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„Der Jude an sich ist unsympatisch“

Februar 7, 2012 2 Kommentare

Am Sonntag Abend saß die junge, sympatische politische Geschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, bei Günther Jauch. Thema: Antisemitismus. Frau Weisband, bei Twitter äußerst erfolgreich als @afelia, war natürlich nicht nur eingeladen, weil sie gerade jeder einlädt, sondern auch weil sie gläubige Jüdin ist. Vieles in dieser Sendung war wieder einmal belanglos, da konnten auch die wirklich klug geführten Gespräche wenig dran ändern. Aber immerhin konnte man sich auf einen Konsens einigen: Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft nichts verloren – und darüber hinaus sollte man sich Verallgemeinerungen wie „Die Juden“, „die Christen“ etc. sparen. Jeder für sich ist Mensch, und keine Volksgruppe – oder Religionsgruppe ist über einen Kamm scherbar.

Doch dann stellte Kevin Barth, ein junger Piratenpolitiker aus Heidenheim, alle Worte von @afelia auf den Kopf.

Screenshot @Kevbarth-Account

Der „Jude an sich unsympatisch“. Man muss dies zweimal lesen, kurz auf sich wirken lassen. Barth macht hier ja gleich zwei Fehler. Er führt von einer israelischen Politik (die unter anderem auch durch europäische und us-amerikanische Politik unterstützt wird) auf das Volk und bezieht jedes Individuum mit ein. Dies ist noch halb verzeihbar, weil man dies in einer vielleicht erhitzten Debatte gerne macht: übertreiben und Vorurteile loslassen. Der zweite Fehler ist der größere, gefährlichere. Von israelischen Bürgern auf Juden allgemein zu schließen. Denn hier schließt sich der Kreis zu wirklich antisemitischen Meinungen des vergangenen Jahrhunderts. Es wird kein Unterschied gezogen zwischen der Volksgruppe der Juden und der Religion, dem Judentum. Barth meint hier ganz deutlich die „Israelis“, spricht aber den „Juden an sich“ an, so als gebe es über die ganze Welt verteilt nur einen Schlag Menschen jüdischen Glaubens.

Wir müssen uns das immer wieder vor Augen halten, auch und besonders in solchen Diskussionen: „Die Juden“ gibt es genauso wenig wie „Die Christen“. Es gibt deutsche Juden, amerikanische Juden, russische Juden. Und genauso gibt es auch in Israel Christen und Muslime. Letztlich könnte man jemanden wie Barth, der sich heute schon entschuldigte,  nun an den Pranger stellen, oder ihn beschimpfen – doch vielmehr müssen wir auch selbst daraus lernen: Wie können wir historisches Bewußtsein richtig vermitteln? Wie können wir Religionen und Geschichte pädagogisch weitergeben, so dass für alle, gerade auch junge Menschen ein klares Bild entsteht? Es wäre wünschenswert, wenn solche Falschaussagen zu neuen Diskussionen führen.

@Afelia sagte bei Jauch, dass sie sich wünscht, dass man das Thema Antisemitismus in Deutschland nicht mehr so oft in den Vordergrund stellen sollte. Hier möchte ich ihr widersprechen: An solchen Tweets, die sicher keine Einzelaussage sind, erkennen wir nur zu deutlich, dass wir noch viel Arbeit im Bereich des Antisemitismus vor uns haben.

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Dazu:

Julia Schramm erklärt dem Kevin auch einige Dinge. Und Primavera wartet auf eine öffentliche Stellungnahme der Piratenpartei.

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Jahresrückblick 2009 – „Best of“

Januar 3, 2010 6 Kommentare

Jetzt ist schon der 3. Januar im neuen Jahr. 2010, das klingt noch richtig ungewohnt. Zeit für einen – wohl sehr ausführlich werdenden – Jahresrückblick 2009, ein Jahr voller Erlebnisse und Ereignisse, ein Jahr, so vollgepackt, dass ich unmöglich hier alles erzählen und berichten kann und konnte.

2009 war ein außergewöhnliches Jahr für mich. Es war aber im Gegensatz zu den Jahren davor vor allem beständig. Beständig zu wenig für das Studium, beständig im Studentenleben mit allen positiven und negativen Sachen, die dazu gehören, beständig viel unterwegs, beständig tolle Erlebnisse, aber auch eine neue beständige Arbeit, gute beständige Freunde (die mir unglaublich wichtig sind!), und vor allem eine wundervolle beständige Beziehung.

Das beste aus dem Jahr 2009 aus hulza-Sicht quasi, have fun 😉

[Wichtiger Hinweis: Alle Texte und Eindrücke sind rein subjektiv. Ich kann – und will – nur über Dinge urteilen, die ich selbst erlebt, gesehen, gehört, gelesen habe. Daher muss jedem Leser klar sein, dass diese Listen nicht vollständig sind, und auch keinen Anspruch darauf erheben! – Ursprünglich wollte ich auch Politik, Sport und andere Nachrichten hier miteinfließen lassen, es wird aber auch so schon viel zu lang, und diese Jahresrückblicke gibts ja auch genug, also hier ganz persönlich…]


Websites & Internet 2009

Kein Jahr zuvor war das Internet als eigenes Medium so präsent in den alten Medien und  bei den älteren Generationen wie im vergangenen Jahr. Die großen Debatten (zb rund um das Kinderpornographie-Sperrgesetz)  machten das Netz massenwirksam, und Petitionen wie die gegen das Sperrgesetz zeigten, dass sich auch innerhalb der Netzgemeinde  ernsthafte Gedanken gemacht wurden (Bei der Petition gegen das Gesetz war ich einer der ersten tausend Unterzeichner, später sollten es viele, viele tausend mehr werden…). Große Magazine und Zeitungen fingen an zu twittern, Facebook-Seiten zu errichten und Online-Journalismus wirklich ernst zu nehmen. Es war DAS Jahr für „social media“  und die Durchsetzung von multimedialen Anwendungen wie Google Wave, Mikroblogging und und und. Auch mein Jahr stand in den 140 Zeichen von Twitter: Twitter war wohl ganz sicher DIE Seite 2009, millionenfach angeklickt und auch ich habe es nach anfänglichem Zögern absolut lieben gelernt. Darüber hab ich viel gelernt, viel mitgenommen und zudem eine unglaubliche Masse an Links angeklickt. Die alle hier, oder auch nur einen Bruchteil wiederzugeben, wäre Blödsinn, daher eine kleine, feine Auswahl meiner liebsten Seiten im Netz 2009:

Big Picture von Boston.com: Man kann diese Photos gar nicht genug herausheben aus der Masse des Netzes. Großartig, unglaublich, wundervoll, beeindruckend, faszinierend. Superlative sind hier erlaubt.

