich erleben das meine Lieblingscharaktere.

Wann „Game of Thrones“ ins deutsche Free-TV kommt, ist noch nicht bekannt. Aber im Sommer gibt es ja schon die nächste großartige Serie zu schauen. Jetzt heißt es: Warten auf den King, den Heisenberg.

(Tipp: Empfehlenswerte, ausführliche (lange!) Reviews zu jeder Episode lesen sich am besten bei den Mainzer Kollegen von Negativ.)

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Hail to the Heisenberg

Juni 5, 2012 3 Kommentare

Yes! Es gibt ein neues Season-Poster zur fünften und finalen Staffel von Breaking Bad. Und damit beginnt nun das Warten und die Vorfreude auf das vielleicht größte (zu Ende gehende) Serienhighlight 2012. Freuen wir uns also zusammen auf den 15. Juli 2012. Hail to Walter! 😉

(via  5FF, Nerdcore und viele mehr.)

BBC-Serie Sherlock in der ARD (2. Staffel)

Es kommt sehr selten vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten in ihrem Fernsehprogramm Mut zeigen und ausländische Juwelen in Deutschland zur besten Sendezeit zeigen. Doch die ARD traut sich: Die hervorragende zweite Staffel der BBC-Serie Sherlock läuft an drei Feiertagen zur besten Sendezeit, los gehts morgen um 20.15 Uhr. Zeit für einen Blick auf die bisher 6-teilige Serie.

Sherlock Holmes BBC Serie Benedict Cumberbatch Martin Freeman

Als ich damals von einer neuen Serie um den berühmten Sherlock Holmes las, war ich nur wenig begeistert. Sherlock? Der wurde doch schon Millionen 217 Mal verfilmt. (Etwa parallel die eher nur mäßig guten Kino-Adaptionen mit dem schlagkräftigen Robert Downey Jr. als Sherlock). Aber die Idee eines modernen Sherlock in einem modernen London – nun ja, ich war zumindest gespannt, was die BBC daraus machte.

Und das Ergebnis der ersten Staffel, die im August 2010 in der BBC (und im Herbst 2011 im Spätprogramm der ARD) lief, war einfach großartig: 2 phantastische Hauptdarsteller (Benedict Cumberbatch und Martin Freeman), die alten Arthur Conan Doyle-Geschichten modern und zeitgemäß verpackt, gelungene Optik , herausragende Dialoge und dazu ein cleveres Spiel mit unseren Zuschauer-Erwartungen. Kurzum: Ein sehr gute Serie, ein Must-See für Kino- und Serienfans.

Sherlock ist anders, und dieses „Anders“ wird in „Sherlock“ zu einem ganzen Komplex: Die Überforderung der Zuschauer mit Sherlocks brilliantem Kopf wird hier zum Stilmittel. Texte, Zahlen, Bilder rattern vor unseren Augen, wenn Sherlock seine Fälle löst – und Benedict Cumberbatch spielt diese Rolle mit großer Hingabe. Das Tempo von Sherlock ist angesichts einer Serie bahnbrechend, und gerade dieser Thrill macht die Serie so gut. Ab morgen abend (Himmelfahrt, 20.15 Uhr) zeigt die ARD nun die neuen Fälle von Holmes und seinem (kongenialen) Partner Watson (sympatisch: Martin Freeman) – und Überraschung: Die 2. Staffel ist noch besser. Schon Teil 1, der mysteriöse Fall „Der Skandal in Belgravia“ um die kriminelle, aber auch bezaubernde Irene Adler ist atemlos, fesselnd und sucht in der deutschen Krimi-Unterhaltung seinesgleichen. Dieser Film lässt viele andere (deutsche) Serien (man denke nur an die „Tatort“-Reihe) wie billige Amateur-Filme aussehen. Großartigst! Teil 2 und 3 laufen an den Pfingstfeiertagen, dann jeweils um 21.45 Uhr, und vervollständigen diese Staffel. Während Episode 2 „Die Hunde von Baskerville“ zwar immer noch stark ist, aber nicht an den erotisch spannenden ersten Teil heranreicht, ist das Finale in „Der Reichenbachfall“ wieder unglaublich und zeigt mal wieder atemberaubend hohes Niveau.