Lostpedia : Unglaubliches Wiki zur vermutlichen besten Serie unserer Zeit, Lost. Informationsoverkill.

tontraegerhoerer: Nicht nur ein guter Freund, sondern auch ein sehr guter Blogger, dieser tontraegerhoerer. Aktuell hervorragende Beiträge zum Jahrzehntrückblick.

CaptainCrawl: Meine kleine Geheimwaffe für Musik, die ich sonst nicht finde. Vor allem für Musik abseits des Mainstreams immer gut zu gebrauchen.

Viral Video Charts: Ein Blick hierrein, und man ist – den meisten – ein bisschen voraus. Alle großen Videos des Jahres konnte man hier aufzeigt sehen, praktische Sache.

RzBlog: Die Rheinzeitung hat dieses Jahr aufhorchen lassen. Obwohl ich mit ihr aufgewachsen bin, hat sie mich erst dieses Jahr wirklich beeindruckt – vor allem mit ihrer Offenheit und Außendarstellung. Der Blog gehört dazu, die vielen Autoren machen den Reiz aus. Lesenswert.

Netzpolitik: Allein für die Arbeit rund um „Zensursula“ hat sich netzpolitik.org verdient gemacht. Auch sonst lohnt sich immer ein Blick, um zu wissen, worüber gerade in den hohen Kreisen ( 😉 ) so diskutiert wird.

Video 2009

Etwas, was ja theoretisch zum Internetbereich fällt, ich aber bewußt trenne. Videos in jeder Form ersetzen für viele Menschen das klassische Fernsehen. Und das ist kein Wunder: Das Netz sprudelt über vor interessanten, ideenreichen Videos: Musikproduktionen, virale Marketingaktionen und unzählige private Aufnahmen. Ich habe schätzungsweise eine hohe 3-stellige Zahl (vermutlich mehr!) an Videos auf Plattformen wie YouTube, Vimeo und co angesehen. Dies jetzt nochmal nachträglich zu sichten ist nahezu unmöglich, daher eine Top10 der Videos, die mir spontan einfallen. (Über die Positionen kann man streiten…)

#1 I gotta feelin‘, Oprah Winfreys Überraschungsparty: DAS Partylied des Jahres, dieses Video flasht einfach.

#2 David after Dentiest: Für mich eins der lustigsten Videos ever. Könnte ich immer wieder schauen. „is this real life?!“

#3  Her Morning Elegance / Oren Lavie: Mein Lieblingsmusikvideo irgendwie. Toller Song ist es auch noch.

#4  collaborative animation by Blu and David Ellis: Die beiden Straßenkünstler und ihre großartige Arbeit.

#5  SOUR ‚日々の音色 (Hibi no neiro)‘ : Musikvideo aus Japan. Gemeinsame Choreographie von Fans, die durch Webcams miteinander verbunden sind.

#6  Pianotrappan: witzige Aktion von Volkswagen in Schweden, die im Kopf bleibt.

#7 Jon Schmidt – Love story meets Viva la Vida:Tolles Arrangement, könnte ich immer wieder hören.

#8 Heineken Commercial: Mein liebster Werbespot im vergangenen Jahr.

#9 JK wedding entrance dance:Leider original nicht mehr verfügbar, Danke Sony! So möchte ich auch in die Hochzeit tanzen…

#10 Flutter: The new Twitter: Twitter herrlich auf die Schippe genommen, großartig!

Musik 2009

Die medialen Möglichkeiten wachsen, und damit wächst auch der Input an Musik – sowohl schlechter als auch guter. 2009 ist soviel an Musik auf mich hereingeströmt, dass ich mich gar nicht an alle Songs & Tracks erinnere. Daher ist es umso schwieriger hier eine Bestenliste zu überlegen. Die Top 10 werden daher mehr eine Art: „Meine Alben des Jahres“. Bezeichnend: Auf Platz 1 ein Album, welches schon 2008 erschienen ist, und ich hier schon im Oktober  ’08 vorgestellt habe.

#1 Paul Kalkbrenner – Berlin Calling (OST): 2 Punkte sprechen dagegen, dieses Album auf Platz 1 2009 zu setzen: a) im Herbst 2008 erschienen und b) der Hype um Film und Soundtrack geht mir ziemlich auf die Eier Nerven. Aber: Es ist halt doch DAS Album, welches mein Jahr mitgeprägt hat von Januar bis Dezember. Das Album ist als solches schon großartig mit wundervollen Produktionen, als offizieller Soundtrack zum Film aber einfach nur genial: Jede Sekunde passt haarscharf auf die Filmsequenzen. Perfekt. Kalkbrenner hat damit den Sprung in die Konzerthallen geschafft, sein Live-Auftritt auf dem Melt! war auf jeden Fall großartig.

#2 Röyksopp – Junior: Diese Norweger sind absolut verrückt, aber irgendwie toll verrückt. Dieses Album macht Spass ohne Ende, und war definitiv mein Sommeralbum. Bin schon gespannt auf „senior“. Toptitel: „The girl and the robot“  mit Robyn.

#3 The Whitest Boy Alive – Rules: Absolut ärgerlich, dass ich ihren Auftritt auf dem Melt! verpasst habe: Das Album ist toll. Meine Lieblingsmusik für Unterwegs in Bahn und Flugzeug. Anspieltipp: „Island“.

#4 Depeche Mode – Sounds of the Universe: Ich hätte nicht unbedingt mit dieser Platte gerechnet, aber sie ist richtig stark geworden. „Wrong“ einer DER Songs des Jahres. Vorfreude aufs Konzert im Februar!

#5 Muse – The Resistance: Nach anfänglichem Nicht-Gefallen absolute WOW-Platte. Allein schon die Symphony. Live dann nochmal besser. Muse bleibt nie gleich, sich aber immer treu!

#6 Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix: Zu diesem Album ist fast alles gesagt worden, also Klappe zu: Super! „1901“ ist einer der Tracks des Jahres. (Live waren sie übrigens eher langweilig!)

#7 Moderat – Moderat: Modeselektor und Apparat zusammen, irgendwie unmöglich – und herausgekommen ist etwas wundervolles. Hoffentlich kommt da noch mehr. Anspieltipp: „Rusty Nails“.

#8 Jochen Distelmeyer – Heavy: Meine deutsche Überraschung des Jahres. Mit Blumfeld hatte ich nie was am Hut, umso überraschender, dass ich dieses Album großartig finde. Lieblingstitel: „Murmel“ und „Lass uns Liebe sein“.

#9 Oliver Koletzki – Großstadtmärchen: Unerwartet chillig, unerwartet schön geworden. Die vielen Gaststimmen überzeugen, vor allem „These Habbits“ und „Hypnotized“ sind wundervoll.

#10 Gossip – Music for men: Mit „Standing in the way of control“  2006 der erste Hit, doch 2009 war ihr Jahr. Album rockt, Beth Ditto ist einfach eine absolute Rampensau. Tipp: „Love Long Distance“.

LIVE-Auftritte 2009

#1 Coldplay – Vielleicht wars nicht das beste Konzert, aber das Erlebnis im Wembleystadion war beeindruckend. 75.000 Menschen singen „Fix you“, das ist Gänsehaut wie im Bilderbuch!

#2 Muse – Vermutlich die beste Live-Band unserer Tage. Wahnsinn, was die Jungs musikalisch und visuell bieten. Lieblingsband ohne Zweifel.

#3 The Ten Tenors – Überraschungsplatz auf dem Treppchen. Völlig anders als der Rest, aber umso beeindruckender. Musikkunst. Gerne wieder!

#4 Travis – 10 Jahre nachdem ich beim ersten Album riesen Fan war, mein erstes Konzert bei den Schotten, und das eher unfreiwillig: und dann wars auch noch super. Tolle Performance, super Stimmung, sympatische Band (Frontman Fran Healy war 2 ganze Songs inmitten der Crowd!).

#5 Röyksopp – Sehr cooler Auftritt von „Eple“ bis „Happy up“. Großartig: „What else is there“.

Außerdem überdurchschnittlich gut und daher auf den Plätzen – ohne bestimmte Einordnung:

Gossip (Unglaublich, was die abgehen. Partyentdeckung des Jahres), Paul Kalkbrenner (Hype Hype Hype, aber trotzdem gut. Als die Leute weg waren, wurds richtig gut 😉 ), Fat Boy Slim (Der Meister mit all seiner Power), Kasabian (klasse Indierock, hat als Vorband von Oasis diesen kräftig den Arsch versohlt! ), The Prodigy (ultrahart, die Schmerzen spür ich heute noch), Johannes Heil (hat für 50° gesorgt, gefühlte 100°.), Deichkind (unfassbar!) , Kaiser Chiefs (bisschen kurz, aber sonst sympatischer Auftritt), Fettes Brot (mal wieder seeehr lustig..).

Kinofilme 2009

Früher mein absolutes Steckenpferd, ist das Kino- und Filmgeschehen in diesem Jahr – leider – etwas an mir vorbeigezogen. Wie sagt man so schön: „Es geht halt auch nicht alles.“ Blöd aber auch… Hier trotzdem meine am besten bewertesten Filme, die ich dieses Jahr im Kino gesehen habe:

#1 Inglourious Bastards (Quentin Tarantino): Es gibt von Tarantino keine schlechten Filme, aber dieser hier setzt seinem Werk irgendwie noch die Krone auf. Sprachlich, Technisch, Inhaltlich: Ohne Makel. Obendrauf witzig und starke Darstellerleistungen (allen voran Christoph Waltz, der dafür jeden Preis der Welt erhalten müsste!).

#2 Away we go – Auf nach Nirgendwo (Sam Mendes): 2. Film von Mendes in diesem Jahr. Und besser als „Zeiten des Aufruhrs“. Schön, dass man eine solch witzige Geschichte auch mal mit unbekannten Gesichtern darstellen kann. Allein für diesen Mut sollte Mendes belohnt werden.

#3 Hangover (Todt Philipps): Ich bin wirklich kein Fan von dümmlichen Flachwitzenfilmen aus Hollywood, und meide diese so gut es geht – aaaber: Was habe ich hier gelacht. Sensationell! Das ist so lustig, dass ich von einem eigenen Junggesellenabschied in Vegas schwärme 😉

#4 Verblendung (Niels Arden Oplev): Klar, reicht nicht ans Buch heran. Aber: Hier ist meines Erachtens eine super Verfilmung eines Buches gelungen, welches nur voller Details und Charakteren überquillt. Dank Noomi Rapace wirklich sehr gut gelungen. Freue mich auf die nächsten Teile.

#5 Operation Walküre (Bryan Singer): Welche Überraschung: Nicht stupides Action-TomCruise-Feuerwerk, sondern guter Thriller mit vielen starken Dialogen. Sollte ich nochmal in Deutsch anschauen.