Man möchte hier für die deutschen Erst-Zuschauer nicht allzuviel Handlung verraten, aber in der zweiten Season gibt es neben aller Geniestreiche auch erstmals menschliche Seiten von Sherlock zu sehen und Watson wird als Partner und auch Freund immer wichtiger. Eine tolle Entwicklung, die der Serie auch in sich gut tut. Die 2. Season von Sherlock ist genial und ist eine echte Empfehlung für das sonst oft so schlechte deutsche TV-Programm. (Auch in der deutschen Version funktionieren die witzigen und herrlichen Dialoge sehr gut, auch das ist ja nicht allzu oft so.)

PS: Nett ist in der modernen Umsetzung natürlich auch der Einfluß von Web und Blogs, so führt John Watson in der Serie einen Blog um die Arbeit mit Sherlock – und fast schon selbstverständlich ist dieser Blog auch im realen Web vorhanden: (Vorsicht! Mögliche SPOILER!) http://www.johnwatsonblog.co.uk/

PS2: Weil BBCs Sherlock so gut und so erfolgreich ist, ist natürlich schon die US-Version in Planung. Hollywood… (Immerhin charmant: Watson wird zur Frau, gespielt von Lucy Liu).

Blut und Sex in der Arena – US-Serie Spartacus: Blood and Sand

In der noch recht jungen amerikanischen TV-Serie „Spartacus“ des Kabel-TV-Senders Starz geht es lose um den Sklavenaufstand im römischen Reich 71-73 v. Chr. unter dem Thraker Spartacus. Dabei konzentriert sich die Serie vor allem auf die Zeit vor dem Aufstand. Und hier geht alles: grobe Sprache, ungehemmter Sex in allen Lebenslagen, politische Intrigen und jede Menge Blut. Eine Rückschau.

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Mit ‚Game of thrones‘ war meine persönliche Messlatte für freizüzige Gewalt- und Sexszenen im amerikanischen Fernsehen der letzten Jahre schon hoch angelegt. Dies kannte ich so nicht aus den Staaten, und in einer Unterhaltung über eben jene explizite Gewalt- und Sexdarstellung wurde mir „Spartacus: Blood and Sand“ empfohlen: Meine Messlatte hat eine neue Serie gefunden.

In der ersten Staffel dreht sich alles um die Gladiatorenschule des Quintus Batiatus. In diese wird Spartacus (gespielt von Andy Whitfield) nach einer Gefangennahme durch die Römer verschleppt. Er soll in der Arena durch 4 Gladiatoren hingerichtet werden. Er überlebt und wird im Laufe von „Blood and Sand“ nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Anführer und besten Kämpfer von Capua. Es ist eine dreckige Welt voller roher Gewalt, in der Sklaven wie Tiere gehalten werden, und ein menschliches Leben nichts zählt.

Der eigentliche Hauptcharakter der Serie ist neben Spartacus sein „Dominus“, Quintus Batiatus (John Hannah). Der Zuschauer erlebt Fall und neuen Aufstieg des Hauses Batiatus, wird Zeuge der politischen Intrigen des Batiatus und seiner Frau (Lucy „Xena“ Lawless) und sieht ihre hemmungslose Machtbessenheit. Der Sittenverfall des römischen Reiches in seiner ganzen Blüte. In diesem moralischen Morast muss Spartacus um sein Leben kämpfen, gewinnt Freunde und Feinde – und gelangt an einen Punkt, wo er nur noch eines will: Rache.

Soweit gut, ist die Grundstory von „Spartacus“ nicht schlecht: Im Stil der Serie Rome wird das Bild eines kaputten, maroden Staates gezeichnet, in dem es nur um Macht, Lustspiele und Blut geht. Viel Blut. Hier darf alles an Körperflüssigkeiten spritzen, was man sich so vorstellen kann. Körperteile fliegen wild durch die Gegend, wenn gekämpft wird – oder es irgendwo wiedermal getrieben wird.