Knapp an den Top 5 vorbei: die beiden Comic-Action-Verfilmungen Watchmen und das Xmen SpinOff Wolverine.

TV-Serien 2009

Spätestens seit letztem Jahr hatte mich der Serienwahn voll gepackt, und 2009 stand dann wirklich im Zeichen der Serien statt der großen Filme. (#3 kommt in die Liste mit rein, obwohl schon 20 Jahre alt.)

#1 Lost – Weiter unangefochten. Die 5. Staffel setzte mich zum Teil in ernsthafte Paranoia-Zustände. Warten auf „season 6“ und das große Finale ist wie eine Folter. Sucht! (Zwischenzeit genutzt, um alle(!) Staffeln nochmal zu schauen!)

#2 „24“ – Endlich war „24“ wieder so richtig gut. Tony is back! Manchmal etwas zuviel des Guten, aber das kennt man ja bei twentyfour. Bleibt DIE innovative Serie des vergangenen Jahrzehnts.

#3  Twin Peaks – Bald werde ich mal ausführlicher berichten über dieses Meisterstück von David Lynch. Bin noch nicht ganz fertig mit der Serie der Serien, mit dem Prototyp aller heutigen Serien. 1989 (!) entstanden, unendlich langsam erzählt, bizzarste Charaktere, und tolle Kamera.

#4 Californication – Immer mehr Serien haben auch Antihelden als Hauptfiguren. Hank Moody ist so ein Antiheld. Seinem Leben zuzuschauen ist großartig, und überaus witzig.

#5 Prison Break – Gehört grundsätzlich nicht in eine top5 der Serien, aber die 4. Season war dann doch zumindest durch das wirklich schlüssige und konsequente Ende lobenswert. Insgesamt hat die Serie mich dann doch viele Stunden gekostet, und daher irgendwie hier auch ihren Platz verdient.

Viele gute, aktuelle Serienstaffeln wie Dexter, The Wire oder The Office sind noch vollkommen an mir vorübergegangen, da gilt es mal aufzuholen 😉

Unterwegs 2009

Ja, es folgt ein wohl etwas längeres Kapitel. Ich war schon immer viel und gerne unterwegs, aber dieses Jahr hat dann irgendwie nochmal alles getoppt. Viele meiner Freunde und Familie denken dabei nur an die Auslandsreisen, dabei waren auch vor allem die vielen, vielen Kurztrips innerhalb von Deutschland intensiv. Eine kleine Auswahl der Aktionen, über die ich auch gebloggt habe, die Highlights sozusagen:

Die anstrengenste Reise: London. Nicht meine Stadt, zu hektisch und laut, aber mit den Freunden und dem unglaublichen Regen-Konzert ein tolles Wochenende.

Die 3-5 Tage Sommer-Festivals: Das waren dieses Jahr „nur“ 2, aber beide waren aufgrund ihrer Art & Weise bemerkenswerter als viele Festivals die Jahre zuvor: das Melt! 2009 war nicht nur geprägt von Sturm, Wind und Regen, sondern auch von einem unglaublich tollen Programm und wahnsinnig guter Musik. Es ist und bleibt mein Lieblingsfestival! sonnemondsterne war aufgrund der Konstellation schon witzig, das Wochenende an der Talsperre sollte ein echtes Highlight werden.

Die gelungensten Tagestrips: Schlütertreffen in der Nähe von München, lange Kanutour auf der Lahn (incl. Camping am Vorabend mit super Menschen), Wanderung ganz in der Nähe am Rheinsteig, und der Winter-Action-Day am Nürburgring.

Der bemerkenswerteste Geburtstag. Am Edersee. 2 Tage feiern mit Piloten, Chirurgen und anderen in der Gesellschaft hoch etablierten Menschen. Dazwischen irgendwo ein kleiner Student. Lustig, u.a. das Quadfahren.

Die ländlichste und benzinlastigste Reise: Motorradtrip in der Pfalz. 4 Tage am Stück Motorrad fahren, und abends in der pfälzischen Küche schlemmen. Großartig wars!

Die ereignisreichste und teuerste Reise: Miami und Roadtrip KeyWest! Diesen Urlaub werde ich aus verschiedenen Gründen niemals vergessen: Vom schlimmsten Muskelkater meines Lebens, über das beste Adrenalingefühls meines Lebens hin zu unvergesslichen Partynächten und vielen guten Gesprächen mit Menschen aus aller Welt. Danke Tobi! (Dieses Jahr dann Island?! 😉 )

Die lustigste Reise: Städtereise Breslau in Polen. 5 Chaoten auf Entdeckungsreise im Nachbarland. Das muss wiederholt werden!

Die kulturellste Reise: Rom – die ewige Stadt. Zwischen Vatikan und Antike, zwischen pulsierender Metropole und tausenden Kirchen, Rom war einen Besuch wert. Danke Clubby!

Die dekadenteste Reise: Kreuzfahrt Arabische Emirate. Unglaublich viel Luxus, unglaublich viel Essen, unglaublich viele Eindrücke, unglaublich heiß. Es hat sich schon gelohnt 😉

Die schönste Reise: Schweden – Stockholm und  Småland. Urlaub mit der Besten in Perfektion. Hier hat alles gepasst in einem wunderschönen Land. Gute Mischung aus Erlebnis, Sehenswürdigkeiten, und Erholung pur an den einsamen Schären.

Partys & Feten 2009

Hier werde ich wie im letzten Jahr keine eigentliche Topliste erstellen… Es gibt davon im Studentenleben einfach zuviel, von diesen wirklich tollen Abenden. Erinnerungswürdig bleiben aber sicherlich mein Geburtstag in der Westerwälder Scheune, Fassenacht in Mainz im Scheichkostüm, die dekadente Partynacht mit den Australiern im VIP-Bereich eines Miami-Edelclubs, der „mad dog“-Abend in Breslau, die Mainz05-Aufstiegsfeier im Mai oder auch die Weihnachtsmann-Schneefahrt nach Leichlingen incl. dem kompletten Wochenende.

Das feiertechnische Highlight des Jahres war ganz klar an einem heißen Augustmorgen. Wo?: Bleilochtalsperre (Thüringen), Strandbar. Wer?: vier Jungs Mitte bis Ende zwanzig. Was?: Lagerfeuer, elektronische Musik, Jägermeister und ganz viel Lachen. Unvergesslich.

><

Am Ende bleibt mir nur DANKE zu sagen. Ein riesen Dankeschön Allen, die das Jahr 2009 mit mir geteilt haben, die mit mir unterwegs waren, mit mir gelacht und gefeiert haben, mit mir Erlebnisse teilen, denjenigen die meinen Blog lesen 😉 – und nicht zu vergessen, denen, die mir mein Leben ermöglichen. Danke, dass ihr mein Jahr 2009 so außergewöhnlich toll gemacht habt! Schauen wir mal, was wir aus 2010 alles rausholen können. (Fest steht: Bei mir muss es etwas runterfahren…)

PS:  Wer das hier wirklich komplett gelesen hat, bekommt demnächst mal ein Bier von mir ausgegeben 😉

Ein Abend bei der @rheinzeitung – Followertreffen

Oktober 28, 2009 4 Kommentare

Die entscheidende Frage des Abends stellte mir der nun hauptberuflich agierende Twitterer der Rheinzeitung im Druckwerk, während die tonnenschweren Papierrollen mit Schwarz, Rot, Gelb und Blau bedruckt wurden und wir fasziniert zusahen: „Welche Drogen nimmt eigentlich @Blattwerk?“. Diese Frage war besonders im Kontext der Druckerpressen und ihrem Lärm durchaus berechtigt, doch Antwort konnte auch ich darauf nicht geben. Es bleibt wohl für immer ein Rätsel. Und dennoch möchte ich Blattwerks freundlichen Bitte Aufforderung nachkommen, über den gestrigen „Followerabend“ zu bloggen.

Die Rheinzeitung hatte zum vierten Twitter-Followertreffen geladen (#rzf4), und nun war ich also auch mal dabei. Hatte ich im Vorfeld noch über ein Kommen aufgrund der eher weiteren Anreise gehadert, so hatte sich dieser Weg auf jeden Fall gelohnt. Was kann man sich unter einem „Followerabend“ vorstellen? Die Rheinzeitung lädt einige wenige ihrer vielen Twitter-Follower zu sich in die Redaktion ein, und zelebriert daraus eine Mischung aus Gespräch, Diskussion, Führung, Selbstkritik und Eigenwerbung. Dazu gibts alkoholfreie Getränke und jede Menge Schnittchen.

Die allgemeine Begrüßung im Konferenzraum gabs durch den @RZChefredakteur Christian Lindner, der auch dankenswerterweise den ganzen Abend anwesend war, und viele Anekdoten zu erzählen hatte. Anschließend fand eine lockere Begrüßungsrunde statt, bei der jeder Teilnehmer ein bisschen aus seinem Leben und seinem Twitter(er)leben berichtete. So konnte man zum Beispiel erfahren, dass einige Anwesende einen dritten (!) Monitor ausschließlich für Twitter eingerichtet haben. War ein bisschen neidisch. Ich war auch der einzige (?), der ohne mobiles Netz vor Ort war. (War auch der einzige Student: interessant, dass die Twitterer aus allen möglichen Berufen kommen…) Zwei schwarze Beeren kämpften gegen die Übermacht der Apfelmaschinen. (Vielleicht sollte auch ich endlich mal über meinen Schatten springen?!)

Während dieser wirklich interessanten Gespräche lief auf einer großen Leinwand der Live-Stream des Twitterhashtags #rzf4, was eine gelungene und spassige Präsentation ergab, weil es durch diverse Tweets die Runde auflockerte und alle erheiterte:

FireShot capture #025 - 'Twitter _ Pete_ Hoffentlich merkt keiner, ___' - twitter_com_sichtpunkt_status_5209074193Das Rundumwohl der Teilnehmer war überhaupt sehr gefragt. Die Gummibären zum Beispiel tauchten immer wieder auf:

FireShot capture #026 - 'Twitter _ Michael Mang_ #rzf4 mein Gummibärchentel ___' - twitter_com_MichaelMang_statuses_5208862764Witzig waren natürlich auch die Aufforderungen der Twitter-Welt von draußen, die erstmals per Live-Stream (an der Technik darf noch etwas gefeilt werden!) mit dabei sein und alles sehen und hören konnten – zumindest bis die Technik versagte:

FireShot capture #027 - 'Twitter _ Björn Symanzik_ #Flashmob_ Reißt doch alle ___' - twitter_com_der_bjoern_statuses_5208753577

Nach dieser gelungenen Einführung ging es für uns in den Papierkeller, in die Druckräume und letztendlich auch noch ans „Newsdesk“. Wir lernten, dass Papier aus Russland kein Altpapier enthält, dass allein die Rheinzeitung über 200 Tonnen schwarze Farbe im Jahr verbraucht, und dass der Spätdienst nicht mehr den Chefredakteur anrufen muss.  Und dass geplatzte rote Farbschläuche auch für Drucker kein Spaß sind. Und noch vieles mehr. Gerade die Mischung / der Gegensatz aus den Gesprächen über das supermoderne Twitter und die Faszination des Druckens einer Zeitung, wie es seit Jahren gemacht wird, machten den Abend auch so spannend für mich.

Die Balance zwischen dem tradionellen Teil des Printmediums und der schnelllebigen Onlinewelt bekommt die Rheinzeitung meines Erachtens sehr gut in den Griff. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die den Wert von Twitter und Web 2.0 im Jahre 2009 verkennen, setzt die Rheinzeitung auf die richtigen Werkzeuge. Davon konnte sich auch gestern jeder überzeugen. Kann ich nur mein höchstes Lob aussprechen!