Der Stil der Serie ist dabei klar: Orientiert an der Erzählstruktur des Ridley Scott-Klassikers Gladiator und der Bildromantik – und Härte von Zack Snyders Spartaner-Spektakel 300. Das von „300“ bekannte Stilmittel der übertriebenen Darstellung von Einzelszenen wie Hinrichtungen oder Kämpfen wird hier auf die Spitze getrieben. Da spritzt das Blut sekundenlang über den Bildschirm, comicartig verfinstern sich Wolken und menschliche Stimmungen. Ich muss ganz ehrlich sein: Sowas habe ich bisher nicht gesehen – und manchmal wusste ich nicht recht, ob ich schlucken sollte oder einfach nur laut lachen. Denn das so harte Spiel mit Sex und Blut ist oftmals nah am Slapstick, nah an der Grenze zur Parodie. Über 13 Folgen entspannt die erste season ihre Geschichte, manchmal mit Überraschungen, insgesamt eher mit vorhersehbarem Ende und Strukturen.

Am faszinierendsten ist neben der sehr guten Darstellerriege sicherlich die Welt des Quintus Batiatus. Wie der kleine Emporkömmling um Macht und Anerkennung um jeden Preis kämpft, ist schlichtweg interessant und lässt die eigentliche Hauptrolle manchmal fast vergessen. Letztlich wird ähnlich wie bei „300“ alles der Ästethik, den muskelbepackten, feucht glänzenden Gladiatoren und den kraftvoll inszenierten Kampfszenen untergeordnet.

Taugt der amerikanische Serienhit nun etwas?

Nun ja, als „lustiges“ Gemetzel für zwischendurch und Trash-Serien-Unterhaltung ist Spartacus: Blood and Sand definitiv gelungen: Saubere Ästhetik, unglaubliche Kampf-Szenen, und Blut Blut Blut. Und Sex. Gerammelt wird immer, ob mit Sklaven oder ohne, ob untereinander oder mit anderen, als Lustspiel oder als politischer Akt. Die Serie ist ein kleiner Gewalt-Porno, und hat die FSK-18 seit langem mal wieder so richtig verdient. Dazu kommen aber leider auch viel zu viel Kitsch und ein Stil, der oft zuviel zeigt. Manch einer würde sicher laut „Schrott“ sagen. Als ernsthafte Serie sollte mal Spartacus nicht sehen, ich denke, das will sie selbst gar nicht sein. Wer auf anspruchsvolle Kost steht, sollte hier besser die Hände weglassen – und zum Beispiel zu parallel laufenden Serien wie „Homeland“, „Breaking Bad“ oder „Mad men“ schalten. Oder sich weiterhin von „Game of Thrones“ vormachen lassen, wie Gewalt und Sex beeindrucken statt einen grinsen zu lassen.

Seit dieser Woche läuft Spartacus kostenlos und völlig legal beim Videoportal myvideo. Das Ungewöhnliche daran: Ab 23 Uhr werden hier die ungeschnittenen Folgen gezeigt, und das sollte hier Pflicht sein. Außerdem kann man hier erstmals (?) zwischen deutscher und Original-Sprache wählen. Das sollte im deutschen TV-Bereich bitte Standard werden.

Ab Freitag, 20. April 2012 läuft Spartacus: Blood and Sand auf Pro 7.

PS: Der wirklich gute Hauptdarsteller Andy Whitfield verstarb im vergangenen Herbst an einem Krebsleiden. Er wurde nur 39 Jahre alt. Ab der zweiten Staffel wird die Hauptrolle von Liam McIntyre gespielt.

Serienreview: Homeland, season one (Showtime, 2011)

Januar 10, 2012 5 Kommentare

Eine neue Dramaserie vom amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime mischt die aktuelle Season auf: Golden Globe-Nominierungen für Serie und Darsteller, Bestenlisten wohin man schaut und nur lobende Worte seitens der Kritiker. Und auch ich kann mich da nur anschließen: Homeland season one ist großartige Serienunterhaltung auf höchstem Niveau und eine der besten Serien 2011.