Im Anschluss gings nochmal in den Konferenzraum: Abschließende Gespräche, Frage nach Kritik und gemeinsames Testen des neuen Amazon Kindles. Natürlich musste ich erstmal schön auf das Display „touchen“ – wie iphonegewöhnt wir schon sind :/. (Generell machte der Kindle übrigens auf mich einen guten Eindruck, das Lesen eines FAZ-Artikels ging wunderbar flüssig und leicht. Aber so ganz macht mich diese E-Book-Geschichte (noch) nicht an, das Lesen einer Zeitung, eines Magazines oder eines Buches im klassischen Sinne ziehe ich eindeutig vor. Noch.)

Zum Abschluss gabs noch ein kleines bisschen Eigenwerbung mit einem Schirm der Marke „Rheinzeitung“ und obendrauf als Überraschung eine Titelseite der heutigen Zeitung mit dem Gruppenbild des #rzf4.

Super Abend, interessante Menschen und schön, auch mal die Gesichter hinter den RZ-Acounts kennenzulernen. Sowas mach ich gerne wieder mit. Allein schon wegen den Schnittchen 😉 Fürs nächste Mal: Ruhig noch ein bisschen mehr Zeit einplanen, ich hätte gerne noch etwas mit dem einen oder anderen gequatscht. Vielleicht früher anfangen.

ps: Noch mehr Photos gibts auch hier bei @netzbetreuer: http://picasaweb.google.com/nepuxer/Rzf4#

Edit: Das Gruppenbild gibts jetzt beim RZBildchef.

Gedanken, heute: das (mobile) Internet

Oktober 15, 2009 5 Kommentare

Es gibt sie manchmal, diese Tage. Ich sitze nichtsmachend vor meinem Laptop. Musik läuft auf Zimmerlautstärke – oder lauter-  und ich lasse nichts an mich heran. (Gerade übrigens das fast schon betäubend schöne 1994er Album „Grace“ von Jeff Buckley. Genial: dazu sollte ich irgendwann mal was bloggen…!)  Meine Gedanken fliegen durch meinen Kopf. Dazwischen: Diverse „Social Media“-Plattformen abchecken, hunderte Tweets lesen und selbst twittern, skypen, Emailpostfächer durchackern, Newsseiten, Blogs und einschlägige Magazine lesen: der absolute Informationsoverkill. Dazu vielleicht der eine oder andere Chat mit Freunden. Und immer wieder Musik. Die man mittlerweile natürlich ebenso praktischerweise überall online findet, ohne mit der Wimper zu zucken. Es sind diese Tage, an denen sich mein Leben und meine Gedanken ausschließlich rund um dieses „Etwas“ bewegen, was wir Internet nennen. Zur Erinnerung: Entstanden ist das Ganze erst 1969 aus dem Projekt „ARPANET„. Das sind erst 40 Jahre Vernetzung. Ich selbst nutze das „Web“ nun etwa 10 Jahre richtig. Alles vor 1999 war mehr Spielerei, mit meinem Login in der 1998a-Version von ICQ war mein Einstieg in die vernetzte Welt vollzogen. Danach ging es Schritt für Schritt: Neue Browser, immer mehr Möglichkeiten, die Zeit der Foren und HTML-Chats, die ersten Netzwerke / Partyportale. Hach, da ist ja schon beim Gedanken daran etwas Nostalgie dabei. (Wie passend, dass gerade „Hallelujah“ aus den Boxen erklingt…). Und heute? Online-Auktionshäuser, Onlineshops, Online-Bewerbungen, Online-Lernhilfen, Online-Magazine, Online-Streaming und Online-Telefonie. Und und und. Etwa 10 Jahre nach meinen ersten zaghaften Schritten im Internet spielt sich – gefühlt – alles Leben online ab. Meine Großeltern wollen nun auch endlich „Internet kaufen„, meine Eltern lesen diesen Blog ( Schöne Grüße 😉  ), die Rheinzeitung druckt „Tweets“ in ihrer Printausgabe, die Frankfurter Buchmesse hat als Hauptthema (!) digitale E-Books, Bands lassen ihre Alben auf ihren Facebook-Seiten runterladen, Universitäten führen – komplizierte – studentische Anmelde-Netzwerke ein,  Politiker bekommen StudiVZ-Profile, und jeder (okay, gefühlt jeder!) läuft mit einem iphone kommunikationssüchtig durch die Gegend und twittert das gerade Erlebte  oder irgendwas vermeintlich Witziges (oder auch schon mal den Polizeifunk). Und ich blogge hier gerade. (Selbst das kann man mittlerweile vom iphone aus…). Während  immer noch Jeff Buckleys wunderbare Stimme zu mir singt, überlege ich mir, wohin das Alles noch führen wird. Das „Internet“ – was es als solches eh noch nie gegeben hat – wird immer mobiler, reißt unsere Gesellschaft in einen schneller werdenden Strudel aus Informationen. Ein Großteil dieser Informationen sind wertlos und Blödsinn, und doch verfallen wir alle diesem Strudel, der uns alle erfasst wie ein Virus, für den man noch in den 90igern einen besonders tollen Anti-Viren-Schutz installiert hätte. Ich beschäftige mich an manchen Tagen viele, viele Stunden (zuviele!) mit Twitter – und das völlig privat: Neben Studium und Job. Stunden, die mir für anderes Wichtiges fehlen, die ich aber gerne in Kauf nehme. Allein dies jemandem Außenstehenden zu erklären ist so gut wie unmöglich. Wie geht das weiter? Wie schaut web 3.0 aus? Will ich diesen Schritt überhaupt nocht mitmachen? Oder anders gefragt: Kann man es sich überhaupt noch erlauben, da NICHT mitzumachen? Es gibt nicht wenige, die das Internet als mittlerweile wichtigsten Kulturraum sehen und diesen (Rechts-)Raum in zahllosen Diskussionen scharf verteidigen.  Für mich ist das Internet Segen und Fluch zugleich: wunderbare Kommunikation in die ganze Welt, Information zu jeder Zeit, und eine nie gekannte Fülle von Möglichkeiten, die ich mir vor 10 Jahren nicht mal erträumt habe. Auf der anderen Seite aber auch ein süchtig machendes, zeitaufwendiges „Hobby“, oftmals belanglos, und an vielen Stellen viel zu unkritisch. Außerdem entwickelt sich gerade das mobile Netz, welches die Kommunikation ja so vereinfachen soll, paradoxerweise zum ultimativen Kommunikationskiller! Beispiel aus meinem Leben: 5 Freunde sitzen zusammen und trinken einen guten Rotwein. Die zwei ohne mobiles Internet genießen diesen Augenblick, die anderen drei haben ihr iphone in der Hand und twittern diesen Augenblick. Vielleicht noch ein nettes Photo dabei auf Twitpic und co, und schon ist das „Tweetlife“ perfekt. Für mich ist das tödlich für jeden realen Kontakt mit anderen. – Beschäftige mich aktuell mit dem Gedanken, ein iphone zu bestellen. Auch Teil dieser applesüchtigen Bewegung zu werden. Doch ich habe wirklich Bedenken Angst vor diesem Schritt: Ich will nicht zu einem dieser Menschen werden, die ihre wirklichen, echten Kontakte verlieren, weil sie selbst unterwegs, im Kino, auf einer Party, in der Uni, während der Arbeit nur noch online sind, online denken. Doch lässt sich dieser Schritt überhaupt langfristig verhindern? Bin ich zu rückständig? Was erwartet uns in weiteren 10 Jahren? Fragen über Fragen – und ich weiß keine Antworten. Ich weiß nur: Das „Internet“ hat unsere Gesellschaft wie nichts Vergleichbares vorher revolutioniert und wird dies in Zukunft vermutlich noch mehr tun. Hoffentlich nicht nur zum Negativen. (Mittlerweile hat Buckley Ruhe. Die Black Eyed Peas singen „I gotta feeling“: „Easy come, easy go – Now we on top“ klingt dazu nun aus meinen Boxen – und das kenn ich natürlich auch aus dem Netz.)

Gesetz zur Internetzensur -Thema „zensursula“

Juni 19, 2009 1 Kommentar

zensursulaGestern also ist es doch passiert. Trotz der in der BRD größten jemals dagewesenen Petition gegen das „Zugangserschwerungsgesetz“ wurde eben dieses im Bundestag – mit namentlicher Abstimmung – beschlossen. Über 134000 Unterzeichner (ich war noch einer der ersten Tausend!) reichten nicht, um den Bundestag bzw. besser die große Koalition zu überzeugen, dass sie mit diesem Gesetz auf dem absolut falschen Weg sind, und den ersten Schritt getan haben in eine Zensur, wie sie sonst nur China hat (oder aktuell auch der Iran!). Phoenix übertrug live im Fernsehen, mit einem Live-Stream im Netz und auch die Bundestagsseite hatte verschiedene Live-Streams, welche aber vollkommen überlastet waren, was auf das ungeheure Interesse im Netz zurückzuführen ist.

Ich glaube vielen (auch gerade in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis) ist nicht bewußt, was dieses Gesetz *wirklich* bewirkt: Der Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist damit quasi aufgehoben. Unter dem Decknamen des Kindesmissbrauches (irreführender Name übrigens: Kinderpornographie!) wird ein Gesetz durchgeboxt, welches der Regierung erlaubt, alles und jedes zu zensieren – ohne das zu begründen. Schon wenige STUNDEN(!) nach der Abstimmung fordert ein CDU-Abgeordneter eine Ausweitung der Netzsperren u.a. auf die sogenannten, von der Regierung gehassten „Killerspiele“. Den meisten wird die Wirkung dieses Gesetzes vermutlich erst klar werden, wenn sie auf ihren geliebten halblegalen Seiten wie kino.to und Ähnlichem (rapidshare und co incl.) ein rotes Stoppschild sehen.

Auch wenn die Gegner des Gesetzes gestern eine schwere Niederlage einstecken mussten (viele im Netz sehen die Demokratie der BRD gefährdet…- und hoffen nun auf eine Verfassungsklage!), die Aktionen rund um dieses Gesetz, die Petition und die vielen, vielen Blogeinträge und tausende Tweets zum Thema geben Hoffnung: Da regt sich doch was! Die Debatte, die im Internet losgelöst wurde, ist kaum mehr aufzuhalten. Auch im Hinblick auf den Wahlkampf und die Bundestagswahl 2009 wird das sicher riesig spannend.  Nahezu unglaublich, wieviel und wieoft gestern abend, und auch heute den ganzen Tag über das Thema aufgeriffen wurde. Gefühlte Millionen Blogs, sekündliche Tweets mit dem hashtag #zensursula. Nicht nur das: Ich habe das Gefühl, dass sich auf einmal wieder mehr Menschen mit der Politik auseinandersetzen. Dieses Gefühl beschreibt auch gut der sehr gute Beitrag von Christoph Thurner: Vielen Dank Ursula von der Leyen (ernst gemeint!) mit seinen vielen ,vielen Kommentaren.

Überhaupt scheint das ganze Internet in Aufruhr zu sein. Es scheint kein anderes Thema mehr zu geben (mal vomweltweiten Thema der Iranwahl abgesehen!).Einige Beispiele:

usw usw. Diese Liste ist beliebig erweiterbar, es gibt wirklich viele gute Kommentare und Einträge, wenn es natürlich wie überall auch hier viele populistische Stimmen gibt. Da kann sich aber jeder selbst mal ein Bild machen und sich selbst informieren.