Carrie Mathison ist eine taffe, unkonventionelle CIA-Agentin, die ihrem Job alles unterordnet, aber auch psychische Probleme hat, und aufgrund von unsauberen Aktionen nach Langley strafversetzt ist. Sergeant Nicholas Brody ist ein US-Marine, der seit dem Jahre 2003 im Irak als vermisst gilt. 8 Jahre später wird er durch eine Rettungsaktion aus seiner Gefangenschaft befreit und kehrt als Nationalheld zurück in die Staaten. Dort wird er gefeiert und verehrt. Außer von Carrie: Sie ist der festen Überzeugung, dass Brody ein Schläfer ist, ein von Al-Qaida umgepolter Terrorist. Um ihre eigene Überzeugung mit Beweisen zu unterlegen, ist ihr nahezu jedes Mittel Recht – und schreckt dabei auch nicht vor illegalen Überwachungsaktionen zurück. Das Problem: Keiner ihrer Vorgesetzten will ihr trauen, und auch der Serienzuschauer weiß nicht auf welcher Seite er stehen soll. Und genau dies ist großartig.

Das altbekannte Serienspiel „Gut“ und „böse“ wird hier schlichtweg aufgelöst. Es gibt ihn nicht, DEN Bösen, oder DIE Gute. Die Frage nach den „bösen Terroristen“ löst Homeland völlig anders als dies andere US-Produktionen machen. Man erinnere sich nur an 24, wo selbst in deren besten Staffeln Jack Bauer immer der strahlende Held ist, und die „Bösen“ foltert und am Ende alles gut geht. Homeland zeigt vielmehr das, was der Krieg im Irak aus allen Beteiligten gemacht hat: Die Marines, die Angehörigen, die Agenten, die Vorgesetzten, die AL-Qaida-Männer, die US-Politiker. Auch wenn die Serie nicht zu Ende ist: Gewinner gibt es hier keine. Jeder Protagonist hat an seiner Last zu tragen und der Krieg ist immer vor Augen, und das obwohl man ihn nie wirklich sieht.

Hauptdarsteller sind Damian Lewis und Claire Danes, die beide absolut glaubwürdig sind. Vor allem Danes ist zu ihrer Darstellung der Carrie gar nicht genug zu gratulieren: ihre bipolare, gestresste, besessene CIA-Agentin ist unglaublich großartig. (Ich würde ihr jeden Preis für diese Rolle gönnen!). Sie ist paranoid – und der Zuschauer wird durch sie auch paranoid. Oder ist sie es am Ende doch nicht? Man weiß es nicht, und genau dies macht den Reiz der Geschichte aus. In den Nebenrollen machen sich vor allem Mandy Patinkin als Carries direkter Vorgesetzter und die junge Morgan Saylor als Brodys Tochter mit guten Darstellungen verdient.

Die erste Season von Homeland überzeugt mit einer absolut gekonnten Irreführung des Zuschauers, hat grandiose Spannungsbögen und ist sehr dicht erzählt. Bei insgesamt wenig Action ist die Serie ein tolles, packendes Psycho-Drama. Wenig nervige Plotfehler und ein absolut würdiges Finale, in dem dann auch Lewis noch einmal richtig glänzen darf. Man darf sehr gespannt auf die 2. Staffel sein, die schon im Oktober bestellt wurde. Hält Homeland sein aktuelles Niveau könnte eine großartige Polit-Drama-Serie daraus erwachsen. Aktuell ist die erste Season in den USA gelaufen und es dauert erwartungsgemäß lange, bis sie hier ein deutscher Sender zeigt. Allen Serienfans ist Homeland nur ans Herz zu legen, ihr werdet es nicht bereuen.

Hier der Trailer zur ersten Staffel:

Leseempfehlung dazu: Die einzelnen Episodes-Reviews von Vladislav Tinchev auf serienjunkies.de.

Eine Offenbarung: Six Feet Under (2001-2005)

September 13, 2011 2 Kommentare

Ein Jahr immer wieder Folgen von Six Feet Under, ein Jahr ein Leben mit den Fishers, ein Jahr TV auf Kino-Niveau – über 5 Staffeln und 63 Episoden. Heute der Versuch einer Kritik, aber vielmehr einer Hommage an diese großartige Serie, die eigentlich mehr Epos und Offenbarung ist. 

Noch sitzt das Serienfinale zu sehr in meinem Kopf, noch durchlaufen die Bilder der letzten Folgen zu sehr meinen Kopf, immer noch rauscht Sias Breathe me durch mich. Eigentlich kein guter Zustand, um eine Kritik zu schreiben. Aber das spielt keine Rolle: es soll gar keine Kritik werden. Kritik ist wenig angebracht bei einer Serie, die mich mehr als jede andere Serie bisher mit ihren Charakteren mitlachen, mitweinen, mitfiebern und mitleiden hat lassen.

Im Jahr 2004, als Six Feet Under erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde, war mir all dies noch nicht bewußt. Die Werbekampagne von VOX nervte mich, das Geplapper von „Gestorben wird immer“ war flach und langweilig, ich hielt mich eher an Actionserien wie 24 oder später Lost, und verpasste Six Feet Under.  Welch falsche Entscheidung! Erst im Frühjahr 2010, als ich das Ende von Six Feet Under in einer Filmwissenschaften-Vorlesung über TV-Serien sehe (ja, in der Tat selten dämlich!), wird mir bewußt: Das muss ich sehen. Knapp ein Jahr haben wir nun zu zweit die 5 seasons geschaut, mal mehr, mal weniger – um am Ende die 5. Staffel förmlich zu verschlingen.

Im Mittelpunkt dieser Serie steht Familie Fisher und ihr Bestattungsunternehmen. Ohne zuviel zu spoilern: Vater Nathaniel stirbt in der großartigen Pilotfolge, und im Anschluß müssen die beiden Brüder Nate und David versuchen das Unternehmen alleine zu führen, während Nachzügler-Teenie Claire ihre eigenen pubertären Probleme hat, und ihre depressive Mutter Ruth das Chaos komplett macht. In den folgenden Jahren entwickelt sich rund um die Fishers, ihre Freunde, ihre Partner und Verwandten ein modernes Familienepos mit allen schönen Seiten, aber auch vor allem mit allen Problemen und Schwierigkeiten, und nicht zuletzt Themen, die letztendlich uns alle berühren: Schmerz, Liebe, Anerkennung, und – natürlich – der Tod. Dabei werden manche harten Beziehungs- oder Familienprobleme so heftig dargestellt, dass man manchmal lieber nicht darüber nachdenken möchte. Doch zu keiner Minute verlieren die Hauptpersonen ihre Faszination, ihre Glaubwürdigkeit – nie wird eine Folge langweilig, nie ist eine Situation zu deplatziert. Das ist zwei Dingen geschuldet: einem nahezu perfekten Drehbuch (Autor der Serie ist vor allem Alan Ball, der schon für American Beauty verantwortlich war und aktuell mit True Blood große Erfolge hat), welches unglaublich gute Handlungsstränge erzählt, und obendrauf einem wunderbaren Cast: Bis in die kleinsten Nebenrollen ist die Serie perfekt besetzt, da fällt selbst ein James Cromwell kaum noch überdurchschnittlich auf.

Man muss den Charakteren mit ihren schwierigen Ecken und Kanten Zeit geben, um sie lieben zu lernen. Jede Staffel und die ganze Serie entwickeln sich immer gemächlich weiter. Es gibt hier nicht die „Everybody-Darling-Rolle“, die Personen sind aus dem echten Leben, und so vergisst man manchmal, dass hier nur gespielt wird. Es sind schwierige Menschen: depressiv, krank, gefühlsabhängig – Menschen wie wir.  Dies ist wohl auch der Grund, warum einem Freude und Leid der Protagonisten so nahe gehen, einen so mitfühlen lassen. Sogar in der meines Erachtens nicht so guten dritten Staffel haut einen die Gefühlswelt von Nate und co um. Season 4 ist dann Perfektion, Kinoformat in jeder einzelnen Folge. Season 5 letztendlich, die finale Staffel, ist eine einzige schmerzliche Angelegenheit für jeden „Fan“, der die Fishers und alle anderen liebgewonnen hat, und dabei doch einfach großartig. Da schämt man(n) sich auch nicht seiner Tränen, diese letzten Folgen von Six Feet Under gehen unter die Haut, und ganz am Ende kann man nur „WOW“ sagen, zu einem Ende, welches keinen Raum offen lässt, sich perfekt in die Serienstimmung einfügt und einfach einzigartig traurig und gleichzeitig schön ist. (Für sehr viele das beste Serienende aller Zeiten und ein großes Stück TV-Geschichte: Gänsehaut!)