Im Gegensatz zur umfassenden Berichterstattung und den fast schon erschlagenden tweets zu #zensursula im Netz, regt sich innerhalb der realen Welt (ja, die gibts noch!) sehr wenig. Egal ob in der Universität, im Freundeskreis, Familie oder auf der Strasse: Das Thema kommt so gut wie nie auf den Tisch; wenn ich es anspreche, wird es schnell wieder begraben. Erschreckend!! Daran sieht man auch, wie wenige Menschen sich wirklich mit der aktuellen Politik beschäftigen und wirklich schauen, was die Regierung jeweils gerade versucht. Das zeigte auch eine Umfrage Anfang Juni zum Zensurgesetz. (Da muss man anmerken, dass das Allensbach-Institut CDU-nah ist und allein schon die Fragen wenig Spielraum lassen…)

Interessant und spannend finde ich nun auch die weiteren Entwicklungen. Besonders die Piratenpartei scheint gerade sehr zu profitieren, viele haben heute eine Mitgliedschaft unterschrieben, und als erster MdB erwägt Dr. Tauss eine Mitgliedschaft; eben jener Tauss, der selbst der Kinderpornographie verdächtig ist und gestern in einer aufsehenserregenden Rede ein letztes Mal im Bundestag auftrat. Eben jene Piraten planen nun in vielen deutschen Großstädten Demonstrationen und Proteste: „löschen statt sperren!“ Mal schauen, ob davon was in den Medien ernsthaft berichtet wird.

Hier kann man übrigens einsehen, welcher Abgeordneter FÜR das Gesetz, und noch wichtiger, welche DAGEGEN gestimmt haben. Sollten wir uns genau ansehen und vielleicht auch daraufhin unsere Stimmen im September geben. (Hier kann man vor allem die FDP loben: komplett dagegen, und dazu ein kompetenter Redebeitrag in der gestrigen Live-Debatte, super! – Hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sage 😉 )

Das reicht fürs erste – ich denke wir werden zu diesem Thema noch einiges hören. Hoffen wir alle, dass der Artikel 5 noch nicht gestorben ist.

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edit: habe bei „Wir sind das Volk“ noch eine Liste mit interessanten Beiträgen zur Debatte gefunden – allein NUR von heute!

edit2: Lustige Sache, ernster Zweck: Protest raus unter das Volk zu bringen: 3D-supply bietet kostenlose „zensursula“-Tshirts an. (Lediglich die Versandkosten muss man selbst übernehmen!)

Was ist eigentlich Twitter?

März 30, 2009 1 Kommentar

Vor kurzem eine größere Runde von Studenten: Alles regelmäßige Internetuser und in der surrealen Onlinewelt zuhause. Und nun das Erstaunliche: Außer mir hatte noch keiner (!) jemals von „Twitter“ gehört. Da auch ich weder angemeldet war, noch irgendwelche weiterführenden Kenntnisse hatte, konnte ich es auch nicht wirklich erklären… Noch am selben Abend meldete ich mich bei Twitter an und testete eine Weile herum. Das ist nun eine knappe Woche her und das kurze Fazit lautet: ziemlich amüsant das Ganze. Daher gibts auch seit heute hier im Blog „now in 140 letters..“: Twitter hier verlinkt, alle Nachrichten & Tätigkeiten, für die sich ein Blogeintrag nicht lohnt, die aber vielleicht doch interessant sind.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Was ist Twitter?

01020137809100Twitter ist eine Art Mikroblog-Service. Angemeldete Benutzer können Textnachrichten mit maximal 140 (ja, 140 und nicht 160 wie bei einer SMS!) Zeichen senden und die Nachrichten anderer Benutzer empfangen. Diese Nachrichten werden dann wiederum „Tweets“ genannt (von engl: „to tweet: zwitschern“). Twitter gibt es seit 2006, ist aber erst in der kürzeren Vergangenheit richtig populär geworden. Mittlerweile wird Twitter von fast jedem journalistischen Medium benutzt, und viele Prominente und Politiker „twittern“ über ihr Leben, ihre Ideen und ihre Ziele. Da ist im Grunde genommen alles dabei, von „ich trinke gerade Kaffee“ bis zu „guckt Euch mal diesen Link hier an…“. So schreibt zum Beispiel ein gewisser Lance Armstrong über wirklich alles in seinem Leben: zwischen Radfahren, Wein und Familie. Schon faszinierend. Natürlich nutzen auch die News-Portale mittlerweile alle Twitter: alleine Spiegel Online nutzt über 20 verschiedene Twitterfeeds.

Mittlerweile gibt es rund um Twitter ganze Communitys, add-ons für Firefox , zahllose Erweiterungen und Features und natürlich Millionen von Nutzern.

Mal Butter bei die Fische: Welchen Sinn hat Twitter?

Darüber könnte man sich vermutlich wochenlang streiten 😉 In Erster Linie keinen! Es ist  eigentlich ein amüsantes Onlinetool, welches einem ermöglicht kurze, prägnante Informationen weiterzugeben bzw. diese von anderen Menschen zu lesen. Aber natürlich wird es in erster Linie zu abertausenden Banalitäten genutzt: siehe mein Tweet eben: „Sonne, Freunde und Bier. perfekter Tag“ 😉 Genauso wie es die großen Verfechter von Twitter gibt, häufen sich natürlich mittlerweile auch die Gegner. Ein Wolfgang Schäuble findet es vermutlich witzig: Was er über Gesetze nicht erreicht, machen die Menschen schließlich von sich aus: der gläserne Bürger ist geboren (Eine Twitter-Erweiterung mit GoogleMaps lässt andere den genauen Standort anzeigen… Twittern ist auch vom Handy aus möglich). Ich finde es persönlich ganz witzig, mal sehen was sich in in der nächsten Zeit damit so tut. Auch der Wahlkampf 2009 wird sicherlich schon über die Onlinekanäle ausgetragen werden, die Twitterseiten der Politiker sind sicherlich da vorderster Front mit dabei.

Ein wunderbares Video über Twitter und seine Sinnhaftigkeit gibts hier, unbedingt ansehen! Höchst amüsant 😀

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