Bei aller Traurigkeit, Schwere und dem immer wiederkehrenden Motiv des Todes: Six Feet Under feiert das Leben, zwar auf seine Weise, aber dafür eindrücklich. Eindeutige Plädoyers für mehr Menschlichkeit, für Randgruppen jeder Art (allen voran Homosexuelle), für Träumen und Fühlen, für Leben und leben lassen. Mit sehr viel schwarzem Humor gelingt dabei ein beeindruckender Blick auf unser Tun und Irren in dieser Welt und auch darauf, wie unmittelbar und mitleidlos ein plötzlicher Tod immer ist.

Six Feet Under ist kein billiger Gag über Sterben und Bestattungsunternehmer, wie ich mal dachte. Sondern vielmehr eine witzige, traurige, einfallsreiche, bemerkenswerte, schwierige und grandiose Offenbarung über 63 Episoden. Eine Serie, die von nun an immer einen Platz in meinem Kopf hat, und sich wie von selbst einen Platz in den Lieblingsserien gesichert hat. Anschauen!

Serienreview: The Event [NBC, 2010-2011]

Im letzten Herbst startete die NBC eine neue Mystery-Serie, welche mit Action- und Verschwörungselementen an den Erfolg abgelaufener Serien wie „Lost“ oder „24“ anschließen sollte. Durch rückläufige Quoten gab es einen langen Winterbreak, so dass die erste Staffel erst diese Woche zu Ende ging. Weitere Staffeln wird es auch nicht geben, ein Review zu 22 Episoden ‚The Event‘.

Nachdem erst neulich entschieden wurde, aufgrund zu schlechter Quoten die Serie einzustellen, war klar, dass The Event keine neue Erfolgsgeschichte wie Lost geben würde. Dabei war das ursprünglich so nicht abzusehen: Der Pilot der Serie war nicht so schlecht, die Charaktere schienen interessant und der Plot verlief zwar nicht außergewöhnlich, aber zumindest spannend. Worum gehts überhaupt?

Sean Walker (Jason Ritter) ist ein stinknormaler junger Mensch (abgesehen von seinen genialen Hacker-Fähigkeiten), der mit seiner Freundin Leila auf einer Kreuzfahrt ist. Als Leila schließlich entführt wird, und niemand Sean glauben mag, überschlagen sich die Ereignisse und Sean gerät in einen unaufhaltsambaren Strudel aus Verschwörungen und politischen Intrigen. Und das Mysteriöse? Nun ja, man könnte das spurlose Verschwinden eines Flugzeuges im Piloten zum Beispiel erwähnen. All dies ist in Form von Flashbacks erzählt, und wird mit durchaus glaubwürdigen Darstellern besetzt. Insgesamt war diese erste Folge etwas zu hektisch und schnell, machte aber Lust auf mehr, ließ auf ein neues „Lost“ zumindest hoffen. Am Ende lief es aber eher auf ein neues „Flash Forward“ hinaus, aber der Reihe nach.

Im Laufe der nächsten Episoden werden zunehmend viele Handlungsstränge nebeneinander gesetzt: Das ist gerade anfangs gut, weil der Zuschauer etwas gefordert wird, die einzelnen Stränge für sich größtenteils interessant sind und man überlegt, wie dies alles zusammen passt. Für den Zuschauer agieren Sean und Leila mit ihrer hilflosen Art, immer weiter in den Ärger hineinzuschlittern, als tragende Charaktere. Für die Serie wichtiger sind aber Personen wie Präsident Martinez, Vize-Präsident Jarvis oder Sophia, die tonangebende Chefin der „Anderen“. Diese Anderen sind eine unbekannte Spezies, deren Heimatplanet stirbt. Eine Supernova wird 2,5 Milliarden umbringen, wenn es Sophia nicht schafft sie auf die Erde zu transportieren. Das dies bei der US-Regierung nicht gerade auf Zustimmung stößt, kann man sich denken. Ein harter Konflikt zwischen allen Beteiligten entsteht, in dem im Mittelpunkt die Frage nach dem Lebensraum steht.

Das alles klingt nicht wirklich neu – und das ist es auch nicht. Aliens hatte vermutlich jede 2. Mystery-Serie, Flashbacks hatten wir in der Serienlandschaft in den letzten Jahren mehr als genug, und mitverwickelte Politiker in eine Verschwörung sind spätestens seit „24“ an der Tagesordnung. Irgendwie schafft es „The Event“ – ähnlich wie anfangs auch Flash Forward – eine unterhaltsame Spannung aufzubauen. Fast hätte ich dennoch aufgegeben, als es zunehmend Logiklöcher gab, vor allem in den Folgen vor der längeren Pause. Doch zugegeben: Auch andere große Serien haben immer wieder Logikfehler – in einem Serienuniversum kann nicht alles stimmen, sonst fehlt es an jeglicher Spannung, hier lässt besonders 24 grüßen. Also schaute ich weiter. Man will schließlich auch wissen, was denn nun das vielzitierte „Event“ ist, wenn schon die Serie ihren Namen dort herzieht.

Leider ist genau dies die große Schwachstelle der Serie: Zuviele Handlungen, und leider auch der Plot rund um das eigentliche Event, werden nur angerissen, oder angefangen und später völlig vergessen. Da gibt es einige Episoden, die sich um einen alten, reichen Kauz namens Dempsey drehen, der kleine Kinder entführt und an ihnen medizinische Tests durchführt. Das wird in aller Breite erzählt, und ist letztlich auch gar nicht schlecht, weil der alte Mann von Hal Holbrook gespielt wird und einfach großartig ist. Und was passiert? Irgendwann erschiesst sich Dempsey und diese Handlung wird nie mehr angerissen, geschweige denn erklärt. Das ist schade, denn immer wieder, gerade in den letzten 6-8 Folgen der 22 Episoden, blitzt großes Potential auf: Es gibt sie immer wieder, die guten Momente, die starken Dialoge, die besonderen Twists – und im nächsten Augenblick passiert wieder etwas, wo man den Drehbuchautor gerne mal fragen würde, was er da geraucht hat.

Letztlich verschenkt NBC eine Serie mit viel Potential, was leider nicht ausgenützt wird. Trotzdem, und das möchte ich betonen, bleibt trotz aller  – erwartbarer und unfassbaren – Schwächen eine sehr unterhaltsame Serie, die man sich als Serienfan gut anschauen kann – zumindest, wenn man über die Plotfehler und das zu schnell herbeigeschusterte Ende hinwegsehen kann. Was bleibt an wirklich Positivem hängen? „The Event“ hatte einige ganz hervorragende Settings, einige wirklich gute Momente, spannende Episoden und einige doch bemerkenswerte Darsteller. Im Kopf bleiben werden wohl vor allem Zeljko Ivanek, der als CIA-Direktor eine tolle Figur macht, und die unglaublich attraktive Taylor Cole, die mich zwar anfangs nervte, sich aber irgendwann zu einer meiner Lieblingscharaktere mauserte.

Am Ende bleibt noch die Frage, was wäre wenn und hätte und überhaupt, wenn man der Serie 3-4 Staffeln Zeit gegeben hätte sich zu entwickeln. Wir werden es nie erfahren, und damit ist es mir nach „Flash Forward“ nun schon zum zweiten Mal passiert, eine Serie anzufangen, die während der Ausstrahlung dann gekippt wird. Schade drum. In Deutschland hat sich übrigens die RTL_Group die Rechte gesichert, wird wohl irgendwann mal im Nachtprogramm laufen. Ich werde mich wohl mehr den je erstmal mehr Serien widmen, sie schon über einen längeren Zeitraum Erfolg hatten.

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